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Informationsverteilung und Marktversagen Warum Akerlof, Spence und Stiglitz zusammen mit Recht den Nobelpreis bekommen haben Reinhard H. Schmidt U3L –

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Präsentation zum Thema: "Informationsverteilung und Marktversagen Warum Akerlof, Spence und Stiglitz zusammen mit Recht den Nobelpreis bekommen haben Reinhard H. Schmidt U3L –"—  Präsentation transkript:

1 Informationsverteilung und Marktversagen Warum Akerlof, Spence und Stiglitz zusammen mit Recht den Nobelpreis bekommen haben Reinhard H. Schmidt U3L – Wintersemester 2015/16

2 House of Finance-Stiftungsprofessur für Finance und Accounting: Finanzen 1 WiSe 2013/2014 Folie 2 Ein Blick auf die „neoklassische“ (Finanzierungs-)Theorie  Wichtigste Annahmen: 1. Informationen sind gleich verteilt – es gibt keine Info-Vorteile 2. Verträge sind „vollständig“ und kostenlos durchsetzbar  Kooperation in jeder Form funktioniert problemlos  Zusammen mit der (harmlosen) Annahme, es gäbe keine Transaktionskosten  vollkommener Kapitalmarkt  Wichtigste Ergebnisse: Präzise und praktikable Entscheidungskriterien Irrelevanztheoreme zur Finanzierung i.e.S. Separationstheoreme: Komplexe Probleme sind aufspaltbar Aber damit: keine Erklärung und damit auch kein Verständnis von Institutionen und der Probleme von Finanzierungsentscheidungen

3 House of Finance-Stiftungsprofessur für Finance und Accounting: Finanzen 1 WiSe 2013/2014 Folie 3 Neo-Institutionalismus  In dieser der neoklassischen Theorie entgegengesetzten Richtung der Wirtschaftstheorie stehen Marktunvollkommenheiten als Folge von Informations-und Anreizproblemen im Vordergrund: Kernfrage: Wie kann trotzdem ein möglichst reibungsloser Tausch bzw. eine problemlose Kooperation zustande kommen?  Interessenkonflikte und Anreizprobleme zwischen Vertragsparteien aufgrund von ungleich (asymmetrisch) verteilter Information erklären, warum Märkte nicht vollkommen sind und nicht ideal funktionieren  „Institutionen“ werden als Mittel zur Entschärfung von Konflikten und Informationsproblemen gedeutet – daher der Name!  Die Geschichte von Holy Joe zur Illustration

4 House of Finance-Stiftungsprofessur für Finance und Accounting: Finanzen 1 WiSe 2013/2014 Folie 4 Definition: Asymmetrische Informationsverteilung / ASIV  Symmetrische Informationsverteilung: jeder Transaktionspartner ist über Leistung und Gegenleistung gleich gut (aber möglicherweise unvollständig) informiert, und dies ist beiden Seiten bekannt.  Asymmetrische Informationsverteilung (ASIV): Ein oder mehrere Marktteilnehmer ist / sind besser informiert als der oder die andere(n), und die anderen, die schlechter informierten, Marktteilnehmer wissen dies oder sie ahnen es zumindest.

5 House of Finance-Stiftungsprofessur für Finance und Accounting: Finanzen 1 WiSe 2013/2014 Folie 5 Grundprobleme bei ASIV: Adverse selection und Moral hazard  Adverse selection: Folgen der ASIV über wertbestimmende Merkmale von Objekten, die auf einem Markt getauscht werden (könnten) Musterbeispiele: Die Märkte für Schadensversicherungen und für gebrauchte Autos (Akerlofs „Lemons“) Weitere Beispiele: Der Markt für Unternehmensbeteiligungen  Moral hazard: Anreizwirkungen, die ein Vertragsabschluss – der immer auch regelt, wie die Konsequenzen von Entscheidungen aufgeteilt werden – auf die Entscheidungen selbst und damit auf die (zu verteilenden) Handlungsergebnisse hat Musterbeispiel: Feuerversicherung Andere Beispiele: Risikoerhöhung durch Verschuldung Anstrengung des Managers gute Ergebnisse zu erreichen

6 House of Finance-Stiftungsprofessur für Finance und Accounting: Finanzen 1 WiSe 2013/2014 George Akerlofs „Jugendwerk“ als Grund für den Nobelpreis (1)  Akerlofs Modell behandelt „Qualitätsunsicherheit“ und das Zusammenbrechen eines Marktes bei asymmetrisch verteilter Information über die Qualität eines gehandelten Gutes: Beispiel: Zitronen = „Lemons“ = Gebrauchtwagen  Es gibt 100 (potenzielle) Verkäufer von G-Wagen, die unterschiedlich gut sind. Die Qualität kann mit einem Qualitäts-Index erfasst werden. Sie geht von 1 bis 100, im Durchschnitt 50. (Es gibt je ein Auto pro Qualitäts-Stufe). Jeder Verkäufer kennt die Qualität seines Autos genau.  Die (potenziellen) Käufer kennen hingegen immer nur die Durchschnittsqualität der am Markt angebotenen Gebrauchtwagen.  Verkäufer bewerten eine Q-Einheit mit 100$, alle Käufer mit 150. Wenn die Qualität beiden bekannt wären, würde jedes Auto zu einem Preis zwischen 100*Q und 150*Q verkauft und alle wären damit zufrieden.  Bei ungleich verteilter Information würden die Käufer aber immer nur 50*100 bieten. Was wäre die Folge? Folie 6

7 House of Finance-Stiftungsprofessur für Finance und Accounting: Finanzen 1 WiSe 2013/2014 Akerlofs „Market for Lemons“ – die erste Skandalgeschichte (2)  Die Käufer würden für alle Autos 50*150 bieten, also 7.500, weil sie ja nur die Durchschnittsqualität (50) kennen.  Was machen die potenziellen Verkäufer, die ein Auto mit einer Qualität von 76 bis 100 haben? Sie bewerten ihre Autos mit Q*100, also von 7600$ bis $  Für sie ist das Angebot (7.500$) nicht attraktiv, und deshalb ziehen sie es zurück.  Damit sinkt die Durchschnittsqualität der am Markt angebotenen Autos – auf (1 bis 75) mal ½ = 38. Annahmegemäß wissen das die Käufer, und sie bieten jetzt nur noch 38*150$ = 5700 $  Das ist Anlass für alle Verkäufer, deren Autos mindestens die Qualität 58 hat, ihr Angebot zurückzuziehen. Folge: Die den Käufern bekannte Durchschnittsqualität sinkt weiter, weitere Anbieter ziehen ihr Angebot zurück und so weiter  Im Endeffekt wird kein einziges Auto (außer dem schlechtesten) verkauft.  Das ist „Marktzusammenbruch durch adverse Selektion“ Folie 7

8 House of Finance-Stiftungsprofessur für Finance und Accounting: Finanzen 1 WiSe 2013/2014 Spence: Job Market Signaling – die zweite Skandalgeschichte (1)  Man kann gegen die „Story“ von Akerlof einwenden, dass sie zu künstlich ist, vor allem, dass es in dem Modell nicht einmal einen Versuch gibt, Information zu übertragen, um das Problem aus der Welt zu schaffen.  Hier setzt das Signaling-Modell von Michael Spence an. Womit ein Marktteil- nehmern Info möglicherweise übertragen kann, nennt Spence ein „Signal“.  Sein Beispiel: ein Abschluss einer sehr guten Hochschule, von der man denken könnte, dass sie ihren Studenten auch sehr gute Qualifikationen mitgibt.  Aber sehr gute Hochschulen (in den USA) sind auch sehr teuer – und sehr anspruchsvoll. Studenten sind unterschiedlich klug. Einem klugen Studenten fällt es leichter, die hohen Anforderungen der sehr guten Hochschulen zu erfüllen als anderen, wie weniger klug sind.  Arbeitgeber vermuten, dass die guten Hochschulen hohe Qualifikation vermitteln, und bezahlen deren Absolventen deshalb sehr gut.  Aber stimmt der vermutete Zusammenhang zwischen vermittelter Qualifikation und Herkunft des Hochschulabschlusses ? Spence sagt: Nein Folie 8

9 House of Finance-Stiftungsprofessur für Finance und Accounting: Finanzen 1 WiSe 2013/2014 Spence: Job Market Signalling – die zweite Skandalgeschichte (2)  Um zu beurteilen, ob sehr gute, sehr teure und sehr anspruchsvolle Unis wirklich Super-Qualifikation vermitteln (wie sie behaupten und wie man gewöhnlich erwartet), muss man das Kalkül der unterschiedlich klugen Studierenden betrachten:  Alle Studenten bekommen das hohe Gehalt, wenn sie einen Abschluss von Harvard, MIT oder Stanford haben. Das kostet aber Geld und (in Geld ausgedrückte) Anstrengung. Für die klugen Studenten kostet es aber weniger Anstrengung (und wenn sie Stipendien bekommen, auch weniger Geld) als für die schwächeren Studenten.  Im Modell von Spence ist für die Guten der Gehaltsvorteil größer ist als die Kosten (Geld und Anstrengung) des Studiums, während für die Schlechten die Kosten im weiteren Sinne höher sind als der Gehaltvorteil.  Und deshalb gehen nur die OHNEHIN sehr guten Studenten an die guten, angesehenen, anspruchsvollen und teuren Unis.  Die Erwartungen der Unis, der Studenten und der Arbeitgeber erfüllen sich – aber das hat überhaupt nichts mit der Qualität der Ausbildung zu tun. Folie 9

10 House of Finance-Stiftungsprofessur für Finance und Accounting: Finanzen 1 WiSe 2013/2014 Spence: Job Market Signalling – die zweite Skandalgeschichte (3)  Der Abschluss einer Super-Uni ist „Signal“, er überträgt Information wirksam.  Aber er ist ein „verschwenderisches (dissipatives) Signal“: Den Kosten für die Informationsübertragung steht „gesellschaftlich“ kein Wert gegenüber.  Es gibt jetzt ein Gleichgewicht, aber die Situation ist für ALLE genau so gut, wie sei wäre, wenn die Schwächeren von sich aus sagen würden, dass sie nicht so klug sind.  Das Gleichgewicht mit Signalling ist daher kein Pareto-Optimum – und die pareto-optimale Situation ist kein Gleichgewicht.  Das Ergebnis kann sehr stark verallgemeinert werden. So ein Gleichgewicht kann auf allen Märkten auftreten, in denen Qualität nicht beobachtet werden kann und wo es mit Kosten möglich ist, Information glaubwürdig zu übertragen.  Das ist die „Skandalgeschichte 2“ – denn in der üblichen )neoklassischen) Theorie gilt: Ein Gleichgewicht ist immer auch ein gesamtgesellschaftliches Optimum, und die Entsprechung von Gleichgewicht und Optimum ist genau das, was eine „ideale“ Marktwirtschaft theoretisch und praktisch so attraktiv erscheinen lässt. Folie 10

11 House of Finance-Stiftungsprofessur für Finance und Accounting: Finanzen 1 WiSe 2013/2014 Rothschild-Stiglitz: Self-Selection – die dritte Skandalgeschichte  Liegt das Skandal-Ergebnis von Spence nur daran, dass es in seinem Modell Kosten der Informationsübertragung gibt? Die Antwort geben Rothschild und Stiglitz in einem Aufsatz, in dem kostenlos Information übertragen werden kann.  Der Ansatz heißt „Self Selection (Selbst-Einordung): Versicherungen können unterschiedliche Verträge anbieten, so dass ein Vertragstyp von Leuten mit (unbeobachtbarer) hoher Schadenwahrscheinlichkeit und ein anderer Vertragstyp von Leuten mit geringer Schadens-Wahrscheinlichkeit gewählt wird.  Durch die Wahl des Vertragstyps übertragen die Versicherten faktisch die Infor- mation über ihre Schadenwahrscheinlichkeit – ohne es zu wollen und ohne Kosten  Self-Selection als Mittel der Info-Übertragung klappt aber nur, wenn es nur eine Versicherungsgesellschaft gibt. Gibt es noch eine andere kann die nämlich IMMER die Selbsteinordnung beobachten und den Leuten mit geringerer Schadenswahr- scheinlichkeit einen besseren Ertrag anbieten und sie „abwerben“. Damit bricht der Mechanismus der Informationsübertragung zusammen.  Folge: Es gibt überhaupt kein Gleichgewicht bei ASIV – Skandalgeschichte 3 Folie 11

12 House of Finance-Stiftungsprofessur für Finance und Accounting: Finanzen 1 WiSe 2013/2014 Synthese – die drei Skandalgeschichten  In dem sehr einfachen Modell von Akerlof gibt es einen Marktzusammenbruch – aber die Möglichkeit der Informationsübertragung wird nicht berücksichtigt.  In dem etwas subtileren Modell von Spence – mit costly signaling – gibt es zwar ein Marktgleichgewicht mit Informationsübertragung, aber das Gleichgewicht ist nicht gesellschaftlich optimal.  In dem eng an üblichen Modellstrukturen angelehnten Modell von Rothschild / Stiglitz gibt es überhaupt kein Gleichgewicht.  Die drei Modelle bauen auf einander auf und stellen in ihrer Gesamtheit den bisher schwersten (rein theoretischen) Angriff auf die positive Bewertung eines Systems „freier Märkte“ dar. Sie zwingen dazu, die „ökonomische Welt“ ganz anders zu sehen, als es die neoklassische Theorie (à la Milton Friedman) tut: Märkte funktionieren eben nicht immer „wie im Lehrbuch“ Damit gibt es Möglichkeiten und Notwendigkeiten für staatliche / politische Eingriffe Institutionen und deren Ausgestaltung – und Politik - sind von essenzieller Bedeutung. Folie 12

13 House of Finance-Stiftungsprofessur für Finance und Accounting: Finanzen 1 WiSe 2013/2014 Back-up Wie man erklären kann, warum es bei ungleich verteilter Information annehmen kann, dass der Kapitalmarkt unvollkommen ist Folie 13

14 House of Finance-Stiftungsprofessur für Finance und Accounting: Finanzen 1 WiSe 2013/2014 Folie 14 Fremdfinanzierung  Zwischen Schuldner und Gläubiger (Kapitalgeber, KG) herrscht ASIV; in der Regel ist der Schuldner (oder: „der Unternehmer“), besser informiert  Informationsproblem: Schuldner hat ein Motiv, seine Position zu gut darzustellen. Der KG ist deshalb – mit Recht - „skeptisch“.  Oft kann er auch nach Vertragsabschluss durch seine Entscheidungen die Position des Gläubigers verschlechtern; und er wird es tun, wenn er damit seine eigene Position verbessert. Der KG ist deshalb – mit Recht - misstrauisch  Der Schuldner ist der „Agent“, der Gläubiger der „Prinzipal“  Anreizproblem: Die asymmetrische Ergebnisverteilung schafft Anreize und Gelegenheit für Schuldner (als Agent von Gläubigern), die Position von Gläubigern zu verschlechtern. Ein Beispiele dafür solche Anreizprobleme. Und was lernt man daraus?

15 House of Finance-Stiftungsprofessur für Finance und Accounting: Finanzen 1 WiSe 2013/2014 Folie 15 Wirkung der Verschuldung auf Investitionen: das vielleicht wichtigste Agency-Problem überhaupt  Ein Schuldner beurteilt die Vorteilhaftigkeit von Investitionen ausschließlich anhand seines Anteils am Investitions- zahlungsstrom: also anhand dessen, was für ihn bleibt, wenn andere bekommen haben, was ihnen zusteht und was sie bekommen können.  Der Gläubiger interessiert sich nur für seinen Anteil: Rückzahlung und Zinsen, dasselbe gilt für den Schuldner.  Das zentrale Problem: Risikoerhöhungsproblem (risk shifting): Verschuldung schafft einen Anreiz, zu einer riskanteren Investition überzugehen, selbst wenn diese mit einem negativen Kapitalwert und einem Schaden für den Gläubiger verbunden ist

16 House of Finance-Stiftungsprofessur für Finance und Accounting: Finanzen 1 WiSe 2013/2014 Folie 16 Beispiel: Anreiz zur Risikoerhöhung (risikofreier Zinssatz: 10%, beide sind risikoneutral) IO 1 ist „eigentlich“ besser: KW(1) ist positiv, KW(2) ist negativ Bei reiner EK-Fin. und auch in einer Welt ohne ASIV und/oder mit strikter Bindung an Verträge würde immer IO 1 gewählt Mit ASIV (und unvollst. Vertrag) wählt der Kreditnehmer aber IO 2 Ein misstrauischer Kreditgeber ahnt dies aber – und er reagiert !

17 House of Finance-Stiftungsprofessur für Finance und Accounting: Finanzen 1 WiSe 2013/2014 Folie 17 Beispiel: Kreditbeschränkung beseitigt den Anreiz zur Risikoerhöhung Man sieht: Durch die Beschränkung des Kredits wird der Anreiz zur Risikoerhöhung aufgehoben Damit: Kreditbeschränkung (= uvKM) kann „rational“ sein!


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