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Warum ist nachhaltige Entwicklung so schwierig? Versuch einer humanökologischen Erklärung P282homooecol01 Peter Weichhart Institut für Geographie und Regionalforschung.

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Präsentation zum Thema: "Warum ist nachhaltige Entwicklung so schwierig? Versuch einer humanökologischen Erklärung P282homooecol01 Peter Weichhart Institut für Geographie und Regionalforschung."—  Präsentation transkript:

1 Warum ist nachhaltige Entwicklung so schwierig? Versuch einer humanökologischen Erklärung P282homooecol01 Peter Weichhart Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien Homo oecologicus – Wie ist ein Menschenbild für die nachhaltige Entwicklung wissenschaftlich möglich? Perspektiven der Humanökologie. Wien,

2 Menschenbilder P282homooecol02 Die zentrale Frage dieser Tagung lautet: Wie müsste/sollte ein Menschenbild aussehen, auf dessen Grundlage eine (globale) nach- haltige Entwicklung möglich wird? Die Frage impliziert, dass die Entwicklung der Welt- gesellschaft und die Struktur der Mensch-Umwelt- Beziehungen entscheidend vom Handeln und den Wertesystemen der einzelnen Subjekte/Akteure abhängt.

3 Die Problemstellung aus der Perspektive der Humanökologie: P282homooecol03 Wie können wir auf der Grundlage humanöko- logischer Erkenntnisse ein (normatives) Menschenbild entwickeln, das geeignet er- scheint, das Ziel einer nachhaltigen (globalen) Entwicklung sicherzustellen?

4 homo sustinens? P282homooecol04 Welche menschlichen Fähigkeiten und Eigenschaften werden für die praktische Umsetzung des Nachhaltigkeits- konzepts benötigt? Welchen Beitrag können bestehende Menschenbilder in der Ökonomik für die Beschreibung, Erklärung und zukunftsfähige Gestaltung der relevanten Handlungsbereiche leisten? Inwiefern können Handlungs- theorien aus anderen Disziplinen hilfreich sein, entspre- chende Handlungspotentiale und Gestaltungsmöglichkei- ten aufzuzeigen und zu erklären? B. SIEBENHÜNER, 2001 Zweifellos handelt es sich hier um sehr bedeutsame und wichtige Fragen, welche auf Bedingungen der Möglich- keit einer Umsetzung von Nachhaltigkeit abzielen, aber:

5 These: P282homooecol05 Das Problem einer (globalen) nachhaltigen Ent- wicklung lässt sich über ein normatives Menschen- bild nicht hinlänglich lösen, weil die Eigendynamik gesellschaftlicher Teilsysteme die Handlungs- potenziale der Subjekte erheblich einschränkt. Zur Begründung soll die Ausgangsfrage zunächst deskriptiv interpretiert werden. Anschließend soll gezeigt werden, dass die Dominanz und Eigendynamik des ökonomischen Systems und des Politiksystems sowie deren jeweils inhärente Systemrationalitäten gegenwärtig mit Notwen- digkeit einer nachhaltigen Entwicklung entgegenstehen.

6 Beispiele für praktizierte Nachhaltigkeit? P282homooecol06 Im Verlaufe der Menschheitsgeschichte gab es immer wieder (zumindest auf regionaler Ebene) Beispiele für praktizierte Nachhaltigkeit, sogar in Lebensräumen, die extrem labile Ökosysteme darstellen: Indianerstämme an der Nordwestküste Nordamerikas: Jäger und Sammler mit erstaunlich hoher kultureller Vielfalt und Kom- plexität sowie sozialer Differenzierung, hohe Bevölkerungsdichte, perma- nente Siedlungen mit teilweise mehr als Einwohnern. Nahrungsbasis: reiche Lachsbestände der küstennahen Flüsse. Problem: Durch Überfischen besteht die hohe Gefahr einer Zerstörung der Haupt- nahrungsquelle. Dieses (sehr störanfällige) Mensch-Umwelt-System konnte aber über sehr lange Zeiträume bestehen.

7 Beispiele für praktizierte Nachhaltigkeit? P282homooecol07 Indianerstämme an der Nordwestküste Nordamerikas: Hochentwickelte Technologie der Konservierung und Vorratshaltung; Überflussproduktion und Akkumulation privaten Eigentums als religiös motivierte Werte. Fangmenge und Fangzeit der Lachse wurden durch Rituale und Tabus ge- steuert. Potlach-Zeremonie (feierliche Geschenkverteilung) hebt die ungehemmte Akkumulation persönlichen Reichtums auf (war wichtige Motivation der Überflussproduktion!) und gleicht soziale Disparitäten (auch zwischen be- nachbarten Stämmen) wieder aus. Die Mensch-Umwelt-Interaktion wurde durch religiöse Werte gesteuert, wodurch ein Gleichgewicht zwischen Nutzungs- system und Nahrungsbasis hergestellt werden konnte. Gleichzeitig wurden dadurch auch ökonomische und soziale Beziehungen geregelt.

8 P282homooecol08 Beispiele für praktizierte Nachhaltigkeit? Tsembagas, Neuguinea Beispiel für die langfristig stabile Nutzung eines höchst störanfälligen und auf Eingriffe rasch mit Degradationserscheinungen reagierenden naturalen Öko- systems, nämlich des tropischen Bergwaldes. Intensive Gartenbaukultur mit Schweinehaltung auf der Grundlage eines Brandrodungs-Wanderhackbaues, ergänzt durch Jagd und Fallenstellen. Das Mensch-Umwelt-System wird durch einen sehr komplizierten Zyklus von Ritualen gesteuert, die alle Lebensbereiche betreffen und sowohl die stam- mesinternen Sozialbeziehungen als auch die Beziehungen zu benachbarten Gruppen lenken und gleichzeitig das System der Landnutzung regulieren. Nachhaltigkeit (ökologische, ökonomische und soziale) ist nicht im Subjekt, sondern im soziokulturellen System verankert!

9 Nachhaltigkeit in der Zweiten Moderne P282homooecol09 Ist Nachhaltigkeit als hochrangiger Wert in unserem gegenwärtigen soziokulturellen System verankert? Die Antwort ist eindeutig: Offensichtlich ja!!! Nachhaltigkeit ist zweifellos ein Leitbild, das hohe gesell- schaftliche Anerkennung besitzt, von praktisch allen politi- schen Kräften vertreten wird, in den Programmen fast aller politischen Parteien vorkommt und in unzähligen Gesetzestexten verbindlich vorgeschrieben wird.

10 Nachhaltigkeit als Leitbild in der Raumordnung Ein weiteres hervorgehobenes Ziel der Raumordnung ist die Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung. Hierunter ist eine pflegliche und vorsorgende Nutzung der Räume (Raumgüter) zu verstehen, so dass auch für nachfolgende Generationen genügend Entwicklungschancen bestehen. Nachhaltigkeit als zentrales Leit- bild des EUREK P282homooecol10

11 Praktizierte Nachhaltigkeit? P282homooecol11 42% aller Gebäude im Flachgau stehen im Grünland!

12 Praktizierte Nachhaltigkeit? P282homooecol12 Salzachtal bei Kuchl, Georgenberg

13 Eine Gretchenfrage: P282homooecol13 Warum wird Nachhaltigkeit gegenwärtig kaum praktiziert, obwohl sie in den gesell- schaftlichen Wertesystemen sehr gut verankert ist? Zur Beantwortung dieser Frage erscheint es hilfreich, auf die Theorie sozialer Systeme von Niklas LUHMANN zu verweisen. Die besprochenen Beispiele praktizierter Nachhaltigkeit beziehen sich auf segmentäre Gesellschaften, für die eine einheitliche Gesamtstruktur gesellschaftlicher Teil- funktionen charakteristisch ist.

14 Funktionale Differenzierung der Gesellschaft in der Moderne P282homooecol14 Für die Gesellschaftssysteme der Moderne ist aber als gleichsam evolutionäre Errungenschaft eine hochent- wickelte funktionale Differenzierung charakteristisch (Talcott PARSONS). Niklas LUHMANN hat dieses Konzept erweitert und be- sonders auf die Autonomie der einzelnen Funktionssysteme verwiesen. Diese Autonomie ergibt sich daraus, dass es sich bei den Funktionssystemen um autopoietische Systeme handelt, die sich mithilfe binärer Codes von ihrer Umwelt abgrenzen und sich durch die daraus resultierenden spezifischen Operationsweisen selbst reproduzieren.

15 Spezifische Operationsweisen der gesellschaftlichen Teilsysteme P282homooecol15 Leitdifferenz des Wirtschaftssystems: Zahlen/Nichtzahlen, Gewinn/Verlust Leitdifferenz des Rechtssystems: Recht/Unrecht Leitdifferenz des Politiksystems: Gewählt-werden/Nicht-gewählt-werden, Regierung/Opposition Die Logik der Systemoperationen wird durch die jeweiligen Leitdifferenzen bestimmt. Eine Einflussnahme der Umwelt (anderer Teilsysteme) ist bestenfalls als Irritation möglich.

16 Charakteristika des Wirtschaftssystems in der Zweiten Moderne P282homooecol16 Emanzipation der Geldwirtschaft von der Realwirtschaft, Ausbildung einer Casinoökonomie Globalisierung: Global Sourcing, globaler Wettbewerb Zwang zur Kostensenkung (Kostensenkungsspirale) in der Realökonomie (Produktion und Dienstleistungen) Es gibt keine Wettbewerbsbegrenzungen, es muss jede Möglichkeit der Kostensenkung genutzt werden, die Maxi- mierung von Rendite und Dividende (Shareholderprinzip) steht im Vordergrund.

17 Möglichkeiten der Umsetzung: P282homooecol17 Extreme Risikobereitschaft Hemmungslose Externalisierung von Kosten Stakeholder-Interessen müssen unberücksichtigt bleiben Hauptquelle der Kostenreduktion: Reduzierung und Prekarisierung von Arbeitsplätzen Geplante Obsoleszenz … Wenn es eine Möglichkeit gibt, Kosten zu reduzieren und Gewinne zu erzielen, dann wird sie auch genutzt.

18 Die Folgen: P282homooecol18 Die Eigendynamik und Autonomie des Wirtschaftssystems führen mit Notwendigkeit dazu, dass (globale) Nachhaltigkeit nicht praktiziert werden kann. Davon sind alle drei Dimensionen von Nach- haltigkeit betroffen.

19 P282homooecol19 Die Folgen: HNWI = High Net Worth Individuals

20 Politiksystem P282homooecol20 Die Handlungslogik des Politiksystems wird durch die Leit- differenz Gewählt werden versus Nicht gewählt werden (Regierung versus Opposition) bestimmt. Praktizierte Nachhaltigkeit kann für das Politiksystem erst dann ein Thema werden, wenn durch die Umsetzung dieses Ziels Wählerstimmen maximiert werden können. Könnte dies nicht durch den homo sustinens als Wählermajorität bewirkt werden?

21 Eine notwendige Voraussetzung: Reduktion sozialer und regionaler Disparitäten P282homooecol21 Wer marginalisiert und unter prekären Umständen sein Leben fristet, wird kaum bereit sein können, sich das Menschenbild des homo sustinens zu eigen zu machen.

22 Fazit: P282homooecol22 Quelle:

23 Conclusio: P282homooecol23 Das Menschenbild des homo sustinens ist unter den Rahmenbedingungen der Zweiten Moderne wahrscheinlich eine notwendige, keinesfalls aber eine hinreichende Bedingung der Möglichkeit globaler Nachhaltigkeit. Wider die Privatisierung der Nachhaltigkeit. Nachhaltige Entwicklung ist eine öffentliche Angelegenheit, die in der Polis ausgetragen werden muss. A. GRUNWALD, 2010, S. 178 Ein zusätzliches Problem: Der soziale Metabolismus!

24 P282homooecol24 Conclusio: Solange es nicht gelingt, den neoliberalen Turbokapitalismus zu zähmen und die Eigendynamik dieses hegemonialen ge- sellschaftlichen Teilsystems am Konzept der Nachhaltigkeit auszurichten, wird auch eine Umsetzung des Menschen- bildes eines homo sustinens nichts Entscheidendes am Status quo ändern. Deshalb ist das Politiksystem unsere einzige (wenngleich äußerst bescheidene) Hoffnung, eine praktizierte Nachhaltigkeit auf globaler Ebene zu verwirklichen.


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