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1 Wirtschaft neu denken Ansätze und Bausteine einer lebensdienlichen Ökonomie Bernd Winkelmann, Akademie Solidarsche Ökonomie Bearbeitungsstand 21.3. 2011.

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1 1 Wirtschaft neu denken Ansätze und Bausteine einer lebensdienlichen Ökonomie Bernd Winkelmann, Akademie Solidarsche Ökonomie Bearbeitungsstand Zum Seminartag Murrhardt I. Charakter und Ursachen der heutigen Wirtschaftskrise 1. Die Grundparadoxien unserer Zeit und erste Schlussfolgerungen 2. Die Ursachenfrage – Prinzipien, Ideologie, Mechanismen kapitalistischer Wirtschaftsweise 3. Schlüsselfrage Menschenbild Exkurs Wirtschaftswachstum II. Leitvorstellungen und Ansätze einer lebensdienlichen Ökonomie 1. Reformen im oder jenseits des Kapitalismus? 2. Gesellschaftliche Transformationsprozesse 3. Persönliches Handeln 1. Grundanliegen einer lebensdienlichen Ökonomie 2. Das ganzheitliche Menschenbild und Lebensverständnis 3. Ökonomische Leitvorstellungen einer lebensdienlichen Wirtschaftsweise III. Bausteine einer lebensdienlichen Ökonomie (Systemweichen) 1. Neue Eigentumsordnung2. Neue Finanzordnung 3. Partizipatorische Unternehmensverfassung 4. Leistungsgerechtes Lohnsystem 5. Ganzheitliche Arbeitskultur6. Solidarisches Steuer- und Sozialsystem 7. Ökologische Nachhaltigkeitsökonomie8. Ökosoziale Globalisierung VI. Frage der Umsetzbarkeit, politische Transformationsprozesse

2 2 Grundparadoxie unserer Zeit Einerseits fortlaufende Steigerungen menschlicher Potentiale: der Arbeitsproduktivität, der Reichtümer und Geldvermögen, der wissenschaftlichen, auch ökologischen Erkenntnisse und der technischen Fähigkeiten – das alles in einem Tempo und in einer Höhe, wie es das in der bisherigen Menschheitsgeschichte noch nie gegeben hat (M.Miegel Stichflammenentwicklung) Andererseits keine Lösung, sondern Zuspitzung gesellschaftlicher Grundprobleme von Armut und Hunger, von Fremd- und Selbst- ausbeutung im Arbeitsprozess, von Umwelt- zerstörung, sozialen Spannungen, kriegerischen Konflikten...

3 3 Exemplarische Zahlen für Deutschland: Die Staatsverschuldung stieg in den letzten Jahren um jährlich ca. 7%; lag 2010 bei 1,8 Bio., das sind 74% des BIP, pro Kopf Das Privatvermögen in Deutschland bis 2007 jährlich um ca. 7% gewachsen; 2001 bis 2008 von 3,6 auf 8 Bio. angestiegen! Davon besitzen die 10% des oberer reichen Bevölkerungsanteils ca. 56% des Nettoprivat- vermögens (Anstieg um ca. 10% in sechs Jahren); - die 50% des unteren Bevölkerungsanteil besitzen 3,5% des NPV (Verringerung in 6 Jahren um 15%) Die Arbeitsproduktivität stieg in D von 1960 bis 2000 um das 4-fache, das BIP um das 10-fache. > Die Arbeitszeit ist von 1885 bis 1985 von ca. 70 WStd. auf WStd. gesunken. > Seit 20 Jahren steigt sie wieder auf WStd. > Aber etwa 20% der Erwerbsfähigen werden aus regulärer Erwerbsarbeit ausgeschlossen. Die 30 größten DAX-Unternehmen steigerten ihre Gewinne 2004 um 100% auf 35,7 Mrd., strichen im selben Jahr aber Stellen in Deutschland (Entlassungsproduktivität) Die Einkommen der Manager sind in den letzten 10 Jahren um ca. 300% gestiegen, der Bruttolohn der Lohnempfänger von minus 2 bis plus 10%. Die Armutsrisikoquote von 1998 zu 2003 von 12,1% auf 13,5% gestiegen (2006 jeder 6.Bürger betroffen). Verschuldetet Haushalten in Deutschland 2005 ca. 3 Mill. von 39 Mil. = 8%, steigende Tendenz.

4 4 Exemplarische Zahlen für die Welt Seit 1991 (in 20 Jahren) ist das Welt-Brutto- sozialprodukt um über das 2-Fache gestiegen, hat sich der Welthandel verdreifacht, der Energiekonsum verdoppelt besaßen die 20% reichen Industrievölker 83% des Weltvermögens; die 80% ärmere Staaten 17%. (1990 noch Verhältnis 20% zu 80%) 2004 verfügten die 500 größten Weltkonzerne über 52% des Weltbruttosozialproduktes. Auf der Erde sterben täglich Menschen an Hunger und seinen Folgen; alle 5 Sekunden ein Kind unter 10 Jahren – gegenläufig zum Millenniumsziel. Rüstungsausgaben jährlich weltweit ca. 1 Bio. US$; für Entwicklungshilfe nur 1/12. Deutschland drittgrößte Rüstungsexporteur (nach USA und Russland). Anstieg der Rüstungsexporte aus Deutschland 2006 bis 2009 um 10%. Ausgaben der Industriestaaten für Produktions- und Exportsubventionen landwirtschaftlichen Produkte 349 Mrd. Dollar (½ Mrd. Dollar pro Tag) – dies ruinierten die Landwirtschaft in Entwicklungsländer. Meadows Grenzen des Wachstums, S.43

5 5 Umweltverbrauch Wissen und Technologie wären dafür vorhanden (Herrmann Scheer, Al Gore), doch entsprechende Umbauvorschläge werden abgelehnt (Wachstumsgefährden). So entgegen dem Kiotoprotokoll weiterer Anstieg CO2 Ausstoß. Der Umweltverbrauch (Ökologischer Fußabdruck) liegt weltweit 20-30% über dem ökologisch vertretbaren Maß, - in D bei dem 4-fachen, - in den USA bei dem 10-fachen. Damit die Erdtemperatur nicht über 2 Grad ansteigt, müsste in Jahren der CO2-Pro-Kopf-Ausstoß - in D von 11 t auf 2 t abgesenkt werden, - in den USA von 19 t auf 2t. Rohstoffverbrauch ist weltweit von 1980 – 2010 um 62% gestiegen. Peak Oil heute oder in 10 Jahren, Peak Everything in nächsten Jahrzehnten (Niko Paech).. Meadows Grenzen des Wachstums, XVII

6 66 Erste Schlussfolgerungen 3. Will man die Fehlentwicklungen unserer gegenwärtigen Zivilisation überwinden, muss auf mentaler und struktureller Ebene die systemische Ursachenfrage gestellt und der systemische Umbau unseres Wirtschaftssystems gesucht werden: - Was wird falsch gedacht? - Was funktioniert falsch? - Was müsste wie anders funktionieren? 2. Bei der Lösung der Krise kann es primär nicht um noch mehr Reichtum, um noch mehr Wachstum und noch schnellere technische Entwicklung gehen, sondern um einen grundlegenden anderen Umgang mit Reichtum, Können und Vermögen. 1. Der Kern der zivilisatorische Krise unserer Zeit liegt nicht in der mangelnden Leistungsfähigkeit ihrer Wirtschaft, sondern in ihrem ethischen, politischen und ökonomischen Unvermögen, mit Hilfe der Reichtümer die sozialen und ökologischen Probleme unserer Zivilisation zu lösen.

7 77 Die Ursachenfrage Vordergründige Ursache: für die 2008 ausgebrochene Finanz- und Wirt- schaftskrise wird gesehen: 1. die Gier der Finanzmager, der Investmentbanker, der Kapitalanleger (Gier macht blind, dumm Verantwortungslosigkeit fachliches Versagen). 2. Die mangelnde Kontrolle der Finanzmärkte. Dahinterstehende Fehlentscheidung der Politiker, die sich flächendeckende ab 2000 durchsetzten: Beschlüsse der Parlamente, abschöpfende Finanzprodukte zuzulassen (gemischte Fondspakete, Derivatenhandel, Hedgefonds, Leerverkäufe usw.). Zitat aus CDU-Wahlprogramm 2005: "Wir entschlacken die Vorschriften zum Kreditwesengesetz und führen die bestehende Überregulierung bei der Bankenaufsicht auf das notwendige Maß zurück. Wir schaffen international attraktive Bedingungen für Wagniskapital, um die Gründung von innovativen Unternehmen zu fördern. Wer wagt, der gewinnt. Michael C. Burda, Prof. für Wirtschaftstheorie Humboldt-Univ. Berlin: (Spiegel 4/2009): Als Ökonom kann ich diese Gier nicht verurteilen. Ich muss sie sogar loben! Ohne das Streben nach Gewinn, das der Motor unseres Wirtschaftsstreben ist, wäre der Wohlstand, denn wir genießen, unmöglich.

8 8 Kernursache der ökonomischen Fehlentwicklung Leitprinzipien kapitalistischer Wirtschafweise: 1. das Kapitalisierungsprinzip: aus Geld muss mehr Geld werden 2. das Privatisierungsprinzip: Privatisierung jeder Wertschöpfung (Akkumulation der Wertschöpfung in Privatverfügung) A lso nicht die Bereitstellung nützlicher Güter, Dienstleistungen und sinnvoller Arbeitsplätze für alle, sondern Profitmaximierung und Mehrung des Kapitals in Privatverfügung als Ziel und Zweck allen Wirtschaftens ( Renditensteigerung als Ziel unternehmerischen Handelns). Daraus vier weitere kapitalistische Prinzipien: 1. Das Verwertungsprinzip: alles muss zur Geldvermehrung verwertet werden, muss sich rechnen: Natur, Mensch, Kultur, Religion... = Monetarisierung des Lebens; 2. Das Konkurrenzprinzip: Wirtschaften im Gegeneinander, im gegenseitigen Über- vorteilen, Verdrängen Der Wachstumsprinzip auf Grund des Profitmaximierungsprinzips, des Wachstums- wettlaufs – durch Konkurrenzprinzip erzwungen Das Externalisierungsprinzip: Abschieben aller Last- und Folgekosten (Natur, Soziales) auf Allgemeinheit – Folgen des Profitmaximierungsprinzips.. 5. Das Deregulierungsprinzip der Wirtschaft: weitgehendster Rückzug von Staat und Regeln aus Wirtschaft

9 99 ein Welthandelsordnung, die die reichen Länder gegenüber Entwicklungsländern bevorteilt (Agrarexportsubventionen, einseitiger Protektionismus u.a.) Systemfehler – Mechanismen kapitalistischer Wirtschaftsweise (strukturelle Ebene) das Finanzwesen: > mit spekulativem Geldhandel (neue Finanzprodukte), > im abschöpfendem Bankwesen, > mit leistungslosen Gewinnen im Zinswesen, eine Eigentumsordnung, die Privateigentum an Grund und Boden, an Grundversorgungsgütern, an großen Immobilien zur leistungslosen Abschöpfung anderer Leistung nutzen kann die Akkumulation (Ansammeln) des gemeinsam geschaffenen Mehrwertes in Privatverfügung der Kapitaleigner Abschieben der sozialen und ökologischen Lastkosten (externalisieren) auf Staat, Steuerzahlen (Privatisieren der Gewinne, Sozialisieren der Risiken und Verluste) ein Entlohungssystem, das Spitzenlöhne weit über jedes Leistungsvermögen möglich macht ( fache der Durchschnittslöhne) ein Steuer- und Sozialsystem, das den solidarischen, paritätischen und progressiven Ansatz (Bismarcks Sozialsystem) zunehmend verlässt (z.B. Kopfpauschale) eine Unternehmensverfassung, in der ethikloses Handeln, Verdrängung vom Markt, Zerstörung und feindliche Übernahme anderer Betrieben zum System gehört die Liberalisierung und Deregulierung der Märkte, dies in unkontrollierter neoliberaler Globalisierung Aus den Prinzipien der kapitalistischer Wirtschaftsweise kommen zwangsläufig die Systemfehler des Kapitalismus: die Abschöpfungs- und Bereicherungs- und Externalisierungsmechanismen zu Gunsten weniger, zu Lasten vieler, des Gemeinwesens, der Umwelt. Die wichtigsten sind:

10 10 Dahinterstehende Ideologien, Mythen, Halbwahrheiten, Lügen (mentale Ebene) Eigennutz und Konkurrenz würde wie von einer unsichtbaren Hand geleitet zum Wohlstand aller führen (Adam Smith 18. Jahrhundert). Liberalisierung des Marktes, Rückzug des Staates aus der Wirtschaft würde die beste wirtschaftliche Entwicklung bringen (Selbstheilende Kräfte des Marktes). Privatisierung und Kommerzialisierung aller Güter des Lebens brächte höchste Effizienz und größten Wohlstand. Kapitalanhäufung und Reichtum in der Hand weniger würde die unteren Bevölkerungsschichten mit nach oben ziehen (Pferdeapfeltheorie von M.Theatcher). Ständiges exponentielles Wachstum der Wirtschaft sei möglich und Wirtschaft ginge nur im ständigen Wachstum. Freihandel würde automatisch zum komparativen Vorteil für alle Beteiligten wirken (David Ricardo 18. Jahrhundert). Der Markt löse automatisch sich selbst stabilisierend alle Verteilungsprobleme Kapitalismus sei Voraussetzung für Demokratie und umgekehrt.

11 11 Der Materialistische Grundirrtum Dahinter stehet der uralte materialistische Grundirrtum: Leben und Glück seien im Haben und immer mehr Haben, im Machen, Unterwerfen zu finden. Die Weisheiten der Menschheit, die Bibel, die Religionen und Philosophien haben immer gewusst, dass dies eine zerstörerische Verkennung des Lebens ist. Doch die kapitalistischen Ideologien und Mechanismen machen diesen Grundirrtum zum System, zum Leitprinzip der gegenwärtig herrschenden Kulturepoche.

12 12 Schlüsselfrage Menschenbild Hinter der kapitalistischen Wirtschaftsweise und ihren Ideologien steht das sozialdarwinistische Menschenbild: Der Mensch sei von Natur aus ein auf Egoismus, materielle Bereichung, Neid, Konkurrenz, Aggressivität hin angelegtes Wesen. Nur im Ausleben dieser Gaben könne der Einzelne gut leben und die Gattung Mensch in der Evolution überleben. Die Bedürfnisse und Gaben von Solidarität, Nächstenliebe, Teilen und Verzichten, Verantwortung, spirituelle Sinngebung werden verleugnet oder als sublimierter Egoismus umgedeutet oder im besten Fall ins rein Private abgeschoben. Aus der Kombination dieses Menschenbildes und der oben beschriebenen Wirtschaftsideologien werden Egoismus und Streben nach Reichtum, das Austricksen und Übervorteilen des anderen, Konkurrenzdenken, Ellbogenmentalität, Aggression und Gewalt auf allen Ebenen des Lebens und der Gesellschaft zum selbstverständlichen Leitbild und Lebensstil (gemacht). Ein außerirdischer Beobachter, der auch nur einen einzigen Tag lang die Werbung in Fernsehen, Radio, Zeitungen und Internet studierte, würde kaum ein Indiz dafür finden, dass wir in einer... Gesellschaftsordnung leben, die auf Kooperation, Solidarität und Zusammenhalt beruht. Was er wahrnähme, wäre eine Propaganda, die... nichts anderes betreibt als die unausgesetzte Förderung des Egoismus. (Richard David Precht in Die Kunst kein Egoist zu sein)

13 13 Exkurs: Wirtschaftswachstum Offene Wachstumsfelder BevölkerungswachstumUngesättigte Märkte Neue Aufbauphasen Unbegrenzte Ressourcen Wirtschaftswachstum Kein Bevölker- rungswachstum Beendete Aufbauphase Gesättigte Markte Begrenzte Ressourcen Krise Wirtschaftswachstum, Wachstumsfalle Quantitatives Wachstum ist nur möglich, wenn Wachstumsfelder offen sind.. Geschlossene Wachstumsfelder Sind Wachstumsfelder nahezu geschlossen, führt weiteres erzwungenes Wachstum zum Druck nach innen und in Crash-Situationen – oder zur Expansion nach außen.

14 14 1. Denkfehler: Das Bemessen des Wachstums in Prozenten (BIP) führt zum exponentiellen Wachstum, d.h. zu ständig steigenden Wachstumsgrößen (Stückzahl). Dies geht nie auf Dauer! Drei Wachstumskurven: a) natürliches Wachstum: hört bei einem Optimum auf zu wachsen und stabilisiert sich. b) lineares Wachstum: gleichbleibender Zuwachs (gleiche Wachstumsgröße) c) exponentielles Wachstum: jährl. prozentuelles Wachsen (Wachstumsrate), d.h. Zuwächse gehen ein in Sockelbetrag des Folgejahres (Verdoppelungseffekt) Beispiel: Wenn heute in Deutschland in einem Jahr Autos produziert werden, sind das bei 6% Wachstum in 12 Jahren Autos in einem Jahr. Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Kenneth E. Boulding, USA:Jeder, der glaubt, dass exponentielles Wachstum für immer weitergehen kann in einer endlichen Welt, ist entweder ein Verrückter oder ein Ökonom.

15 15 2. Denkfehler Das Bemessen von Wirtschaftswachstum nach dem Bruttoinlandprodukt (BIP): es misst rein quantitativ die wirtschaftlichen Umsätze in Geldwert. Das heißt irrsinniger Weise: > Aufbau nach Zerstörungen bringt BIP-Wachstum; > material- und energiesparende Effizienz bringt rückläufiges Wachstum; > die qualitative Entwicklungen der Gesellschaft wird nicht gemessen. Die Glücksforschung zeigt, dass BIP und Lebenszufriedenheit/Lebensqualität nicht zusammenlaufen: Studie 2009: Die größte Lebenszufriedenheit in Ländern mit mittlerem Durchschnittseinkommen: - Costa Rica, Dänemark, Skandinavien, Island; - Deutschland an 30.Stelle, Simbabwe an letzter. Ab / Dollar Jahreseinkommen steigt der Glückspegel kaum noch. Meadows Grenzen des Wachstums, das 30-Jahre-Update Seit 1990 fordert UNO die Bemessung der Entwicklung mit ganzheitlichen Indizes (z.B. Neuer Wohlfahrtsindex, Human Development Index). Wird nicht aufgenommen, da das quantitative Wachsen (BIP) dämpfen würde. Bisher hat nur der Himalaja-Staat Bhutan an Stelle des BIP das Brutto-Sozialglück gesetzt: Ökologie, Kultur, Gesundheit, Bildung, Lebensstandart, Gemeinschaft, Zeitnutzung...

16 16 3. Denkfehler Mit fortlaufendem BIP-Wachstum würde man die ökonomischen und sozialen Probleme lösen (z.B. Arbeitslosigkeit). Das Gegenteil geschieht: Wachstum ohne Beachtung der Wachstumsgrenzen führt nicht nur ökologisch, sondern auch sozial und ökonomisch in Crashsituationen (These Wachstumsfalle). 1. Ökologischer Crash bei weiterem quantitativem Wirtschaftswachstum, weil schon jetzt der Ökologische Fußabdruck der Menschheit größer ist, als es unser Ökosystem verträgt. Wachstum durch ökologisierte Technologe (Green New Deal) vom Verbrauch zu entkoppeln, erweist sich durch den Rebount-Effekt (Rückschlagseffekt) als Illusion. 2. Sozialer Crash bei weiterem erzwungenem Wirtschaftswachstum, weil in den hochindustri- alisierten Nationen bei annährend gesättigten Märkten und Überproduktion Wachstum nur noch mit weiterer Rationalisierung, Arbeitsplatzabbau, Lohnsenkung, Arbeitsplatzverlagerung erreicht werden kann. Das treibt die untere Hälfe in Armut und Prekärisierung. ( Radermacher: Kannibalisierung der Wirtschaft, Brasilianisierung der Gesellschaft) 3. Ökonomischer Crash, weil weitere Rationalisierung, Arbeitsplatzabbau, Lohnsenkung, usw. die Schere zwischen Überangebot und Unterkonsum verschärft, Märkte einbrechen und dies zu einer sich ständig verstärkenden Wachstumsfalle führt. (vgl. Konjunktur-Krisen-Kreislauf nach klassischer Volkswirtschaftslehre)

17 17 Natürliches Wachstum und Gleichgewichtsökonomie Exponentielle Wachstumsphase Reifezeit Langsame Keimzeit Natürliches Wachstum - Vorbild auch für die Wirtschaft? Gleichgewichtsökonomie anstelle einer Wachstumsökonomie hieße: Die Wirtschaft wächst quantitativ nur in bes. Aufbauphasen. Bei Erreichen eines Sättigungsgrades geht das Wachsen zunehmend in qualitative Entwicklung über: Qualitätsprodukte, Wachsen kultureller, sozialer, geistiger Lebensqualitäten – dabei Schrumpfen materiellen Verbrauchs. Dies geschieht in einer ständigen dynamisch sich einpendelnden Sinusbewegung - sowohl für einzelne Güter wie für die gesamtökonomische Entwicklung. 1. Voraussetzung: das Herausnehmen wachstumstreibender Mechanismen und Ideologien: die kapitalistischen Prinzipien, ihre Abschöpfungs- und Externalisierungsmechanismen. 2. Voraussetzung: das Zusammenwirken von a) Konsistenzstrategie ( ökolog. Anpassung), b) Effizienzstrategie (ökologische Technologien), c) Suffizienzstrategie (Mit weniger besser leben) Abnehmendes Wachstum

18 18 II. Leitvorstellungen und Ansätze einer lebensdienlichen Ökonomie Ideekonferenz (Brainstorming) Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Nach dem furchtbaren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik kann nur eine Neuordnung von Grund auf erfolgen. Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein." (Aus dem Ahlener Programm der CDU von 1947) Was müsste anders sein, um aus den Grundparadoxien und Fehlentwicklungen unserer Wirtschaftsweise herauszukommen?

19 19 Das ganzheitliche Menschenbild und Lebensverständnis 1. Der Mensch kann nur eingebunden und in Übereinstimmung mit dem ökologischen Netzwerk der Erde leben und überleben. Verletzt er dies auf Dauer, wird er als Parasit von der Natur ausgestoßen (Hoimar v. Ditfurth). Neuere neurobiologische, sozialpsychologische Forschungen weisen nach: Nicht Konkurrenz, Aggression und Kampf ums Dasein, - sondern Kooperation, Zugewandtheit, Empathie, Vertrauen und Wertschätzung sind die besseren Stimulanzien biologischer, sozialer, auch wirtschaftlicher Systeme. (Gerald Hüther, Joachim Bauer, Christian Felber - ähnliche Ergebnisse in der Glücksforschung ) Eine alternative, lebensdienliche Ökonomie geht von drei Grundeinsichten menschlichen Lebens aus: 3. Das ganzheitlich duale (christlich-humanistische) Menschenbild: Der Mensch ist zwar auch ein auf Egoismus und Aggressivität hin angelegtes Wesen (Sünder), aber ebenso ist er ein auf Mitempfinden, Nächstenliebe, Solidarität, sinnvollen Verzicht, Kooperation, Verantwort und spirituelle Werte- und Sinnfindung hin angelegtes und begabtes Wesen (Erlöster). Erst von den Gaben der zweiten Seite her wird der Mensch sozial- und damit lebensfähig. 2. Der Mensch ist ein Sozialwesen: er kann weder als Individuum noch als Gattung isoliert ohne andere oder gegen andere überleben, sondern nur in einer sich Regeln gebenden Sozietät. In der Sozietät haben gemeinwohlorientierte Regeln Vorrang vor privatwohl- orientierten Interessen.

20 20 Grundanliegen der alternativen Ökonomiebewegung: die Wirtschaft zu ihrem eigentlichen lebensdienlichen Sinn bringen: > nicht Gewinnsteigerung als Profit- und Kapitalmehrung in der Hand weniger, Dabei sind: 1. die Tabufragen zu brechen: Wachstum, Eigentum, Reichtumsanhäufung, Systemfrage u.a., 2. eine Realutopie zu entwerfen, die bewusst über das üblicherweise Gedachte und bisher Praktizierte hinausgeht und erst im zweiten Schritt die Realisierung sucht. Grundanliegen einer Lebensdienlichen Ökonomie Wichtigste Aufgaben: > auf mentaler Ebene: die Denkmuster, Ideologie der Bereicherungsökonomie durchbrechen – zu einem solidarisch-kooperativem Verständnis von Wirtschaft führen (Paradigmenwechsel). > auf struktureller Ebne: die Abschöpfungs- und Bereicherungsmechanismen des Kapitalismus überwinden – durch solidarisch-kooperative Wirtschaftsstrukturen ersetzen (Systemveränderung). sondern 1. die Bereitstellung nützlicher Produkte, Dienstleistung und sinnvoller Arbeitsplätze, 2. dies in solidarischer Teilhabe aller, 3. in Entwicklung eines kulturell und sozial stabilen Gemeinwesens, 4. in Erhaltung des Ökosystems und der Zukunftsfähigkeit der Menschheit.

21 Ökonomische Leitvorstellungen einer Lebensdienlichen Wirtschaftsweise Zu einer Wertegeleiteten Wirtschaft zurückfinden Abschöpfungs- und Bereicherungsmecha- nismen überwinden Statt Wachstums- Ökonomie Gleichgewichtsökonomie Beteiligungs- Ökonomie aller Entschleunigung + ganzheitliche Wertschöpfung Statt Konkurrenz- Kooperationsprinzip Demokratisierung + Mitbestimmung Primat der Politik Friedliche Konfliktlösung Neuer Gesellschaftsvertrag (neue Verfassung)

22 22 III. Bausteine einer Lebensdienlichen Ökonomie (Systemweichen) Der notwendige systemische Umbau im Überblick Neue Eigentumsordnung Neue Finanzordnung Partizipatorisches Unternehmertum Neue Arbeitskultur Leistungsgerechtes Lohnsystem Ökologische Kreislaufwirtschaft Solidarisches Steuer+Sozialsystem Ökosoziale Globalisierung + Regionalisierung

23 23 (1) Neue Eigentumsordnung: Privateigentum (auch Privateigentum an Produktionsmitten) wird gewährt und geschützt: - sofern es durch eigene Leistung geschaffen wurde, - dem eigenen Lebensunterhalt dient, - dem Gemeinwohl dient (Sozialpflichtigkeit des Eigentums), - es nicht als leistungsloses Abschöpfungsinstrument fremder Leistung genutzt wird. > Privateigentum an Grund und Boden, an natürlichen Ressourcen und großen kulturellen Gütern geht in Gemeineigentum über (klassische Allmende), es kann zur Nutzung verliehen werden (z.B. Erbpacht). > In den Unternehmen durch Abschreibung für private Produktionsmittel und durch konsequente Mitbestimmung und Gewinnbeteiligung (Partizipatorische Unternehmensverfassung). Die Abschöpfungsmechanismen, die im Privateigentum gegenüber fremder Leistung liegen, werden herausgenommen durch: > Entprivatisierung der Öffentliche Güter der Daseinsvorsorge, sie gehen in gemeinnützige öffentliche Trägerschaft,werden ohne Gewinnabschöpfung rein betriebswirtschaftlich geführt (moderne Allmende). > Einnahmen durch Mieten und Pachterträge dienen nur deren Errichtung, Erhaltung und Veraltung, nicht einem leistungslosem Einkommen.

24 24 (2) Neue Finanzordnung Das Geld wird auf seine eigentlichen lebensdienlichen Funktionen zurück- geführt: es dient 1. als Tauschmittel, 2. als Aufbewahrungsmittel. 3. als Spar- und Kreditmittel, 4. als Wertmassstab für quantifizierbare Werte. > Im Zinssystem durch: - einmalige Kreditgebühr statt Zins, - oder Linear- isierung des Zins, - oder Liquiditätsabgabe für nicht umgesetztes Geld (Negativzins nach Silvio Gesell) > In der Finanzwirtschaft: Verbot allen spekulativen Geldhandelns: Börsen- und Aktienhandel, Hedgefonds, Derivate usw. (Allokation des Geldes durch Realwirtschaft, realwirtschaftl. Kredite, Steuer-Förder-Politik) : > Im Bankenwesen: Banken als reine gemeinnützige Dienstleistungs- unternehmen (Maklerfunktion) in Öffentlicher Hand ohne Gewinne, mit festen Gehältern (Demokratische Banken). Somit werden die Abschöpfungs- und Bereicherungsmechanismen des bisherigen Geldsystems herausgenommen: Die Ware-Geld-Beziehung wird wieder auf ihre zweckdienliche Funktion zurückgeführt: W – G – W statt: G – W – G´ oder G´- G´- G´´- G´´´

25 25 (3) Partizipatorische Unternehmensverfassung Die kapitalistische Unternehmensverfassung arbeitet nach zwei Prinzipien: 1. Die Bilanzierung konzentriert sich auf die Finanzperspektive, auf die Steigerung des Gewinns. Ökologische, soziale und gemeinwohlorientierte Aspekte kommen in der Bilanzrechnung nicht vor. 2. In allen Unternehmensfragen entscheiden allein die Kapitaleigener: (Shareholder-Prinzip) – oft gegen die Interessen der anderen Beteiligten und Betroffenen: die Beschäftigten, die Kunden, die Zulieferer, die Kommune, die Umweltverbände (Stakeholder): Eine partizipatorische Unternehmensverfassung arbeitet nach drei Prinzipien: 1. In der Bilanzierung werden neben betriebswirtschaftliche auch ökologische, soziale, gemein wohlorientierte Kennzahlen eingegeben und in entsprechenden Steuer- und Förderregeln berücksichtigt. (z.B. Ressourcenverbrauch, Arbeitsplatzkoeffizient) 2. Es werden a l l e am Unternehmen Beteiligte und vom Unternehmen Betroffene in die Entscheidungen des Unternehmens einbezogen - durch Wirtschaftsräte: Kapitaleigner bzw. Besitzer, Manager (Betriebsleitung), Angestellten, Kunden, Lieferanten, Vertreter der Öffentlichkeit, Umweltverbände (Stakeholder-Prinzip): 5. Förderung Genossenschaftlicher Unternehmensführung Beteiligung aller ist eoipso gegeben; ökologische, soziale und gemeinwohl- orientierte Bilanzregeln werden integriert. 3. Einführung des Anreiz- und Begrenzungsprinzips für Unternehmergewinne (bis zum 10-fachen der Durchschnitteislöhne) 4. Einführung des Abschreibungsprinzips für eingebrachtes Kapital, Produktionsmittel

26 26 Exkurs: Warum Sozialpflichtigkeit, Gewinnbeteiligung und Mitbestimmung zum Unternehmertum gehören Wertschöpfung und Mehrwert wird auch in Privatunternehmen nicht allein durch den Kapitalgeber ( Eigentum an PM ) erarbeitet, sondern durch: 1. Gesellschaftliche Vorgaben (Infrastruktur, technisch-wissenschaftliche Vorleistungen, politische Ordnung, sozialer Friede u.a.), 2. Eingebrachtes Kapital ( PM ), 3. Mitarbeiterleistung, 4. Eigenleistung des Unternehmers Darum ist in allen Betriebsfragen die Mitbestimmung, Gewinn- und Risikobeteiligung und aller Beteiligten geboten (genossenschaftliche Tendenz). Darum ist der erarbeitet Mehrwert aufzuteilen für: 1. Löhne und Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter, 2. Staatssteuer und Sozialsteuer ( Sozialpflichtigkeit ), 3. Investitionszurücklagen, 4. Private Gewinnanteile des Unternehmers (mit Anreiz- und Begrenzungsprinzip, Abschreibung für eingebrachte PM) Somit wird die Überwindung der Akkumulation des gemeinsam geschaffenen Mehrwertes in alleiniger Privatverfügung möglich.

27 27 Zur Logik von Mitbestimmung, Gewinnbeteiligung und Gewinnabschreibung

28 28 Statt Konkurrenzwirtschaft – Kooperationswirtschaft ? Kooperativer Wettbewerbswirtschaft will die Motivationskräfte, die in den egoistischen und konkurrierenden Anlagen des Menschen liegen - insbesondere seine Ehrgeiz- und Selbstentfaltungsbedürfnisse – aufnehmen, diese aber mit den kooperativen und altruistischen Bedürfnissen synergetisch vermitteln. Dabei soll es durch entsprechende Anreizsysteme eine deutliche Bewegung von Konkurrenz zur Kooperation geben (Felber). Die Grafik nach dem erkenntnistheoretische Quadrantenmodell von von Ken Wilber: die Polaritäten des Lebens bzw. der Evolution werden nicht als sich ausschließende Gegensätze, sondern als sich ergänzende Spannungen verstanden. Vgl. Ken Wilber: Eine kurze Gesichte des Kosmos 1996; Integrale Spiritualität. Spirituelle Intelligenz rettet die Welt Beispiel: ein Unternehmen (oder Kommune) schreibt Wettbewerb für ein bestimmtes Verfahren aus, verschiedene Teams entwickeln Lösungen; die beste wird ausgezeichnet, aber allen zur Verfügung gestellt, mit Teilergebnissen der anderen Teams optimiert.

29 29 (4) Leistungsgerechtes und solidarisches Lohnsystem Löhne die weit über dem 5-fachen des Durchschnittlohnes liegen, sind nicht durch eigenen Leistung erarbeitet; sie sind als Raublöhne abzulehnen. (Die Löhne der Banker, höheren Bankangestellten, Manager, Vorstände u.ä. liegen in Deutschland zwischen dem 20- und dem 1000-fachen der Durchschnittslöhne). > Es ist ein Lohnsystem zu schaffen, in dem Löhne im Mindestlohn bei der Hälfte, im Spitzenlohn bis zum 5-fachen (max. 10-fachen) der Durchschnitts- löhne liegen (Tariftabelle 0,5 bis 5-fachen). > Bes. Leistungen (Künstler, Freiberufler, Sportler u.ä.) werden nicht mehr nach dem Knappheitskriterium, sondern nach Leistung in variablen Pauschalsätzen vergütet. Arbeitsleistung wird nach drei Kriterien gemessen: 1. nach Leistungsintensität, 2. nach Qualitätsanspruch und Ausbildungsgrad, 3. nach Verantwortungslast. Das Arbeitsleistungsvermögen schwankt bei gleichem Zeiteinsatz zwischen 0,5 und dem 5-fachen der Durchschnittleistung eines Menschen. Die üblichen Tariflöhne liegen zwischen (Arzthelferin) und (Geschäftsführer). Der Durchschnittslohn in Tariflöhnen liegt brutto bei bis (Spreizung in der Regel 1 : 3) > Für sehr leistungsschwache Tätigkeiten gibt es einen solidarischen Lohnausgleich, so dass auch hier Mindestlöhne gezahlt werden können.

30 30 (5) Ganzheitliches Arbeitskultur Arbeit wird als ganzheitliche Wertschöpfung verstanden a) Materieller Wert: Produktivität, Entlohung b) Sozialer Wert: soziale Einbindung, Anerkennung, soziale Sicherheit c) Psychischer Wert: Kreativität, Kommunikation, Verantwortung, ganzheitl. Betätigung d) ideeller, ethischer Wert: Sinnfindung, dem Guten dienen Bezahlte Lohnarbeit /Erwerbsarbeit: als Arbeiter, Angestellter, Beamter, als Selbstständiger Unentgeltliche Eigenarbeit: Familienarbeit, Arbeit an Wohnung, Haus, Garten... Hobby u.ä. Ehrenamtliche Gemeinnutzarbeit: (Bürgerarbeit): Vereinsarbeit, Kulturelle Arbeit, Bürgerinitiativen, Chor, Freiwillige Feuerwehr, Mitarbeit in Parteien, Kirchen, Nachbarschaftshilfe u.ä. Die Überwindung der Entfremdung des Menschen in der Arbeit wäre dann gegeben, wenn sich der Mensch in allen drei Bereichen frei entfalten kann – und so das familiäre, kulturelle, gesellschaftliche Leben seine volle freie Entfaltung findet. Wertschöpfung der Arbeit in drei Bereichen:

31 31 Das Recht der Erwerbsarbeit Die Hineinnahme aller arbeitsfähigen Menschen in den ökonomischen Prozess ist: 1. die beste Grundlage eines stabilen und tragfähigen Sozialsystems, 2. die beste Grundlage einer nachhaltigen Wirtschaftsweise, 3. ein unverzichtbarer Anteil für soziale Integration und Wertschätzung des Menschen. > Zur Realisierung des Rechtes auf Arbeit soll das Volumen der Erwerbsarbeit so geteilt werden, dass jeder arbeitsfähige Mensch an ihr teilhaben kann. Der besondere Wert der Erwerbsarbeit besteht darin, dass sie den Menschen in den ökonomischen Prozess von > Arbeit, > Produktion, > Einkommen, > Konsumtion, > Steuer- und Sozialsystem hineinnimmt (Beteiligungsökonomie). Darum ist das Recht auf Erwerbsarbeit als ein Grundrecht des Menschen verfassungsmäßig zu verankern und zu realisieren. > Dies durch Herabsetzung der Regelarbeitszeit auf z.B. 30 Wochenstunden; zugleich große Flexibilisierung der Arbeitszeit. Das würde die strukturelle Arbeitslosigkeit überwinden, zu einer neuen Vollbeschäftigung, zur Teilhabe aller am Ökonomischen Prozess führen.

32 32 (6) Solidarisches Steuer- und Sozialsystem Das Steuer- und Sozialabgabensystem erfüllt zwei elementare Grundfunktionen, ohne die ein modernes Gemeinwesen nicht funktionieren kann: a) Finanzierung hoheitlichen und öffentlichen Aufgaben des Gemeinwesens (Staatssteuer); b) Finanzierung sozialer Absicherungen im solidarischen Füreinandereinstehen (Sozialsteuer) Das solidarische Steuer- und Sozialabgabensystem wird nach vier Prinzipien gestaltet: 1. Einheitsprinzip: es werden von allen Bürgern und allen Einkünften Abgaben gezahlt; 2. Solidarisches Prinzip durch progressive Besteuerung: wirtschaftlich Stärkere zahlen höhere Anteile zu Gunsten der wirtschaftlich Schwächeren; 3. Paritätisches Prinzip: zu gleichen Anteilen zahlen Unternehmen und Angestellte Sozialabgaben (Bismarcksche Sozialsystem ); 4. Lenkungsprinzip: Höhe der Abgaben nach sozialen und ökologischen Zielorientierungen. Lösen der Sozialabgaben der Unternehmen von den Arbeitsplätzen, dafür Wertschöpfungsabgabe an die Wertschöpfung/Mehrwert/Gewinne gebunden Besteuerung der Unternehmen nach Kennziffern der Gemeinwohlbilanz, ökologische, soziale Kriterien (z.B. Arbeitsplatzkoeffizient) Ressourcensteuer: direkte Besteuerung des Ressourcenverbrauchs ökologisch zielorientiert Gemeinsame gesetzliche Kranken- und Sozialversicherung für alle Bürger.

33 33 Bedingungsloses Grundeinkommen ? Funktion: Das bedingungslose Grundeinkommen tritt an die Stelle der bisherigen Sozialleistungen wie Sozialhilfe, Arbeitslosengeld, Kindergeld, Grund-Bafög, Grundrente. Davon unberührt bleiben andere Sozialleistungen wie Kranken-, Unfall- und Pflegeversicherung, Invaliden- bzw. Zusatzrente, zusätzliches Bafög u.ä.. Das BGE wird jedem Bürger unabhängig von der Erwerbsarbeit ohne Nachweis der Bedürftigkeit vom Finanzamt gezahlt: Erwachsene z.B. 600, Kinder 300. Das Aufkommen des BGE wird erbracht a) aus der Sozialsteuer der Erwerbstätigen und der Unternehmen, b) aus Verbrauchssteuern. Beispielberechnung: Mann und Frau mit drei Kindern hätten ein Grundeinkommen von zusammen (2 mal 600 und 3 mal 300 ). Dazu würde Mann oder Frau oder beide in Teilanstellung mit 30 Wochenstunden einer Lohnarbeit nachgehen mit einem Nettoverdienst von etwa Mit zusammen Monateinkommen wäre ein gutes Auskommen gegeben. Idee und Begründung: > Jeder Bürger erhält allein aus der Tatsache, dass er Bürger eines Sozialwesens ist, als soziale Grundsicherung eine bedingungsloses Grundeinkommen (BGE). Vorteile: 1. Soziale Grundsicherung als Menschenrecht unabhängig von Leistungsfähigkeit; 2. Keine entwürdigende Bedürftigkeitsprüfung; 3. Radikale Entbürokratisierung. Achtung! Bedingungsloses Grundeinkommen ist nur sinnvoll, wenn es mit anderen Bausteinen der neuen Ökonomie verbunden wird!

34 34 (7) Ökologische Nachhaltigkeitswirtschaft Unausweichliches Ziel einer Nachhaltigkeitswirtschaft ist eine drastische Verringerung des Ressourcenverbrauchs und der Umweltbelastung durch Abprodukte (um 90-99% - Schrumpfungswirtschaft im Ressourcenverbrauch). Die wichtigsten systemischen Instrumente hierfür sind: 1. schnellstmöglicher Umstieg auf regenerative Energie, 2. Durchsetzung des Verursacherprinzips, 3. Realisierung der Kreislaufwirtschaft (höchste Ressourceneffizienz) Die wichtigsten mentalen und ökonomischen Voraussetzungen und die wichtigsten politischen Instrumente sind: a) Überwindung der Wohlstandsmehrungsideologien, b) Überwindung der Wachstumsideologie und Wachstumsmechanismen in der Wirtschaft. c) entsprechende Steuer-, Abgaben- und Fördersysteme. Es geht um das Zusammenwirken von vier Strategien: 1. Konsistenzstrategie: ökologische Übereinstimmung, 2. Effizienzstrategie: ressourcensparende Technologie, hoher Wirkungsgrad, 3. Suffizienzstrategie: Mit weniger besser leben! (geistig, kulturell, spirituell, zwischenmenschlich)

35 35 (8) Ökosoziale Globalisierung und Regionalisierung Diese Prozesse sind nicht durch ein Warten auf globale Einigkeit zu erreichen, sondern durch regionales, nationales, bilaterales Agieren von unten. Hauptproblem der Globalisierung: die oligopole Machtkonzentration der Transnationalen Konzerne (TNC) und der modernen Finanzindustrie: - sie häufen unermessliche Reichtümer (Macht) in Privatverfügung an (über 50% des Weltbruttosozial - produkts), - sie entziehen sich nationalen Regularien und der öffentlichen Kontrolle, - sie unterlaufen soziale und ökologische Standards, - untergraben Chancengleichheit und Existenz der mittelständigen Wirtschaft, - höhlen Regionalentwicklung aus... Gegenkonzept ist eine öko-soziale Globalisierung und eine verstärkte Regionalisierung der Wirtschaft. Dazu gehören: - internationale Regelwerke, die die Machtkonzentration der TNC verhindern/auflösen, die kleingliedrige regionale Einheiten stärken, fairen Welthandelsbedingungen, ökosoziale Mindeststandards durchsetzen (z.B. ILO-Bestimmungen) - Umbau oder Neuerfindung entsprechender internationaler Organisationen (neue WTO, IWF, Weltbank usw.) - verstärkte Regionalisierung der Wirtschaft durch beschränkende Einfuhrreglungen (Überwindung des Dogmas vom Freihandel) -.Entwicklung einer modernen regionalen Subsistenzwirtschaft, Regionalwährungen u.a; - Vernetzung eigenständiger Regionen lokal, national, global. Zugleich sind sie in Krisen kollapsanfälliger als kleingliedrigere Einheiten, reißen diese aber mit in den Abgrund (z.B. Finanzkrise 2008f.; Autokrise...).

36 36 Das Zusammenwirken der Bausteine einer Lebensdienlichen Wirtschaftsweise Neue Eigentumsordnung Neue Finanzordnung Partizipatorisches Unternehmertum Neue Arbeitskultur Leistungsgerechtes Lohnsystem Ökologische Kreislaufwirtschaft Solidarisches Steuer+Sozialsystem Ökosoziale Globalisierung + Regionalisierung

37 37 Beispiel für das Zusammenwirken verschiedener Bausteine Teilung des Arbeitsvolumens - ca. 30-Stundenwoche - hohe Flexibilisierung der Arbeitszeit Bedingungsloses Grundeinkommen anstelle Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Kindergeld, Bafög, Grundrente... - z.B. Erwachsene Kinder 300 Paritätisch steuerfinanziertes Sozialsystem: Ablösen der Sozialabgaben von Arbeitsplätzen, dafür Wertschöpfungsabgabe der Unternehmen nach Arbeitsplatzkoeffizient Ausgleichendes, leistungsgerechtes Lohnsystem - Zeit statt Geld für hohe Löhne, - Mindestlöhne in Niedriglohnbereich - Leistungsgerechte Löhne von 0,5 bis zum 5-fachen So Hineinnahme a l l e r in ökonomischen Prozess von Arbeit, Produktion, Einkommen, Konsumtion, Steuer- und Sozialabgaben. So große soziokulturelle Befreiung und Bereicherung im Zusammenspiel von Familien- und Eigenarbeit, Erwerbsarbeit, bürgerschaftliches Engagement und Muße! Eine neue Arbeits- und Sozialkultur

38 38 VI. Fragen der Umsetzbarkeit, politische Transformationsprozesse Ideekonferenz (Brainstorming) Was wären die wichtigsten Fragen, Notwendigkeiten und Möglichkeiten für die Realisierung einer alternativen Ökonomie?

39 39 Alternative gibt es schon b) In alternativen Projekten (Ansätze von Systemalternativen): - Genossenschaftsbanken - gemeinnützige Banken (z.B. GLS-Bank, Oicocredit) - zinsfreie Regionalwährungen (Komplementärwährungen) - Betriebsübernahmen durch Belegschaften (Marcora-Gesetz) - genossenschaftliche Unternehmen - Tauschringe - Zeitbanken - alternative Lebensstilbewegung - die Ökologiebewegung - die alternative Ökonomiebewegung.... Verschiedenen Elemente einer Solidarischen Ökonomie gibt es schon: a) In bisherigen Sozialen Marktwirtschaft (Reformen im System): - Tariflohnsystem - Mitbestimmungsgesetze - Öko-Steuer - Kartellgesetze - Ansätze von Finanzmarktregulierungen - Daseinsvorsorge in Öffentlicher Hand - Non-Profitunternehmen... Entscheidend ist unsere Wahrnehmung und unser Einsteigen.

40 40 Solidarische Ökonomie im oder jenseits des Kapitalismus? Reform oder Überwindung des Kapitalismus? Kapitalistische Ökonomie: - Prinzip Kapitalmehrung, Privatisierung; Konkurrenz, Wachstum... - Mechanismen der Bereicherung, Abschöpfung, Externalisierung... Solidarische Ökonomie: - Prinzip Kooperation, Solidarität, Teilhabe, Nachhaltigkeit... - Mechanismen der Partizipation, Kooperation, Nachhaltigkeit... Zähmung, Reformen im Kapitalismus: - bei Beibehalten der kapitalist. Prinzipien und Mechanismen - aber der Zähmung, Kontrolle, Beschränkungen... durch soziale und ökologische Auflagen (Regularien) Ökosoziale Marktwirtschaft ? Konfrontativer Kampf oder Doppelstrategie?

41 41 Was müsste geschehen? Was ist zu tun? Auf gesellschaftlicher Ebene? Zuspitzung der Krise und Begreifen der Krise Entwicklung alternativer Projekte, Inselmodelle, Erprobungs- und Pionierarbeit Befreiung der Politik aus der Umklammerung der Wirtschaft Breite Bildungs- und Aufklärungspolitik auf allen Ebenen Politische Bewegungsarbeit: gemeinsames Wirken zivilgesellschaftlicher Gruppen, Initiativen, Bewegungen: Druck von unten, Demos, Blockaden... Gesellschaftlicher Diskurs Was wollen wir wirklich wirklich? (Frithjof Bergmann) Entwicklung eines neuen Gesellschaftsvertrags (neues Grundgesetz) Die Machtfrage im demokratischen Prozess lösen... Entwicklung alternativer Systementwürfe Entwicklung einer alternativen Lebensstilbewegung (neue Werteerfahrung)

42 42 Transformationsstrategie für eine lebensdienliche Ökonomie Erkenntnisse der Systemtheorie und Revolutionswissenschaften zeigen: Entscheidend ist, ob vorher genügend Alternativkräfte wirken, es im richtigen Moment (Kairos) zum massen- wirksamen Paradigmenwechsel kommt Am wirksamsten sind Doppelstrategien: a) viele Reformansätze in Einzelschritten, b) einen gänzlichen Systemwechsel anstreben. (nach Ervin Laszlo, Fritjof Capra, Joanna Macy u.a.) L ebendige Systeme und Geschichtsprozesse laufen in sinusartigen Entwicklung: aufsteigend, stagnierend, abfallend... In Krisensituationen Kipppunkten: schlagartiger Zusammenbruch des Bisherigen.. Im Ungenügen, in Destabilisierungen des Alten baut sich Neues auf. Ein Kipppunkt kann zu Bifurkationen führen: Gabelung zum chaotischen Zusammenbruch (breakdown) oder zum Durchbruch eines Neuen (breakthrough).

43 43 Handeln auf persönlicher Ebene? Selbst begreifen, worum es geht... Sehen, was ich davon im eigenen Leben umsetzen kann... Entsprechende Meinungsbildung nach außen... Entsprechende Initiativen, Bewegungen unterstützen, mitmachen... Politische Forderungen, Druck von unten, bei politischen Aktionen mitmachen......

44 44

45 45 Zusatzfolien

46 46 Literaturhinweise: Norbert Bolz, David Bossart: Kultmarketing. Die neues Götter des Marktes, 1995 Matthew Fox: Revolution der Arbeit. Damit alle sinnvoll leben und arbeiten können, 1996 Franz Alt: Das ökologische Wirtschaftswunder. Arbeit und Wohlstand für alle, Berlin 1997 Hans Peter Martin, Harald Schumann: Die Globalisierungsfalle. Der Angriff auf Demokratie und Wohlstand, 1997 Ulrich Beck (Hg.): Die Zukunft von Arbeit und Demokratie, Frankfurt a.M Wolfgang Kessler: Weltbeben. Auswege aus der Globalisierungsfalle, 2004 Günther Moewes: Geld oder Leben. Umdenken und unsere Zukunft nachhaltig sichern, 2004 Fritze Reheis: Entschleunigung. Abschied vom Turbokapitalismus, 2004 Franz Josef Radermacher: Global Marshall Plan. Ein Planetary Contract. Für eine Ökosoziale Marktwirtschaft 2004 Wolfgang Engler: Bürger, ohne Arbeit. Für eine radikale Neugestaltung der Gesellschaft,.2005 Niko Paech: Nachhaltigkeit zwischen ökologischer Konsistenz und Dematerialisierung: Hat sich die Wachstumsfrage erledigt? in Natur und Kultur 6/ Maynard Keynes Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zins und des Geldes und Aufsatz von 1943; hier widergegeben nach Karl Georg Zinn Rezeptionslücken des Keynesianismus, Hamburg 2008 Ulrich Duchrow, Franz Josef Hinkelammer: Leben ist mehr als Kapital. Alternativen zur Diktatur des Eigentums, 2002 Ulrich Duchrow, Reinhold Bianchi, Rene Krüger, Vincenzo Petracca: Solidarisch Mensch werden. Psychische und soziale Destruktionen im Neoliberalismus – Wege zu ihrer Überwindung, 2006 Elmar Altvater / Nicola Sekler (Hrsg.): Solidarische Ökonomie, 2006 Joachim Galuska (Hg.): Pioniere für einen neuen Geist in Beruf und Business. Die spirituelle Dimension im wirtschaftlichen Handeln, 2004 Manfred Linz: Was wird aus der Wirtschaft? Über Suffizienz, Wirtschaftswachstum und Arbeitslosigkeit, 2006 Joachim Bauer: Prinzip Menschlichkeit. Warum wir von Natur aus kooperieren,Hamburg 2006 Christian Felber: Neue Werte für die Wirtschaft. Eine Alternative zu Kommunismus und Kapitalismus; 2008 Christian Felber: Gemeinwohl-Ökonomie, 2010 BUND und Brot für die Welt: Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt. Ein Anstoß zur gesellschaftlichen Debatte. Eine Studie des Wuppertal Instituts, 2008 Dennis Meadows: Grenzen des Wachstums. Das 30-Jahre-Update, Signale zum Kurswechsel, 2009 Hans Peter Gensichen: Nur die Armut wird uns retten. Geteilter Wohlstand in einer Gesellschaft des Weniger, 2009 Meinhard Miegel: EXIT. Wohlstand ohne Wachstum, Berlin 2010 Susanne Schmidt: Markt ohne Moral. Das Versagen der internationalen Finanzelite, 2010 Hans Küng Anständig wirtschaften. Warum Ökonomie Moral braucht, 2010 Richard David Precht Die Kunst kein Egoist zu sein, 2010 Stand

47 47 Ungleichheit im Einkommen – in sozialer Gesundheit Nach Studien von Kate Pickett und Richard Wilkinson inGleichheit ist Glück – Warum gerechtere Gesellschaften für alle besser sind, Berlin 2010 Parameter: Mord, Selbstmord, Fettsucht, Teenagerschwangerschaft, Kindersterblichkeit, psychische Krankheiten, Zahl der Inhaftierten, Bildungsstand von 15jährigen, soziale Mobilität, Stellung der Frau... - nach Zahlen der WHO, Weltbank, UNO u.a. Beispielzahlen: Ungleichere zu gleicheren Länder: Mordraten 10 mal, psychische Kranke 3 mal, Teenagerschwangerschaft 7 mal höher

48 48 Sozialethische Bestimmung des Menschen – Wertebedingung einer menschlichen Zivilisation Die sozialethische Bestimmung des Menschen hat einen dreifachen Grund: 1. in seiner Empathiefähigkeit: die Not, das Leid des anderen rührt sein Herz, 2. in der Zweckmäßigkeit des Guten: Was du willst, das dir die Leute Gutes tun, das tue ihnen auch! (Goldene Regel) 3. in erfahrener Wertsetzung aus dem Unbedingten, der Stimme des Gewissens, des Göttlichen, das Wahre und Gute zu tun über das jeweilig Opportune hinaus. Die menschliche Zivilisation lebet aus vier Wertsetzungen: 1. Technisch-wirtschaftliche Innovationskraft: gute materielle Lebensvoraussetzungen schaffen. 2. Sozietät: ein Sozialwesen, Staat, Völkergemeinschaf aufbauen, in der Regelwerke zur Realisierung des Gemeinwohl entwickelt werden. 3. Solidarität: Verhaltensweisen, in denen Schwächere vom Stärkeren mit getragen werden, weil nur im gegenseitigen Beistehen Gemeinschaft tragend, menschlich und stabil ist. 4. Spiritualität: die Erfahrung von vorgegebenen geistig-seelischen Werten, Wahrheiten, der Antrieb zum Gutsein, zur Liebe, religiöse Tiefenbindung, Sinnfindung... Da die kapitalistischen Leitvorstellungen und Praktiken nur die materiellen Lebensvoraussetzungen forcieren, die sozialethischen, solidarischen und spirituellen aber unterhöhlen und zerstören, müssen sie um der Zivilisationsfähigkeit der Menschheit überwunden werden.

49 49 Überproduktivität und Arbeit

50 50 St. Paulus Kathedrale in London – Einkaufstempel Mailand

51 51 Gegenbewegungen zur neoliberalen Wirtschaftweise Ökologiebewegung, die Friedensbewegung, die Dritte-Welt-Bewegung, die Gerechtigkeitsgruppen, auch die feministische Bewegungen... Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace, Ärzte für den Frieden u.a. Konziliare Prozess der Kirchen für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung Ökumenischen Kairos-Bewegung Wirtschaft im Dienst des Lebens Ökumenische Initiative Eine Welt Lebensstilbewegung Aufbruch – anders besser leben Erd-Charta-Bewegung (eine sozial-ökologische Weltgemeinschaftsethik) Globalisierungskritische Attac-Bewegung und die Sozialforen auf Weltebene, auf europäischer und nationaler Ebene Global-Marshall-Plan-Bewegung (weltweite Ökosoziale Marktwirtschaft) Bewegungen einer Alternativen Ökonomie, Akademien einer Solidarischen Ökonomie u.ä....

52 52 Drei Arten der Systeme (F.Vester)

53 53 Systemische Schritte zur Bewältigung der Zivilisationskrise


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