Die Präsentation wird geladen. Bitte warten

Die Präsentation wird geladen. Bitte warten

Allgemeine Wirtschaftspolitik, Industriepolitik www.bmwi.de Vorlesung am 21. Juni 2010 an der Europa Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Schadensersatzklagen.

Ähnliche Präsentationen


Präsentation zum Thema: "Allgemeine Wirtschaftspolitik, Industriepolitik www.bmwi.de Vorlesung am 21. Juni 2010 an der Europa Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Schadensersatzklagen."—  Präsentation transkript:

1 Allgemeine Wirtschaftspolitik, Industriepolitik Vorlesung am 21. Juni 2010 an der Europa Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Schadensersatzklagen gegen Kartellmitglieder MinR Dr. Armin Jungbluth Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Berlin

2 2 Schadensersatzklagen gegen Kartellmitglieder - Gliederung I.Rechtlicher Rahmen II.Die Vorschläge der Europäischen Kommission III.Die Position des BMWi zum Weißbuch der Europäischen Kommission im Einzelnen IV.Weiteres Verfahren

3 3 Kartellrechtsverstoß Behördliches VerfahrenSchadensersatzklage Sanktion (= Bußgeld, Vorteilsabschöpfung) Ziel: Ahndung Schadensersatzleistung Ziel: individuelle Kompensation Abschreckung = Prävention mittelbarer Verbrauchernutzen unmittelbarer Verbrauchernutzen Entreicherung Schadensersatzklagen gegen Kartellmitglieder – Rechtlicher Rahmen

4 4 I.VO 1/2003 bringt Willen der KOM zum Ausdruck, die private Kartellrechtsdurchsetzung zu stärken (s. Erwägungsgründe 7/8; Artt. 6, 15, 16). II.Ausgangspunkt der Reformüberlegungen der KOM für die private Kartellrechtsdurchsetzung war Urteil des EuGH in der Rs. Courage (2001) ( jurtfp=jurtfp&numaff=453/99&nomusuel=&docnodecision= ). III.Von KOM in Auftrag gegebene Ashurst-Studie (2004) untersuchte die Voraussetzungen für Schadensersatzklagen gegen Kartellmitglieder in den Mitgliedsstaaten der EU. Fazit: Es besteht großer Handlungsbedarf ( ). IV.Auf der Basis der Ashurst-Studie erarbeitete KOM ein Grünbuch zur Thematik, um die Diskussion in Gang zu bringen (2005) ( ). V.Vor dem Hintergrund der Stellungnahmen zum Grünbuch veröffentlichte KOM 2008 das Weißbuch Schadensersatzklagen wegen Verletzung des EG-Wettbe- werbsrechts ( ). Schadensersatzklagen gegen Kartellmitglieder – Rechtlicher Rahmen

5 5 I.In Deutschland wurde der rechtliche Rahmen für private Schadensersatzklagen bei kartellrechtlichen Verstößen mit der 7. GWB-Novelle deutlich verbessert: 1.Explizite Regelung der Klagebefugnis in § 33 Abs. 1 Satz 3. 2.Bindungswirkung kartellbehördlicher Entscheidungen, § 33 Abs Schätzung des eingetretenen Schadens möglich, § 33 Abs. 3 Satz 3. 4.Verzinsungspflicht, § 33 Abs. 3 Satz 4. 5.Klarstellung zur Entstehung des Schadens, § 33 Abs. 3 Satz 3. 6.Hemmung der Verjährung bei Folgeklagen, § 33 Abs Einführung einer Streitwertanpassung, § 89a. Schadensersatzklagen gegen Kartellmitglieder – Rechtlicher Rahmen

6 6 I.Unterlassungs- und Beseitigungsansprüche (vor allem im Missbrauchsbereich) sind schon lange Gegenstand zivilrechtlicher Auseinandersetzungen. II.Aber auch die Zahl der Schadensersatzklagen in D steigt seit Jahren kontinuierlich an, wobei viele Verfahren durch Vergleich beendet werden. III.Beispiele: 1.Urteil des LG Dortmund vom im Vitaminkartell (WuW/E DE-R 1352). 2.Klage der CartelDamagesClaims AG gegen Mitglieder des Zementkartells vor dem LG Düsseldorf (Az. 34 O (Kart) 147/05), Forderung 176 Mio. Euro, und gegen Mitglieder des Wasserstoffperoxidkartells vor dem LG Dortmund (13 O 23/09 (Kart)), Forderung 600 Mio. Euro. 3.Klage der Europäischen Kommission gegen Mitglieder des Fahrtreppen- und Aufzugkartells vor dem Handelsgericht Brüssel (A/08/6818). 4.Geplante Klage der HUK Coburg gegen Hersteller von Autoscheiben. Schadensersatzklagen gegen Kartellmitglieder – Rechtlicher Rahmen

7 7 I.Weißbuch enthält Vielzahl von Vorschlägen, wie aus Sicht der Europäischen Kommission die private Kartellrechtsdurchsetzung verbessert werden kann. II.Wesentliche Elemente des Weißbuchs sind: 1.Einführung kollektiver Rechtsschutzinstrumente (opt-out Verbandsklage, opt-in Sammelklage); 2.Erleichterter Zugang zu Beweismitteln (Recht auf Auskunftserteilung); 3.Bindungswirkung bestandskräftiger kartellbehördlicher Entscheidungen; 4.Geringeres Verschuldenserfordernis; 5.Kodifizierung des einklagbaren Schadensumfangs; 6.Passing-on defense (Möglichkeit des Beklagten, die Weiterwälzung des Schadens in der Lieferkette als Einrede gegen eine Klage zu erheben); 7.Klägerfreundlichere Verjährungsregeln; 8.Kostenregelungen; 9.Verhältnis zu Kronzeugenprogrammen. Schadensersatzklagen gegen Kartellmitglieder – Die Vorschläge der Europäischen Kommission

8 8 Schadensersatzklagen gegen Kartellmitglieder – BMWi Positionen I.Leitlinien der BMWi Position ( ): 1.Volle Unterstützung für das ZIEL der Europäischen Kommission und ihre Initiativfunktion. 2.Keine Legislativmaßnahmen auf europäischer Ebene - Subsidiaritätsprinzip (Erfolge der Mitgliedstaaten). 3.Keine Sektoralisierung des nationalen Deliktsrechts - Weiterentwicklung der nationalen Zivil- und Prozessrechte.

9 9 Schadensersatzklagen gegen Kartellmitglieder – BMWi Positionen II.Allgemeine Anmerkungen zum Weißbuch: 1.Undifferenziertheit der Vorschläge hinsichtlich: Hardcore-Kartelle / Missbrauchsfälle. Eigenständige Klagen / Folge-Klagen. 2.Konsistenzproblem mit: Ökonomisierung des Kartellrechts (more economic approach). Entscheidungen nach Art. 9 VO 1/2003, Direct Settlements. Mittel-Ziel-Konflikt bei Kompensation (z.B. führen Verbandsklagen nicht zur Entschädigung der Betroffenen). 3.Level-playing-field/Rechtssicherheit, mit der KOM Initiative u.a. begründet, wird nicht erreicht (nur nach oben offene Mindeststandards, z.B. Strafschadensersatz).

10 10 Klagebefugnis – kollektiver Rechtsschutz 1. KOM-Vorschlag Klagebefugnis des indirekten Abnehmers Kollektiver Rechtsschutz durch (Opt-out) Verbandsklagen (Opt-in) Gruppenklagen 2. BMWi-Position Umfassende Diskussion in weiterem Kontext der Initiative der GD Gesundheit/Verbraucherschutz sinnvoll. Opt-out-Verbandsklagen (auch faktisch) kritisch. Schadensersatzklagen gegen Kartellmitglieder – BMWi Positionen

11 11 Zugang zu Beweismitteln 1. KOM-Vorschlag Offenlegung genau bezeichneter Kategorien von Dokumenten unter bestimmten Voraussetzungen Schutz von Unternehmenserklärungen im Rahmen von Kronzeugenprogrammen Sanktionsmechanismen bei Vernichtung oder Verweigerung 2. BMWi-Position Unterschiedliche Situation bei eigenständigen bzw. Folge-Klagen ZPO-Instrumentarien (incl. sekundärer Darlegungslast) ausreichend Ausforschungsbeweis unzulässig Art. 6, 7 IP-Richtlinie 2004/48/EG als Präzedenzregelung ungeeignet. Schadensersatzklagen gegen Kartellmitglieder – BMWi Positionen

12 12 Bindungswirkung kartellbehördlicher Entscheidungen 1. KOM-Vorschlag Bindung einzelstaatlicher Gerichte an bestandskräftige Entscheidungen (Feststellung des Verstoßes!) nationaler Wettbewerbsbehörden 2. BMWi-Position Europäische Regelung nicht erforderlich In Deutschland bereits seit 2005 geltendes Recht, § 33 Abs. 4 GWB Schadensersatzklagen gegen Kartellmitglieder – BMWi Positionen

13 13 Verschuldenserfordernis 1. KOM-Vorschlag Bei nachgewiesenem Verstoß gegen Art. 101/102 AEUV Haftung des Rechtsverletzers, es sei denn Beklagter weist nach, dass Verstoß auf genuin entschuldbarem Irrtum beruht. 2. BMWi-Position Festhalten am Verschuldenserfordernis. Bedeutung vor allem im Missbrauchsbereich (Innovationsbremse). Neue Begrifflichkeiten (genuin entschuldbarer Irrtum) führen zu zusätzlichem Auslegungsbedarf und Rechtsunsicherheit. Schadensersatzklagen gegen Kartellmitglieder – BMWi Positionen

14 14 Schadensersatz 1. KOM-Vorschlag Kodifizierung des acquis communautaire der Reichweite des Schadensersatzes. Ausarbeitung eines unverbindlichen Orientierungsrahmens für Schadenersatzberechnung. 2. BMWi-Position Kodifizierung überflüssig, EuGH Rechtsprechung bekannt und verbindlich (positiver Schaden, entgangener Gewinn, Zinsen; §§ 249, 252 BGB, § 33 Abs. 3 Satz 4 GWB). Orientierungsrahmen unschädlich, aber wegen Komplexität voraussichtlich nur sehr approximativ und damit von beschränktem Nutzen. Schadensersatzklagen gegen Kartellmitglieder – BMWi Positionen

15 15 Schadensabwälzung 1. KOM-Vorschlag Passing-on defense zulässig. Widerlegliche Vermutung für indirekten Abnehmer, dass Schaden in vollem Umfang abgewälzt worden ist. 2. BMWi-Position § 33 Abs. 3 Satz 2 GWB pragmatische Regelung: Vorteilsausgleichung (faktische passing-on defense). Grundlegende Bedenken gegen Vermutungsregel. Potenzierende Auswirkung im Zusammenspiel mit Opt-out- Verbandsklagen. Schadensersatzklagen gegen Kartellmitglieder – BMWi Positionen

16 16 Verjährung 1. KOM-Vorschlag Verjährungsbeginn nicht vor Beendigung der Tat und Kenntnis des Geschädigten. Bei Folgeklagen neue Verjährungsfrist von mindestens zwei Jahren nach bestandskräftiger Entscheidung einer Wettbewerbsbehörde. 2. BMWi-Position Kein Grund für Verjährungsregeln, die von §§ 195 ff. BGB abweichen. Bei Folgeklagen bereits Hemmung der Verjährung, § 33 Abs. 5 GWB. Schadensersatzklagen gegen Kartellmitglieder – BMWi Positionen

17 17 Kosten einer Schadensersatzklage 1. KOM-Vorschlag Vergleiche begünstigen. Unverhältnismäßige Gerichtskosten vermeiden. Möglichkeit eröffnen, dass Kläger selbst bei Unterliegen Kosten nicht vollständig tragen muss. 2. BMWi-Position Überwiegend bereits Gegenstand der geltenden ZPO bzw. § 89a GWB. Loser-pays-Prinzip sollte beibehalten werden. Schadensersatzklagen gegen Kartellmitglieder – BMWi Positionen

18 18 Verhältnis zu Kronzeugenprogrammen 1. KOM-Vorschlag Schutz von Unternehmenserklärungen vor Offenlegung. Begrenzung der zivilrechtlichen Haftung des Kronzeugen auf Vertragspartner. im Grünbuch: Reduzierung von punitive damages. 2. BMWi-Position Schutz der Kronzeugenregelung für Kartellrechtsdurchsetzung von überragender Bedeutung. Konflikt mit Ziel der vollständigen Kompensation. Privilegierung des Kronzeugen zu Lasten des Geschädigten? Schlechterstellung des Kronzeugen durch Konzentration der Schadensersatzklagen? Schadensersatzklagen gegen Kartellmitglieder – BMWi Positionen

19 19 Schadensersatzklagen gegen Kartellmitglieder – Weiteres Verfahren I.Erneutes Einbringen des RL-Entwurfs (2009) ohne weitere Zwischenschritte durch die neue Kommission ist eher unwahrscheinlich. II.Jüngste Äußerungen der Kommission (Kommissarin Reding) lassen als nächsten Schritt zunächst eine gemeinsame Anhörung mit der General- direktionen Justiz/Wettbewerb/Gesundheit erwarten, um eine kohärente Lösung im Bereich des kollektiven Rechtsschutzes sicher zu stellen. III.Wann eine solche Anhörung stattfinden wird, ist derzeit noch nicht absehbar.

20 20 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Dr. Armin Jungbluth Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie Referatsleiter I B 2 Wettbewerbs-, Regulierungs- und Privatisierungspolitik Scharnhorststr Berlin


Herunterladen ppt "Allgemeine Wirtschaftspolitik, Industriepolitik www.bmwi.de Vorlesung am 21. Juni 2010 an der Europa Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Schadensersatzklagen."

Ähnliche Präsentationen


Google-Anzeigen