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Rechtswissenschaftliches Institut Übungen im Haftpflichtrecht FS 2016 Thema III: Widerrechtlichkeit KOL- G 209 RA Vania Dobreva; RA Rahel Nedi, LL.M.;

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1 Rechtswissenschaftliches Institut Übungen im Haftpflichtrecht FS 2016 Thema III: Widerrechtlichkeit KOL- G 209 RA Vania Dobreva; RA Rahel Nedi, LL.M.; RA Andreas Holenstein

2 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2015 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 2 Methodische Einführung: Vorgehensweise bei der Falllösung

3 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 3 Vorgehen bei der Falllösung 1. Schritt: Kenntnis des Sachverhalts 2. Schritt: Erfassung der möglichen Ansprüche 3. Schritt: Prüfung der erfassten Ansprüche

4 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 4 Schritt 1: Kenntnis des Sachverhalts  Bedeutung: Einfluss auf das Ergebnis der Falllösung  Vorgehen: –In der Lehre: Lesen der Aufgabenstellung –In der Praxis: Erstellung des Sachverhalts im Verfahren

5 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 5 Schritt 2: Erfassung der möglichen Ansprüche  Allgemeine Fragestellung  Ermittlung mittels Anspruchsmethode: wer will, von wem, was, woraus  Vorgegebene Fragestellung  Gemäss Fragestellung  Teilweise vorgegebene Fragestellung  Ergänzung der Rechtsfragen mittels Anspruchsmethode

6 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 6 Schritt 2: Erfassung der Ansprüche wer willvon wemwasworaus ABCHF OR 41 I ACCHF OR 97 I ACPicassoZGB 641 II BACHF OR 322 I BCUnterlassung Lärmimmissionen ZGB 679 i.V.m. 684 CACHF 40.--OR 62 II

7 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 7 Schritt 2: Erfassung der Ansprüche I. Ansprüche des A 1. A gegen B auf CHF 500.– aus OR 41 I 2. A gegen C auf CHF 500.– aus OR 97 I 3. A gegen C auf Rückgabe des Picasso aus ZGB 641 II II. Ansprüche des B 1. B gegen A auf CHF 125.– aus OR 322 I 2. B gegen C auf Unterl. Lärmimmissionen aus ZGB 679 i.V.m. 684 III. Ansprüche des C C gegen A auf CHF 40.– aus OR 62 II

8 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 8 Schritt 3: Prüfung der erfassten Ansprüche Bestandteile einer Rechtsnorm Tatbestand (Wenn…) Rechtsfolge (Dann…)

9 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 9 Schritt 3: Prüfung der erfassten Ansprüche Vorgehen:  Frage: Zieht Sachverhalt die fragliche Rechtsfolge nach sich? –Zerlegung Rechtsnorm in Tatbestand und Rechtsfolge –Zerlegung Tatbestand in Tatbestandselemente (TBE) –Vergleich TBE mit Sachverhaltselementen (SVE) –Übereinstimmung? Ja : Tatbestand erfüllt  Rechtsfolge Nein: Tatbestand nicht erfüllt  keine Rechtsfolge  Methode: Definition, Subsumtion, Zwischenfazit

10 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2015 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 10 Fall 1 BGer, 4C.280/1999

11 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2015 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 11 Fall 1 BGer, 4C.280/1999 Schritt 1: Verständnis des Sachverhalts

12 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2015 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 12 Fall 1 BGer, 4C.280/1999 Schritt 2: Erfassung der Ansprüche

13 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 13 Erfassung der Rechtsverhältnisse Nachbar N Ehepaar E Geologe G Nachbarschaftsverhältnis Vertragsverhältnis

14 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 14 Erfassung der Ansprüche wer? Ehepaar E was? CHF 500‘000.– von wem?  Nachbar N  Geologe G woraus?  Grundeigentümerhaftung? (Art. 679 i.V.m. Art. 685 ZGB)  Werkeigentümerhaftung? (Art. 58 Abs. 1 OR)  Geschäftsherrenhaftung? (Art. 55 Abs. 1 OR)  Delikt? (Art. 41 Abs. 1 OR)  Vertrauenshaftung? (Treu und Glauben)

15 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 15 Erfassung der möglichen Ansprüche wervon wemwasworaus ENCHF 500‘000.--ZGB 679 i.V.m. 685 ENCHF 500‘000.--OR 58 I ENCHF 500‘000.--OR 55 I ENCHF 500‘000.--OR 41 I EGCHF 500‘000.--OR 41 I EGCHF 500‘000.--Treu und Glauben

16 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 16 Vorliegend zu besprechender Anspruch Wer Was Von wem Woraus Ehepaar E CHF 500‘000.– Geologe G Art. 41 Abs. 1 OR

17 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 17 Exkurs: Rechtsbegehren Der Beklagte (= G.,von wem?) sei zu verpflichten, den Klägern (= E., wer?) CHF 500‘000.– zzgl. Zins zu 5% seit dem 5. September 1991 (= was?) zu bezahlen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten des Beklagten. woraus?  Sache des Gerichts (iura novit curia)

18 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2015 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 18 Fall 1 BGer, 4C.280/1999 Schritt 3: Prüfung der erfassten Ansprüche

19 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 19 Zerlegung Rechtsnorm in Tatbestand und Rechtsfolge Art. 41 Abs. 1 OR Tatbestand: „Wer einem andern widerrechtlich Schaden zufügt, sei es mit Absicht, sei es aus Fahrlässigkeit“ Rechtsfolge: „wird ihm zum Ersatze verpflichtet.“

20 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 20 Zerlegung des Tatbestands von OR 41 in Tatbestandselemente Tatbestand: (Aktiv-/Passivlegitimation [geschrieben]) (Schädigende Handlung eines Menschen [(un-)geschrieben]) Schaden [geschrieben] Widerrechtlichkeit [geschrieben] Kausalzusammenhang [ungeschrieben] Verschulden [geschrieben] Rechtsfolge: Schadenersatz

21 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 21 Vergleich TBE mit SVE: a) Schaden Unfreiwillige Vermögenseinbusse:  damnum emergens (= Vermögensabnahme) –Verminderung der Aktiven –Vermehrung der Passiven  lucrum cessans (= entgangener Gewinn) Schadenshöhe (Differenzhypothese): gegenwärtiger, nach dem schädigenden Ereignis festgestellter Vermögensstand – Stand, den das Vermögen ohne das schädigende Ereignis hätte (hypothetisch) = Schaden

22 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 22 Vergleich TBE mit SVE: a) Schaden Schadensarten:  Personenschaden: Schaden infolge Tötung / Verletzung eines Menschen  Sachschaden: Schaden infolge Beschädigung / Zerstörung / Verlust einer Sache  Übrige Schäden: Schaden, der weder als Personen- noch Sachschaden zu qualifizieren ist z.B. reiner Vermögensschaden  nur unter der Voraussetzung ersatzfähig, dass das Schädigerverhalten gegen eine spezifische Schutznorm verstösst Relevanz der Zuordnung für:  Widerrechtlichkeit

23 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 23 Vergleich TBE mit SVE: b) Widerrechtlichkeit: Theorien Hat die Funktion, die Haftung zu begrenzen.  Objektive Widerrechtlichkeitstheorie (h.L. u. Rspr.) Widerrechtlichkeit ist eine Haftungsvoraussetzung. Widerrechtlichkeit liegt vor, wenn eine Rechtsnorm, sei es eine geschriebene oder eine ungeschriebene (z.B. Gefahrensatz), des Privat- wie auch des o ̈ ffentlichen Rechts verletzt wird. = "Erlaubt ist, was nicht verboten ist.“  Subjektive Widerrechtlichkeitstheorie Wird heute in der Schweiz nicht mehr vertreten. Nach dieser Theorie ist jede Schädigung eines Dritten prinzipiell widerrechtlich, ausser wenn die Schädigung subjektiv gerechtfertigt werden kann. = „Alles, was nicht ausdrücklich erlaubt ist, ist verboten.“

24 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 24 Vergleich TBE mit SVE: b) Widerrechtlichkeit: Formel des Bundesgerichts Eine Schadenszufügung ist widerrechtlich, wenn sie gegen eine allgemeine gesetzliche Pflicht verstösst [= objektive Widerrechtlichkeitstheorie], indem  entweder ein absolutes Recht des Geschädigten beeinträchtigt  oder eine reine Vermögensschädigung durch Verstoss gegen eine einschlägige Schutznorm bewirkt wird.

25 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 25 Vergleich TBE mit SVE: b) Widerrechtlichkeit: Erscheinungsformen Widerrechtlichkeit Verletzung absoluter Rechte (sog. Erfolgsunrecht) Verletzung von Schutznormen (sog. Verhaltensunrecht)

26 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 26 Vergleich TBE mit SVE: b) Widerrechtlichkeit: Erscheinungsformen Erfolgsunrecht: absolute Rechte  Wirkung: gegenüber jedermann (erga omnes)  Beispiele: –Leben –Leib –Persönlichkeit –Eigentum –Besitz (str.) –Immaterialgüterrechte –Nicht: Vermögen kommt zum Tragen bei:  Personenschaden  Sachschaden

27 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 27 Vergleich TBE mit SVE: b) Widerrechtlichkeit: Erscheinungsformen Verhaltensunrecht: Schutznormen  Norm, die Schutz vor Schäden der eingetretenen Art bezweckt  Quellen –Strafrecht –Verwaltungsrecht –Privatrecht  Beispiele –Art. 239 StGB –Art. 146 StGB kommt zum Tragen bei:  reiner Vermögensschaden

28 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 28 Vergleich TBE mit SVE: b) Widerrechtlichkeit: Fallbezug Ist Widerrechtlichkeit im vorliegenden Fall gegeben?

29 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 29 Vergleich TBE mit SVE: b) Widerrechtlichkeit: Sonderfall Unterlassung Achtung bei Unterlassung! Grundsatz der befugten Untätigkeit: WWiderrechtlichkeit nur bei Verletzung einer Handlungspflicht aauch bei Verletzung absoluter Rechte!

30 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 30 Vergleich TBE mit SVE: b) Widerrechtlichkeit: Sonderfall Unterlassung Voraussetzung der Widerrechtlichkeit bei Unterlassung: 1. Handlungspflicht gegenüber Geschädigten  Ausdrückliche Rechtsvorschrift  Garantenstellung (besondere Beziehungsnähe) durch –Gesetz –Vertrag  Ingerenz (Gefahrensatz) (str.) 2. Nichtvornahme der Handlung

31 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 31 Vergleich TBE mit SVE: b) Widerrechtlichkeit: Sonderfall Unterlassung Definition Gefahrensatz Nach dem Gefahrensatz hat derjenige, der einen gefährlichen Zustand schafft oder unterhält, die zur Vermeidung eines Schadens erforderlichen Schutzmassnahmen zu ergreifen. Teil der Lehre: Berücksichtigung auch bei Widerrechtlichkeit (insb. bei Unterlassungen). Teil der Lehre: Berücksichtigung nur bei Verschulden. BGer? Neuere Entscheide befürworten den Gefahrensatz als Schutznorm, sofern (1) absolute Rechte verletzt werden (nicht bei reinen Vermögensschäden) und (2) eine spezifische Schutznorm fehlt, die eine Handlungsplicht vorsieht (lesenswert: BGer. 4A_104/2012 E. 2.1).  Widerrechtlichkeit. In casu: nach Auffassung BGer E. 2.b) für G. verneint, da gefährlicher Zustand durch Aushubarbeiten nicht von G geschaffen worden sei, sondern von N. (Grundeigentümer).

32 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 32 Vergleich TBE mit SVE: b) Widerrechtlichkeit: Rechtfertigungsgründe Folge bei Vorliegen eines Rechtfertigungsgrundes: Ausschluss der Widerrechtlichkeit  Grundsatz: Keine Haftung  Ausnahme: Notstand: Haftung für rechtmässige Schädigung Arten  Gesetzliche –Notwehr –Notstand –Selbsthilfe –Sonstige Befugnisse  Einwilligung

33 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 33 Vergleich TBE mit SVE: c) Kausalzusammenhang Kausalzusammenhang natürlicheradäquater

34 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 34 Vergleich TBE mit SVE: c) Kausalzusammenhang natürlicher Kausalzusammenhang  Tun: Ein natürlicher Kausalzusammenhang ist gegeben, wenn der Schaden ohne die fragliche Schadensursache nicht eingetreten wäre (sog. conditio sine qua non-Formel)  Unterlassen: Hypothetischer Kausalzusammenhang: Es ist zu prüfen, ob pflichtgemässes Handeln den Schadenseintritt verhindert hätte (sog. conditio cum qua non- Formel). Handlungspflicht  z.B. Gefahrensatz

35 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 35 Vergleich TBE mit SVE: c) Kausalzusammenhang adäquater Kausalzusammenhang  Definition: Ein Kausalzusammenhang ist adäquat, wenn die betreffende Ursache nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet war, den eingetretenen Erfolg zu bewirken, so dass der Eintritt dieses Erfolges als durch die fragliche Tatsache allgemein begünstigt erscheint.  Besonderheit bei Unterlassung: Berücksichtigung der allgemeinen Lebenserfahrung (normative Komponente) bereits bei Prüfung des natürlichen Kausalzusammenhangs. Daher BGer: „im Allgemeinen nicht sinnvoll, den festgestellten oder angenommenen hypothetischen Geschehensablauf auch noch auf seine Adäquanz zu prüfen“ (BGE 115 II 440, E. 5.a).

36 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 36 Vergleich TBE mit SVE: d) Verschulden Verschulden subjektive Komponente: Urteilsfähigkeit objektive Komponente: Vorsatz oder Fahrlässigkeit

37 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 37 Vergleich TBE mit SVE: f) Fazit Feststellung: Tatbestand von Art. 41 Abs. 1 OR ist nicht erfüllt, da keine Widerrechtlichkeit vorliegt (BGer). Folglich: G. ist gestützt auf diese Bestimmung nicht verpflichtet, E. CHF 500‘000.– zu bezahlen.

38 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2015 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 38 Fall 2 BGE 102 II 85 = pra Nr. 154.

39 Rechtswissenschaftliches Institut Kenntnis des Sachverhalts Bei Tiefbauarbeiten mit einem Bagger beschädigte ein Mitarbeiter der Zschokke AG das elektrische Kabel eines Stromversorgungsbetriebs. Vor Beginn der Arbeiten hatte sich die Zschokke AG nicht darüber informiert, ob es im Boden elektrische Kabel gab. Wegen des daraus resultierenden Stromunterbruchs macht die Baumgartner AG gegenüber der Zschokke AG einen Schaden von CHF 23‘100.- aus Produktionsausfällen geltend. Wie sind die Chancen einer Haftung aus OR 55? FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 39

40 Rechtswissenschaftliches Institut Erfassung der möglichen Ansprüche FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 40 Wer willvon wemwasworaus? Baumg. AGZschokke AG 23‘100.-OR 55

41 Rechtswissenschaftliches Institut Prüfung der erfassten Ansprüche Voraussetzungen OR 55 (milde Kausalhaftung): Erfüllung von OR 41 (ohne Verschulden)  Schaden  Widerrechtlichkeit  Kausalzusammenhang + Hilfspersonen in einem Subordinationsverhältnis zum Geschäftsherrn (vs. OR 101!), + Funktioneller Zusammenhang zwischen geschäftlicher/dienstlicher Verrichtung und dem Schaden Ist die Widerrechtlichkeit vorliegend gegeben, wenn die Baumg. AG lediglich einen Vermögensschaden geltend macht? FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 41

42 Rechtswissenschaftliches Institut Prüfung der erfassten Ansprüche StGB 239 Störung von Betrieben, die der Allgemeinheit dienen 1. Wer vorsätzlich den Betrieb einer öffentlichen Verkehrsanstalt, namentlich den Eisenbahn-, Post-, Telegrafen- oder Telefonbetrieb hindert, stört oder gefährdet, wer vorsätzlich den Betrieb einer zur allgemeinen Versorgung mit Wasser, Licht, Kraft oder Wärme dienenden Anstalt oder Anlage hindert, stört oder gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. 2. Handelt der Täter fahrlässig, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.  Ergebnis: Die Voraussetzungen von Art. 55 OR sind erfüllt. Zschokke AG wird für den Betrag von 23‘100.- gegenüber der Baumg. AG haftbar. FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 42

43 Rechtswissenschaftliches Institut Exkurs: Rechtsbegehren Die Beklagte (= Zschokke AG, von wem?) sei zu verpflichten, der Klägerin (= Baumg. AG, wer?) CHF 23‘100.- zzgl. Zinsen zu 5% seit dem X.X.X. (= was?) zu bezahlen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten der Beklagten. FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 43

44 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2015 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie RA lic. iur. Lukasz Grebski Folie 44 Fall 3 BGE 111 II 471 Widerrechtlichkeit bei unrichtiger und ausservertraglicher Rat- oder Auskunftserteilung

45 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 45FS 2015Folie 45 Sachverhalt AB Textilienlieferung gegen DM 300‘000–500‘000 Bank C (D) Bank D (CH) A (D) B (CH) DM 300‘000

46 Rechtswissenschaftliches Institut FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 46FS 2015Folie 46 Erfassung der Rechtsfrage  Wer:  Von wem:  Was:  Woraus: A D DM 300‘ a) OR 97? b) OR 41 I? c) Vertrauenshaftung?

47 Rechtswissenschaftliches Institut Hinweis Unrichtige Auskunft als Verstoss gegen eine Norm des (ungeschriebenen) Rechts relevant für: Widerrechtlichkeit FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 47

48 Rechtswissenschaftliches Institut Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! FS 2016 Übungen im Haftpflichtrecht (Thema III: Widerrechtlichkeit), Nedi/Holenstein/Dobreva Folie 48


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