Die Präsentation wird geladen. Bitte warten

Die Präsentation wird geladen. Bitte warten

SOLL MAN DAS IM ALTER NOCH BEHANDELN? (KARDIOVASKULÄRE RISIKOFAKTOREN, AKUTE ERKRANKUNGEN) GERIATRIE IM EBM – SELBSTVERSORGUNGSFÄHIGKEIT, STURZRISIKO,

Ähnliche Präsentationen


Präsentation zum Thema: "SOLL MAN DAS IM ALTER NOCH BEHANDELN? (KARDIOVASKULÄRE RISIKOFAKTOREN, AKUTE ERKRANKUNGEN) GERIATRIE IM EBM – SELBSTVERSORGUNGSFÄHIGKEIT, STURZRISIKO,"—  Präsentation transkript:

1 SOLL MAN DAS IM ALTER NOCH BEHANDELN? (KARDIOVASKULÄRE RISIKOFAKTOREN, AKUTE ERKRANKUNGEN) GERIATRIE IM EBM – SELBSTVERSORGUNGSFÄHIGKEIT, STURZRISIKO, WELCHE TESTs? (ASSESSMENT IN DER GERIATRIE, UNTERSUCHUNGSBEFUNDE, MULTIMORBIDITÄT, ICF) K. Hager

2 Risiken bei Prefrailty oder Frailty in der onkologischen Behandlung (Handforth et al. 2014) Risiko erh ö htes relatives Risiko postoperative 30-Tage-Mortalit ä t 2,67fach (bei Frailty) 2,33fach (bei Prefrailty) 6-Monatssterblichkeit4,51fach (Frailty) 3,86fach (Prefrailty) 5-Jahresmortalit ä t 1,87fach (Frailty) 10-Jahresmortalit ä t 1,74fach (Frailty) schwere postoperative Komplikationen3,19fach (Frailty) schlechte Vertr ä glichkeit der Chemotherapie 4,86fach (Frailty)

3 Anpassung von Entscheidungen (bewusst oder unbewusst) an das Alter Herzinsuffizienz

4 Herzinsuffizienz im Alter ►wie bei vielen Erkrankungen nimmt die Häufigkeit der Herzinsuffizienz mit dem Alter zu Herzinsuffizienz

5 „Dicke Beine“ ►„Herr Doktor, meine Beine sind dick.“ ►„Das ist Wasser.“ ►„Woher kommt das?“ ►„Vom Herzen“ ►„Was kann man dagegen tun?“ ►„Ich verschreibe Ihnen mal ein wassertreibendes Medikament.“ Herzinsuffizienz Was wäre beim jungen Menschen möglicherweise anders?

6 Mögliche altersdiskriminierende Entscheidungen -keine Diagnostik aufgrund des Alters -keine aufwendige Therapie aufgrund des Alters -keine Verlegung auf die Intensivstation -keine Reanimation bzw. baldiger Abbruch -palliative Vorgehensweise bei einer potentiell kurablen Erkrankung -keine Krankenhauseinweisung -….

7 Unterschiede auch in der Therapie?

8 Bluthochdruckbehandlung im Alter 2013 ESH/ESC Guidelines for the Management of Arterial Hypertension Journal of Hypertension, 2013, 31:

9 Diabetes mellitus bei 70jährigen und älteren Diabetes mellitus

10 BZ-Einstellung bei über 70jährigen HbA1c: 7-7,5% kein Nüchtern-BZ unter 6 mmol/l keine med. Therapie falls Nüchtern-Bz nicht über 7 mmol/l Bz unter Therapie nicht unter 5 mmol/l Bz unter Therapie möglichst nicht über 11 mmol/l 5,0 mmol/l ~ 90 mg/dl 6,0 mmol/l ~ 108 mg/dl 7,0 mmol/l ~ 126 mg/dl 11,0 mmol/l ~ 198 mg/dl Diabetes mellitus

11 Therapie körperliche Betätigung keine (strenge) Diät Metformin als erste Wahl DPP-4-Inhibitoren als zweite Wahl Diabetes mellitus

12 in Pflegeheimen Vermeiden von Hypoglykämien, Hyperglykämien, Infektionen, Krankenhausaufnahmen Dekubiti Diabetes mellitus

13 Statine bei älteren Menschen (durchschnittliches Alter Jahre) Roberts et al., 2007 Statine

14 Statine bei über 75jährigen (durchschn. Alter 80 Jahre) J Gerontol A Biol Sci Med Sci (2008) 63 (2): Statine

15 Beispiel aus 2013 ►Mann, 74 Jahre ►Diagnosen ■Fieberhafter Infekt, am ehesten hämorrhagische Zystitis. ■AZ-Minderung mit Vigilanzminderung und verminderter Nahrungsaufnahme. ■Z.n. Posteriorinfarkt links mit Thalamus Beteiligung 06/´13. ■Hemiparese rechts. ■HOPS. ■Harn- und Stuhlinkontinenz. ■Dekubitus rechte Ferse und linker Außenknöchel. ►Funktionalität ■bettlägerig nach dem Infekt, vorher Gehen am Rollator im Pflegeheim ■wenig verbale Äußerungen ►Statin weiter geben – wie würden Sie entscheiden? ►Statin abgesetzt Statine

16 Vorhofflimmern

17 Prävalenz des Vorhofflimmerns bei insgesamt 0,4 – 2 % der Gesamtbevölkerung Die Prävalenz steigt altersabhängig –unter 1% bei unter 60-jährigen –ca. 6 % bei über 65-jährigen –8–10 % bei über 75-jährigen Vorhofflimmern

18 Vorhofflimmern und Antikoagulation – CHA 2 DS 2 -VASc Pocketguide ESC Herzinsuffizienz, Update 2012

19 Inzidenz von ischämischem Schlaganfall oder TIA in Patienten mit multiplen Risikofaktoren Yuan et kl., Curr. Med. Res. Opin., 2015, 1-10

20 Antikoagulation im Alter - HAS-BLED Score ESC Pocket Guidelines Vorhofflimmern, Version 2010

21 Blutungen nehmen im höheren Alter allerdings auch ohne Warfarin zu. Fang et al., J Am Geriatr Soc, 54:1231–1236, 2006 Intracranielle BlutungenExtracranielle Blutungen

22 Fallbeispiel aus Feb ► Mediainfarkt re. bei Verschluss der Arteria cerebri media re. im distalen M1-Segment. ► Dysarthrie, Neglect, Brachiofazial betonte Hemiparese li. ► i.v-Lysetherapie am ► Vorhofflimmern, INR bei Aufnahme in der MHH bei 1,37 ► Harnwegsinfekt mit Antibiotikatherapie. ► Parkinson-Syndrom, ED 1/2014. ► Herzschrittmacherimplantation bei Brady-Tachykardie-Syndrom ► Hyperurikämie. ► Mittelschwere Schlafapnoe, Therapie mit C-PAP-Maske. ► Bekannte Herzinsuffizienz. ► Z. n. Urosepsis durch E. coli 11/13. ► Z. n. explorativer Laparotomie 10/13 bei V. a. ischämische Colitis bei V. a. Thrombosierung der Arteria mesenterica superior DD: Kardiale Embolie. ► Z. n. Clostridien-Enteritis. Mann, 81Jahre

23 Fallbeispiel aus Feb ► 81 Jahre ► 64,5 kg ► Creatinin: 0,86 mg/dl ► eGFR: 66 ml/min ► wirkt schon etwas gebrechlich („frail“) ► Torasemid ► Metoprolol ► Simvastatin ► Apixaban 2x2,5

24 Antikoagulation und kalendarisches Alter (Quelle: Fachinformationen) SubstanzAlterEmpfohlung Phenprocoumonalte Patientenkeine Kontraindikation Apixaban (Eliquis®) ≥80 JahreDosisreduktion, wenn zusätzlich zu Alter ≥80 J. Körpergewicht ≤60kg oder Serumkreatinin ≥1,5 mg/dl Rivaroxaban (Xarelto®) ältere Patientenkeine Dosisanpassung 1,5fach erhöhte AUC im Alter durch Nierenfunktion bedingt, unter 50 ml/min 15 mg/die Dabigatran (Pradaxa®) Jahre >80 Jahre keine Dosisreduktion Dosisreduktion auf 2x110 mg

25

26 ► mangelnde Bildung ► Depression ► kognitive Einschränkung ► soziale Isolation Diug et al., Stroke 2011, 42:

27 ARISTOTLE: Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion war Apixaban wirksamer und mit einer geringeren Zahl von schweren Blutungsereignissen* verbunden als Warfarin Adaptiert nach Hohnloser et al. Eur Heart J 2012;33: Warfarin 95%-KI Apixaban95%-KI 1-Jahres-Ereignisrate Schlaganfall oder systemische Embolie 0,04 0,02 0, eGFR (Cockcroft-Gault) bei Baseline, ml/min P-Wert für Interaktion: 0,57 1-Jahres-Ereignisrate Schwere Blutungen* eGFR (Cockcroft-Gault) bei Baseline, ml/min 0,12 0,08 0,04 0,00 P-Wert für Interaktion: 0,005 * Sekundärer Endpunkt

28 Cumarine und DOAKs und Nierenfunktion (Quellen: Fachinformationen) SubstanzKreatinin-Clearanceempfohlene Dosis CumarinderivateGegenanzeige: manifeste Niereninsuffizienz Apixaban (Eliquis®) ml/min2x5 mg, keine Dosisreduktion ml/min2x2,5 mg <15 ml/min bzw. bei Dialyse nicht empfohlen Rivaroxaban (Xarelto®) ml/min1x20mg, keine Dosisreduktion ml/min ml/min* 1x15 mg < 15 ml/minnicht empfohlen Dabigatran (Pradaxa®) ml/min2x150 mg, keine Dosisreduktion ml/min2x150 mg oder 2x110 mg bei hohem Blutungsrisiko <30 ml/minkontraindiziert

29 ►…in elderly patients (>75 years) or otherwise frail patients on dabigatran, renal function should be evaluated at least once every 6 months (see also Table 2 and Figure 2). Acute illness often transiently affects renal function (infections, acute heart failure,.. ), and therefore should trigger re-evaluation.

30 Warfarin Use in Nursing Home Residents: Results from the 2004 National Nursing Home Survey (Ghaswalla et al, The American Journal of Geriatric Pharmacotherapy, Volume 10, Issue 1, 2012, 25–36.e2) ► 13% der Altenheimbewohner in dieser Studie hatten VHF mit Indikation bzw. ohne Kontraindikation gegenüber Warfarin ► nur 30% davon erhielten tatsächlich Warfarin ► 54% erhielten weder Warfarin noch Aggregationshemmer ► Antikoagulation bei Vorhofflimmern in Altenpflegeeinrichtungen wird möglicherweise zu wenig genutzt. (oder die Risiken werden in der ärztlichen Einschätzung anders gesehen)

31 Gebrechliche alte Menschen mit Vorhofflimmern erhalten weniger Warfarin als Nicht-Gebrechliche Perera et al., Age Ageing (2009) 38 (2):

32 Age and Ageing 2011; 40: 675– 683

33 Welcher Prozentsatz älterer AF-Patienten mit Indikation für eine OAK nimmt keine Medikation ein? Chen et al., 2015, Europace, 17: 314-7

34 Wen im höheren Alter also antikoagulieren und wen nicht? ► kalendarisches Alter alleine ist keine Kontraindikation gegen eine Antikoagulation im höheren Alter ► biologisches Alter nicht messbar, Blutungsrisiko schwer vorhersehbar ► was statt dessen? ■ Erfahrung, subjektive Einschätzung? ■ Frailty-Skala? ■ geriatrisches Assessment? (kein Einfluss: Denoel et al., J. Aging Res. 2014) ■ multifaktorielle Entscheidung, Teamprozess?

35 Fallbeispiel aus Feb ► Frau, 89 Jahre ■ non-valvuläres Vorhofflimmern ► Diagnosen: ■ Mediainfarkt links ■ gute Mobilität, noch Restaphasie ■ arterieller Hypertonus ■ Spinalkanalstenose ■ Aortenstenose I-II° ■ depressive Episoden ► CHA 2 DS 2 -VASc-Score: 6 ► klare Indikation zur OAK?

36 Fallbeispiel aus Feb ► statistische Lebenserwartung von ca. 4 Jahren, bei relativ moderater Multimorbidität vielleicht auch länger ► möchte weiterhin selbständig in ihrer Wohnung leben, ► ist aber etwas isoliert, nächste Angehörige wohnen ca. 30 km entfernt, ► manchmal etwas vergesslich und langsam (Kognition), gelegentlich depressive Stimmung. ► Compliance vermutlich gut, Einnahmefehler aber nicht ausgeschlossen, ► trinkt und isst gut, ► Einkaufen bisher mit einem Taxifahrer, kein Pflegedienst, keine Pflegestufe

37 Fallbeispiel aus Feb ► unerkannte Multimorbidität? ■ hier z.B. vaskuläre Schäden im Gehirn ► nach der CSHA Clinical Frailty Scale 3-4 von 7 ► CHA2DS2-VASc-Score: 6 ► HAS-BLED Score: 3 ► OAK?

38 Fallbeispiel aus Feb ► Gewicht: 68 kg ► Kreatinin: 0,76 mg/dl ► eGFR: 76,5 ml/min ► Alter: 89 Jahre ► Medikation ■ Bisoprolol ■ Ramipril ■ Citalopram 20 ■ Opipramol 50 mg ► Apixaban 2x5 mg

39 Fall aus April 2015: Herr, 79 Jahre ► in 2014 bereits in stationärer Behandlung ■ Peranale Blutabgänge unter Marcumar bei Colitis im Bereich des Coecums. ■ Vorhofflimmern, Marcumar-Therapie. ■ Kardio-embolischer Basalganglieninfarkt re. ( ) mit Hemiparese li. ■ Bek. KHK. ■ Passagere Hypokaliämie. ■ Makrohämaturie mit akutem Harnverhalt, ED ■ Anlage SBK am ■ Diabetes mellitus Typ II. ■ Arterieller Hypertonus. ■ Pneumonie. ■ Dekomp. Herzinsuffizienz. Ejektionsfraktion 35%. ■ Niereninsuffizienz. ■ Arterielle Verschlusskrankheit li. ■ Ulcera Zökalbereich, in Abheilung. ■ Reizlose Divertikulose.

40 Fall aus April 2015: Herr, 79 Jahre ► Entlassung 2014 mit Rivaroxaban 20 mg statt mit Marcumar ■ Einnahmeregime einfacher, Kontrollen entfallen ■ Patient war zuletzt wieder mobil, konnte laufen (z.B. 13 sec im timed up and go-Test)

41 Fall aus April 2015: Herr, 79 Jahre ► Wiederaufnahme im April 2015 ■ multiple kardioembolische Infarkte ■ distale armbetonte Hemiparese links, Neglect nach links ■ kann am Anfang nur mit Hilfe von zwei Therapeuten gehen, später alleine am Handstock

42 Fall aus April 2015: Herr, 79 Jahre ► Compliance hinsichtlich des Rivaroxabans? ► vielleicht doch ein DOAK, das 2xtäglich gegeben wird? ► Pflegedienst zur Medikamenteneinnahme ► für das weitere Vorgehen: Gespräch mit dem Patienten und dem Sohn ■ ohne Antikoagulation relativ sicher weitere embolische Ereignisse ■ mit Antikoagulation vielleicht wieder eine Blutung

43 Fall aus April 2015, Prof. Mann, 90 Jahre alt Einweisungsdiagnose Vigilanzminderung und Delir bei Infekt der oberen Atemwege weitere Diagnosen fortgeschrittene Demenz Schluckstörung rezidivierende Stürze Z.n. Rotatorenmanschettenruptur links mit massivem Hämatom unter Marcumar chronisches Vorhofflimmern Herzschrittmacher Herzinsuffizienz, AS, TI arterieller Hypertonus …..

44 Fall aus April 2015, Prof. ►nach wenigen Tagen ►sitzt im Rollstuhl ►läuft mit den 24h-Pflegekräften über Station ►Marcumar ►Sohn Vorsorgebevollmächtigter ■muss bei Therapieänderungen gefragt werden ■Sohn möchte die Antikoagulation ■„Teamentscheidung“

45 Zusammenfassung ► Die orale Antikoagulation, z.B. bei non-valvulärem Vorhofflimmern, ist auch im höheren Alter wirksam. ► Die Häufigkeit von Blutungen nimmt mit dem Alter bereits ohne Antikoagulation zu, bei oraler Antikoagulation ebenfalls. ► Wen antikoagulieren wir? ■ Leitliniengerechte Therapie auch in hohem Alter prinzipiell ohne Beschränkung durch das kalendarische Alter ■ Der Schutz vor Schlaganfällen wird auch im hohem Alter das Risiko bis zu einem gewissen Grad überwiegen. ■ Individuelle Abwägung bei Multimorbidität, „Frailty“ oder besonderen Lebensbedingen (alleine lebend, keine Compliance…) ► „Liberales“ Vorgehen ► Vielleicht in Zukunft bei erhöhter Zahl an Komplikationen unter DOAKs wieder restriktiver?

46 Gibt es noch Indikationen für Therapien, bei denen Sie unsicher sind?

47 Lebensqualität im Alter

48 Globale Maße subjektiver Lebensqualität - Beispiele aus dem Wohlfahrtssurvey - Vorlesungsreihe U3L „Soziale Gerontologie“ der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt, WS 2005/2006, Lebensqualität aus gerontopsychologischer Sicht, Dr. Adelheid Schulz-Hausgenoss 1

49 Wohlfahrtssurvey – Ergebnisse gesamte Lebensqualität

50 Gesundheit ►Gesundheit ist ein Faktor, der die Lebenszufriedenheit bestimmt. ►Wie zufrieden sind Sie heute mit Ihrer Gesundheit, geben Sie einen Wert auf der Skala von 0-10 an (10: ganz und gar zufrieden; 0: ganz und gar unzufrieden)

51 Wohlfahrtssurvey – Ergebnisse Gesundheit

52 Vorlesungsreihe U3L „Soziale Gerontologie“ der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt, WS 2005/2006, Lebensqualität aus gerontopsychologischer Sicht, Dr. Adelheid Schulz-Hausgenoss

53 Lebensqualität im Alter Befragung von Personen ab 60 Jahren (Wien, 2010)

54 Und am Lebensende?

55 Frage ►Anlässlich einer Fortbildung bei Pflegenden wurde gefragt: ■„Warum muss man immer jung bleiben? Warum kann man als alter Mensch nicht in Würde sterben?“ ►Was hätten Sie geantwortet?

56 Gemeinsamkeiten von Geriatrie und Palliativmedizin: ►Ähnliche Strukturen, z.B. ■Behandlung im Team, interdisziplinär ■Ganzheitlicher Behandlungsansatz, Fokussierung auf Lebensqualität ■tägliche Abwägungen zwischen „invasiv“ und „zurückhaltend“ ►Endlichkeit auch in der Geriatrie bewusst ►Oft übereinstimmende Ziele: ■gute Lebensqualität, würdevolles Leben, Linderung von Beschwerden/Symptomkontrolle, nach Möglichkeit Rückkehr nach Hause ►Berücksichtigung der physischen, psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse des Patienten

57 Prognose oft schwierig einzuschätzen ► Ein sehr alter Mensch kann durch ein Medikament, einen (behandelbaren) Infekt, eine Exsikkose u.ä. innerhalb von Stunden/Tage in einem präfinalen Zustand sein. ► Prinzipiell leicht behandelbare Erkrankungen können einen moribunden Zustand generieren. ► Umgekehrt kann das Absetzen des Medikamentes, die Behandlung des Infektes, Flüssigkeitszufuhr u.ä. den alten Menschen innerhalb von Stunden/Tage wieder auf den Ausgangszustand bringen. ► Hohes kalendarisches Alter ist keine schnell zum Tode führende Erkrankung. Prognose schwierig, eine längere Pflegephase möglich

58 Palliativmedizin – für wen? ►2012: Todesfälle ►die meisten Menschen versterben im höheren Lebensalter ■Ca. 41% werden Jahre alt, 44% >80 Jahre ►Todesursachen: Herz-/Kreislauferkrankungen vor Tumorerkrankungen, mit steigendem Alter zunehmender Abstand ►Im Alter oft mehrere chron. progrediente Erkrankungen, „Bilanztod“ Quelle: statistisches Bundesamt

59 Funktioneller Status, Prognose und Lebenserwartung Zeit Funktion Krebs Herzinsuffizienz, COPD Demenz, chronische Krankheiten, hohes Alter die letzten Wochen Lebenserwartung

60 CRP erhöht -1 ► 85jähriger Mann ► CRP 11,7 mg/dl ► Leukozyten normal ► kein Fieber, kein Husten ► Allgemeinzustand schlecht, somnolent, isst und trinkt nicht Rö-Aufnahme am

61 CRP erhöht -2 ► 85jähriger Mann ► Antibiose mit Ceftriaxon ► Antidekubitusmatratze ► Flüssigkeits- und Kalorienzufuhr ► CRP nach 2 Tagen auf 5,8 abgefallen ► Leukos unverändert, weiterhin kein Fieber ► Patient viel wacher aber unruhiger, will aufstehen, redet vor sich hin

62 Fall: „ein Delir ist gefährlich“ ►Gutachtensfall aus 2010 über einen Vorgang aus 2005 ►1912 geborene Patientin, 93jährig ►Sturz, , Schenkelhalsfraktur links ► Duokopfprothese links ►am , acht Tage postoperativ in eine Geriatrie verlegt ►bei Verlegung: Truxal 50 mg 0-0-1/2 und Atosil Tropfen ►unter den Verlegungsdiagnosen kein Hinweis auf Delir ► handschriftlich auf dem Verlegungsbrief jedoch, dass „Delir DD HOPS“ fehlte

63 „ein Delir ist gefährlich“ Auszüge aus der Pflegedokumentation: ► : Patientin nicht orientiert zu Ort und Zeit war, zur Person gut, zur Situation nicht ► : unverändert desorientiert, „weiterhin zunehmend desorientiert, nur von einer Pflegeperson im RS fahrend über den Tag zu „beschäftigen“, Med.-Umstellung auf Seroquel“. ► : „- wegen ausgeprägtem „Delir“ mit starker Unruhe phasenweise Fixierung erforderlich – Sohn (Betreuer) derzeit im Urlaub…“. ► : Fieber von 38,1°. „Da Pat. sich in Fixierung drohte zu schnüren Fixierung geöffnet; Pat. ruhig im Bett liegend“. ►Um 17 Uhr 00: „Pat. weiterhin apathisch, nimmt keine oralen Med. zu sich Antibiose i.v.“. ►18 Uhr 00: „Pat. liegt auf dem Fußboden vor dem Bett…“ ►Bettgitter sehr wahrscheinlich hochgestellt.

64 „ein Delir ist gefährlich“ ►bereits am delirant, am zunehmend ►am fieberte die Patientin auf ►Rö-Aufnahme: V.a. kleines, parakardiales Infiltrat rechts, Urin in Ordnung, Leukozytenanstieg am auf 18,7 x 10 9 /l ►Sturz am gegen 18 Uhr ►Vorstellung beim Chirurgen: keine sofortige Operation wegen des schlechten AZ

65 „ein Delir ist gefährlich“ ►initial geplante Op wurde nicht durchgeführt ► ausführliches Gespräch mit dem Sohn und der Schwiegertochter: „im Sinne der Mutter seien keine lebensverlängernden Maßnahmen, -sie wolle zu ihren Eltern…“. ►Fazit des Gesprächs festgelegt: „kein ZVK, Flüssigkeit, Schmerzmittel, Antibiotikum“. ►Patientin verstarb erwartet am

66 „ein Delir ist gefährlich“ ►Gerichtsverhandlung im Oktober 2011 (ca. 6 Jahre nach den Ereignisse) ►Hätte die Patientin besser fixiert / bewacht werden müssen?

67  Fehler

68 Bedürfnisse älterer Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz Eingeschlossene Pat.: ► kognitiv kompetent, im Mittel 84,5 J. alt, m:w 1:1 ► Herzinsuff. NYHA III – IV ► Rekrutiert durch die Frage „Wäre ich überrascht, wenn mein Patient in den nächsten 12 Monaten sterben würde?“ an den behandelnden Arzt, wenn Antwort: Nein Ergebnisse: ► Kein Patient (n=12) realisierte die fortgeschrittene Herzinsuffizienz als potentiell lebensbedrohlich ► kein Patient hatte Aspekte des Lebensendes mit der Familie oder Helfern besprochen ► kein Patient hatte Erfahrungen mit Angeboten der Palliativversorgung ► häufig Angabe der Sorge, eine Last für die Angehörigen zu sein ► Wunsch nach leicht verständlichen Informationen zu Erkrankung und Prognose ► weniger Wunsch nach Symptomkontrolle als nach „Sprechender Medizin“ Fazit: Palliatives Denken sollte in der Kommunikation mit Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz stärker berücksichtigt werden

69 „Präfinaler Patient“ ►88jähriger Akademiker, Arzt, schon seit längerem krank, konnte nicht mehr richtig schlucken, Gewichtsabnahme ►weitere Diagnostik abgelehnt ►am Aufnahmetag noch mit der Ehefrau in der Stadt gewesen ►Am Aufnahmetag (Freitag) rief der Hausarzt an, ob ich mir den Patienten ansehen könnte, Termin für Montag vereinbart. ►Am Nachmittag (Hausarzt war im Wochenende) rief die Ehefrau an, dass sich der Zustand rapide verschlechtert hätte, stationäre Aufnahme ►Patient somnolent, keine Kontaktaufnahme möglich

70 „Präfinaler Patient“ ►Mutmaßlicher Patientenwille ■vermutlich keine invasiven Maßnahmen (hatte sich nicht diagnostizieren lassen) ►Ehefrau Vorsorgebevollmächtigte ■keine invasiven Maßnahmen ►„wenn nach bestem Wissen und Gewissen...“ ■Situation am Aufnahmetag aber nicht ganz klar, vielleicht nur Exsikkose wegen der Schluckprobleme?? ■sehr rasche Verschlechterung ►Vereinbarung mit der Ehefrau ■Flüssigkeitsersatz, kleines Labor

71 „Präfinaler Patient“ ►Nach Flüssigkeitszufuhr rasche Besserung ►sehr hohes CRP (>300 mg/l) ►Patient wird wacher, nimmt Kontakt auf ►nun kann auch der Patientenwille erfragt werden ►auf 3xige Frage nach Antibiose wird dies 3x bejaht ►Patient gibt ansonsten keine Schmerzen, Angst oder sonstige Beschwerden an. ►Antibiose, Flüssigkeit, Pflege ►Am nächsten Tag stirbt der Patient.

72 Beispiel „Verzicht auf Krankenhauseinweisung“ - 1 ► Gutachtensfall aus 2007 (Fall aus 2006) ► Frau, * (85jährige Patientin) ► Diagnosen und Hinweise u.a.: ■ Verwirrtheits- und Unruhezustände ■ unzureichende häusliche Versorgung ■ zunehmende vaskuläre Demenz ■ bekannter maligner Hypertonus ■ Z.n. Apoplex ■ Dekubiti an den Fersen ■ Exsikkose ► kurze Zeit vor dem Tod in ein Pflegeheim eingeliefert ► Patientin verstirbt dort nach 13 Tagen ► Die Heimaufsicht initiiert im Rahmen eines Verfahrens gegen das Heim insgesamt ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren wegen des Todes der Patientin.

73 ► bei Aufnahme im Heim am Fieber 38,8° rektal ► : “…Bw. brodelt stark beim Lagern.“ ► : Arzt trägt ein: „…Ø Einweisung ins Krhs“ ► unter oraler Antibiose scheinbar vorübergehende Besserung ► um 10 Uhr 50: „Temp. Kontrolle 38,3° rec. Bew. brodelt stark, atmet auch sehr schwer. Bew. wurde mit Absauggerät abgesaugt.“ ► , 16 Uhr: Hausbesuch durch den Hausarzt: „Med. %, reichlich Flüssigkeit geben, soweit möglich, AZ sehr schlecht, Pulmo bds gb RG’s, ggf. absaugen“. ► um 17 Uhr 00 keine Vitalzeichen mehr messbar Beispiel „Verzicht auf Krankenhauseinweisung“ - 2

74 Beispiel „Verzicht auf Krankenhauseinweisung“ - 3 ► übliche Patientenverfügung ohne spezielle Eintragungen ► bekannte Vorerkrankungen mit Prognosen ► beobachteter Krankheitsverlauf durch Hausarzt ► Hausarzt führt während des 13tägigen Heimaufenthalts acht (!!!) Hausbesuche durch ► Hausarzt kommuniziert mit den Angehörigen und stimmt sein Verhalten mit den Angehörigen und dem mutmaßlichen Patientenwillen ab. ■ Am rief der Hausarzt den Sohn an und informiert über den Gesundheitszustand. ■ Am hatte der Arzt laut Pflegebericht erneut ein ausführliches Gespräch mit dem Sohn

75 Beispiel „Verzicht auf Krankenhauseinweisung“ - 4 ► „…wenn nach bestem ärztlichem Wissen und Gewissen festgestellt wird, dass jede lebenserhaltende Maßnahme ohne Aussicht auf Besserung ist und mein Sterben nur verlängern würde.“ ► mutmaßlicher Patientenwille wohl respektiert ► Entscheidung durch den Hausarzt angesichts des Zustandes der Patientin und seiner Einschätzung der Prognose, ► vor Gespräch mit Angehörigen ► im Prinzip alles nachvollziehbar, aber: nichts durch den Hausarzt dokumentiert, alle Informationen entstammen den Pflegeberichten im Heim


Herunterladen ppt "SOLL MAN DAS IM ALTER NOCH BEHANDELN? (KARDIOVASKULÄRE RISIKOFAKTOREN, AKUTE ERKRANKUNGEN) GERIATRIE IM EBM – SELBSTVERSORGUNGSFÄHIGKEIT, STURZRISIKO,"

Ähnliche Präsentationen


Google-Anzeigen