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Ethische Aspekte und Konfliktfelder bei Organtransplantationen Natascha Höhn.

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Präsentation zum Thema: "Ethische Aspekte und Konfliktfelder bei Organtransplantationen Natascha Höhn."—  Präsentation transkript:

1 Ethische Aspekte und Konfliktfelder bei Organtransplantationen Natascha Höhn

2 Definition Hirntod Zustand des irreversiblen Erloschenseins der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms bei einer durch kontrollierte Beatmung künstlich noch aufrechterhaltenen Herz-Kreislauffunktion (Definition des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer) Hirntod muss immer von 2 Ärzten festgestellt werden dabei ist Sorgfalt wichtig um Fehldiagnosen zu vermeiden Organspender und -empfänger dürfen nicht vom selben Arzt betreut werden dürfen nicht an der Entnahme/ Übertragung der Organe beteiligt sein

3 Theologische Perspektive zum Hirntod Stellungnahme der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg: Gefahr den Menschen als eine Art Puzzle zu sehen,das aus Teilen zusammengesetzt wird damit verbindet sich die Gefahr, andere Menschen als Ersatzteillager anzusehen und die Maßstäbe, nach denen Organe entnommen werden, aufzuweichen, um die benötigten Organe zu erhalten. durch die Gleichsetzung menschlichen Daseins mit dem messbaren Funktionieren von Gehirnaktivitäten werden Gehirn und Körper des Menschen definitorisch voneinander getrennt und qualitativ voneinander unterschieden der Glaube aber hält an der leibseelischen Ganzheit des Menschen fest der Mensch hat nicht einen Leib und eine Seele und innerhalb des Leibes Organe, die sich vom Menschsein als nicht dazugehörig abtrennen ließen dennoch sprechen sie sich für Organtransplantationen aus, solange diese freiwillig und aus Liebe zu den Mitmenschen geschehen

4 Ethische Konfliktfelder Frage des Todeszeitpunktes Grenzlinie zwischen Leben und Tod nicht bekannt eine Definition kann kein Wissen ersetzen der Philosoph Hans Jonas rät in dieser Zone wesentlicher Ungewissheit mehr zu einer maximalen als zu einer minimalen Bestimmung des Todes hinzuneigen

5 Ethische Konfliktfelder Anzeichen von Leben Viele Kritiker der Todesdefinition des Hirntodes glauben, dass menschliche Empfindungen mit dem Hirntod nicht erlöschen Organe funktionieren teilweise noch kein Herztod durch künstliche Beatmung atmen Hirntote noch

6 Ethische Konfliktfelder Zwiespalt zwischen Würde des Toten Familie des Hirntoten, die trauert und den Tod nicht wahrhaben will Retten von Leben durch Organspende Familie des Patienten der auf ein Spenderorgan wartet

7 Festlegung der Vergabekriterien moralisch kaum möglich, da über Leben und Tod eines anderen entschieden wird, aber in der Praxis notwendig (zu wenig Spender) Chancengleichheit bei der Verteilung der Organe auf Patienten sollte gewährleistet sein Festlegung besonders in Deutschland aufgrund der NS-Vergangenheit (Unterscheidung zwischen lebenswertem und lebensunwertem Leben) äußerst problematisch Menschen warten auf eine Transplantation 1997 beschloss der Bundestag das Gesetz über die Spende, Entnahme und Übertragung von Organen. In diesem Gesetz werden alle Vorgänge rund um die Organtransplantation geregelt es wird versucht möglichst objektive Kriterien zu finden Koordinierungsstelle: Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) Vermittlungsstelle: Eurotransplant

8 Vergabekriterien Erfolgsaussicht der Patient wird nach einer erfolgreichen Transplantation mit hoher Wahrscheinlichkeit länger und besser leben als ohne diesen Eingriff eine längerfristig gesicherte Funktion des neuen Organs kann gewährleistet werden es liegen keine schwerwiegenden, nicht behandelbaren Krankheiten (z.B. HIV) vor kein schwerer Nikotin-, Alkohol- oder sonstiger Drogenmissbrauch des Patienten ist bekannt Dringlichkeit eine andere Therapie verspricht keinen Erfolg mehr für ältere Patienten gibt es eine deutlich kürzere Warteliste (etwa zwei Jahre) vorgegangen wird bevorzugt nach dem Schema ältere Organe für ältere Empfänger Kinder und Heranwachsende sowie Eltern mit Kindern werden bevorzugt behandelt (soziale Dringlichkeit)

9 Ethische Konfliktfelder Zu wenig gespendete Organe für viele Patienten auf der Warteliste viele Menschen sterben, weil sie kein Spenderorgan bekommen es ist schwierig objektive Vergabekriterien aufzustellen Chancengleichheit schwierig zu definieren und zu garantieren

10 Problem die Anzahl der Patienten, die auf ein Organ warten ist größer als die Anzahl der gespendeten Organe

11 Christentum die (katholische) Deutsche Bischofskonferenz und der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland haben im Jahr 1990 eine gemeinsame Erklärung zur Organtransplantation herausgegeben seitdem haben in beiden Kirchen auf allen Ebenen Auseinandersetzungen über diese Thematik stattgefunden, besonders zur Frage des Todes beide Kirchen haben die Verabschiedung des Transplantationsgesetzes 1997 begrüßt Bereitschaft zur Organspende nach dem Tod ein Zeichen der Nächstenliebe und Solidarisierung mit Kranken und Behinderten

12 Die beiden großen deutschen Kirchen sind sich einig : Organspende als ein Zeichen der Solidarität und Nächstenliebe Aus der gemeinsamen Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (1990): (…) Vom christlichen Verständnis des Todes und vom Glauben an die Auferstehung der Toten kann auch die Organspende von Toten gewürdigt werden. Dass das irdische Leben eines Menschen unumkehrbar zu Ende ist, wird mit der Feststellung des Hirntodes zweifelsfrei Erwiesen. (…) Auszüge aus der Ansprache von Papst Benedikt XVI. vor der Päpstlichen Akademie für das Leben am 7.November 2008 in Rom: Die Organspende ist eine besondere Form, die Nächstenliebe zu bezeugen. (…) (…) Tatsächlich gibt es eine Verantwortung der Liebe und der Barmherzigkeit, die dazu verpflichtet, das eigene Leben zu einem Geschenk für die anderen zu machen, wenn man sich wirklich selbst verwirklichen will. Wie der Herr Jesus uns gelehrt hat, wird nur derjenige sein Leben retten können, der bereit ist, es hinzugeben (…)

13 Standpunkt anderer Religionen zur Organtransplantation Religionen Judentum Das Hirntodkriterium und die postmortale Organspende sind akzeptiert Islam Organspende gilt als Zeichen der Nächsten- liebe Hinduismus Organspende gilt als Teil der Tradition, dem Leidendem Zu helfen Buddhismus Die Lebendspende und die postmortale Spende von Organen ist erlaubt

14 Ein ungelöstes Problem bei der Verteilung von Spenderorganen Wilhelm Vossenkuhl Professor für Philosophie an der Universität in München

15 Probleme Knappheitsproblem: es gibt mehr Patienten, die auf eine Organtransplantation warten, als tatsächlich vorhandene Spenderorgane Lösung: Knappheitsproblem könnte wahrscheinlich gelöst werden, wenn in Dtl. jede erwachsene Person als Spenderin oder Spender gelten würde, die sich nicht dagegen ausgesprochen hat (sog. Widerspruchslösung). Verteilungsproblem: Wer von den Patienten soll ein Spenderorgan erhalten ? Lösung: mit ethischen Kriterien allein nicht lösbar Ethisches Dilemma: die Ansprüche aller Patienten auf den Schutz ihres Lebens sind gleich und können unter Knappheitsbedingungen nicht ungleich werden

16 Wann dürfen gleiche Ansprüche ungleich behandelt werden ? Beispiel: Jede Person hat den gleichen Anspruch, das öffentliche Straßennetz zu nutzen, aber nur wer einen Führerschein besitzt, darf Auto fahren. Gerechtfertigt ist diese Ungleichheit, weil der Führerschein als Nachweis der Befähigung gedacht ist, so zu fahren, dass niemand Anderes gefährdet wird. Die Gleichheit allgemeiner Ansprüche kann also eine Ungleichheit bestimmter Ansprüche ohne weiteres mit einschließen, wenn damit ein höherer normativer Anspruch, in diesem Fall die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer erfüllt wird. Organverteilung = gerechtfertigte Ungleichbehandlung Einzelner ? Nein ! es gibt keinen Anspruch, der höher gewichtet werden kann als das Recht auf Leben

17 Gleichheit und Ungleichheit Ethische Gleichheit Medizinische Ungleichheit Kriterien: Alter, Gesundheitszustand, Blutgruppe, genetische Disposition, Lebensführung, Lebensqualität, Lebensaussichten etc. des Patienten

18 Abhängigkeit ethischer von faktischen/medizinischen Kriterien Generell: wenn minimale medizinische Unterschiede zwischen Patienten zur Grundlage der Organverteilung gemacht werden, dann werden die ethischen Ansprüche, die bei allen Patienten gleich sind, ignoriert. Das Recht aller Patienten auf Lebensschutz kann mit einer medizinisch oder sozial beschriebenen Ungleichheit der Patienten nicht aufgehoben werden ! Aber: Faktische Voraussetzungen können auch entscheiden, ob normative Ansprüche relevant sind oder nicht es wäre lebensgefährlich, eine Gleichheit der Ansprüche von Patienten zu vertreten, die die medizinischen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transplantation nicht erfüllen (z.B. Blutgruppe, Gewebeverträglichkeit etc.) die Gruppe der Patienten, die auf ein Spenderorgan hoffen, verkleinert sich so

19 Ein Lösungsvorschlag WAS TUN ? Lotterie, die die Gleichheit der normativen Ansprüche simuliert Die Patienten und Patientinnen einer kleinen Gruppe sind durch Kugeln in jeweils unterschiedlichen Farben vertreten Aus der Punktezahl (z.B. Praxis bei Eurotransplant) des jeweiligen Patienten ergibt sich die Menge seiner Kugeln Nach Duchmischung der Kugeln könnten ebenso viele Kugeln gezogen werden wie Patienten an der Lotterie teilnehmen Die- oder derjenige mit den meisten Kugeln würde das Organ erhalten Annahme: die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transplantation sind bei einer Gruppe von Patienten erfolgt. Aber: die ethische Gleichheit der Ansprüche bleibt dennoch bei allen Patienten gleich !


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