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John Leslie Mackie (1917-1981) John Leslie Mackie, * 28. August 1917 Sydney, † 12. Dezember 1981) Professor für Philosophie Neuseeland: Otago in Dunedin,

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1 John Leslie Mackie ( ) John Leslie Mackie, * 28. August 1917 Sydney, † 12. Dezember 1981) Professor für Philosophie Neuseeland: Otago in Dunedin, Australien: Sydney, England: York, Oxford 1974 Mitglied der British Academy. Empirisch orientiert, Auseinandersetzung mit Themen der Metaphysik: Gottesproblem In Anknüpfung an David Hume entwickelt er eine Moralphilosophie Wissenschaftstheorie Kausalität INUS-Bedingung: “Insufficient but Necessary parts of a condition which is itself Unnecessary but Sufficient for their effects” (Kurzschluss+ Brennmaterial = Hausbrand)

2 Werke (Auswahl) Truth, Probability, and Paradox (1973) The Cement of the Universe. A study of causation (1974) Ethics. Inventing Right and Wrong (1977) The Miracle of Theism. Arguments for and against the Existence of God (1982) Ethik. Die Erfindung des moralisch Richtigen und Falschen. (Übers. Rudolf Ginters), Reclam, Stuttgart Das Wunder des Theismus. Argumente für und gegen die Existenz Gottes. (Übers. Rudolf Ginters), Reclam, Stuttgart 1985.

3 Richard Dawkins (*1941) 1976: The Selfish Gene - Das egoistische Gen 1986: The Blind Watchmaker: Why the Evidence of Evolution Reveals a Universe Without Design. Der blinde Uhrmacher 2006: The God Delusion

4 R.D. Ich bin gegen Religion, weil sie uns lehrt, damit zufrieden zu sein, die Welt nicht zu verstehen.“ (Orig: “I am against religion because it teaches us to be satisfied with not understanding the world.”) „Wir sind alle Atheisten, was die meisten Götter anbelangt, an die die Menschheit jemals geglaubt hat. Manche von uns gehen einfach einen Gott weiter.“ (Orig: “We are all atheists about most of the gods that humanity has ever believed in. Some of us just go one god further.”)

5 Martin Heidegger: Philosophie und Gottesfrage „Wie kommt Gott in die Philosophie?“ „Weil Sein als Grund erscheint, ist das Seiende das Gegründete, das höchste Seiende aber das Begründende im Sinne der ersten Ursache. Denkt die Metaphysik das Seiende im Hinblick auf seinen jedem Seienden als solchem gemeinsamen Grund, dann ist sie Logik als Onto-Logik. Denkt die Metaphysik das Seiende als solches im Ganzen, d. h. im Hinblick auf das höchste, alles begründende Seiende, dann ist sie Logik als Theo-Logik.“ Gott kommt in die Philosophie als Grund des Seienden. Er ist das Sein, das der her-vor-bringende Grund gedacht wird. „Dies ist die Ursache als die Causa sui. So lautet der sachgerechte Name für den Gott in der Philosophie.“ Kritik: „Zu diesem Gott kann der Mensch weder beten, noch kann er ihm opfern. Vor der Causa sui kann der Mensch weder aus Scheu ins Knie fallen, noch kann er vor diesem Gott musizieren und tanzen. Demgemäß ist das gott-lose Denken, das den Gott der Philosophie, den Gott als Causa sui preisgeben muß, dem göttlichen Gott vielleicht näher.“ Die onto-theo-logische Verfassung der Metaphysik (1957)

6 Dialektische Theologie: Ablehnung phil. Gottesbeweise Karl Barth ( ) (Prof. in Göttingen, Münster, 1930 Bonn, 1931 Fides quaerens intellectum über Anselm von Canterburys Gottesbeweis P 2: credimus te esse aliquid quo nihil maius cogitari possit  Gottesbeweise als reine Explikation des Glaubens

7 Vaticanum I 3. Sitzung, 24. April 1870: Dogmatische Konstitution „Dei Filius“ über den katholischen Glauben : Ecclesia tenet … Deum, rerum omnium principium et finem, naturali humanae rationis lumine e rebus creatis certo cognosci posse. "Gott, der Urgrund und das Ziel aller Dinge, kann mit dem natürlichen Licht der menschlichen Vernunft aus den geschaffenen Dingen mit Gewißheit erkannt werden." (DH 3004) Sinn: „Ansprechbarkeit des Menschen durch Gott in der Geschichte / durch eine Offenbarung Bibel: Röm. 1,19f.; 2,14f. „Seit Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft noou,mena wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit.“

8 Das Göttliche als Ursprung Vorsokratische Naturphilosophen: «Ursprung» (ἀρχή) ANAXIMANDROS (610 v. Chr. in Milet; † nach 547): das «Unendliche» ἄπειρον (Ursprung und Ziel des Seienden) Negation der Persönlichkeit Gottes wegen der Überwindung eines mythischen Anthropomorphismus. Man spricht im Neutrum vom «Göttlichen» (τὸ θεῖιον). XENOPHANES (570 v. Chr. † um 470 v. Chr.): Der «größte» Gott ist einer, nicht menschengestaltig, unbeweglich, unveränderlich, bedürfnislos und moralisch vollkommen. Seine lenkende Kraft wird zur geistigen Macht: er ist «ganz Sehen, Hören, geistiges Erfassen». HWPh Bd. 3, S. 722

9 Agnostizismus, Atheismus Protagoras aus Abdera (* 490; † 411 v. Chr.) „Über die Götter allerdings habe ich keine Möglichkeit zu wissen weder dass sie sind, noch dass sie nicht sind, noch, wie sie etwa an Gestalt sind; denn vieles gibt es, was das Wissen hindert: die Nichtwahrnehmbarkeit und dass das Leben des Menschen kurz ist.“ Diagoras von Melos (* 475 v. Chr. -† nach 410 v. Chr.) „der Atheist“

10 Gegenwart: pro Religion u. Theologie Postmoderne: Anything goes, dann geht auch Religion – Jean-Francois Lyotard: Das nichtdarstellbare Absolute – Jacques Derrida: Negative Theologie – Peter Koslowski : Christliche Gnosis gegen den Vollendungszwang der Moderne – Gianni Vattimo: Glauben - Philosophieren, Theologische Wende in der französischen Phänomenologie – Paul Ricoeur (Böse) – Jean-Louis Chrétien (Anruf) – Michel Henry (Autoaffektion) – Emmanuel Levinas (Alterität) – Jean-Luc Marion (Gebung) Postsäkular: Neue Religiosität – Hans-Joachim Höhn: Der fremde Gott: Glauben in postsäkularer Kultur, 2008; – Friedrich Wilhelm Graf: Die Wiederkehr der Götter. Religion in der modernen Kultur, 2007.

11 Neuer Atheismus Victor J. Stenger: The New Atheism. Taking a Stand for Science and Reason, 2009: – Richard Dawkins (Biologe: The Blind Watchmaker 1986; The God Delusion 2006); – Sam Harris (Physiker, Philosoph: The End of Faith: Religion, Terror, and the Future of Reason, 2004); – Daniel C. Dennett (Philosoph: Breaking the Spell: Religion as a Natural Phenomenon, 2006 : „Die Zeit ist reif für uns Brights, uns zu bekennen. Was ist ein Bright? Ein Bright ist eine Person mit einem naturalistischen Weltbild, frei von Übernatürlichem. Wir Brights glauben nicht an Geister, Elfen oder den Osterhasen – oder an Gott.“); – Victor J. Stenger (Philosoph: God: The Failed Hypothesis. How Science Shows That God Goes Not Exist, 2007); – Christopher Hitchens (Journalist: God is not Great: How Religion Poisons Everything, 2007).

12 Neuer Atheismus: deutschsprachige Autoren – Gerhard Streminger (Philosoph: Gottes Güte und die Übel der Welt. Das Theodizeeproblem 1992); – Franz M. Wuketits (Wissenschaftstheoretiker, Biologe); – Bernward Gesang (Angeklagt: Gott. Über den Versuch vom Leid in der Welt auf die Wahrheit des Atheismus zu schließen 1997); – Norbert Hoerster (Jurist: Die Frage nach Gott, 2005); – Michael Schmidt-Salomon (Manifest des evolutionären Humanismus. Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur. 2. Aufl. 2006). – Neue Rundschau 118 (2007) Heft 2 „Atheismus“ u.a. Herbert Schnädelbach (Der Fluch des Christentums. Die sieben Geburtsfehler einer alt gewordenen Weltreligion in der Wochenzeitung, 2000).

13 Literatur zu J.L. Mackie „Das Wunder des Theismus“ Stegmüller: Hauptströmungen der Gegenwarts- Philosophie Band IV, Stuttgart 1989, Friedo Ricken: Die Rationalität der Religion in der analytischen Philosophie: Swinburne, Mackie, Wittgenstein, in: Philosophisches Jahr 99 (1992) Patrick Weisser: Vom Unentschieden zur Entscheidung. Eine kritische Untersuchung der Frage nach der Existenz Gottes als Antwort auf J.L. Mackies The Miracle of Theism, Rom Joelle Verreet: Die rationale Wahrscheinlichkeit der Existenz Gottes. Eine Abhandlung des kosmologischen Arguments bei Richard Swinburne und John Leslie Mackie, Münster 2006.

14 Vorwort „Da ich selbst Atheist bin, habe ich mich bemüht, die Gegenposition so umfassend und so fair wie möglich zu Wort kommen zu lassen.“ Besonderer Bezug auf: Richard Swinburne: The Existence of God (1979) Hans Küng: Existiert Gott? (1978)

15 Einleitung Theismus = Lehre von Gott im monotheistischen Sinn (Judentum, Christentum, Islam) Die Frage nach der Existenz Gottes soll „vernünftig erörtert werden“. Es handelt sich um eine „echte, sinnvolle Frage“ (9). Übernahme der Gottesdefinition von Richard Swiburne: Gott = körperlose Person allgegenwärtiger Schöpfer und Erhalter des Universums frei handelndes Wesen<< allmächtig allwissend vollkommen gut Grund für moralische Verpflichtung unveränderlich ewig ein notwendiges Seiendes heilig verehrungswürdig.

16 Möglichkeit einer Vorstellung von Gott Mackie erötert zuerst die Möglichkeit dieser präzisen Gottesdefinition und verteidigt die Vorstellbarkeit Gottes. Eine körperlose Person sei leicht vorstellbar. (Diese Leichtigkeit führt später zu vielen Einwänden: dass auch Gott einen Ursprung haben müsste.) Aber ein ens necessarium sei nicht so leicht zu konzipieren.

17 Verifikationen Ein strenges empiristisches Verifikationskriterium für sinnvolle Aussagen über Gott wird zurückgewiesen, da es schon menschliche Selbstverständlichkeiten - wie Gedanken und Geisteszustände - nicht zu bewahrheiten erlaubt. Aber ein schwaches, erfahrungsbezogenes Verifikationsprinzip sei unumgänglich.

18 Gott – nicht nur ein Bewusstseinsinhalt Mackie wendet sich gegen eine reine bewusstseinstheoretische, intentionale Konzeption Gottes; Gott muss vielmehr eine objektive Wirklichkeit zukommen. Vertrauen und Glauben können sich nicht auf eine selbsthervorgebrachte Projektion richten. Vgl. F. Schleiermacher, E. Troeltsch….

19 Argumentationstypen Der Gottesfrage könne man sich nur argumentativ nähern, da unmittelbare Verifikationen unmöglich sind. Art der Argumente: 1) Deduktion: ontologisches Argument. 2) Induktive Elemente: Erfahrungstatsachen und deren Deutungen. Darauf bauen die theistischen Schlussfolgerungen auf. Sie beanspruchen die bessere Erklärung der Erfahrungen und ihrer Deutungen zu sein. Vgl. die Theodizee und deren Widerlegung.

20 Fides quaerens intellectum Keine Privatoffenbarungen als Möglichkeit, auf die Gottesfrage zu verzichten. Die Offenbarung müsse von der Vernunft abgesichert werden. Mackie wendet sich gegen jede fideistische Abhandlung der Gottesfrage: gegen den Rekurs auf ein bloßes Vertrauen oder Bibelzitieren. Er führt Anselm von Canterbury ( ) ins Feld mit seinem Programm von der fides quaerens intellectum.

21 Kumulative Argumente Diskussion kumulativer Argumente für und gegen Gott. Kein Argument überzeugt in sich, aber in ihrer Summe überzeugen sie, führen sie zu einer höhen Wahrscheinlichkeit. Die Summe der Argumente von Hume, Feuerbach, Marx, Freud kumulieren und konvergieren in ihrem Ziel trotz ihrer ganz unterschiedlichen Ansätze, die Religion als ein natürliches Phänomen zu erklären.

22 Das Bleiben der Religionen Gründe für das Bleiben der Religion: trotz wissenschaftlicher Erklärungen der zuvor religionproduktiven Naturphänomene wächst das Bedürfnis nach Religion, und zwar nach Geborgenheit in einem universelle Sinn. Die wissenschaftliche Welterklärung – die Erkenntnis der unendlichen kosmischen Räume - verstärke das Bedürfnis nach universeller Geborgenheit.

23 Ziel: Wahrscheinlichkeiten Statistischer Wahrscheinlichkeit Physische Wahrscheinlichkeit Epistemische Wahrscheinlichkeit

24 Aufbau des Buches 1-8: traditionelle Argumente pro Gott – 1: Methodisches zu nicht-deduktiven Erklärung – 2: apriorische Argumente – 3,5,6,7,8: klassische Gottesbeweise – 4: Berkeleys Immaterialismus 9: Theodizee 10-14: moderne Versuche zur Gottesfrage – 10: Religiöse Erfahrung; ihre natürliche Erklärung – 11: Glaube ohne empistemische Absicherung – 12: Glaube ohne Bezug auf klassische Glaubensaussagen – 13: Kann ein absoluter Wert Gott ersetzen? – 14: Theismus als Bollwerk gegen den Nihilismus (H. Küng); abschließende Erwägungen Glaube als Wunder angesichts der vernünftigen Einwände

25 Kapitel 1: Wunder und Zeugnis Humes‘ Argument aus An Enquiry concerning Human Understanding (1758) Ausgangspunkt: Wunder gelten als Stütze des Theismus: sie sollen die Existenz eines personalen Gottes beweisen. Einwände durch Hume gegen Wunder: A) Nebenargumente gegen Wunder: 1. Es gebe keine gutbezeugten Wunder, keine Gewissheit auf Täuschungsfreiheit 2. Hang zum Wunderglauben 3. Wundergeschichten entstammen weniger entwickelten Kulturen; 4. Konkurrenz der Religionen um die wahren Gründungs- und Beglaubigungswunder; heute, so Mackie, gebe es eine inklusivistische Variante: Wundertäter aller Länder / Religionen vereinigt euch. 5. Gruppenpsychologie: geringer Anfangsglaube wird durch Wunder intensiviert.

26 Die Unwahrscheinlichkeit von Wundern B) Hauptargument: es betrifft die Glaubwürdigkeit von Zeugenaussagen über beliebige Gegenstände. These: Die Glaubwürdigkeit einer Zeugenaussage hängt vom Zeugen und von der bezeugten Sache. Wenn die Sache für sich selbst wahrscheinlich ist – aufgrund schon gemachter Erfahrungen, von Naturgesetzen usw. – ist die bezeugte Sache zumindest auch wahrscheinlich, sie ist ein Fall von X. Bei Wundern entfällt jedoch diese Möglichkeit. Selbst das beste Zeugnis ändert daran nichts. Schlussfolgerung: der Grad der Gewissheit von Wunderberichten bleibt schwach. Nimmt man die Nebenargumente hinzu, schwindet auch dieser schwache Gewissheitsgrad. Die Diskussion von Humes Argument, das vor allem erkenntnistheoretischer Art sei, d.h., das Wunder wird nicht in seiner Möglichkeit bestritten (dass es etwas in sich Widersprüchliches sei), aber in seine Erkennbarkeit in Frage gestellt. (1) Die natürliche Bereitschaft, anderen zu glauben, wird durch das bezeugte Wunder, zu Recht reduziert. Kein Zeugnis kann die Wahrheit des Wunders absichern. (2) Wir haben niemals gute Gründe, anzunehmen, dass das Wunder geschehen ist.

27 Wunderkritik Mackie bietet eine Exkursion über den Wunderbegriff: A) Er insistiert auf einem „klassischen“ Wunderbegriff: Wunder sei ein übernatürlicher Eingriff in ein an sich geschlossenes System, in dem Naturgesetze gelten. Schwierigkeit des Nachweises. B) Intentionalität des Wunders = von der Gottheit bewirkt. Es bleiben sodann weitere Schwierigkeit, die über Hume hinausgehen: Informationsstand, der sich verändern kann und über die epistemische Wahrscheinlichkeit von Wundern mitentscheidet. Deshalb kann die beste aller Erklärung für ein bestimmtes Phänomen durch neue Informationen und neue Überlegungen hinfällig werden. Selbst Naturgesetze können sich als falsch erweisen. Mackie bringt das Beispiel psychosomatischer Erkrankungen: Wunderheilungen in Kongruenz zu Naturgesetzen. Schlussfolgerung: 1) bei Anerkennung des Ereignisses: dennoch könnten unbekannte Faktoren das Ereignis konstituiert haben; es könnte eine unbekannte natürliche Verursachung geben. 2) bei Nichtanerkennung des Ereignisses. Die Naturgesetze machen es extrem unwahrscheinlich – so sehr, dass kein gegenteiliges Zeugnis es aufwiegt. Mackie meint, viele Wunderheilungen könnte man durch Argument 1 relativieren, „Großwunder“ wie die Totenauferweckung nach Modell 2 gedeutet.

28 Mackie diskutiert schließlich die eigene Zeugenschaft: dass ein Wunder vor den eigenen Augen sich ereignet. Aber es gelten selbst in diesem Fall die bekannten Einwände: Unbekanntheit aller Faktoren beim Zustandekommen eines Ereignisses. Eigene Täuschungsmöglichkeit. Es bleibt die Verpflichtung, nach anderen Erklärungsmöglichkeiten zu suchen oder eigene Wunschvorstellungen zu überprüfen. Nach Hume ist das Christentum ohne die Annahme von Wundern nicht denkbar. Es sei nicht in reine Vernunftinhalte zu transformieren. Insofern bleibe der eigene Glaube ein stetes Wunder – was er freilich ironisch meint.

29 2. Descartes und die Idee Gottes (52-67) Der „ideentheoretische Gottesbeweis“ ist an sich kein apriorischer Beweis wie der ontologische. „Empirischer“ Ausgangspunkt ist die Möglichkeit, mir ein Bild Gottes zu machen. Der Gottesbeweis steht unmittelbar in Zusammenhang mit Descartes erkenntnistheoretischem Programm.

30 Das erkenntnistheoretische Programm Der Methodische Zweifel führt zum unbezweifelbaren Ich „Ich denke, also bin ich.“ 1. Ich als res cogitans (getrennt vom immer bezweifelbaren Körper) 2. Wahrheitskriterium: Klarheit und Deutlichkeit 3. Gottesargument: Gott ist kein Betrüger, da die Gottesidee klar fassbar ist: Höchste Vollkommenheit schließt Täuschungsabsichten aus. Schlussfolgerung: keine Täuschung bzgl. primärer Qualitäten des Erkennens.

31 Das Dilemma der Erkenntnisregel Problem: Entweder ist die Erkenntnisregel von der Klarheit und Deutlichkeit absolut sicher, dann kann sie auch nicht von einem deus malignus bedroht werden; ist sie bedrohbar, so ist die Regel nicht sicher und die Täuschung könnte gerade in dem Moment erfolgen, in dem Descartes diese Bedrohung definitiv ausschließen will, indem er mit der Erkenntnisregel zeigt, dass Gott kein Betrüger ist. Ergo: die Erkenntnisregel bietet keine sichere Basis für die Gotteserkenntnis. Außerdem: Aus der Gewissheit des Denkens folgt nicht die Existenz der getrennt existierenden geistigen Substanz. Andererseits: Aus dem Scheitern des epistemologischen Programms muss nicht das Scheitern des Gottesbeweises folgen.

32 Der ideentheoretische Beweis Gottes „Empirische Feststellung und deren Evalutation“: Der in mir vorfindliche Gottesbegriff - „ens perfectissimum “ - ist von ganz anderer Art als alle anderen Begriffe. Der Inhalt des Begriffs kann weder aus mir – unvollkommenem Wesen - stammen noch aus der ebenso unvollkommenen Außenwelt. Ergo: dieser Begriff entstammt einem Wesen außerhalb von mir, das den vom Begriff genannten Eigenschaften entspricht.

33 ideae innatae Gottesbegriff als angeborene Idee Angeborene Idee heißt: Der Begriff wird durch das Erfassen der eigenen Unvollkommenheit gebildet, was nur im Bezug auf ein absolut vollkommenes Wesen möglich ist. Dieses Erkenntnisvermögen geht auf dieses Wesen selber zurück.

34 Kritik 1: Unerkennbarkeit der absoluten Vollkommenheit 1. Der Begriff von der absoluten Vollkommenheit soll klar und deutlich sein, wodurch seine Wahrheit verbürgt ist. Doch es handelt sich um einen rein negativen Begriff: als Freiheit von allen Mängeln, die dem Menschen eigen sind. Diese „Negativität“ der Vollkommenheit zeigt, dass ich keinen Zugang zur Positivität der Vollkommenheit habe; sie ist mir also entzogen. Ich kann folglich von ihr aus auch nicht argumentieren.

35 Kritik 2 2. Applikation der Argumente gegen Platons Ideenlehre auf Descartes‘ ideentheoretischen Gottesbeweis: Der Begriff der vollkommenen Geraden wird über die Sinne gewonnen, indem man die Unvollkommenheit abstrahiert, die bei sinnlich wahrgenommenen Strecken vorkommen. So kann man auch absolut vollkommene Eigenschaften denken im Ausgang von den Eigenschaften des Menschen. Ergo: Der Begriff des absolut vollkommenen Wesens muss nicht auf ein existierendes Wesen zurückgeführt, dessen Eigenschaften dem Begriff entsprechen. Die Fähigkeit, diesen Begriff zu bilden, muss ebensowenig auf die Schöpferkraft dieses Wesens zurückgeführt werden. Damit ist auch in diesem Fall das scholatische Prinzip in Frage gestellt, dass die Ursache ihre Wirkung überbieten muss.

36 Kritik der Kritik? Anfragen: Mackie konzediert die Fähigkeit zur Abstraktion: unvollkommene Gerade – vollkommene Gerade. Wie ist diese Fähigkeit zu deuten? … durch eine apriorische Bezogenheit des Geistes auf etwas Vollkommenes, Unbegrenztes….Göttliches - ? Vgl. Kants Gottesidee als Einheitspunkt und Inbegriff aller Bestimmungen (Prädikate), auf den sich Erkennen und Denken zubewegt. Einwand Hegels gegen den Status der Gottesidee als einer bloßen Idee: Ideen sind - für sich genommen - nur Ideen, also etwas Begrenztes und Endliches: Sie sind begrenzt durch den Gegensatz zur Realität und eine endliche Größe als Produkt unseres Geistes. Die Gottesidee als eine begrenzte und endliche Größe des menschliches Geistes verbürgt daher nicht, dass man mit ihr Gott wirklich gedacht hat – obwohl Kant die Denknotwendigkeit Gottes als Idee behauptet. Erst eine unendliche und unbegrenzte (unbedingte) Idee entspricht aber Gott, d.h. eine Idee, die nicht durch Gegensatz zur Realität begrenzt und nicht bloßes Produkt des menschlichen Geistes ausgewiesen ist, sondern den Unterschied zur Realität in sich einschließt und überwindet.

37 Emmanuel Levinas ( ) Gott und die Philosophie, in: B. Casper (Hg.), Gott nennen. Phänomenologische Zugänge, Freiburg / München 1981, : 96f: Die Gottesidee Descartes‘ macht die radikale Passivität des „Ich denke“ offenbar, dessen Unfähigkeit, allumfassend, alles umgreifend sein – aber so offen für alles zu sein. „Bruch der Akthaftigkeit des Denkens“, „passiver als jede Passivität“. Erwachen des Denkens von einem absolut Anderen her (Kreatürlichkeit).


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