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19.11.2009Christian Thies1 Zwischen Buchdeckeln und Bologna – Philosophie als Bildung Antrittsvorlesung von Christian Thies an der Universität Passau am.

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1 19.11.2009Christian Thies1 Zwischen Buchdeckeln und Bologna – Philosophie als Bildung Antrittsvorlesung von Christian Thies an der Universität Passau am 19.11.2009, dem Tag der Philosophie

2 19.11.2009Christian Thies2 Antrittsvorlesungen ein universitäres Ritual ein öffentliches Ereignis –zur Präsentation der Professur und der eigenen Person –vor allem am Tag der Philosophie eine Gelegenheit zur Selbstreflexion kein fachphilosophischer und kein bildungspolitischer Vortrag

3 19.11.2009Christian Thies3 Tag der Philosophie von der UNESCO zunächst 2002, dann 2005 offiziell festgelegt auf den dritten Donnerstag im November zeitgleich viele weitere Veranstaltungen zentral dieses Jahr in Moskau, Sankt Petersburg und Paris einer von ca. 75 Gedenktagen kurz vor dem Tag des Fernsehens (21.11.) und dem Tag für die Beseitigung der Gewalt gegen Frauen (25.11.)

4 19.11.2009Christian Thies4 Philosophie und Theologie 20.11. Eröffnung des Departments für Katholische Theologie an der Universität Passau Die Philosophie geht der Theologie voran! Frei nach KANT (1798, XI: 290f.): Die Theologen mögen die Philosophen als ihre Magd ansehen; aber sie ist frei, allein an Wahrheit und Vernunft gebunden – und trägt ihrer Herrin die Fackel voran!

5 19.11.2009Christian Thies5

6 19.11.2009Christian Thies6 SOKRATES (470-399 v.u.Z.) Ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber was bedeutet das?

7 19.11.2009Christian Thies7 Ich weiß, dass ich nichts weiß? meine vierte Antrittsvorlesung 1989 Fachhochschule Hamburg: Muß der Mensch abdanken? Künstliche Intelligenz aus philosophischer Sicht 2007 Forschungsinstitut für Philosophie Hannover: Philosophie in Zeiten der Globalisierung 2007 Abschluss des Habilitationsverfahrens in Rostock: Aristoteles und Konfuzius – ein interkultureller Ethik- Vergleich Jahrgang 1959 also 50 Jahre alt Schau der Idee des Guten (Platon)

8 19.11.2009Christian Thies8 Überblick (I)Wissen, Wissenschaft, Philosophie (II)Philosophie als Bildung (1)Was ist Bildung? (2)Konsequenzen für die Philosophie als Wissenschaft (III)Was ein Philosoph weiß

9 19.11.2009Christian Thies9 (I) Wissenschaft heute eingespannt in einen umfassenden Rationalisie- rungsprozess (Max WEBER): gnadenlose Spezialisierung kontrollierte Leidenschaft disziplinierte Arbeit kreative Einfälle vollständige Hingabe …

10 19.11.2009Christian Thies10 Zur heutigen Lage des Wissens explodierend unsichtbar jederzeit verfügbar bodenlos zersplittert gefährlich … Wir leben nicht in einer Wissens-, sondern einer Glaubensgesellschaft! (Dieter Simon)

11 19.11.2009Christian Thies11 Philosophie als Wissenschaft In dieser Lage befindet sich unvermeidlicherweise auch die Philosophie als Wissenschaft. Aber Philosophie ist nicht nur Wissenschaft! Philosophie ist Fach und Nicht-Fach, Wissenschaft und Aufklärung/Kritik.

12 19.11.2009Christian Thies12 Drei historische Gestalten und ihre Gefahren Lebensform (Praxis) beliebige Weltanschauung Weltweisheit (Weltphilosophie) dilettierender Feuilletonismus Wissenschaft (Schulphilosophie) geistloser Szientismus

13 19.11.2009Christian Thies13 Wer ist Philosoph? Jeder Mensch ist ein Philosoph weil jeder manchmal über zentrale Fragen unseres Lebens nachdenkt. Nicht jeder Mensch ist ein Philosoph weil nicht jeder die methodischen, begrifflichen und historischen Kompetenzen besitzt, um über zentrale Fragen unseres Lebens systematisch und kreativ nachzudenken. (C.F.v. Weizsäcker 1980: Philosophie ist für uns Menschen zu schwer)

14 19.11.2009Christian Thies14 Ich weiß, dass ich nichts weiß nicht ich weiß nichts nicht ich weiß alles nicht ich weiß etwas sondern ein Wissen über unser Wissen, ein Wissen zweiter Ordnung Wissen erster Ordnung ist eine notwendige Voraussetzung. Die Behauptung, er wisse auf dieser Ebene nichts, ist von Sokrates natürlich ironisch gemeint.

15 19.11.2009Christian Thies15 Wissen zweiter Ordnung um die Grenzen unseres Wissens um die Genese unseres Wissens um die Geltung unserer Wissens um den internen Pluralismus unseres Wissens Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Verbindungen um Interpretationsbedürftigkeit unseres Wissen um die Relevanz und Irrelevanz unseres Wissen um die Möglichkeiten und Grenzen der praktischen Anwendbarkeit unseres Wissen …

16 19.11.2009Christian Thies16 Gibt es Wissen dritter Ordnung? Nein! Ein Wissen dritter Ordnung würde dem Wissen zweiter Ordnung nichts hinzufügen, denn dieses ist selbst bereits reflexiv und unhintergehbar. Zudem hat jedes Wissen dieselben zwei Prinzipien: (a)Wahrheit (oder ein analoger Geltungsanspruch) (b)Begründbarkeit (im weitesten Sinne)

17 19.11.2009Christian Thies17 Philosophie als Wissen zweiter Ordnung über unser normatives Handlungswissen Der Ethiker handelt nicht unbedingt immer moralisch, aber er weiß, warum man so handeln sollte. über die Grundlagen von Denken, Sprechen und Kommunikation Der Philosoph hat die geistigen (nicht die empirischen) Prinzipien von Denken, Sprechen und Kommunikation verstanden. über Wissenschaft als Methode und Prinzip Fortgeschritten in der Philosophie ist nicht der, der alles weiß, sondern derjenige, der sich in alles einarbeiten kann.

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19 19.11.2009Christian Thies19 (II) Philosophie als Bildung? 1.Wissen zweiter Ordnung ist noch keine Bildung. 2.Es gibt auch andere Formen der Bildung. (Es gibt auch ungebildete Philosophen und gebildete Nicht-Philosophen!) Philosophie = Wissen zweiter Ordnung plus Bildung Was aber ist Bildung?

20 19.11.2009Christian Thies20 Bildung ist nicht … Lernen = (kognitiver o.a.) Erwerb von etwas Denn Bildung ist … (a)normativ: Die Bildungsinhalte sind nicht beliebig. (b)strukturiert: Bildung ist immer die Bemühung um einen Zusammenhang des Wissens. Bildung ist der strukturierte Zusammenhang wertvollen Wissens.

21 19.11.2009Christian Thies21 Bildung ist nicht … Sozialisation = sozial werden Erziehung = sozial machen Denn Bildung ist … (a)reflexiv: Jeder bildet sich selbst. (b)nicht-teleologisch: Bildung dient keinem äußeren Zweck. Bildung ist immer persongebunden.

22 19.11.2009Christian Thies22 Bildung ist nicht … Gegenstandsbezwingung = Zergliederung und Beherrschung eines wissenschaftlichen Objekts Denn Bildung ist (a)eine Versenkung in die Sache selbst, (b)die Ehrfurcht vor dieser voraussetzt. Bildung ist immer Liebe zur Sache.

23 19.11.2009Christian Thies23 Philosophie als Bildung ist also das durch liebevolle Zuwendung gewonnene, persönlich angeeignete und in einen strukturierten Zusammenhang gebrachte Wissen zweiter Ordnung

24 19.11.2009Christian Thies24 Philosophie als Bildung ist nicht … Ausbildung – also nicht nützlich für wichtige oder unwichtige Zwecke (Max SCHELER: Herrschafts- oder Arbeitswissen) praktisches Alltagswissen (Max WEBER: Der Wilde weiß über seine Lebenswelt besser Bescheid als ein Professor) (historisches, empirisches …) Detailwissen humanistische Bildung ästhetische Bildung Heilswissen

25 19.11.2009Christian Thies25 Bildung und Moralität Alle Bildung hat den 30.1.1933 nicht verhindert. Auch gebildete Menschen können Schurken sein. Die Moralität eines Menschen wird durch Bildung kaum beeinflusst. Die Universitäten, auch die Schulen können ihre Mitglieder (leider) nicht zu guten Menschen machen. Moralität ist wichtiger als Bildung.

26 19.11.2009Christian Thies26 Warum Ethik trotzdem wichtig ist als ein Wissen über unser (implizites) moralisches Wissen: Wissen um prinzipielle Handlungsalternativen Wissen um die Gründe und Gegengründe für eine Option Wissen um die Grenzen und Möglichkeiten moralischen Handelns methodische, begriffliche und historisch- hermeneutische Aufklärung über Moral begründetes normatives Orientierungswissen

27 19.11.2009Christian Thies27 Konsequenzen für die Philosophie als Wissenschaft Philosophie als Bildung ist … personengebunden (Lebensform) gegen die Abkopplung vom philosophierenden Subjekt auf die Welt gerichtet (Weltweisheit) gegen die ausschließliche Selbstbeschäftigung auf Wahrheit ausgerichtet (Wissenschaft) gegen den Verzicht auf universale Geltung (wie bei RORTY)

28 19.11.2009Christian Thies28 Philosophie und Wissenschaften (1) Philosophie ist keine Geisteswissenschaft! Die Philosophie steht den formalen Disziplinen (Mathematik), dem normativen Wissen (Jura) und den Naturwissenschaften genauso nahe, weil sich überall Wissen erster Ordnung findet.

29 19.11.2009Christian Thies29 Philosophie und Wissenschaften (2) Wer nur etwas von Philosophie versteht, versteht auch von dieser nichts! (in Anlehnung an Lichtenberg) Philosophie muss immer verbunden bleiben mit (a)den anderen Wissenschaften sowie (b)der Lebenswelt und der Öffentlichkeit.

30 19.11.2009Christian Thies30 Ein philosophie-interner Streit Systematisches oder historisches Philosophieren? Systematisch: Es kommt allein auf die Argumente an! Historisch: Aber diese finden sich vorzugsweise bei den philosophischen Klassikern! Argumente zwischen Buchdeckeln

31 19.11.2009Christian Thies31 Philosophie und Medien Philosophie lebt in und von zwei Medien: dem Buch dem Gespräch Alles andere ist Beiwerk oder sogar schädlich. Die Philosophie hat die Einführung des Fernsehens überlebt und sie wird auch das Internet überleben.

32 19.11.2009Christian Thies32 Was könnte die Philosophie heute sein? Vermittler des Besonderen (a)zwischen den Wissenschaften (b)zwischen Wissenschaft und Lebenswelt Verweser (nicht Statthalter) des Allgemeinen in einer funktional differenzierten und multi-kulturellen Welt Instanz der Reflexion und Nachdenklichkeit in einer handlungsorientierten und wissensbasierten Welt

33 19.11.2009Christian Thies33 (III) Das Wissen des Philosophen Ich weiß, dass ich nichts weiß Was weiß der gebildete Philosoph? einige bescheidene Einsichten mit großer Relevanz

34 19.11.2009Christian Thies34 Das sokratische Erbe Es zählen nicht Rhetorik oder eine glänzende Show, auch nicht Reichtum oder Macht, sondern die Orientierung an der Wahrheit und ein Leben nach dem besten Logos. (Kriton 46b) Ein ungeprüftes Leben ist für den Menschen nicht lebenswert. (Apologie 38a)

35 19.11.2009Christian Thies35 Intellektuelle Redlichkeit Wahrheit steht nicht in unserer Macht, aber sehr wohl unsere Wahrhaftigkeit! Deshalb: kritische Selbstreflexion Obacht auf die Grenzen der Vernunft und deren verschiedene Verwendungsweisen Offenlegen von Problemen und Defiziten

36 19.11.2009Christian Thies36 Sprachphilosophie Zuerst sind immer die Begriffe zu klären. Sonst sind Sprachverfall und öffentliches Gequatsche (bullshit) nicht aufzuhalten. Beispiele: Kultur Identität Bildung

37 19.11.2009Christian Thies37 Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie Jedes empirische Wissen ist unsicher. Fallibilismus (nicht Falsifikationismus) Aber keine totale Paradigmenabhängigkeit!

38 19.11.2009Christian Thies38 Transzendentalpragmatik Es ist aber nicht alles unsicher! Es gibt mindestens einen Satz, der absolut wahr ist – nämlich eben diesen Satz.

39 19.11.2009Christian Thies39 Argumentationstheorie (1) Aus unserem gesamten empirischen Wissen lässt sich kein einziger gültiger normativer Satz ableiten. Sein-Sollens-Fehlschluss (David Hume 1740)

40 19.11.2009Christian Thies40 Argumentationstheorie (2) Wir müssen uns aber auch vor dem Pendant des Sein-Sollens-Fehlschlusses hüten, dem Palmström- Axiom: (Christian Morgenstern 1910) Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Jedes Wissen ist durch Wunschdenken gefährdet.

41 19.11.2009Christian Thies41 Ethik Normative Aussagen mit universalem Geltungsanspruch sind möglich, nötig und begründbar! Was nicht heißt, dass alle zustimmen werden. Beispiele: Menschenrechte Gerechtigkeitstheorie Theorie des gerechten Krieges

42 19.11.2009Christian Thies42 Holismus Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Deshalb lässt sich das Ganze nicht aus den Teilen ableiten. Es bedarf eines Vorgriffs auf das Ganze.

43 19.11.2009Christian Thies43 Philosophiegeschichte Die Geschichte der Philosophie ist kein linearer Fortschritt. Es gibt Fortschritte, aber nicht nur. Das beste philosophische Buch aller Zeiten: Die Nikomachische Ethik des Aristoteles

44 19.11.2009Christian Thies44 Interkulturelle Philosophie (1) Andere Kulturräume haben ebenfalls großartige philosophische Leistungen hervorgebracht. Einige Beispiele: 100 Schulen im alten China religiöses Denken im alten Indien Wissenschaft zu Zeiten der islamischen Hochkultur …

45 19.11.2009Christian Thies45 Interkulturelle Philosophie (2) Bologna … hat zwar die älteste Universität Europas (1088), aber nicht die älteste der Welt. Diese stehen in Kairo (975) und Fes (859).

46 19.11.2009Christian Thies46 Erste-Person-Perspektive Ohne Leidenschaft kann überhaupt nicht philosophiert werden. Es gibt keine Philosophie-Sachbearbeiter. Beim Philosophieren kann man sich nicht selbst an der Garderobe abgeben.

47 19.11.2009Christian Thies47 Zum Abschluss Philosophie ist das Wichtigste auf der Welt, aber so wichtig nun auch wieder nicht.

48 19.11.2009Christian Thies48


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