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© Schneider1 Die Möglichkeiten, den Umfang der Geldwäscherei zuverlässig zu schätzen, sollten nicht zu hoch bewertet werden. (…) Unsere Kenntnisse auf.

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Präsentation zum Thema: "© Schneider1 Die Möglichkeiten, den Umfang der Geldwäscherei zuverlässig zu schätzen, sollten nicht zu hoch bewertet werden. (…) Unsere Kenntnisse auf."—  Präsentation transkript:

1 © Schneider1 Die Möglichkeiten, den Umfang der Geldwäscherei zuverlässig zu schätzen, sollten nicht zu hoch bewertet werden. (…) Unsere Kenntnisse auf diesem Gebiet sind vergleichbar mit jenen des Archäologen, der mit Hilfe einiger Tonscherben, einer Speerspitze und eines Kieferreststückes die Wirtschaft einer Steinzeitsiedlung beschreiben muss. Petrus van Duyne, 1994 Friedrich Schneider *) GELD- WÄSCHE Formen, Akteure, Größenordnung - und warum die Politik machtlos ist *)o. Univ. Prof. Dr. Dr.h.c.mult. Friedrich Schneider, Institut für Volkswirtschaftslehre, Vorstand des Forschungsinstituts für Bankwesen, Johannes Kepler Universität Linz, Altenbergerstrasse 69, 4040 Linz, Tel.: +43/732/ , Fax: +43/732/ , Geldwäsche1107.ppt

2 © Schneider2 Inhalt (1)Geldwäsche und ihr Umfeld (2)Wie läuft Geldwäsche ab? Handlungsmodelle (3)Unter der Lupe: Techniken der Geldwäsche (4)Methoden zur Schätzung des Volumens der Geldwäsche und Schätzungen (5)Schlussfolgerungen und Ressumee (6)Appendix: Die Finanzierung der Terror- Organisationen

3 © Schneider3 1. Geldwäsche und ihr Umfeld 1.1 Definition (1)Begriff stammt ursprünglich aus den USA und bezeichnete den Versuch der Mafia in den 30er Jahren, illegales Geld mit Hilfe von Waschsalons reinzuwaschen. (2)Ende der 80er Jahre war der Begriff Geldwäsche im deutschsprachigen Raum kaum bekannt. (3)Seitdem hat er eine erstaunliche Karriere hinter sich, was auf die zunehmenden illegalen Gewinne der organisierten Kriminalität zurückzuführen ist. (4)Die Globalisierung führte auch zu einer Internationalisierung der Kriminalität und folglich zu einer Vergrößerung sowie Internationalisierung der illegalen Märkte.

4 © Schneider4 1. Geldwäsche und ihr Umfeld 1.1 Definition Definition der Geldwäsche: Geldwäsche ist der Prozess, durch den Erlöse, die aus kriminellen Tätigkeiten stammen, transportiert, überwiesen, konvertiert oder mit legalen Geschäften vermischt werden, in der Absicht, die wahre Herkunft, die Beschaffenheit, die Verfügung über oder das Eigentum an solchen Erlösen zu verschleiern oder zu verheimlichen. US Treasury 1989 in Carl/Klos, 1994 Figur 1.1: Verwendung der Erlöse aus illegalen Geschäften Illegale Erlöse Konsum Investition in weitere Geschäfte Auszahlungen an Beteiligte Deckung der laufenden Kosten Anlage illegaler Gewinne Zwischenschaltung der Geldwäsche Legale Geschäfte Illegale Geschäfte Zwischenschaltung der Geldwäsche ObjekteKonten (Quelle: Altenkirch, 2002, S. 8)

5 © Schneider5 Figur 1.2: Hauptbereiche der organisierten Kriminalität; Ø über Geldwäsche und ihr Umfeld 1.2 Vortaten der Geldwäsche SuchtgiftEigentum Lagerdiebstähle Beschaffungs- kriminalität Waffen Kapitalanlage- betrug WirtschaftGewaltNachtleben Zuhälterei Prostitution Embargobruch Nuklear- proliferation Einbrüche, Großhehlerei Kfz- Verschiebung Suchtgift Erpresserische Entführung Schutzgeld- forderungen Raubüberfälle Menschenhandel Illegales Glücksspiel Subventions- betrtug Betrug im Zahlungsverkehr führt zu Geldwäsche Prozentanteil in Mitteleuropa

6 © Schneider6 2. Geldwäsche und organisierte Kriminalität Figur 2.1: Die organisierte Kriminalität und ihre Hauptbereiche in Mitteleuropa Quelle: Siska J., 1999 und eigene Berechnungen.

7 © Schneider7 1. Geldwäsche und ihr Umfeld SchattenwirtschaftUntergrundwirtschaftKapitalflucht Die Schattenwirtschaft umfasst die legale Produktion von Gütern und Dienstleistungen, die absichtlich vor den staatlichen Behörden verheimlicht werden. Vier Gründe: (1) um amtliche Steuern (indirekte und direkte) und (2) um sämtliche Sozialabgaben zu vermeiden, (3) um bestimmte Mindeststandards im Arbeitsmarkt zu umgehen und um sich (4) der administrativen und statistischen Erfassung dieser Aktivitäten zu entziehen. Untergrundökonomis che Aktivitäten sind illegale Handlungen, die die klassischen Kriminalitätsmerkmal e aufweisen; z.B. die Produktion von Gütern und Dienstleistungen, deren Verkauf, Verleihung oder Besitz durch Gesetz verboten ist. Kapitalflucht liegt vor, wenn der Transfer legaler Einkünfte im Herkunfts- und/oder Zielland illegal ist. Schattenwirtschaft und Untergrundwirtschaft sind verschiedene Aktivitäten, die sich weitgehend ausschließen, da die Untergrundwirtschaft keine positive Wertschöpfung für die Volkswirtschaft darstellt und daher im Unterschied zur Schattenwirtschaft nicht als Komplement zum offiziellen BIP betrachtet werden kann. 1.3 Abgrenzung: Schattenwirtschaft – Untergrundwirtschaft – Kapitalflucht

8 © Schneider8 1. Geldwäsche und ihr Umfeld 1.4 Rechtliches Umfeld in D, Ö und CH (1) In Deutschland existiert ein eigenes Geldwäschegesetz (Gesetz über das Aufspüren von Gewinnen aus schweren Straftaten (GwG) vom , zuletzt geändert am Der Straftatbestand Geldwäsche; Verschleierung unrechtmäßig erlangter Vermögenswerte wurde mit dem Gesetz zur Bekämpfung des illegalen Rauschgifthandels und anderer Erscheinungsformen der organisierten Kriminalität in das Strafgesetzbuch eingefügt. Der Vortatenkatalog erweitert. (3)In der Schweiz wurde der Tatbestand der kriminellen Organisation (Art. 260ter schw. StGB) sowie das Melderecht geldwäscheverdächtiger Transaktionen für Banken und andere Finanzintermediäre (Art. 305ter Abs. 2 schw. StGB) eingeführt. Das Geldwäschegesetz ist seit 1998 in Kraft. (2)In Österreich gibt es kein eigenes Geldwäschegesetz. Die Meldepflichten werden in Materiengesetzen geregelt, nämlich dem Bankwesengesetz, der Gewerbeordnung, dem Glücksspielgesetz, dem Versicherungsaufsichtsgesetz, dem Börsegesetz, dem Wertpapieraufsichtsgesetz, der Rechtsanwaltsordnung, der Notariatsordnung, der Wirtschaftstreuhandsberufs-Ausübungsrichtlinie und dem Zollrechts-Durchführungsgesetz.

9 © Schneider Geldwäsche und ihr Umfeld 1.5 Die organisierte Kriminalität Fazit: Regional verwurzelte Organisationen sind mittlerweile weltweit tätig und haben sich teilweise zu Allianzen zusammengeschlossen, um effizienter in gewissen Märkten zu operieren (z.B. Italiener und Südamerikaner bei der Steuerung des europ. Drogenmarktes). Tabelle 1.1: Kerngebiete der internationalen organisierten Kriminalität (Beispiele) LandOrg. Kriminalität (Beispiele) USACosa Nostra, über Mitglieder KolumbienCali-Kartel, Cartel del Norte del Valle usw.; Drogenhandel, Geldwäsche NigeriaNigeria-Connection; Betrug, Kreditkartenfälschung, Drogenschmuggel GUS, Baltikum Russischsprachige OK-Gruppen, ca international operierend; Schutzgelderpressung, Drogenhandel, illegaler Waffenhandel, Schmuggel, Wirtschaftskriminalität, Nuklearkriminalität, Geldwäsche, Menschenhandel, Falschgeldkriminalität JapanYakuza, ca Gruppen mit etwa Mitgliedern; Drogen, Mädchenhandel, Glücksspiel, Waffengeschäfte, Schutzgelderpressung, Wirtschaftskriminalität China, TaiwanChin. Triaden, mehrere hundert aktive Banden mit bis zu Mitgliedern pro Gruppe, Drogenhandel, Geldwäsche, Glücksspiel, Menschenhandel, Schutzgelderpressung, Waffenhandel, Wirtschaftskriminalität Mittel- und Südosteuropa Drogenhandel, Kfz-Diebstahl, Waffenhandel, Schlepperwesen, Schutzgelderpressung, Schmuggel, Embargoumgehungen, Falschgeldkriminalität, Geldwäsche

10 © Schneider10 1. Geldwäsche und ihr Umfeld 1.6 Anzahl der Drogenkonsumenten/abhängigen Rund 200 Millionen Menschen, oder 5% der Weltbevölkerung zwischen 15 und 64 Jahren, konsumierten zumindest einmal in den letzten 12 Monaten illegale Drogen (Stand 2003/04). Figur 1.3; Zahl der weltweiten Drogenabhängigen nach Drogensorten 2003/04 (Quelle: Eigene Darstellung, Daten aus UNO, 2005, S. 23):

11 © Schneider11 1. Geldwäsche und ihr Umfeld 1.7 Größe des Drogenmarktes Für 2003 wurde der Gesamtwert der Drogen bei der Produktion auf 12,8 Mrd. USD geschätzt. Beim Großhandel steigt der Umsatz bereits auf 94 Mrd. USD und im Einzelhandel ergibt sich ein Gesamtwert von 321,6 Mrd. USD. -> 70% von 321,6 Mrd. USD fallen laut FATF zur Geldwäsche an Figur 1.4: Die Größe des Drogenmarktes 2003 (Quelle: UNO, 2005, Presentations).

12 © Schneider12 2. Wie läuft Geldwäsche ab? Das Phasenmodell Phasenmodelle beschreiben die Geldwäsche als lineare zeitliche Folge. Da die bekannten Modelle sehr ähnlich sind, wird hier nur die Abbildung aus dem Stufenmodell von Bayer gezeigt (weitere Ansätze: Phasenmodell von Bernasconi, und Drei-Phasen-Modell des U.S. Customs Service) Erläuterungen: (1) Placement: Erstmaliges Platzieren der inkriminierten Gelder in den legalen Finanzkreislauf (hoher Bezug zur Straftat, hohes Entdeckungsrisiko) (2) Layering: Verschleierungsphase durch unzählige Transaktionen um die Papierspur zu verwischen. (3) Integration: Die illegalen Gewinne werden nun als legale Einkünfte ausgegeben werden. Figur 2.1: Stufenmodell von Bayer (Quelle: in Anlehnung an Bayer, 1993, S. 33)

13 © Schneider13 3. Unter der Lupe: Techniken der Geldwäsche 3.1 Techniken des Transfers – Vorstufe d. GW Wenn das Land, in dem die Straftat begangen wurde, Maßnahmen gegen Geldwäsche gesetzt hat, ist die Platzierung der illegalen Erlöse mit einem erheblichen Risiko verbunden, sodass ein Transfer der Gelder ins Ausland bevorzugt wird. – VORSTUFE DER GELDWÄSCHE (1)Transfer von Geld und Gütern Bargeldkuriere (cash in bulk bringt logistische Probleme (Gewicht), jedoch keine Spuren in Dokumenten, etc.) Kauf und Verkauf von Luxusgütern, Gold, Diamanten (kompakt, leicht transportierbar (2)Transfer mittels Überweisung Transferierung von Konto zu Konto ist die einfachste Art die Landesgrenzen zu überwinden. Dazu muss das Geld aber in das Banksystem eingeschleust werden. Vorarbeiten im Sinn von Smurfing und Structuring sind notwendig.

14 © Schneider14 (3)Transfer mittels Untergrundbanken (z.B. Hawala im arabischen Raum) Alternatives Überweisungssystem das auch von Geschäftleuten und Verbrechern aus dem mittelöstlichen, indischen oder chinesischen Raum verwendet wird. Herr X Vermögen in Land B, benötigt Geld in Land A Herr Y Vermögen in Land A, benötigt Geld in Land B Kompensation, ohne dass Geld die Landesgrenzen überquert. 3. Unter der Lupe: Techniken der Geldwäsche 3.1 Techniken des Transfers – Vorstufe der GW (4)Transfer mittels Unter- / Überfakturierung Im Importgeschäft wird vom ausländischen Anbieter überfakturiert, somit kann die Differenz zum tat. Rechnungsbetrag im jeweiligen Ausland einbezahlt werden. Im Exportgeschäft wird unterfakturiert und der Debitor schreibt den Differenzbetrag einem ausländischen Konto gut. Verrechnung von fiktiven Arbeits- und Dienstleistungskosten (schwer überprüfbar)

15 © Schneider15 3. Unter der Lupe: Techniken der Geldwäsche 3.1 Techniken des Transfers – Vorstufe der Geldwäsche Transfer von Geld und Gütern Transfer mittels Überweisung Transfer mittels Untergrundbanken (z.B. Hawala) Transfer mittels Unter- / Überfakturierung 3.2 Techniken des Placements / 1. Stufe Frontgesellschaften Täuschung / Bestechung Structuring / Smurfing Glücksspiel Lebensversicherungen 3.3 Techniken des Layerings / 2. Stufe Internationale Transaktionen Offshore-Zentren 3.4 Techniken der Integration / 3. Stufe Direktinvestitionen Darlehen Übernahme eigener Unternehmen Vorgetäuschte Spekulationen 3.5 Mögliche neuere Techniken Cybermoney Moneytransmitter

16 © Schneider16 3. Unter der Lupe: Techniken der Geldwäsche 3.2 Techniken des Placements 1. Stufe Das Placement ist die 1. Phase der Geldwäsche, in der die illegale Erlöse im Finanzsystem platziert werden. Je stärker die Kontrollen der Banken sind, desto eher neigen Geldwäscher dazu Mobilien wie Diamanten, Schmuck, Gold (-barren), andere Edelmetalle, hochwertige Fahrzeuge zu kaufen, die später weiterveräußert werden. (1)Placement durch Frontgesellschaften Von den Geldwäschern selbst betriebene (bargeldintensive) Unternehmen (z.B. Taxiunternehmen, Gastronomiebetriebe, Boutiquen, Casinos, etc.). Ebenso werden Gründungsdokumente und Handelsregisterauszüge fiktiver, im Ausland gegründeter Gesellschaften gefälscht, um im Inland ganz legal Bankkonten zu eröffnen. (2)Placement durch Täuschung / Bestechung Ein Strohmann wird wissentlich eingesetzt oder unwissentlich missbraucht, um Gelder auf ein Konto einzuzahlen.

17 © Schneider17 3. Unter der Lupe: Techniken der Geldwäsche 3.2 Techniken des Placements 1. Stufe (3)Placement durch Structuring / Smurfing Unter der Platzierung der Gelder durch Structuring versteht man die Aufspaltung des einzuzahlenden Betrags in mehrere kleine Geldbeträge, die unter dem Schwellenwert der Identifikationspflicht liegen und bei unterschiedlichen Banken eingezahlt werden. Unter Smurfing wird die Aufteilung der aufgespaltenen Beträge auf verschiedene Strohleute (smurfs = Schlümpfe) verstanden. (4)Placement durch Glücksspiel Sehr effektive Methode, indem schmutzige Gelder in Jetons umgewandelt werden, um dann den vermeintlichen Gewinn in Schecks zurückzutauschen. (5)Placement durch Lebensversicherungen Hier wird eine Lebensversicherung mit hoher Einmalzahlung abgeschlossen und die Prämie in bar bezahlt. I.d.R. wird der Vertrag (mit großem Abschlag) bald gekündigt, der verbleibende Betrag wird in Form eines Schecks oder einer Überweisung ausbezahlt über den jeder Verdacht erhaben ist.

18 © Schneider18 3. Unter der Lupe: Techniken der Geldwäsche 3.3 Techniken des Layerings 2. Stufe Layering (Verschleierung, wörtl. Schichtung) ist die 2. Phase der Geldwäsche: Nach erfolgreicher Einschleusung der inkriminierten Gelder gilt es durch geeignete Techniken, die ursprüngliche Herkunft zu verschleiern. (1) Layering mithilfe internationaler Transaktionen Geldbeträge werden kreuz und quer um die Welt transferiert, wobei die einzelnen Transaktionen wirtschaftlich sinnlos sind (Kettentransaktionen). Elektronische Zahlungssysteme haben den Handlungsspielraum der Geldwäscher erweitert (electronic banking und elektronische Börsenhandels- und Abwicklungssysteme). -> Keine physische Präsenz der Geldwäscher notwendig. Dies erschwert Verdachtsmomente zu erkennen und Nachforschungen einzuleiten. -> Elektronische Börsenhandels- und Abwicklungssysteme samt deren internationale Netzwerke werden ausgenutzt, um illegale Gelder an den Bankschaltern vorbeizuwaschen.

19 © Schneider19 3. Unter der Lupe: Techniken der Geldwäsche 3.3 Techniken des Layerings 2. Stufe (2)Layering mithilfe der Offshore-Zentren Eine besondere Art, die Papierspur des Geldes zu verwischen, stellen die Gründungen von Scheingesellschaften in Offshore-Zentren dar. Scheingesellschaften besitzen im Gegensatz zu Frontunternehmen keinen realen Geschäftszweck, sondern täuschen diesen nur vor, um Kapitaltransaktionen zu rechtfertigen und decken durch fiktive Rechnungslegung und/oder kreative Buchhaltung den fehlenden ökonomischen Hintergrund. Zu den Offshore-Zentren zählen beispielsweise London, Hong Kong, die Schweiz, Liechtenstein, Luxenburg, die Karibik, die Marshall Inseln, die Phillipinen, die Cook Inseln und Ägypten.

20 © Schneider20 3. Unter der Lupe: Techniken der Geldwäsche 3.3 Techniken des Layerings 2. Stufe Beispiel für die Spezialisierung diverser Karibik-Inseln (2) Stehen in diesen Zentren nicht gesellschaftsrechtliche sondern bankrechtliche Bestimmungen im Vordergrund und existieren demzufolge eine Vielzahl hochprofessioneller OffshoreBanken, spricht man von bank havens. (1) Offshore-Zentren gewähren weitgehende Steuerfreiheiten sowie politische Stabilität und Sicherheit und ermöglichen unkomplizierte und unbürokratische Unternehmens- gründungen. Diese Zentren nennt man company havens.

21 © Schneider21 3. Techniken der Geldwäsche 3.4 Techniken der Integration 3. Stufe In der Integrationsphase ist die Herkunft des Geldes kaum mehr nachvollziehbar. Das gewaschene Geld wird wieder in den Wirtschaftskreislauf eingeschleust. (1)Integration durch Direktinvestition Hier wird direkt in Immobilien, Finanz- und Sachanlagen sowie in Unternehmen investiert. Bei Finanzanlagen steht vor allem die Anonymität im Vordergrund. Beteiligungen als stille Gesellschafter haben den Vorteil, dass keinerlei Außenwirkung damit verbunden ist und der Gesellschafter nicht im Grundbuch oder im Handelsregister erfasst wird.

22 © Schneider22 3. Techniken der Geldwäsche 3.4 Techniken der Integration 3. Stufe (2)Integration durch Darlehen Beliebte Methode zur Legalisierung illegaler Erlöse ist das back to back loan: Gewaschenes Geld wird in einem Finanzinstitut / Scheinunternehmen deponiert. Dieses Finanzinstitut / Scheinunternehmen stellt dem Geldwäscher / Strohmann im Land der Integration denselben Betrag als Kredit zu Verfügung. Der so erhaltene Betrag wird in legale Anlagen investiert. Greift der Geldwäscher zur Darlehensgewährung auf seine im Ausland verstreuten Scheingesellschaften zurück, so können sich diese auch nacheinander (chain loan) oder gegenseitig (parallel loan) Kredite ausstellen. Vorteile: Geld muss nicht versteuert werden, die Zinsen sind sogar steuerlich abzugsfähig. Durch die Höhe der Zinsen kann mehr schmutziges Geld gewaschen werden. Durch den Kredit lässt sich ein hoher Lebensstandard gut begründen.

23 © Schneider23 3. Techniken der Geldwäsche 3.4 Techniken der Integration 3. Stufe (3)Integration durch vorgetäuschte Spekulationen Gegen eine Prämie erwirbt Gesellschaft A von Gesellschaft B das Recht eine bestimmte Ware (Devisen, Aktien, etc.) zu einem festen Preis am Verfallstag zu kaufen (europäische Option). Wird die Option ausgeübt, erwirtschaftet Gesellschafter A einen Gewinn, der einen legalen Charakter hat und als gewaschen bezeichnet werden kann. Tritt kein Gewinn ein, verbleibt die Prämie bei Gesellschafter B. Gehören beide einer kriminellen Vereinigung an, so wird das Geschäft in jedem Fall ohne Verlust enden. Für einen normalen Anleger wäre ein solches Nullsummenspiel unsinnig, für einen Geldwäscher ist es attraktiv weil er die Verluste dem Konto mit dem schmutzigen Geld verrechnet und den sauberen Gewinn auf einem neuen Konto verbucht. Spekulationsgeschäfte mit Devisen und Derivaten machen ca. 90% der Finanzaktivitäten aus.

24 © Schneider24 3. Techniken der Geldwäsche 3.5 Mögliche neuere Techniken (4)Mögliche neuere Techniken Neben dem electronic banking wird auch das Cybermoney zur Geldwäsche herangezogen. (i.)Cybermoney dient zum bargeldlosen Bezahlen im Internet. Hohe Anonymität, da Geld von Computer zu Computer transferiert wird, ohne dass eine Clearingstelle zwischengeschaltet ist. (ii.) Bei Moneytransmittern (Western Union, Money Gram) handelt es sich um ein Geldtransfernetz, das Blitzüberweisungen von Bargeld, abseits von Kontotransaktionen ermöglicht. (iii.) Prepaid Cards bzw. Smart Cards sind Chipkarten, auf denen Geldbeträge gespeichert sind. Besonders geeignet sind kontoungebundene white cards, deren Lade- und Entladevorgänge völlig anonym verlaufen.

25 © Schneider25 4. Methoden zur Schätzung des Volumens der Geldwäsche 4.1 Direkte Methoden 4.2 Indirekte Methoden Probleme: Keine Unterscheidbarkeit zw. legalen und illegalen Geldern Nur Hochrechnung über eingezogene Vermögenswerte möglich, jedoch schwierig, da es nur auf Einzelfällen beruht Probleme: Vielfalt der Vortaten Nur Dunkelziffern bekannt (Schätzung) Studien basieren meist auf Drogenerlösen, andere Vortaten bleiben unberücksichtigt schwierige ökonometrische Spezifizierung und Datenproblematik Ansätze: Diskrepanzanalyse internationaler Zahlungsbilanzen Analyse der Veränderung v. Bargeldbeständen nationaler Banken Schätzungen anhand von Zuflüssen in Offshore-Finanzzentren Hochrechnung anhand eingezogener Vermögenswerte od. einzelner Geldwäschefälle Schätzungen anhand von Zahlungsströmen Beziehen sich meist auf Umsätze oder Gewinne aus Vortaten oder Schätzung als latente unbeobachtbare Größe (MIMIC) Ansätze: Ökonometrische Quantifizierung anhand des Drogenkonsum, bzw. Produktion oder beschlagnahmter illegaler Drogen Ökonometrische Schätzungen (DY)MIMIC- Schätzungen (Dynamic Multiple Indicator Multiple Causes Verfahren) = Latente Schätzverfahren

26 © Schneider26 4. Methoden zur Schätzung des GW-Volumens 4.1 Bewertung der Schätzmethoden Direkte Methoden leiden in ihrer Aussagekraft an der mangelnden Unterscheidbarkeit zwischen legaler und illegaler Herkunft der Gelder, wodurch der mögliche kriminelle Anteil nur grob geschätzt werden kann. Die Schätzungen anhand von Zuflüssen in Offshore-Zentren hängt von interregionalen Geldwäschebekämpfungsmaßnahmen ab. Es ist keine Unterscheidung zwischen Geldern aus der Untergrundwirtschaft, der Schattenwirtschaft und der legalen Wirtschaft möglich. Die Errechnung des GW-Volumens anhand von eingezogenen Vermögenswerten hängt von der Aufklärungsquote ab und dann die extrem schwierige Schätzung der Dunkelziffer. Bei den indirekten Schätzmethoden ist anzumerken, dass z.B. eine Schätzung der Drogenerlöse allein aus dem Konsum oder der Produktion zu unpräzise erscheint. Es ist sinnvoll die Methoden zu bündeln, um die Ergebnisse auf ihre Plausibilität hin testen zu können. Bei den indirekten Methoden bleiben jedoch alle anderen Vortaten und ihre zu waschenden Erlöse unberücksichtigt!

27 © Schneider27 Tabelle 4.1: DYMIMIC-Schätzung über die Größe der Geldwäsche in 20 OECD-Länder über die Periode 1995 bis 2005 Index für die Funktionsweise des Rechtsstaates 1=am schlechtesten 9=am besten Anzahl krimin. Aktivitäten illeg. Waffengeschäfte Anzahl krimin. Aktivitäten des illegalen Drogengeschäftes Anzahl krimin. Aktivitäten Aktiv des illeg. Diamantenhandels Anzahl krimin. Aktivitäten von gefährlichen Produkten Anzahl krimin. Aktivitäten von Betrug, Computer-Kriminalität Anzahl nationaler krimin. Aktivität Einkommensverteilung (Gini-Koeffiz.) Pro-Kopf-Einkommen (in USD) Menge beschlag- nahmtes Geld (für Geldwäsche u. andere krimin. Akt.) Bargeld pro Kopf Verurteilte Personen Volumen an Geldwäsche von Profiten/Umsätzen aus krimin. Aktivitäten Endogen verzögerte Variable * (2.20) * ( ** (3.41) ** (3.26) * (2.23) (1.51) (1.62) * (2.43) (*) (1.89) (1.51) ** (2.86) Residuum (*) (-1.79) Test-Statistics: RMSEA a) = (p-value 0.884) Chi-squared b) = (p-value 0.914) TMCV c) = AGFI d) = D.F. e) = 42 a) Steigers Root Mean Square Error of Approximation (RMSEA) for the test of a close fit; RMSEA < 0.05; the RMSEA-value varies between 0.0 and 1.0. b) If the structural equation model is asymptotically correct, then the matrix S (sample covariance matrix) will be equal to Σ (θ) (model implied covariance matrix). This test has a statistical validity with a large sample (N 100) and multinomial distributions; both is given for this equation using a test of multi normal distributions. c) Test of Multivariate Normality for Continuous Variables (TMNCV); p-values of skewness and kurtosis. d) Test of Adjusted Goodness of Fit Index (AGFI), varying between 0 and 1; 1 = perfect fit. e) The degrees of freedom are determined by 0.5 (p + q) (p + q + 1) – t; with p = number of indicators; q = number of causes; t = the number for free parameters. Ursachen Indikatoren

28 © Schneider Probleme bei der DYMIMIC- Schätzung (1)Die Ursachen-Variablen messen nur die Anzahl der kriminellen Aktivitäten und nicht das finanzielle Ausmaß. (2)Die Variable Index des Rechtsstaates misst nur sehr grob die Fähigkeit der Justiz, die organisierte Kriminalität zu bekämpfen. (3)Einige Variablen konnten sowohl als Ursache oder als Indikator (z.B. beschlagnahmtes Geld oder Index des Rechtsstaates) verwendet werden. (4)Die DYMIMIC-Schätzung produziert nur relative und keine absoluten Werte.

29 © Schneider29 Tabelle 4.2: Berechnung des aggregierten Volumens an Geldwäsche für 20 OECD-Länder (Mrd. US$) aufgrund der DYMIMIC-Schätzung JahrVolumen and Geldwäsche in 20 OECD- Länder Mrd. US$ 20 OECD-Länder Australien, Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Japan, Kanada, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweiz, Spanien, USA ) ) Prognose, vorläufiger Wert

30 © Schneider30 Tabelle 4.3: Internationale Schätzungen ->Schätzungen sind mit großen Unsicherheiten behaftet -> Problem der mehrdeutigen Zuordnungen und der schmalen Datenbasis bei direkten Methoden ->Fragwürdige potenzierte Schätzungen bei indirekten Methoden QuelleJahrVolumen Gesamtumsatz der Organisierten Kriminalität, alle Aktivitäten National Criminal Intelligence Service (NCIS; USA) ,3 Billionen USD 1,9 Billionen USD 2,1 Billionen USD UN-Schätzung1994/98700 Mrd.-1 Billion USD Internationalen Währungsfonds Mrd. USD Interpol Mrd. USD Schneider (Uni Linz) ,2 Billionen USD 1,4 Billionen USD 1,5 Billionen USD 1,7 Billionen USD Bundeskriminalamt (D)Anfang d. 90er Jahre500 Mrd. USD p.a. Gesamtumsatz der Org. Kriminalität - Drogen The Economist Mrd. USD Schneider (Uni Linz) Mrd. USD 750 Mrd. USD 810 Mrd. USD 850 Mrd. USD 870 Mrd. USD 910 Mrd. USD Kerry Mrd.-1 Billion USD Walker19982,05 Billionen USD Schuster Mrd. USD 4.3 Internationale Schätzungen zum Finanzvolumen der organisierten Kriminalität

31 © Schneider31 Tabelle 4.4: Schattenwirtschaft und Untergrundwirtschaft in Deutschland von JahrDeutschland SchattenwirtschaftUntergrundwirtschaft (typ. kriminelle Akt.) in % des offiziellen BIP in Mrd. in % des offiziellen BIP in Mrd , , , , , , ,1438 Quelle: Eigene Berechnungen Nationale Schätzungen zum Volumen der organ. Kriminalität bzw. der Geldwäsche

32 © Schneider32 Tabelle 4.5: Schattenwirtschaft und Untergrundwirtschaft in Italien, Frankreich und Großbritannien von (in % des offiziellen BIP) Jahr ItalienGro ß britannienFrankreich Schatten- wirtschaft Untergrund- wirtschaft Schatten- wirtschaft Untergrund- wirtschaft Schatten- wirtschaft Untergrund- wirtschaft %18.2%13.1%9.4%14.9%8.9% %18.9%13.0%9.8%14.7%9.3% %19.3%13.0%10.2%14.9%9.8% %19.9%12.7%10.4%15.2%10.3% %20.6%12.7%10.6%15.2%10.9% %21.0%12.6%12.5%15.1%11.2% %22.5%12.5%10.9%15.0%11.21% %23.1%12.2%11.3%14.7%12.21% %23.5%12.3%12.1%14.3%13.1% %24.9%12.0%13.1%13.8%14.0% %25.4%11.1%13.7%12.4%14.8% Quelle: Eigene Berechnungen Nationale Schätzungen zum Volumen der organ. Kriminalität bzw. der Geldwäsche

33 © Schneider Nationale Schätzungen zum Volumen der organ. Kriminalität bzw. der Geldwäsche VARIABLE ) Verdachtsmeldungen gem. § 41 Abs.1 BWG in Ö ) Summe Geldflüsse in Ö. (jeweils in Mio ) Summe Geldflüsse in D ) ) ) ) 619 1) ) 692 1) ) 753 1) ) 788 1) ) 831 1) ) Summe der eingefrorenen Gelder (jeweils in Mio ) in Ö ) ) -- Anzeigen wegen Geldwäscherei §165 StGB in Ö ) ) -- Anzeigen wegen Krimineller Organisationen, § 278a StGB in Ö Feststellung anderer Tatbestände ) Eigene Schätzung: Indirekter Ansatz über Schätzung der Schattenwirtschaft und der klass. Kriminelle Aktivitäten. 2) Bericht der Bundesregierung über die Innere Sicherheit in Österreich (Sicherheitsbericht versch. Jahre) 3) Jahresbericht 2004 der Geldwäschemeldestelle (BMin für Inneres) Quelle: eigene Berechnungen und Siska, Josef (1999), Die Geldwäscherei und ihre Bekämpfung in Österreich, Deutschland und der Schweiz, Wien: Linde Verlag, Tabelle 4.6: Volumen der Geldwäsche in Österreich und in Deutschland

34 © Schneider34 5. Schlussfolgerungen und Resumeé 5.1 Schlussfolgerungen auf die Volkswirtschaft und Gesellschaft 3 Schlussfolgerungen: (1)Unterwanderung der Volkswirtschaft durch kriminelle Organisationen Ist die Wiedereinführung illegaler Vermögenswerte via Geldwäsche in den legalen Wirtschaftskreislauf relativ problemlos, führt dies zu einer Unterwanderung der Volkswirtschaft durch kriminelle Organisationen. Langfristig erlangen diese Gruppen einen nicht zu unterschätzenden und gefährlichen Zuwachs an wirtschaftlicher und letztlich auch politischer Macht. (2)Geldwäsche erhöht Korruption und Kriminalität Das gewaschene und damit frei verwendbare Geld ist eine Ressource, die eingesetzt werden kann, um eine Art kriminelle Gegengesellschaft zu unterstützen. Es erleichtert weitere Straftaten und fördert die Korruption. - so werden Polizei, Justiz und Politiker bestochen, damit sie die Wäsche schmutziger Gelder nicht behindern.

35 © Schneider35 (3)Geldwäsche schädigt die Wirtschaft Kriminalität ist häufig eine nationale Angelegenheit - Geldwäsche meistens eine internationale. Wenn das von den organisierten Verbrechern in einem Land erwirtschaftete Vermögen eine gewisse Höhe erreicht, können die gewaltigen Kapitalflüsse vom Land der Straftat in das Land der Geldwäsche ökonomische Größen – wie Zinsen, Renditen, und Wechselkurse – in eine Richtung beeinflussen, die für die ökonomische Entwicklung der betroffenen Länder und deren Währungen nicht nur unerwünscht, sondern auch kontraproduktiv ist. 5. Schlussfolgerungen und Resumeé 5.1 Auswirkungen auf Volkswirtschaften und Gesellschaften

36 © Schneider36 5. Schlussfolgerungen und Resumeé 5.2. Resumeé (1) Für die Staatengemeinschaft ist es eine gesellschafts- und wirtschaftspolitische Herausforderung ersten Ranges, mit der Bedrohung durch die organisierte Kriminalität (und den Terrorismus) fertig zu werden. (2) Aber, wer Ungeheuer bekämpft muss aufpassen, nicht selbst zum Ungeheuer zu werden (Nietzsche, 1886). Es muss eine Ausgewogenheit zwischen Sicherheit und persönlicher Freiheit gewahrt bleiben. Dieser Balanceakt erfordert guten Willen, Toleranz und Zusammenarbeit auf internationaler Ebene. (3) Da die internationale Zusammenarbeit in der Verbrechens- und Terrorismusbekämpfung sehr stark zu wünschen übrig lässt, und leider auch wenig Hoffnung auf Änderung/Besserung besteht, ist die Politik gegenüber der (internationalen) Geldwäsche weitgehend machtlos!

37 © Schneider37 6. Appendix: Die Finanzierung von Terror- Organisationen 6.1 Unterschiede und Ähnlichkeiten von OK und Terroristen (1) Parallel zur Globalisierung in der Weltwirtschaft hat sich nicht nur das organisierte Verbrechen, sondern auch das ideologische und/oder religiös fundamentalistische Verbrechen (Terror) globalisiert. (2) Damit dieser Terrorismus erfolgreich operieren kann, sind gut ausgebaute internationale Beziehungen und starke Finanzquellen notwendig. Für die Bekämpfung jeglichen Terrors und der organisierten Kriminalität ist daher die Unterbindung der Geldwäsche und deren Bestrafung eine wichtige Strategie. (3) Bei der Geldwäsche muss ermittelt werden, woher die Gelder kommen und bei der Finanzierung des Terrors muss ermittelt werden, woher die Gelder kommen und wohin sie gehen.

38 © Schneider38 (1)Terror-Organisationen sind gewöhnlich ideologisch/politisch oder religiös motiviert, während kriminelle Gruppen profitorientiert agieren. (2)Terror-Organisationen wollen häufig mit Regierungen um ihre Anerkennung wetteifern, kriminelle Gruppen wollen das nicht. (3)Terror-Organisationen wollen mediale Aufmerksamkeit erregen, kriminelle Gruppen nicht. (4)Terror-Opfer werden in der Regel nicht speziell ausgewählt, jene von kriminellen Organisationen dagegen eher. Wo liegen die Unterschiede bzw. Ähnlichkeiten zwischen Terror- Organisationen und kriminellen Organisationen? (1)Beide arbeiten im Geheimen bzw. im Untergrund. (2)Beide setzen Gewalt ein und nehmen häufig (bewusst) hauptsächlich zivile Opfer in Kauf. (3)Das Ziel der Einschüchterung ist ein Charakteristikum beider Gruppen. (4)Beide benutzen ähnliche Taktiken: Kidnapping, Mord, Erpressung (Schutzgeld versus Revolutionssteuer). (5)In beiden Fällen ist die Kontrolle der Gruppe über das Individuum stark. (6)Beide benutzen Frontgesellschaften um ihre Geschäfte u. ä. zu legitimieren. 6. Die Finanzierung der Terror-Organisationen 6.1 Unterschiede und Ähnlichkeiten von OK und Terroristen UnterschiedeÄhnlichkeiten

39 © Schneider39 6. Die Finanzierung der Terror-Organisationen 6.2 Art der Finanzierung (1)Um die Größenordnung der Finanzströme von Terror-Organisationen abschätzen zu können, wurden in einer kombinierten Längs- Querschnittsschätzung 20 islamistische Terrorgruppen zwischen 2000 und 2003 untersucht. (2)Dazu wurden Ursache – Wirkung -Zusammenhänge analysiert, die in die Schätzung einflossen (MIMIC-Schätzung = Multiple Indicator Multiple Causes). (3)Mit Hilfe von anderen Schätzwerten über die Größenordnung der Finanzströme von Terrororganisationen kann dann die relativen Koeffizienten der geschätzten Finanzströme in absolute umgerechnet/kalibriert werden.

40 © Schneider40 Aktive Förderer Aktive Mitglieder Unterstützungszahlungen aus islamischen Ländern Dotationen wohlhabender Personen in islamischen Ländernn Gelder religiöser Organisationen Diamanthandel Drogenhandel Umfang der Finanz- ströme von islamistischen Terror-Organisationen 2 = 401,2; d.f. = 32; n = 105 Residuum 1 =0.141** (2.91) 7 = 0,412** (3,41) 6 = 0,143** (1,63) 5 = 0,671** (3,41) 4 = 0,841** (7,80) 3 = 0,49** (4,21) 2 = 0,23** ( 2,99 ) Finanzvolumen Anteil BNE (angepasst auf den Mittelwert für alle islamischen Länder Bargeldumlauf pro Kopf in islamischen Ländern Figur 6.1: MIMIC-Schätzung der Finanzströme von islamistischen Terror- Organisationen, Periode , 21 Organisationen (Anteil finanz. Transaktionen)

41 © Schneider41 6. Die Finanzierung der Terror-Organisationen Tabelle 5.2: Die Finanzmittel und Finanzierun gsquellen von Al- Kaida und anderer Terror- Organisatio nen Die Ergebnisse zeigen, dass Geldmittel aus kriminellen Aktivitäten nur einen Teil der Finanzquellen von terroristischen Organisationen ausmachen. Ein anderer Teil stammt aus legalen Spenden oder dem legalen Handel. Diese Gelder können somit nicht als Schwarzgeld bezeichnet werden. Für sie ist keine Geldwäsche erforderlich. Dies wird als umgekehrte Geldwäsche oder Illegalisierung von sauberem Geld bezeichnet.

42 © Schneider42 NameMitglieder (weltweit) Finanzmittel (lauf. Jahresbudget) Al-Kaida Mio. $ Front Islamique du Salut (Algerien)ca. 400ca. 5 Mio. $ Hamasca. 1000ca. 10 Mio. $ Hizbullahca ca. 50 Mio. $ Arabische Mujahedin (Terror) Organ.: - Irakca. 800ca. 5 Mio. $ - Iranca. 600ca. 5 Mio. $ - Libyenca. 600ca. 10 Mio. $ - Ägypten (Egyptian Islamic Jihad; sehr wahrscheinlich vereint mit Al- Kaida; islam./arab.) ca. 600ca. 8 Mio. $ Weitere 12 Organisationenca ca. 150 Mio. $ Tabelle 6.3: Die Finanzmittel und Finanzierungsquellen von Al-Kaida und anderer Terror-Organisationen

43 © Schneider43 7. Appendix Die Finanzierung der Terror-Organisationen Ökonomische Auswirkungen des Terrors Nachfrageschock und erhöhte Transaktionskosten: - > schwächen das Verbrauchervertrauen, Veränderung des Ausgabeverhaltens von Firmen, privaten Verbrauchern und auch des Staates (z.B. Kaufzurückhaltungen, etc.) Die Kombination aus resultierendem Nachfrageschock und erhöhten Transaktionskosten, die auch im Zuge der nachfolgenden Sicherheits- und Verteidigungspolitik deutlich steigen, fügen der Weltwirtschaft weitere Schäden zu. Terroranschläge ziehen vielfältige Rückkoppelungseffekte über verschiedene Märkte und Länder nach sich (Anpassung von Portfolios an neue Risikostrukturen, Abfluss von Aktienmärkten in sichere Anlageformen (Gold), etc.). (1)Die Terroranschläge der letzten Jahre verdeutlichen, dass vor allem die indirekten Schäden von terroristischen Anschlägen schwerwiegend sind. Sie verteilen sich auf alle Regionen und viele Sektoren: Erhöhtes Risiko und Unsicherheit Versicherungen reagieren auf die neuen Formen des internationalen Terrorismus mit Prämienerhöhungen auf Grund eines neu zu ermittelnden potenziellen Maximalschadens. Es kommt in weiterer Folge zu Vertragsanpassungen bestehender oder neuer Verträge, und es wird seitens der Rückversicherer zum Teil generell mit einer starken Beschränkung oder sogar mit dem Ausschluss der Versicherbarkeit von Terrorschäden reagiert.

44 44 7. Appendix: Die Finanzierung der Terror-Organisationen Ökonomische Auswirkungen des Terrors (2)Steigende Budgetdefizite und Staatsverschuldung Regierungen reagieren mit kostenintensiven Hilfsprogrammen und vertrauensstabilisierenden Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft. Sicherheits- und Verteidigungsausgaben werden oftmals dramatisch erhöht. Öffentliche Budgetdefizite und zunehmende Staatsverschuldung sind negative Folgen dieser Maßnahmen. Zinszahlungen auf Grund der Verschuldung belasten das Land noch über Jahre hinweg und führen zu einem Vertrauensentzug der Finanzmärkte. (3)Prognoserevisionen Ökonomische Institutionen – wie beispielsweise die OECD – senken ihre Wachstumsprognosen für die Wirtschaft. Dies führt in weiterer Folge zu einer gebremsten Erwartungshaltung von Unternehmen, Verbrauchern und ganzen Märkten, was den negativen Effekt auf die gesamte Wirtschaft noch deutlich verstärkt.

45 45 7. Appendix: Die Finanzierung der Terror-Organisationen Ökonomische Auswirkungen des Terrors (4)Negativer Effekt auf den internationalen Handel Die erhöhte Terrorwahrscheinlichkeit in einem Land verringert die Attraktivität für international agierende Produzenten. Strengere Sicherheitsvorkehrungen als Reaktion auf terroristische Anschläge bedeuten höhere Kosten für den Handel, z. B. durch die Verlängerung von Lieferzeiten (höhere Transaktionskosten). (5)Geld- und finanzmarktpolitische Implikationen Es kommt zu einer Anpassung der Portfolios von Investoren an die neuen Risikostrukturen und zu einer Veränderung der Renditen bestimmter Aktien. Vielfach resultiert aus terroristischen Anschlägen ein Abfluss des Kapitals aus den Aktienmärkten in sichere Anlageformen (z. B. Gold). Notenbanken müssen mit teilweise dramatischen Zinssenkungen reagieren, um das Investitionsniveau zu stützen.

46 © Schneider46 Appendix 2: Multiple Indicators, Multiple Causes (MIMIC) approach The MIMIC approach explicitly considers several causes, as well as the multiple effects of the informal economy. The methodology makes use of the associations between the observeable causes and the observable effects of an unobserved variable, in this case the informal economy, to estimate the unobserved factor itself. Formally, the MIMIC model consists two parts: The structural equation model describes the relationship among the latent variable (informal economy = IE) and its causes. The measurement model represents the link between the latent variable IE and its indicators; i.e. the latent varialble (IE) is expressed in terms of observable variables.

47 © Schneider47 Appendix 2: Multiple Indicators, Multiple Causes (MIMIC) approach The model for one latent variable (IE) can be described as follows: IE = γ x + ν(1) Structural equation model γ =λ IE + ε(2) Measurement model where IE is the unobservable scalar latent variable (the size of the informal economy), γ = (γ 1 …, γ p ) is a vector of indicators for IE, x = (x 1,…x q ) is a vector of causes of IE, λ and γ are the (px1) and (qx1) vectors of the parameters and ε and ν are the (px1) and scalar errors.

48 © Schneider48 Appendix 2: Figure 1: General structure of a MIMIC model CausesIndicators x 1t x 2t … x qt y 1t – ε 1t y 2t – ε 2t y pt – ε pt … IE t γ1γ1 γ2γ2 γqγq λ1λ1 λ2λ2 λpλp

49 © Schneider49 Appendix 2: Multiple Indicators, Multiple Causes (MIMIC) approach Equation (1) links the informal economy with ist indicators or symptoms, while equation (2) associates the informal economy with ist causes. Assuming that these errors are normally distributed and mutually uncorrelated with var(ν) = σ 2 ν and cov(ε) = Θ ε, the model can be solved for the reduced form as a function of observable variables by combining equations (1) and (2): γ = π x + μ (3) where π = λ γ, μ = λ ν + ε and cov(μ) = λ λ σ 2 ν + Θ ε.

50 © Schneider50 Appendix 2: Multiple Indicators, Multiple Causes (MIMIC) approach Because γ and x are observable data vectors, equation (3) can be estimated by maximum likelihood estimation using the restrictions implied in both the coefficient matrix π and the covariance matrix of the error μ. Since the reduced form parameters of equation (3) remain unaltered when λ is multiplied by a scalar and γ and σ 2 ν are divided by the same scalar, the estimation of (1) and (2) requires a normalization of the parameters in (1), and a convenient way to achieve this is to constrain one element of λ to some pre-assigned value (quite often 1). Since the estimation of λ and γ is obtained by constraining one element of λ to some arbitrary value, it is useful to standardize the regression coefficients ^λ and ^γ as follows: ^λ s = ^λ (^σ IE / ^σ γ ) ^γ s = ^γ (^σ x / ^σ IE )

51 © Schneider51 Appendix 2: Multiple Indicators, Multiple Causes (MIMIC) approach The standardized coefficient measures the expected change in the standard-deviation units of the dependent variable due to a one standard-deviation change fo the given explanatory variable when the other variables are held constant. Using the estimates of the γ s vector and setting the error term ν to its mean value of zero, the predicted ordinal values for the informal economy (IE) can be estimated by using equation (2). Then, by using information regarding the specific value of informal activity for some country (if it is a cross country study) or for some point in time (if it is a time series study), obtained from some other source, the within-sample predictions for IE can be converted into absolute series.


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