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Rituale im Wandel von Familien und professionellen Organisationen (Rituale in sozialen Systemen) Bruno Hildenbrand Institut für Soziologie DATUM Nr.

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1 Rituale im Wandel von Familien und professionellen Organisationen (Rituale in sozialen Systemen) Bruno Hildenbrand Institut für Soziologie DATUM Nr.

2 Ein Konzept von Wandel 1 Krisen als Situationen der neues Gleich- Weichenstellung gewicht Initial: Streben nach Reintegration Gleichgewicht DestabilisierungResilienz Chaos Frederic Flach 2004, S. 14 Trajekt

3 Ein Konzept von Wandel 2: weitere Perspektiven Einbruch in dieFutur-II-Perspektive (W.B.) Stagnation des Werdens (v.G.)(nur vom Betroffenen Krise als Vorbote von Wandelaus realisierbar): v. W. (RWE); Prolepsis (v. W.) Das in der Krise befindliche Wesen ist aktuell nichts und potentiell alles (v. Weizsäcker). Das Werden jenseits von Plan und Berechnung (Jaspers: Freiheit jenseits von Festgelegtheit/Sprung. Binswanger: Träume als Möglichkeiten). V. Turner: Liminalphase. dissipative Strukturen (Zufälle/instabiles System/Neues, Jürgen Kriz). Exodus.

4 Der Exodus (2. Buch Mose) ist das Urmodell aller Übergänge Ablaufmuster: –Problem (Sklaverei in Ägypten) –Kampf (die Wüste) –Die Lösung (das Gelobte Land)

5 Phasen eines Trajekts (1) Die Krise zeichnet sich ab, aber die damit verbundenen Symptome werden ausgeblendet. (2)Wird die Krise offenkundig, beginnt das Trajekt. (3)Die Interaktionen, die daraufhin eingeleitet werden, formen den möglichen Verlauf des Trajekts. (4)In akuten Phasen spitzt sich die Situation zu. (5)In Phasen der (Re-)Stabilisierung kann ein labiles Gleichgewicht wiedergefunden werden. (6)Es kommt aber immer wieder zu Destabilisierungen, woraufhin neue Aktionen folgen.

6 Wandel Eine gelungene Sequenz von Krisenbewältigung setzt den Rahmen für weitere gelingende Krisenbewältigungen (Emmy Werner). Zentral dabei ist, in welcher Form das Trajekt (der Bewältigungsverlauf) eingespurt wird und welche Arbeit in den Verlauf gesteckt wird (Corbin & Strauss). Rituale unterstützen diesen Prozess (nächste Folie)

7 Rituale: allgemeine Definition Durchsetzen eines Sinns, der nicht mehr hinterfragt werden soll (C. Lévi-Strauss). Übergangsrituale: –Konfliktlösungsverhalten an neuralgischen Punkten standardisieren und die auftretenden Probleme überschaubar und kalkulierbar erscheinen lassen (K.E. Müller) –Mit den Phasen: Trennung/Reinigung/Wieder- angliederung.

8 Rituale in der Familie Evan Imber Black: Funktionen von Ritualen in Familien: Beziehung schaffen Verändern Heilen Feiern

9 Rituale in professionellen Organisationen Henry Mintzberg: Maschinenbürokratie: Standardisierung der Arbeitsprozesse; Dominanz der Technostruktur Professionelle Bürokratie: Standardisierung der Fähigkeiten; Dominanz der operativen Basis

10 Das Paradox des Rituals in professionellen Organisationen Tom Levold: Rituale stiften Einheit durch unhinterfragte, für selbstverständlich hingenommene Prozesse Mitglieder professioneller Organisationen sind auf Reflexivität angelegt Reflexivität aber liegt quer zum Ritual Ritualisierungen in professionellen Organisationen müssen also reflexiv abgesichert werden

11 Zusammenfassung Rituale können Prozesse des Wandels in Familien wie auch in professionellen Organisationen nachhaltig unterstützen Ein Wandlungsprozess kann sogar in der Struktur eines Rituals organisiert werden (Exodus) In der reflexiven Moderne hat das Ritual jedoch seine Selbstverständlichkeit eingebüßt, es muss reflexiv begründet werden Das ist ein Paradox, dessen Bearbeitung selber Veränderungspotentiale birgt

12 Aufstellung als Übergangsritual (vollständiger Krisenzyklus) (Babis & Schwester, vgl. Hildenbrand & Weber 2002) (1)Babis hat kein spezielles Anliegen, aber er befindet sich, wie er sagt, in einer lang anhaltenden Ablösekrise. (2)Indem Babis seine aktuelle Situation aufstellt, aktiviert er die Homöostase. (3)Der Aufsteller dramatisiert die Situation, indem er die Aufstellung verändert: Destablisierung, Chaos. (4)Lösungsaufstellung: Reintegration, neues Gleichgewicht. Bewusst ritualisiert.

13 Die Aufstellung und das Neue (1)Ein Krisenzyklus wird exemplarisch durchgespielt, das Neue wird durch Rückgriff auf rituelle Praktiken verankert. (2) Trajekt: zunächst ohne weitere therapeutische Unterstützung, ggf. eine weitere Aufstellung zwei o. drei Jahre später. (3)Rituelle Reintegration universeller Strukturen als Anstoß zum Entstehen von Neuem (Übergang): Permutation. (4)Die Lösungssätze folgen dem Schema: Trennung/Angliederung (wo ist die Reinigung?) (5)In Form eines Angebots (=Möglichkeiten)


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