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Überspringen von Klassen – Lösung oder Notlösung ? Dr. Annette Heinbokel Overbach 2011.

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Präsentation zum Thema: "Überspringen von Klassen – Lösung oder Notlösung ? Dr. Annette Heinbokel Overbach 2011."—  Präsentation transkript:

1 Überspringen von Klassen – Lösung oder Notlösung ? Dr. Annette Heinbokel Overbach 2011

2 Overbach 2011 Notlösung Eine Notlösung ist jede Lösung, die jemand nicht will, aber akzeptieren muss.

3 Overbach 2011 Beispiele für Notlösungen  zu große Klassen  Grundschule um die Ecke anstatt Montessorischule  Französisch statt Spanisch  Studienrat Meier statt Studienrätin Müller  Schulen voller Kinder, die kein Deutsch können  ……….

4 Overbach 2011 Akzeleration kann eine Notlösung sein  wenn ein Kind unbedingt bei seinen FreundInnen bleiben will  wenn Enrichment nicht stattfindet  wenn Enrichment zu unregelmäßig stattfindet  wenn Enrichment nicht ausreicht

5 Overbach 2011 Akzeleration ist keine Notlösung Der richtige Umgang mit Akzeleration bedeutet, ein Kind in die Schulstufe einzugliedern, die intellektuell und emotional/sozial am besten passt. ‘am besten’ bedeutet nicht ‘perfekt’.

6 Overbach 2011 Eine eindeutige Begrenzung, die jeder versteht, ist nützlich und das Sortieren der Kinder nach dem biologischen Alter erscheint gerecht, aber eine Versetzung auf Grund der Größe oder des Gewichts wäre vermutlich ebenso effektiv. (…) (Eine verwaltungstechnische Übereinkunft) ist so gut wie jede andere Übereinkunft, solange klar ist, dass es nur eine Übereinkunft ist. (…) Der Zufall des chronologischen Alters (eine Kindes) ist keine Entschuldigung dafür, (es) an diejenigen zu binden, die im selben Jahr geboren wurden (Waddington, 1961).

7 Overbach 2011 Aus ökonomischen Gründen wird alle Kinder zugleich dasselbe gelehrt. Das ist nur mit Haufen möglich, die in ihrem Lernvermögen einigermaßen ähnlich sind. Der Einfachheit halber nimmt man an, gleiches Lebensalter bedeutet auch gleiches Lernvermögen. So werden Kinder nach ihrem Entstehungsdatum sortiert (→ Jahrgangsklassen) und en bloc belehrt (Sennlaub, 1995).

8 Overbach 2011 Erfahrungen von Eltern  Ich weiß, dass es für seine normale Lehrerin sehr schwierig ist, ihm ständig Zusatzmaterial auf einer höheren Ebene zu geben. Ich fand, dass dieses System nicht gut funktionierte. Das Zusatzmaterial fehlte ständig, weil die Lehrerin zu viel zu tun hatte oder, oder, oder ….. (mündliche Information)  Ich fand es war ok, mit ihm am Abend interessante Matheaufgaben zu machen. Es war absolut nicht so gut wie drei Klassen höher zu gehen, aber es hat die Zeit gefüllt. (mündliche Information)  Meiner Meinung nach ist das Drehtürmodell für hochbegabte Kinder nicht wirklich gut. Außenseiter werden noch mehr zum Außenseiter. (mündliche Information)

9 Overbach 2011 Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, Expertinnen und Experten und die allgemeine Öffentlichkeit vermuten ohne Belege, dass diejenigen, die eine Klasse überspringen, später Probleme bekommen werden: Eine Sonderform der Versetzung ist das Überspringen, also der vorzeitige Übergang in die nächst höhere Klassenstufe. Ein solcher Schritt ist pädagogisch und entwicklungspsychologisch meist nicht unproblematisch und sollte daher genau überlegt werden, zumal der erhoffte Vorteil nicht selten durch Wiederholen eines späteren Schuljahrgangs zunichte gemacht wird (Habermalz / Knudsen,1995)

10 Overbach 2011 Sie weigern sich, Informationen zur Akzeleration anzunehmen / aufzunehmen / wahrzunehmen, wenn sie sowieso dagegen sind. Bei einer Fortbildung sah sich eine Studienrätin das Programm an und sagte: "Überspringen von Klassen? Davon halte ich nichts, da gehe ich nicht hin." (mündliche Information)

11 Overbach 2011 Für sie ist eine persönliche Erfahrung der Beweis, dass es sich beim Überspringen um schlechte pädagogische Praxis handelt. Die in einem bundesdeutschen Ministerium für Hochbegabung verantwortliche Person lehnt das Überspringen ab, weil es einem Verwandten nicht gut bekommen ist (mündliche Information).

12 Overbach 2011 Sie beurteilen den Arbeitsaufwand, der damit verbunden ist, falsch. Hany befürwortet zwar das Überspringen, behauptet aber beim Überspringen von Klassen würde die gesamte Verantwor- tung den Eltern überlassen und es würde für die Familie sechs Monate Stress bedeuten (Hany, 2001).

13 Overbach 2011 Selbsternannte Experten vertreten Meinungen, für die jeder Beleg fehlt. „Ich kenne Ihre Tochter zwar nicht, aber dem Überspringen einer Klasse in der Grundschule stehe ich aus pädagogischen und psy- chologischen Gründen sehr skeptisch gegenüber. Ihre Tochter würde aus ihrer gewohnten Klassengemeinschaft herausgerissen werden, sie bekäme für die letzten Monate in der Grundschule noch einmal neue Lehrkräfte, sie würde wohl auch von manchen Mitschü- lern als "Streberin" oder "Neunmalkluge" gehänselt werden. Der Lernknick könnte also bereits unmittelbar nach dem Überspringen einsetzen und würde sich dann verheerend auf das weitere Lernver- halten und auf die Lebensfreude ihrer Tochter auswirken“ (Wenzel, 1991). Nach der Begründung für diese Meinung befragt werden nicht Forschungsergebnisse genannt, sondern das “pädagogisches und bildungspolitisches Grundverständnis“ des Autors (Schreiben vom ).

14 Overbach 2011 Sie glauben an alle möglichen Mythen, die die Motive von Eltern betreffen  Elitedenken mancher Eltern; es ist das Unbehagen in der Demokratie und die Angst vor Gleichmacherei.  Ehrgeizige Eltern, die sich in ihren Kindern verwirklichen wollen bzw. die den Druck, der seinerzeit auf ihnen als Kinder lastete, unbewußt weitergeben (Hanna Fischer 1992).

15 Overbach 2011 Die schulorganisatorische Maßnahme des Höherstufens ist stets und unvermeidlich mit dem Wechsel einer Lehrkraft bzw. mehrerer Lehrkräfte, manchmal sogar mit einem Schulwechsel konfundiert (Rost, 2007).

16 Overbach 2011 Kostengünstige und wenig effektive Fördermaßnahmen wie das Überspringen von Klassen dominieren, wobei vielfach die hochbegabten Kinder die Leidtragenden sind (Ziegler, 2006).

17 Overbach 2011 Unter dieser Perspektive wird die häufig verordnete Notlösung des Klassen- Überspringens fragwürdig. Oft treten nach kurzer Aufholzeit die alten Probleme wieder auf, weil sich die Lernherausforderung ja nicht grundlegend geändert hat. Erschwerend kommen bei nicht wenigen die Folgen des (neuen) Rückstandes in der körperlichen Entwicklung hinzu (Bauersfeld, 2007).

18 Overbach 2011 Vergleich Akzeleration – Enrichment (Heinbokel)  Kann bei Bedarf jederzeit an jeder Schule eingesetzt werden, auch ohne umfassendes Programm zur Hochbegabtenförderung

19 Overbach 2011 Vergleich Akzeleration – Enrichment (Heinbokel)  Ist deutlich effektiver als Enrichment: z.B. 'akzelerierter Unterricht' Effektstärke 0,88 (Lipsey/Wilson 1993)  Ist weniger effektiv als Akzeleration, z.B. Pull-out Programm Effektstärke 0,47 (Lipsey/Wilson 1993)

20 Overbach 2011 Vergleich Akzeleration – Enrichment (Heinbokel)  Spart erhebliche Kosten: ein Schuljahr kostet im Bundesdurchschnitt 4900 Euro  Die effektiven Formen der Förderung verursachen erhebliche Kosten, da sie personalintensiv sind.

21 Overbach 2011 Vergleich Akzeleration – Enrichment (Heinbokel)  Betreuung ist nur kurzfristig nötig; sie reicht - je nach Kind und übersprungener Klasse - von gar nicht bis maximal 1-2 Wochenstunden / 6 Monate  Für ein effektives Enrichment muss die Betreuung auf Dauer während der gesamten Schulzeit stattfinden. Ausnahme: Ältere können selbständig arbeiten

22 Overbach 2011 Vergleich Akzeleration – Enrichment (Heinbokel)  Wird im Vergleich zu den Möglichkeiten relativ selten angewendet (Mangel in der Fortbildung)  Wird inzwischen relativ häufig eingesetzt

23 Overbach 2011 Vergleich Akzeleration – Enrichment (Heinbokel)  Fördert die Persönlichkeitsbildung: den Kindern wird etwas zugetraut und sie trauen sich etwas zu, sie lernen gezielt zu arbeiten, sie dürfen zumindest während der Zeit des Aufholens ihr eigenes Arbeitstempo bestimmen.  Kann die Persönlichkeitsbildung fördern - wenn es gut gemacht ist. Wird im Vergleich zu den Möglichkeiten relativ selten angewendet (Mangel in der Fortbildung)

24 Overbach 2011 Vergleich Akzeleration – Enrichment (Heinbokel)  Gilt als eine Art Notlösung, zu der gegriffen wird, wenn z.B. die verschiedenen Formen von Enrichment nicht wirken  Gilt als gute Lösung - auch wenn es nicht funktioniert -, u.a. da die Schülerinnen und Schüler in ihrer vertrauten Umgebung bei ihren Peers bleiben können, nicht unter Leistungsdruck gesetzt werden

25 Overbach 2011 Vergleich Akzeleration – Enrichment (Heinbokel)  In den USA liegen seit mehr als 80 Jahren posi- tive Forschungsergeb- nisse vor; nur über weni- ge pädagogische Maß- nahmen für Hochbegabte wurde in den letzten 25 Jahren häufiger und auf einer regelmäßigeren Basis veröffentlicht (Van Tassel-Baska 1992)  Lässt sich nicht so ohne weiteres vergleichen, da die Enrichmentmethoden zu unterschiedlich sind.

26 Overbach 2011 Vergleich Akzeleration – Enrichment (Heinbokel)  Erfordert Weiterbildung der Kollegien, damit es den richtigen Schülerin- nen und Schülern emp- fohlen werden kann und sie richtig begleitet wer- den können. Durchschnittsnoten sind als Auswahlkriterium ist nicht hinreichend.  Erfordert Weiterbildung der Kollegien, da sonst die Gefahr besteht, dass es sich eher um Beschäftigungstherapie handelt.

27 Overbach 2011 Vergleich Akzeleration – Enrichment (Heinbokel)  Akzeleration kann Enrichment nicht ersetzen, aber ergänzen. Da die Kinder nach dem Überspringen einer Klasse häufig wieder zur Leistungs- spitze gehören, brauchen sie weiterhin Förderung (z. B. durch Enrichment). Es wird in Fortbildungen zu wenig ange- sprochen: Lehrerinnen und Lehrer müssen lernen, damit richtig umzugehen.  Enrichment kann Akzeleration nicht ersetzen, aber ergänzen. Wenn Enrichment gut gemacht und damit effektiv ist, kann es zu einem Akzelerationsange- bot führen. Es wird in Fortbil- dungen ständig vorgestellt; effektive Methoden sind z.T. jedoch so aufwändig, dass sie in den Schulen zu wenig ein- gesetzt werden. Stattdessen: noch ein Arbeitsblatt.

28 Overbach 2011 Literatur  Bauersfeld, Heinrich (2007). Veränderte Kindheit, in: Fritz / Klupsch-Sahlmann / Ricken, Handbuch Kindheit und Schule, Beltz Verlag, S  Fischer, Hanna (1992). Klassenüberspringen in der Volksschule, in: Erziehung und Unterricht, 142, S  Habermalz, Wilhelm / Knudsen, Holger (Hrsg.) (1995): Schulrecht Niedersachsen, G5, S. 18, Luchterhand  Hany, Ernst (2001). Was begabte Schüler brauchen und was das Gymnasium ihnen geben sollte, in, Mitteilungsblatt der Landeselternschaft der Gymnasien in Nordrheinwestfalen e.V., Nr. 172, Februar 2001, S. 4-9  Lipsey, M. W. & Wilson, D. B. (1993). The efficacy of psychological, educational, and behavioral treatment: Confirmation from meta-analysis. American Psychologist  Rost Detlef H. (2007). Redlichkeit und vergleichende wissenschaftliche Evaluationen tun not - Zur Diskussion um die Effektivitäten von Fördermaßnamen für Hochbegabte, in: Labyrinth 92, S  Sennlaub, Gerhard (1995). Lernen auf der Erde. Aus einem Lexikon der Marsmännlein, in: mach's gut, AOL-Verlag, S. 10  Van Tassel-Baska, Joyce (1992). Educational Decision Making on Acceleration and Grouping. Gifted Child Quarterly, 36,  Waddington, Mary (1961). Problems of the Education Gifted Young Children with Special Reference to Britain, in: The Yearbook of Education for 1961, Evans Bros., London (zitiert nach einem leicht revidierten, unveröffentlichten Druck der National Association for Gifted Children, Great Britain, von 1977, S. 2  Wenzel, Klaus (1991): Antwort auf einen Leserbrief in der Elternbeilage der ‘Flohkiste', Domino Verlag, München, Februar, o. Seite  Ziegler, Albert (2006). "Hochbegabtenförderung im Jahr 2006 in Deutschland", in: Labyrinth no. 89, p. 4-12


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