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Clara Wichmann 1922. Leben und Werk Clara Wichmanns: Gewaltlose Anarchistin und Antimilitaristin 1885 – 1922 Institut für Friedensarbeit und gewaltfreie.

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1 Clara Wichmann 1922

2 Leben und Werk Clara Wichmanns: Gewaltlose Anarchistin und Antimilitaristin 1885 – 1922 Institut für Friedensarbeit und gewaltfreie Konfliktaustragung Vortrag Essen,

3 Aufbau des Vortrags Ziel: Übersicht über das Werk (immanent, deskriptiv) Biographische Einführung Wichtige Themen und Fragestellungen Diskussion politisch-sozialer Bewegungen bei C.W. Einzelthemen: Frauenbewegung Ehe- und Familienrecht Strafrecht Krieg und Frieden Gewaltlosigkeit, Ziel und Mittel Tierrechte und Vegetarismus/Veganismus

4 Clara Wichmann – eine Ikone Bild: Einladung, Titel der Graswurzelrevolution Steun Clara! – Clara Wichmann Institut Proefprocessenfond (u.a gegen GSP) 1985 Hundertjahrfeier, Neuauflage Dissertation Texte: differenziert, großes Wissen, abwägend, verständlich, verständnisvoll, unpolemisch, Repräsentantin wichtiger Bewegungen + Diskussionen in den fortschrittlichen NL

5 Biografie: Ausbildung + Beruf Hamburg – (deutsch- niederländisch) Vater Geologieprofessor in Utrecht Geschichtsstudium Gymnasialexamen 1905/ Philosophie: insbesondere Hegel Jura 1912 Promotion („Historische Grundlagen der gegenwärtigen Umformung des Strafbe- griffs“) Anwältin, Mitarbeit an der Ausstellung „Die Frau , Schule für Soziale Arbeit 1914 Zentralbüro für Statistik Den Haag

6 Entwicklung/Persönlichkeit Elternhaus: „Klassische Bipolarität“ + Spannungen (Scheidung der Eltern 1916) Fremdheitserfahrungen (erste Schuljahre) Ausgeprägte Bildungsambitionen Ehrgeiz, Ernst, Idealismus, „Frauen müssen sich beweisen“, Engagement, Verantwortung, Ethik, Anti-Egozentrik/Anti-Egoismus, Harmonie Bekanntschaft mit Bart de Ligt, zentrale Begriffe Heirat mit J.B.Meyer ( )

7 Arbeit + Engagement Theorie + Praxis Frauenfrage/-bewegung/-stimmrecht, UVSV+NBV ( Gründung u. Vorstand) Strafrechtsreform, Gründung + Sekretariat CBMS, 1920 Internationale Schule für Philosophie Amersfoort (praktisch-politischer Bezug 1916 ff) Beratung Kriegsdienstverweigerer Bond van Christen-Socialisten ( ) „Opwaarts“ Bond van Revolutionnair Socialistische Intellectueelen, „De Nieuwe Amsterdammer“ Bond van Religieuze Anarcho-Communisten, „De Bevrijding“, „De Vrije Communist“ (BCS + Vrije Menschen Verbond v. L.v.Mierop)

8 Wesentliche Fragen/Prinzipien Wie ist es? Darstellung und Kritik Wie war es? Veränderlichkeit Wie wird es sein? Entwicklung, Verfeinerung Was ist zu tun? Der subjektive Faktor! Ausgehen vom Konkreten, Persönlichen Ständige Veränderung, Bewegung, Entwicklung Dunkle Vergangenheit – helle Zukunft = falsches Schema, Sedimentierung des Vergangenen Relativität jeder (!) Weltanschauung, „Verzicht“ keine Relativierung der objektiven Probleme kein „Freund/Feind“ – Denken

9 Gegenwärtige Gesellschaft Differenzierung, Verschärfung der Gegensätze, Krise, Elend, Ungerechtigkeit Umbruchszeit, individuell intensiveres Erleben Gegenwärtige Ordnung erscheint als die - unbedingt zu verteidigende - Ordnung Abhängigkeit der Menschen vom Eigentum = „Heiligtum“ Familie ist ein Machtverhältnis, zwar vergeistigt, aber Unterdrückung der Frau, der „Anderen“, der Kinder, der Jugend

10 Dimensionen der Ungerechtigkeit Ungleiche Behandlung „Gleichartiger“ und „Anderer“ (Gruppenegoismus) Mangel an Empathie, Aufmerksamkeit, Eigengruppenegozentrik (unterdrückte Klassen, Straftäter, Tiere, Alte-Junge, geographisch entfernter Lebende) Andere Moral für Eigen- und Fremdgruppe Herrscher und Namenlose Starke und Schwache (Missbrauch)

11 Gegenwärtige ökonomische Verhältnisse Macht des Kapitals wird akzeptiert Ausrichtung auf Kapitalinteressen (Schule) Quantitatives Denken: Produkt statt Arbeit, Produktion für Markt statt Bedarf Überstrapazierung u. Ausschluss vom geistigen Leben u. Wachsen der Arbeiter Staatl. Intervention, Sozialarbeit, Taylor- system sichern status quo „Kultur braucht Dienstboten“ = kulturlos

12 Neue Gesellschaft Klassengegensätze sind durch Änderung der Produktionsweise aufzuheben Sozialismus ist Klassenkampf/Befreiung und (!) Aufbau neuen Zusammenlebens Neue Gesellschaft ist für alle (!) offen, Macht nicht nur für die Arbeiterklasse Heutige herrschende Klasse kann/muss den Verlust der Macht akzeptieren

13 Geistige und gesellschaftliche Entwicklung Soziale Ethik muss der individuellen folgen In der individuellen Ethik: Befreiung von: „geistiger Selbstbehauptung“ Selbstsucht/ Egoismus – Einsicht in eigene Begrenztheit – „Verzicht“ darf und kann erwartet werden Macht der Tradition, der „Phrase“ brechen Statt „guter Glaube“ - „wahre Überzeugung“ Ideologie (entspricht „positivem“ psychischen Bedürfnis d. Ablehnung v. Egoismus) – Ideen

14 Einzelner und Gesellschaft Die Verteidigung der Interessen der eigenen Gruppe ist nichts „Höheres“ als die individueller Interessen (wichtigstes Beispiel: Nationalismus) Das Individuum sowohl wie die eigene Gruppe, Rechtsordnung, Nation müssen untergehen, Akzeptieren und „Verzichten“ (herrschende Klasse) Einsicht: Alle Gruppen, Erscheinungen etc. tragen zur menschlichen Entwicklung bei Weitestgefasster „Antimilitarismus“, Selbstrelati- vierung, im engeren Sinne Dienstverweigerung

15 Soziale Bewegungen: Sozialismus Religiös-ekstatischer S. (Mittelalter, Ketzer) Utopischer S. 18. Jhdt. (Rationalismus) Wissenschaftlicher S.19.Jhdt.(Moderne Wissenschaft u. Industrie) Historische Formen sedimentiert, Gefühle und geistige Aktivität sollten übernommen werden (1,2), Vertrauen auf „Objektive Entwicklung“ (3) problematisch, auf „Reife“ warten - Quietismus (Reformismus, Parlamentarismus, Taktieren)

16 Kommunismus Kommunismus betont stärker die Eigentumsfrage, Überbetonung der „objektiven Faktoren“, materialistischer Akzent (Basis – Überbau, Notwendigkeit – Freiheit, gesellschaftliche und persönliche Faktoren, Determinismus, kein Fatalismus (Gegensatz deutsche Sozialdemokratie) Ideologiekritik aber Unterbelichtung/ Unterschät- zung der Ethik, der Ideale, der Persönlichkeit

17 Historischer Materialismus als historische Erscheinung Ergebnis einer historischen Entwicklung – zeigt ein System (!) des Zusammenwirkens aller Einflussfaktoren (keine Monokausalität) Der subjektive Faktor wirkt selbst kausal Einsicht in historische Gesetze als Faktor Die moderne Entwicklung ermöglicht aktives Eingreifen in den historischen Prozess Demaskierung von Interessen, Unterscheidung von Ideen und Idealen

18 Bedeutung des Syndikalismus autoritär/antiautoritär Gegenbewegung zur/Warnung vor der Verbürgerlichung der Sozialdemokratie bzw. der „modernen“ Gewerkschaftsbewegung Ablehnung des parlamentarischen Aushandelns, der Kompromisse Belebung der sozialen Kämpfe durch direkte Aktion, Massenstreik, Kampf auf ökonomischem statt politischem Gebiet (Sozialisierung „von unten“) Relativierung der Demokratie (unpolitische Mehrheit) Spontaneität, Widersetzlichkeit, subjektiver Faktor, Solidarität statt Streikkassen, keine Funktionäre

19 Anarchismus (Kropotkin) Gesellschaft ist fähig zur Selbstorganisation Vertrauen auf ordnende gesellschaftliche Kräfte statt Furcht vor chaotischen (Wahrnehmungstäuschung), Bedeutung der Dezentralisation (u.a. Beispiel E-Motor) Staat als späte historische Niedergangserscheinung (Spätmittelalter, Frühneuzeit) Kleine freie Gemeinschaften waren kulturell überlegen Anarchistische Moral lehnt Belohnung und Strafe ab, Prinzip der gegenseitigen Hilfe Kritik von C.W.: Ethik zu sehr aus den Bedingungen des Gruppenlebens erklärt, optimistische Überschätzung der ordnenden Kräfte

20 Anarchismus und Kultur Anarchismus - erneuernde kulturelle Kraft Alles verändert sich… ist relativ Soziale Kämpfe als Beitrag zur Kultur (??) Sozialer, kein individueller Anarchismus, Verbindung mit Arbeiterbewegung (Anarcho-Syndikalismus) Konkretheit – keine allg. Theorie des A. Revolutionär (Reife für den Sozialismus erreichbar durch Handeln + Kämpfen)

21 Anarcha-Feminismus (?) Begriff 1920 unbekannt (A. = Männerbund) Fehlen von Dominanzstreben, Manipulation Abweisung von Hierarchien, dafür: Respekt Subjekt – Subjekt statt Subjekt – Objekt Platz für Intuition und Gefühl, Vorsicht in Beurteilungen Versöhnung von Gegensätzen (Klischee?) (Frauenwahlrecht: doch antihierarchisch!) Zuständigkeit für Hausarbeit nicht thematisiert Keine Genderdebatte, hist. rel. Essentialismus

22 Frauenbewegung 1907 – 1917 Engagement Frauenwahlrechts- Bewegung (Beruf + Studium waren akzeptiert) bestehendes Zensuswahlrecht, 1887 ges. Ergänzung: „männlich“, 1894 Vereinigung f. Frauenwahlrecht 1907 Bund für Frauenwahlrecht (Clara Wichmann), Frauenwahlrecht = Männerwahlrecht, kein „Haushalts- vorstandswahlrecht“ oder Altersgrenze für Frauen, Zusammenarbeit mit SDAP und Freisinnigen (geistige) Entwicklung zentral /Frage nach dem Glück Ausstellung ( ) Geschichte der Frauenarbeit Modernes Arbeitssystem schafft Probleme für arbeitende Frauen/ Kinder/ Ruhe, Besinnung = wichtige Bedürfnisse Sept. 1917: Die Frau u. die Friedensbewegung/ Jan.1921: Die Ereignisse im Rev. Soc. Vrouwenbond

23 Ehe- und Familie(nrecht) Gegenwärtige Familie ist nicht „die Familie“ Unwürdige ökonomische (äußere) Zwänge Stärkere Differenzierung der Menschen bedeutet komplexere persönliche Verhältnisse Missverständnis „freie Liebe“/Verantwortlichkeit Sozialismus – Grenze zwischen Familie und Außenwelt und die Grenze der persönlichen Entwicklung aufheben Recht schafft keine neuen Sitten, kann neuem sozialistischem Gewohnheitsrecht Raum geben (russisches Familienrecht als Übergang vom bürgerli- chen zum sozialistischen Recht)

24 Strafbegriff Strafe – mythologische Vorstellungen: auf Unrecht muss Leid folgen Strafe als instinktive Reaktion Am Anfang der menschlichen Geschichte steht der Missetäter, der sich auflehnt, z.B. Prometheus, Lucifer Strafe als Strafe für Ungehorsam – durch die „Obrigkeit“ („Zeus“, „Gott“)

25 Verbrechen/Strafe als Konflikt Alte Norm – neue Entwicklung a) persönlich (Lucifer) b) andere Norm (Prometheus, Antigone) „anterograde“ oder „evolutive Kriminalität“ (Tolstois „erster verweigernder Kannibale“) Kriegsdienstverweigerung – praktische Hilfe durch C.W.) Verbrecher: Feind, Ungehorsamer, Sünder Strafe: instinktive Reaktion, Rache, Erniedrigung

26 Argumente gegen die Vergeltungstheorie Leid + Belohnung gehören zur Tauschgesell- schaft, nicht zur Sittlichkeit Es geht um Aufbauen, Aufrichten Strafe stört den inneren Besinnungsprozess Der bestrafte Mensch ist nicht derselbe, der die Tat beging (Tat zeitigt Wirkungen im Täter) Falsche Aufteilung in „Sünder und Gerechte“ Gerechtigkeit ist dem irrenden Menschen nicht möglich (die Realität ist zu komplex) Der Straffällige (insbes. äußere Gründe) muss nicht schlechter sein als der Unbescholtene

27 Gründe gegen Zwecktheorien General- und Spezialprävention Einwirkung nur auf die „niedrige“ Seite des Menschen Verkennung der Natur des „Willens“, der Rolle des Unbewussten Demoralisierende und meist überschätzte Wirkung der Abschreckung Der Bestrafte wird zum Instrument der Abschreckung, zum Mittel (s. Kant)

28 Kriminalität hat meist gesellschaftliche Ursachen Wechselndes Erscheinungsbild in der Geschichte Kriminalität als Massenphänomen in Krisenzeiten (Frühkapitalismus, Gegenwart) Abhängigkeit von Jahreszeiten Eugeniker verkennen soziale Gründe Bürgerliche Milieutheoretiker verkennen Zusammenhang des Verbrechens und des Strafrechts mit dem Kapitalismus

29 Verbrechen in der sozialistischen Gesellschaft Verschwinden massenhafter Berufskriminalität Es verringern sich wegen besserer Verhältnisse: Psychopathen Verbrechen aus Leidenschaft Zufalls- und Nachlässigkeitsverbrechen Es bleiben: Anti- oder a-soziale Charaktere (hierfür sind Maßregeln zu treffen, da hier ein Mangel an Empathie, Intelligenz etc. Ursache) Evolutive Kriminalität sollte geschätzt werden

30 Veränderungen im Strafrecht Absterben des Strafbegriffes Aufgabe der primitiven Vorstellungen von Schuld, Strafe, Gerechtigkeit Historische Relativität von „Gerechtigkeit“, „Schuld“ etc. Grenzen der eigenen Urteilsfähigkeit (!) Strafbarkeit im Bezug auf Eigentum, Obrigkeit, Staat schützt keine sittlichen Werte Liebe statt Vergeltung oder Strafe Strafrecht stark rückständig, aktives Eintreten für Reformen notwendig, kein Selbstläufer

31 Bedeutung für die Strafrechtsreform Clara Wichmann als „Verteidigerin der Menschlichkeit“ (Bart de Ligt) Bedeutung der Arbeit für diese Idee (C.W. als Mitbegründerin u. Geschäftsführerin des Comité, Verfasserin der Gründungs- proklamation) Wiederbelebung in den 70-er Jahren „Resozialisierung“, „Sozialtherapeutische Anstalt“ statt Gefängnis

32 Krieg und Frieden S. Selbstbehauptung v. Einzelnen und Gruppen Nationale Interessen – sind Klasseninteressen Besitz, Bestehen, Kampf sind nicht das Höchste der Andere oder Feind ist wie man selbst Recht und Unrecht sind nie ganz auf einer Seite Wegen der eigene Beschränkung den Anderen im milderen Licht sehen, aufhören zu hassen Militarismus etc. erst im eigenen Land bekämpfen Die Verschiedenheit akzeptieren lernen Verschiedenheit als Reichtum der Menschheit sehen

33 Gewaltlosigkeit und soziale Revolution Kein Prinzip kann bis zur letzten Konsequenz erfüllt werden, wichtig ist, anzufangen Keine abstrakte Frage, Kein Entweder oder bei der Gewaltlosigkeit Wehrlosigkeit oder Gewalt – falsche Alternative Gewaltlosigkeit muss sich entwickeln Gewalt ist die (historisch) primitivste Reaktion Gewalt zieht Gewalt nach sich Gewalt ist nicht immer falsch (z.T. besser als Nichtstun, aber gewaltlose Mittel sind besser) Neue Mittel suchen – „geistige Wehrhaftigkeit“

34 Mittel und Zweck Objektiver Zusammenhang (nicht das unter- stellte Interesse am eigenen reinen Gewissen) Falsche (unethische) Mittel verfehlen den Zweck, führen von ihm weg, zum Gegenteil, ggf. Verzicht auf Ziel notwendig Gefahr der reaktionären Entwicklung Zu bekämpfen ist die Gewaltsuggestion, Gewalt wird selbsterfüllende Prophezeiung Mittel der Selbstbefreiung der Ausgebeuteten: Streik, Boykott, individuelle und massenhafte Dienstverweigerung (Beispiel: J. Meijer)

35 Tiere und aktive Gewaltlosigkeit Kropotkin: Gegenseitige Hilfe in der Natur Vegetarismus im Anarchismus: Tolstoi, Elisé Reclus, Louise Michel, tolstojanische Siedlungen in den Niederlanden Domela Nieuwenhuis, Antimilitarist + Verweigerer Jan van der Veer (Vrede-groep 1897), Felix Ortt, Lodewijk van Mierop u.a. (Kolonie van de internationale broederschap 1899), Louis Bähler, Jacob van Rees, Clara Wichmann, Jo Meyer, u.a.

36 Die Rechtsstellung der Haustiere (sog. Nutztiere) Tiere fallen unter das Sachenrecht Tiere werden verkauft, gepfändet, versteigert, gegen ihre persönlichen (!) Interessen Vergehen gegen Tiere gelten als Verstoß gegen die guten Sitten Lage der Tiere vergleichbar der der Sklaven, der Frauen, der unterdrückten Völker

37 Forderungen zu Tierrechten Tiere gehören unter ein Personenrecht Ggf. stellvertretende Wahrnehmung ihrer Rechte Eigentumsrechte von Tieren („Für wen hat Gott die Milch bestimmt, wenn nicht für die kleine Ziege?“) Vegetarismus/Veganismus

38 Vegetarismus + Veganismus “…het gaat om een grondige en innerlijke omzetting van der menschen verhouding tot de dieren. Om een om- wenteling van die oude gewoonte, de dieren te beschouwen als een zaak, aan Adam gegeven opdat hij er profijt en gemak van hebben zou.” De rechtspositie der huisdieren, 1920 “Es geht um eine grundlegenden und innere Veränderung des Verhaltens der Menschen gegenüber den Tieren. Um eine Umwälzung der alten Gewohnheit, Tiere als Sachen anzusehen, die Adam für seinen Profit und sein Vergnügen überlassen wurden.”

39 Befreiung Befreiung bedeutet daher: sich losreißen von etwas, das keine Wahrheit mehr hat. Dass alles, was menschlich und begrenzt ist, auch zu seinem Ende kommen und von etwas anderem abgelöst werden muss. Es gibt keine wirkliche Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse ohne Selbsterziehung und Selbstreform des Menschen.

40 Danke für die Aufmerksamkeit!

41 Zum besseren Verständnis des Denkens von Clara Wichmann folgen hier einige Folien mit Zitaten aus ihren Aufsätzen Entwicklung des menschlichen Geistes in der Entwicklungsgeschichte der Gesellschaft. So läuft denn auch die Entwicklung unserer Menschlichkeit mit der unserer gesellschaftlichen Organisation parallel. Es gibt keine wirkliche Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse ohne Selbsterziehung und Selbstreform des Menschen Denn in unserem bewussten Geistesleben überwiegt das Neuerworbene, das wirklich das „Unsere“ ist; und die Rudimente vergangener Kulturen liegen auf dem Boden

42 Zitate II Der größte Teil des menschlichen Lebens wird noch so stark von dem Selbstverständlichen, Übernommenen, nicht selbständig, ehrlich neu Erfahrenen beherrscht, Der theoretische Ausdruck der Tradition ist die Phrase. So ist denn auch der „gute Glaube“ der Menschen, die einander in der Gesellschaft bekämpfen, keineswegs mit einer wahren Überzeugung auf eine Stufe zu stellen Denn die Wirklichkeit verlangt neue Erkenntnisse, neue Vergeistigung. Die Wahrheit über eine neue Wirklichkeit ist eine neue Wahrheit.

43 Zitate III Befreiung bedeutet daher: sich losreißen von etwas, das keine Wahrheit mehr hat Etwas ganz anderes als lavierendes Verhandeln ist das versöhnende Begreifen auch dessen, der auf der Gegenseite steht. Es herrschen noch andere Mächte in der Gesellschaft als nur die Tradition. Es herrschen auch Selbstsucht und Egoismus

44 Zitate III Die Selbstbehauptung beherrscht das gesamte gesellschaftliche Leben: die Verhältnisse zwischen den Völkern und dadurch die Rassen- und Bevölkerungsprobleme; die Verhältnisse zwischen den Klassen und dadurch den gesamten Produktions-, Verteilungs- und Konsumtionsprozess; selbst die Verhältnisse zwischen den geistigen Strömungen und dadurch die Kirche und die offizielle Wissenschaft. Die Verschleierung eines Interesses als Ideologie ist ein psychischer Prozess. Das Bessere und das Höhere im Menschen erlauben ihm nicht, lediglich seinen Eigeninteressen zu dienen;

45 Zitate IV Keine Angst ist groß wie die, dazu verurteilt zu sein, zu einer Gruppe zu gehören, die es eigentlich nicht mehr geben dürfte. Dieses Urteil trifft alle nationalistischen Ideologien, es trifft auch alle Ideologien, in denen eine besitzende Klasse oder ein herrschendes Geschlecht in ihrer Herrschaft die Weltordnung so wie sie sein muss, verwirklicht wähnen. In viel geringerem Maße trifft es die, die noch im Aufstieg begriffen sind, die bisher zu kurz Gekommenen (: daher die Antinationalisten, die Proletarier, die Frauen); sie sind vorläufig noch im Recht. Doch dazu später. Hinzu kommt noch immer eine eigenartige Verwirrung: als sollte der Kampf für eine Gruppe immer von selbst ein altruistischer Kampf, ein Kampf für eine Idee sein.

46 Zitate V Hinzu kommt noch immer eine eigenartige Verwirrung: als sollte der Kampf für eine Gruppe immer von selbst ein altruistischer Kampf, ein Kampf für eine Idee sein. Als ob dies ein nicht-egoistisches Ideal wäre – das ewige Bestehen oder auch die ewige Vorherrschaft einer Kategorie von Menschen zu wünschen, während doch alles, was menschlich und begrenzt ist, auch zu seinem Ende kommen und von etwas anderem abgelöst werden muss.

47 In ähnlicher Fassung wurde dieser Vortrag auch bei der Feier des vierzig- jährigen Bestehens der Zeitung und des Verlages „Graswurzelrevolution“ am 8. September 2012 in Münster gehalten.


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