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Einführung in die Wissenschaftstheorie Prof. Dr. Ulf-Daniel Ehlers DHBW 1.

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Präsentation zum Thema: "Einführung in die Wissenschaftstheorie Prof. Dr. Ulf-Daniel Ehlers DHBW 1."—  Präsentation transkript:

1 Einführung in die Wissenschaftstheorie Prof. Dr. Ulf-Daniel Ehlers DHBW 1

2 Veranstaltungstermine , 16:30-19:45 Thema: Wissenschaftstheorie , Uhr Thema: Wissenschaftstheorie Einführung Methoden empirischer Sozialforschung , Uhr Thema: Methoden empirischer Sozialforschung 2

3 Wo ist Wissenschaft im Alltag? 3

4 Was sind populäre Wissenschaftsthemen? 4

5 5

6 The strength of weak ties Mark Granovetter 6

7 Connectivism Georg Siemens 7

8 Serendipity 8

9 Was sind populäre Köpfe in der Wissenschaft? 9

10 Was sind wissenschaftliche Erfindungen, die wir nutzen? Internet MP3 + 4 …? 10

11 Was sind charakteristka von Wissenschaft? Stellen Sie sich einmal vor, Sie müssten Wissenschaft definieren? 5 Minuten, Kartenabfrage 11

12 Wissenschaft–Theorie–Wissenschaftstheorie Systematische Tätigkeit: neue Erkenntnisse hervorbringen, Fragen stellen, Vorhersagen treffen Arbeitet prognostisch, normativ oder empirisch Arbeitet entlang einer benennbaren Methodik Bietet detailgenaue Beschreibungen, Erklärungen und Interpretationsvorschläge Belegbarkeit, Überprüfbarkeit, Reproduzierbarkeit 12 Was ist Wissenschaft?

13 13 Beansprucht allgemeine Gültigkeit? Produziert letztgültige Wahrheiten? Oder macht Vorschläge in einem offenen Diskussionsprozess? Unterschied zwischen Meinung und Wissen, zwischen Wissenschaft und Ideologie – was als Ideologie gilt, ist geknüpft an gesellschaftliche Bedingungen Denken und Arbeiten innerhalb eines institutionalisierten Rahmens – Spielregeln und Zwänge des Wissenschaftsbetriebs

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24 Was tun WissenschafterInnen? Fakten werden nicht durch korrekte Methoden entdeckt, sondern geschaffen und interpretiert Auswahl der Studienobjekte, Perspektive, Untersuchungseinheit... entscheidet über Erkenntnis! Auswahl ist nicht neutral: theoretisches Grundverständnis, persönliche Erfahrungen und Vorlieben, ontologische Position des/der Forschenden Wissenschaftstheorie PS TEF 2 Beobachten, beschreiben, erklären, interpretieren... ABER

25 Forschungsprozess beginnt mit Vor- Urteilen, aber.... intersubjektive Überprüfbarkeit methodische Nachvollziehbarkeit Beweis- und Begründungspflicht Öffnen für Prüfung, Diskussion, Kritik 25 Wissenschaftstheorie PS TEF 2

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28 Was tun WissenschafterInnen? 28 (E)very statement of fact implies assumptions about what is considered factural... Kees van der Pijl Beobachten, beschreiben, erklären, interpretieren... ABER

29 Was ist Theorie? vollständige, durchgängige, in sich widerspruchsfreie und präzise Erfassung des Gegenstandes Logische Aussagen und Thesen darüber, wie die soziale Welt strukturiert ist, wie sie funktioniert wie ihre Teile und diese mit dem Ganzen zusammenhängen Entwickelt eine eigene Sprache, hat eine bestimmte Grammatik, legt Bedeutungen fest 29

30 Was ist Theorie? 30 Theorie = modellhaft, die abstrakte Essenz abbildend Entwicklungen der Vergangenheit erklären und Voraussagen für die Zukunft treffen intersubjektiv überprüfbar (Empirie!)

31 Wozu Theorie? 31 um Informationen / Fakten zu ordnen Werkzeuge, um die soziale Welt zu verstehen bzw. zu deuten Probleme zu definieren Möglichkeiten für Handeln zu erkennen bzw. zu entwerfen Den Radius des Mach- und Denkbaren, des Sag- und Wissbaren erweitern

32 Wozu Theorie? 32 Theorie beeinflusst die Wahl des Untersuchungsgegenstandes & die Interpretation der Ergebnisse theoriegeleitete Forschung theoriebeeinflusste Fragestellung

33 Ausgewählte Zitate : Theorie 33 Theory is a set of logical propositions …about how the real world is structured, or the way in which it operates (…) which aim to explain how development has occurred in the past, and/or how it should occur in the future. Robert P. Potter (2002)

34 Was ist Theorie? 34 Theoretical perspectives serve to define the nature of and the problems within the real world of the political economy. General theory or ontology (…) involves assumptions regarding the nature of a lived reality, the way that parts of this reality relate to the whole, and how that reality changes or might change over time. Stephen Gill (1993) Theorie – Große Erzählung – Ontologie

35 Was ist Theorie? 35 Theorie – Große Erzählung – Ontologie There is no theory in itself, no theory independent of a concrete historical context. (...) Theory is always for someone and for some purpose. Robert Cox (1995)

36 Was ist Wissenschaftstheorie? Wissenschaftstheorie setzt sich mit den Bedingungen auseinander, unter denen Wissenschaft entsteht und betrieben wird Reflexion über Theorie und die Konstruktionsregeln von Wissenschaft 36

37 37 Scherer 2012, Zürich)

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39 Wissenschaftstheorie – wozu? Welche (Vor-)Annahmen haben wir über die soziale Welt, die wir beforschen? Wie positionieren wir uns selbst als Forschende? Wie und mit welchen Techniken können wir soziale Phänomene erkennen und erforschen? 39

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44 Ein klares Verständnis über unsere Annahmen ist notwendig, um 44 Verwirrung bei der Diskussion von theoretischen Standpunkten und Zugängen zu vermeiden andere Positionen zu erkennen und die eigenen Positionen zu begründen den Zusammenhang zwischen den Schlüsselkomponenten von Forschung – soziale Realität, Erkenntnisprozess und Methodologie/Methoden – zu verstehen

45 Der Begriff der Wahrheit

46 Subjektivität – Objektivität – Intersubjektivität Ist absolute Objektivität möglich? unterschiedliche Wahrnehmung von Realität (Welt 1) z.B. durch Selektion der Eindrücke Vorverständnis von Begriffen/Prägungen Assoziationen Kenntnisstand bei Beobachtung Verfügbarkeit von Messinstrumentarien Abhängigkeit der Messergebnisse von Größenkonventionen Deshalb keine absolute Objektivität möglich © Anselm Dohle-Beltinger 2010

47 Grenzen der Wahrnehmungspräzision Wo sind die Grenzen von türkis?

48 Ist Subjektivität wünschenswert? Beschreibungen können nicht nachvollzogen werden Theorien können nicht überprüft werden keine Wahrheit, sondern nur Meinung kein Erkenntnisgewinn möglich © Anselm Dhle-Beltinger 2010

49 Lösung: Intersubjektivität = relative Objektivität anerkennt Unmöglichkeit der absoluten Objektivität verhindert reine Subjektivität; verlangt Wiederholbarkeit der Feststellung = Reliabilität verlangt Nachvollziehbarkeit der Kategorisierung durch jedermann durch jeden Qualifizierten durch Beschreibung der Kategorien Erarbeitung von zusätzlichen Prüfverfahren, die unabhängig vom Einzelbeobachter sind (maschinelle Messung o.ä.)

50 Verifikation und Falsifikation Aussage über Theoriebestätigung Gültigkeit/Wahrheit einer Theorie nur dann wahr, wenn alle Aussagen logisch aufeinander aufbauen und einzeln positiv nachweisbar = Theoriebildung durch verifizieren (Verifikation) oder schon dann (und nur solange wie) wahr/gültig, wenn ich keine der Theorie widersprechende Beobachtung mache = Theoriebildung durch falsifizieren (Falsifizierung) Die Qualität einer Theorie ist um so besser, je leichter sie sich falsifizieren lassen müsste, aber nicht lässt

51 Der Status quo Falsifikation Gewinnung meist durch Induktion Paradigmen als Tatsache und Herausforderung, auf anderen Wegen zu denken akzeptiert schwer, einmal falsifizierte Theorien endgültig zu beseitigen (anders z.B. ptolemäisches und kopernikanisches Weltbild) Änderung der Umstände oder von deren Wahrnehmung kann sie wieder aktivieren

52 Allgemeine Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens (1) Bei jeder Untersuchung ist die Art des Gegenstandes zu klären. In der Phase der Ideensuche zur Lösung einer Frage oder eines Problems sind prinzipiell alle Methoden erlaubt.

53 Kriterien jeglicher Informationsbeschaffung Gesuchte Daten Relevanz, d.h.nur problembezogene Daten Vollständigkeit (Kosten!) der relevanten Daten Intersubjektivität (Nachvollziehbarkeit für Dritte) Reliabilität (Reproduzierbarkeit der Daten/Ergebnisse) Validität (Repräsentativität der Beobachtungen für die Grundgesamtheit) Sonst Missinterpretation, Spekulation oder gar Fälschung zu erwarten

54 Allgemeine Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens (2) Ideensuche mit klar definierten Aussagen beenden Diese Aussagen sind Hypothesen. Popper formuliert die Regel: Je spezifischer und genauer Hypothesen sind, desto besser sind sie, weil sie leichter widerlegt werden können. Hält eine Hypothese dann dennoch stand, dann ist sie auch brauchbarer. zweckmäßig, stets mit einer Gliederung zu beginnen es zeigt sich, welche Gliederungsteile sich bewähren, welche wegfallen und welche ergänzt werden müssen

55 Allgemeine Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens (3) Ergebnisse: Trennen zwischen rein beschreibenden (deskriptiven) und empfehlenden (normativen) Aussagen für Letztere: Basis der Bewertung offenlegen; dann kann über Werturteil rational gesprochen werden, selbst wenn keine Einigkeit über die Werte herrscht. Es interessieren nicht nur die zielführenden Wege, sondern auch die verworfenen und die Gründe dafür

56 Grundlegende Begriffe 56 Ontologie: Lehre des Seins Was existiert? Was kann erforscht werden? Epistemologie: Lehre des Wissens Was können wir wissen? Wie können wir Wissen erlangen? Methodologie: Lehre von den Methoden Mit welchen Mitteln und Methoden kann systematisch Wissen gewonnen werden?

57 Grundlegende Begriffe 57 Methodologie: Lehre von den Methoden Mit welchen Mitteln und Methoden kann systematisch Wissen gewonnen werden? Methode: Art und Weise des Vorgehens, um ein bestimmtes Ziel mit bestimmten Mitteln zu erreichen Quellen Wissenschaftstheorie PS TEF 2

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59 Grundlegende Begriffe 59 Ontologie Epistemologie Methodologie What is out there to know about? who we are What and how can we know about it? how to know How can we go about acquiring knowledge? how and what to do

60 60 Ontologische und epistemologische Positionen … Warum sich damit auseinandersetzen? They are like a skin not a sweater: they cannot be put on and taken off whenever the researcher sees fit. should not be treated like a sweater that can be `put on´ when we are addressing such philosophical issues and `taken off´ when we are doing research. Quelle: Marsh/Furlong prägen Zugang zu Gegenstand, Theorie, Methoden

61 Rationalismus Rene Descartes ( ): Ich denke, also bin ich. Die Sinne können täuschen, deshalb kann ich mich nur auf die Vernunft verlassen. Geometrie als ideale Wissenschaft

62 Empirismus Francis Bacon ( ): Wissen ist Macht Alles Wissen stammt letztendlich aus der Sinneserfahrung. Induktion: Durch genaue Beobachtung erkennen wir Strukturen und Regelmäßigkeiten. Je höher die Zahle der Beobachtungen (Experimente) desto glaubwürdiger die abgeleiteten Sätze

63 Hume: Das Induktionsproblem

64 Vorgehensweisen Wie gewinnen wir Theorien? induktiv deduktiv aus Paradigmen

65 Induktion Mehrere Beobachtungen Querverbindungen suchen erklärender Grundsatz nächste Abstraktionsebene der Theorie Ursprung des Geschehens. Beispiel Newton und die Gravitation: Beobachtung: 5 verschiedene Gegenstände fallen alle auf der gleichen Linie zu Boden; Theorie: Jeder Gegenstand fällt auf gleicher Linie zu Boden (Bei Federn z.B. im Vakuum) Höhere Ebene: die größere Masse zieht die kleinere in Richtung ihres Schwerpunktes.

66 Fragen zur Induktion Muss ich nicht schon eine Vorstellung von der Theorie haben, um die richtigen Beobachtungen zu machen? Kann ich eine derartige Theorie verifizieren, wenn ich doch nur eine endliche Anzahl von Beobachtungen habe?

67 Deduktion Bei der Deduktion gehe ich von einer allgemeinen Forderung (Postulat) aus und leite daraus zunehmend konkrete und damit beobachtbare Forderungen ab. Beispiel Heisenbergs Unschärfetheorem: Bei kleinsten Teilchen ist nicht zugleich Lage und Bewegung beobachtbar. Untere abgeleitete Theorieebene: ich kann nur Aufenthaltswahrscheinlichkeiten angeben. Beobachtung: Die Aufenthaltsorte der Elektronen lassen sich nur als Wolken, nicht als feste Bahnen beschreiben.

68 Fragen zur Deduktion Ist es akzeptabel, dass zunächst ohne Rücksicht auf die Wirklichkeit einfach postuliert wird? Ist eine Theorie schon bei einem Gegenbeispiel falsch?

69 Paradigma (Pl.: ~men/~mata) Es handelt sich dabei um allgemein akzeptierte, nicht weiter hinterfragte Theorien, auf denen wiederum andere aufbauen. Paradigmen werden vielfach als die bequeme Antwort der Wissenschaftler auf die unbequemen Fragen, die aus einer Falsifizierung resultieren, angesehen.

70 Paradigmenwechsel VWL: Die Wirtschaft läuft besser ohne staatlichen Eingriff (neoklassisch; angebotsorientiert) oder staatliche Eingriffe sind unumgänglich für Stabilität und Wachstum (keynesianisch; nachfrageorientiert) BWL: Motivation oder Zielvereinbarung; Visionäre Kraft des Unternehmers und Alleinherrschaft oder Teamkonzepte.

71 Karl Popper ( ): Kritischer Rationalismus Aufgrund des Induktionsproblems wissen wir nie, ob wir die Wahrheit erreicht haben, wir nähern uns dieser aber permanent an. Falsifikation statt Verifikation Hält eine Theorie der Prüfung hingegen stand, so bewährt sie sich, ohne dass die Theorie dadurch besser (wahrscheinlicher, glaubwürdiger) wird. Falsifikation als Kriterium für wissenschaftliche Aussagen. An die Stelle des Beweisdenkens tritt die Idee der kritischen Prüfung. Marxismus und Psychoanalyse hält Popper nicht für Wissenschaft

72 Karl Popper Ein anderes Kochrezept ist: Schreibe schwer verständlichen Schwulst und füge von Zeit zu Zeit Trivialitäten hinzu. Das schmeckt dem Leser, der geschmeichelt ist, in einem so tiefen Buch Gedanken zu finden, die er selbst schon mal gedacht hat.

73 Kritischer Rationalismus Relativismus oder Dogmatismus? Und was gibt es dazwischen? An die Stelle des Beweisdenkens tritt die Idee der kritischen Prüfung Ich kann mich irren. Vielleicht hast du Recht. Zusammen kommen wir vielleicht der Wahrheit auf die Spur. Politik: Wie können schlechte Herrscher unblutig abgeschafft und Missstände beseitigt werden können. statt Wie errichten wir die ideale Gesellschaftsordnung?= Bewusstsein der Fehlbarkeit Forderung nach der ständigen kritischen Prüfung von Überzeugungen und (wissenschaftlichen) Theorien methodisches und rationales Vorgehen bei der Lösung von Problemen (Methodischer Rationalismus).

74 Positivismus 74 Die Welt existiert unabhängig von unserer Kenntnis über sie Wissenschaftstheoretische Grundpositionen = ontologische Grundposition

75 Positivismus 75 Wissenschaftstheoretische Grundpositionen Geht von der Möglichkeit eines direkten Zugriffs auf Wirklichkeit aus, die entlang von Regelmäßigkeiten und kausalen Zusammenhängen organisiert ist Beobachtung, Messung, Experiment – lässt nur gelten, was demonstrierbar und empirisch belegbar ist kausale Zusammenhänge feststellen empirische Fragestellung (was ist) trennen von normativen (was soll sein) – Wertfreiheit, Objektivität Forscher = getrennt vom Gegenstand, objektiv Epistemologische Grundposition

76 Positivismus 76 Wissenschaftstheoretische Grundpositionen Beobachtung, Messung, Experiment – lässt nur gelten, was demonstrierbar und empirisch belegbar ist quantitative Methoden Methodologie / Methoden

77 Kritische Einwände gegen Positivismus 77 Glaube an eine kausal konstruierte Welt Wissenschaft als neutrale Technik Objektivität / Irrelevanz des erkennenden Subjekts ahistorisches Verständnis von Wissen und Erkenntnis Zentralität quantitativer Methoden Wissenschaftstheoretische Grundpositionen

78 Konstruktivismus Hermeneutik 78 Wissenschaftstheoretische Grundpositionen Die Welt ist sozial / diskursiv konstruiert. Subjekte agieren auf Grundlage ihrer Werte und Erwartungen – Gesellschaft kann man sich nur denken als intersubjektiv konstruiert ontologische Grundpositionen Die Welt ist nicht unmittelbar und eindeutig erfahrbar

79 Hermeneutik 79 Wissenschaftstheoretische Grundpositionen Der Beobachter versteht soziale Handlungen / Akteure durch Empathie Dem Verstehen liegen immer Prämissen zu Grunde Kunst der Interpretation (von Texten, von Handlungen) Prämissen prägen den Zugang zum Gegenstand und die Interpretation Soziale Strukturen existieren nicht unabhängig von unserer Interpretation Verlangt eine gewisse Forschungsethik Epistemologische Grundposition

80 Konstruktivismus 80 Wissenschaftstheoretische Grundpositionen Es gibt keine unmittelbare Erkenntnis Wirklichkeit wird nicht abgebildet, sondern erzeugt Soziale Strukturen existieren nicht unabhängig von unserer Interpretation (radikaler K.): Jedes Bild, das wir uns von der Welt machen, ist eine Konstruktion Abschied von der Objektivität Epistemologische Grundposition

81 Hermeneutik 81 Welt ist nicht unmittelbar und eindeutig erfahrbar Wechselseitige Abhängigkeit von Vorannahmen und Ergebnissen Notwendigkeit von Interpretation Erschließung von Sinnzusammenhängen Fokussierung auf qualitative Methoden Wissenschaftstheoretische Grundpositionen Methodologie / Methoden Hermeneutischer Zirkel Interpretatives Paradigma

82 Konstruktivismus 82 Fakten sind ideologisch geladene Tat- Sachen und keine realen Phänomene wissenschaftliche Erkenntnis ist mit Macht verbunden, nicht mit Wahrheit relativ, kontextgebunden, kontingent Fokussierung auf qualitative Methoden Wissenschaftstheoretische Grundpositionen Methodologie / Methoden

83 Unterscheidung von Theorien problemlösungsorientiert vs. kritisch akteursorientiert vs. strukturalistisch positivistisch vs. normativ Subjekt-Objekt-Verhältnis 83 keine Frage von rechts und links Wissenschaftstheoretische Grundpositionen Theorien haben ontologische und epistemologische Positionen

84 Kritische Theorie und integrative Sozialwissenschaft 84 Ideologiekritik Diskursanalyse Hermeneutik Dekonstruktion empirisch- analytisches Vorgehen Wissenschaftstheorie PS TEF 2 Theorien Vorausgesagtes Daten Analyse des Konkreten Beobachtetes Werte Ideologien, Deutungen, Annahmen; Bevorzugtes Methoden zur Bearbeitung der sozialen Realität Methoden zur Bearbeitung des Kulturellen Glaubenssysteme Alltagserfahrungen Soziale Realität

85 Theorien und ihre Ontologien & Epistemologien – Beispiele 85 Ausgangspunkt = individuelle Einheit (Individuum, Staat) – agiert in der Welt auf der Grundlage von Eigeninteressen Die Welt (Gesellschaft) ist die Summe dieser Handlungen Ereignisse haben ihren Ursprung im individuellen Subjekt, das in der Welt aktiv wird Wissenschaftstheoretische Grundpositionen Akteursorientierte Theorien: Rational Choice, Public Choice ontologische Grundposition

86 Strukturalistische Theorien: Regulationstheorie 86 Kapitalistische Ökonomie, (National-) Staaten als regulative Instanzen Handeln bleibt innerhalb funktionaler Grenzen Soziale Klassen und Klassenkonflikt, regulierender Staat Wissenschaftstheoretische Grundpositionen ontologische Grundposition: (schwaches) System Problemlösend: Datensammlung für staatliche Intervention und Regulierung (positivistisch) Kritische Theorie: historische Analyse von Akkumulationsweisen und -regimen epistemologische Grundposition

87 Weltsystemansatz 87 Kapitalistische Weltwirtschaft, entwickelt sich seit dem 16. Jahrhundert zu einem starken System Aufstieg und Niedergang der hegemonialen Staaten Staaten – Gesellschaften – Klassen Peripherie – Zentrum Lange Wirtschaftszyklen unter wechselnder Dominanz von produktivem und Finanzkapital Wissenschaftstheoretische Grundpositionen ontologische Grundposition: (starkes) System Historisch-positivistisch (Annales-Schule) epistemologische Grundposition

88 Marxistische Imperialismus- und Abhängigkeitstheorien 88 Ungleiche Entwicklung Konflikt und Krieg, Ausbeutung Geschichte ist die Geschichte eines Kampfes mit offenem Ausgang Gesellschaft (Objekt) besteht aus sozialen Klassen (Subjekte) Wissenschaftstheoretische Grundpositionen ontologische Grundposition: Menschheit = Gesellschaft Kritisch-dialektisch: gegen Harmonie, Widersprüche! Wissen hat Klassencharakter epistemologische Position

89 (Neo-) gramscianische Klassenanalyse 89 Klassenfiguration – organische Intellektuelle Herstellung von Hegemonie transnationale Ebene Wissenschaftstheoretische Grundpositionen ontologische Grundposition Kritisch: Analyse hegemonialer Konstellationen, Kontrollkonzepte epistemologische Grundposition

90 Struktur und Handeln 90 Wissenschaftstheoretische Grundpositionen Ereignisse haben ihren Ursprung im individuellen Subjekt, das in der Welt aktiv wird Kollektive historische Subjekte versuchen, die Welt zu verändern – within the limits of the possible Ereignisse haben ihre eigene Dynamik, gemäß inhärenter Prinzipien, die die Handlungen der Akteure determinieren Soziale Welt ist Ergebnis von Gesetzmäßigkeiten oder Kräften, die unabhängig von den Akteuren wirken

91 Literaturhinweise Cox, Robert W. (1995): Critical Political Economy. In: Hettne, Björn (ed.): International Political Economy. Understanding Global Disorder. London: Zed Books, Gill, Stephen (1993): Epistemology, Ontology and the "Italian School". In: ders. (ed.): Gramsci, Historical Materialism and International Relations, Marsh, David/Furlong, Paul (2002): A Skin, not a Sweater: Ontology and Epistemology in Political Science. In: Marsh, David/Stoker, Gerry (eds.): Theory and Methods in Political Science. Basingstoke: Palgrave, Potter, Robert P. (2002): Theories, strategies and ideologies of development. In: Desai, Vandana/Potter, Robert B. (eds.): The Companion to Development Studies. London: Arnold, Van der Pijl, Kees (o.J.): Sources of Contemporary Theory in Global Political Economy. University of Sussex, Department of International Relations and Politics. 91 Wissenschaftstheorie PS TEF 2


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