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1 Bernd Winkelmann, Akademie Solidarische Ökonomie Diskussionswerkshop Degrowth-Konferenz Leipzig, 4.9. 2014 (Langfassung) Stand 9.9. 2014 www.winkelmann-adelsborn.de.

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1 1 Bernd Winkelmann, Akademie Solidarische Ökonomie Diskussionswerkshop Degrowth-Konferenz Leipzig, (Langfassung) Stand III. Wahrnehmung der Situation: Analyse der kapitalistischen Wachstumsökonomie V. Konturen einer Postwachstums- und Gleichgewichts- ökonomie Keine Postwachstumsökonomie ohne Systemwandel II. Die Systemfrage richtig verstehen I. Zusammenfassende These IV. Postwachstumsökonomie: Kernpunkte eines Systemwandels VI. Nachschlag: Das Wahrnehmen von Wendezeitentwicklungen

2 2 ● Zur Überwindung einer zerstörerischen Wachstumsökonomie müssen ihre systembedingten Ursachen erkannt werden. Diese liegen in den Prämissen, Ideologien und Strukturen der kapitalistischen Wirtschafsweise. I. Zusammenfassende These ● Diese sind durch Leitvorstellungen und Strukturen einer Ökonomie zu ersetzen, die nicht mehr den zerstörerischen Wachstumszwängen erliegen und eine Postwachstumsökonomie ermöglichen. ● Eine Postwachstumsökonomie wäre eine „Gleichgewichtsökonomie“, die nur eine postkapitalistische Ökonomie sein kann. ● Insofern ist eine Postwachstumsökonomie nicht ohne einen tiefgreifenden Systemwandel zu erreichen.

3 3 II. Die Systemfrage richtig verstehen Woher die Angst vor der Systemfrage? ● traumatische Urangst und Schreckenserfahrung „Kommunismus“ ● Angst vor Besitzstandsverlust und Lebensveränderungen überhaupt ● Nichtwahrnehmen der Weltsituation ● Verdrängen der Ursachenfrage ● Nichtverstehen, Missverstehen der Systemfrage

4 4 Zum Verständnis der Systemfrage ● Systemfrage nicht im alten ideologischen Sinne, sondern Wirtschaft im Sinne der Systemtheorie verstehen: ein funktionales Zusammenwirken vieler Faktoren innerhalb eines hochkompliziertes Systems. ● Hierbei das systemische Zusammenwirken auf zwei Ebenen beachten: a) auf mentaler Ebene (Paradigmen, Leitvorstellungen, Ideologien...) b) auf struktureller Ebene (Wirtschaftsordnungselement, z.B. Geldsystem, Eigentum...) Leonardo Boff: „Nur wenn wir die innerste Logik unserer vorherrschenden = kapitalistischen Wirtschaftsweise verstehen, können wir ihre Fehlentwicklungen überwinden“.

5 5 Systemischen Schlüsselfragen 1. Was funktioniert im (Wirtschafts-)System gemessen an seiner Zielbestimmung richtig oder falsch? (Analyse der Fehlfunktionen) 2. Wo liegen die entscheidenden Fehler im System? (Ursachenfrage) 3. Was muss wie umgebaut werden, damit die Fehlfunktionen überwunden werden? (systemischer Umbau) - Was wird falsch gedacht? (mentale Ebene); - Was wird falsch gesteuert? (strukturelle Ebene) - Was funktioniert von daher falsch? „Radikaler“ Ansatz: Nicht nachträgliche Symptombehandlung, sondern von den Ursachen her die Fehlentwicklungen verhindern (z.B. Bereicherung von unten nach oben) - Was muss neu gedacht werden? - Was müsste wie anders funktionieren? - Was muss wie umgebaut werden?

6 6 III. Wahrnehmen der Situation – Analyse der kapitalistischen Wachstumsökonomie Einerseits fortlaufende Steigerungen menschlicher Potentiale: - der Arbeitsproduktivität, der Reichtümer und Geldvermögen, - der wissenschaftlichen, auch ökologischen Erkenntnisse und der technischen Fähigkeiten - das alles in einem Tempo und in einer Höhe, wie es das in der bisherigen Menschheitsgeschichte noch nie gegeben hat. Andererseits keine Lösung, sondern: Zuspitzung gesellschaftlicher Grundprobleme: - wachsende Schere von Arm und Reich, - Fremd- und Selbstausbeutung, - Ausschluss aus Erwerbsarbeit und sozialer Teilhabe, - Präkarisierung des Mittelstandes - ein nicht beherrschbares Finanzsystem, - Hungerkatastrophen, soziale Aufstände, terroristische Exzesse, neues Wettrüsten, Kriege... - eine scheinbar nicht zu bremsende Zerstörung unseres Ökosystems... Meinhard Miegel: „Stichflammenentwicklung“ Die Grundparadoxie unserer Zivilisation

7 7 Hierin zwei Hauptsymptome der heute vorherrschenden Wirtschaftsweise 1. Extreme Bereicherung weniger auf Kosten der Vielen Schlüsselzahlen: > In D. verfügen 10% Supereiche 2012 über 66% des Nettovermögens; > Weltweit 20% über 83%, 80% etwa 17% 2. Ökologische Übernutzung und Ausplünderung unseres Planeten Schlüsselfaktum: weltweit Ökologischer Fußabdruck 50% über verträgliche Maß; In D. das 4-fache, USA das 10-fache 2011 bei 1,5 Beide Fehlentwicklung laufen zwingend in Crashsituationen hinein. Leonardo Boff: „Selbstmordtendenz des Kapitalismus“ > Dies in wachsender Scherenentwicklung! > Zunahme in immer kürzeren Zeit!

8 8 Die Ursachen auf mentaler Ebene: Daraus vier weitere kapitalistische Prinzipien: 1. Das Verwertungsprinzip: alles muss zur Geldvermehrung verwertet werden, „muss sich rechnen“: Natur, Mensch, Kultur, Religion... = Monetarisierung des Lebens; 2. Das Konkurrenzprinzip: Wirtschaften im Gegeneinander, im gegenseitigen Übervorteilen, Verdrängen Der Wachstumsprinzip auf Grund des Profitmaximierungsprinzips, des Wachstumswettlaufs – durch Konkurrenzkampf erzwungen Das Externalisierungsprinzip: Abschieben aller Last- und Folgekosten (Natur, Soziales) auf Allgemeinheit – Folgen des Profitmaximierungsprinzips.. 5. Das Deregulierungsprinzip der Wirtschaft: weitgehendster Rückzug von Staat und Regeln aus Wirtschaft 1. Kapitalisierungsprinzip: aus Kapital (Geld) muss mehr Kapital (Geld ) werden 2. Privatisierungsprinzip: Privatisierung möglichst jeder Wertschöpfung Ziel und Zweck allen Wirtschaftens: Profitmaximierung, Renditensteigerung, Geldmehrung, - dies in einem ständigen Mehr. Leitvorstellungen und innere Logik kapitalistischer Wirtschaftsweise - Akkumulation des Kapitals in Privat- verfügung der Kapitaleigner

9 9 ● Welthandelsordnung: Bevorteilung der reichen Länder Ursachen auf struktureller Ebene ● Finanzwesen: leistungslose Gewinne > im Zins- und Geldanlagensystem, > im spekulativen Geldhandel, > im abschöpfendes Bankensystem ● Eigentumsordnung: Privateigentum an Grund und Boden, Grundversorgungsgütern; Unternehmen, Immobilien zur leistungslosen Abschöpfung anderer Leistung ● „Entlohnungssystem“: Spitzenlöhne weit über jedes Leistungsvermögen ( fache ), Absenken der unteren Einkommen ● Steuer- und Sozialsystem, Abbau der solidarischen, paritätischen und progressiven Prinzips; Kommerzialisierung des Sozialsystem, Entlastung der hohen Einkommen ● Unternehmensverfassung: Akkumulation des Mehrwertes in Privatverfügung, ethikloses Handeln, Verdrängung vom Markt, Zerstörung und feindliche Übernahme ● Liberalisierung und Deregulierung der Märkte, neoliberaler Globalisierung Handlungsfelder der Wirtschaft im kapitalistischen System als Abschöpfungs-, Bereicherungs- und Externalisierungsinstrumente instrumentalisiert. Diese Mechanismen sind die strukturelle Ursache der ökosozialen Fehlentwicklung und zugleich strukturelle Wachstumstreiber des Systems. Frage: Zerstörerische Wirkungen leicht zu erkennen. Warum aber dennoch keine Einsicht in die zerstörerische Funktion und ihre notwendige Überwindung ?

10 10 Ursachen auf ideologischer Ebene ● Das Zusammenspiel von Eigennutz, Konkurrenz und Markt würde wie von einer „unsichtbaren Hand geleitet“ zum Wohlstand aller führen (Adam Smith 18. Jahrhundert). ● Privatisierung und Kommerzialisierung aller Güter des Lebens brächte höchste Effizienz und größten Wohlstand. ● Kapitalanhäufung und Reichtum in der Hand weniger würde die unteren Bevölkerungsschichten mit nach oben ziehen („Pferdeapfeltheorie“ von M.Theatcher). ● Ständiges (exponentielles) Wachstum der Wirtschaft sei möglich und Wirtschaft ginge nur im ständigen Wachstum. ● Freihandel würde automatisch zum „komparativen“ Vorteil für alle Beteiligten wirken (David Ricardo 18. Jahrhundert). ● Kapitalismus sei Voraussetzung für Freiheit und Demokratie. (Kapitalismus als Pseudoreligion)

11 11 Das dahinterstehende kapitalistische Menschenbild ● Das sozialdarwinistische Menschenbild: Der Mensch sei von Natur aus ein auf Egoismus, materielle Bereicherung, Neid, Konkurrenz, Aggressivität hin angelegtes Wesen. ● Der Materialistische Grundirrtum: Leben und Glück seien im Haben und immer mehr Haben, im Machen, Unterwerfen zu finden Tragik unserer Zivilisation: die kapitalistischen Ideologien haben beide Irrtümer zum herrschenden Leitprinzip der gegenwärtig Kulturepoche gemacht.

12 12 Exkurs: Denkfehler der Wachstumsverblendung (Kurzfassung) 1. Das Nichtverstehen der begrenzten Wachstumsfelder. → Bevölkerungswachstum, ungesättigte Märkte, neue Aufbauphasen, unbegrenzte Ressourcen

13 13 Wachstum und Wachstumsfelder Offene Wachstumsfelder Bevölkerungswachstum Ungesättigte Märkte Neue Aufbauphasen Unbegrenzte Ressourcen Wirtschaftswachstum Kein Bevölker- rungswachstum Beendete Aufbauphase Gesättigte Markte Begrenzte Ressourcen Krise Wirtschaftswachstum, Wachstumsfalle Quantitatives Wachstum ist nur möglich, wenn Wachstumsfelder offen sind. Geschlossene Wachstumsfelder Bei zunehmend geschlossenen Wachstumsfelder führt weiteres erzwungenes Wachstum zum Druck nach innen (Verdrängungskampf, Sozialabbau u.a.) – oder zur Expansion nach außen (neoliberale Globalisierung).

14 14 Exkurs: Denkfehler der Wachstumsverblendung (Kurzfassung) 1. Das Nichtverstehen der begrenzten Wachstumsfelder. → Bevölkerungswachstum, ungesättigte Märkte, neue Aufbauphasen, unbegrenzte Ressourcen 2. Die Verwechslung von Wirtschaftsleistung mit Wirtschaftswachstum. → Unterscheidung Wachstumsrate / Wachstumsgröße: Bei sinkendem BIP (Wachstumsrate) - Wachsen der Wirtschaftsleitung (Wachstumsgröße) möglich, z.B. BIP in D von 1950 zu 2012 von ca. 8 auf 1 gesunken; Wirtschaftsleistung von 250 Mrd.€ auf Mrd.€ gestiegen (lineares Wachstum) 3. Der Irrtum, dass Entwicklung, Wohlergehen und Lebenszufriedenheit mit dem Bruttoinlandprodukt zu messen wäre. → vgl. „Glücksforschung“, „Wohlfahrtsindex“, „Bruttosozialglück“ Der Irrtum, dass die Arbeitskrise und Armutskrise durch Wirtschaftswachstum zu lösen sei. → Ursache in kapital. Ausgrenzungs- und Abschöpfungsökonomie; Lösung in Teilhabeökonomie 5. Der Irrtum, dass Wirtschaftswachstum und Umweltverbrauch zu entkoppeln seien. → relative Abkopplung durch Effizienz ja, absolute Entkopplung durch Rebount-Effekt nicht.

15 15 Erste Schlussfolgerungen 1. Sowohl das Menschenbild, wie die Ideologien, die Prämissen und Strukturen der kapitalistischen Wirtschaftsweise sind systemisch auf ein immer Mehr ausge richtet. Darum gehört das Wachstumsparadigma unlösbar zum Wesen des Kapitalismus. „Ein Kapitalismus ohne Wachstum fällt um wie ein Fahrrad, das nicht fährt“. 2. Eine Postwachstumsökonomie kann darum nicht ohne Überwindung des kapitalistischen Wirtschaftsweise entwickelt werden. Insofern ist auf mentaler wie auf struktureller Ebene ein tiefgreifender Umbau des vorherrschenden Wirtschaftssystems nötig.

16 16 IV. Postwachstumsökonomie: Kernpunkte eines Systemwandels Notwendigkeit einer Realutopie: bewusst über das bisher Gedachte und Machbare hinausdenken.

17 17 Grundlegende Zielvorstellungen einer Ökonomie des Lebens 1. Die Wirtschaft wieder zu ihrem lebensdienlichen Sinn führen: Nicht Kapitalanhäufung und Gewinne in der Hand weniger, sondern: > Bereitstellung nützlicher Produkte und Dienstleistung, > Schaffung sinnvollerfüllender Arbeitsplätze So nicht Symptom-Behandlungen, sondern von den Wurzeln her die Fehlentwicklung unserer Zivilisation überwinden! 2. Dies: > in unbedingter Erhaltung des Ökosystems (Ökologischer Imperativ“ Hans Jonas, Herrmann Scheer) > in Entwicklung eines kulturell und sozial stabilen Gemeinwesens > in leistungsgerechter Teilhabe aller Menschen an der ökonomischen Wertschöpfung 3. Dies durch strukturellen Umbau des Wirtschaftssystems: an die Stelle der Abschöpfungs-, Bereicherungs- und Externalisierungsmechanismen treten gemeinwohlorientierte, solidarische und ökologisch nachhaltigen Ordnungsstrukturen. Statt gewinnorientierte Ökonomie - bedarfsorientierte Ökonomie 4. Diese sind zugleich entscheidende Systemweichen von einer Wachstumsökonomie zu einer Gleichgewichtsökonomie.

18 Konkrete Zielvorstellungen einer postkapitalistischen solidarischen Ökonomie Zu einer Wertegeleiteten Wirtschaft zurückfinden Abschöpfungs- und Bereicherungsmecha- nismen überwinden Statt Wachstums- Ökonomie Gleichgewichtsökonomie Beteiligungs- Ökonomie aller Entschleunigung + ganzheitliche Wertschöpfung Statt Konkurrenz- Kooperationsprinzip Demokratisierung + Mitbestimmung Primat der Politik Friedliche Konfliktlösung Neuer Gesellschaftsvertrag (neue Verfassung) 18

19 19 Bausteine einer postkapitalistischen lebensdienlichen Ökonomie („Systemweichen“) Neue Eigentumsordnung Neue Finanzordnung Partizipatorisches Unternehmertum Neue ganzheitliche Arbeitskultur Leistungsgerechtes Lohnsystem Solidarisches Steuer+Sozialsystem Ökosoziale Globalisierung + Regionalisierung Ökologisierung der Wirtschaft

20 Konkret (Kurzfassung 1) 20 ● Eigentumsordnung: Eigentum nicht mehr zur leistungslosen Abschöpfung fremder Leistung nutzen (z.B. durch Unternehmen, Pacht, Mieten ); Grund und Boden, Öffentlichen Güter werden Gemeineigentum (Commons, moderne Allmende ) ● Finanzordnung: Zinssystem wird durch Kreditgebührensystem abgelöst, abschöpfendes und spekulatives Geldanlagensystem wird verboten, das Bankensystem auf reine Dienstleistungsfunktion in öffentlicher Hand zurückgeführt ● Partizipatorische Unternehmensverfassung ökologische, soziale und gemeinwohl- orientierte Kennzahlen gehen in die Bilanzierung der Unternehmen; konsequente Mitbestimmung aller am Unternehmen Beteiligten (Wirtschaftsräte), Förderung genossenschaftlicher Unternehmen; ● Leistungsgerechtes und solidarisches Lohnsystem: Entlohnung a l l e r nach Tarifen in Spreizung von 1:5 (max. 1:10), Mindestlöhne;

21 Konkret (Kurzfassung 2) 21 ● Arbeitskultur: Arbeitsvolumen wird so geteilt wird, dass jeder Arbeitsfähige Erwerbsarbeit findet; neben Erwerbsarbeit sind Eigenarbeit und Gemeinwohlarbeit gleichwertig ● Solidarisches Steuer- und Sozialsystem von a l l e n Einkünften von a l l e n Bürgern paritätisch und solidarisch Beiträge erheben; bedingungslose soziale Grundsicherung ● Ökologisierung der Wirtschaft mit konsequentem Verursacherprinzip, Umstieg auf regenerative Energie, Reduzieren des Materiale- und Energiedurchsatzes (Schrumpfungsökonomie) ● Ökosoziale der Globalisierung und Regionalisierung: Durchsetzung fairer Handelsbedingungen, internationaler Standards und Institutionen, Stärkung der Regionalwirtschaft, ● Entwicklung einer modernen regionalen Subsistenzwirtschaft.

22 22 Sozialethische Grundlage: Das ganzheitliche Menschenbild und Lebensverständnis 1. Ganzheitlich duale (christlich-humanistische) Menschenbild: > der Mensch ist sowohl ein auf Egoismus, Aggressivität und Habenwollen, > wie ein auf Mitempfinden, Solidarität, Kooperation, Verantwortung, sinnvolle Verzicht, spirituelle Sinnfindung hin angelegtes und begabtes Wesen („Sünder und Gerechter zugleich“) 3. Erkenntnisse der neueren neurobiologischen Forschung und Glücksforschung: > Ab einem mittleren Einkommen steigt Lebenszufriedenheit nicht wirklich. > Nicht Konkurrenz, Aggression und Kampf ums Dasein - sondern Kooperation, Zugewandheit, Empathie, Vertrauen und Wertschätzung sind die besseren Stimulanzien biologischer, sozialer, auch wirtschaftlicher Systeme.“ (Gerald Hüther, Joachim Bauer, Christian Felber) 2. Der Mensch ist ein Sozialwesen (relationales Menschenbild / Geschwisterlichkeit des Menschen ) : > kann nur in Beziehung, in Gemeinschaft leben, glücklich werden > braucht Ethik, sich Regeln gebende Sozietät (Gemeinschaft, Staat) 5. Der Mensch ist auf „Transzendenz“ hin angelegt, erfährt hier Sinngebung und Gewissensanrede. 4. Der Mensch kann nur eingebunden im ökologischen Netzwerk der Erde überleben. Natur hat einen Eigenwert ( Schöpfungsspiritualität, Tiefenökologie)

23 23 V. Konturen einer Postwachstums- und Gleichgewichtsökonomie Exponentielle Wachstumsphase Reifezeit Langsame Keimzeit Natürliches Wachstum - Vorbild auch für die Wirtschaft? Abnehmendes Wachstum Absterben, Platzmachen für Neues

24 24 Funktion einer Gleichgewichtsökonomie Dies geschieht in einer ständigen dynamisch sich einpendelnden Sinusbewegung - sowohl für einzelne Güter wie für die gesamtökonomische Entwicklung. Ein ökonomisches, sozial- und ökologisch verträgliches Wachsen gibt es nur in bes. Aufbauphasen bzw. bei Erstellung neuer Produkte. Damit wird die ökonomische und soziale Crashtendenz der Wachstumsökonomie überwunden, eine Postwachstums- und Gleichgewichtsökonomie wird möglich. Bei Erreichen eines Sättigungsgrades Reduzieren /Einstellen des Bisherigen, Neues kommen lassen - das Wachsen geht zunehmend in qualitative Entwicklung über: Qualitätsprodukte, Wachsen kultureller, sozialer, geistiger Lebensqualitäten... Diese pendelt sich ein unter das maximal ökologisch-sozial verträgliche Maß von Faktor 1 des ökologischen Fußabdrucks.

25 25 Notwendigkeit einer Schrumpfungs- und Suffizienz-Ökonomie Niko Paech (ähnlich Reiner Klingholz u.a.): > Alle Ressourcen des Ökosystems sind endlich (peak everything ), werden aber mit dem heutigen Lebensstil und der vorherrschenden Wirtschaftsweise unwiederbringlich übernutzt. > Darum ist eine Rettung nur mit einer Schrumpfungsökonomie zu erreichen: ein drastisches Zurückfahren des gegenwärtigen Material- und Energiedurchsatzes. > Dafür sind die bisherigen Strategien: die Konsistenzstrategie ( ökologische Anpassung) und die Effizienzstrategie („Faktor Vier“) allein unzureichend (Rebount-Effekt). > Hinzukommen muss : a) die Suffizienzstrategie („Mit weniger besser leben“) b) die Entwicklung einer modernen Subsistenzwirtschaft. „Das Fundament einer Postwachstumsökonomie ruht auf einer Theorie (und Praxis) der Subsistenz und Suffizienz“. Konkret:  100%tiges Recycling (Kreislaufwirtschaft),  Reparatur- und Erhaltungswirtschaft,  Regionalsierung der Wirtschaft, Fremdversorgungsballast abwerfen,  Weniger kaufen, selbst besitzen - mehr reparieren, tauschen, teilen,  sich der Reizüberflutung (Werbung u.ä.) entziehen,  Erfolgserlebnisse in Selbstwirksamkeit Eigenproduktivität und Kooperation finden,  Vermögensunterschiede abbauen, Verteilungsgerechtigkeit stärken (ist ein Weg zum „Glück“) Konsumenten von morgen werden zu „Prosumenten“ und „Koproduzenten“ (Befreiung vom Überfluss“, S.114, 123, 146)

26 Vorschlag eines Ressourcen-Nutzungskontos 26 ● Fachinstitute berechnen für die wichtigsten Güter des Lebens den jeweiligen „Ökologischen Rucksack“: Aufwand und Belastung von Ressourcen und Energie, die für Herstellung und Nutzen eines jeweiligen Gutes nötig sind; diese in Ressourcen-Belastungspunkte umrechnen. ● Jedem Bürger /Haushalt /Unternehmen werden je Größe und Aufgabe für die wichtigsten gebrauchten Ressourcen auf einem Ressourcen-Nutzungskonto Nutzungspunkte gutgeschrieben (pro Jahr oder Monat). ● Die Verrechnung elektronisch mittels Kreditkarten /Nutzungskonten je Person / Haushalt / Unternehmen, auf denen Nutzungspunkte eingelesen sind, die bei jedem Einkauf getätigt werden. Hier jederzeit Stand des Ressourcennutzungskontos ablesbar (PC, Handy). Sinn: drastisches Absenken des Ressourcenverbrauchs im Alltäglichen durch Installieren von Zuteilungsgrößen für Bürger und Unternehmen - so den tatsächlichen Ressourcenaufwand eines jeden Gutes bewusst machen, zu Einsparungen stimulieren und gerechte Anteilhabe für alle sichern. Vorbild: Lebensmittelkarten, Kohlenbezugsscheine u.ä. in Kriegs- und Nachkriegszeiten. ● Bereiche für Privathaushalte: 1. Energie (Strom, Heizung), 2. Kleidung, Geräte, Maschinen, 3. Mobilität, 4. Nahrungsmittel; für Unternehmen: 1. Energie; 2. Rohstoffe; 3. Transprotaufwand Nutzung innerhalb der Nutzungspunkte zum günstigen Preis; bei Mehrverbrauch Preisaufschlag.

27 27 Zusammenfassung These Postwachstumsökonomie / Gleichgewichtsökonomie = Herausnehmen der Abschöpfungsmechanimsen = Wachstumstreiber aus der Ökonomie + konsequente Ökologisierung der Wirtschaft + Suffizienz in Wirtschaft und Lebensstil Dies gelingt nur:  wenn die Ursachen einer zerstörerischen Wachstumsökonomie in den Prämissen, Ideologien und Strukturen der kapitalistischen Wirtschaftsweisen erkannt werden,  wenn diese durch gemeinwohlorientierte, solidarische und ökologisch nachhaltige Prämissen und Ordnungsstrukturen ersetzt werden,  wenn es somit eine tiefgreifende Veränderung unseres Wirtschaftssystems und seiner Paradigmen gib,  wenn Menschen sich vom materialistischen Grundirrtum lösen und zu einer ganzheitlich wertorientierten Lebensart finden.

28 28 VI. Nachschlag: Wahrnehmen von Wendezeitentwicklungen (nach Ervin Laszlo, Fritjof Capra u.a.) ● Entscheidend für eine „Wende“: - Vorlauf von Pioniergruppen und Alternativkräften - Wahrnehmen der Kairos-Situation, - Entwicklung von Doppelstrategien - Zusammenwirken von „oben“ und „unten“ Bifurkationen Paradigmenwechsel

29 29 Epochenwechsel nur im Zusammenwirken verschiedener Handlungsebenen c) Politische Bewegungsarbeit: > Gemeinsames Wirken zivilgesellschaftlicher Gruppen, Initiativen, Bewegungen, Bündnisbildung: Druck von unten, Demos, Blockaden... > Befreiung der Politik aus der Umklammerung der Wirtschaft; neue Demokratiebewegung, alternative Parteien > Die Machtfrage im demokratischen Prozess lösen > Durchsetzen eines Neuen Gesellschaftsvertrags ( neues Grundgesetz) a) Bewusstseinsarbeit > Zuspitzung der Krise und Begreifen der Krise > Breite Bildungs- und Aufklärungspolitik auf allen Ebenen > Gesellschaftlicher Diskurs: „Was wollen wir wirklich wirklich?“ (Frithjof Bergmann) b) Ökonomische Pionierarbeit > Entwicklung alternativer Systementwürfe > Entwicklung alternativer Lebensstilbewegung (neue Werteerfahrung) > Entwicklung alternativer Projekte, Erprobungsarbeit, Inselmodelle

30 30 Zusatzfolien

31 31 Literaturhinweise Norbert Bolz, David Bossart: „Kultmarketing. Die neues Götter des Marktes“, 1995 Matthew Fox: „Revolution der Arbeit. Damit alle sinnvoll leben und arbeiten können“, 1996 Hans Peter Martin, Harald Schumann: „Die Globalisierungsfalle. Der Angriff auf Demokratie und Wohlstand“, 1997 Ulrich Beck (Hg.): „Die Zukunft von Arbeit und Demokratie,“ Frankfurt a.M Heiner Geißler: „Ou Topos. Suche nach dem Ort, den es geben müsste“, 2009 Wolfgang Kessler: „Weltbeben. Auswege aus der Globalisierungsfalle“, 2004 Günther Moewes: „Geld oder Leben. Umdenken und unsere Zukunft nachhaltig sichern“, 2004 Fritz Reheis: „Entschleunigung. Abschied vom Turbokapitalismus“, 2004 Franz Josef Radermacher: „Global Marshall Plan. Ein Planetary Contract. Für eine Ökosoziale Marktwirtschaft” 2004 Wolfgang Engler: „Bürger, ohne Arbeit. Für eine radikale Neugestaltung der Gesellschaft“, 2005 Niko Paech: „ Befreiung vom Überfluss“, 2012 Maynard Keynes „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zins und des Geldes“ und Aufsatz von 1943; hier widergegeben nach Karl Georg Zinn „Rezeptionslücken des Keynesianismus“, Hamburg 2008 Ulrich Duchrow, Franz Josef Hinkelammer: „Leben ist mehr als Kapital. Alternativen zur Diktatur des Eigentums“, 2002 Ulrich Duchrow, Reinhold Bianchi, Rene Krüger, Vincenzo Petracca: „Solidarisch Mensch werden. Psychische und soziale Destruktionen im Neoliberalismus – Wege zu ihrer Überwindung“, 2006 Elmar Altvater / Nicola Sekler (Hrsg.): Solidarische Ökonomie“, 2006 Joachim Galuska (Hg.): „Pioniere für einen neuen Geist in Beruf und Business. Die spirituelle Dimension im wirtschaftlichen Handeln“, 2004 Manfred Linz: „Was wird aus der Wirtschaft? Über Suffizienz, Wirtschaftswachstum und Arbeitslosigkeit“, 2006 Joachim Bauer: „Prinzip Menschlichkeit. Warum wir von Natur aus kooperieren“,Hamburg 2006 Christian Felber: „Neue Werte für die Wirtschaft. Eine Alternative zu Kommunismus und Kapitalismus“; 2008 Christian Felber: „Gemeinwohl-Ökonomie“, 2010 Maximilian Heubach: „Koordinatenwechsel. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Aufbruch“, 2011 Gil Ducommun: „Nach dem Kapitalismus. Wirtschaftsordnung einer integralen Gesellschaft“, 2005 BUND und Brot für die Welt: „Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt...“. Wuppertalinstitut 2008 Dennis Meadows: „Grenzen des Wachstums. Das 30-Jahre-Update, Signale zum Kurswechsel“, 2009 Hans Peter Gensichen: „Nur die Armut wird uns retten. Geteilter Wohlstand in einer Gesellschaft des Weniger“, 2009 Meinhard Miegel: „EXIT. Wohlstand ohne Wachstum“, Berlin 2010 Susanne Schmidt: „Markt ohne Moral. Das Versagen der internationalen Finanzelite“, 2010 Richard David Precht „Die Kunst kein Egoist zu sein“, 2010 Thoma´s Sedla´cek: „Die Ökonomie von gut und böse“, 2009/2012 Leonardo Boff: „Zunft für Mutter Erde. Warum wir als Krone der Schöpfung abdanken müssen“; 2012 Reiner Klingholz: „Sklaven des Wachstums. Die Geschichte einer Befreiung“, 2014 Stand

32 Das Dreigestirn des materialistischen Weltbildes 32 Das Zusammenwirken dieser drei Paradigmen ist Grundlage der kapitalistischen Weltanschauung – ist heute noch das dominante Paradigma unserer Zeit! z.B. nicht nur in kapital. Wirtschaft, auch in Unterhaltungsfilmen, z.T. in Schulen, Universitäten, Lebensweise...

33 33 Das Dreigestirn eines ganzheitlichen Welt- und Lebensverständnisses Schöpfungsspiritualität,Tiefenökologie Robert Jastrow (NASA-Physiker): „Wenn der Wissenschaftler die Berge der Unwissenheit mühsam und fleißig erklommen hat,... wird er von einer Gruppe von Mystikern und Religionsstiftern begrüßt, die dort seit Jahrtausenden auf ihn warten“.

34 34 Alternativen gibt es schon a) In bisherigen Sozialen Marktwirtschaft (Reformen im System): - Tariflohnsystem - Mitbestimmungsgesetze - Öko-Steuer - Kartellgesetze - Ansätze von Finanzmarktregulierungen - Genossenschaftsbanken - Daseinsvorsorge in Öffentlicher Hand - Non-Profitunternehmen... b) In alternativen Projekten (Ansätze von Systemalternativen): - gemeinnützige Banken (z.B. GLS-Bank, Oicocredit), - zinsfreie Regionalwährungen (Komplementärwährungen) - Tauschringe - Zeitbanken - Unternehmen der Gemeinwohlökonomie (Felber) - Betriebsübernahmen durch Belegschaften (Marcora-Gesetz) - genossenschaftliche Unternehmen - alternative Lebensstilbewegung - Ökologiebewegungen - postkapitalistischen Ökonomiebewegungen.... Entscheidend ist unsere Wahrnehmung und unser Einsteigen.

35 35 Mögliche Szenarien, Handlungsstrategie ● Sanftes Übergangsszenarium: schrittweise Entwicklung einer neuen „Sozialökologischen Marktwirtschaft“, eines „Global-Marshall-Planes“... Voraussetzung: geleistete Vorarbeit, Einsicht in Politik und Wirtschaft, Primat der Politik... Handlungsstrategien: alternative Inhalte+Modelle einbringen; Doppelstrategie... auf Streit und Kampfsituation einstellen... ● Sanfte Crash-Entwicklung: massive Krisenentwicklung, Zusammenbrüche der alten Großstrukturen; Protestbewegungen setzen systemverändernde Reformen, Alternativ- Projekte durch.... Voraussetzung: geleistete Vorarbeit; Paradigmenwechsel, Alternativprojekte werden aufgenommen; friedliche Entmachtung der alten Machtträger... Handlungsstrategien: alternative Inhalte+Modelle einbringen; Mobilisierung „der Straße“ zur friedlichen Erhebung; auf konsequente Wende bestehen,,Alternativprojekte“ durchsetzen... ● Eruptive Crash-Entwicklung: sozial-ökologische Crashs in weiten Teilen der Welt, Massenverelendung, Aufstände, Bürgerkriege, Migrationsströme... Zusammenbruch der politischen und ökonomischen Infrastrukturen und alten Machtzentren... Handlungsstrategien: Methoden der Friedlichen Revolution aktivieren; alternative Inhalte+Modelle einbringen, Überlebensinseln, Archen bauen; auf regionale Subsistenzwirtschaft umsteigen.... Neuanfang von unten...

36 36 Die Sinnhaftigkeit einer Doppelstrategie? Kapitalistische Ökonomie: - Prinzip Kapitalmehrung, Privatisierung; Konkurrenz, Wachstum... - Mechanismen der Bereicherung, Abschöpfung, Externalisierung... Solidarische Ökonomie: - Prinzip Kooperation, Solidarität, Teilhabe, Nachhaltigkeit... - Mechanismen der Partizipation, Kooperation, Nachhaltigkeit... Zähmung, Reformen im Kapitalismus: - bei Beibehalten der kapitalist. Prinzipien und Mechanismen - aber Zähmung, Kontrolle, Beschränkungen... durch soziale und ökologische Auflagen (Regularien) „Ökosoziale Marktwirtschaft“ ? Doppelstrategie: a) Unterstützung zielführender Reformen, b) zugleich Arbeit an Systemalternativen Reform oder Überwindung des Kapitalismus?

37 37 Herausforderungen und Aufgaben der Kirchen und Religionen 5. Selbst im eigenen Leben, in kirchlichen Strukturen alternative Praktiken und Modelle entwickeln, Lebensstil-Umkehrbewegung fördern 3. Prophetisch Zeitansage wagen: Aufdecken der Mammon-Herrschaft, der Unrechtsstrukturen; konkrete Schalomansage Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung 4. Parteinahme und Anwalt sein für die Opfer des alten Systems; sich mit anderen Aufbruchsbewegungen verbünden.. 1. Das (neue) spirituelle, religiöse Suchen der Menschen aufnehmen, die alten Chiffren und Riten transformierten, neue entdecken 2. Hier besonders > eine ganzheitliche, die Transzendenz einschließende Weltsicht entwickeln, > die spirituelle Empfänglichkeit des Menschen fördern und wecken, > das ganzheitlich-spirituelle Menschenbild und Lebensverständnis fördern 6. Sich mit allen Religionen in einer Interreligiöse Ökumene zusammenfinden (Hans Küng, Projekt Weltethos...)

38 38 Handlungsfelder auf persönlicher Ebene ● Selbst begreifen, worum es geht... ● Sehen, was ich davon im eigenen Leben umsetzen kann... ● Entsprechende Meinungsbildung nach außen... ● Entsprechende Initiativen, Bewegungen unterstützen, mitmachen... ● Politische Forderungen, Druck von unten, bei politischen Aktionen mitmachen... ●...


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