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Wozu Förderung in der frühen Kindheit? Was wir wissen, wissen sollten und was Bildungs- und Sozialpolitik damit anfangen könn(t)en Prof. Dr. Margrit Stamm.

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Präsentation zum Thema: "Wozu Förderung in der frühen Kindheit? Was wir wissen, wissen sollten und was Bildungs- und Sozialpolitik damit anfangen könn(t)en Prof. Dr. Margrit Stamm."—  Präsentation transkript:

1 Wozu Förderung in der frühen Kindheit? Was wir wissen, wissen sollten und was Bildungs- und Sozialpolitik damit anfangen könn(t)en Prof. Dr. Margrit Stamm Lehrstuhlinhaberin Departement Erziehungswissenschaften Universität Fribourg (CH) Aarau, 4. November 2011

2 Aufbau Weshalb Förderung in der frühen Kindheit? Zum Status quo der frühen Förderung (Wie) wirkt gute frühe Förderung? Welche Rolle spielt die Qualität? Wie kann die Wirkung früher Förderung gesteigert werden? Fünf Empfehlungen

3 Weshalb Förderung in der frühen Kindheit? Förderung in der frühen Kindheit (=«Frühkindliche Bildung») ist aktuell: «Bildung»: «Frühkindliche Betreuung, Bildung und Erziehung». Frühe sinnvolle Förderung berücksichtigt die Kapazitätsbildung (Aufbau von Neugier, Motivation, Sozialkompetenz, Selbstvertrauen). Gute institutionalisierte Frühförderung kann den Schulerfolg von Kindern mit Migrationshintergrund erhöhen. Das pädagogische Vorschulpersonal bekommt eine viel grössere Bedeutung als bis anhin.

4 Die Kehrseite der Medaille (I) (1) Soll man alle Kinder früh fördern? Alle Kinder haben ein Anrecht auf frühkindliche Bildung, das Hauptaugenmerk sollte allerdings auf benachteiligte Kinder gelegt werden. (2) Ist jede frühe Förderung sinnvoll und gut? Nur dann, wenn sie auf die kindlichen Bedürfnisse, Potenziale und Möglichkeiten ausgerichtet ist. Optimale Förderung= ganzheitliche Betreuung, Bildung und Erziehung. Aktuell ist Frühförderung in der Schweiz ein Zuviel oder Zuwenig.

5 Zum Status quo der frühen Förderung Definition: Ganzheitliche und bewusste Förderung des Kindes in emotionaler, sozialer, motorischer, physischer, sprachlicher, mathematischer und kognitiver Hinsicht – in der Familie und in institutionellen Angeboten. Gute frühe Förderung («Frühkindliche Bildung») ist NICHT: die Umwandlung von Krippen/Kitas in Vorschulen; die frühere Vermittlung von Schulwissen; die Vorverlegung des Schuleintritts (des Kindergarteneintritts). Grundbedingungen für eine wirksame Frühförderung sind stabile Bindungen zu primären Bezugspersonen und eine anregungsreiche Umgebung. Die Familie hat immer die Schlüsselfunktion!

6 Zum Status quo der frühen Förderung (Forts.) Grosse Betreuungsunterschiede – grosse Vielfalt: IntensitätFRANZ* Welle 1Schweiz (BFS, 2008) Nur familieninterne Betreuung21%50.2% 0.6 – 1.75 Betreuungstage30%22.5% 1.75 oder mehr Betreuungstage49%27.3% VielfaltFRANZ Welle 1 Keine familienexterne Betreuung21% 1 Betreuungsform 36% 2 Betreuungsformen 39% 3 Betreuungsformen 4% * FRANZ-Studie: Früher an die Bildung, erfolgreicher in die Zukunft? Untersuchung der Bildung, Betreuung und Erziehung von N=300 Kindern in ihren Familien zwischendrei und sechs Jahren (an meinem Lehrstuhl).

7 Zum Status quo der frühen Förderung (Forts.) Recht gut entwickelte institutionalisierte Praxis in der Schweiz, aber stark fragmentiert und häufig zufällig. Diese Situation und die Tatsache, dass sich junge Kinder in ihren Kompetenzen und Entwicklungsständen stark unterscheiden, tragen dazu bei, dass Kinder von der Vorschulzeit sehr unterschiedlich profitieren. Einige Kinder, die es am nötigsten hätten, besuchen gar keine Angebote. Andere besuchen solche, die keinen Bildungs-, sondern nur Betreuungscharakter haben. Zu früh fallen zu viele Kinder mit Migrationshintergrund durch die Maschen. Dies wird oft zu spät, d.h. unmittelbar vor dem Schuleintritt, zur Kenntnis genommen.

8 Die Kehrseite der Medaille (II): Die VIB- Familie (Very Important Baby) «Projekt Baby»: Eltern, die alles tun, damit es sich so entwickelt, wie sie dies wünschen. Tragik des perfekten Kindes: Zum Juwel zu werden, egal wieviel man an ihm herumschleifen muss. Beste Entwicklungsvoraussetzungen: bilinguale Kindermädchen und Vorschulen; Lernvideos, Zusatzförderung...; Outsourcing an Spezialisten. Nur: Der ersehnte Output bleibt häufig nach einiger Zeit aus, denn: «Ein Kind, dem man mehr zu essen gibt, wird nicht grösser. Es wird bloss dick.» (Remo Largo)

9 Die Kehrseite der Medaille (II, Forts.) Anzahl Früheinschulungen stieg in letzten Jahren: Kanton Zürich: 6x Kanton Aargau: 2x Aber: 3 von 5 Kindern bestehen die Probezeit nicht und müssen wieder zurück – in die Krippe oder wieder von der Familie betreut werden. Für das Kind ist dies ein Drama, für die Eltern eine Kränkung.

10 (Wie) Wirkt gute frühkindliche Bildung? Institutionalisierte Vorschulangebote können die Entwicklung junger Kinder anregen, unterstützen und optimieren. Ob alle Kinder profitieren, ist wissenschaftlich ungesichert. Die Qualität ist wichtig. Kurzfristige Auswirkungen qualitativ hochstehender Angebote: Bessere Schulleistungen, höhere Motivation, weniger sonderpädagogische Förderung, seltenere Klassenwiederholungen. Langfristige Auswirkungen: Reduzierte Schuldistanz, vermehrte Bildungsabschlüssen, geringerer Drogenkonsum, weniger Kriminalität. Qualitativ durchschnittliche Angebote haben eher geringe Auswirkungen.

11 (Wie) Wirkt frühkindliche Bildung? (Forts.) Wer profitiert am meisten? Benachteiligte Kinder, die gezielt ab zwei, spätestens drei Jahren sprachlich und in ihrem Sozialverhalten (Selbstständigkeit, Konzentration und Kooperation) gefördert werden. Aber: Wir haben viel zu wenig Evaluationen!! Ökonomische Effekte Jeder Franken, der in eine Kindertagesstätte investiert wird, wirft volkswirtschaftlich gesehen vier Franken an Nutzen ab (Reduzierte Beschulungskosten aufgrund geringerer Klassenwiederholungen, / Sonderbeschulungen)

12 Folgen von Hothousing (Treibhausförderung) Ständige Verletzung kindlicher Bedürfnisse Bewältigung von Entwicklungsaufgaben schwierig (Schul-, Kindergarten-, Krippeneintritt, etc.) Suche nach Freiräumen in der Pubertät (Provokationen, Gesetzesüberschreitungen, riskantes Verhalten, etc.) Fazit: Kinder brauchen eine Welt, die sie nimmt, wie sie sind, sie ganzheitlich unterstützt und sie ins Zentrum stellt und nicht die Wünsche der Eltern. Sind Verhaltensauffälligkeiten möglich? Wissenschaftlich gesehen in der Tendenz «nein». Aber: Eine längere Besuchsdauer und eine (zu) intensive Förderung kann mit erhöhten (späteren) Verhaltensproblemen einhergehen.

13 Welche Rolle spielt die Qualität? Die Qualität kann erhebliche Unterschiede im Entwicklungsstand der Kinder zur Folge haben (bis zu einem Jahr!!). Die Qualität familiärer Betreuung, Bildung und Erziehung steht immer in einer Wechselwirkung mit der institutionellen Förderqualität: Bessere Angebotsqualität als die zu Hause: ideal Bessere häusliche Entwicklungsbedingungen: ev. negative Auswirkungen Ungünstige häusliche und Angebotsbedingungen: doppeltes Risiko

14 Welche Rolle spielt die Qualität? (Forts.) Was ist ein gutes Vorschulangebot? Eines, das Müttern und Vätern ermöglicht, Erwerbsarbeit und Familienarbeit zu verbinden? Eines, das soziale Integration lehrt und auf den Schuleintritt vorbereitet? Eines, das Humanvermögen mehrt, damit unserer Gesellschaft Steuergelder zurückfliessen? Eines, das gut ausgebildetes Personal hat? Möglichkeiten, Qualität zu messen Qualität durch Input-Steuerung (Bildungs- und Orientierungspläne sowie Standards) Qualitätsmanagement im Sinne von Zertifizierungen. Kriterien pädagogischer Qualität als Skalen

15 Wie kann die Wirkung früher Förderung gesteigert werden? Bessere berufliche Handlungskompetenz des Personals Wissen und Können von Erzieherinnen (z.B. zum Verständnis von Bindung, von kulturellen und sozialen Unterschieden oder förderliche Sprachlehrstrategien) Reflektierte Haltungen und Einstellungen konsequente Orientierung an der Dreigliederung Betreuung, Erziehung und Bildung; befähigende Haltung (Berücksichtigung der unterschiedlichen Ausgangslagen der Kinder, damit sie sich für Lerngegenstände interessieren können) Schichtspezifische Elternarbeit Komm-Struktur und Geh-Struktur

16 Empfehlungen 1.Gezielter Auf- und Ausbau von Angeboten für benachteiligte Kinder 2.An die Wirksamkeit des Angebots gekoppelte Finanzierung 3.Orientierung an der pädagogischen Qualität 4.Berufliche Handlungskompetenz ist wichtiger als die Forderung nach Akademisierung 5.Systematisierung und Intensivierung von Eltern- und Familienbildung (unter Berücksichtigung des «Zuviel» und «Zuwenig».

17 Weitere Informationen unter: Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit!


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