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Übergänge im Lebenslauf und positive Entwicklung – bei Einheimischen und Zuwanderern gleich? Vergleich verschiedener ethnischer Gruppen in Deutschland.

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Präsentation zum Thema: "Übergänge im Lebenslauf und positive Entwicklung – bei Einheimischen und Zuwanderern gleich? Vergleich verschiedener ethnischer Gruppen in Deutschland."—  Präsentation transkript:

1 Übergänge im Lebenslauf und positive Entwicklung – bei Einheimischen und Zuwanderern gleich? Vergleich verschiedener ethnischer Gruppen in Deutschland und Israel Rainer K. Silbereisen Peter F. Titzmann Andrea Michel Friedrich-Schiller-Universität Jena Institut für Migrationsforschung und interkulturelle Studien (IMIS) Universität Osnabrück, 28. Januar 2010 Department of Developmental Psychology & Center for Applied Developmental Science

2 Inhalt Hintergrund Stichprobe Instrumente Ergebnisse Deutschland Ergebnisse Israel Zusammenfassung und Diskussion

3 Länder, deren Bevölkerung nie damit rechnete, werden zum Einwanderungsland, wie etwa Deutschland. Dies stellt ungeahnte Fragen der Integration. Wegen der Heterogenität der Integrationsgruppen nach Herkunft und Alter, aber auch wegen der widerständigen Natur kultureller Orientierungen, muss Integration eine Lebensspannen-Perspektive verfolgen. Einleitung

4 Deutschland Personen mit Migrationshintergrund: 18%* * alle Personen mit Migrationshintergrund (1. und 2 Generation, mit und ohne Pass, ein oder beide Elternteile sind nach Deutschland eingereist) below 5% 15% to below 20% 5% to below 10% 20% to below 25% 10% to below 15% 25% and more

5 Psychosoziale Entwicklung ist ein vielschichtiger Prozess der Auseinandersetzung zwischen der Person mit ihren Absichten und Fähigkeiten, und den bedeutsamen Anregungen der teils selbst geschaffenen Umwelt. Diese Auseinandersetzung ist besonders intensiv und potentiell entwicklungsfördernd zu biographisch- ökologischen Übergängen. Sie bieten neue Herausforderungen und brechen zugleich womöglich feststehende und nicht förderliche Passungen von Person und Umwelt auf. Einleitung

6 Insofern sind institutionelle Übergänge gerade für die Integration von Immigranten bedeutsam; erst recht dann, wenn sie in gemeinsam besuchten Institutionen erfolgen, wie etwa dem Kindergarten oder der Schule. Aber auch mehr informelle Übergänge, wie der Aufbau von Freundschaften und Partnerschaften ab der Adoleszenz sind hierfür bedeutsam. In allen Fällen kann man davon ausgehen, dass gewohnte alterstypische Anpassungen teils in Konflikt geraten mit den Rahmensetzungen und Sozialisationszielen der Mehrheitsgesellschaft. Diese Konflikte können konstruktiv sein in dem Sinne, dass nicht nur die normativen Veränderungen in psychosozialen Funktionen über und durch die biographisch-ökologischen Übergänge erfolgen, sondern im Austausch mit der Mehrheitsgesellschaft auch eine Annäherung an deren Ausrichtung erfolgt. Einleitung

7 Weiter ist davon auszugehen, dass Übergänge den Betroffenen bestimmte Erfahrungen bieten, die sich teils sehr unterscheiden können. Neben dem fokalen Angebot, welches den Übergang sozusagen definiert, gibt es vielfältige andere und weniger formelle Anregungen, die breitere Bedeutung haben. Will man also den Effekt von Übergängen für die Entwicklung psychosozialer Funktionen über verschiedene Übergänge vergleichen, bedarf es eines breiten Repertoires von nicht zu spezifischen Gesichtspunkten. Mögliche Ergebnisse sind in schwer einschätzbarer Weise von Besonderheiten des Kontexts eines Landes überlagert – von den besonderen Gruppen der Immigranten oder nationalen Minderheiten, über die Umstände der Integration, bis hin zu Besonderheiten der Population im Aufnahmeland. Einleitung

8 Dieses Bedingungsgeflecht ist so vielschichtig, dass entweder eine größere Zahl anderer Länder gesucht werden muss, die in ihrer Gesamtheit eine systematische Variation der Umstände darstellen, oder man verfährt so, dass Ergebnisse in einem Land zwecks Abschätzung der Generalisierbarkeit mit einem anderen verglichen werden, das in einem theoretisch wichtigen Aspekt grundsätzlich verschieden ist. Wir interessieren uns für Deutschland und nehmen als Vergleich Israel. Einleitung

9 Beide Länder haben im Prinzip ein ähnliches Rationale bei der Immigration, nämlich: Bevorzugung von Menschen gleicher Abstammung, was man teils im Gegensatz zu einer rein auf den wirtschaftlichen Vorteil abzielenden Immigration sehen kann. So ist die Privilegierung von deutschstämmigen Aussiedlern in Deutschland und jüdischen Immigranten aus der ehemaligen UdSSR in Israel zu verstehen. Beide Länder haben auch ethnische Minderheiten, wie etwa türkische Immigranten in Deutschland und Araber in Israel. Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied – Deutschland ist vergleichsweise unerfahren in Sachen Immigration und Israel baut als Staat auf dieses Potential. Einleitung

10 Vor diesem Hintergrund kommen wir dann zu der grundlegenden Frage: Haben biographisch-ökologische Übergänge in Deutschland und Israel im Spiegel einer Reihe psychosozialer Funktionen vom Kindes- bis zum jungen Erwachsenenalter einen Effekt im Sinne besserer Anpassung? Falls ja, gibt es auch differentielle Effekte gibt so, dass sich die möglichen Abstände zwischen den Gruppen verändern, beispielsweise durch Angleichung an die Mehrheitskultur? Aber auch eine Verstärkung von Unterschieden ist möglich. Einleitung

11 Neben diesen Hauptfragen gibt es weitere: Lassen sich die Unterschiede zwischen den ethnischen Gruppen in der psychosozialen Entwicklung durch Unterschiede in Ressourcen erklären? Ist der Effekt der Übergänge verstehbar als Folge eines unterschiedlichen Umgangs mit alltäglichen Belastungen die für den Übergang typisch sind? Spielt bei den Immigranten/Minoritäten das Ausmaß der Akkulturation eine Rolle? Einleitung

12 Die Antwort liefert ein deutsch-israelisches Projekt, welches verschiedene Gruppen von Ansässigen und Immigranten vor und nach dem Übergang (zunächst querschnittlich) vergleicht, und zwar bezogen auf den Kindergarten, die Primarschule, romantische Beziehungen im Jugendalter, sowie Partnerschaft unter jungen Erwachsenen. Dabei geht es um mögliche Gemeinsamkeiten zwischen den Übergängen, nicht um eine detaillierte Studie der einzelnen Aspekte der psychosozialen Entwicklung im jeweiligen Übergang. Und die tatsächlichen Erfahrungen während der Übergänge konnten (mit Ausnahme der Regulation von alltäglichen Belastungen) nicht erfasst werden. Einleitung

13 Methodische Umsetzung der Studie

14 Stichprobe Ü berg ä nge Alter der ZielgruppeInterviewpartner Tr 1: KindergartenKinder (2 bis 5 Jahre) Mutter Tr 2: SchuleKinder (5 bis 7 Jahre) Mutter Tr 3: Romantische Beziehungen Jugendliche (15 bis 18 Jahre) Mutter & Jugendliche Tr 4: Zusammenleben Junge Erwachsene (20 bis 30 Jahre; ohne Kinder) Junge Erwachsene Zielalter in beiden Ländern

15 Stichprobe DeutschlandIsrael Geographisch2 große deutsche Städteganz Israel AuswahlZufallsstichprobe aus Einwohnermeldeamt (außer russisch-jüdisch) Telefon-screening BefragungPersönliche Interviews mit bilingualen Interviewern Ethnische Gruppen einheimische Deutsche, Türken, Aussiedler, russisch-jüdische Migranten einheimische Israelis, Araber, russisch- jüdische MIgranten

16 Stichprobe KindergartenSchuleRomantische Beziehung Zusammen- leben Deutsch Aussiedler Russische Juden T ü rkisch Gesamt N Deutschland

17 Stichprobe Israel KindergartenSchule Romantische Beziehung Zusammen- leben Israeli Russisc he Juden Arabisch Gesamt N

18 Instrumente Psychosoziale Entwicklung definiert als 5 Cs (Lerner et al., 2005) Ressourcen: soziales, ökonomisches and kulturelles Kapital (Bourdieu, 1986) Regulationsstrategien als Engagement und Disengagement (Heckhausen & Schulz, 1993)

19 Instrumente Zielvariablen: Psychosoziale Entwicklung Five Cs (Lerner et al., 2005) KindergartenSchule Romantische Beziehung Zusammen- leben Competence language competence dating competence self-efficacy Confidence support seeking (D) Assertion (IS) Avoidance support seeking (D) Assertion (IS) avoidance self-efficacy, self-esteem Connection partnership preferences Character self-control delinquent beliefs Caring civic engagement

20 Instrumente Psychosoziale Entwicklung – 5 Cs Kindergarten & Schule Competence: language competence (NICHD) (a) Kindergarten: e.g., Your child understands and interprets a story read to him/her. For example, retelling a story just read to him/her or telling about why a story ended as it did, or connecting part of the story to his/her own life. (b) School: e.g., Your child contributes relevant information to family discussions, for example during dinner, can express an idea or a personal opinion on a topic and the reasons behind the opinion. Confidence/Connection: support seeking (Eisenberg et al., 1993; Kalpidou et al., 2004) e.g., The child talks with a friend or family member about the problem to help find a solution. avoidance (Eisenberg et al., 1993; Kalpidou et al., 2004) e.g., The child avoids thinking about the problem by distracting itself with other activities. Character/Caring: self-control (Gresham & Elliott, 1990) e.g., Your child controls temper when arguing with other children.

21 Instrumente Psychosoziale Entwicklung – 5 Cs Jugendliche & Erwachsene Competence: dating competence (Levenson & Gottman, 1978) e.g., Be able to accurately sense how a potential romantic partner feels about you. Confidence: self-efficacy (Jerusalem & Schwarzer, 1992) e.g., I can always manage to solve difficult problems if I try hard enough. self-esteem (Rosenberg, 1968) e.g., On the whole, I am satisfied with myself. Connection: preferences for partner (based on Hetsroni, 2002) traditional (parents, religion, ethnicity) & economic (status, money, education) Character: delinquent beliefs (Finckenauer, 1995) e.g., People who leave things around deserve to have their things taken. Caring: civic engagement (based on Shell Youth Study & Thüringer Landesstatistik zur ehrenamtlichen Tätigkeit) e.g., I have been actively involved with the concerns of children and young people.

22 Instrumente Ressourcen I: Soziales Kapital weak ties Durchschnittliches Prestige verschiedner Berufe aus denen die Person jemanden kennt, den sie informell um Rat fragen würde (ISEI; Ganzeboom & Treiman, 2003; van der Gaag, Snijders, & Flap, 2008) BerufeISEI Ungelernter Arbeiter23 Koch27 Frisör32 Krankenpfleger/ - schwester 42 Polizist53 Sekretärin58 Künstler59 Versicherungsmakler61 Lehrer71 Ingenieur73 Rechtsanwalt85 Arzt88

23 Instrumente Ressourcen II: Ökonomisches Kapital Einzelitem: Insgesamt - Wie würden Sie Ihre finanzielle Situation einschätzen? 1 - Es reicht überhaupt nicht aus 2 - Es reicht für das Notwendige aus 3 - Ich kann mir vieles nicht leisten 4 - Ich kann mir nicht alles, aber doch viel leisten 5 - Ich kann mir fast alles leisten

24 Instrumente Ressourcen III: Kulturelles Kapital Höchster Bildungsabschluss (für Kindergarten und Schule der Mutter; für Romantische Beziehungen und Zusammenleben der Jugendlichen/jungen Erwachsenen) ISCED-Levels Germany: Level 1 – Grundschule (primary education) Level 2 - Hauptschule, Realschule, Mittelschule, POS, Gesamtschule (weiterführende Schulen) (lower secondary) Level 3 - Abitur (Gymnasium), Fachabitur, Berufsausbildung ohne Abitur (upper secondary) Level 4 - Berufsausbildung mit Abitur, Abitur (Abendschule) (post secondary) Level 5 - Meister/ Techniker, Fachakademie, Berufsakademie, Fachhochschulabschluss, Bachelor, Master, Magister, Diplom (first stage of tertiary) Level 6 – Ph.D. (second stage of tertiary)

25 Instrumente Regulationsstrategien Übergangsbezogene Vignetten (z.B. Lehrer setzt Belohnung und Bestrafung anders ein, als man es selbst für richtig hält) Ich zögere nicht lange, sondern tue etwas dagegen [Engagement I] Wenn ich allein nicht vorankomme, frage ich andere Leute nach Mitteln und Wegen um eine Lösung zu finden [Engagement II] Ich sage mir immer wieder, dass ich es schaffen kann, wenn ich nur will [Engagement III] Wenn ich mit der Situation nicht zurechtkomme, suche ich nach Gründen, um mir nicht die Schuld geben zu müssen [Disengagement I] Wenn ich mit der Situation nicht zurechtkomme, denke ich nicht weiter darüber nach [Disengagement II] Es fällt Ihnen schwer, dies zu akzeptieren. Wie würden Sie typischerweise auf diese Situation reagieren?

26 Instrumente Gleiche Instrumente in allen ethnischen Gruppen in Deutschland und Israel in der Sprache der jeweiligen Gruppe Skalenäquivalenz zwischen ethnischen Gruppen in beiden Ländern wurde sichergestellt (Bollen, 1989)

27 Ergebnisse für Deutschland

28 Ergebnisse Deutschland Die Ergebnisse gliedern sich in zwei Teile: Vergleich der ethnischen Gruppen hinsichtlich der Prädiktorvariablen Übergänge Ressourcen Regulation Multivariate Regressionsanalysen 5 Cs als AV

29 Ergebnisse Deutschland Übergänge Prozent der Stichprobe nach dem Übergang Kindergarten (> 6 Monate im Kindergarten) Schule (> 6 Monate in der Schule) Romantische Beziehung (Ja, ob jemals einen Freund/-in) Zusammen- leben (Ja/nein) Deutsch Aussiedler Russ. J ü disch T ü rkisch Gesamt

30 Ergebnisse Deutschland Übergänge Test auf Vergleichbarkeit der Gruppen vor und nach dem Übergang (ANOVAs) als Voraussetzung des querschnittlichen Vergleichs Soziodemographie (z.B. Alter von Mutter und Kind, Geschlecht, Religiosität) Ressourcen (z.B. Bildung, Bildungsaspirationen, finanzielle Situation), Akkulturationsmaße für Migranten (z.B. Aufenthaltsdauer, Sprachgebrauch) Es fanden sich kaum Unterschiede abgesehen vom Alter - Teilnehmer nach dem Übergang waren etwas älter (wofür bei allen nachfolgenden Analysen kontrolliert wurde

31 Ergebnisse Deutschland Ressourcen I: Soziales Kapital Kindergarten (Mütter) Schule (Mütter) Romantische Beziehung (Mütter) Zusammen- leben (eigenes) Deutsch41.2 (10.2)42.5 (9.8)40.4 (11.3)35.6 (11.1) Aussiedler24.9 (13.0)27.9 (12.3)27.1 (14.4)26.0 (13.3) Russ. Juden32.7 (11.9)35.0 (9.7)34.6 (11.9)32.3 (12.7) T ü rkisch 24.1 (15.1)23.2 (14.1)25.8 (14.7)29.6 (14.3) Gesamt31.2 (14.4)33.3 (14.2)32.5 (14.6)31.7 (13.1) Mittelwerte (Standardabweichungen)

32 Ergebnisse Deutschland Ressourcen II: Ökonomisches Kapital Kindergarten (Mütter) Schule (Mütter) Romant. Beziehung (Mütter) Zusammen- leben (eigenes) Deutsch3.9 (0.6)3.9 (0.5)3.8 (0.6)3.7 (0.8) Aussiedler3.1 (0.9)3.0 (0.8)3.0 (1.1)3.7 (0.8) Russ. Juden3.2 (1.0)3.1 (0.9)3.2 (1.0)3.3 (0.9) T ü rkisch 3.3 (1.0)3.2 (1.0)3.4 (1.0)3.6 (0.9) Gesamt3.4 (0.9) 3.4 (1.0)3.5 (0.9) Mittelwerte (Standardabweichungen)

33 Ergebnisse Deutschland Ressourcen III: Kulturelles Kapital Kindergarten (Mütter) Schule (Mütter) Romant. Beziehung (Mütter) Zusammen- leben (eigenes) Deutsch4.2 (1.2)4.0 (1.3)3.4 (1.3)4.3 (1.1) Aussiedler3.8 (1.1)3.7 (1.1)3.9 (1.0)3.6 (1.3) Russ. Juden4.4 (0.9)4.2 (0.9)4.6 (0.9)4.3 (1.1) T ü rkisch 2.1 (1.0)1.9 (1.0)1.4 (0.9)3.0 (1.2) Gesamt3.7 (1.4)3.4 (1.5)3.1 (1.6)3.9 (1.3) Mittelwerte (Standardabweichungen)

34 Ergebnisse Deutschland Regulation: Engagement

35 Ergebnisse Deutschland Regulation: Disengagement

36 Ergebnisse Deutschland Zusammenfassung Prädiktoren Übergänge: Geringerer Anteil an türkischen Kindern bereits im Kindergarten, russisch-jüdische Kinder mit höherer Wahrscheinlichkeit in der Schule, keine Unterschiede bei romantischen Beziehungen, Einheimische besonders häufig bereits zusammenlebend Ressourcen: Einheimische Deutsche besonders hoch in allen drei Kapitalien, während türkische Familien eher über geringe Ressourcen im Sinne der Kapitalien berichten Regulationsstrategien: Engagement wurde über alle Übergänge hinweg eher als Strategie gewählt als Disengagement. Türkische Mütter mit Kindern im Übergang zu Kindergarten und Schule berichten häufigeren Einsatz beider Strategien als die anderen Gruppen – verweist auf beanspruchendere Herausforderungen

37 Ergebnisse Deutschland Multivariate Ergebnisse Multiple hierarchische Regressionen für jede abhängige Variable Regressionsschritte Schritt 1Alter & Geschlecht Schritt 2ethnische Gruppe (Dummy; Einheimische als Referenz) Schritt 3Ressourcen (soziales, ökonomisches, kulturelles Kapital) Schritt 4 Übergang (ja/nein) Schritt 5Regulationsstrategien (Engagement, Disengagement) Schritt 6 Interaktionen von ethnischer Gruppe & Übergang/Regulation

38 Ergebnisse Deutschland Multivariate Ergebnisse: Support Seeking Beispiel: support seeking im Kindergarten Control v. ß Groups ß Resources ß Transition ß Regulation ß Interactions ß Alter Geschlecht (2=weiblich).08.10*.11* *.10* * Türkisch (Dummy = 1).33***.36***.38***.34***.28*** Aussiedler (Dummy = 1).36***.40***.39***.42***.40*** R. Jüdisch (Dummy = 1).24***.26***.26***.31***.33*** Sozialkapital Ökonomisches Kapital Kulturelles Kapital Übergang (0=nein,1=ja).13 * *.12 * Engagement.21***.23*** Disengagement-.09* Aussiedler x Engagement-.14* R2R Δ R ***.01 *.03***.02 Anmerkung. Nicht signifikante Interaktionen sind nicht dargestellt Social support seeking: Kind sucht aktiv Hilfe, um eine frustrierende Situation zu meistern (Eisenberg et al., 1993; Kalpidou et al., 2004)

39 Ergebnisse Deutschland Multivariate Ergebnisse (Beta): Kindergarten Language competence Social support seeking AvoidanceSelf-control Alter.38** Geschlecht (2=weiblich).12**.10* Türkisch (Dummy = 1).05.28**-.19*.12 Aussiedler (Dummy = 1).01.40**-.23**.16* R. Jüdisch (Dummy = 1).04.33** Sozialkapital Ökonomisches Kapital * Kulturelles Kapital Übergang (0=nein,1=ja) * Engagement.11*.23**.05.11* Disengagement **.02 Aussiedler x Engagement-.14* Türkisch x Engagement.14* R 2.16**.20**.08**.10** Note. Nicht signifikante Interaktionen sind nicht dargestellt

40 Ergebnisse Deutschland Multivariate Ergebnisse (Beta): Schule Note. Nicht signifikante Interaktionen sind nicht dargestellt Language competence Social support seeking AvoidanceSelf-control Alter * ** Geschlecht (2=weiblich) *.07 Türkisch (Dummy = 1)-.17*.26** ** Aussiedler (Dummy = 1) **-.27**.08 R. Jüdisch (Dummy = 1) * Sozialkapital Ökonomisches Kapital Kulturelles Kapital.16* Übergang (0=nein,1=ja).22**.14* ** Engagement.06.17**.04.11* Disengagement Türkisch x Engagement.11* R 2.20**.19**.11**.16**

41 Ergebnisse Deutschland Zusammenfassung Kindergarten und Schule Übergang zeigte Effekte in vier von acht psychosozialen Funktionen, insbesondere beim Übergang zur Schule Aber keine Interaktionseffekte – Abstand in psychosozialen Funktionen zwischen Gruppen bleibt erhalten Substantielle Unterschiede zwischen den ethnischen Gruppen, die jedoch nicht durch die drei Arten von Kapitalien erklärt werden konnten Ressourcen waren wenig bedeutsam Das Engagement der Mütter hing in mehreren Fällen mit höherer Ausprägung der psychosozialen Funktionen zusammen

42 Ergebnisse Deutschland Multivariate Ergebnisse (Beta): Romantische Beziehungen Anmerkung. Nicht signifikante Interaktionen sind nicht dargestellt Dating comp. Self- esteem Self- efficacy Trad. Partner- preferences Economic Partner- preferences Delinq. beliefs Civic engagemen t Alter * Geschlecht (2=weiblich)-.11*-.18**-.21**.20**.24**-.16**.09 Türkisch (Dummy = 1) **.53**.27**.24**.01 Aussiedler (Dummy = 1) *.32**.26** R. Jüdisch (Dummy = 1) **.20** Sozialkapital * Ökonomisches Kapital Kulturelles Kapital **-.14*.08.22** Übergang (0=nein,1=ja).42** ** * Engagement.24**.19**.20**.04.12* Disengagement * Turkish x Disengagement-.14*.13* R 2.31**.10**.14**.40**.24**.09**.07*

43 Ergebnisse Deutschland Multivariate Ergebnisse (Beta): Zusammenleben Erwachsene Anmerkung. Nicht signifikante Interaktionen sind nicht dargestellt Self- efficacy Traditional Partner- preferences Economic Partner- preference s Delinquent beliefs Civic engagemen t Alter Geschlecht (2=weiblich)-.16**.19**.33** Türkisch (Dummy = 1).24**.53**.28**.13*-.07 Aussiedler (Dummy = 1).19**.11*.17** * R. Jüdisch (Dummy = 1).19**.29**.26**.21**.03 Sozialkapital.13* ** Ökonomisches Kapital.12*.01.10* Kulturelles Kapital *-.10 Übergang (0=nein,1=ja).14** Engagement.18**.11*.18** Disengagement Interaktion R2R2.13**.28**.27**.09**.11**

44 Ergebnisse Deutschland Zusammenfassung Romantische Beziehung und Zusammenleben Die Übergänge waren in vier von zwölf psychosozialen Funktionen relevant, aber der Effekt wurde in keinem einzigen Fall durch die Gruppe moderiert. Die Unterschiede bleiben also erhalten. Bestehende Unterschiede zwischen den ethnischen Gruppen wurden nie durch Ressourcen erklärt. Ressourcen waren als Prädiktoren eher weniger wichtig, aber wenn, dann war es das soziale Netzwerk und die Bildung. Engagement war in vielen Fällen mit einer höheren Ausprägung in psychosozialen Funktionene verknüpft, Disengagement dagegen nicht

45 Ergebnisse für Israel

46 Ergebnisse Israel Die Ergebnisse gliedern sich wieder in zwei Teile: 1. Vergleich der ethnischen Gruppen hinsichtlich der Prädiktorvariablen Übergänge Ressourcen Regulation 2. Multivariate Regressionsanalysen 5 Cs als AV

47 Übergänge Prozent der Stichprobe nach dem Übergang Kindergarten (> 6 Monate im Kindergarten) Schule (> 6 Monate in der Schule) Romantische Beziehung (Ja, ob jemals einen Freund/-in) Zusammen- leben (Ja/nein) Israeli Russische Juden Arabisch Gesamt Auch hier fanden sich kaum Unterschiede in Soziodemographie, Ressourcen und Akkulturation. Lediglich im Alter der Zielpersonen gab es systematische Unterschiede - Teilnehmer nach dem Übergang waren etwas älter Ergebnisse Israel

48 Ressourcen I: Soziales Kapital Kindergarten (Mütter) Schule (Mütter) Romant. Beziehung (Mütter) Zusammen- leben (eigenes) Israelisch 35.5 (12.3) 36.4 (12.2) 37.4 (12.2) 34.2 (12.0) Russisch Jüdisch 32.6 (13.2) 31.9 (13.8) 34.2 (14.6) 31.5 (12.6) Arabisch 40.6 (11.5) 41.0 (10.6) 40.1 (11.6) 41.2 (11.0) Mittelwerte (Standardabweichungen) Ergebnisse Israel

49 Ressourcen II: Ökonomisches Kapital Kindergarten (Mütter) Schule (Mütter) Romant. Beziehung (Mütter) Zusammen- leben (eigenes) Israeli 3.4 (1.1) 3.2 (1.2) 3.0 (1.1) 3.4 (1.1) Russische Juden 3.2 (1.1) 3.2 (1.1) 3.2 (1.1) 3.3 (1.2) Arabisch 3.1 (1.0) 2.9 (1.0) 2.9 (0.9) 3.1 (1.0) Mittelwerte (Standardabweichungen) Ergebnisse Israel

50 Ressourcen III: Kulturelles Kapital Kindergarten (Mütter) Schule (Mütter) Romant. Beziehung (Mütter) Zusammen- leben (eigenes) Israeli 3.9 (1.2) 3.9 (1.1) 3.5 (1.3) 3.8 (1.0) Russische Juden 4.3 (1.1) 4.1 (1.2) 4.6 (1.1) 4.1 (1.2) Arabisch 3.3 (1.3) 3.1 (1.3) 2.4 (1.2) 3.6 (1.2) Mittelwerte (Standardabweichungen) Ergebnisse Israel

51 Regulation: Engagement Ergebnisse Israel

52 Regulation: Disengagement Ergebnisse Israel

53 Zusammenfassung Prädiktoren Übergänge: Israelische Gruppe mit höherer Wahrscheinlichkeit in Kindergarten und zusammenlebend, verglichen mit den anderen beiden ethischen Gruppen. Russisch-Jüdische Jugendliche hatten besonders häufig bereits einen romantischen Partner, keine Unterschiede im Schuleintritt Ressourcen: Araber besonders hoch im sozialen Kapital, Russisch- jüdische Migranten höchste Bildung, kaum Unterschiede in der finanziellen Situation Regulationsstrategien: Engagement wurde vor allem bei Übergängen zu Kindergarten und Schule eher berichtet als Disengagement, bei den Übergängen zu romantischen Beziehungen und Zusammenleben gab es keine Unterschiede

54 Ergebnisse Deutschland Multivariate Ergebnisse Multiple hierarchische Regressionen für jede abhängige Variable Regressionsschritte Schritt 1Alter & Geschlecht Schritt 2ethnische Gruppe (Dummy; Einheimische als Referenz) Schritt 3Ressourcen (soziales, ökonomisches, kulturelles Kapital) Schritt 4 Übergang (ja/nein) Schritt 5Regulationsstrategien (Engagement, Disengagement) Schritt 6 Interaktionen von ethnischer Gruppe & Übergang/Regulation

55 Ergebnisse Israel Multivariate Ergebnisse (Beta): Kindergarten Note. Nicht signifikante Interaktionen sind nicht dargestellt Language comp. AssertionAvoidanceSelf control Alter.305** Geschlecht (2=weiblich) Arabisch (Dummy = 1) * Russ. Jüd. (Dummy = 1)-.188* ** Sozialkapital Ökonomisches Kapital Kulturelles Kapital Übergang (0=nein,1=ja) Engagement ** Disengagement * Interaktion R2R

56 Ergebnisse Israel Multivariate Ergebnisse Beta): Schule Note. Nicht signifikante Interaktionen sind nicht dargestellt Language comp. AssertionAvoidanceSelf control Alter Geschlecht (2=weiblich).227**.121*-.158**.106 Arabisch (Dummy = 1) Russ. Jüd. (Dummy = 1) Sozialkapital Ökonomisches Kapital *.135* Kulturelles Kapital Übergang (0=nein,1=ja) Engagement.343**.490** ** Disengagement -.178**-.172*.197**.031 Arabisch x Übergang) -.167* R2R

57 Ergebnisse Israel Signifikante Interaktion: Schule Language Competence

58 Ergebnisse Israel Zusammenfassung Kindergarten und Schule Kein Effekt der Übergange zum Kindergarten oder der Schule nachweisbar Nur ein Interaktionseffekt: Arabische Kinder im Übergang zur Schule zeigten eine geringere Sprachkompetenz nach dem Übergang. Konfrontation mit der Mehrheitssprache Hebräisch?

59 Ergebnisse Israel Zusammenfassung Kindergarten und Schule Alter zeigte kaum Effekte, was möglicherweise mit dem eher geringen Altersrange zu tun hat. Geschlecht war vor allem beim Eintritt in die Schule ein guter Prädiktor; Mädchen zeigten im Durchschnitt höhere Werte in psychosozialen Funktionen. Ethnizität sagte einiges vorher, wobei vor allem arabische oder russisch-jüdische Kinder beim Übergang zum Kindergarten eine geringere Ausprägung in den psychosozialen Funktionen zeigten. Ressourcen spielten untergeordnete Rolle, nur ökonomisches Kapital war beim Übergang zur Schule mit abhängigen Variablen verbunden.

60 Ergebnisse Israel Multivariate Ergebnisse: Romantische Beziehung Anmerkung. Nicht signifikante Interaktionen sind nicht dargestellt Dating comp. Self- esteem Self- efficacy Traditional Partner- preferences Economic Partner- preferences Delinquent beliefs Civic engagemnt Alter * Geschlecht (2=weiblich) -.110* * Arabisch (Dummy = 1) **.276** Russ.Jüd. (Dummy = 1) ** * Sozialkapital.114* Ökonomisches Kapital * Kulturelles Kapital **.163* Übergang (0=nein,1=ja).253** **-.135* Engagement.243** * Disengagement Arabisch x Übergang -.235**-.207**.211** Arabisch X Disengagement -.274**.172* R2R

61 Ergebnisse Israel Signifikante Interaktion: Romantische Beziehung Dating Competence

62 Ergebnisse Israel Signifikante Interaktion: Romantische Beziehung Self-esteem

63 Ergebnisse Israel Signifikante Interaktion: Romantische Beziehung Civic engagement

64 Ergebnisse Israel Multivariate Ergebnisse: Zusammenleben Anmerkung. Nicht signifikante Interaktionen sind nicht dargestellt Self- efficacy Traditional Partner- preferences Economic Partner- preferences Delinquent beliefs Civic engagemen t Alter Geschlecht (2=weiblich) -.143* * Arabisch (Dummy = 1) -.171**.432**.211** * Russ.Jüd. (Dummy = 1) Sozialkapital Ökonomisches Kapital *-.021 Kulturelles Kapital.134* **.076 Übergang (0=nein,1=ja) * Engagement.216** ** ** Disengagement IA Russ Jüd. x Übergang -.142* R2R

65 Ergebnisse Israel Signifikante Interaktion: Zusammenleben Delinquent beliefs

66 Ergebnisse Israel Zusammenfassung Romantische Beziehung und Zusammenleben Effekte wurden für beide Übergänge gefunden. Romantische Beziehung: nach dem Übergang mehr Kompetenzen im Umgang mit Partner, weniger traditionelle und weniger ökonomische Partnerschaftspräferenzen Zusammenleben: nach dem Übergang traditionellere Partnerpräferenzen

67 Ergebnisse Israel Zusammenfassung Romantische Beziehung und Zusammenleben Besonders interessant sind Interaktionen bei Jugendlichen: Arabische Jugendliche zeigen als einzige nach dem Übergang keine höheren Beziehungs-Kompetenzen, aber geringeren Selbstwert und höheres bürgerschaftliches Engagement als Jugendliche dieser Gruppe vor dem Übergang. Aber die Erfahrungen einer romantischen Beziehung unterscheiden sich erheblich: 80% der arabischen Jugendlichen haben ihren Partner nie geküsst und keiner gab an Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Bei russisch-jüdischen und israelischen Jugendlichen mit Partner haben nur 1% nicht geküsst und zwischen 15% und 20% hatten bereits Geschlechtsverkehr.

68 Ergebnisse Israel Zusammenfassung Romantische Beziehung und Zusammenleben Alter und Geschlecht hatten nur wenig Erklärungswert Ethnizität konnte Varianz in psychosozialen Funktioenen erklären, besonders war dies bei den traditionellen und ökonomischen Partnerschaftspräferenzen der Fall Ressourcen und Regulationsstrategien zeigten sich als Prädiktoren. Insbesondere eine höhere Bildung und ein aktives Herangehen an Probleme scheinen mit besseren Ergebnissen in den psychosozialen Funktionen verbunden zu sein

69 Zusammenfassung und Diskussion

70 Wir haben recht große Stichproben, aber nur 2 Städte (Deutschland) vs. das gesamte Land (Israel), Einwohnermeldeamt (Deutschland) vs. Telefon-Screening (Israel). Einheimische und Immigranten in beiden Fällen, aber Aussiedler, Russische Juden und Türken (Deutschland) vs. Israelische Araber und Russische Juden (Israel). Übergänge nominell gleich entsprechend der Altersblöcke im Untersuchungsplan, aber neben ungeplanten Unterschieden weitere ethnische Unterschiede in Prävalenz und Qualität, vor allem bei informellen Übergängen. Zusammenfassung und Diskussion

71 Im Kindergarten geringere Beteiligung von Minderheiten und kürzere dort schon verbrachte Zeit (Türken, Israelische Araber) bei mutmaßlich gleicher Qualität, Schule gleich. In Adoleszenz niedrigerer Stand intimer Kontakte zum anderem Geschlecht bei Türken und Israelischen Arabern, im jungen Erwachsenenalter bei beiden Gruppen höherer Anteil von Verheirateten. Falls sich also Effekte der Übergänge finden, dann ungeachtet der faktischen qualitativen Unterschiede und somit ein Hinweis auf die Bedeutung des Neu-Arrangements von Entwicklungsumständen und Entwicklungsanregungen. Zusammenfassung und Diskussion

72 Die ethnischen Gruppen unterscheiden sich teils entscheidend in den Kapitalien. Aber weniger im ökonomischen Kapital, sondern in der Bildung und im Sozialkapital. Türken niedrig in Deutschland, Israelische Araber vor allem in sozialen Netzwerken höher als alle anderen. Die ethnischen Gruppen unterscheiden sich auch teils erheblich im Umgang mit Übergangs-typischen Alltagsproblemen, wobei durchgängig das Engagement höher ausfällt als das Disengagement, was für die Bewältigbarkeit spricht, aber etwa im Fall der hohen Werte bei Türken auch auf die Schwere der Herausforderungen in der neuen Umgebung Zusammenfassung und Diskussion

73 Weiterhin unterscheiden sich die ethnischen Gruppen in der Ausprägung psychosozialer Funktionen, was teils notwendige Unterstützung wegen der neuen Umgebung betrifft, etwa bei Hilfesuchen der türkischen Kinder. Weiterhin werden kulturelle Besonderheiten gespiegelt, wie die andere Kompetenz im Umgang mit romantischen Kontakten bei türkischen und israelisch-arabischen Jugendlichen, oder auch im Fall der stärkeren auf ethnische Orientierungen ausgerichteten Partnerschaften im jungen Erwachsenenalter. Welche ethnischen Unterschiede in den psychosozialen Funktion auch immer sich finden, weder in Israel noch in Deutschland wurden sie durch Unterschiede in den Kapitalien erklärt. Es geht also nicht um versteckte soziodemografischer Effekte. Zusammenfassung und Diskussion

74 Die biographisch-ökologischen Übergänge ergaben Unterschiede zwischen den beiden Ländern in psychosozialen Funktionen. In Deutschland waren dies alles in allem in 8 von 20 psychosozialen Funktionen der Fall, in Israel hingegen nur in 4 von 20. Die nationalen Unterschiede ergeben sich aus den Stichproben während der Kindheit, bei der nur in Deutschland Effekte von Übergängen vorlagen. Das Vorzeichen der Effekte weist überwiegend auf eine verbesserte Anpassung an Entwicklungsaufgaben aus Sicht der Mehrheitskultur hin. So war beispielsweise das bürgerschaftliche Engagement bei Adoleszenten in beiden Ländern höher, wenn sie den Übergang zu romantischen Beziehungen bereits erfahren hatten. Zusammenfassung und Diskussion

75 Solche Effekte von Übergängen (Interaktionene) unterschieden sich aber bei der deutschen Studie nie im Ausmaß zwischen den ethnischen Gruppen, bei der israelischen in nur 5 von 20 Vergleichen der psychosozialen Funktion. Drei davon fielen auf den Übergang in der Adoleszenz bei der Gruppe der israelischen Araber. Ihre Partnerschaftskompetenz war nach dem Übergang nicht höher wie ansonsten, und ihr Selbstwert war niedriger aber das erwähnte bürgerschaftliche Engagement deutlich höher. Hinzu kam eine nach dem Übergang zur Schule bei israelisch- arabischen Kindern niedrigere Sprachkompetenz und niedrigere Delinquenz bei russischen Immigranten nach dem Zusammenleben. Zusammenfassung und Diskussion

76 Alles zusammengenommen ergibt sich somit als Gemeinsamkeit der Länder, dass bei den informellen Übergängen im Jugend- und frühen Erwachsenenalter positive Effekte erzielt werden. Mit einer gewichtigen Ausnahme verringert sich aber der Abstand zwischen den ethnischen Gruppen ungeachtet der Übergangserfahrungen in den untersuchten psychosozialen Funktionen nicht. Die Ausnahmen sind die Übergänge in der Adoleszenz bei den israelisch-arabischen Jugendlichen, die sich in sozialen Beziehungen zwar nicht stärker an der Mehrheitsgesellschaft auszurichten scheinen, wohl aber ein disproportional höheres bürgerschaftliches Engagement zeigen. Zusammenfassung und Diskussion

77 Wie die soziodemographischen Prädiktoren nicht die ethnische Zugehörigkeit, so konnten auch die Regulationsstrategien nicht den Effekt der Übergänge erklären, der hiervon in seiner Bedeutung unberührt blieb. Und es war auch nur selten so, dass der Effekt der Regulation je nach ethnischer Gruppe anders ausfiel, und wenn, konzentrierte sich dies auf die türkische bzw. die israelisch- arabische Gruppe. Bei den Ergebnissen zur doch recht moderaten Rolle von Übergängen in Israel muss bedacht werden, dass bis auf die Erwachsenen alle untersuchten Altersgruppen im Prinzip, was Bildung und damit große Teile des Tages angeht, in Deutschland in gemeinsamen Einrichtungen wie Kindergarten oder Schule betreut werden, während es in Israel ethnisch getrennte Einrichtungen sind. Zusammenfassung und Diskussion

78 Da anderes als vom Design geplant die Kinder in Israel, wenn schon, dann bereits länger im Kindergarten waren als die Kinder in Deutschland und auch schon überwiegend in der Schule, mag das Fehlen eines Übergangeffekts teils auch daher rühren. Anscheinend sind solche Unterschiede aber doch nicht sonderlich relevant, denn bei der Adoleszenz finden sich Effekte von Übergängen, obwohl sich auch hier die Anteile von Jugendlichen mit/ohne romantische Erfahrungen ebenfalls zwischen den Ländern unterscheiden. Zusammenfassung und Diskussion

79 Die Vogelperspektive dieser Studien nahm sich biographisch- ökologische Übergänge als potentielle change agents vor, was zuvor bestehende Unterschiede zwischen Ansässigen und Immigranten angeht. Solche Effekte fanden sich zwar als Haupteffekt, aber nur sehr punktuell auf Unterschiede im Effekt je nach ethnischer Gruppe bezogen, und unter den wenigen keineswegs nur solche in Richtung einer Reduktion der Unterschiede, und schon gar nicht bei Immigranten im engeren Sinne, weder in Deutschland noch in Israel. Zusammenfassung und Diskussion

80 Da die nominell vergleichbaren Übergänge besonders jenseits der Kindheit offensichtlich teils eine andere Bedeutung haben, wie etwa romantische Beziehungen unter Jugendlichen oder Zusammenleben im Erwachsenenalter, könnte man selbst bei gleichen psychosozialen Funktionen kein einheitliches Bild erwarten. Darüber hinaus verdiente jedes der untersuchten Merkmale und jeder der Übergänge eine vertiefte eigene Darstellung. Zusammenfassung und Diskussion

81 Dennoch war es ertragreich, den großen Bogen zu schlagen – die untersuchten Übergänge haben das Potenzial Entwicklung voran zu treiben, auch wenn dies hier bislang nur querschnittlich gezeigt wurde. Aber die darüber hinausgehende Vorstellung, dass biographisch- ökologische Übergänge auch geeignet sind in überschaubar kurzer Zeit Unterschiede im Sinne einer Annäherung an die Mehrheitsgesellschaft voran zu treiben, ließ sich mit wenigen Ausnahmen nicht zeigen. Und diese betrafen wie der Fall der israelischen Araber nicht Migranten, sondern ansässige Minderheiten. Zusammenfassung und Diskussion

82 Die Studie hat viele Einschränkungen; zuvorderst, dass wir bislang nur querschnittlich ausgewertet haben. Die Vergleichbarkeit der Gruppen vor/nach dem Übergang in zahlreichen Merkmalen bis auf das Alter spricht für die Gültigkeit. Hinzu kommt vor allem bei der deutschen Stichprobe die Beschränkung auf zwei Großstädte und insgesamt natürlich die trotz der Breite des Konzepts nur in Anätzen und mit verkürzten Instrumenten erfassten Kompetenzen der 5 Cs. Zusammenfassung und Diskussion

83 Ungeachtet dessen, scheint es klar zu sein, dass die biographisch- ökologischen Übergänge nicht das Potenzial zu verwirklichen scheinen, das man sich vorstellen könnte, nämlich vor allem im Bereich von formellen Übergängen zu Kindergarten und Schule bestehende Unterschiede in grundlegenden Kompetenzen auszugleichen. Die Tatsache, dass sich in dieser Hinsicht zwei Länder mit ganz unterschiedlichen Immigrationserfahrungen wie Israel und Deutschland nicht unterscheiden, wirft die Frage auf, ob Potenziale gleichermaßen nicht genutzt werden, oder erst gar nicht bestehen. Natürlich waren die überschauten Zeiträume je Übergang nicht groß, aber über alle vier Übergänge hinweg, mögliche Kohorteneffekte außer Acht lassend, ändert sich das Bild kaum, obwohl es sich um Kompetenzen handelt, die Gemeinsamkeiten haben. Zusammenfassung und Diskussion

84 Auf keinen Fall darf man aber die Ergebnisse über Unterschiede im Sinne einer Bewertung verstehen – wie die Unabhängigkeit der sozialen Lage zeigt, handelt es sich wohl um kulturelle Unterschiede, die nicht einfach mit mehr oder weniger gelungener Entwicklung gleichgesetzt werden dürfen. Zusammenfassung und Diskussion

85 Danksagung UniversitätPrincipal InvestigatorTeam TU Chemnitz Deutschland Bernhard Nauck Soziologie Anja Steinbach Susanne Clauss Falk Gruner FSU Jena Deutschland Rainer K. Silbereisen Psychologie Peter Titzmann Katharina Stößel Mohini Lokhande Andrea Michel Universität Haifa Israel Yoav Lavee School of Social Work Avi Sagi-Schwartz Psychologie David Mehlhausen- Hassoen Vor allem aber danken wir den vielen Teilnehmern in Deutschland und Israel, den Interviewerinnen und unseren studentischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ihren Einsatz bei der Durchführung der Studie.

86 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!


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