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6.2.20071 Universität Mannheim Finanzwissenschaft II Sommersemester 2007 Prof. Dr. Eckhard Janeba.

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Präsentation zum Thema: "6.2.20071 Universität Mannheim Finanzwissenschaft II Sommersemester 2007 Prof. Dr. Eckhard Janeba."—  Präsentation transkript:

1 6.2.20071 Universität Mannheim Finanzwissenschaft II Sommersemester 2007 Prof. Dr. Eckhard Janeba

2 6.2.20072 Logistik Vorkenntnisse: Grundstudium, aktive Beherrschung Mikro und Lösung von statischen Optimierungsproblemen Literatur: Kopiervorlage in Bereichsbibliothek Folien werden im Internet bereitgestellt

3 6.2.20073 Fortsetzung Logistik http://www.vwl.uni-mannheim.de/fiwi/ Klausur Sprechstunde:Dienstags 9-10:30, Verfügungsgebäude, Zi. 227 Übung: Gonzague Vannoorenberghe, MSc, Verfügungsgebäude, Zi. 225, Sprechstunde wird noch bekanntgegeben

4 6.2.20074 I. Einführung Überblick zur Staatstätigkeit –Einnahmen –Ausgaben Fragestellungen der Finanzwissenschaft Marktgleichgewicht und Marktversagen

5 6.2.20075 A. Überblick zur Staatstätigkeit Träger im öffentlichen Sektor Haushaltsplan Größe des öffentlichen Sektors (Niveau, Relevanz, Ausgabenarten, zeitliche Entwicklung, internationaler Vergleich) Föderalismus

6 6.2.20076 Zentrale Fragen A. Grundsätzliches Ist ein marktwirtschaftliches Gleichgewicht ohne staatliche Intervention effizient und/oder gerecht? Wenn nicht, kann staatliche Intervention zu einer Verbesserung führen?

7 6.2.20077 Fortsetzung: Fragen B. Ausgabenpolitik Warum interveniert der Staat bei der Bereitstellung öffentlicher Güter, bei externen Effekten, und auf Versicherungsmärkten? Welche Rolle spielt und sollte der Staat bei der Umverteilung von Einkommen und Vermögen spielen?

8 6.2.20078 Fortsetzung: Fragen C. Einnahmenpolitik Warum sind die volkswirtschaftlichen Kosten der Besteuerung größer als das Steueraufkommen? Wie werden die Kosten der Besteuerung gemessen? Welche Effekte haben Steuern auf Arbeits-, Spar-, Konsum-, und Investitionsverhalten? Wie sieht eine optimale Steuer aus?

9 6.2.20079 B. Marktgleichgewicht und Marktversagen Marktgleichgewicht: Nutzenmaximierung von Konsumenten unter Budgetrestriktion, Gewinnmaximierung von Firmen gegeben Technologie, Räumung aller Märkte Eine Allokation von Ressourcen heißt Pareto-effizient, wenn es keine andere mögliche Allokation gibt, bei der sich mindestens ein Individuum besser stellt und keines schlechter.

10 6.2.200710 1. Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomik Ein Marktgleichgewicht (MGG) ist unter bestimmten Bedingungen Pareto-effizient. Bedingungen: Preisnehmer, konstante Skalenerträge, keine öffentliche Güter, keine externe Effekte, keine Markteintrittsschranken, etc.

11 6.2.200711 2. Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomik Jede Pareto-effiziente Allokation kann mit Hilfe von unverzerrenden Steuern als MGG dezentralisiert werden. Probleme: 1. Unverzerrende Steuern (=lump sum Steuern) 2. Wer bestimmt, welche Allokation implementiert werden soll?

12 6.2.200712 II. Theorie und Politik der Öffentlichen Einnahmen A. Normative Theorie der Besteuerung B. Besteuerung und Anreizwirkungen C. Steuerinzidenz im Allgemeinen Gleichgewicht D. Steuerreform und Duale Einkommensteuer

13 6.2.200713 A. Normative Theorie der Besteuerung 1.Zusatzlast 2.Optimale Indirekte Besteuerung 3.Optimale Direkte Besteuerung 4.Ökologische Steuerreform/Doppelte Dividende

14 6.2.200714 1. Zusatzlast Warum sind manche Steuern besser als andere? Wie messen wir die volkswirtschaftlichen Kosten der Besteuerung? Schwerpunkt: Effizienz, nicht Gerechtigkeit

15 6.2.200715 Messung Schlechter Ansatz: Wohlfahrtsänderung = Steueraufkommen –Beispiel Problematischer Ansatz: Wohlfahrt = Konsumentenrente –Pfadabhängig wenn sich mehr als ein Preis ändert

16 6.2.200716 Sinnvoller Ansatz Kompensierende Variation (CV): Einkommen, das der Konsument erhalten muß, um bei Preisänderung Nutzen konstant zu halten Äquivalente Variation (EV): Einkommen, das der Konsument bereit ist aufzugeben, um Preisänderung zu vermeiden

17 6.2.200717 Formale Definition CV(p 0,p 1 ) = E(p 1,V(p 0,y)) – E(p 0,V(p 0,y) = E(p 1,V(p 0,y)) – y EV(p 0,p 1 ) = E(p 1,V(p 1,y)) – E(p 0,V(p 1,y) = y - E(p 0,V(p 1,y)) Graphische Analyse

18 6.2.200718 Zusatzlast (ZL) einer Steuer ZL = EV – R bzw. ZL = CV - R, wobei R das Steueraufkommen ist ZL = E(p 1,V(p 1,y)) – E(p 0,V(p 1,y) – R(p 1,y) = y - E(p 0,V(p 1,y)) – (p 1 -p 0 ) x(p 1,y) Analog bei CV Graphische Analyse Approximation durch Konsumentenrente ??

19 6.2.200719 Weiterführendes Approximation von ZL basierend auf CV bei konstanten Produzentenpreisen: ZL CV = - tSΔt – 0,5ΔtSΔt wobei t Steuervektor und S Slutzky-Matrix Vorzeichen der Wohlfahrtsänderung bei existierender Steuer a priori unklar Zusatzlast nichtlineare Funktion des Steuersatzes

20 6.2.200720 Anwendung Empirische Messung der Zusatzlast bei Weihnachtsgeschenken Veranschaulichung der Zusatzlast Bar vs. in-kind Geschenke Umfragedaten Empirische Analyse

21 6.2.200721 2. Optimale Indirekte Besteuerung Vorüberlegungen Ramsey Ansatz –Repräsentativer Konsument –Inverse Elastizitätenregel –Corlett-Hague Regel –Uniforme Besteuerung –Heterogene Konsumenten Produktionseffizienz Schlussbetrachtungen

22 6.2.200722 Vorüberlegungen Ziel: Ein gegebenes Steueraufkommen erzielen durch Besteuerung von Gütern unter Minimierung der Zusatzlast Fragen –Wie sieht optimale Steuerstruktur aus? –Wann ist Struktur uniform? –Sollten Inputs besteuert werden? –Gibt es einen Gerechtigkeits-Effizienz Zielkonflikt?

23 6.2.200723 Ramsey Ansatz Historische Problemstellung: Frank Ramsey (1927); moderne Behandlung: Diamond und Mirrlees (1971) Theorie des Zweitbesten Allgemeines Gleichgewicht Qualitative Charakterisierung

24 6.2.200724 Annahmen Vollständiger Wettbewerb m Konsumgüter, ein Input (Arbeit) Konstante Skalenerträge Konsumenten-, Produzentenpreise und Steuern P i,q i,t i für i=1,...,m, wobei P i =q i +t i w ist Preis der Arbeit (unbesteuert), Arbeitsangebot L, Einkommen wL

25 6.2.200725 Repräsentativer Konsument kauft m Konsumgüter (Mengen X i ) und bietet Arbeit an, um Nutzen zu maximieren Indirekte Nutzenfunktion V(P 1,...,P m,w,I) Steuereinnahmenziel: Σ i t iXi = T Staat maximiert V(P,w,I) durch Wahl von t i unter Beachtung von Einnahmenziel Individuelles Verhalten steckt in V(P,w,I)!

26 6.2.200726 Ergebnis und Interpretation Lagrange Ansatz Ergebnis ist die Ramsey Regel: Σ i t i S ki /X k = - θ < 0, k=1,...,m, wobei –θ = 1 – λ/ - Σ i t i dX i /dI –S ki = dX C k /dP i Im Optimum sollten die Steuern so gesetzt werden, dass die kompensierte Nachfrage für jedes Gut im gleichen Verhältnis zur Ausgangsposition verringert wird.

27 6.2.200727 Herleitung Ramsey Regel Hilfsresultate 1. dP i / dt i = 1 2. V / P i = - (V/I) X i = - X i 3. X i / P k = S ik – X k (X i /I) 4. S ik = S ki Lagrange Ansatz L = V( P,w,I) + [ i t i X i (P,w,I) - T]

28 6.2.200728 BEO: - X k + α […] = 0 α [ Σ i t i (X i /P k ) ] = (λ-α) X k Σ i t i (S ik - X k (X i /I)) = [( -α)/α] X k Σ i t i S ik = [( -α)/α + Σ i t i (X i /I)]X k

29 6.2.200729 Spezialfall: Keine Kreuzpreiseffekte Also: dX i /dP k = 0 für alle i ungleich k Dann reduziert sich Ramsey Regel zur inversen Elastizitätenregel t k /P k = (λ-μ) μ -1 /ε kk, wobei ε kk die Preiselastizität der Nachfrage für Gut k Die prozentualen Steuersätze sollen invers zur Elastizität der unkompensierten Nachfrage sein

30 6.2.200730 Spezialfall: n=2 Arbeit bzw. Freizeit (Gut 0) und zwei Konsumgüter (i=1,2) Ergebnis ist die Corlett-Hague Regel: τ 1 =t 1 /q 1 ist größer (kleiner) als τ 2 =t 2 /q 2, wenn ε 10 kleiner (größer) als ε 20 ist, wobei ε i0 die Kreuzpreis- elastizität der kompensierten Nachfrage nach Gut i bezüglich des Lohnsatzes ist. Interpretation: Das Gut, das mehr komplementär zu Freizeit ist, wird höher besteuert.

31 6.2.200731 Uniforme Besteuerung Wann ist die optimale Steuerstruktur uniform, d.h. τ i =t i /P i =τ für alle i=1,...,m? Möglichkeit 1: Arbeit ist unelastisch. Uniforme Güterbesteuerung de facto eine unverzerrende Steuer. Möglichkeit 2: Nutzenfunktion homothetisch und separabel zwischen Konsumgütern und Arbeit.

32 6.2.200732 Gerechtigkeit vs. Effizienz Heterogene Konsumenten Erweiterte Ramsey-Regel Zielkonflikt zwischen Gerechtigkeit und Effizienz: wer konsumiert unelastisch nachgefragte Güter?

33 6.2.200733 Produktionseffizienz Eff. Produktion bedeutet, dass die Ökonomie auf der Transformationskurve produziert. Passiert bei Abwesenheit von Besteuerung in Wettbewerbsmärkten Sollte Produktion effizient sein, wenn Steuern erhoben werden müssen, um R zu finanzieren?

34 6.2.200734 Wenn ja, dann dürfen u.a. Inputs nicht besteuert werden. Antwort: Produktion ist im Optimum effizient! Veranschaulichung des Resultats Bedeutung des Resultats

35 6.2.200735 Schlußbetrachtungen Numerische Resultate Stärken und Schwächen des Optimalsteuer- ansatzes

36 6.2.200736 3. Optimale Direkte Besteuerung Normative Prinzipien der Besteuerung Was ist Einkommen? Messung der Progression Opfertheorien Optimale Einkommensbesteuerung mit endogenem Einkommen

37 6.2.200737 Normative Prinzipien der Besteuerung 1.Äquivalenzprinzip (benefit principle) Gegenleistung des Staates, wenn auch nicht individuell zurechenbar (z.B. Verteidigung) Rechtfertigung der Umverteilung hinter Schleier der Ungewissheit

38 6.2.200738 2. Leistungsfähigkeitsprinzip (ability to pay principle) - Rechtfertigung eines Steueraufkommens - Horizontale vs. Vertikale Steuergerechtigkeit

39 6.2.200739 Was ist Einkommen? Mögliche Definitionen –Geld von wiederkehrenden Quellen, am Markt verdient –Reinvermögenszugang Synthetische Einkommensteuer Was macht die Einkommensteuer in der Praxis kompliziert?

40 6.2.200740 Steuertarife Steuertarif T = T(y), wobei y die Bemessungsgrundlage ist Durchschnittssteuersatz t(y) = T(y)/y, Grenzsteuersatz T(y) = dT(y)/dy Linearer Tarif T(y) = a y - b, a>0, Spezialfall: Proportionaler Tarif (b=0) Freibetrag: T(y) = max {ay-b,0} Freigrenze: T(y) = ay wenn y>b, sonst T(y) = 0

41 6.2.200741 Steuerprogression Progression gemessen an der Veränderung des Durchschnittssteuersatzes (lokales Maß) Tarif ist progressiv, wenn dt/dy > 0, proportional wenn dt/dy = 0, und sonst regressiv Für progressive Tarife gilt: Grenzsteuersatz > Durchschnittssteuersatz Streng konvexe Tarife: T(y) > 0

42 6.2.200742 Progression und Einkommensverteilung Ziele –Maß für Ungleichheit der Einkommensverteilung –Effekt der Besteuerung auf Einkommensverteilung Lorenzkurve: Misst den Prozentsatz des gesamten Einkommens, den die untersten x% der Bevölkerung besitzen. Sei x 1 { "@context": "http://schema.org", "@type": "ImageObject", "contentUrl": "http://images.slideplayer.org/1/669695/slides/slide_42.jpg", "name": "6.2.200742 Progression und Einkommensverteilung Ziele –Maß für Ungleichheit der Einkommensverteilung –Effekt der Besteuerung auf Einkommensverteilung Lorenzkurve: Misst den Prozentsatz des gesamten Einkommens, den die untersten x% der Bevölkerung besitzen.", "description": "Sei x 1

43 6.2.200743 Gini Koeffizient Messung der Einkommensverteilung mit einer Kennzahl Graphisch: Fläche zwischen Lorenzkurve und Diagonale relativ zur Fläche unter der Diagonalen Gleichverteilung (Gini Koeff. = 0), Extreme Ungleichheit (Gini Koeff. = 1) Gini Koeffizienten in der Realität Probleme

44 6.2.200744 Opfertheorien Adam Smith: Subjects should contribute in proportion to their respective abilities. John Stuart Mill: whatever scrifies the [government] requires...should be made to bear as nearly as possible with the same pressure upon all.

45 6.2.200745 Folgt Progression von gleichem Opfer? Ansatz: Streng konkave Nutzenfunktion U(x), identisch für alle Individuen, x gegeben Gleiches absolutes Opfer Gleiches marginales Opfer Kritik

46 6.2.200746 Optimale Einkommensbesteuerung Idee: Mirrlees (1971) Hier: Ansatz von Stiglitz Annahmen Endogenes Einkommen keine Pauschalsteuer Heterogene Individuen Nur Bruttoeinkommen beobachtbar

47 6.2.200747 Ziel: Pareto Optimale Besteuerung Zwei Typen von Individuen mit Fähigkeiten (Bruttolöhnen) n 1,n 2, wobei n 2 >n 1 Steuertarif nicht-linear, nicht differenzierbar Typen von Gleichgewichten –Pooling Gleichgewicht –Separation Gleichgewicht

48 6.2.200748 Einkommen Y=nL, Konsum x=Y-T(Y) Nutzenmaximierung und Arbeitsangebot –MRS n = 1-T´(Y n ) Annahme: Agentenmonotonität Selbstselektionsbeschränkung – V 2 (x 2,Y 2 ) >V 2 (x 1,Y 1 ) Staat maximiert V 2 (x 2,Y 2 ) + V 1 (x 1,Y 1 ) unter Budget- und Selbstselektionsbeschränkung

49 6.2.200749 Ergebnisse Resultat 1: Bei identischen Präferenzen und exogenen Bruttolöhnen ist der Grenzsteuersatz der Individuen mit den höheren Fähigkeiten gleich 0. Resultat 2: Wenn die Nutzenfunktionen identisch sind und separabel zwischen Konsum und Freizeit, dann sollten Güter nicht, sondern nur Einkommen besteuert werden (ohne Beweis).

50 6.2.200750 4. Ökologische Steuerreform Doppelte Dividende Ausgangssituation: Staat benötigt ver- zerrende Steuern (z.B. Einkommensteuer) zur Finanzierung eines gegebenen Auf- kommens Kann die Einführung/Erhöhung einer Umweltsteuer die Wohlfahrt erhöhen?

51 6.2.200751 Idee Ökosteuer erhöht die Umweltqualität, da weniger vom umweltverschmutzenden Gut konsumiert wird (erste Dividende). Steuereinnahmen aus Ökosteuer können benutzt werden, um andere verzerrende Steuern (z.B. Einkommensteuer) zu senken (zweite Dividende) Plausibel, aber auch richtig?

52 6.2.200752 Analyse von Bovenberg und de Mooij (1994) Wichtige Annahmen: Vollständiger Wettbewerb auf allen Märkten, keine Arbeitslosigkeit Individuen konsumieren sauberes Konsumgut (C) und umweltverschmutzendes Konsumgut (D), und bieten Arbeit (L) an Staat besteuert Lohneinkommen und umweltverschmutzendes Gut (=Ökosteuer)

53 6.2.200753 Analyse Arbeitsentscheidung hängt vom Reallohn ab; d.h. Nominallohn nach Lohnsteuer geteilt durch Preisindex für Konsumgüter Betrachtet wird eine aufkommensneutrale Steuerreform bei der die Steuer auf Lohneinkommen ersetzt wird durch Steuer auf Gut D.

54 6.2.200754 Ökosteuer verteuert D und löst Substitution zu C aus –Steuerbasis D schrumpft –Preisindex für Konsumgüter steigt Senkung der Lohnsteuer erhöht Nominallohn nach Steuern Gesamteffekt auf Reallohn a priori unbestimmt!

55 6.2.200755 Hauptresultat: Wenn bereits D besteuert wird und die unkompensierte Arbeitsangebotselastizität positiv ist, dann führt eine Erhöhung der Ökosteuer zu einer Senkung des Reallohns und des Arbeitsangebots. Intuition: Steuerbasis D wird zu klein um breite Steuerbasis (=Lohneinkommen) hinreichend zu senken. Optimale Ökosteuer ist niedriger als Pigousteuer, die sich ergibt wenn keine verzerrende Lohnsteuer eingesetzt wird.

56 6.2.200756 Weiterführende Betrachtung Wie hoch ist die Arbeitsangebotselastizität? Rolle und Ursache von Arbeitslosigkeit Simulationsstudien Politische Faktoren und die Bedeutung der Steuerbasis Analyse der Bundesregierung

57 6.2.200757 B. Effekte der Besteuerung und Anreizwirkungen 1.Arbeitsangebot/Armutsbekämpfung 2.Steuerhinterziehung/Schattenwirtschaft 3.Investition und Finanzierung

58 6.2.200758 1. Arbeitsangebot und Armutsbekämpfung Bedeutung der Arbeitsangebotselastizität Konzeptuelle Schwierigkeiten –Zeitliche Dimension –Selbständigkeit –Tarifverträge –Arbeitslosigkeit –Entscheidung in Haushalten –Partialanalyse

59 6.2.200759 Modell: Arbeitsangebot Ohne Besteuerung Repräsentatives Individuum mit Nutzenfunktion u(x,z), wobei x Konsumgut und z Freizeit Budget: px = I + wL, wobei L + z = L* mit L* Zeitausstattung, I Nichtarbeitseinkommen, w Lohnsatz Alternativ: px+wz=I+wL*=M (full income)

60 6.2.200760 Slutsky Zerlegung Nutzenmaximierung ergibt x(p,w), z(p,w) Rolle von M(w), Normalisierung p=1 L/ w = L/ w| u konstant + L L/ M Effekt unklar, wenn Freizeit ein normales Gut Mit proportionaler Besteuerung analog, wenn w gegeben

61 6.2.200761 Erweiterung: Beachtung des staatlichen Budgets Lineare Lohnsteuer T = ty – G, wobei y=wL Resultat: dL/dt < 0, wenn Freizeit normal und staatliches Budget ausgeglichen Lineare Einkommensteuer T = t(y+I) - G Kritische Würdigung

62 6.2.200762 Besteuerung von Haushalten Wie wirkt sich das Steuersystem auf den Anreiz (nicht) zu heiraten aus? Vergleich der Steuerbelastung vor und nach Heirat Annahme: Einkommen exogen

63 6.2.200763 Besteuerungsformen –Haushaltsbesteuerung H(y 1,y 2 ) = T(y 1 +y 2 ) –Individualbesteuerung I(y 1,y 2 ) = T(y 1 )+T(y 2 ) –Ehegattensplitting S(y 1,y 2 ) = 2T((y 1 +y 2 )/2) Postulate –Nichtdiskriminierung der Ehe –Globaleinkommensbesteuerung Diskussion

64 6.2.200764 Probleme –Einkommen und Arbeits-/Freizeit Entscheidungen nicht exogen –home production Modelle der Haushaltsentscheidung Rolle der Besteuerung

65 6.2.200765 Armutsbekämpfung Absolute vs. Relative Armut Gründe für Armut Armut in Deutschland Armutshilfe als bedürftigkeitsabhängige Leistung (means-tested benefits) Berechnung der Hilfeleistungen: i) Bedarf und ii) Kaufkraft Probleme: Informationsmangel und Armutsfalle

66 6.2.200766 Gliederung 1.Modell mit vollständiger Information a) Wohlfahrtssicherung b) Einkommenssicherung 2.Asymmetrische Information über Erwerbstätigkeit a) Sozialhilfe (volle Anrechnung) b) Negative Einkommensteuer

67 6.2.200767 1. Modell mit vollständiger Information Individuen i=1,...,N mit identischen Präferenzen über Konsum x und Freizeit f Streng konkave Nutzenfunktion U(x,f) Zeitausstattung von 1 wird aufgeteilt auf Freizeit und Arbeit: L+f=1 Konsum von i: x i =w i L i +z i = y i +z i, wobei w i der Lohn und z i staatlicher Transfer

68 6.2.200768 Individuen unterscheiden sich in w i Nutzenmaximierung führt zu optimaler Arbeitsentscheidung L i (w i,z i ) Indirekte Nutzenfunktion V(w i,z i ) = U(w i L i (w i,z i )+z i,1-L i (w i,z i )) Eigenschaften von V(w i,z i ) Laissez faire (z i =0) => V(w i,0)

69 6.2.200769 Vollständige Information: Staat kennt w i, y i und daher L i. Staatliche Ziele: Wohlfahrtssicherung vs. Einkommenssicherung

70 6.2.200770 Wohlfahrtssicherung Wohlfahrtssicherung: min Σ i z i unter NB U(w i L i +z i,1-L i )>u für alle i, z i 0 Lösung: unterstütze alle Individuen, die bei freiwilliger Arbeitswahl und z=0 nicht u erreichen D.h. z i >0 für alle w i { "@context": "http://schema.org", "@type": "ImageObject", "contentUrl": "http://images.slideplayer.org/1/669695/slides/slide_70.jpg", "name": "6.2.200770 Wohlfahrtssicherung Wohlfahrtssicherung: min Σ i z i unter NB U(w i L i +z i,1-L i )>u für alle i, z i 0 Lösung: unterstütze alle Individuen, die bei freiwilliger Arbeitswahl und z=0 nicht u erreichen D.h.", "description": "z i >0 für alle w i

71 6.2.200771 Eigenschaften des optimalen Transfers: Transfer sinkt mit w i Transfer senkt Arbeitsangebot von Empfängern im Vergleich zum laissez faire Abbildung

72 6.2.200772 Einkommenssicherung min Σ i z i unter NB x i x, und Teilnahme- bedingung U(w i L i +z i,1-L i ) V(w i,0) i Annahme: y(w,z) = wL(w,z) steigend in w Dann existiert ein w*, so dass y(w*,0)=x Transfer an Individuen mit w { "@context": "http://schema.org", "@type": "ImageObject", "contentUrl": "http://images.slideplayer.org/1/669695/slides/slide_72.jpg", "name": "6.2.200772 Einkommenssicherung min Σ i z i unter NB x i x, und Teilnahme- bedingung U(w i L i +z i,1-L i ) V(w i,0) i Annahme: y(w,z) = wL(w,z) steigend in w Dann existiert ein w*, so dass y(w*,0)=x Transfer an Individuen mit w

73 6.2.200773 L i ° ergibt sich aus U(x,1-L i °)=V(w i,0) Zwischenergebnis: L i ° ist steigend in Mindestkonsum und fallend in Lohnsatz Schlussfolgerung: Transferempfänger arbeiten und konsumieren mehr als unter laissez faire Abbildung Einkommenssicherung erhöht nicht den Nutzen, aber verbraucht Steuergelder

74 6.2.200774 2. Asymmetrische Information über Erwerbstätigkeit Staat beobachtet nur y, nicht jedoch w oder L Staatliche Politiken –Anrechnung von eigenem Einkommen –Negative Einkommensteuer

75 6.2.200775 Volle Anrechnung (Sozialhilfe) Transfer z konditioniert auf y, d.h. z(y) = max[x-y,0] Individuelle Budgetgerade ist nicht konvex, impliziter Steuersatz von 100% Abbildung Sei w° der Lohnsatz, bei dem für z=0 gerade Nutzen U(x,1) erreicht wird, d.h. U(x,1) = V(w°,0)

76 6.2.200776 Da V(w,z) steigend in w folgt: Individuen mit w>w° beantragen keine Unterstützung, solche mit w { "@context": "http://schema.org", "@type": "ImageObject", "contentUrl": "http://images.slideplayer.org/1/669695/slides/slide_76.jpg", "name": "6.2.200776 Da V(w,z) steigend in w folgt: Individuen mit w>w° beantragen keine Unterstützung, solche mit ww° beantragen keine Unterstützung, solche mit w

77 6.2.200777 Negative Einkommensteuer Idee: Teilanrechnung des eigenen Einkommens Transfer z(y) = max [x-ty,0], mit Anrechnungssatz t aus [0,1] Die Steigung der Budgetgerade für t<1 liegt oberhalb der unter voller Anrechnung Abbildung (t=1)

78 6.2.200778 Vergleich zur Sozialhilfe: 1. Manche Sozialhilfeempfänger arbeiten jetzt 2. Manche Nicht-Sozialhilfeempfänger werden zu Empfängern und arbeiten weniger 3. Effekt auf aggregiertes Arbeitsangebot unbestimmt 4. Da t=1 ein Spezialfall, kann optimale negative Einkommensteuer nie schlechter als Sozialhilfe sein.

79 6.2.200779 2. Steuerhinterziehung/ Schattenwirtschaft Bedeutung der Steuerhinterziehung bzw. Schattenwirtschaft Was beeinflusst Ausmaß der Steuerhinterziehung? Entscheidung unter Unsicherheit Modellierungsaspekte: i) Steuerzahler, ii) Finanzbehörde

80 6.2.200780 Basismodell Ansatz von Allingham und Sandmo Partialmodell mit repräsentativem Konsumenten, exogener Steuerpolitik Notation: –W exogenes Einkommen –X deklariertes Einkommen (0 X W) –θ Steuersatz (0<θ<1) –p Entdeckungswahrscheinlichkeit –Strafsatz (θ< π<1)

81 6.2.200781 von Neumann-Morgenstern Nutzenfunktion U mit U>0, U<0 (Risikoaversion) Nettoeinkommen ist eine Zufallsvariable –Y = W – θX mit Wahrscheinlichkeit 1-p –Z = W – θX – π(W-X) mit Wahrscheinlk. p Nutzenmaximierung E(U) = (1-p) U(Y) + p U(Z) max X

82 6.2.200782 Bedingungen erster und zweiter Ordnung Innere Lösung (Graphische Darstellung) Komparative Statik: X* = X(p,W,θ,π) Ergebnisse und Herleitung – X*/ p > 0 – X*/ W = ? – X*/ θ < 0 bei steigender absol. Risikoaversion – X*/ π > 0

83 6.2.200783 Erweiterungen Strafe auf hinterzogene Steuer (statt hinterzogenes Einkommen) Finanzierung öffentlicher Güter Endogenisierung der Politik des Finanzamts (optimales auditing) Gerechtigkeitsaspekte

84 6.2.200784 Empirische Ansätze Messung der Steuerhinterziehung –Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung –Hochrechnung über Stichproben –Haushaltsumfragen zu Einkommen und Ausgaben Messung der Schattenwirtschaft –Geldnachfrage –Verbrauch Elektrizität/Energie

85 6.2.200785 3. Investition und Finanzierung Problemstellung Unternehmensfinanzierung ohne Steuern Besteuerung und Investition –Gewinnsteuer auf Unternehmensebene –Besteuerung auf Personenebene Weiterführende Überlegungen: (i) Junge vs. alte Unternehmen, (ii) Kapitalstruktur, (iii) Rechtsformwahl

86 6.2.200786 Unternehmensfinanzierung ohne Steuern Modell einer kleinen, offenen Volkswirt- schaft mit Zinssatz r und zwei Perioden Repräsentativer Konsument, bietet unelastisch Arbeit an Produktionsfunktion F(K,L), quasikonkav Vollständiger Wettbewerb Outputpreis gleich 1, Lohn w

87 6.2.200787 Vermögen der Anteilseigner V t =z t v t ΔV t = V t+1 - V t = v t+1 Δz t + z t Δv t = V t N + z t Δv t Finanzierung von Investitionen aus einbe- haltenen Gewinnen E, Ausgabe von neuen Anteilen V N, und Neuverschuldung B N : I = E + V N + B N Cash Flow π = F(K,L) – wL, Buchhalterischer Gewinn G = π - rB = E + D (Dividenden D)

88 6.2.200788 Arbitrage r = [D + (ΔV – V N )]/V Maximierung von V maximiert Konsum Selbstfinanzierung: I = E => D = π(K) – I Resultat: π(K) = r Finanzierungsneutralität bei Abwesenheit von Steuern (Modigliani-Miller-Theorem) Bemerkung zum Gesamtwirtschaftlichen Gleichgewicht

89 6.2.200789 Besteuerung und Investition Gewinnsteuer auf Unternehmensebene τ, ein- heitlich für einbehaltene und ausgeschüttete Gewinne Fokus Selbstfinanzierung, I nicht steuerlich absetzbar Ergebnis: (1- τ) π(K) = r Kapitalnutzungskosten r/ (1- τ)

90 6.2.200790 Wohlfahrtseffekt: Gesamtwirtschaftliches Vermögen Y 0 – I 0 + [F(K 1,1)+K 1 ]/R 1 Marginale Zusatzlast τ(1- τ) -1 π 1 K 1 /R 1 ε Interpretation: (i) Rolle der Elastizität der Kapitalnachfrage, (ii) Besteuerung existierenden Kapitals

91 6.2.200791 Erweiterung Steuerliche Absetzbarkeit von Investitionen, Teil e absetzbar Gewinnmaximierung: π(K) = (1-eτ)r/(1- τ) Steuerparadoxon für e>1: höhere Steuern treiben Investitionen an Effektiver Grenzsteuersatz τ* = (π-r)/π = (1-e)τ/(1-eτ) Investitionsneutralität einer Cash Flow Steuer, e=1

92 6.2.200792 Besteuerung auf Personenebene Integration von Steuern auf Unternehmens- und persönlicher Ebene: Klassisches System vs. Anrechnungsverfahren Steuerliche Vorteilhaftigkeit von Kapitalgewinnen gegenüber Dividenden Bedeutung der Steuer auf Dividenden: Alte und neue Sicht

93 6.2.200793 Alte Sicht: Dividendensteuer senkt Investitionen (Gewinne ausgeschüttet, Investitionen anteilsfinanziert) Neue Sicht: Dividendensteuer hat nur Vermögenseffekt, aber irrelevant für Investitionen (Selbstfinanzierung)

94 6.2.200794 Weiterführende Überlegungen Junge vs. alte Unternehmen Kapitalstruktur Rechtsformwahl

95 6.2.200795 C. Steuerinzidenz im Allgemeinen Gleichgewicht Frage: Wer trägt die Last einer Steuer? Formelle Steuerlast/Inzidenz vs. Materielle Steuerlast/Inzidenz Gliederung –Partialanalyse –Allgemeine Gleichgewichtsanalyse Kapitalbesteuerung in einer kleinen offenen Volkswirtschaft Harberger Modell

96 6.2.200796 Inzidenzanalysen –Budgetinzidenz –Differentielle Inzidenz Überwälzung einer Pauschalsteuer –Kopfsteuern –Veränderung von freiwilligen Transfer –Preisänderung

97 6.2.200797 Steuern auf spezielle Güter Partialanalyse Mengensteuer: q = p + t Nachfrager orientieren sich an q, Anbieter an p Graphische Analyse der Steuer

98 6.2.200798 Lastverteilung Lastverteilung einer infinitesimalen Mengensteuer dq/dt = e/(e-n), wobei e die Angebotselastizität und n die Nachfragelastizität ist Beweis Spezialfälle –Alleinige Belastung der Nachfrager –Alleinige Belastung der Anbieter

99 6.2.200799 Schlussfolgerungen Schlussfolgerung 1: Der von einer Markt- seite zu tragende Steueranteil ist um so größer, je unelastischer diese Marktseite reagiert relativ zur anderen Marktseite. Schlussfolgerung 2: Lastverteilung ist unabhängig von formaler Zahlungs- verpflichtung

100 6.2.2007100 Erweiterungen Extremfälle Globales Lastverteilungsmaß Lastverteilung bei Wertsteuern

101 6.2.2007101 Steuerüberwälzung in einer kleinen offenen Volkswirtschaft Allgemeines Gleichgewicht Kapitaleinkommensbesteuerung mit internationaler Kapitalmobilität Ergebnis: Kapitalbesteuerung wird vollständig auf immobilen Faktor (Arbeit) überwälzt Intuition und Beweis

102 6.2.2007102 Harberger Modell Geschlossene Volkswirtschaft Zwei Sektoren X (Körperschaftssektor) und Y (andere Firmen) Beide Produkte werden unter vollständigem Wettbewerb mit Arbeit (L) und Kapital (K) produziert L und K mobil zwischen Sektoren Fixes Angebot von Arbeit und Kapital

103 6.2.2007103 Output Preise: P X,P Y, Faktorpreise: Zinssatz r, Lohnsatz w Rolle der Faktorintensitäten: X Sektor kapitalintensiv (K X /L X >K Y /L Y ) oder arbeitsintensiv (K X /L X { "@context": "http://schema.org", "@type": "ImageObject", "contentUrl": "http://images.slideplayer.org/1/669695/slides/slide_103.jpg", "name": "6.2.2007103 Output Preise: P X,P Y, Faktorpreise: Zinssatz r, Lohnsatz w Rolle der Faktorintensitäten: X Sektor kapitalintensiv (K X /L X >K Y /L Y ) oder arbeitsintensiv (K X /L X K Y /L Y ) oder arbeitsintensiv (K X /L X

104 6.2.2007104 Analyse: Zwei Effekte –Nachfrage nach K in Sektor X fällt (Faktorsubstitutionseffekt) –X wird relativ teurer, Nachfrage nach X sinkt relativ zu Y (Outputeffekt). Wenn X kapitalintensiv, sinkt Kapitalnachfrage. Wenn Y arbeitsintensiv, dann steigt Kapitalnachfrage –Gesamteffekt ergibt sich aus Faktorsubstitutions- und Outputeffekt –Im Gleichgewicht werden beide Faktoren vollständig beschäftigt; Faktorpreise ändern sich im allgemeinen

105 6.2.2007105 Ergebnisse –Wenn Sektor X kapitalintensiv, dann sinkt r/w –Wenn Sektor X arbeitsintensiv und fixe Produktionskoeffizienten, dann steigt r/w –Wenn Sektor X arbeitsintensiv, dann ist eine Erhöhung von r/w um so wahrscheinlicher, je (a) geringer die Substitutionselastizität in Sektor X, (b) größer die Elastizität der Nachfrage, und (c) größer die Differenz der Faktor- intensitäten

106 6.2.2007106 Weiterführende Überlegungen Numerische Ergebnisse Bedeutung verschiedener Annahmen Äquivalenz von Steuern

107 6.2.2007107 D. Steuerreform und Duale Einkommensteuer Ideal und Praxis der comprehensive income tax Alternative Systeme: Persönliche Einkommensteuer, hybride Systeme, duale Einkommensteuer, flat tax Implikationen für deutsche Steuerreformdebatte


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