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“Arbeitsbedingte Erkrankungen – Schätzung der gesamtwirtschaftlichen Kosten mit dem Schwerpunkt auf physischen Belastungen” Gudrun Biffl Beitrag zur Fachtagung.

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Präsentation zum Thema: "“Arbeitsbedingte Erkrankungen – Schätzung der gesamtwirtschaftlichen Kosten mit dem Schwerpunkt auf physischen Belastungen” Gudrun Biffl Beitrag zur Fachtagung."—  Präsentation transkript:

1 “Arbeitsbedingte Erkrankungen – Schätzung der gesamtwirtschaftlichen Kosten mit dem Schwerpunkt auf physischen Belastungen” Gudrun Biffl Beitrag zur Fachtagung der Arbeiterkammer Wien - Bildungszentrum Donau Universität Dr.-Karl-Dorrek-Straße 30 A-3500 Krems uni.ac.at/mis

2 Rolle der Gesundheit für die Wohlfahrt und das Wirtschaftswachstum Zusammenhang zwischen Arbeitsbelastungen, dem individuellen Verhalten und dem Gesundheitszustand der Bevölkerung ist ein neuer Forschungsschwerpunkt in der EU Rolle der Arbeitsplatzqualität für die Arbeitsproduktivität - Lissabon Ziele 2007: 5-Jahresplan der EU mit dem Ziel der Reduzierung arbeitsbedingter Krankheiten und Unfälle: Entwicklung der Gesundheitskosten: Rolle der Alterung, der Arbeitsbedingungen und des wirtschaftlichen Strukturwandels in Richtung Wissensgesellschaft Rolle der Verhaltensmuster/gesellschaftlicher Wandel Erhaltung der Arbeitskraft ist zentral für die Finanzierung des Gesundheitssystems (Versicherung gg Risiko des Krankenstands); daraus resultiert die Herausforderung der Gesundheitskostensteigerung für den Faktor Arbeit (Lohnnebenkosten)

3 Konnex zwischen Arbeitsbelastungen und Erkrankungen Probleme/ Schwierigkeiten Arbeitsbedingte Krankheiten unterscheiden sich im Krankheitsbild nicht von anderen Krankheiten Krankheitsursachen sind oft multifaktoriell, es ist nicht immer möglich, Kausalitäten eindeutig zu bestimmen Wirkungszusammenhänge vieler Stoffe und externer Faktoren bis dato unbekannt Oftmals lange Zeitspanne zwischen Belastung und Erkrankung Informationen/Daten an der Schnittstelle von EWT und Gesundheit oft nicht ausreichend Mögliche Ansätze Direkte Befragung der Betroffenen kann einen ersten Anhaltspunkt für die Quantifizierung der gesundheitlichen Folgeerscheinung von beruflicher Tätigkeit liefern (allerdings: Subjektivität!) Eine genauere Quantifizierung kann anhand von epidemiologischen Studien mittels der Ermittlung von attributiven Risiken erreicht werden. Gleichzeitige Erfassung von Belastungsfaktoren und Gesundheitsverläufen exponierter Personen zeigt Wirkungszusammenhänge auf

4 Zielsetzungen der Studie 1.Untersuchung der Belastungen auf dem Arbeitsplatz in Österreich im EU Vergleich; Etablierung des Zusammenhangs zwischen Arbeit und Krankenstand 2.Schätzung der Kosten des Krankenstands, die sich aus arbeitsbedingten Krankheiten ergeben (kurzfristige Kosten) 3.Ausblick: Folgen des wirtschaftlichen Strukturwandels und Implikationen für arbeitsbedingte Krankheiten als Ansatzpunkte für Maßnahmen

5 Arbeitsplatzbelastungen in Österreich, Deutschland und EU - Überblick Jahr 2000 Haupt- ergebnisse Belastende Einflüsse wie Abgase, Lärm und Chemikalien treffen bis zu ⅛ der Beschäftigten Körperliche Belastungen (Vibrationen, Lasten, schmerzhafte Haltungen) sind stärker verbreitet (~ ¼ der Beschäftigten) Österreich gut mit Deutschland vergleichbar; bei den meisten Indikatoren an oder unter EU-Durchschnitt Vor allem hinsichtlich Arbeitsintensität und Termindruck deutlich über dem Durchschnitt Q: European Survey on Working Conditions; WIFO-Berechnungen.

6 Haupt- ergebnisse Entwicklung in der EU zeigt tendenziell einen Rückgang der physischen Belastungen (auch längerfristig) In Österreich geht diese Entwicklung langsamer als in den anderen Ländern voran, und körperliche Belastungen nehmen sogar zu Arbeitsplatzbelastungen in Österreich und EU Mittelfristige Trends und Entwicklungen Q: European Survey on Working Conditions; WIFO-Berechnungen.

7 Arbeitsplatzbelastungen in Österreich Arbeitsorganisation und Arbeitsrhythmen Haupt- ergebnisse Arbeitsintensität nimmt in der ganzen EU seit 1990 kontinuierlich zu, ganz besonders in Skandinavien und Ö In Österreich sind Arbeitstempo und Zeitdruck noch stärker ausgeprägt als im EU-Schnitt, zwischen 2000 und 2005 wurde der Abstand größer Q: European Survey on Working Conditions; WIFO-Berechnungen.

8 Haupt- ergebnisse Auf deskriptiver Ebene klarer Zusammenhang zwischen Belastungsfaktoren und gesundheitlichem Zustand Multiple Belastungen gehen mit multiplen gesundheitlichen Beeinträchtigungen einher Zusammenhang zwischen Belastungen und Erkrankungen am Beispiel der Muskel-Skelett-Krankheiten Verteilung von Muskel-Skelett-Erkrankungen bei Vorhandensein von Belastungsfaktoren Q: Statistik Austria (MZ 1999); WIFO-Berechnungen.

9 Haupt- ergebnisse Einschätzungen der Erhebungspersonen liefern trotz Unschärfen ein konsistentes Bild Inklusive Unfälle liegt der geschätzte arbeitsbedingte Anteil der Krankenstände zwischen 40% und 50% Anteil der arbeitsbedingten Krankheiten am Krankenstand Ursachen von Fehlzeiten, Einschätzung der Befragten Q: European Survey on Working Conditions; WIFO-Berechnungen.

10 Belastungsfaktor Relatives RisikoPrävalenz Attributives Risiko (in %) Unfallgefährdung 1,3020,32 13,1 Arbeitsschwere 1,4780,28 19,3 Zwangshaltungen 1,1370,21 6,4 Geringer Handlungsspielraum 1,1560,17 7,2 Isolation 1,1140,03 5,4 Gefährliche Stoffe 1,3610,13 15,3 Vibrationen 1,3830,05 16,1 Tragen von Schutzausrüstung 1,0570,09 2,8 Interpre- tation der Ergebnisse Relatives Risiko: Stärke des Zusammenhangs zwischen dem Auftreten einer Belastung und einer Erkrankung (aus KOPAG) Prävalenz: Anteil der Erwerbsbevölkerung, der einem bestimmen Belastungsfaktor ausgesetzt ist Attributives Risiko: Anteil der Personen, die infolge der Belastung erkranken (Bsp. Unfallsgefährdungen sind für etwa 13% der Krankenstände verantwortlich). Q: IPG; WIFO. Epidemiologische Berechnungen: Ergebnisse für einzelne Faktoren

11 Haupt- ergebnisse Physische Belastungsfaktoren verursachen insgesamt rund ein Viertel der Krankenstände (attributives Risiko von 23%) Hohe Belastung (mindestens 4 relevante physische Faktoren) mit einem attributiven Risiko von ~14%, geringere Belastung (mindestens 2 Faktoren) mit attributivem Risiko von ~20% Demand-control Modell (Selbstbestimmung) hat vergleichsweise geringen Erklärungswert (infolge unzureichender Identifikation der psychischen Risken in der österr. Datenbasis kann das Modell nur annäherungsweise nachgebildet werden) Epidemiologische Berechnungen: Integrale Belastungsmaße Belastungsfaktor Relatives RisikoPrävalenz Attributives Risiko (in %) Physische Belastungen 1,6040,53 23,2 Mehrfachbelastung1,5020,3120,1 Hohe Belastung1,3400,0614,5 Job-strain (hoher Zeitdruck und geringer Handlungsspielraum) 1,1110,11 5,3 Q: IPG; WIFO.

12 Schätzung der Kosten von arbeitsbedingten Krankheiten Sowohl Arbeitsbelastungen als auch individuelle Verhaltensmuster der Arbeitskräfte können Auslöser für Krankheiten sein. Das Zusammenwirken kann die Wahrscheinlichkeit des Eintretens einer bestimmten Krankheit kumulativ erhöhen, mit dem Resultat, dass die gesamte Belastung höher ist als die Einzelkomponenten vermuten ließen. Eine klare Trennung zwischen Arbeitsbelastungen und Lebensstilen ist somit infolge von Interdependenzen und Selbstselektion schwierig. Je nach Forschungsfrage und Kostenperspektive setzen sich Kosten der Krankheit aus den medizinischen Kosten, den Kosten des Krankenstands und einer etwaigen frühzeitigen Mortalität, sowie den nicht-medizinischen Kosten und Transferleistungen zusammen. Eine Verbesserung der Transparenz der Kosten kann der Gesundheitspolitik (aber auch anderen Stakeholders wie den Betrieben, Arbeitskräften und ihren Familien, Sozialpartnern, Arbeitsinspektoraten etc.) Anhaltspunkte für prioritäre Behandlungs- und Präventionsmaßnahmen, effizienzsteigernde Organisations ‑, Betreuungs- und Strukturänderungen sowie Forschungsschwerpunktsetzungen liefern.

13 Schätzmethoden In internationalen Kostenanalysen wird zunehmend untersucht, welche Faktoren Auslöser für Krankheiten sind, nicht zuletzt um die Finanzierung der Gesundheitsversorgung nach dem Verursacherprinzip auszurichten. Dabei kommen im Wesentlichen zwei Berechnungsmethoden zur Anwendung: top-down und bottom-up Methoden. In der top-down Methode, auch bekannt als epidemiologische oder attributive Risiko Methode, wird berechnet, in welchem Maße die Krankheit eine Folge davon ist, dass eine Person gewissen Risikofaktoren und Belastungen ausgesetzt ist ‑ das ist die Methode, die in der vorliegenden Studie zur Anwendung kommt. Die Berechnungen basieren auf aggregierten Daten, in denen ein bestimmter Anteil der Bevölkerung gewissen Risiken ausgesetzt ist, die wiederum mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit gewisse Krankheiten auslösen (attributive Risiken). Die direkten medizinischen Kosten der Krankheit werden berechnet, indem man die Kosten der Gesundheitsversorgung mit einer Kontrollgruppe vergleicht, die diese Krankheit nicht hat. Da es häufig nicht möglich ist, einzelne auslösende Faktoren zu isolieren, etwa im Fall Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen, sind zum Teil aufwändige Bereinigungen vorzunehmen. Die bottom-up Methode setzt bei den durchschnittlichen Behandlungskosten einer Krankheit an und multipliziert sie mit der Prävalenz der Krankheit. Der Bedarf an Daten ist bei beiden Methoden nicht trivial.

14 Schätzung der Kosten arbeitsbedingter Erkrankungen Probleme/ Schwierigkeiten Einschränkung auf eine begrenzte Anzahl von Faktoren und robuste Ergebnisse - somit Schätzung der Kostenuntergrenze Attributive Risiken betreffen Krankenstandsfälle, nicht die Anzahl an Krankenstandstagen (z.B. 17% der KF = Muskel- und Skelett- Erkrankungen aber 24% der KT 2004) Attributive Risiken der Belastungsfaktoren unterscheiden sich nach Krankheitsgruppe. Für Österreich sind keine Daten zur Kostenstruktur nach Krankheitsgruppe vorhanden Ansatz 1.Kostenschätzung auf Basis der Ergebnisse aus dem Fehlzeitenreport 2007 (anteilige Kosten gemäß Bedeutung der Belastungsfaktoren für die KT)-2,8Mrd€ 2. Übernahme der Kostenstruktur nach Krankheitsgruppen/Diagnosegruppen aus Deutschland und genauere Quantifizierung anhand von attributiven Risiken – 3,1Mrd€

15 BelastungsfaktorAttributives Risiko Kostenkomponenten Entgeltfort- zahlung Wertschöp- fungsausfall Gesundheits- kosten Summe (in %)In Mio. € Unfallgefährdung13,1323,6458,5725,51.507,5 Arbeitsschwere19,3476,7675,51.068,82.221,0 Zwangshaltungen6,4158,1224,0354,4736,5 Geringer Handlungsspielraum7,2177,8252,0398,7828,6 Gefährliche Stoffe15,3377,9535,5847,31.760,7 Vibrationen16,1397,7563,5891,61.852,8 Tragen von Schutzausrüstung2,869,298,0155,1322,2 Physische Belastungen23,2573,0928,01.284,82.785,9 Mehrfachbelastung20,1496,5804,01.113,12.413,6 Hohe Belastung14,5358,2580,0803,01.741,2 Schätzung der Kosten arbeitsbedingter Erkrankungen für 2004 Q: IPG; WIFO.

16 Schätzung der (kurzfristigen) Kosten arbeitsbedingter Erkrankungen - Überblick Überblick - Kosten der physischen Belastungs- faktoren Schätzungsweise gehen folgende Kosten auf arbeitsbedingte Erkrankungen zurück: Direkte Kosten aus Entgeltfortzahlung: 570 Mio. € Indirekte Kosten (Wertschöpfungsverluste): 930 Mio. € Gesundheitsausgaben: Mio. € Gesamt mindestens2.800 Mio. € (1,2% des BIP) Haupt- ergebnisse Ergebnisse sind mit den deutschen Berechnungen des IPG für körperliche Belastungen vergleichbar, jedoch Unterschätzung der Krankheitskosten psychischer Belastungen Schätzung und Ergebnisse aus anderen Studien lassen vermuten, dass bis zu 50% der Krankenstände und der entsprechenden Kosten auf Belastungen am Arbeitsplatz zurückgehen (ILO schätzt direkte Kosten arbeitsbedingter Krankheiten auf 2,6 bis 3,8% des BIP in Europa) Für die Zukunft besteht Forschungsbedarf, insbesondere bezüglich Formen und Auswirkungen von psycho-sozialen Belastungen und hohen Arbeitsanforderungen

17 Ausblick und Schlussfolgerungen Es ist anzunehmen, dass Österreich verstärkt in die technisch-naturwissenschaftliche Spitze und ihre Umsetzung in der Arbeit vordringen will. Das bedeutet, dass der Anteil hoch qualifizierter Tätigkeiten in den unternehmensorientierten Diensten an Bedeutung gewinnen wird, ebenso wie Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Mit diesen Tätigkeiten ist ein hoher psychischer und mentaler Stress verbunden, ebenso wie Arbeit unter Zeitdruck und lange Arbeitszeiten. Die Entwicklung der Arbeitsbedingungen im Gesundheits ‑, Pflege- und Sozialbereich ist nicht so leicht einzuschätzen. Es ist noch weitgehend offen, welche Organisationsform in den sozialen Diensten an Bedeutung gewinnen wird. Insbesondere die personenbezogenen Dienste, die in einer alternden Gesellschaft immer wichtiger werden, weisen in Europa sehr unterschiedliche Organisationsformen auf. Markt- Privat/Haushalt/Schwarzarbeit-Staat?

18 Programm zur Verbesserung der Gesundheit in Betrieben Unterstützung der Betriebe seitens der Arbeitsmedizin, insbesondere KMU, um die Gesundheitsbelastungen der Arbeit zu identifizieren und kosteneffiziente Verbesserungsvorschläge zu machen. Abbau von Anreizmechanismen (Lohnpolitik) zur Ausübung von Tätigkeiten, die die Gesundheit belasten. (Das derzeitige komplexe Zulagensystem ist dazu angetan, Arbeitsstrukturen nicht rasch genug zu verbessern, da Menschen oft bereit sind aus einer kurzfristigen Einkommensmaximierungsüberlegung, d. h. für eine Zulage, gesundheitsschädliche Arbeiten auf sich zu nehmen, ohne zu bedenken, dass dadurch die Beschäftigungsfähigkeit aus einer Lebensarbeitszeitperspektive vermindert wird.

19 Schlussfolgerungen für Präventionsstrategien In Programmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen liegt ein großes Einsparungspotenzial für Betriebe, die Gesellschaft und die Einzelperson – angesichts von Kosten arbeitsbedingter Krankheiten zwischen einem Viertel ‑ im Fall der ausschließlichen Berücksichtigung der physischen Belastungsfaktoren in der vorliegenden Studie für Österreich ‑ und der Hälfte (unter zusätzlicher Berücksichtigung psycho-sozialer Faktoren wie etwa in Studien zu Schweden und Finnland) der Krankenstandskosten der Menschen im erwerbsfähigen Alter. Die Differenzierung der Kosten nach Erkrankungen liefert entscheidende Kenngrößen, die die Kosteneffizienz von Maßnahmen des Arbeitschutzes und der Gesundheitsförderung abschätzen lassen und damit den Einsatz von Präventionsleistungen möglichst effizient gestalten lassen

20 Koordination: eine gesundheits- und beschäftigungspolitische Aufgabe (national stakeholder council) ein komplexes System der Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Veränderung der Verhaltensmuster (Förderung der Gesundheit am Arbeitsplatz) Verringerung der krankheitsbedingten Fehlzeiten ('Absenteeism') schlägt sich in einer Kostenersparnis für die Betriebe nieder. Verringerung von Stress und langen Arbeitszeiten führt zu signifikanten Produktivitätssteigerungen (Verringerung des 'Presenteeism'; unter letzterem versteht man die Anwesenheit am Arbeitsplatz ohne einen adäquaten Output). Die Produktivität verringert sich vor allem dann, wenn lange Arbeitszeiten und Überstunden die Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Freizeit verhindern.


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