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Digital born Leben im digitalen Zeitalter Rafael Capurro Steinbeis-Transfer-Institut für Informationsethik Edigheimer.

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Präsentation zum Thema: "Digital born Leben im digitalen Zeitalter Rafael Capurro Steinbeis-Transfer-Institut für Informationsethik Edigheimer."—  Präsentation transkript:

1 Digital born Leben im digitalen Zeitalter Rafael Capurro Steinbeis-Transfer-Institut für Informationsethik Edigheimer Gespräche Wilhelm-von-Humboldt-Gymnasium Ludwigshafen-Edigheim 8. Juni 2009

2 2 Leben in der digitalen Welt Soziale Kontakte: Facebook, Twitter, YouTube, blogs... Mobiles Arbeitsleben Wissen: Google, Wikipedia, … Politik: Obama hat es vorgemacht Identität und Kultur Cyborgisierung: Körper/Leib und IT

3 3 Digitale Weltvernetzung und Kapital Zu Beginn des Kapital, im ersten Kapitel "Die Ware„, schreibt Karl Marx: "Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen die kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ungeheure Warensammlung, die einzelne Ware als seine Elementarform."

4 4 Digitale Weltvernetzung und Kapital Heute müssen wir diesen Satz folgendermaßen umformulieren: Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen die digitale Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ungeheure Informationssammlung, die einzelne Information als seine Elementarform.

5 5 Digitale Weltvernetzung und Kapital Die Kategorie ‚Warenbesitzer‘ ist aber nicht eins zu eins auf Informationsbesitzer übertragbar. Der Austausch von Informationen und der Austausch von Waren sind nicht gleichwertig. Die Zirkulation von Information und die Warenzirkulation schaffen nicht dieselbe Art von Wert, weil sie ja nicht menschliche Bedürfnisse im selben Maße befriedigen.

6 6 Digitale Weltvernetzung und Kapital Geldfetisch und Warenfetisch entstehen dadurch, dass Dinge außer Kontrolle des "gesellschaftlichen Produktionsprozesses" geraten. Menschliche Arbeit ist nur eine (mögliche) Form von In-Formation und sie wird heute im Rahmen des Digitalen vollzogen.

7 7 Digitale Weltvernetzung und Kapital Das verändert die ganze Marxsche Analyse von Grund auf. Marx schreibt, dass der Fetischcharakter der Waren dadurch entsteht, dass diese als selbständig (also als Waren) erscheinen, obwohl sie (bloß) ein Produkt gesellschaftlicher Arbeit sind. "Es ist nur das bestimmte gesellschaftliche Verhältnis der Menschen selbst, welches hier für sie die phantasmagorische Form eines Verhältnisses von Dingen annimmt."

8 8 Digitale Weltvernetzung und Kapital Nicht nur die In-formationsprozesse der (natürlichen) Dinge untereinander (die Evolution also), sondern ebensosehr die menschlichen und ganz besonders die digitalisierten Informationsprozesse setzen in der Tat unabsehbare ‘phantasmagorische’ Prozesse in Gang, welche aus der Sicht der Warenwelt im Sinne von materiellen Arbeitsprodukten nur geahnt werden können, oder, "um eine Analogie zu finden, müssen wir in die Nebelregion der religiösen Welt flüchten." (ebd.)

9 9 Digitale Weltvernetzung und Kapital Die Nebelregion ist jetzt die der materiellen Welt, und die Warenform im Sinne des Wertverhältnisses der Arbeitsprodukte ist bloß ein Derivat der In-formation. Wir müssen, mit anderen Worten, Marx und das Kapital auf die Füsse der Information stellen. Der Ansammlung von Geld im Kapital folgt heute die Vernetzung von Information.

10 10 Digitale Weltvernetzung und Kapital Wir könnten den Grund-Satz einer digitalen Ökonomie so formulieren: Nihil est sine fortuna - Nichts ist wertlos, in Anklang an das Leibnizsche principium grande: Nihil est sine ratione - Nichts ist ohne Grund.

11 11 Digitale Weltvernetzung und Kapital Dies bedeutet, dass alles (s)einen Wert hat, aber auch, dass Werte ohne Grund sind, denn ein solcher (letzter) Grund wäre wieder ein Wert, der wiederum nach einem Grund verlangen würde usw.

12 12 Digitale Weltvernetzung und Kapital Geld ist das uns zugängliche, grund-lose Wert- Maß für alles, was ist, wenn wir die Dinge (die natürlichen und die künstlichen, hergestellten = die Waren) außerhalb der Zusammenhänge sehen, in denen sie sind.

13 13 Digitale Weltvernetzung und Kapital Kein Wunder, dass ausgerechnet, wenn alle Dinge aus dem Blickpunkt ihres natürlichen Standortes herausfallen und im allgemeinen elektronisch-digitalen Medium zum Erscheinen oder ins Sein kommen, dieses zugleich zum Wert-Maß wird.

14 14 Digitale Weltvernetzung und Kapital Unsere Gier ist eine bestimmte Art und Weise wie wir uns im Kreis oder im hermeneutischen Zirkel eines Selbstverständnisses bewegen. Auch die Neugier gehört dazu. Ich meine, dass wir diese Begriffe (oder besser: diese Verhaltensweisen) nicht vorschnell mit moralischen Kategorien behaften sollten.

15 15 Digitale Weltvernetzung und Kapital Die Moral versucht bestimmte Aussagen dingfest zu machen, den Kreislauf also vorläufig anzuhalten. Dieser Mechanismus ist zwar notwendig, denn er erlaubt uns, ähnlich wie in der Wissenschaft, innerhalb eines ausdrücklichen Entwurfs von Regeln und Normen zu leben. Zugleich aber verdeckt jede Moral den anhaltenden ‘Anruf’ der Dinge in ihren wechselnden und nicht offenbarten Bezügen und Potentialitäten.

16 16 Digitale Weltvernetzung und Kapital Wir aber sind in der Weise, die eine solche Maßlosigkeit nur bedingt, d.h. durch die Dinge hindurch, ‘wahr-nehmen’, so daß der ethische Maßstab so lauten könnte, dass wir uns gegen unbedingte Ansprüche zu wehren haben.

17 17 Digitale Weltvernetzung und Kapital Der gierige Mensch ist deshalb gierig, weil er sich dem un-endlichen Drang der Mittel aussetzt und er tut dies, weil er ein unbegrenztes Verlangen nach Leben und Genuss 'ist', aber auch nach Wissen. Was ist aber das Ziel des Wissens? Von der Wissensgier sagt Aristoteles, daß wir sie von Natur, haben.

18 18 Medien (R-)Evolutionen Platons Schriftkritik Gutenberg und die Reformation Aufklärung: Zensurfreiheit und Freie Presse Massenmedien: Rundfunk und Fernsehen Internet: Interaktivität Sender-Empfänger

19 19 Born digital Wir entwerfen uns als vernetzte, mobile und ständig in der realen Welt erreichbare und somit im wahrsten Sinne des Wortes utopische Existenzen.

20 20 Dystopische Aspekte Informationsüberflutung Digitales Mobbing Gewalt in/mit Medien Plagiate Kinderpornografie Rechtsradikalismus Viren Copyright Privatheit Überwachungsgesellschaft

21 21 Typologie von Technologien Nach Foucault in Anlehnung an Habermas: Technologien der Produktion (zur Erzeugung und Umformung von Dingen) Technologien von Zeichensystemen (Erzeugung und Manipulation von Zeichensystemen) Technologien der Macht (zur Bestimmung menschlichen Verhaltens zu Herrschaftszwecken) Technologien des Selbst (Operationen, die die Individuen mit ihren Körpern/Seelen vollziehen, um zu einem bestimmen Zustand (von Vollkommenheit, Glück…) zu gelangen

22 22 Praktiken der Selbstformung Selbstsorge („epimeleia heautou“) (Platons Dialog Alkibiades) Hellenistische Philosophie (Seneca, Epiktet, Marc Aurel): Pierre Hadot Geistliche Übungen: Ignatius von Loyola, Paul Rabbow (Verchristlichung antiker Übungen) Psychoanalyse Michel Foucault, Wilhelm Schmid Peter Sloterdijk: „Du mußt dein Leben ändern. Über Anthropotechnik“ (Frankfurt a.M. 2009) Lebensratgeberliteratur

23 23 Praktiken der Lebensformung Transformationen der Lebenstechniken: Von der Antike zum Christentum: der Gehalt der antiken philosophischen Übungen ging in die christliche Spiritualität über; die Philosophie, ihres lebensformenden Sinnes verlustig, wurde zur Magd der Theologie („ancilla theologiae“) Primat der Selbsterkenntnis (gegenüber der Selbstformung) in der Neuzeit (Descartes) Gegenwart: digitale Lebenstechnik(en)

24 24 „Sorge um sich“ Sokrates‘ Fragen im „Alkibiades“ (nach Foucault) über den Zusammenhang zwischen der „Sorge um sich“ und: Der politischen Aktivität: wann ist es gut, sich vom politischen Handeln zurückzuziehen? Der Pädagogik: ist die „Sorge um sich“ eine Frage der Jugend oder eine Daueraufgabe? Dem „Erkenne Dich selbst“: welche hat Vorrang? Der philosophischen Liebe: wie sieht die Beziehung zu einem Meister aus?

25 25 „Sorge um sich“ Der Begriff „Sorge um sich“ beinhaltete in der griechisch-römischen Antike konkrete Aktivitäten, mit dem Ziel, sich für Zeiten des Unglücks und des Todes vorzubereiten. Sie dienten auch als Therapie der Leidenschaften.

26 26 Hellenismus Antike Übungen der Selbstformung im Hellenismus (nach Hadot) Geistige Übungen: Wachsamkeit: die ständige Anspannung und Entspannung des Geistes. Marc Aurels Grundregel: Was steht in unsere Macht und was nicht? Meditation: dient vor allem im Hinblick auf die Schicksalsschläge auf auf den Tod („praemeditatio malorum und mortis) (Epikureismus). Vorbereitende und nachprüfende Überlegungen morgens und abends.

27 27 Hellenismus Intellektuelle Übungen: Lektüre der Sentenzen von Dichtern und Philosophen („Apophthegmen) Auslegung philosophischer Texte Zuhören von Vorträgen Untersuchung und Prüfung im Rahmen eines Unterrichts.

28 28 Hellenismus Praktische Übungen: dienten der Schaffung von Gewohnheiten Bezogen sich auf eine geistige Einstellung, wie z.B. die Gleichgültigkeit gegenüber dem Gleichgültigen Oder auf eine praktische Verhaltensweise, wie die Selbstbeherrschung oder die Ausübung von Pflichten.

29 29 Von Hellas zum Hellenismus Im Hellenismus finden Verschiebungen gegenüber den griechischen Praktiken statt: Verlagerung vom pädagogischen zum medizinischen Modell Umkehrung des griechischen Ideals der Jugend Verschwinden des Dialogs Betonung der Rolle des Meisters gegenüber dem schweigenden Schüler. (M. Foucault)

30 30 Die römische Tradition Die antike Tradition der Seelenleitung erreicht besondere Höhepunkte in der römischen Tradition, wie zum Beispiel bei Seneca und Marc Aurel Senecas (4-65 n.Chr.) Ideal eines glücklichen Lebens in Übereinstimmung mit der Natur gründet in der Übung der „indifferentia“, der Beherrschung der Affekte, die zur Seelenruhe („tranquillitas animi“)führt

31 31 Die römische Tradition Die geistigen Übungen Marc Aurels ( n.Chr.) sind „Wege zu sich selbst“ und wurden auf Feldzügen geschrieben. Sie betreffen die Disziplinierung des Begehrens, die Haltung gegenüber den Mitmenschen und die Verhaltensweisen im Denken. Grundregel („unter Vorbehalt“): alles tun, um zum Ziel zu gelangen, aber ohne zu vergessen, dass der Erfolg nicht nur von uns, sondern von der Gesamtheit der Ursachen abhängt. („Indifferenz“)

32 32 Von den geistigen zu den geistlichen Übungen Verwandlung der antike askesis (Übungen) in die christliche Meditation, Selbstprüfung (examen conscientiae), Buße, „Unterscheidung der Geister“ (Ignatius von Loyola) Enthalsamkeit (Speise und Trank, Wohnung, Schlaf, Kleidung, Besitz, Geschl.verkehr) Philosophia als christliche Lebenweise Wachsamkeit als Übung der Unterwerfung unter den göttlichen Willen

33 33 Asketik in der Aufklärung Spuren der Lebenskunst bei Descartes, Spinoza und Kant: Ulm 1619 : „Welchen Lebensweg soll ich einschlagen?“ (Descartes‘ Traum) Regulae ad directionem ingenii Meditationes und Discours de la méthode Spinoza: Kritik des rationalistischen Ideals der Selbstbeherrschung. Der Mensch kann sich nicht bloß durch Erkenntnis, sondern durch Übung formen Kant: „ethische Asketik“: „wackeres und fröhliches Gemüt“ in Befolgung der Pflichten (Diätetik) (Stoa und Epikureismus vs. Mönchsasketik)

34 34 Informationsethik heute Wie können wir individuelle und kollektive Praktiken der Selbstformung in Erwiderung der Tradition der Technologien des Selbst neu entdecken, aus der Mitte einer säkularen, durch die IT geprägten globalen Zivilisation?

35 35 Informationsethische Fragen Müssen wir permanent erreichbar sein? Wann, wo und wie sollten wir uns digitalfreie Zeirräume gönnen? Welche Ein- und Ausschlussmechanismen sind mit den neuen IT verbunden?

36 36 Informationsethische Fragen Welche negativen und positiven Auswirkungen haben die neuen IT auf die Umwelt? Wie lässt sich das Internet regulieren? Welche Normen und Werte sollten wir bei der Digitalisierung aller Lebensbereiche achten? Über welche Mechanismen der Normen- und Wertekritik verfügen wir?

37 37 Informationsethische Fragen Wie ist die surveillance society technisch, rechtlich, ethisch und politisch zu beurteilen? Wie ist das Verhältnis Öffentlich/Privat und Öffentlich/Geheim im Rahmen der neuen IT aufzufassen?

38 38 Orientierungen Verhältnis zu uns selbst: Mäßigung Verhältnis zueinander: die Tradition der Menschenrechte Gespräch – nicht Gewalt Gerechtigkeit – nicht Unterdrückung Verhältnis zur Natur: Mitspieler – nicht Herrscher

39 39 Orientierungen Der Horizont des Digitalen – des Digitalisierbaren – prägt unser Zeitalter.

40 40 Orientierungen Wir müssen lernen, diesen Horizont durch Praktiken der Selbstformung zu relativieren oder abzuschwächen, insbesondere dann wenn er sich als der einzige und wahre Lebenshorizont gebärdet.

41 41 Orientierungen Die Kehrseite davon sind gelingende digitale Lebenspraktiken im Verhältnis zu uns selbst, zu den anderen und zur Natur.

42 42 Quellen Dieser Präsentation liegen folgende Quellen des Verfassers zugrunde: - Beiträge zu einer digitalen Ontologie - Leben Informationszeitalter (Berlin 1995) (Siehe dort die bibliografischen Angaben der hier zitierten Werke) - meine Beiträge zur Informationsethik


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