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Institut für Politikwissenschaft 28.12.2004Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 1 Parteien und Parteiensysteme.

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Präsentation zum Thema: "Institut für Politikwissenschaft 28.12.2004Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 1 Parteien und Parteiensysteme."—  Präsentation transkript:

1 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 1 Parteien und Parteiensysteme Vorlesung

2 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 2 Gliederung: - Basis- und Überblicksliteratur - Leitthesen - Kapitel 1: Einordnung - Kapitel 2: Parteiensysteme - Kapitel 3: Innensichten der Parteien - Kapitel 4: Parteien im politischen System - Kapitel 5: Parteien auf komplexen Wählermärkten - Kapitel 6: Reformanstrengungen der Parteien

3 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 3 Alemann, Ulrich von: Das Parteiensystem in der Bundesrepublik Deutschland, Opladen Beyme, Klaus von: Parteien im Wandel. Von den Volksparteien zu den professionalisierten Wählerparteien, Opladen Dittberner, Jürgen: Sind die Parteien noch zu retten? Die deutschen Parteien: Entwicklungen, Defizite, Reformmodelle, Berlin Duverger, Maurice: Die politischen Parteien, Tübingen Basis- und Überblicksliteratur (weitere Literaturhinweise am Ende der jeweiligen Themenblöcke der Vorlesung)

4 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 4 Gabriel, Oscar W. u.a. (Hrsg.): Parteiendemokratie in Deutschland, 2. Aufl. Bonn 2001 Glaab, Manuela (Hrsg.): Impulse für eine neue Parteiendemokratie, München Katz, Richard S./Mair, Peter (Hrsg.): Party Organizations: A Data Handbook on Party Organizations in Western Democracies, , London Kießling, Andreas: Politische Kultur und Parteien im vereinten Deutschland, München Kirchheimer, Otto: Der Wandel der westeuropäischen Parteien, in: PVS, H.6, 1965, S Basis- und Überblicksliteratur (weitere Literaturhinweise am Ende der jeweiligen Themenblöcke der Vorlesung)

5 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 5 Korte, Karl-Rudolf: Wahlen in der Bundesrepublik Deutschland, 4. Aufl. Bonn Korte, Karl-Rudolf/Fröhlich, Manuel: Politik und Regieren in Deutschland, Paderborn u.a (UTB-Buch erscheint im Juni). Lipset, Seymour Martin/Stein, Rokkan: Cleavage Structures, Party Systems and voter Alignments: An Introduction, in: Dies. (Hrsg.), Party Systems and Voter Alignments, New York, No , S Mair, Peter u.a.(Hrsg.): Parteien auf komplexen Wählermärkten. Reaktionsstrategien politischer Parteien in Westeuropa, Wien Basis- und Überblicksliteratur (weitere Literaturhinweise am Ende der jeweiligen Themenblöcke der Vorlesung)

6 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 6 Michels, Robert: Zur Soziologie des Parteiwesens in der Demokratie, Stuttgart Mintzel, Alf: Die Volkspartei. Typus und Wirklichkeit, Opladen Niclauß, Karlheinz: Das Parteiensystem der Bundesrepublik Deutschland, 2. Aufl. Paderborn Nohlen, Dieter: Wahlrecht und Parteiensystem, 3. Aufl. Opladen Panebianco, Angelo: Political Parties. Organization and Power, Cambridge Basis- und Überblicksliteratur (weitere Literaturhinweise am Ende der jeweiligen Themenblöcke der Vorlesung)

7 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 7 Poguntke, Thomas: Parteiorganisation im Wandel. Gesellschaftliche Verankerung und organisatorische Anpassung im europäischen Vergleich, Opladen Sartori, Giovanni: Parties and Party Systems, Cambridge Walter, Franz/Dürr, Tobias: Die Heimatlosigkeit der Macht. Wie die Politik in Deutschland ihren Boden verlor, Berlin Wiesendahl, Elmar: Parteien in Perspektive, Opladen Basis- und Überblicksliteratur (weitere Literaturhinweise am Ende der jeweiligen Themenblöcke der Vorlesung)

8 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 8 Leitthese Kapitel 1: Einordnung Parteien sind professionelle Machterwerbs- organisationen und Problemlösungsagenturen. Macht- und Sachfragen sind untrennbar miteinander verflochten. Volksparteien sind die fortschrittlichste Organisationsform politischer Willensbildung in einer Demokratie.

9 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 9 Leitthese Kapitel 2: Parteisysteme Parteisysteme spiegeln in freiheitlichen Demokratien gesellschaftliche Grundkonflikte wider. Erfolgreich ist diejenige Partei, die die Kraft besitzt, einem gesellschaftlich bedeutenden Konflikt politisch Ausdruck zu verleihen.

10 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 10 Leitthese Kapitel 3: Innenansichten der Parteien Parteien sind lose verkoppelte Anarchien. Ein filigranes Machtmobile erfordert von den Parteifunktionären tägliche Integrations- leistung und Mehrheitsbildung.

11 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 11 Leitthese Kapitel 4: Parteien im politischen System Die Bundesrepublik Deutschland ist eine Parteiendemokratie. Für die demokratische Willensbildung sind Parteien unverzichtbar, für den Wahlakt unersetzbar, für die Regierungspraxis essentiell.

12 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 12 Leitthese Kapitel 5: Parteien auf komplexen Wählermärkten I Parteien orientieren sich professionell am Marktgeschehen. In der Mediendemokratie haben sich ihre Strukturen präsidentialisiert. Parteien sind durch die Marktorientierung extrem gegenwartsfixiert. Ihre Zukunftsfähigkeit leidet darunter.

13 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 13 Leitthese Kapitel 5: Parteien auf komplexen Wählermärkten II Die Einstellung der Bevölkerung gegenüber den Parteien hat sich zeitgleich dramatisch verschlechtert. Der Repräsentationselite begegnen viele häufig mit offener Verachtung. Ein Missverhältnis zwischen allgemeinem Machtanspruch und der sozialen Basis breitet sich aus. Damit Demokratie nicht erstarrt, fordern viele das Monopol der Parteien aufzubrechen.

14 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 14 Leitthese Kapitel 6: Reformanstrengungen Die Parteien werden basislos und pflegebedürftig. Bei anhaltendem Trend sind sie langfristig nicht mehr kampagnenfähig. Die Reformüberlegungen tendieren in drei Richtungen: plebiszitär (Alle Macht dem Volke!), basisdemokratisch (Alle Macht den Mitgliedern!), elitär (Alle Macht den Funktionären!).

15 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 15 Kapitel 1 - Einordnung

16 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 16 Gliederung a) Parteienforschung b) Definition, Begriff: Partei und Parteiensysteme c) Klassifizierung d) Entstehung/Genese e) Einbindung in Verfassungs- und Rechtssystem f) Funktionen g) Entwicklungstypologie (Volkspartei) h) Parteienstaat - Parteiendemokratie i) Spezial-Literatur Kapitel 1

17 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 17 a) Parteienforschung Zentrales Forschungsfeld der Polikwissenschaft Empirische Parteienforschung: - Partei als Organisation (Institutionalismus; Parteitypus; Programmatik); - Partei in der Regierungsverantwortung (Regierungsforschung/Steuern/Führen); - Partei im Elektorat (Wahlforschung/Beziehung zur Gesellschaft)

18 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 18 b) Definition: Partei und Parteiensysteme Partei: Dauerhafte Vereinigung von Bürgern, die bestrebt sind, auf dem Weg über Wahlen Einfluss zu nehmen. Hingegen: Parteien s y s t e m forschung Richtet Aufmerksamkeit auf die Gesamtheit der Parteien in einem System (Struktur, Entwicklung,Beziehungen)

19 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 19 Begriff Parteisystem: Gesamtheit der in einem politischen System agierenden Parteien und Struktur ihrer wechselseitigen Beziehungen Quelle:

20 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 20 c) Klassifizierung Parteientypen KlassifikationsmerkmalParteitypen Struktur der Mitglieder und WählerInteressenpartei, Klassenpartei Volkspartei Soziale Herkunft der WählerArbeiterpartei, Bauernpartei Mittelstandspartei OrganisationsstrukturHonoratiorenpartei, Kaderpartei, Massenpartei, Kartellpartei Gesellschaftliche ZieleWählermaximierung., Ämtermaximierung-, Policy orientierte Partei Politisch-ideologischerechtsextreme, konservative, christliche, liberale, grüne, sozialistische, sozialdemokratische, kommunistische Parteien EinzugsbereichVolks- und Interessenpartei Stellung zum politischen SystemSystemkonforme (z.B. SPD, CDU) und Systemfeindliche Parteien (z.B. NPD, KPD) Grad der InstitutionalisierungEtablierte und nichtetablierte Parteien HerrschaftsanspruchDemokratische, autoritäre und totalitäre bzw. Staats- und Einheitsparteien

21 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 21 d) Entstehung/Genese Das moderne Parteiwesen hat sich parallel zur Demokratisierung und zur Parlamentarisierung (Ausbildung des Wahlrechts) entwickelt. 19. Jahrhundert: Clubs, Komitees, Faktionen, Honoratiorenparteien Erweiterung des Wahlrechts/Partizipation: erste Massenparteien mit Unterstützung intermediärer Organisationen (z.B. SPD, Zentrum im Kaiserreich).

22 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 22 Entstehung/Genese Typus des Berufspolitikers Modernisierungsprozesse: Pluralisierung von Lebensstilen; Säkularisierung; Dienstleistungsgesellschaften Volkspartei Von der Ideologie zum Markt seit den 50er Jahren: von der Weltanschauungspartei zur wählerorientierten Konkurrenzpartei.

23 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 23 Die Parteien haben eine herausgehobene Stellung im Art. 21 GG Für die demokratische Willensbildung sind die Parteien unverzichtbar, für den Wahlakt unersetzbar, für die Regierungspraxis essentiell. Parteienprivileg! e) Einbindung in Verfassungs- und Rechtssystem

24 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 24 Artikel 21 [Parteien] (1) Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit. Ihre Gründung ist frei. Ihre innere Ordnung muss demokratischen Grundsätzen entsprechen. Sie müssen über die Herkunft und Verwendung ihrer Mittel sowie über ihr Vermögen öffentlich Rechenschaft ablegen. (2) Parteien, die nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer Anhänger darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden, sind verfassungswidrig. Über die Frage der Verfassungswidrigkeit entscheidet das Bundesverfassungsgericht. (3) Das Nähere regeln Bundesgesetze. Einbindung in Verfassungs- und Rechtssystem

25 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 25 In Art. 2 Abs. 1 des Parteiengesetzes heißt es: "Parteien sind Vereinigungen von Bürgern, die dauernd oder für längere Zeit für den Bereich des Bundes oder eines Landes auf die politische Willensbildung Einfluß nehmen und an der Vertretung des Volkes im Deutschen Bundestag oder einem Landtag mitwirken wollen, wenn sie nach dem Gesamtbild der tatsächlichen Verhältnisse, insbesondere nach Umfang und Festigkeit ihrer Organisation, nach der Zahl ihrer Mitglieder und nach ihrem Hervortreten in der Öffentlichkeit, eine ausreichende Gewähr für die Ernsthaftigkeit dieser Zielsetzung bieten. Mitglieder einer Partei können nur natürliche Personen sein." Einbindung in Verfassungs- und Rechtssystem

26 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 26 FunktionErläuterung PersonalstrukturAuswahl der Personen zur Besetzung politischer Ämter (Übernahme politischer Verantwortung) InteressenselektionAuswahl von VermittlungsagenturenInteressen zwischen Interessen-gesellschaftlichem und vertretung Interessen-Zusammenfassungpolitischem System aggregationbzw. Bündelung von Interessen Interessen-Äußerung von artikulationInteressen und Einspeisung in das politische System ProgrammfunktionIntegration verschiedener Interessen zu einem Gesamtprogramm PartizipationBereitstellung konventioneller Verbindungen zwischen Bürgern und politischem System; Kommunikation und Verbesserung der Informationsflüsse zwischen Bürger und Staat Legitimation und IntegrationVerankerung der politischen Ordnung im Bewusstsein der Bürger und der gesellschaftlichen Kräfte Quelle: Schreyer/Schwarzmeier: Grundkurs Politikwissenschaft, Wiesbaden 2000, S f) Funktionen

27 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 27 Fast man die politikwissenschaftliche Literatur zum Funktionskatalog von politischen Parteien zusammen, ergeben sich folgende Aufgaben: Personalrekrutierung: Parteien wählen Personen aus und präsentieren sie bei Wahlen zur Besetzung politischer Ämter. Interessenartikulation: Parteien formulieren öffentliche Erwartungen und Forderungen gesellschaftlicher Gruppen und Kräfte an das politische System. Programmfunktion: Parteien integrieren unterschiedliche Interessen in eine Gesamtvorstellung von Politik, in ein politisches Programm, für das sie um Zustimmung und um Mehrheit werben. Partizipationsfunktion: Parteien stellen eine Verbindung her zwischen Bürgern und politischem System; sie ermöglichen politische Beteiligung von einzelnen und Gruppen mit Aussicht auf Erfolg. Legitimationsfunktion: Indem Parteien die Verbindung herstellen zwischen Bürgern, gesellschaftlichen Gruppen und dem politischen System, tragen sie zur Verankerung der politischen Ordnung im Bewußtsein der Bürger und bei den gesellschaftlichen Kräften bei." (Sutor 1994, S. 146) Quelle: Funktion von Parteien im Einzelnen

28 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 28 Funktionen: Harmel/Janda Vote-seeking: Streben nach Wählerstimmen -Office-seeking: Streben nach politischen Ämtern -Policy-seeking: Streben nach Umsetzung der Programmatik in Problemlösungen -Democracy-seeking: Streben nach hoher Mitgliederbeteiligung, Optimierung der innerparteilichen Demokratie

29 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 29 g) Entwicklungstypologie Merkmale des Volksparteienkonzeptes Funktionale Kriterien Volkspartei- konzept Strukturelle Merkmale entideologiertes Programm Weitere Begriffe: Demokratische Struktur des Parteiensystems Interner Ausgleich Verschiedener Interessenlagen Soziale Heterogenität der Wählerschaft Stimmungsmaximierungs- prinzip catch-all-party Oder Allerweltsparteien (Kirchheimer) multi-policy-party (Downs) starker Parteiapparat und starke Parteiführung differenzierte Organisation untergeordnete Rolle des einzelnen Mitglieds

30 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 30 h) Parteienstaat - Parteiendemokratie Parteienstaat (Gerhard Leibholz 1967): Eine rationalisierte Erscheinungsform der plebiszitären Demokratie im modernen Flächenstaat; Parlament mit gebundenen Parteibeauftragten! Parteiendemokratie: Parteien spielen eine bedeutende Rolle für die pol. Willensbildung und Entscheidungsfindung (Repräsentation).

31 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 31 Parteienstaat - Parteiendemokratie Repräsentation: Das Sichtvergegenwärtigen von Nichtgegenwärtigem (Pitkin ) Gleichzeitig: ein Prinzip/Technik zur Ausübung von Macht, wobei die Ausübung der politischen Macht auf die Zustimmung der Regierten zu gründen ist. Bedingung: Mandatsträger müssen im voraus Auftrag und Vollmacht erhalten.

32 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 32 i) Spezial-Literatur zu Kapitel 1 Alle einführenden Werke! Speziell: Robert Harmel/Kenneth Janda: An integrated theory of party goals and party change, in: Journal of Theoretical politics 1994, No. 6, S

33 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 33 Kapitel 2 - Parteiensysteme

34 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 34 Gliederung a) Begriff und Typologien (institutionelle und soziokulturelle Veränderungen) b) Wandel/Phasen des deutschen Parteiensystems c) Spezial-Literatur zu Kapitel 2

35 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 35 a) Begriff und Typologien (institutionelle und soziokulturelle Veränderungen) Wie entstehen Parteisysteme? Wie lassen sich Parteisysteme erklären? - Institutionelle Erklärungsmuster (quantitativ) - Soziokulturelle Erklärungsmuster (qualitativ/cleavage)

36 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 36 Gesamtheit der in einem politischen System agierenden Parteien und Struktur ihrer wechselseitigen Beziehungen. Beim institutionellen Erklärungsansatz sind untersuchbar: a. Zahl der Parteien b.Größenverhältnisse c. ideologische Entfernungsbeziehung d. Interaktionsmuster e. Beziehung zur Gesellschaft f. Stellung zum politischen System Wie kommt es zur Vielfalt von Parteiensystemen? Wie ist erklärbar, daß es überall sogenannte linke bzw. rechte Parteien gibt? Parteisystem Definition

37 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 37 Institutionelle Erklärungen Die ältere Parteienforschung (institutionalistisch) erklärte relativ mechanisch die Formierung von Parteiensystemen mit der Wirkung von Wahlsystemen. Dies ist jedoch als monokausale Aussage äußert fragwürdig. Denn auch ein relatives Mehrheitswahlrecht verhindert beispielsweise nicht immer die Fragmentierung des Parteiensystems, wie Kanada zeigt. Ebenso können auch Verhältniswahlsysteme durchaus zu überschaubaren Parteiensystemen (2 Lager) wie in Deutschland führen.

38 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 38 Zwei Typologien sollen vorgestellt werden: a.Giovanni Sartori: Parties and Party Systems, Cambridge 1976 b. Klaus von Beyme: Parteien in westlichen Demokratien, München 1984 Anders als bei Duverger ("Le partis politique" Paris 1951) oder Hermens, die institutionelle, numerische Variablen in den Mittelpunkt rückten, fragte Sartori nach den Prozessen der Regierungsbildung. Parteisysteme formieren sich danach durch spezifische Prozesse der Regierungsbildung. In drei Richtungen wirkt sich das aus: 1. Fragmentierung Je mehr Parteien in seinem System, desto fragmentierter ist das politische System. 2. Polarisierung Wie weit unterscheiden sich die Parteien von einer gedachten Mitte? 3. Innere Dynamik Wie weit bewegen sich die Parteien auf die Mitte zu bzw. von der Mitte weg? Typologien von Parteisystemen Quelle: lerneinheit1/le365st4362.htm

39 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 39 Klaus von Beyme differenziert in Anlehnung an Sartori folgendermaßen seine Parteiensystem-Typologie: 1. Zweiparteiensysteme mit alternierender Regierung (USA) 2. Gemäßigter Pluralismus - mit alternierenden Flügelparteien möglichst ohne Koalition (Großbritannien) - alternierende Flügelparteien mit dauerhaftem Koalitionspartner (Bundesrepublik Deutschland) - gemäßigter Pluralismus mit Koalitionen der Mitte oder großen Koalitionen (Österreich bis Ende 1999, Schweiz) 3. Polarisierter Pluralismus - mit Fundamentalopposition, die die Mitte zerreibt (Weimarer Republik) - Abschwächende zentrifugale Wirkungen der Fundamentalopposition (Israel, Italien) 4. System einer hegemonialen Partei im polarisierten Pluralismus (Japan) Typologien von Parteisystemen Quelle: lerneinheit1/le365st4362.htm

40 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 40 Parteiensystem/ Polarisierungs- Dynamik Fragmentierung grad Zweiparteiensystem null zentripetal Mehrparteiensystem gering zentripetal Vielparteiensystem stark zentrifugal Nohlen, Dieter: Wahlrecht und Parteiensystem. 3. Aufl., 2000, S. 66 Parteiensystem/Fragmentierung

41 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 41 Ein gemäßigt bipolares Parteiensystem Deutschland:

42 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 42 Die Parteien in den USA sind in vielerlei Hinsicht absolut unterschiedlich im Vergleich zu den europäischen Parteien. Drei Bedeutungen: a.Wählerkoalition (party in the electorate) b.Party in congress c.Party as organization Besonderheiten: Zweiparteiensystem: Republikaner - Demokraten; (Herrschaftsbestellungsfunktion und relatives Mehrheitswahlrecht); Patronageparteien (von Beginn an praktisches Verhaltensmuster zur Besetzung aller Staatsämter), locker organisierte Interessenverbände, Wahlkartelle; Für konfessionelle Weltanschauungsparteien nach europäischem Muster war ebensowenig wie für ideologisch-doktrinäre Gruppierungen Raum in einem Gemeinwesen, das zwischen Kirche und Staat strikt trennte und dem der politische und wirtschaftliche Liberalismus als selbstverständlich-naturgewolltes Prinzip des öffentlichen Lebens galt. Ebensowenig konnten sich Klassenparteien auf Dauer in einem gesellschaftlichen Umfeld behaupten, das ständische Strukturen überwunden hatte, die Chance der Startgleichheit für jedermann postulierte und durch die offene Grenze im Westen Ausweichmöglichkeiten für den bot, der mit seinen Lebensbedingungen unzufrieden war. Parteien in den USA Quelle:

43 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 43 Besondere Funktionen: Plattform für Wahlkämpfe Bindeglied zwischen den Regierungsteilen (Kongreß ist nach Parteikriterien organisiert) Stärken und Schwächen: auf Bundesebene zersplittert; Regierungssystem ist auf Machtteilung aus; Parteien zentralisieren jedoch die Macht; Vorwahl-System hat Handlungsspielraum extrem eingeschränkt. Parteien in den USA Quelle:

44 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 44 Parteien in Großbritannien Grundsätze der Staatsordnung Das Westminster-Modell Das Westminster-Modell (Beispiel für autoritatives parlamentarisches Regierungssystem) Typus: repräsentative Demokratie Kombination aus - parlamentarischem Regierungssystem - und relativem Mehrheitswahlsystem Nach Lijphart lassen idealtypisch folgende Kriterien für das Westminister Modell aufstellen: - ungeschriebene Verfassung; - Parlamentssouveränität; - Ein-Parteienregierung (im Wechsel!) auf Grundlage knapper Mehrheiten; - Zweiparteiensystem; - Machtfusion von Exekutive und Parlamentsmehrheit; - Abwählbarkeit der Regierung durch das Parlament; - asymmetrisches Zweikammer-System; - eindimensionales Parteiensystem mit dominanter Konfliktlinie; - relative Mehrheit in Einerwahlkreisen; - zentralistische Staatsorganisation; - strikt repräsentativdemokratische Verfassung Abweichungen von diesem Modell lassen in vielfacher Hinsicht heute in Großbritannien nachweisen. Besonders durch das Devolution Projekt und den Regierungsstil von Blair ist die ursprüngliche Ausprägung des Modells relativiert worden. Quelle:

45 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 45 Parteien sind Ausdruck sozialstruktureller Konfliktlagen (cleavages). Aus der unterschiedlichen Mischung dieser Konfliktlagen lassen sich Parteisysteme erklären. Soziokulturelle Erklärungsmuster

46 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 46 Trotz aller wahlrechtlichen und institutionellen Unterschiede in den verschiedenen Ländern finden sich in nahezu allen Parteiensystemen christdemokratische, sozialistische oder sozialdemokratische, liberale und neuerdings auch grüne Parteien mit jeweils eigener Wählerschaft. Seymour M. Lipset und Stein Rokkan entwickelten in ihrer über ein Dutzend Länder berücksichtigenden Untersuchung in den sechziger Jahren ein zweistufiges Modell, mit dessen Hilfe sich die Ausprägungen und auch Veränderungen von Parteiensystemen in ihren Grundzügen erklären lassen. Quelle: Erklärungsansätze zur Entwicklung von Parteisystemen

47 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 47 Demnach hängt die Herausbildung der westeuropäischen Parteiensysteme eng mit dem Demokratisierungsprozeß im 19. und 20. Jahrhundert zusammen. Die verschiedenen Länder durchliefen hierbei eine vergleichbare Entwicklung. Idealtypisch betrachtet waren jeweils vier grundlegende Probleme zu bewältigen: erstens das Verhältnis von Zentrum und Peripherie im Zuge der nationalen Staatengründung sowie zweitens der Konflikt zwischen Kirche und weltlicher Macht um die politische und kulturelle Vorherrschaft im neuen Staat, drittens die im Zuge der beginnenden Industrialisierung auseinanderstrebenden Interessen von ländlich-agrarischen und städtisch- handwerklichen Gebieten sowie schließlich viertens die Auseinandersetzungen zwischen Kapital und Arbeit. Quelle: Erklärungsansätze zur Entwicklung von Parteisystemen

48 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 48 Wie und warum entstehen Parteien? Lipset/Rokkan: Für die Entstehung und Veränderung der europäischen Parteiensysteme waren soziale Spannungslinien von großer Bedeutung. Vier grundlegende Konfliktlinien Cleavages verantwortlich: 1.Zentrum/Peripherie 2.Staat/Kirche 3.Stadt/Land 4.Kapital/Arbeit eingefrorene Konfliktlinien ?! Immer verteilungspolitische (Arbeit) Konflikte und wertbezogene (Kultur) Cleavage

49 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 49 Quelle: Konfliktlinien

50 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 50 Quelle:

51 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 51 In all diesen Fällen koalierten politische Eliten mit den betroffenen und politisierten Bevölkerungsgruppen, um die entsprechenden Interessen mit Nachdruck vertreten zu können. Diese zunächst loseren Verbindungen entwickelten sich zu stabilen Parteiorganisationen und verankerten so die genannten Konfliktlinien ("cleavages") dauerhaft in den nationalen westeuropäischen Parteiensystemen. Liberale, christdemokratische und auch sozialistische Parteien gehen in ihren Wurzeln auf diese tiefgreifenden Auseinandersetzungen zurück. Quelle: Erklärungsansätze zur Entwicklung von Parteisystemen

52 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 52 Außerdem systematisierten Lipset und Rokkan die Voraussetzungen, unter denen sich neue Gruppen - wie etwa die in den achtziger Jahren aufkommenden ökologischen Parteien - in bestehenden Parteiensystem behaupten können. Ihr Erfolg ist grundsätzlich von vier Faktoren abhängig. Quelle: Erklärungsansätze zur Entwicklung von Parteisystemen

53 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 53 Vier Schwellen: Legitimationsschwelle Integrationsschwelle Repräsentationsschwelle Mehrheitsschwelle So stellt sich erstens die Frage nach der Legitimität des neuen Protestes und zweitens die nach den politischen Rechten und Möglichkeiten ihrer Träger. Beide Hürden stellen heute zumindest in den westlichen Demokratien für neue Parteien keine besonderen Hindernisse mehr dar. Drittens bleibt zu untersuchen, ob vorhandene Parteien den neuen Protest möglicherweise ihrerseits aufgreifen können und viertens gilt es, das Beharrungsvermögen der etablierten Strukturen in Rechnung zu stellen. Lipset und Rokkan haben mit diesem Ansatz ein Modell entwickelt, das dem Handeln politischer Eliten - ihren Fähigkeiten, politische Projekte zu formulieren und sich dafür dauerhafte Unterstützung von Seiten der Wählerschaft zu sichern - sowie auch der Bereitschaft der Bevölkerung zur aktiven politischen Teilnahme und Auseinandersetzung für die Ausprägung und Veränderung von Parteiensystemen einen hohen Stellenwert beimißt. Quelle: Erklärungsansätze zur Entwicklung von Parteisystemen

54 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 54 Dominant sind noch immer der Klassenkonflikt sowie der konfessionelle Konflikt, wie Beispiele aus den EU-Staaten deutlich zeigen. Fraglich bleibt, ob auch ein sogenanntes Postmaterialismus Cleavages seit den 80er Jahren hinzugekommen ist. Mit dem Postmaterialismus-Cleavages wird die Veränderung der Parteienlandschaft seit den 70er Jahren durch kulturelle Erklärungsmuster versucht zu interpretieren. Ronald Inglehart arbeitete die Bedeutung von kulturellen Konflikten, den Wertekonflikten, heraus. Konflikte sind demnach nicht sozialstrukturelle oder Interessenkonflikte, sondern kulturelle Konflikte zwischen Postmaterialisten (Erfüllung sozialer Bedürfnisse; Zugehörigkeit, Achtung, Selbstverwirklichung) und Materialisten (Pflicht- und Akzeptanzwerte, Sicherheitsbedürfnis). Quelle: Erklärungsansätze zur Entwicklung von Parteisystemen

55 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 55 Neue Cleavages durch Wertewandel? Ronald Inglehart: The Silent Revolution 1977 Neues cleavage: Postmaterialismus gegen Materialismus Postmaterialismus: Erfüllung sozialer, nicht materieller Bedürfnisse Neues Cleavage?? Eher auch ein Ergebnis von ökonomischen Verteilungskämpfen (neue Berufsgruppen, Dienstleistungsgesellschaft etc.) ??

56 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 56 b) Wandel/Phasen des deutschen Parteiensystems -Kontinuität und Neubeginn : 12 Parteien im Bundestag! -Konzentration : Aufsaugen kleinerer Parteien durch die Union, Anwachsen der SPD -Stabiles Zweieinhalb-Parteiensystem : CDU/CSU, FDP, SPD; nur noch zwei Konfliktdimensionen abgebildet; Volksparteien:Mitte-Orientiertheit; Koalitionswechsel FDP

57 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 57 b) Wandel/Phasen des deutschen Parteiensystems Zwei-Parteigruppen-System (seit 1983) und Regionalsystem Ost (ab 1990): Einzug der Grünen; Schwächung der etablierten Volksparteien; neue Konfliktlinien?; neue Koalitionsoptionen; Transformation des Parteiensystems West auf Ost mit einer Ausnahme: PDS

58 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 58 Gemäßigt bipolares Parteiensystem große Pole von Volksparteien CDU/CSU und SPD : Drift zur Mitte Seit 1983 Einzug der Grünen in Bundestag: Zwei-Parteigruppen-System (Zwei Blöcke- System) Union/FDP vs. SPD/Grüne Entwicklung des bundesdeutschen Parteiensystems I

59 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 59 Seit 1990: Zwei-Parteigruppen-System erhalten geblieben zusätzlich: regionales Dreiparteiensystem in neuen Bundesländern (PDS) aber: Parteienwettbewerb ist in neuen Bundesländern anders strukturiert (Wählerbindung, cleavages) Entwicklung des bundesdeutschen Parteiensystems II

60 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 60 Die 50er Jahre Dominanz einer Partei: CDU/CSU CDU/ CSU SPD FDP Die Liberalen überleben als Kleiner Koalitionspartner Die SPD bleibt im 30% - Turm Kleinere Parteien verschwinden oder fusionieren mit den Großen Merkmal: Konzeptionelle Stetigkeit & politische Stabilität Die 60er/70er/80er Jahre Symmetrisches Drei-Parteiensystem: Ungefähres Gleichgewicht der großen Parteien – Folge: politischer Zentrismus Die FDP ist zu beiden Seiten koalitionsfähig und Entscheidet über die Regierungszusammensetzung CDU/ CSU SPD FDP Die 90er Jahre bis heute: Asymmetrisches (Fünf-)Parteiensystem: Keine Mehrheit garantiert Die Wahlentscheidung garantiert nicht die gewünschte Regierungsbildung SPD CDU/ CSU FDP B90/ Grüne PDS Die SPD ist multi-koalitionsfähig PDS und Grüne haben nur eine Option FDP und CDU/CSU haben zwei Optionen

61 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 61 Konsequenzen der Asymmetrie: Regierungsfähige parlamentarische Mehrheiten werden schwieriger zu beschaffen sein. Mehrheitsbildung ist vom Wähler schlechter zu steuern. (Koalitionsaussage/Regierungswahlen?) Quelle: Entwicklung des Bundesdeutschen Parteiensystems

62 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 62 c) Spezialliteratur zu Kapitel 2 Eith, Ulrich/Gerd Mielke (Hrsg.): Gesellschaftliche Konflikte und Parteiensysteme, Wiesbaden Kielmansegg, Peter Graf: Mehrheiten sind nie mehr garantiert, in: FAZ v Nohlen, Dieter: Wahlrecht und Parteiensystem,3. Aufl. Opladen 2000.

63 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 63 Kapitel 3 - Innenansichten der Parteien

64 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 64 Gliederung: a.Organisation b.Mitglieder c.Innerparteiliche Demokratie/Partizipation d.Machtgefüge e.Finanzierung f.Spezial-Literatur zu Kapitel 3

65 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 65 Parteien als Organisationen Ihre innere Ordnung muss demokratischen Grundsätzen entsprechen. (GG Art.21) Parteiengesetz §§ 6 bis 16: Vertikaler Aufbau Funktionaler Aufbau Regionaler Aufbau Grundrechte der Mitglieder a. Organisation

66 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 66 Externe Bedingungen: Transparenz Kandidatenaufstellung a. Organisation

67 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 67 Ortsebene Kreisebene Landesebene Bundesebene Pötzsch, Horst: Die Deutsche Demokratie, Bonn S. 38 Vierstufiger Aufbau der Parteien:

68 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte Unterbezirke und Kreisverbände Unterbezirks- parteitag (Eigene Darstellung: Quelle: menu/ /index.html) SPD: Organisationsstruktur Präsidium Parteivorstand Kontroll- kommission Bundesschieds- kommission PV wählt das Präsidium aus seiner Mitte Bundesparteitag Parteirat wählt Parteirat muss vor wichtigen Beschlüssen des Parteivorstandes gehört werden entsenden VertreterInnen entsenden 480 Delegierte entsendet Delegierte Rund Ortsvereine Mitglieder- versammlung entsendet Delegierte Rund SPD - Mitglieder 20 Bezirks und Landesverbände Bezirks-/ Landesparteitag kontrolliert

69 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 69 Bündnis 90/Die Grünen: Parteiaufbau Quelle:http://www.gruene-partei.de/rsvgn/rs_rubrik/0,,767,00.htm Bundesversammlung (Bundesdelegiertenkonferenz) Parteirat Länderrat Bundesfrauenrat Bundesarbeitsge- meinschaften Bundesfinanzrat Bundesvor- stand Bundesschieds- gerichts Bundesrechnungs- prüferInnen Landesverbände / Mitgliederversammlungen Kreis- und Ortsverbände / Mitgliederversammlung wählt 750 Delegierte/ gewählt durch die Kreisverbände Delegierte aus den Landtagsfraktionen, Bundestagsfraktion, Europaparlament und Bundesarbeitsge- meinschaften Entsendet Delegierte Entsendet Delegierte Landesarbeits- gemeinschaften wählt berät Mitglieder wählt

70 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 70 CDU: Organisationsstruktur (Eigene Darstellung; *Zahl aus dem Jahr 2003/Quelle: Bundesparteitag Bundesausschuß BundesvorstandPräsidium Parteigericht Bund/Land/Kreis Landesparteitage 17 LandesverbändeLandesvorstände Kreisparteitage 732 KreisverbändeKreisvorstände ca Stadt-/Gemeindeverbände, Stadtbezirks- u. Ortsverbände Rund CDU Mitglieder* Bundesgeschäftsstelle

71 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 71 Festgefügte dauerhafte Organisationsform; Aufbau eines organisatorischen Apparates: Ziel oder Zweck? Robert Michels Soziologie des Parteiwesens 1911 ehernes Gesetz der Oligarchie (kleine Gruppe übt Herrschaft aus) Trennung von Parteiführung und Parteimitgliedern Parteien als Organisationen in der Parteiensoziologie

72 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 72 Moisei Ostrogorski Democracy and the Organiszation of Political Parties 1902; Parteiorganisationen denken nur an den eigenen Nutzen: Gemeinwohl wird zu wenig beachtet. Auswege: Neue soziale Bewegungen, Bürgerinitiativen, Ausserparlamentarische Opposition, plebiszitäre Ergänzungen, primaries ?? Ergänzungen zu diesen Fragen werden beim Unterkapitel Machtgefüge erneut aufgegriffen! Parteien als Organisationen in der Parteien-soziologie

73 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 73 Größe des Apparates besagt nichts über den machtpolitischen Einfluss! SPD unter Müntefering mit neuem Bundesgeschäftsführer Rollenverteilung: Vorsitzender, Bundesgeschäftsführer, Generalsekretär Der Parteiapparat:

74 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 74 Niclauß, Karlheinz: Das Parteiensystem der Bundesrepublik Deutschland., 2. Aufl., Paderborn u.a., S CDU Parteiapparat

75 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 75 Parteivorsitzende/r Stellv.Vorsitzende/r GeneralsekretärIn SchatzmeisterIn Revision IRevision II Bundesgeschäfts- führerIn Planungsstab Abteilung I Parteileben/ Parteiorganisation Abteilung II Zielgruppen Abteilung III Internationale Politik Abteilung IV Kommunikation Abteilung V Presse/ Interne Medien Abteilung VI Finanzen/ Vermögens- Verwaltung SPD Parteiapparat Eigene Darstellung

76 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 76 Rund 4 Prozent der Wahlberechtigten sind Mitglied in einer Partei in Deutschland. Nicht repräsentativ: Altersaufbau Verteilung Frauen und Männer Berufsgruppen Bildungsgrad Aderlass Nachwuchskrise und Überalterung b. Mitglieder

77 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 77

78 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 78 Pötzsch, Horst: Die Deutsche Demokratie, Bonn S. 39

79 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 79 Wiesendahl, Elmar: Parteiendemokratie in der Krise? Das Ende der Mitgliederparteien. In: Manuela Glaab (Hrsg.): Impulse für eine neue Parteiendemokratie : Analysen zu Krise und Reform, München S

80 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 80 Wiesendahl, Elmar: Parteiendemokratie in der Krise? Das Ende der Mitgliederparteien. In: Manuela Glaab (Hrsg.): Impulse für eine neue Parteiendemokratie : Analysen zu Krise und Reform, München S

81 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 81 Wiesendahl, Elmar: Parteiendemokratie in der Krise? Das Ende der Mitgliederparteien. In: Manuela Glaab (Hrsg.): Impulse für eine neue Parteiendemokratie : Analysen zu Krise und Reform, München S

82 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 82 Wiesendahl, Elmar: Parteiendemokratie in der Krise? Das Ende der Mitgliederparteien. In: Manuela Glaab (Hrsg.): Impulse für eine neue Parteiendemokratie : Analysen zu Krise und Reform, München S

83 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 83 Wiesendahl, Elmar: Parteiendemokratie in der Krise? Das Ende der Mitgliederparteien. In: Manuela Glaab (Hrsg.): Impulse für eine neue Parteiendemokratie : Analysen zu Krise und Reform, München S

84 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 84 Wiesendahl, Elmar: Parteiendemokratie in der Krise? Das Ende der Mitgliederparteien. In: Manuela Glaab (Hrsg.): Impulse für eine neue Parteiendemokratie : Analysen zu Krise und Reform, München S

85 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 85 Niedermayer, Oskar: Parteimitgliedschaften im Jahre In: Zeitschrift für Parlamentsfragen (ZParl), Heft 2/2003, S. 283.

86 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 86 Niedermayer, Oskar: Parteimitgliedschaften im Jahre In: Zeitschrift für Parlamentsfragen (ZParl), Heft 2/2003, S. 286.

87 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 87 Niedermayer, Oskar: Parteimitgliedschaften im Jahre In: Zeitschrift für Parlamentsfragen (ZParl), Heft 2/2003, S. 287.

88 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 88 Niedermayer, Oskar: Parteimitgliedschaften im Jahre In: Zeitschrift für Parlamentsfragen (ZParl), Heft 2/2003, S. 288.

89 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 89 Niedermayer, Oskar: Parteimitgliedschaften im Jahre In: Zeitschrift für Parlamentsfragen (ZParl), Heft 2/2003, S. 288.

90 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 90

91 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 91

92 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 92 überalternde Parteimitglied- schaft unattraktiver Parteibeitritt schrumpfender Jungmitglieder- anteil ausbleibender Mitglieder- nachwuchs Der Teufelskreis des Parteimitgliederschwunds Wiesendahl, Elmar: Parteiendemokratie in der Krise? Das Ende der Mitgliederparteien. In: Manuela Glaab (Hrsg.): Impulse für eine neue Parteiendemokratie : Analysen zu Krise und Reform, München S

93 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 93 Fazit: Repräsentationslücke, entkoppelte Parteiendemokratie, basislos, gegenwartsfixiert, anfällig für Populismus Mitgliederpyramide: Einfaches Mitglied Ehrenamtlich Aktive Hauptamtlich Aktive Mandatsträger Vorfeldorganisationen Parteistiftungen

94 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 94 Begriff für Strukturen und Prozesse im Innern der Parteien Normativ zwei Ausrichtungen: Ökonomische Theorie der Demokratie: Effizienz und Flexibilität der Führungspersonen sind wichtig; Großorganisationen behindern das eher; Demokratie- und Effizienznorm O d e r c. Innerparteiliche Demokratie/ Partizipation

95 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 95 Pluralistische, komplexe Demokratietheorie: repräsentative, zugangsoffene und durch Wahlen legitimierte pluralistische innerparteilicheEliteherrschaft, bei der die Mitglieder weitgehend von der Politikformulierung ausgeschlossen sind. O d e r Basisdemokratisch: strikte Beteiligung der Basis an allen innerparteilichen Willensbildungsprozessen

96 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 96 Das fiktive Modell des Aktivbürgers! Mitgliederprofile/Motive/Typen (Dittberner 2004, S. 98ff): Die Erfahrung der ersten Mitgliederversammlung (Stimmungsbericht) Karrieristen Moralisten Vereinsmenschen Ewige Basisvertreter Realisten Zahler Öffentliche Mitglieder Schattenmitglieder

97 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 97 Hauptamtlich Aktive/Funktionäre Basisvorstände Empirische Befunde zu den Bindungsmotiven von Parteimitgliedern: (Niedermayer in: Gabriel 2001) Gemeint ist die Bindung der Mitglieder nicht der Kontext des Wählens!

98 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 98 Motive: Vielschichtig, mehrdimensional, Kombination; Bindungsmotive verändern sich im Verlauf der Mitgliedschaft; Dominanz normativer und politischer Bindungsmotive im Westen sowie einer geringeren Bedeutung affektiver Motive; materielle Motive bilden das Schlusslicht;

99 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 99 Im Osten dominieren eher weltanschaulich- ideologische Gründe (bei CDU/FDP); bei SPD und Gründen eher politisch-instrumentelle Motive; Langfristige Veränderungen der Motive: Verschiebung in Richtung politisch-instrumenteller Motive

100 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 100 Niedermayer 2001, S. 310: Die Sicht der Partei als politischer Lebensgemeinschaft, in der man sich gesinnungs- und gefühlsmäßig aufgehoben fühlt, verliert zu Gunsten einer instrumentellen Sicht der Partei als politischer Zweckorganisation an Bedeutung. Das hat Auswirkungen auf Partizipation und innerparteiliche Willensbildung! CDU als Familie SPD als Verein

101 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 101 Rekrutierung von Mitgliedern (vgl. Dittberner 2004S. 119ff): Die Ochsentour Die Quereinsteiger: Fakultative Quereinsteiger Regionale Quereinsteiger Parteipolitische Quereinsteiger Systemische Quereinsteiger Professionelle Quereinsteiger

102 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 102 Parteitage als Verbindungsglied zwischen Organisation, Mitgliedschaft und innerparteilicher Demokratie: Stimmungsbild Erfolg und Misserfolg entscheiden sich vorher Oberstes Organ Professionell, harmonisch, perfekt inszeniert Mediendemokratie verändert die politische Kommunikationsstrukturen (früher einwöchige Parteitage! ohne Phönix) Tendenz zur indirekten, medienvermittelten Kommunikation

103 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 103 Das Pfadmodell innerparteilicher Partizipation Hallermann, Andreas: Partizipation in politischen Parteien. Vergleich von fünf Parteien in Thüringen. Jenaer Beiträge zur Politikwissenschaft, Bd. 8., Jena 2003, S.125.

104 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 104 Kann man von der Organisation der Parteien und der Mitgliederstruktur auf das Machtgefüge schließen? Wie sieht das interne Machtgefüge der Parteien aus? Die traditionelle Organisationsforschung tendiert entweder dahin, die Oligarchisierungtendenzen zu betonen oder die Parteien als relativ homogene Gebilde zu charakterisieren. d. Machtgefüge

105 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 105 Neuere Ansätze: formelle Hierarchie in den Parteien wird anerkannt, aber nicht gleichgesetzt mit dem Machtgefüge. Formelle Hierarchie der Parteivorsitzenden nutzt wenig angesichts informeller Netzwerke. Politische Rationalität: Kernkompetenz von Politikern: integrierend Mehrheiten zu organisieren. Politik ist Tagesintegrationswerk. Mehrheiten schmieden und Wiederwahl absichern, sind die Schlüsselvariablen für politischen Machterwerb und Machterhalt.

106 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 106 Unterschiedliche Organisationsrationalitäten kennzeichnen den politischen und den ökonomischen Bereich. Politische Rationalität (z.B. in Parteien) steht damit im Gegensatz zur ökonomischen Rationalität (z.B. in Unternehmen) (dazu Korte/Fröhlich 2004 Kap.4; Lösche/Walter 1992: 196):

107 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 107 unterschiedliche Legitimationsbasis, innerparteiliche Partizipation als Demokratiegebot differenzierte öffentliche Exponiertheit, Erwählte in der Wirtschaft Gewählte in der Politik Heterogene Polyarchie in der Partei Hierarchische Macht- und Steuerungszentralisierung in Unternehmen Nur geliehene Loyalitäten in der Politik

108 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 108 i.d.R. effiziente, hierarchieorientierte Entscheidungsfindung in Wirtschaft, hingegen in der Politik: improvisieren, taktieren, lavieren. Kunst des Kuhhandels und Flickwerks; Die Organistationsgrenzen der Parteien sind nach außen hin nicht klar definiert; Organisationsziel ist keineswegs eindeutig festgelegt bei Parteien.

109 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 109 Wirtschaftlichkeit, gemessen an betriebswirtschaftlichen Effizienzkriterien existiert innerhalb der Parteien nicht. Es dominieren in den Parteien informelle Abstimmungsprozesse. Es existiert ein Wildwuchs von Gremien und Entscheidungsstrukturen nebeneinander (Patchwork), fragmentierte Binnenwelten Unfertige, regelungsschwache Parteien gemessen an der Organisationsrationalität von Unternehmen.

110 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 110 Modelle, um das Organisations- und Machtgefüge der Parteien zu erklären: a) Das garbage-can-Modell (March) Die Organisation als Mülleimer, in die alle Mögliche hineingepackt und abgeworfen werden kann. Alles liegt durcheinander. Bei freiwilliger Mitgliedschaft ist das Modell durchaus vorstellbar, zumal March gegen den Idealtypus einer streng, formalen, hierarchischen Ordnung protestieren wollte.

111 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 111 b) Lose verkoppelte Anarchie-Modell (March/Olson/Weick/Wiesendahl) Organisierte Anarchie Fragmentierte, lose verkoppelte Anarchie Das bedeutet nicht Abkoppelung, sondern flexible Bindung in einer Organisation, in der die Verpflichtungsfähigkeit der Mitglieder durch die Führung überaus gering ist. Dahinter steht nicht das reine Chaos, sondern eher kompliziert geknüpfte Netzwerke. Es ist ein kompliziertes, professionelles Zusammenspiel zwischen wenigen, strategie- kompetenten Personen an der Spitze.

112 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 112 c) Stratarchie-Modell (Eldersveld/v. Alemann) Modell der gestuften und geschichteten Herrschaft von pluralen Eliten und Teilgruppen in den Parteien. Keine Gruppe hat die völlige Kontrolle, nicht die Parteiführung über die Basis und nicht umgekehrt (v. Alemann 2000: 146)

113 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 113 d) Zwischen Anarchie und Strategie (J. Schmid 2004) Nach außen: Repräsentation von Cleavage (Strategie) und gleichzeitig Pluralisierung/Mediatisierung (Anarchie). Nach innen: Zentralisierung/Parteimanagement (Strategie) und gleichzeitig Mikropolitik/ Interessenkonflikte (Anarchie)

114 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 114 Im demokratischen Sektor sind Öffentlichkeit, Partizipation, Mehrheitsentscheid legitim und notwendig, im strategischen Bereich dominieren statt dessen Geheimhaltung, interne Beratung und Hierarchie (auch Raschke 2002: S. 223)

115 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 115 Verschiebung der Machtzentren? (Dieser Gedanke wird nochmals aufgegriffen im Kapitel 5) Tendenziell kann eine Entmachtung der mittleren Ebene der Funktionäre in den Parteien analysiert werden. Direkte Kommunikation zwischen der Führung und den Mitgliedern über die Medien.

116 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 116 e. Finanzierung der Parteien und des Parteiensystems Korte, Karl-Rudolf: Wahlen. 4. Aufl., Bonn 2003, S. 123.

117 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 117 Die Finanzierung der Parteien ist von Beginn an problematisch gewesen. Sie ist abhängig vom Stellenwert den man den Parteien in der Gesellschaft und im Staat zuweist. Artikel 21 des Grundgesetzes hat den Parteien in Deutschland einen verfassungsrechtlichen Status eingeräumt - nicht zufällig unmittelbar nach dem Artikel 20, der Staatsfundamentalnorm (der Verfassung in Kurzform). Wenn man Parteien als gemeinwohlorientierte Problemlösungsinstanzen einordnet, sollte die Finanzierung gesichert sein. Das Grundgesetz verrät darüber nur sehr wenig. "Sie müssen über die Herkunft und Verwendung ihrer Mittel sowie über ihr Vermögen öffentlich Rechenschaft ablegen." Das hatte Konsequenzen. Denn bis heute ist es ein verfassungsrechtlich höchst umstrittenes Thema, wie die Parteienfinanzierung konkret auszusehen hat.

118 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 118 Drei Grundsätze sind dem Grundgesetz in diesem Kontext zu entnehmen: Der Grundsatz der Staatsfreiheit, der es dem Staat verwehrt, durch Vergabe von finanziellen Mitteln Einfluss auf die Willensbildung in den Parteien zu nehmen; Der Grundsatz der Chancengleichheit der Parteien, der dem Staat untersagt, durch Regelungen den Wettbewerb der Parteien untereinander zu steuern; Der Grundsatz für die Bürger auf Teilhabe am Prozess der politischen Willensbildung, wobei der Gesetzgeber die steuerliche Begünstigung von Spenden beschränken muss.

119 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 119 Transparenz und Rechenschaft Das Parteiengesetz von 1994 regelt, dass der Präsident des Bundestages, die Höhe der den Parteien zustehenden Mittel jährlich zum 1. Dezember festsetzt. Dies geschieht auf der Grundlage der Rechenschaftsberichte, die die Parteien bis zum 30. September des dem Rechnungsjahr folgenden Jahrs beim Präsidenten des Bundestages einzureichen haben. Diese Rechenschaftsberichte müssen von einem Wirtschaftsprüfer geprüft werden und bestimmten Vorgaben des Parteiengesetzes entsprechen. Sie werden anschließend als Bundestagsdrucksache der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Bundestagspräsident hat zu prüfen, ob die Bericht den Anforderungen des Gesetzes entsprechen. Wenn nicht, dann müssen Zahlungen an die Parteien nicht erfolgen. Unklar bleibt, wenn sich die Unrichtigkeit des Rechenschaftsberichts erst später herausstellt.

120 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 120 Finanzierungsgrundlagen seit Einführung einer "absoluten Obergrenze" für den Gesamtumfang der direkten staatlichen Zuwendungen an die Parteien. Überschreiten die rechtlichen Ansprüche der Parteien die Obergrenze, werden sie prozentual entsprechend gekürzt. Mit dieser Kappung wird ein Auswuchern der Zuwendungen verhindert. Seit auf 133 Millionen Euro heraufgesetzter Sockelbetrag. Senkung der Publizitätsgrenze für Spenden (Spenden an Partei, aber auch Direktspenden an einzelne Politiker) auf Euro pro Jahr. Bei größeren Spenden sind die Spender namentlich in den Rechenschaftsberichten aufzuführen.

121 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 121 Senkung der steuerlichen Begünstigungsgrenze für Spenden und Mitgliedsbeiträge auf 3000 Euro je Person und Jahr. Juristische Personen, Körperschaften (Firmen) erhalten für ihre Spenden keine Steuerbegünstigung. Bindung der staatlichen Zuwendungen an die Wählerzahl als auch an die Spenden- sowie Beitragseinnahmen der Parteien. Eine Wahlkampfkostenerstattung gibt es seit 1994 nicht mehr. Parteien mit über 0,5% der gültigen Stimmen (bei Landtagswahlen 1%) erhalten für jede Listenstimme bei Bundes-, Europa- und Landtagswahlen jährlich 0,85 Euro bis zur nächstfolgenden Wahl; bei den 5 Millionen Stimmen übersteigenden Stimmen reduziert sich die Zahlung auf 0,70 Euro je Stimme. Außerdem erhält jede Partei 0,38 Euro für jeden Beitrags- oder Spendeneuro von Privatpersonen (bis zu Euro pro Person)

122 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 122 Geldquellen der Parteien: Zu 90% aus Beiträgen, Spenden und öffentlichen Zuschüssen (Nassmacher 2001, S ) - plutokratische Finanzierung - Basisfinanzierung - Nutznießerfinanzierung - Staatliche Finanzierung

123 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 123 Korte, Karl-Rudolf: Wahlen. 4. Aufl., Bonn 2003, S. 125.

124 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 124 Reformüberlegungen im Umfeld der Spendenregelung Spenden ist eine Möglichkeit, um an der politischen Willensbildung teilzunehmen. Die Parteien sind auf Spenden angewiesen. Großspender und Großspenden sind jedoch immer im Verdacht der Korruption. Vom Gesamtanteil der Einnahmen nehmen bei der CDU die Spenden in den neunziger Jahren ca. 18 % ein (CSU 28%, SPD 7%, FDP 25 %, Grüne 24%). Davon machte der Anteil an Großspenden (über DM seit 1994; vorher: über DM) nur eine kleinen Teil aus: CDU 9%, CSU 8%, SPD 4%, FDP 8%, Grüne 6%.

125 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 125 Korte, Karl-Rudolf: Wahlen. 4. Aufl., Bonn 2003, S. 124.

126 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 126 Vorschläge: Spenden juristischer Personen vollständig verbieten. Aber Unternehmer können weiter spenden, deshalb im Mittelpunkt: effektive Kontrolle und angemessene Sanktionen prüfen. Höchstgrenze von Spenden festlegen. Strafbarkeit aktiver oder passiver Abgeordnetenbestechung (In F, Italien und USA ist Abgeordnetenbestechung strafbar). Veröffentlichungspflicht bei Direktspenden an Politiker schon ab 5000 Euro.

127 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 127 Finanzierung der Parteien in vergleichender Perspektive Großbritannien Kein staatliches Geld für die Parteien. Der britische Staat überlässt die Parteien sich selbst. Damit wächst die Rolle der Spender. Labour bezieht reguläre Einnahmen vor allem durch Zuwendungen der Gewerkschaften. USA Immer wieder hat der Bundesgesetzgeber versucht, die Rolle des Geldes in ein Regelkorsett zu zwingen und so den Einfluß der organisierten Interessen zu bändigen. Dabei ging es um die Offenlegung von Geldquellen, um Höchstgrenzen für Wahlkampfausgaben und Spenden sowie um die öffentlichen Kostenerstattung.

128 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 128 USA Wollen Präsidentschaftsbewerber in den Genuß staatlicher Kostenerstattung und Finanzierung kommen, müssen sie mindestens Dollar in 20 Bundesstaaten gesammelt haben, wobei die Einzelspende den Betrag von 250 Dollar nicht überschreiten darf. Kandidaten, die sich verpflichten, bei den Ausgaben für die Vorwahlen die gesetzliche Höchstgrenze einzuhalten, erhalten die Kosten des Hauptwahlkampfes gänzlich zurück. Frankreich Frankreichs Parteien ist es seit 1995 verboten, Spenden von Unternehmen entgegenzunehmen. Auch von Privatpersonen dürfen nur Spenden bis zur Höhe von rund DM ( Franc) pro Jahr entgegengenommen werden. Das neue Gesetz von 1995 hat dazu geführt, daß bei der Parteienfinanzierung der Staat an die Stelle der Unternehmen getreten ist stammten rund 50 Prozent der Finanzmittel der französischen Parteien aus der Staatskasse.

129 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte Alemann, Ulrich von 2000: Das Parteiensystem der Bundesrepublik Deutschland, Opladen, bes Dittberner, Jürgen Lösche, Peter/Walter, Franz 1992: Die SPD, Darmstadt - Naßmacher Karl-Heinz, in: Gabriel u.a. (Hrsg.) 2002, S Niedermayer in: Gabriel u.a. (Hrsg.) 2001, S f. Spezial-Literatur zu Kapitel 3

130 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte Raschke, Joachim 2002: Politische Strategie, in: Nullmeier/Saretzki (Hg.), Jenseits des Regierungsalltags, Frankfurt/M. S Schmid, Josef/Zolleis, Udo 2004: Zwischen Strategie und Anarchie. Der Erfolg von Parteiorganisationen (i.E.) - Wiesendahl, Elmar 1998: Parteien in Perspektive, Wiesbaden, bes f. Spezial-Literatur zu Kapitel 3

131 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 131 Kapitel 4 - Parteien im politischen System

132 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 132 Gliederung: a) Europäische Parteien/Wahlen zum Europäischen Parlament b) Spezial-Literatur zu Kapitel 4

133 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 133 Regierungskonferenz (Europäischer Rat) von Nizza Dezember 2000 hat eine Neufassung des Parteienartikels Art. 191 EGV beschlossen. Parteienstatut: (Europäische Parteien sind): Politische Organisationen, die beim EP eine Satzung hinterlegt haben, die eine Fraktion im EP bilden, bilden wollen oder beabsichtigen, sich einer anzuschließen, die die Grundsätze der Demokratie, der Achtung der Grundrechte sowie der Rechtsstaatlichkeit einhalten. Parteienfinanzierung: Ein gewisses Maß an Repräsentativität und ein Mindestmaß an finanzieller Selbständigkeit soll gewahrt werden. a) Europäische Parteien/Wahlen zum Europäischen Parlament

134 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 134 Definition: Europäische Parteien sind föderative Vereinigungen von nationalen oder regionalen Parteien aus mehreren Mitgliedstaaten der EU, die in ihren Orientierungen und Zielsetzungen übereinstimmen und die sich zu einer ständigen Zusammenarbeit auf der Grundlage einer vereinbarten Satzung und eines von den zuständigen Organen verabschiedeten Programms zur Verwirklichung einer gemeinsamen Politik verpflichten. Ihr Aktionsfeld ist das politische System der Union. Im Europäischen Parlament schließen sich ihre Abgeordneten in gemeinsamen Fraktionen zusammen. Transnationale Bündnisse der klassischen politischen Familien der Sozialdemokraten (SPE), der Christlichen Demokraten (EVP), der Liberaldemokraten (ELDR)

135 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 135 Korte, Karl-Rudolf: Wahlen in der Bundesrepublik Deutschland. 4. Aufl. Bonn 2003, S. 70 Das Europäische Parlament wird nach den Europawahlen 2004 aus 732 Abgeordneten bestehen.

136 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 136 Korte, Karl-Rudolf: Wahlen in der Bundesrepublik Deutschland. 4. Aufl. Bonn 2003, S. 70

137 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 137 Zustand und Entwicklung einer Europäischen Partei sind wesentlich abhängig von der Fähigkeit ihrer nationalen Mitgliedsparteien, einen gemeinsamen Willen zu artikulieren, und von ihrer Bereitschaft, gemeinsam zu handeln. Kommunikationsprobleme zwischen nationaler und europäischer Ebene.

138 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 138 Parteien und Fraktionen im EP: Arbeitsparlament keine Versammlung mehr! In der Regel zur großen Koalition gezwungen, um die Rechtsetzung im Mitentscheidungsverfahren gegen den Rat der EU zu beeinflussen. Problem bei der Wahrnehmung: keine Polarisierung! Allerdings seit 1999: EVP, Europäische Liberale, Demokraten und Reformpartei (ELDR) verfügen über ausreichende Mehrheit zur Blockierung von bereits in den Parlamentsausschüssen angenommenen Änderungsanträgen. Mitwirkungsrechte im Entscheidungsverfahren (Gesetzgeber) drastisch ausgeweitet!

139 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 139 Zusammenspiel mit Kommission und vor allem Rat der EU. Vergleich mit nationaler Ebene: Zwei Kammern Auch der Deutsche Bundestag kann bei zustimmungspflichtigen Gesetzen nicht alleine entscheiden! Kein Recht zur förmlichen Gesetzgebung.

140 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 140 Wahlen zum EP: Nebenwahl Stimmungswahl Protestwahl Alibiwahl Korte, Karl-Rudolf: Wahlen in der Bundesrepublik Deutschland. 4. Aufl. Bonn 2003, S. 70

141 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 141 Korte, Karl-Rudolf: Wahlen in der Bundesrepublik Deutschland. 4. Aufl. Bonn 2003, S. 84

142 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte Keine europäische Listen - Keine regierungsbildende Funktionen - Eingeschränkte Kontrollrechte - Keine Aufmerksamkeit - Fehlende europäische Öffentlichkeit - Geringe Wahlbeteiligung - Einstufung als nicht so wichtige Wahl

143 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 143 Korte, Karl-Rudolf: Wahlen in der Bundesrepublik Deutschland. 4. Aufl. Bonn 2003, S. 71

144 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 144 Problematik: Nationale Stimmungswahl? Wohl kaum, angesichts der geringen Wahlbeteiligung (in keiner Weise repräsentativ) Schwierige Agenda Setting Komplexe Mobilisierung Keine Polarisierung Fehlende Personalisierung Einstellungen: distanzierter Pragmatismus Geringe Wahlbeteiligung nutzt i.d.R. kleinen Parteien (Mobilisierung) und konservativ-bürgerlichen Parteien (Pflichtgefühl).

145 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 145 Polymorphes Wahlsystem bei den EP Wahlen: Nationale Regelung des Wahlrechts. Nur Eckwerte sind Grundlage der Verträge. Wahlrecht: allgemein, direkt, geheim, aber nicht gleich! gleich – Mandatskontingentierung Verhältniswahlsystem mit sehr unterschiedlicher technischer Ausgestaltung

146 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 146 b) Spezial-Literatur zu Kapitel 4: Themenheft Aus Politik und Zeitgeschichte B 17/2004, darin aktuelle Informationen über Europäische Parteien, EP-Wahlen, Wahlsystem etc.

147 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 147 Kapitel 5 - Parteien auf komplexen Wählermärkten

148 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 148 Gliederung: a.Parteien im Elektorat b.Wählermarkt und zwei zentrale Erklärungsansätze des Wahlverhaltens c.Wie stellen sich die Veränderungen des Wählermarktes für die Parteien dar? d.Reaktionen der Parteien auf die Veränderung des Wählermarktes e. Spezial-Literatur zu Kapitel 5

149 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 149 a) Parteien im Elektorat Der Wandel von Weltanschauungs- und Programmparteien zu wählerorientierten Konkurrenzparteien. Umstellung von Ideologie auf Markt. Verändert die Beziehungen grundsätzlich: Führung, Organisation und auch Beziehung zur Gesellschaft.

150 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte Der soziologische/sozialstrukturelle Ansatz Wahlverhalten = Gruppenverhalten Familiäre, berufliche, gesellschaftliche Loyalitäten beeinflussen das individuelle Wahlverhalten b) Wählermarkt und zwei zentrale Erklärungsansätze des Wahlverhaltens:

151 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 151 Wahlentscheidung Korte, Karl-Rudolf: Wahlen. 4. Aufl., Bonn 2003, S. 92.

152 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte Der individualpsychologische/sozialpsychologische Ansatz Wahlverhalten = Ausdruck einer individuellen psychologischen Beziehung zu einer Partei. Der persönliche Entscheidungsprozess ist abhängig von vorhandenen längerfristigen Parteineigungen. Kausalitätstrichter: Partei-Identifikation Kandidaten Issues

153 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 153 Korte, Karl-Rudolf: Wahlen. 4. Aufl., Bonn 2003, S. 96.

154 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 154 c) Wie stellen sich die Veränderungen des Wählermarktes für die Parteien dar? Veränderte Sozialstruktur Strukturelles Dealignment: soziale Gruppen verlieren ihre inneren Zusammenhalt

155 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 155 c) Wie stellen sich die Veränderungen des Wählermarktes für die Parteien dar? Dealignment bezeichnet die Lockerung oder den Rückgang und die Auflösung der über Sozialstruktur, Milieus und Parteiidentifikation vermittelten Bindungen in der Wählerschaft an die Parteien.

156 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 156 c) Wie stellen sich die Veränderungen des Wählermarktes für die Parteien dar? Niedergang der Parteiidentifikation/Niedergang der Partei-Wähler-Beziehungen/Erosion der Volksparteien- Demokratie; Der politische Kompass der Wähler geht verloren; Wähler als Schnäppchen-Jäger; hohe Volatilität

157 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 157 c) Wie stellen sich die Veränderungen des Wählermarktes für die Parteien dar? Volatilität/Volatility: Flüchtigkeit, Sprunghaftigkeit Powi: Konstanz und Wandel in den Parteipräferenzen der Wählerschaft Die Veränderung in der Stärkerelation wird gemessen, nicht individuelles Wechselwählerverhalten.

158 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 158 c) Wie stellen sich die Veränderungen des Wählermarktes für die Parteien dar? Erosion der Volksparteiendemokratie: Wählerische Wähler; Immer weniger Wähler sind parteipolitisch gebunden; Immer mehr Wähler wechseln ihre Parteipräferenz; Der Wandel/Wechsel vollzieht sich in immer kürzeren Abständen.

159 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte % Quelle: Schmitt-Beck, Rüdiger: Kampagnenwandel und Wählerwandel. "Fenster der Gelegenheit" für einflussreichere Wahl-kämpfe, in: Ulrich Sarcinelli/Jens Tenscher (Hrsg.), Machtdarstellung und Darstellungsmacht. Beiträge zur Theorie und Praxis moderner Politikvermittlung, Baden-Baden: Nomos 2003.

160 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 160 Quelle: Schmitt-Beck, Rüdiger: Kampagnenwandel und Wählerwandel. "Fenster der Gelegenheit" für einflussreichere Wahl-kämpfe, in: Ulrich Sarcinelli/Jens Tenscher (Hrsg.), Machtdarstellung und Darstellungsmacht. Beiträge zur Theorie und Praxis moderner Politikvermittlung, Baden-Baden: Nomos 2003.

161 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 161 Korte, Karl-Rudolf: Wahlen. 4. Aufl., Bonn 2003, S. 102.

162 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 162 Korte, Karl-Rudolf: Wahlen. 4. Aufl., Bonn 2003, S. 101.

163 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 163 Korte, Karl-Rudolf: Wahlen. 4. Aufl., Bonn 2003, S. 117.

164 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 164 c) Wie stellen sich die Veränderungen des Wählermarktes für die Parteien dar? Modifizierte Werthaltungen Issue-Wettbewerb Wählerfluktuation zwischen Regierungs- und Oppositionspartei

165 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 165 d) Reaktionen der Parteien auf die Veränderung des Wählermarktes Die Nicht-Reaktion Professionalisierung im Bereich der Parteiorganisation und Pragmatismus Gewichtsverschiebungen in der Parteiorganisation: Entmachtung der mittleren Ebene Kandidaten - Typen- Teams

166 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 166 Strategische Antworten: neue Wählergruppen Strategische Antworten gegenüber anderen Parteien: Programmatischer Drang zur Mitte Policy-orientierte Reaktionen Mediatisierung: Reduzierung von Komplexität; Infotainment Etatisierung der Parteien

167 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 167 e) Spezialliteratur zu Kapitel 5 Jun, Uwe: Professionalisiert, medialisiert und etatisiert. Zur Lage der deutschen Großparteien am Beginn des 21. Jahrhunderts, in: ZParl, H , S Korte/Fröhlich: Politik und Regieren in Deutschland, dort Kapitel 4 Mair, Peter/Müller, Wolfgang/Plasser, Fritz (Hrsg.): Parteien auf komplexen Wählermärkten, Wiens 1999 Schmitt-Beck, Rüdiger/Stefan Weick: Die dauerhafte Parteiidentifikation – nur noch ein Mythos?, in: Informationsdienst Soziale Indikatoren, Nr. 26, 2001, S. 1-5.

168 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 168 Kapitel 6 - Reformanstrengungen der Parteien

169 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 169 Gliederung Reformanstrengungen der Parteien a) Wozu? b) Quadratur des Kreises? c) Differenzierung von Reformansätzen d) Probleme der Reformfähigkeit der Parteien e) Spezial-Literatur zu Kapitel 6

170 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 170 Ausgangspunkt der Reformüberlegungen sind die in Kapitel 3-5 erarbeiteten Befunde: Wer die Not- wendigkeit der Parteien in einer Wahl-Demokratie anerkennt, sollte am Erhalt der Parteien ein Interesse haben. Je nach zugeschriebenem Funktions- schwerpunkt erfolgen andere Reformüberlegungen: Bei Vote-seeking: Professionelle und strategische Ausrichtung am Wählermarkt a) Wozu?

171 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 171 Bei Office-seeking: Koalitionsmöglichkeiten offenhalten; Intensivierung der Fraktionsparteien Bei Policy-seeking: Problemlösungsangebote; policy-Orientierung; Kompetenz-Zentren Bei Democracy-seeking: Mitgliederbasis stärken; Gremien-Kultur beleben; Mitentscheidungsrechte der Mitglieder ausbauen

172 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 172 Einerseits wird von den Parteien erwartet, sich wieder stärker programmatisch zu profilieren (unverwechselbares Profil, nicht Nachahmung, sondern Produkt-Innovation), andererseits reduziert die Mediendemokratie alles auf Personalisierung. Einerseits stellt die Geschlossenheit eine zentrale Erfolgsbedingung der Partei dar. Andererseits wird die Aufnahme heterogener Bevölkerungsschichten in den Parteien erwartet. b) Quadratur des Kreises? (vgl. Kießling 2003)

173 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 173 Einerseits ist professionelle Medienstrategie im Wahlkampf gefordert, andererseits bleibt dabei die aktive Mitgestaltung der Partizipationsanreiz auf der Strecke. Mediatisierung-Partizipations-Dilemma. Quadratur des Kreises? (vgl. Kießling 2003)

174 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 174 (Alemann/Strünck/Wehrhöfer 2003; Florack/Grunden/Korte 2004) Plebiszitär: Alle Macht den Wählern? Vorwahlen nach dem amerikanischem Muster der primaries. Kumulieren und Panaschieren. Öffnung der Parteistrukturen Wie passt das zum Konzept der Mitgliederpartei? c) Andere Möglichkeit der Differenzierung von Reformansätzen:

175 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 175 Basisdemokratisch: Alle Macht den Mitgliedern? Funktionäre werden als Delegierte entmachtet. Urwahlen Kreisversammlung entscheidet über Wahlkreiskandidaten. Integration direkt-demokratischer Instrumente Widerspricht der Idee einer repräsentativen Parteiendemokratie.

176 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 176 Quelle: Wiedendahl, Elmar: Noch Zukunft für die Mitgliederparteien? In: Klein, Ansger/ Schmalz-Bruns, Rainer (Hrsg.): Politische Beteiligung und Bürgerengagement in Deutschland, S. 369.

177 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 177 Quelle: Wiedendahl, Elmar: Noch Zukunft für die Mitgliederparteien? In: Klein, Ansger/ Schmalz-Bruns, Rainer (Hrsg.): Politische Beteiligung und Bürgerengagement in Deutschland, S. 369.

178 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 178 ParteiThemaPartei- ebene Beteiligung der Mitglieder Jahr SPD Befragung zum Bundesvorsitz der Partei Bund 56,7% 1993 SPD Befragung zum Spitzenkandidaten und zur zukünftigen Koalition Bremen 53,95% 1995 FDP Mitgliederentscheid zum großen Lauschangriff Bund 43,09% 1995 SPD Urwahl zum Spitzenkandidaten bei der Landtagswahl Baden- Württem- berg 54,77% 2000 B90/ GrüneMitgliederentscheid zur Trennung von Amt und Mandat Bund 56,64% 2003 Mitgliederentscheide und Beteiligung. Quelle: Auskünfte der Parteien

179 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 179 Partizipationsanreize bieten bei Sach- und Personalentscheidungen. Auch Netzwerkbildung! Elitär: Alle Macht den Funktionären? Extreme Personalisierung in professionell geführter Kartellpartei.

180 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 180 Quelle: Politik und Kommunikation, Oktober 2003, S. 22

181 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 181 Die innerparteiliche Machtstruktur Revitalisierung der Parteiendemokratie? Neue Beteiligungswünsche integrieren. Die Organisationswirklichkeit der Parteien verändern. d) Probleme der Reformfähigkeit der Parteien:

182 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 182 Über Funktionen eine Revitalisierung erreichen? (v. Alemann 2002:208ff) Partizipation Transmission Selektion Integration Sozialisation Selbstregulierung Legitimation

183 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 183 Vorzug: Die Systemleistung der Parteien liegt darin, dass sie mehrheitlich akzeptable Konzepte für die Gesamtstaatsführung erarbeiten und verwirklichen wollen, die über die Vertretung spezifischer ökonomischer, sozialer, ökologischer Interessen hinausgehen.

184 Institut für Politikwissenschaft Vorlesung Parteien und Parteiensysteme Sommersemester 04 Prof. Dr. Dr. K.-R. Korte 184 Alemann, Ulrich von/Strünck, Christoph/Wehrhöfer, Ulrich: Neue Gesellschaft- alte Parteien?, in: M. Machnig/H.-P. Bartels (Hrsg.): Der rasende Tanker, Göttingen 2001, S Kießling, Andreas: Chancenmanagement als Reformoption, in: Glaab (Hrsg.) 2003, S e) Spezial-Literatur zu Kapitel 6


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