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Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Hauptseminar, 2 SWS Leiter: Prof. Dr. Peter Kosta.

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Präsentation zum Thema: "Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Hauptseminar, 2 SWS Leiter: Prof. Dr. Peter Kosta."—  Präsentation transkript:

1 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Hauptseminar, 2 SWS Leiter: Prof. Dr. Peter Kosta

2 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Informationsstruktur, grammatische Wortstellung und ihre Evidenz in den slavischen Sprachen (am Beispiel der Satznegation und der Satz- vs. rechtsperipheren Adverbien) Informationsstruktur, grammatische Wortstellung und ihre Evidenz in den slavischen Sprachen (am Beispiel der Satznegation und der Satz- vs. rechtsperipheren Adverbien)

3 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Gliederung: Gliederung: Basiswortstellung und ihre Varianten (am Beispiel der RRR) Basiswortstellung und ihre Varianten (am Beispiel der RRR) Allgemeines zur Wortstellung: der Konfigurationalitätsparameter Allgemeines zur Wortstellung: der Konfigurationalitätsparameter MLC und Langes Scrambling MLC und Langes Scrambling Freie und feste Wortstellung Freie und feste Wortstellung Satznegation und Wortstellungsvariation Satznegation und Wortstellungsvariation Negation, Satzadverbien und Adverbien der Art und Weise Negation, Satzadverbien und Adverbien der Art und Weise Informationsstruktur und Satznegation Informationsstruktur und Satznegation

4 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur 1. Basiswortstellung und ihre Varianten 1. Basiswortstellung und ihre Varianten Mein Vortrag beschäftigt sich mit der Analyse von Sprachen mit so genannter freien Wortstellung. Unsere erste Ausgangsfrage lautet – entgegen der Behauptung, dass sämtliche Variationen durch informationsstrukturelle Prozesse der so genannten aktuellen Satzgliederung, also der Thema-Rhema-Gliederung oder auch Topik- Comment-Artikulation, zustande kommen, wie folgt: Mein Vortrag beschäftigt sich mit der Analyse von Sprachen mit so genannter freien Wortstellung. Unsere erste Ausgangsfrage lautet – entgegen der Behauptung, dass sämtliche Variationen durch informationsstrukturelle Prozesse der so genannten aktuellen Satzgliederung, also der Thema-Rhema-Gliederung oder auch Topik- Comment-Artikulation, zustande kommen, wie folgt:

5 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Wie kommen grammatische, also rein syntaktisch bedingte, Wortstellungsvarianten in Sprachen mit sogenannter freier Wortstellung zustande, die nicht erst durch die kommunikative Absicht der Sprecher bedingt sind, sondern bereits im System der Syntax der Grammatik einer Sprache GL geregelt sind? Wie kommen grammatische, also rein syntaktisch bedingte, Wortstellungsvarianten in Sprachen mit sogenannter freier Wortstellung zustande, die nicht erst durch die kommunikative Absicht der Sprecher bedingt sind, sondern bereits im System der Syntax der Grammatik einer Sprache GL geregelt sind?

6 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Im Allgemeinen geht man davon aus, dass die slavischen Sprachen eine mehr oder weniger freie Wortstellung aufweisen, wobei die Wahl einer bestimmten Wortstellungsvariante vom Sprecher in Abhängigkeit von Faktoren wie alte vs. neue Information bzw. Präsupposition (Thema) vs. das, was über das Thema ausgesagt wird (Rhema) getroffen wird. Ein russischer deklarativer Satz wie unter (1) kann daher sowohl im Haupt- als auch im Relativsatz eine Basiswortstellung und mehrere Wortstellungsvarianten aufweisen: Im Allgemeinen geht man davon aus, dass die slavischen Sprachen eine mehr oder weniger freie Wortstellung aufweisen, wobei die Wahl einer bestimmten Wortstellungsvariante vom Sprecher in Abhängigkeit von Faktoren wie alte vs. neue Information bzw. Präsupposition (Thema) vs. das, was über das Thema ausgesagt wird (Rhema) getroffen wird. Ein russischer deklarativer Satz wie unter (1) kann daher sowohl im Haupt- als auch im Relativsatz eine Basiswortstellung und mehrere Wortstellungsvarianten aufweisen:

7 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur (1) a. Mnogie professora znajut vsech studentov [N > V > A ] (1) a. Mnogie professora znajut vsech studentov [N > V > A ] b. [Vsech studentov] znajut mnogie professora vsech studentov [A > V > N ] b. [Vsech studentov] znajut mnogie professora vsech studentov [A > V > N ] c. Ivan skazal, čto mnogie professora znajut vsech studentov zdes [N > V > A] c. Ivan skazal, čto mnogie professora znajut vsech studentov zdes [N > V > A] d. Ivan skazal, čto [vsech studentov] znajut mnogie professora znajut vsech studentov d. Ivan skazal, čto [vsech studentov] znajut mnogie professora znajut vsech studentov zdes [A > V > N] zdes [A > V > N]

8 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Wenn die Anzahl der Argumente größer ist, steigt auch die Anzahl der potentiellen Wortstellungsvarianten. Wir demonstrieren dies hier an Hand des Deutschen, das im Mittelfeld ebenfalls die grammatisch (syntaktisch) ungebundene Bewegung indirekter und direkter Objekte kennt (vgl. 2): Wenn die Anzahl der Argumente größer ist, steigt auch die Anzahl der potentiellen Wortstellungsvarianten. Wir demonstrieren dies hier an Hand des Deutschen, das im Mittelfeld ebenfalls die grammatisch (syntaktisch) ungebundene Bewegung indirekter und direkter Objekte kennt (vgl. 2):

9 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur (2) a. …dass der Mann dem Kind das Buch zeigte [N > D >A] (2) a. …dass der Mann dem Kind das Buch zeigte [N > D >A] b. …dass der Mann das Buch dem Kind zeigte [N > A >D] b. …dass der Mann das Buch dem Kind zeigte [N > A >D] c. …dass das Buch der Mann dem Kind zeigte [A > N> D] c. …dass das Buch der Mann dem Kind zeigte [A > N> D] d. …dass das Buch dem Kind der Mann zeigte [A > D > N] d. …dass das Buch dem Kind der Mann zeigte [A > D > N] e. …dass dem Kind das Buch der Mann zeigte [D>A>N] e. …dass dem Kind das Buch der Mann zeigte [D>A>N]

10 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur In der Theorie hat man diese Variation syntaktisch mit Hilfe der Anwendung der Metapher Bewege ein Element aus seiner Basisposition (Move-Alpha) zu erklären versucht. Es hat sich jedoch schon bald gezeigt, dass eine solche Erklärung nicht explanativ adäquat sein kann, da dieser Prozess keine Motivation und keine richtige Erklärung für die Ableitung der einzelnen Bewegungsschritte liefern konnte: In der Theorie hat man diese Variation syntaktisch mit Hilfe der Anwendung der Metapher Bewege ein Element aus seiner Basisposition (Move-Alpha) zu erklären versucht. Es hat sich jedoch schon bald gezeigt, dass eine solche Erklärung nicht explanativ adäquat sein kann, da dieser Prozess keine Motivation und keine richtige Erklärung für die Ableitung der einzelnen Bewegungsschritte liefern konnte:

11 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur So könnte etwa (1d) so erklärt werden, dass die direkte Objekt-NP oder DP vsech studentov zuerst aus der VP und danach an den [AGRS AGR T] – Komplex adjungiert worden ist. Es ist auch einsichtig, dass die Objekt-DP nicht in einer SpecCP-Position stehen kann, weil sie rechts von dem Komplementierer čto steht, was wiederum nahelegt, dass es sich um keine Instanz der so genannten Topikalisierung handeln kann (Topikalisierung wäre links adjungiert an CP). So könnte etwa (1d) so erklärt werden, dass die direkte Objekt-NP oder DP vsech studentov zuerst aus der VP und danach an den [AGRS AGR T] – Komplex adjungiert worden ist. Es ist auch einsichtig, dass die Objekt-DP nicht in einer SpecCP-Position stehen kann, weil sie rechts von dem Komplementierer čto steht, was wiederum nahelegt, dass es sich um keine Instanz der so genannten Topikalisierung handeln kann (Topikalisierung wäre links adjungiert an CP).

12 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Derzeit stehen zwei Versionen einer Theorie zur Verfügung, die die Ableitungen der Wortstellungsvarianten im Sinne von (1) und (2) zu erklären versuchen: Ein Ansatz A, in dem davon ausgegangen wird, dass scrambling – so heisst nach John Ross (1967)[1] benannte syntaktische Bewegung, die er als eine stilistische Variante eines ansonsten grammatisch ungebundenen syntaktischen Prozesses, bei dem in der Regeln Argumente bewegt werden, nennt – dass Scrambling die DPs oder PPs an verschiedene syntaktische Kategorien adjungiert, wie man dies am Beispiel der RRR sehen kann: hier können die DPs an eine IP (Hauptsatz) (3-4), CP (Relativsatz) (5) oder an eine DP (6) angehängt werden: Derzeit stehen zwei Versionen einer Theorie zur Verfügung, die die Ableitungen der Wortstellungsvarianten im Sinne von (1) und (2) zu erklären versuchen: Ein Ansatz A, in dem davon ausgegangen wird, dass scrambling – so heisst nach John Ross (1967)[1] benannte syntaktische Bewegung, die er als eine stilistische Variante eines ansonsten grammatisch ungebundenen syntaktischen Prozesses, bei dem in der Regeln Argumente bewegt werden, nennt – dass Scrambling die DPs oder PPs an verschiedene syntaktische Kategorien adjungiert, wie man dies am Beispiel der RRR sehen kann: hier können die DPs an eine IP (Hauptsatz) (3-4), CP (Relativsatz) (5) oder an eine DP (6) angehängt werden:[1] [1] J. R. Ross (1967): Constraints on Variables in Syntax, MIT (erschienen als Infinite Syntax, NOrwood, New Jersey 1983). [1] J. R. Ross (1967): Constraints on Variables in Syntax, MIT (erschienen als Infinite Syntax, NOrwood, New Jersey 1983). [1]

13 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur (3) On skazal [CP čto [IP [DP Petrov]i [IP stranno [CP čto [IP [DP ti] [VP nam pomogal]]]]]] (3) On skazal [CP čto [IP [DP Petrov]i [IP stranno [CP čto [IP [DP ti] [VP nam pomogal]]]]]] Er sagte dass Petrov merkwürdig dass uns geholfen Er sagte dass Petrov merkwürdig dass uns geholfen Er sagte, dass es merkwürdig sei, dass uns Petrov geholfen habe Er sagte, dass es merkwürdig sei, dass uns Petrov geholfen habe

14 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur (4) [IP [DP Katina sestra]i [IP mne pro rasskazyvali [CP čto [IP ti priezžaet ]]]] (4) [IP [DP Katina sestra]i [IP mne pro rasskazyvali [CP čto [IP ti priezžaet ]]]] K.s Schwester mir erzählten sie dass kommt K.s Schwester mir erzählten sie dass kommt Man sagte mir, dass K.s Schwester kommen wird Man sagte mir, dass K.s Schwester kommen wird

15 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur (5) Ja byl [CP [DP novuju školu] i [CP gde [IP pro strojat t i ]]] (5) Ja byl [CP [DP novuju školu] i [CP gde [IP pro strojat t i ]]] Ich war neue Schule wo sie bauen Ich war neue Schule wo sie bauen Ich war dort, wo man eine neue Schule baut Ich war dort, wo man eine neue Schule baut

16 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur (6) [[Moej sestry]i [ètot dom ti ]] (6) [[Moej sestry]i [ètot dom ti ]] Meiner Schwester dieses Haus Meiner Schwester dieses Haus Dieses Haus meiner Schwester Dieses Haus meiner Schwester

17 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Wenn auch diese Sätze vom Standpunkt der russischen Standardsprache als markiert und ungewöhnlich gelten, werden sie in der gesprochenen Standardsprache laufend geäußert. Die Beispiele stammen aus einer Studie von E.A. Zemskaja (vgl. auch Kosta 2002:255 mit weiteren Beispielen). Wenn auch diese Sätze vom Standpunkt der russischen Standardsprache als markiert und ungewöhnlich gelten, werden sie in der gesprochenen Standardsprache laufend geäußert. Die Beispiele stammen aus einer Studie von E.A. Zemskaja (vgl. auch Kosta 2002:255 mit weiteren Beispielen).

18 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur 2. Allgemeines zur Wortstellung: der Konfigurationalitätsparameter 2. Allgemeines zur Wortstellung: der Konfigurationalitätsparameter Eine ausgezeichnete Elaboration der Theorie der freien Wortstellung im Sinne des Ansatzes A haben Müller & Sternefeld (1993) vorgelegt. Der Ansatz B wurde hingegen von Mahajan (1989) und Deprez (1990) vorgelegt; bei diesem wird scrambling als Substitution (im Sinne von Chomsky 1981, 1986) verstanden, wobei die DPs in die Spezifiziererposition einer funktionalen Kategorie eingesetzt werden, vgl. (7) für das Deutsche: Eine ausgezeichnete Elaboration der Theorie der freien Wortstellung im Sinne des Ansatzes A haben Müller & Sternefeld (1993) vorgelegt. Der Ansatz B wurde hingegen von Mahajan (1989) und Deprez (1990) vorgelegt; bei diesem wird scrambling als Substitution (im Sinne von Chomsky 1981, 1986) verstanden, wobei die DPs in die Spezifiziererposition einer funktionalen Kategorie eingesetzt werden, vgl. (7) für das Deutsche:

19 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur (7) …dass [TP [AGR-O-P das Buch [AGR-O [VP der Mann [VP dem Kind t zeigt ]]]]] (7) …dass [TP [AGR-O-P das Buch [AGR-O [VP der Mann [VP dem Kind t zeigt ]]]]] (vgl. Fanselow 2004) (vgl. Fanselow 2004)

20 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Mahajan (1990) und Deprez (1989) argumentieren dafür, dass beide Ansätze notwendig seien, da der Ansatz B z. B. das kurze oder mittlere Scrambling im Mittelfeld (vgl. für das Deutsche 2 und 7 und für das Russische 6) erfasst, während eine Theorie A das lange Scrambling erfasst: Das lange Scrambling überschreitet die Grenzknoten von IPs – ist demnach ein Satz überschreitender syntaktischer Prozess –, wie wir dies an Hand der Beispiele (3,4,5) sehen konnten. Das lange Scrambling stellt daher eine Option dar, die wir – typologisch betrachtet– in einer kleineren Menge von Sprachen antreffen als dies beim kurzen oder midrange Scrambling der Fall ist. Die folgende Generalisierung (1) ist daher anzunehmen: Mahajan (1990) und Deprez (1989) argumentieren dafür, dass beide Ansätze notwendig seien, da der Ansatz B z. B. das kurze oder mittlere Scrambling im Mittelfeld (vgl. für das Deutsche 2 und 7 und für das Russische 6) erfasst, während eine Theorie A das lange Scrambling erfasst: Das lange Scrambling überschreitet die Grenzknoten von IPs – ist demnach ein Satz überschreitender syntaktischer Prozess –, wie wir dies an Hand der Beispiele (3,4,5) sehen konnten. Das lange Scrambling stellt daher eine Option dar, die wir – typologisch betrachtet– in einer kleineren Menge von Sprachen antreffen als dies beim kurzen oder midrange Scrambling der Fall ist. Die folgende Generalisierung (1) ist daher anzunehmen:

21 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur (8) Generalisierung: (8) Generalisierung: Wenn eine Sprache das lange Scrambling hat, dann hat sie auch das das kurze Scrambling, aber nicht vice versa. Wenn eine Sprache das lange Scrambling hat, dann hat sie auch das das kurze Scrambling, aber nicht vice versa.

22 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Das kurze und lange Scrambling scheinen Eigenschaften zu haben, die an die Operation von sogenannter A- vs. A-bar-Bewegung (A- vs. A-bar-movement) erinnert. Da satzinternes Umstellen der Satzglieder (vor allem der Argumente) im Russischen, Hindi und Japanischen sowohl Eigenschaften von A- Bewegung als auch die von A-bar-Bewegung haben kann, jedoch nicht beides zur gleichen Zeit (siehe Mahajan 1993), scheinen uns die Begriffe A-Scrambling und A-bar-Scrambling angemessener zu sein. Das kurze und lange Scrambling scheinen Eigenschaften zu haben, die an die Operation von sogenannter A- vs. A-bar-Bewegung (A- vs. A-bar-movement) erinnert. Da satzinternes Umstellen der Satzglieder (vor allem der Argumente) im Russischen, Hindi und Japanischen sowohl Eigenschaften von A- Bewegung als auch die von A-bar-Bewegung haben kann, jedoch nicht beides zur gleichen Zeit (siehe Mahajan 1993), scheinen uns die Begriffe A-Scrambling und A-bar-Scrambling angemessener zu sein.

23 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Ich werde nun kurz einige Worte zu den Begriffen konfigurationelle vs. nicht konfigurationelle Sprache sagen. Als erster hat in der generativen Syntax den Begriff Hale (1979, 1982) eingeführt. Nach ihm (Hale 1982:1-2) lässt sich diese Dichotomie durch die unterschiedliche Setzung der Parameter darstellen, die wir hier in der Tabelle 1 als das Konfigurationalitätsparameter zeigen: Ich werde nun kurz einige Worte zu den Begriffen konfigurationelle vs. nicht konfigurationelle Sprache sagen. Als erster hat in der generativen Syntax den Begriff Hale (1979, 1982) eingeführt. Nach ihm (Hale 1982:1-2) lässt sich diese Dichotomie durch die unterschiedliche Setzung der Parameter darstellen, die wir hier in der Tabelle 1 als das Konfigurationalitätsparameter zeigen:

24 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Tabelle 1: Der Konfigurationalitätsparameter Tabelle 1: Der Konfigurationalitätsparameter konfigurationelle Sprachen nicht-konfigurationelle S. konfigurationelle Sprachen nicht-konfigurationelle S. (z. B. Englisch, Papago, Hopi) (z. B. Warlpiri, Ungarisch, Japanisch, Deutsch, Russ.) (z. B. Englisch, Papago, Hopi) (z. B. Warlpiri, Ungarisch, Japanisch, Deutsch, Russ.) a) feste Wortstellung freie Wortstellung a) feste Wortstellung freie Wortstellung b) kontinuierliche Elemente diskontinuierliche Elemente b) kontinuierliche Elemente diskontinuierliche Elemente c) unregelmäßiges pro-drop regelmäßiges pro-drop c) unregelmäßiges pro-drop regelmäßiges pro-drop d) pleonastische (expletive) NPs vorh. keine pleonatischen (expletiven) NPs d) pleonastische (expletive) NPs vorh. keine pleonatischen (expletiven) NPs e) schwach flektierendes Kasussystem stark flektierendes e) schwach flektierendes Kasussystem stark flektierendes f) NP-Bewegung keine NP-Bewegung f) NP-Bewegung keine NP-Bewegung

25 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Was die slavischen Sprachen angeht, so verfügt etwa sowohl das Russische als auch das Tschechische über die Merkmale (b, c, e, und f), während (d) teilweise verletzt ist; man vergleiche etwa die Verwendung von to oder von/vona/vono im Tschechischen (einschl. der obecná čeština), von won, wona, wono im Niedersorbischen bzw. des pleonastischen èto in der RRR vom Typ: Was die slavischen Sprachen angeht, so verfügt etwa sowohl das Russische als auch das Tschechische über die Merkmale (b, c, e, und f), während (d) teilweise verletzt ist; man vergleiche etwa die Verwendung von to oder von/vona/vono im Tschechischen (einschl. der obecná čeština), von won, wona, wono im Niedersorbischen bzw. des pleonastischen èto in der RRR vom Typ:

26 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur (9) č. (ob.č.) to nám to řekl Petr (9) č. (ob.č.) to nám to řekl Petr das uns das gesagt Peter das uns das gesagt Peter das hat uns Peter gesagt das hat uns Peter gesagt (10) č. (ob.č.) vono se mu to nevyplatí (10) č. (ob.č.) vono se mu to nevyplatí es Refl ihm das nicht auszahlen wird es Refl ihm das nicht auszahlen wird das wird sich ihm nicht auszahlen das wird sich ihm nicht auszahlen (11) ns. wono deščujo, wono pada (11) ns. wono deščujo, wono pada es regnet es regnet (12) RRR. èto naša NaTAša domoj vernulas (12) RRR. èto naša NaTAša domoj vernulas das unsere Natascha nach Hause gekehrt (ist) das unsere Natascha nach Hause gekehrt (ist) es ist unsere NATASCHA, die nach Hause zurückgekommen ist es ist unsere NATASCHA, die nach Hause zurückgekommen ist

27 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Bezeichnender Weise sind dies alles Instanzen von entweder Topikalisierung (9, 10, 12) oder der unter dem deutschen Einfluss gebildeten unpersönlichen Wettersätze mit einem Expletivum (11), in denen pleonastische NPs als Instanzen der Topikalisierung eines im Diskurs bereits eingeführten thematischen Elements auftreten oder/und zugleich auf eine fokussierte NP verweisen (ähnlich ließen sich die Instanzen des clitic doubling im Bulgarischen bzw. Makedonischen deuten). Bezeichnender Weise sind dies alles Instanzen von entweder Topikalisierung (9, 10, 12) oder der unter dem deutschen Einfluss gebildeten unpersönlichen Wettersätze mit einem Expletivum (11), in denen pleonastische NPs als Instanzen der Topikalisierung eines im Diskurs bereits eingeführten thematischen Elements auftreten oder/und zugleich auf eine fokussierte NP verweisen (ähnlich ließen sich die Instanzen des clitic doubling im Bulgarischen bzw. Makedonischen deuten).

28 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Die Schwächen des in Tabelle 1 dargestellten Zusammenhangs zwischen einzelnen syntaktischen bzw. morphologischen Erscheinungen und dem Phänomen bzw. Merkmal der festen vs. freien Wortstellung liegt auf der Hand. Was die Kriterien bzw. Merkmale a) und b) angeht, scheint auch eher das Russische in der Varietät der RRR (1-6) und teilweise das Deutsche (7) betroffen zu sein, als etwa das Tschechische, wo aufgespaltene Phrasen bzw. diskontinuierliche Elemente eher selten vorkommen. Hingegen kennt das Serbische bzw. Kroatische durchaus die übliche Aufspaltung von Phasen, wenn es sich um die Position bestimmter klitischer Elemente handelt: Die Schwächen des in Tabelle 1 dargestellten Zusammenhangs zwischen einzelnen syntaktischen bzw. morphologischen Erscheinungen und dem Phänomen bzw. Merkmal der festen vs. freien Wortstellung liegt auf der Hand. Was die Kriterien bzw. Merkmale a) und b) angeht, scheint auch eher das Russische in der Varietät der RRR (1-6) und teilweise das Deutsche (7) betroffen zu sein, als etwa das Tschechische, wo aufgespaltene Phrasen bzw. diskontinuierliche Elemente eher selten vorkommen. Hingegen kennt das Serbische bzw. Kroatische durchaus die übliche Aufspaltung von Phasen, wenn es sich um die Position bestimmter klitischer Elemente handelt:

29 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur (13) serb./kroat. Crveno je Petar kupio auto (13) serb./kroat. Crveno je Petar kupio auto (14) serb./kroat. Lav je Tolstoj napisao vrlo pametan roman Vojna i mir (14) serb./kroat. Lav je Tolstoj napisao vrlo pametan roman Vojna i mir Satz (13) wäre im Tschechischen nur als Instanz der Topikalisierung möglich (als Antwort auf die Ergänzungsfrage jaké kopil Petr auto?), während die Aufspaltung von DPs (bei Eigennamen) ungrammatisch ist (14). Das Tschechische, das sonst entsprechend dem Serbischen/Kroatischen die Verwedung von klitischen Elementen in der zweiten unbetonten Position im Satz kennt (vgl. Kosta 2002), lässt diskontinuierliche DPs nicht zu: Satz (13) wäre im Tschechischen nur als Instanz der Topikalisierung möglich (als Antwort auf die Ergänzungsfrage jaké kopil Petr auto?), während die Aufspaltung von DPs (bei Eigennamen) ungrammatisch ist (14). Das Tschechische, das sonst entsprechend dem Serbischen/Kroatischen die Verwedung von klitischen Elementen in der zweiten unbetonten Position im Satz kennt (vgl. Kosta 2002), lässt diskontinuierliche DPs nicht zu:

30 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur (13) č. Červené Petr koupil auto (Topikalisierung o.k., sonst *) (13) č. Červené Petr koupil auto (Topikalisierung o.k., sonst *) (14) č. *Jaroslava jsem Haška Dobrého vojáka Švejka román četl. (14) č. *Jaroslava jsem Haška Dobrého vojáka Švejka román četl. Wie sieht es im Russ./Poln. aus? Wie sieht es im Russ./Poln. aus?

31 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Ein echtes Problem für die Auflistung in der Tabelle (1) stellen die Kriterien/Merkmale (c, d) dar. In meiner unveröffentlichten Habilschrift (Kosta 1992) präsentierte ich starke Evidenz zugunsten des Umstands, dass das Deutsche keine thematischen (referentiellen) Null-Subjekte und Null-Objekte lizensiert oder dies nur unter bestimmten Diskursbedingungen tut (...kann schießen im Sportjournalismus). : Ein echtes Problem für die Auflistung in der Tabelle (1) stellen die Kriterien/Merkmale (c, d) dar. In meiner unveröffentlichten Habilschrift (Kosta 1992) präsentierte ich starke Evidenz zugunsten des Umstands, dass das Deutsche keine thematischen (referentiellen) Null-Subjekte und Null-Objekte lizensiert oder dies nur unter bestimmten Diskursbedingungen tut (...kann schießen im Sportjournalismus). :

32 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Damit ist der Parameter unter Tabelle 1 nur bedingt brauchbar und als Generalisierung überhaupt nicht zutreffend. Was das Kriterium/Merkmal (e) angeht – welches nur für Polnische, Tschechische, Sorbische und Sbkr. einschlägig ist ­ –, ist es nun klar, warum das Russische nur bedingt (nämlich in performativen Sprechakten im Präsens) das Null-Subjekt zulässt, während es Null- Subjekte im Präteritum-Perfekt nur unter eindeutigen Kontextbedingungen (als NP-Ellipse in koordinierten NPs) und Null- Objekte nur unter bestimmten Bedingungen (unter starker Rektion eines aspektuellen Kopfes, das entweder das Merkmal/feature ) +generisch oder +perfektiv trägt) zulässt, obwohl es vergleichbar dem Tschechischen, Polnischen und Sbkr. starke Flexion im verbalen Paradigma (Personalendungen) zeigt, vgl.: Damit ist der Parameter unter Tabelle 1 nur bedingt brauchbar und als Generalisierung überhaupt nicht zutreffend. Was das Kriterium/Merkmal (e) angeht – welches nur für Polnische, Tschechische, Sorbische und Sbkr. einschlägig ist ­ –, ist es nun klar, warum das Russische nur bedingt (nämlich in performativen Sprechakten im Präsens) das Null-Subjekt zulässt, während es Null- Subjekte im Präteritum-Perfekt nur unter eindeutigen Kontextbedingungen (als NP-Ellipse in koordinierten NPs) und Null- Objekte nur unter bestimmten Bedingungen (unter starker Rektion eines aspektuellen Kopfes, das entweder das Merkmal/feature ) +generisch oder +perfektiv trägt) zulässt, obwohl es vergleichbar dem Tschechischen, Polnischen und Sbkr. starke Flexion im verbalen Paradigma (Personalendungen) zeigt, vgl.:

33 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur (15) č. a. pro miloval jsem Marinu. (15) č. a. pro miloval jsem Marinu. r. b. *(Ja) ljubil Marinu./ Ja ne tolko čto vysoko uvažal, a daže ljubil Marinu. r. b. *(Ja) ljubil Marinu./ Ja ne tolko čto vysoko uvažal, a daže ljubil Marinu. kroat. c. pro volio sam Rosanu. kroat. c. pro volio sam Rosanu. poln. d. pro kochałem Joannę. poln. d. pro kochałem Joannę. ns. e. pro lubował som Madlenu. ns. e. pro lubował som Madlenu.

34 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur (16) [Sereznye vrači] i issledujut [e] j [razdetymi] i/j (16) [Sereznye vrači] i issledujut [e] j [razdetymi] i/j Seriöse Ärzte (Nom.Pl.) untersuchenimpf.Präs. [NPe akk] nackt (= als Nackte) Seriöse Ärzte (Nom.Pl.) untersuchenimpf.Präs. [NPe akk] nackt (= als Nackte)

35 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Der Satz (16) hat eine generische Lesart (Präsensform des Verbs im imperf. Aspekt) und das direkte Objekt kann phonetisch unrealisiert bleiben. Dabei wird nach Auskunft der Informanten erwartungsgemäß die subjektorientierte Lesart, modifiziert durch die Adjunkt-Small Clause leicht präferiert, trotz des pragmatisch ungewöhnlichen Kontexts. Der Satz (16) hat eine generische Lesart (Präsensform des Verbs im imperf. Aspekt) und das direkte Objekt kann phonetisch unrealisiert bleiben. Dabei wird nach Auskunft der Informanten erwartungsgemäß die subjektorientierte Lesart, modifiziert durch die Adjunkt-Small Clause leicht präferiert, trotz des pragmatisch ungewöhnlichen Kontexts.

36 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Die Anwesenheit von bestimmten funktionalen Kategorien (wie hier lexikalischer verbaler Kopf im impf. Aspekt), die die phonetisch leere Objekt-NP strikt regieren, scheint für die Lizensierung von Null-Objekten ein wichtigeres Kriterium zu sein als etwa die Anwesenheit von starkem AGR oder Flexion des Verbs, da im Russischen ohnehin kein Objekt-AGReement vorhanden ist (im Unterschied zu Sprachen wie Frz. oder Italienisch, wo Objektagreement beim PPP vorliegt). Die Kategorie des Aspekts mit den Merkmalen der Telizität (Terminativität) und der Ganzheitlichkeit stellt eine wichtige weitere Instanz bei der Lizensierung von Null- Objekten. In unserer Arbeit (Kosta 1992:576) konnten wir diesbezüglich die folgende Beobachtung (17) aufstellen: Die Anwesenheit von bestimmten funktionalen Kategorien (wie hier lexikalischer verbaler Kopf im impf. Aspekt), die die phonetisch leere Objekt-NP strikt regieren, scheint für die Lizensierung von Null-Objekten ein wichtigeres Kriterium zu sein als etwa die Anwesenheit von starkem AGR oder Flexion des Verbs, da im Russischen ohnehin kein Objekt-AGReement vorhanden ist (im Unterschied zu Sprachen wie Frz. oder Italienisch, wo Objektagreement beim PPP vorliegt). Die Kategorie des Aspekts mit den Merkmalen der Telizität (Terminativität) und der Ganzheitlichkeit stellt eine wichtige weitere Instanz bei der Lizensierung von Null- Objekten. In unserer Arbeit (Kosta 1992:576) konnten wir diesbezüglich die folgende Beobachtung (17) aufstellen:

37 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur (17) Leere Objekte (NO) kommen vor bei (1) ipf. Verben der atelischen Lesart mit arbiträren NO,Typ on čitaet; (2) telischen Verben mit indefiniter oder definiter Lesart des NO, Typ: ja uže pročital [e] (= čto-to oder knigu); (3) definite NO, die über den Prozess der Antezedensbindung gebunden werden, Typ: Nenavižu [ego]; Oni ne uznaet eej, kogda proi uvidit proj. (17) Leere Objekte (NO) kommen vor bei (1) ipf. Verben der atelischen Lesart mit arbiträren NO,Typ on čitaet; (2) telischen Verben mit indefiniter oder definiter Lesart des NO, Typ: ja uže pročital [e] (= čto-to oder knigu); (3) definite NO, die über den Prozess der Antezedensbindung gebunden werden, Typ: Nenavižu [ego]; Oni ne uznaet eej, kogda proi uvidit proj.

38 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur 3. MLC und langes Scrambling 3. MLC und langes Scrambling Wir kehren zur unseren Ausgangsfrage zurück, die da lautete: Wir kehren zur unseren Ausgangsfrage zurück, die da lautete: Wie kommen grammatische, also rein syntaktisch bedingte, Wortstellungsvarianten in Sprachen mit sogenannter freier Wortstellung zustande, die nicht erst durch die kommunikative Absicht der Sprecher bedingt sind, sondern bereits im System der Syntax der Grammatik einer Sprache GL geregelt sind? Wie kommen grammatische, also rein syntaktisch bedingte, Wortstellungsvarianten in Sprachen mit sogenannter freier Wortstellung zustande, die nicht erst durch die kommunikative Absicht der Sprecher bedingt sind, sondern bereits im System der Syntax der Grammatik einer Sprache GL geregelt sind?

39 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Wir haben zu zeigen versucht, dass eine Aufstellung der Kriterien von Konfigurationalität – wie sie in Tabelle 1 gegeben ist – den empirischen Fakten zahlreicher Sprachen Europas (auf andere Sprachen konnte ich hier der Kürze halber nicht näher eingehen, ich verweise auf mein Forschungsprojekt Word Order Variation and the Theory of Minimal Movement in Slavic and Other European Languages within the P&P-Approach) widersprechen und damit auch nicht deskriptiv adäquat sein kann! Wir haben zu zeigen versucht, dass eine Aufstellung der Kriterien von Konfigurationalität – wie sie in Tabelle 1 gegeben ist – den empirischen Fakten zahlreicher Sprachen Europas (auf andere Sprachen konnte ich hier der Kürze halber nicht näher eingehen, ich verweise auf mein Forschungsprojekt Word Order Variation and the Theory of Minimal Movement in Slavic and Other European Languages within the P&P-Approach) widersprechen und damit auch nicht deskriptiv adäquat sein kann!

40 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Auch die Konzeption des Scrambling als eines freien, syntaktisch ungebundenen Prozesses, kann nicht syntaktisch streng geregelten Ordnungsprinzipien der Wortstellung das Wort reden. Betrachten wir zunächst noch kurz die grundlegenden Fakten, die Fanselow in einer kürzlich in der Zs. Linguistic Inquiry erschienenen Studie für das Deutsche aufgestellt hat (vgl. auch Kosta 2002:258ff.): Auch die Konzeption des Scrambling als eines freien, syntaktisch ungebundenen Prozesses, kann nicht syntaktisch streng geregelten Ordnungsprinzipien der Wortstellung das Wort reden. Betrachten wir zunächst noch kurz die grundlegenden Fakten, die Fanselow in einer kürzlich in der Zs. Linguistic Inquiry erschienenen Studie für das Deutsche aufgestellt hat (vgl. auch Kosta 2002:258ff.):

41 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Die zentralen Unterschiede zwischen den beiden Ansätzen für Scrambling – Ansatz A und B – liegen darin, dass Typ A annimmt, Scrambling sei ein optionaler, nicht durch Prinzipien der UG getriggerter/ausgelöster Prozess, während dies Typ B nicht tut. Die zentralen Unterschiede zwischen den beiden Ansätzen für Scrambling – Ansatz A und B – liegen darin, dass Typ A annimmt, Scrambling sei ein optionaler, nicht durch Prinzipien der UG getriggerter/ausgelöster Prozess, während dies Typ B nicht tut.

42 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Es gibt eine starke Evidenz für die Annahme, dass freie Wortstellung des A-scrambling-Typs (wie in den russ. Beispielen (3-5)), wenn letztere überhaupt als Bewegungsoperation zu deuten wäre, unter den Typ Attraktion (Attract) in Chomsky (1993, 1995) fällt, da sich diese Bewegung nur auf die Bewegung von Argumenten im Verhältnis zu Verb-Bewegung beziehen lässt: Somit unterscheidet sie sich deutlich von den Standardfällen der A-bar-Bewegung in die Position SpecCP (vgl. 18a), und kann, anders als jene, die VP oder sekundären Prädikate nicht lizensieren, vgl. den Kontrast von (18a) vs. (18b) für die Extraktion der VP bei A-bar-Bewegung vs. langem Scrambling und (19a) vs. (19b) bzw. (20a) vs. (20b) für die sekundären Prädikate: Es gibt eine starke Evidenz für die Annahme, dass freie Wortstellung des A-scrambling-Typs (wie in den russ. Beispielen (3-5)), wenn letztere überhaupt als Bewegungsoperation zu deuten wäre, unter den Typ Attraktion (Attract) in Chomsky (1993, 1995) fällt, da sich diese Bewegung nur auf die Bewegung von Argumenten im Verhältnis zu Verb-Bewegung beziehen lässt: Somit unterscheidet sie sich deutlich von den Standardfällen der A-bar-Bewegung in die Position SpecCP (vgl. 18a), und kann, anders als jene, die VP oder sekundären Prädikate nicht lizensieren, vgl. den Kontrast von (18a) vs. (18b) für die Extraktion der VP bei A-bar-Bewegung vs. langem Scrambling und (19a) vs. (19b) bzw. (20a) vs. (20b) für die sekundären Prädikate:

43 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur CP-Adjunktion bzw. Bewegung der VP CP-Adjunktion bzw. Bewegung der VP (18) a. [CP [VP nam pomogal] [IP Petrov konečno [tVP]] (18) a. [CP [VP nam pomogal] [IP Petrov konečno [tVP]] uns geholfen Petrov natürlich uns geholfen Petrov natürlich UNS hat Petrov natürlich geholfen UNS hat Petrov natürlich geholfen CP-Adjunktion der VP bei gleichzeitigem langem Scrambling des Subjekts aus der unteren IP CP-Adjunktion der VP bei gleichzeitigem langem Scrambling des Subjekts aus der unteren IP (18) b. */?? [CP čto [IP [DP Petrov]i [VP nam pomogal] [IP stranno [CP čto [IP [DP ti] [tVP]]]]]] (18) b. */?? [CP čto [IP [DP Petrov]i [VP nam pomogal] [IP stranno [CP čto [IP [DP ti] [tVP]]]]]] dass Petrov uns geholfen merkwürdig dass dass Petrov uns geholfen merkwürdig dass *dass Petrov uns geholfen merkwürdig, dass (hat) *dass Petrov uns geholfen merkwürdig, dass (hat)

44 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur CP-Adjunktion bzw. Bewegung der VP CP-Adjunktion bzw. Bewegung der VP (19) a. [CP [VP Maria geküsst] [hatte Hans sicher tVP] (19) a. [CP [VP Maria geküsst] [hatte Hans sicher tVP] CP-Adjunktion der VP bei gleichzeitigem langem Scrambling des Subjekts aus der unteren IP CP-Adjunktion der VP bei gleichzeitigem langem Scrambling des Subjekts aus der unteren IP (19) b. */?? dass Hans Maria geküsst sicher hat (19) b. */?? dass Hans Maria geküsst sicher hat Sekundäre Prädikate und Scrambling Sekundäre Prädikate und Scrambling (20) a. Roh hat er das Fleisch tAP gegessen (20) a. Roh hat er das Fleisch tAP gegessen b. */? dass roh Hans das Fleisch gegessen hat b. */? dass roh Hans das Fleisch gegessen hat

45 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Wenn A-Scrambling auf die Bewegung von Argumenten beschränkt ist, wie Fanselow annimmt (vgl. Kosta 2002:258), dann kann diese Operation auf die Existenz einer grammatischen Merkmals F zurückgeführt werden als einer originären funktionalen Eigenschaft von DPs, während freie Adjunktion in einer viel freieren Art und Weise operieren kann. Wenn A-Scrambling auf die Bewegung von Argumenten beschränkt ist, wie Fanselow annimmt (vgl. Kosta 2002:258), dann kann diese Operation auf die Existenz einer grammatischen Merkmals F zurückgeführt werden als einer originären funktionalen Eigenschaft von DPs, während freie Adjunktion in einer viel freieren Art und Weise operieren kann.

46 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur In jedem Falle wäre es unlogisch, wenn man A- Scrambling als einen Prozess der freien Adjunktion – vergleichbar etwa mit dem im Folgenden zu behandelnden Prozess der Adjunktion von satzwertigen und rechtsperipheren Adverbien – betrachten würde. Dies würde sich nicht nur nicht mit den Grundannahmen des von uns zugrunde gelegten Minimalistischen Programms (Chomsky 1993, 1995, 1998, 2000, 2001) vertragen, sondern wäre auf Grund der objektiven empirischen Befunde falsch. In jedem Falle wäre es unlogisch, wenn man A- Scrambling als einen Prozess der freien Adjunktion – vergleichbar etwa mit dem im Folgenden zu behandelnden Prozess der Adjunktion von satzwertigen und rechtsperipheren Adverbien – betrachten würde. Dies würde sich nicht nur nicht mit den Grundannahmen des von uns zugrunde gelegten Minimalistischen Programms (Chomsky 1993, 1995, 1998, 2000, 2001) vertragen, sondern wäre auf Grund der objektiven empirischen Befunde falsch.

47 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Es könnte dann nicht als ein Prozess der komputationellen Komponente der menschlichen Sprachfähigkeit angesehen werden. Der substitutionelle Ansatz B scheint sich hingegen aus der Sicht sowohl der Empirie als auch der Theorie anzubieten. Ohne auf die Einzelheiten des sehr technischen Apparats von Chomskys MP näher eingehen zu können, sei nur die wichtigste Annahme angegeben: Es könnte dann nicht als ein Prozess der komputationellen Komponente der menschlichen Sprachfähigkeit angesehen werden. Der substitutionelle Ansatz B scheint sich hingegen aus der Sicht sowohl der Empirie als auch der Theorie anzubieten. Ohne auf die Einzelheiten des sehr technischen Apparats von Chomskys MP näher eingehen zu können, sei nur die wichtigste Annahme angegeben:

48 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur (21) a. Minimal Link Condition (MLC) (21) a. Minimal Link Condition (MLC) K attracts only if there is no β, β closer to K, such that K attracts β (Chomsky 1995:310) K attracts only if there is no β, β closer to K, such that K attracts β (Chomsky 1995:310) b. is closer to target K than β if c- commands β (Chomsky 1995:358) b. is closer to target K than β if c- commands β (Chomsky 1995:358) c. Only categorial features of non- substantive categories can be strong c. Only categorial features of non- substantive categories can be strong (22) [FP SPEC [F F [vP [v [VP β [V ]]]]]] (Kosta 2002:259ff.) (22) [FP SPEC [F F [vP [v [VP β [V ]]]]]] (Kosta 2002:259ff.)

49 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur 4. Freie und feste Wortstellung 4. Freie und feste Wortstellung Die unter (1-2) genannten Fälle des satzinternen scrambling lassen sich mit Hilfe der Operation Attract sowie der MLC leicht erklären und lassen darüber hinaus die Parametrisierung der Basiswortstellung in Sprachen unterschiedlichen Typs zu. Wir können auf die Einzelheiten aus Zeitgründen an dieser Stelle leider nicht näher eingehen und verweisen statt dessen auf unseren Artikel (Kosta 2002). Zusammenfassend gebe ich nun den Parameter der Wortstellung in Sprachen mit relativ fester und relativ freier Wortstellung in (23) an: Die unter (1-2) genannten Fälle des satzinternen scrambling lassen sich mit Hilfe der Operation Attract sowie der MLC leicht erklären und lassen darüber hinaus die Parametrisierung der Basiswortstellung in Sprachen unterschiedlichen Typs zu. Wir können auf die Einzelheiten aus Zeitgründen an dieser Stelle leider nicht näher eingehen und verweisen statt dessen auf unseren Artikel (Kosta 2002). Zusammenfassend gebe ich nun den Parameter der Wortstellung in Sprachen mit relativ fester und relativ freier Wortstellung in (23) an:

50 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur (23) Table 2: Die Parametrisierung der Wortstellung (23) Table 2: Die Parametrisierung der Wortstellung Merkmale T –Merkmale stark T-Merkmale schwach Merkmale T –Merkmale stark T-Merkmale schwach V-Merkmale stark Englisch VSO-Sprachen (Irisch) V-Merkmale stark Englisch VSO-Sprachen (Irisch) V-Merkmale schwach Italienisch, Deutsch, Russisch V-Merkmale schwach Italienisch, Deutsch, Russisch Französisch Französisch

51 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur Zur Erklärung: Feste Konstituentenfolge innerhalb der VP ist eine Funktion der starken D- Merkmale von Tense (T). Sowohl Deutsch als auch Russisch (und die meisten slavischen Sprachen) zeigen kurzes Scrambling von Argumenten innerhlab der VP, weil weder T noch V starke D-Merkmale aufweisen. Die Parametrisierung hängt also von der Stärke der D-Merkmale von V und T ab. Somit lassen sich die folgenden vier Typen von Sprachen unterscheiden: Zur Erklärung: Feste Konstituentenfolge innerhalb der VP ist eine Funktion der starken D- Merkmale von Tense (T). Sowohl Deutsch als auch Russisch (und die meisten slavischen Sprachen) zeigen kurzes Scrambling von Argumenten innerhlab der VP, weil weder T noch V starke D-Merkmale aufweisen. Die Parametrisierung hängt also von der Stärke der D-Merkmale von V und T ab. Somit lassen sich die folgenden vier Typen von Sprachen unterscheiden:

52 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur (i) Wenn V starke D-Merkmale und T schwache D-Merkmale hat, wird VSO Stellung vorausgesagt (prognostiziert) (vgl. Chapter IV in Chomsky 1995): das Objekt ist dann der externe Spezifizierer der VP, während das Subjekt innerhalb des Spec,vP in der overten Komponente verbleiben kann und entsprechend dem Ökonomiegrundsatz verbleiben muss. (i) Wenn V starke D-Merkmale und T schwache D-Merkmale hat, wird VSO Stellung vorausgesagt (prognostiziert) (vgl. Chapter IV in Chomsky 1995): das Objekt ist dann der externe Spezifizierer der VP, während das Subjekt innerhalb des Spec,vP in der overten Komponente verbleiben kann und entsprechend dem Ökonomiegrundsatz verbleiben muss.

53 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur (ii) Wenn D starke Merkmale in T, aber schwache Merkmale in V hat, werden folgende syntaktischen Eigenschaften vorhergesagt: es gibt keine Adjazenz zwischen Verb und seinem Objekt, weil intervenierende, nicht Kasus tragende Spezifizierer durch den LF Kasus- Attraktionsprozess ignoriert werden können. Dies ist der Fall im Frz. und Italienischen. (ii) Wenn D starke Merkmale in T, aber schwache Merkmale in V hat, werden folgende syntaktischen Eigenschaften vorhergesagt: es gibt keine Adjazenz zwischen Verb und seinem Objekt, weil intervenierende, nicht Kasus tragende Spezifizierer durch den LF Kasus- Attraktionsprozess ignoriert werden können. Dies ist der Fall im Frz. und Italienischen.

54 Syntax, Prosodie und Informationsstruktur 5. Satznegation und Wortstellungsvariation 5. Satznegation und Wortstellungsvariation Joanna Blaszczak, Negation and Clause Structure (Polnisch) Joanna Blaszczak, Negation and Clause Structure (Polnisch) Peter Kosta, Syntaktische und semantische Besonderheiten von Adverb und Negation im Slavischen (unter besonderer Berücksichtigung des Tschechischen, Russischen und Südslavischen) Peter Kosta, Syntaktische und semantische Besonderheiten von Adverb und Negation im Slavischen (unter besonderer Berücksichtigung des Tschechischen, Russischen und Südslavischen) Beide Matrixkopien befinden sich im Reader Beide Matrixkopien befinden sich im Reader P. Kosta P. Kosta

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