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Wirken sich demokratische Organisationsprinzipien im Betrieb auf das Handeln im Alltag aus? Wolfgang G. Weber & Forschungsprojektgruppe ODEM – Christine.

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Präsentation zum Thema: "Wirken sich demokratische Organisationsprinzipien im Betrieb auf das Handeln im Alltag aus? Wolfgang G. Weber & Forschungsprojektgruppe ODEM – Christine."—  Präsentation transkript:

1 Wirken sich demokratische Organisationsprinzipien im Betrieb auf das Handeln im Alltag aus? Wolfgang G. Weber & Forschungsprojektgruppe ODEM – Christine Unterrainer, Birgit E. Schmid, Anna Iwanowa, Thomas Höge (am Institut für Psychologie der Universität Innsbruck) Vortrag auf der Konferenz der Unabhängigen GewerkschafterInnen im ÖGB, Salzburg, 18. Feb. 2006

2 Überblick 1.Wirtschaftsdemokratie und Demokratie in Unternehmen / Organisationen 2.Typen und Beispiele demokratischer Unternehmen 3.Jenseits von Egoismus - Wirkungen von Demokratie in Unternehmen auf das Alltagshandeln 4. Am Grunde der Moldau da wandern die Steine… Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine… – Hat Demokratie in Unternehmen eine Perspektive in einer Bewegung für eine lebenswerte (Welt-?)Wirtschaft

3 urchristliche Bewegungen, z.B. Täufer (Hutterer etc.), Waldenser, die Tiroler Landordnung, Religious Society of Friends (Quäker), katholische Befreiungstheologie (z.B. E. Cardenal) christliche Soziallehre (z.B. H. Geißler) utopischer Sozialismus und Humanismus (z.B. C. Fourier, L. Blanc, R. Owen, T. Dezamy) ArbeiterInnenselbstverwaltung (z.B. CFDT; bestimmte grün- alternative Initiativen) Demokratischer Sozialismus (inkl. Austromarxismus: ArbeiterInnendemokratie) Genossenschaftsbewegung (von Raiffeisen bis International Co- operative Alliance) Alternative Ökonomie, z.B. selbstverwaltete Kollektivbetriebe, alternative Lebens- und Arbeitsgemeinschaften (inkl. sozialistische Kibbuzim) Demokratieforschung, Organisations- und Kommunalentwicklung: Zukunftswerkstätten (R. Jungk), Zukunftskonferenzen (M. Weisbord & S. Janov) etc. Zur Geschichte der Demokratisierung und Humanisierung der Wirtschaft

4 Definition: Wirtschaftsdemokratie realisierte oder noch nicht realisierte Institutionen, über die betriebs- und konzernübergreifend, orientiert am Schutz und an der Förderung der Beschäftigten, Einfluss auf die Wirtschaftsführung genommen werden kann.

5 Beispiele zur Wirtschaftsdemokratie: Gewerkschaften und ihre Institutionen Arbeiter- und Angestelltenkammern Sozialversicherungsträger paritätisch besetzte Wirtschafts- und Sozialräte auf Regional-, Landes- und Bundesebene, unter Einbezug von Betroffenengruppen (Forderung z.B. des DGB) Volkswirtschaftliche, ökologische und soziale Gesamtrechnung und Rahmenvorgaben (Kontrolle unternehmerischer Macht) arbeits- und wirtschaftspolitische Instanzen mit VertreterInnen der Beschäftigten auf internationaler Ebene (z.B. die International Labour Organisation; echte Euro-Betriebsräte) WeltbürgerInnen-Initiativen für sozial gerechtes Wirtschaften (z.B. attac, World Social Forum, Fair Trade) (siehe z.B. Bartel & Dickau, 1980; Standing, 1996; Vilmar & Sattler, 1978; Vilmar,1999; Werner, 1994).

6 Teilstrategien der Wirtschaftsdemokratie: volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, auch auf europäischer Ebene direkte oder indirekte (über Steuern) Investitionslenkung Branchenplanung Verstaatlichung bzw. Sozialisierung bestimmter Dienstleistungen und Schlüsselunternehmen Ausbau öffentlicher, gemeinwirtschaftlicher sowie genossenschaftlicher Unternehmen soziale und ökologische Steuerpolitik (inkl. gerechte Einkommens- und Vermögenspolitik) gesetzliche Initiativen zur Demokratisierung der Betriebsverfassung (z.B. Mitbestimmungsgesetze) Mitbestimmung der KonsumentInnen Beschäftigungspolitik (inkl. beschäftigungsorientierte Arbeitszeitmodelle, Ulich, 1998) Vilmar & Sattler (1978) sowie Vilmar & Kißler (1982)

7 Überblick 2. Typen und Beispiele demokratischer Unternehmen

8 Reichweite von Demokratie in Unternehmen: Beteiligung an strategischen, d.h. Unternehmens- politischen und strukturierenden Planungen und Entscheidungen Beteiligung an taktischen Planungen und Entscheidungen Mitbestimmung in der Arbeitsgruppe und am Arbeitsplatz

9 Typen demokratischer Betriebe: Soziale Partnerschaftsunternehmen (Typ U2) Konventionell geführte Belegschaftsunternehmen / Produktivgenossenschaften (Typ U4a + U4b) Demokratische Reformunternehmen (Typ U5) Selbstverwaltete Unternehmen in Belegschaftsbesitz bzw. basisdemokratische Produktivgenossenschaften (Typ U6)

10 Merkmale Sozialer Partnerschaftsunternehmen (Typ U2) -Direkte Mitwirkung der Beschäftigten, z.B. Vorbereitung taktischer / mittelfristiger Entscheidungen -Keine paritätische Mitbestimmung -Kultur des Informiertwerdens und der Transparenz -Gewinnbeteiligung -Z. T. Kapitalbeteiligung (stille GesellschafterInnen) -Kapitalmehrheit in Besitz des/der Inhabers/Inhaberin -Überdurchschnittliche Sozialleistungen Beispiel: STASTO Ing. Stocker KG (Innsbruck)

11 Merkmale konventionell geführter Belegschaftsunternehmen / Produktivgenossenschaften (Typ U4a + U4b) - Die im Unternehmen Beschäftigten sind mehrheitlich (Typ U4b) oder zu einem kleineren Teil (Typ U4a) Genossenschaftsmitglieder -Firmenkapital im Besitz der Genossenschaftsmitglieder -Jährliche Generalversammlung der Mitglieder wählt Obmann/Obfrau und Aufsichtsrat -Generalversammlung trifft strategische Entscheidungen (z.B. Haushalt, Investitionen) -Leitwerte: Demokratie, Selbsthilfe, Gleichheit, Solidarität Bsp.: Gerätewerk Matrei GenmbH (ca. 180 Beschäftige, Typ 4a) Bsp.: Mondragon CC ( Beschäftigte, Typ 4b)

12 Demokratische Reformunternehmen (Typ U5) Beispiel: DVD-Trailer: Organisationale Demokratie Wagner & Co GmbH

13 Gemeineigentum an den Produktionsmitteln, d.h. Identität von EignerInnen und MitarbeiterInnenn Basisdemokratische Mitbestimmung aller Beschäftigten auf häufigen Vollversammlungen über strategische und taktische Angelegenheiten Subsistenz- und Solidaritätsprinzip: gegenseitige Hilfe, Wissensförderung, Einkommen als soziale Sicherung Leitbild der Arbeitsorganisation: Ganzheitliche, persönlichkeitsförderliche Arbeit häufig: kleinere Unternehmen häufig: Ausrichtung der erzeugten Produkte an sozialer oder ökologischer Nützlichkeit Beispiel: Café Ruffini (München), ca. 23 Kollektivmitglieder Merkmale selbstverwalteter Unternehmen in Belegschaftsbesitz bzw. basisdemokratischer Produktivgenossenschaften (Typ U6)

14 2006 umfasst CECOP, das Europäische Komitee der Produktiv- und Sozialgenossenschaften ca Unternehmen mit 1,5 Mio Beschäftigten Österreich (1988): ca. 70 selbstverwaltete Betriebe BRD (1984 – 1997): zwischen und selbstverwaltete Unternehmen mit einer durchschnittlichen Anzahl von 7 bis 9 Beschäftigten BRD (1996): Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft (AGP) e.V. ca. 500 Partnerschaftsunternehmen, darunter einige demokratische Reformunternehmen Israel (1996): 270 Kibbuzim mit ca BewohnerInnen (landwirtschaftlicher Produktion und 366 Industriebetriebe) USA (1990): ca ESOP-Unternehmen mit insgesamt 11 Mio. kapitalbeteiligten Beschäftigten. Davon 1500 in Belegschaftsbesitz Daten zur Verbreitung von demokratischen Unternehmen

15 Überblick 3. Jenseits von Egoismus – Wirkungen von Demokratie in Unternehmen auf das Alltagshandeln

16 ODEM Stichprobe: Internationaler Vergleich:- Österreich - Norditalien - Süddeutschland Versuchsstichprobe: 369 Beschäftigte aus 24 Unternehmen mit unterschiedlichen Graden organisationaler Demokratie Vergleichsstichprobe: 101 Beschäftigte aus 6 hierarchisch strukturierten Betrieben

17 Solidarität im Bereich von Arbeit und Wirtschaft bedeutet: Die Bereitschaft (und deren Umsetzung in Taten) von Menschen sich a) gegenseitig oder b) andere zu unterstützen, zu helfen oder zu fördern; Fähigkeit der Perspektivenverschränkung (in die Lage des Anderen versetzen, Mitgefühl) Diese Unterstützung ist in erster Linie nicht nur durch ein individuelles, egoistisches Interesse der solidarisch Handelnden motiviert Hintergrund der Unterstützung: Bedrohung, Bedürftigkeit anderer; gemeinsame Werte, Interessen (humanistische Basis; Verteidigung von Gerechtigkeit, verantwortlicher Freiheit, Demokratie) Unterstützung geschieht in einem Verbund Unterstützung geschieht (auch) mit langfristiger Zeitperspektive Unterstützung erfolgt (auch) für weit entfernt betroffene Menschen (z.B. mancher Streik)

18 - Offener Umgang mit sozialen Konflikten - zuverlässig gewährte Wertschätzung und Unterstützung - Gelegenheit zu zwangloser Kommunikation und beteiligungsorientierter Zusammenarbeit - angemessene Zuweisung von Verantwortung Unternehmenskultur / soziale Atmosphäre, welche die moralische Entwicklung im Berufsverlauf fördern: nach Kohlberg; Hoff; Lempert; Lempert & Corsten

19 Mittelwertsvergleiche sozialmoralische Atmosphäre und Hilfeverhalten am Arbeitsplatz

20 Mittelwertsvergleiche humanistisches Ethikbewusstsein und demokratisches und gesellschaftliches Engagement

21 Mittelwertsvergleiche Solidarität am Arbeitsplatz

22 Mittelwertsvergleiche gefühlsmäßige Bindung an den Betrieb

23 Höhere Solidarität am Arbeitsplatz Höhere soziale Verantwortung Humanistisches Ethik- bewusstsein Höheres demokratisches und gesellschaftliches Engagement Stärkere gefühlsmäßige Bindung an den Betrieb Verstärktes Hilfeverhalten am Arbeitsplatz ODEM Ergebnisse - Zusammenhänge Gesamtstichprobe – 369 TeilnehmerInnen Demokratische Organisations- strukturen

24 Höhere Solidarität am Arbeitsplatz Höhere soziale Verantwortung Humanistisches Ethik- bewusstsein Höheres demokratisches und gesellschaftliches Engagement Stärkere gefühlsmäßige Bindung an den Betrieb Verstärktes Hilfeverhalten am Arbeitsplatz ODEM Ergebnisse - Zusammenhänge Gesamtstichprobe – 369 TeilnehmerInnen Ausgeprägte, wertschätzende Unternehmens- kultur

25 Überblick 4. Am Grunde der Moldau da wandern die Steine… Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine… – Hat Demokratie in Unternehmen eine Perspektive in einer Bewegung für eine lebenswerte (Welt-?)Wirtschaft

26 ODEM-Projekt Institut für Psychologie Universität Innsbruck Innrain 52 A-6020 Innsbruck Phone: +43 (0) Mail: Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

27 LandUnternehmenOrtMA AProduz. Handels- u. HandwerksbetriebeGötzis19 ADienstleistungsbetriebe (inkl. sozialökonom. Betriebe)Wien10 AProduz. Handels- u. HandwerksbetriebeFeldkirch-Altenstadt15 ADienstleistungsbetriebe (inkl. sozialökonom. Betriebe)Wien8 AProduz. Handels- u. HandwerksbetriebeHard13 ADienstleistungsbetriebe (inkl. sozialökonom. Betriebe)Innsbruck43 AProduz. Handels- u. HandwerksbetriebeMatrei am Brenner23 DInnovativer TechnikbetriebRöttenbach7 DDienstleistungsbetriebe (inkl. sozialökonom. Betriebe)Freiburg10 DProduz. Handels- u. HandwerksbetriebeMünchen4 DDienstleistungsbetriebe (inkl. sozialökonom. Betriebe)München8 DDienstleistungsbetriebe (inkl. sozialökonom. Betriebe)München6 DInnovativer TechnikbetriebMünchen17 DDienstleistungsbetriebe (inkl. sozialökonom. Betriebe)München19 DProduz. Handels- u. HandwerksbetriebeFreiburg6 DInnovativer TechnikbetriebBraunschweig23 DInnovativer TechnikbetriebNürnberg5 DInnovativer TechnikbetriebCölbe66 DProduz. Handels- u. HandwerksbetriebeFreiburg5 IDienstleistungsbetriebe (inkl. sozialökonom. Betriebe)Meran19 IProduz. Handels- u. HandwerksbetriebeSt. Michael/Eppan7 IProduz. Handels- u. HandwerksbetriebeMeran4 IProduz. Handels- u. HandwerksbetriebeSt. Martin in Passeier25 IDienstleistungsbetriebe (inkl. sozialökonom. Betriebe)Meran7 Summe 369

28 Verteilung demokratischer Betriebe in der ODEM-Studie

29 Mittelwertsvergleiche betriebliche Mitentscheidung Keine Beteiligung = 1 Information = 2 Anhörung = 3 Mitwirkung = 4 Mitbestimmung = 5

30 Jeder kann bei uns solange arbeiten wie er will, wir brauchen auch keine Visa für unsere Leute aus dem Ausland. Regierungen und deren Vorschriften für die Arbeitswelt seien bedeutungslos geworden. Er beschäftige, wen er brauche, derzeit gerade gute Gehirne aus Indien.... Wir stellen unsere Leute per Computer ein, sie arbeiten am Computer, und sie werden auch per Computer gefeuert. (John Gage, Topmanager bei der US Computerfirma Sun Microsystems, auf einer Tagung Ende September 1995 gemäß Martin & Schumann, 1996, S.11)


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