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© Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Das AMDP-System.

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Präsentation zum Thema: "© Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Das AMDP-System."—  Präsentation transkript:

1 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Das AMDP-System

2 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Psychopathologie Ausgangssituation l Keine Einigung in der Beschreibung psychopathologischer Begriffe (Privatpsychopathologie) l oft unpräzise Begriffe (z.B. Patient ist verwirrt) l oft keine Symptome, sondern Syndrome (z.B. Patient ist delirant) l oft Stilblüten (z.B. Patient ist depressiv herabgestimmt)

3 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Was ist das AMDP-System? l Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie l umfassendes Dokumentationssystem (Kernstück: Psychischer Befund) l Fremdbeurteilungsverfahren

4 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Geschichte der AMDP (1) 1960Erste Bemühungen um ein einheitliches System 1965Gründung AMP 1969Herausgabe AMP-System Aufl. Manual (Scharfetter) Aufl. Manual (Scharfetter) Aufl. Manual, Revision AMDP Aufl. Manual

5 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Geschichte der AMDP (2) 1983Testmanual (Baumann & Stieglitz) 1988Beginn der Trainerausbildung 1989Interviewleitfaden (Fähndrich & Stieglitz) 1989Gründung AMDP e.V revidierte Aufl. Manual unveränderte Auflage 1997Monographie, Anwendung in Forschung und Praxis (Haug & Stieglitz) Aufl. Interviewleitfaden

6 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Das AMDP-System: Struktur Anamnese 1u.a. soziodemographische Daten Anamnese 2vermutete krankheitsfördern- de Einflüsse, Veränderungen der Lebenssituation Anamnese 3u.a. bisheriger Krankheitsver- lauf, Suizidalität, Vorbehandlungen Psychischer Befund100 Symptome Somatischer Befund40 Symptome

7 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung AMDP Merkmalsbereiche (1) l Bewusstseinsstörungen l Orientierungsstörungen l Aufmerksamkeits- u. Gedächtnisstörungen l Formale Denkstörungen l Befürchtungen und Zwänge l Wahn

8 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung AMDP Merkmalsbereiche (2) l Sinnestäuschungen l Ichstörungen l Störungen der Affektivität l Zirkadiane Besonderheiten l Andere Störungen

9 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Ratingbogen n.v. Sinnestäuschungen Illusionen Stimmenhören And. Akustische Halluzinationen Optische Halluzinationen Geruchs-/Geschmacks Halluzinationen Taktile Halluzinationen nicht vorhanden leichtmittelschwer keine Aussage

10 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Aufbau Ratingbogen n.v. Sinnestäuschungen Illusionen Stimmenhören And. Akustische Halluzinationen Optische Halluzinationen Geruchs-/Geschmacks Halluzinationen Taktile Halluzinationen nicht vorhanden leichtmittelschwer keine Aussage Graduierungen Jede Zeile ein Item / Symptom Jede Zeile ein Item / Symptom Item Namen Item Namen Merkmals- bereiche Merkmals- bereiche Nicht vorhanden Nicht vorhanden keine Aussage

11 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Merkmal 48: Stimmenhören Manual Definition: Wahrnehmung menschlicher Stimmen, ohne daß jemand tatsächlich spricht

12 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Merkmal 48: Stimmenhören Manual Erläuterungen und Beispiele: Die Stimmen können den Kranken direkt ansprechen, sein Handeln kommentieren, in Rede und Gegenrede über ihn sprechen. Ich habe die Stimme meiner toten Mutter gehört. Sie hat mich immer gelobt oder getadelt, je nachdem, was ich gemacht habe - Ich habe die Stimmen mehrerer Männer gehört, die sich über mich unterhalten haben. Eine davon hat mir dann den Befehl gegeben, nach Homburg zu fahren. Die Stimmen müssen nicht immer von aussen wahrgenommen werden, haben auch nicht immer die Qualität des Hörens von aussen.

13 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Merkmal 48: Stimmenhören Manual Hinweise zur Graduierung: leicht: Der Patient berichtet, daß er seinen gelegentlichen Stimmen keinerlei Bedeutung beimesse. schwer: Die Patientin gibt an, ganz deutlich die Stimme Gottes gehört zu haben, der ihr befohlen habe, das Familiensilber zu verkaufen und das Geld den Armen zu spenden. Abzugrenzende Merkmale : 57 Gedankeneingebung

14 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Markierungen Ratingbogen n.v. Sinnestäuschungen Illusionen Stimmenhören And. Akustische Halluzinationen Optische Halluzinationen Geruchs-/Geschmacks Halluzinationen Taktile Halluzinationen nicht vorhanden leichtmittelschwer keine Aussage

15 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung AMDP-Syndrombildung paranoid-halluzinatorisches Syndrom depressives Syndrom psychoorganisches Syndrom manisches Syndrom Hostilitätssyndrom vegetatives Syndrom apathisches Syndrom Zwangssyndrom Syndrome Psychischer Befund Somatischer BefundSymptomeSymptome

16 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Klinische Syndrome: Ein- und mehrdimensionale Verfahren AMDP Hamilton-Depressionsskala (HAMD) Bech-Rafaelsen-Melancholie- Skala (BRMS) Montgomery-Asberg- Depression Rating-Scale (MADRS) paranoid-halluzinatorisches Syndrom depressives Syndrom psychoorganisches Syndrom manisches Syndrom Hostilitätssyndrom vegetatives Syndrom apathisches Syndrom Zwangssyndrom mehrdimensional mehrdimensional eindimensional eindimensional

17 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Mehrdimensionale Systeme: Vorteile l Störungen (Patienten) meist nicht nur durch die Ausprägung eines Syndroms zu charakterisieren Beispiel: Depressiver Patient - depressives Syndrom - apathisches Syndrom - vegetatives Syndrom l allgemein: Veränderung der Symptomatik besser erfaßbar Beispiel: Auftreten eines paranoiden Syndroms, Zwangs- syndroms bei einem depressiven Patienten l speziell:Switch bei bestimmten Patientengruppen Beispiel:Wechsel von depressiver zu manischer Sympto- matik bei einem Patienten mit einer bipolaren, affektiven Störung

18 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Gegenüberstellung AMDP versus ICD-10 Symptome Diagnosen AMDP ICD-10 Syndrome

19 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Ichstörungen Wahn Akustische Halluzinationen Akustische Halluzinationen Wahn a. Gedankenlautwerden, Gedankeneingebung, Gedankenentzug oder Gedankenausbreitung AMDP Merkmalsbereiche b. Kontrollwahn, Beeinflussungswahn, Gefühl des Gemachten, deutlich bezogen auf Körper- oder Gliederbewegungen oder bestimmte Gedanken, Tätigkeiten oder Empfindungen; Wahnwahrnehmung c. Kommentierende oder dialogische Stimmen, die über die Patienten reden oder andere Stimmen, die aus bestimmten Körperteilen kommen d. Anhaltender kulturell unangemessener, bizarrer Wahn, wie der, das Wetter kontrollieren zu können oder mit Ausserirdischen in Verbindung zu stehen Mindestens eines der folgenden Merkmale ICD-10 Schizophrenie-Kriterien (1)

20 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Halluzinationen Formale Denkstörungen Formale Denkstörungen Antrieb und psychomotorische Störungen Antrieb und psychomotorische Störungen Affektive und Andere Störungen a. Anhaltende Halluzinationen jeder Sinnesmodalität ICD-10 Schizophrenie-Kriterien (2) AMDP Merkmalsbereiche b. Neologismen, Gedankenabreissen oder Einschiebungen in den Gedankenfluss, was zu Zerfahrenheit oder Danebenreden führt c. Katatone Symptome wie Erregung, Haltungsstereotypien oder wächserne Biegsamkeit (Flexibilitas cerea), Negativismus, Mutismus und Stupor d. Negative Symptome wie auffällige Apathie, Sprachverarmung, verflachte oder inadäquate Affekte. Oder mindestens zwei der folgenden Merkmale

21 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Klinische Anwendungsmöglichkeiten l (Basis-) Dokumentation l Diagnostik l Qualitätssicherung l Psychopathologie-Training

22 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Basisdokumentation l AMDP wird in vielen Kliniken als Basisdoku- mentation eingesetzt – als Ganzes (z.B. Uniklinik Berlin) – modifiziert (z.B. Uniklinik München) – Teile (z.B. Unikliniken Basel: psychopathologischer und somatischer Befund) l AMDP als Grundlage für die Krankengeschichte – (z.B. Uniklinik Berlin: Aufbau u. Inhalt der KG orientiert an AMDP)

23 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung AMDP-System: Klassifikatorische Diagnostik (ICD-10) l Depressive Episode l Manische Episode l Bipolare affektive Störung l Schizophrenie l Zwangsstörung l Angststörung l Organische Störung l Persönlichkeits- störung l Störungen durch psychotrope Substanzen Geeignet UngeeignetBedingt geeignet

24 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung AMDP: Pflegeunterricht Orientierungsstörungen Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen Antriebs- und Psychomotorische Störungen Andere Störungen Formale Denkstörungen Befürchtungen und Zwänge Störungen der Affektivität Circadiane Besonderheiten Bewusstseinsstörungen Wahn Sinnestäuschungen Ich-Störungen Besonders relevantrelevantWeniger relevant AMDP-Merkmalsbereiche

25 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Zukünftige Entwicklungen l Korrektur und Überarbeitung des Psychischen und Somatischen Befundes l Revision der Anamnesebelege l Empirische Studien: Reliabilitätsstudien (Interater-Reliabilität), Syndrombildung, Validierung l Module weiterentwickeln

26 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Symptom Syndrom Diagnose

27 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Psychopathologische Symptome sind möglichst elementare (kleinste) Be- schreibungseinheiten von Erleben und Verhalten, die sich aus dem alltäglichen Erlebens- und Verhal- tensbereich abheben. Psychopathologische Beschreibung

28 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Ludwig Wittgenstein ( ) Bei dieser Arbeit lohnt es sich mehr als bei jeder anderen, Fragen, die man für gelöst hält, immer wieder von neuen Seiten als ungelöst zu betrachten.

29 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Psychopathologische Merkmalsbereiche (nach AMDP) l Bewusstseinsstörungen l Orientierungsstörungen l Aufmerksamkeits- u. Gedächtnisstörungen l Formale Denkstörungen l Befürchtungen und Zwänge l Wahn l Sinnestäuschungen l Ichstörungen l Störungen der Affektivität l Zirkadiane Besonderheiten l Andere Störungen

30 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Sinnestäuschungen Wahrnehmungs- störungen

31 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Was sehen Sie hier?

32 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Hausaufgabe für die Vorlesung Bitte beschreiben Sie es in einem Satz: Was sehen Sie hier?

33 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Auffassung der objektiven Weltwahrnehmung l Sinnesorgane dienen der Signalaufnahme objektiver, das heisst in der Welt tatsächlich vorkommender Sachverhalte l Objektiv meint, die Welt, wie sie ihrem Wesen nach ist, also unabhängig von der Verschiedenheit möglicher Beobachter, die alle eine subjektive Sicht haben l Die Genauigkeit der Annäherung der subjektiven Sicht an die objektive Welt hängt ab von der Qualität der Sinnesorgane

34 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Evolutionäre Erkenntnistheorie l Sinnesorgane und Nervensysteme haben sich im Lauf der Evolution verändert l Überlebensdruck (objektive Weltwahrneh- mung) schafft immer komplexere und leistungsfähigere Organisationsformen l Menschen bilden den Endpunkt und Gipfel dieser Entwicklung vereinfacht nach Vollmer, 1975

35 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Was sehen Sie hier? Bitte beschreiben Sie es in zwei Sätzen nach den Regeln, die Sie in der Vorlesung erfahren:

36 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Einwände zur objektiven Weltwahrnehmung l Wahrgenommen werden kann nur, was auf Grund bestimmter physikalischer Eigenschaften bestimmte dafür vorgesehene Sinnesorgane erregt l Wahrnehmung ist immer aspekthaft, bezieht sich nur auf Ausschnitte der Welt l Alle Aspekte wahrzunehmen ist unmöglich und unnütz l Wahrgenommen werden müssen überlebensrelevante Informationen

37 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Lebewesen als selbstherstellende und selbsterhaltende Systeme l Selbstherstellende und selbstorganisierende Prozesse sind in der Natur häufig (umgebungsabhängige heteronome Systeme)

38 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Selbstorganisierende Prozesse l Streichholz 1

39 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Lebewesen als selbstherstellende und selbsterhaltende Systeme l Selbstherstellende und selbstorganisierende Prozesse sind in der Natur häufig (umgebungsabhängige heteronome Systeme) l Selbsterhaltende Prozesse bei Lebewesen (autonome Systeme) l Lebewesen sind auch durch Umgebung beeinflussbar, sorgen aber aktiv für Aufrechterhaltung des Ordnungszustandes l Aktive Wechselwirkung mit der Umwelt

40 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Beispiel Sinnesorgane l Wahrnehmung von chemischen Gradienten (Pantoffeltierchen) l Wahrnehmung des Magnetfeldes der Erde (Wale) l Ultraschallortung (Fledermäuse, Delphine) l Infrarotortung (Grubenottern) l Objektgrössen-Wahrnehmung (Süsswasser- Polypen) l Passive und aktive Elektroortung (Fischarten) l Ortung von Wasserströmungen (Krebse) l Ortung von Windströmungen (Spinnen)

41 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Wahrnehmung als Realitätshypothese (1) l Nehmen wir die Wirklichkeit besser wahr als manche Tiere? l Experiment: –Stellen Sie sich vor, wir hätten zusätzlich zu unseren Sinnesorganen noch Infrarotsensoren und Ultraschall-Ortung. –Wie würden wir die Welt anders wahrnehmen? –Geben Sie Beispiele, was vermutlich anders wäre in unserer Lebensumgebung

42 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Wahrnehmung als Realitätshypothese (2) l Die Sinnesorgane nehmen die Wirklichkeit nicht wahr, wie sie wirklich ist, sondern erlauben Hypothesen über die Realität l Die Realität sieht anders aus, wenn sie die Fledermaus sieht oder der Mensch l Auch falsche Hypothesen (Fehlwahrnehmungen) können dem Überleben dienen (Fluchtverhalten bei harmlosen Bewegungen)

43 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Wozu dient Wahrnehmung? l Nahrungssuche l Schutz vor Feinden l Erkennen von Artgenossen und Sexualpartnern l Umgehen von Hindernissen l Suche eines geeigneten Aufenthaltsortes l

44 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Gerhard Roth 1999 Diese Anforderungen an das Wahrnehmungssystem können je nach der Komplexität der Umweltbedingungen mit einfachen oder nur mit sehr komplizierten Nervensystemen erfüllbar sein; das Wesentliche ist, dass sie erfüllt werden. Die Geschehnissen in der Umwelt müssen nicht richtig (in den Augen der menschlichen Beobachter) erkannt, sondern nur angemessen erfasst werden, d.h. in dem Masse, in dem sie das Überleben sichern.

45 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung

46 Schritte im Prozess der Wahrnehmung l Umsetzung von Umweltsignalen in Sinnesreize (Ort: Sinnesorgane)

47 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Selektivität der Sinnesorgane l Sehr verschiedene Umweltereignisse können zu Sinnesreizen führen. Diese sind aber nur ein kleiner Ausschnitt der physikalischen Welt l Auch innerhalb einer Reizqualität ist die Wahrnehmung selektiv –Menschliches Hören: 50 bis Hz –Einige Wirbeltiere: Hz und mehr

48 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Sinnesorgane l Umsetzung von Umweltreizen in neuronalen Code (chemische und elektrische Signale) l Der neuronale Code ist neutral (Die Signale selbst haben keinerlei Spezifität)

49 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Informationsmittel l Elektrische Potentiale –Membrane der Nervenzellen elektrisch geladen (Gradient zwischen positiv geladenen Stoffen aussen und negativ geladenen innen) –Beteiligte Ionen: Natrium, Kalium, Calcium, Chlorid –Ruhepotential wird durch äussere Einflüsse (Depolarisation oder Hyperpolarisation) verändert – Aktionspotential (Träger der Information) –Transduktion von Aussenreizen einfach (direktes Aktionspotential) oder komplex

50 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Beispiel für Transduktion l Sehen –Einfallendes Lichtquant wird von retinalen Photorezeptoren absorbiert –Chemische Struktur der Rhodopsinmoleküle in den Photorezeptoren wird verändert –Rhodopsin zerfällt in Retinal und Opsin –Dadurch werden G-Protein (Transducin) und Phosphodiesterase (Enzym) aktiviert –cGMP wird zu (nichtzyklischer) GMP hydrolisiert –Dies führt zum Schliessen der Natriumkanäle –Hyperpolarisierung der Rezeptormembran

51 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Informationsmittel l Chemische Signale (Botenstoffe) –Informationsimpulse werden am synaptischen Spalt durch die Konzentration von Neurotransmittern weitervermittelt –Serotonin, Noradrenalin, Dopamin, Acetylcholin, GABA,.... –Konzentrationssteuerung durch Zufuhr, Abbau, Reuptake, Postsynaptische Rezeptoren.... –Regelprozesse an der postsynaptischen Zelle (Kalziumkanal, Adenylatzyklase, G-Proteine,....) führt irgendwann wieder zu einem Aktionspotential

52 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Beispiel Sehen l Auge (Retinale Photorezeptoren) l Corpus geniculatum laterale (Retinotope neuronale Karte, viele corticale Afferenzen - feedbacks) l Area striata (Primäre, sekundäre und tertiäre Sehrinde, retinotope Abbildung mit Betonung der Fovea centralis, oder in sekundärer Sehrinde verzerrt) l Assoziativer Cortex und limbisches System (Bewertungszentren)

53 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Schritte im Prozess der Wahrnehmung l Umsetzung von Umweltsignalen in Sinnesreize (Ort: Sinnesorgane) l Transduktion in neuronalen Code (Ort: Rezeptoren) l Weiterleitung und Modifikation der codierten Information (Ort: Neurone, synaptischer Spalt) l Interpretation des neuronalen Codes (Ort: Cortikale Zentren)

54 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Zentrale Modifikation der Wahrnehmung Verhalten Wahrnehmung Aufmerksamkeit Bewertung Gedächtnis CORTEX subcorticale Zentren FORMATIO RETICULARIS HIPPOCAMPUS + CORTEX LIMBISCHES SYSTEM

55 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Gerhard Roth 1999 Das Gehirn und seine Wirklichkeit. Suhrkamp Taschenbuch,3.Aufl., S.21 Das Gehirn kann zwar über seine Sinnesorgane durch die Umwelt erregt werden, diese Erreg- ungen enthalten jedoch keine bedeutungshaften und verlässlichen Informationen über die Umwelt. Vielmehr muss das Gehirn über den Vergleich und die Kombination von sensorischen Elementarereignissen Bedeutungen erzeugen und diese Bedeutungen anhand interner Kriterien und des Vorwissens überprüfen. Dies sind die Bausteine der Wirklichkeit. Die Wirklichkeit, in der ich lebe, ist ein Konstrukt des Gehirns.

56 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Beispiel Farbkonstanz PUK am MorgenPUK am Abend Die physikalische Wirklichkeit

57 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Sinnestäuschungen (nach AMDP) l Illusionen Fehlwahrnehmung (Verkennungen) von vorhandenen Objekten l Halluzinationen Sinnestäuschung ohne Wahrnehmungsobjekt (ohne externe Reizquelle) l Pseudohalluzinationen Halluzinationen bei denen der Trugcharakter erkannt wird

58 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Illusionen (AMDP) l Bei der Illusion liegt eine gegenständliche Reizquelle vor, jedoch eine reduzierte oder vorübergehend fehlende Realitätskontrolle. Diese kann nachträglich korrigierend wirksam werden. l Das ängstliche Kind verkennt im nächtlichen Wald Büsche als drohende Gestalten. l Musterungen in der Tapete verwandeln sich zu fratzenartigen Gesichtern. Das Geräusch von vorbeifahrenden Autos wird als Rollen von Panzerkolonnen wahrgenommen.

59 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Halluzinationen Einteilung nach ihrer Komplexität Einfache (elementare) Halluzinationen –Klopfen, Klicken, Blitze, Lichter, usw. Komplexe Halluzinationen –Bilder, Personen, Stimmen Szenische Halluzinationen –Theaterstücke, Musikstücke, Dialoge

60 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Halluzinationen Einteilung nach dem Sinnesgebiet l Akustische Halluzinationen –Stimmenhören (Phoneme) –Andere akustische Halluzinationen (Akoasmen) l Optische Halluzinationen l Körperhalluzinationen –Taktile (Haptische) Halluzinationen –Störungen des Leibempfindens (Zoenästhesien) l Geruchs- (Olfaktorische-) Halluzinationen l Geschmacks- (Gustatorische-) Halluzinat.

61 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Stimmenhören (Phoneme) (AMDP) l Die Stimmen können den Kranken direkt ansprechen, sein Handeln kommentieren, in Rede und Gegenrede über ihn sprechen. l Ich habe die Stimme meiner toten Mutter gehört. Sie hat mich immer gelobt oder getadelt, je nachdem was ich gemacht habe l Es können einzelne Stimmen oder mehrere wahrgenommen werden, Inhalte können verständlich sein oder nicht, Frauen-Männer, Kinder-Erwachsene

62 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Andere akustische Halluzinatio-nen (Akoasmen) (AMDP) l Ich habe dauernd eine Musik gehört, fast wie ein Konzert ist das gewesen. l Ganz deutlich habe ich ein Knirschen und Knacken in der Wand gehört. l Es macht immer Klick im Kopf, und jedesmal werde ich intelligenter. l Eine Patientin hört wie aus weiter Ferne im Hof der Klinik ein Orchester spielen.

63 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Optische Halluzinationen (AMDP) l Wahrnehmung von Lichtblitzen, Mustern, Gegenständen, Personen oder ganzen Szenen ohne entsprechende Reizquelle l Und da habe ich plötzlich - mitten in der Stadt - eine Armee von Soldaten mit lauter Goldhelmen auf mich zukommen sehen. l Der ganze Raum war mit Lichtblitzen und bunten Vierecken angefüllt. l Ein Patient sieht im ganzen Zimmer lauter Ungeziefer herumkrabeln.

64 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Körperhalluzinationen (AMDP) l Da habe ich gespürt, wie sich eine kalte, behaarte Hand auf meinen Körper legte; ganz deutlich habe ich die fünf Finger gespürt. l Plötzlich ist mir eiskaltes Wasser über den Rücken gelaufen. Als ich nachgesehen habe, war die Haut aber ganz trocken. l Auf einmal konnte ich lauter kleine Kristalle zwischen den Fingern tasten, sie waren rund, zum Teil auch länglich. Taktile Halluzinationen

65 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Körperhalluzinationen (AMDP) l Qualitativ abnorme, neu- und fremdartige sowie häufig negeativ getönte Leibsensationen. Sie sind von den Patienten oft schwer oder nur mit bizarren Vergleichen beschreibbar. Die können gleichförmig und streng umschrieben, aber auch häufig wechselnd in Qualität und Ausdehnung sein. l Elektrischer Strom fliesst durch meinen Bauch, das Herz und der Darm ziehen sich zusammen. In meinem Kopf schwappt das Gehirn hin und her. Störungen des Leibempfindens

66 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Geruchs- und Geschmacks- Halluzinationen (AMDP) l Auf einmal hatte ich einen richtig fauligen Geschmack im Mund. l Plötzlich hat es nach Gas gerochen, es war ganz merkwürdig, weil es sonst keiner gemerkt hat. l Seit Tagen verweigert der Patient das Essen, weil es nach Metall schmecke. Eine Patientin verstopft alle Ritzen an Fenster und Türen, um den Gasgeruch abzuwehren.

67 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Gerhard Roth 1999 Das Gehirn und seine Wirklichkeit. Suhrkamp Taschenbuch,3.Aufl., S.109 Wir müssen also streng zwischen Signalen, zum Beispiel den von den Sinnesorganen erzeugten neuronalen Erregungszuständen, und ihren Bedeutungen unterscheiden. Bedeutung wird den neuronalen Erregungen erst innerhalb eines kognitiven Systems zugewiesen, und zwar in Abhängigkeit vom Kontext, in dem die Erregungen auftreten.

68 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Literatur l E. Bruce Goldstein Wahrnehmungspsychologie Heidelberg, Berlin, Oxford: Spektrum 1997 l Gerhard Roth Das Gehirn und seine Wirklichkeit Frankfurt: Suhrkamp TB Wissenschaft Nr Auflage 1999

69 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Wahn

70 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Definition l Wahn ist eine Privatwirklichkeit, die Krankheitswert erhält, wenn die Lebensführung behindert wird –kulturelle und soziale Relativität l Wahn ist ein starres, persönliches Konzept von der eigenen Lebenswirklichkeit –Relativität der Lebenskonzepte aufbauend auf der Relativität der Wahrnehmung der äusseren und inneren Realität.

71 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Kriterien des Wahns l Private Wirklichkeitsauffassung l Persönlich gültige Überzeugung l Starre Überzeugung l Lebensbestimmende Wirklichkeit

72 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Kriterien des Wahns l Private Wirklichkeitsauffassung l Persönlich gültige Überzeugung l Starre Überzeugung l Lebensbestimmende Wirklichkeit

73 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Persönliche Wirklichkeit l Wirklichkeit ist das, worüber sich Gesunde in ihrer soziokulturell und situativ beeinflussten Wahrnehmung der gemeinsamen Welt einigen können. l Wirklichkeit in diesem Sinn ist nicht gleich Realität l Bsp. Stuhl, Computer –ist ein Computer ein elektronisches Gerät oder das grosse Auge Gottes?

74 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Inhalt des Wahns (1) l Der Inhalt des Wahns ist kein allgemeines Wahnkriterium l Bei allen Inhalten, die Übersinnliches, Übernatürliches, Transintelligibles, z.T. auch Religiöses betreffen, ist die Nicht- Realität grundsätzlich nicht beweisfähig. –Bsp. Ausserirdischen ermächtigen mich zum Retter der Welt. –Bsp. Reinkarnation –Bsp. Leben nach dem Tod –Bsp. Telepathie

75 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Inhalt des Wahns (2) l Nicht der Inhalt ist das Krankhafte amWahn, sondern die aus der Gemeinsamkeit herausgerückte, verrückte Beziehung zu Mitmenschen und Mitwelt auf der Basis eines gegenüber dem vorherigen Befinden veränderten Selbst. l Wahn ist eine Störung der Eigen- und Mitweltlichkeit des Menschen. l Sie können einen Eifersuchtswahn bekommen, obwohl sie tatsächlich von Ihrer Freundin betrogen werden.

76 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Kriterien des Wahns l Private Wirklichkeitsauffassung l Persönlich gültige Überzeugung l Starre Überzeugung l Lebensbestimmende Wirklichkeit

77 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Persönlich gültig l Wahn ist eine ganz persönlich gültige Überzeugung der eigenen Lebenswirklichkeit l Wahn ist (apriorisch) evidente Wirklichkeit l Wahn wird als Gewissheit erfahren l Wahn bedarf keiner Begründung, keines Beweises

78 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Kriterien des Wahns l Private Wirklichkeitsauffassung l Persönlich gültige Überzeugung l Starre Überzeugung l Lebensbestimmende Wirklichkeit

79 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Starre Wirklichkeitsauffassung l Wahn ist unabhängig von bisheriger Erfahrung l Wahn ist zwingenden Gegenargumenten unzugänglich l Relativierung des Erlebens unmöglich l Änderung des Standpunktes ist nicht möglich l Zweifel wird nicht zugelassen

80 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Persönlich gültig und starr l Besonderheiten der apriorischen Gewissheit und Zweifellosigkeit beim beginnenden Wahn und bei langsamer Auflösung des Wahns l Therapeutische Konsequenzen –kein Streit um Realität –kein (belächelndes) Belassen in der privativen Wirklichkeit –Realität der Therapeutin als Richtschnur

81 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Kriterien des Wahns l Private Wirklichkeitsauffassung l Persönlich gültige Überzeugung l Starre Überzeugung l Lebensbestimmende Wirklichkeit

82 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Lebensbestimmend l Wahn als privative (isolierende) Überzeugung l Soziale Isolation häufig Folge l Der Wahnkranke ist allein mit seinem Wahn (Isolation), er ist der mitmenschlich gemeinsamen Welt entrückt (Alienation) l Ausnahme symbiontischer Wahn l Schwierigkeit der Beurteilung von Massenwahn

83 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Kriterien des Wahns l Private Wirklichkeitsauffassung l Persönlich gültige Überzeugung l Starre Überzeugung l Lebensbestimmende Wirklichkeit

84 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Definition (AMDP) Wahn entsteht auf dem Boden einer allgemeinen Veränderung des Erlebens und imponiert als Fehlbeurteilung der Realität, die mit apriorischer Evidenz (erfahrungsunabhängiger Gewissheit) auftritt und an der mit subjektiver Gewissheit festgehalten wird, auch wenn sie im Widerspruch zur Wirklichkeit und zur Erfahrung der gesunden Mitmenschen sowie zu ihrem kollektiven Meinen und Glauben steht. Der Kranke hat im allgemeinen nicht das Bedürfnis nach einer Begründung seiner wahnhaften Meinung, ihre Richtigkeit ist ihm unmittebar evident.

85 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Verhältnis Wahn und Realität l Wahnwirklichkeit als einzige Wirklichkeit l Wahnwirklichkeit als beherrschende, aber nicht einzige Wirklichkeit l Wahnwirklichkeit und Realität bestehen nebeneinander in doppelter Buchführung (E.Bleuler 1911) l Wahnwirklichkeit und Realität fliessen ununterscheidbar ineinander

86 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Einzige Wirklichkeit l Der Ingenieur war überzeugt von verschiedenen Weltschichten, in denen Menschen je nach Ihrer inneren Weisheit leben. Er konnte als Auserwählter die Stimmen aus allen Weltschichten hören und zwischen den Schichten hin und her transzendieren. Klimaverhältnisse (Tiefdruck bringt eine Schicht tiefer, Hochdrucklage eine höher) wurden als Transportmittel genutzt.

87 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Beherrschende Wirklichkeit l Chemikerin hat in sich kleine, verkleinerte Lebewesen, Trillionen mit Häusern und Fabriken. Sie hört deren Stimmen und riecht synthetisierte Gerüche. Alles was sie erlebt (z.B. Fernsehen) wird von den Lebewesen in sie hineinprojeziert und lebt dort verkleinert weiter. Ausserhalb dieses innerweltlichen Erlebens erfährt und bewertet sie alles wie wir.

88 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Doppelte Buchführung l Ein Patient ist sich sicher, dass er der Direktor der Klinik ist, der von einer geheimen Loge den Auftrag hat, das System der Psychiatrie zu revolutionieren. Er macht aber ohne Einwände an der Ergotherapie mit und nimmt seine Medikamente ein. Eine Begründung (Auflösung) dieses Widerspruchs hält er auch bei Konfrontation damit nicht für notwendig.

89 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Ineinanderfliessen l Die 65-jährige verzweifelte, alleinlebende privatversicherte Frau kommt nach einem Suizidversuch in die Klinik. Sie ist sich sicher, dass die Krankenkasse eine Übernahme der Kosten ablehnt. Im Gespräch mit der Sozialarbeiterin kommen ihr Zweifel, ob die Therapie dieser offensichtlichen Krankheit nicht vielleicht doch von der Krankenkasse bezahlt werden könnte.

90 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Entstehungsbedingungen (1) l Der Mensch ist gundsätzlich wahnfähig l Das Gehirn kann zwar über seine Sinnesorgane durch die Umwelt erregt werden, diese Erregungen enthalten jedoch keine bedeutungshaften und verlässlichen Informationen über die Umwelt. Vielmehr muss das Gehirn über den Vergleich und die Kombination von sensorischen Elementarereignissen Bedeutungen erzeugen und diese Bedeutungen anhand interner Kriterien und des Vorwissens überprüfen. Dies sind die Bausteine der Wirklichkeit. Die Wirklichkeit, in der ich lebe, ist ein Konstrukt des Gehirns. (G. Roth)

91 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Entstehungsbedingungen (2) l Wahn kann in jedem Lebensalter (ab ca. späte Kindheit) aufreten l Themen stammen aus der individuellen Lebenswelt l Themen zeigen Altersabhängigkeit (Abstammungswahn bei Jungen, Religiöser Wahn eher bei Älteren) l Häufigkeit ist nicht geschlechtsabhängig, aber Themen (Grössenwahn bei Männern, Liebeswahn bei Frauen)

92 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Entstehungsbedingungen (3) l Wahn ist diagnostisch unspezifisch l Es gibt aber charakteristische Häufungen (Grössenwahn bei Manie, Schuld- und Verarmungswahn bei Depression, Verfolgungswahn bei Schizophrenie) l Häufigkeit ist nicht mit Intelligenz korrelliert, aber gelegentlich der Differenzierungsgrad der Wahnwelt- Gestaltung

93 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Verursachende Variablen l Toxische Substanzen (Drogen, Alkohol,...) l Entzug toxischer Substanzen l Traumata l Entzündungen (Fieber, Encephalitis) l Reizdeprivation l Extremer (untherapeutischer) Schlafentzug l Zell-Degenerative Entwicklungen l Psychische Krankheiten

94 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Häufiger Verlauf l Erste Verunsicherung durch einzelne Anzeichen l Wahnstimmung l Wahngedanken l Wahnarbeit l Wahnsystem l Langsame Rückführung in die Realität l Distanz l Korrektur

95 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Wahnsymptome nach AMDP Formale Aspekte Wahnstimmung Wahnwahrnehmung Wahneinfall Wahngedanken Systematisiert. Wahn Wahndynamik Inhalte Beziehungswahn Beeinträchtigungs- u. Verfolgungswahn Eifersuchtswahn Schuldwahn Verarmungswahn Hypochondrischer Wahn Grössenwahn Andere Inhalte

96 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Wahnstimmung l Die erlebte Atmosphäre des Betroffenseins, der Erwartungsspannung und des bedeutungsvollen Angemutetwerdens in einer verändert erlebten Welt oder auch durch ein verändert erlebtes Ich. l Diese Stimmung besteht in einem Bedeutungszumessen und Inbeziehungsetzen, Meinen, Vermuten und Erwarten, das von Gesunden nicht nachvollzogen werden kann. l Es liegt etwas in der Luft, alles um mich herum ist merkwürdig verändert, alles so seltsam; die Leute machen so ein böses Gesicht, da muss doch was passiert sein, oder?

97 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Wahnwahrnehmung l Reale Sinneswahrnehmungen erhalten eine abnorme Bedeutung (meist im Sinne der Eigenbeziehung). Die Wahnwarnehmung ist also eine wahnhafte Fehlinterpretation einer an sich richtigen Wahrnehmung. l Dass der Arzt mit dem Kopf nickte, als er mir zum Abschied die Hand gab, bedeutet, dass ich Krebs habe l In der Beiz kam ein grosser Mann herein. Da habe ich gewusst, dass das der Teufel ist

98 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Wahneinfall l Das plötzlich und unvermittelte Auftreten von wahnhaften Vorstellungen und Überzeugungen. l Gestern ist mir plötzlich aufgegangen, dass ich den Friedensnobelpreis erhalte, weil ich die Supermächte telepathisch ausgesöhnt habe. l Heute morgen ist mir sonnenklar geworden, dass mein Sohn gar nicht von mir stammt

99 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Wahngedanken l Jedes Denken, das die Wahnkriterien erfüllt. l Der Wahngedanke kann aus einem Wahneinfall oder einer Wahnwahrnehmung entstehen. Wahneinfall Wahnwahr- nehmung Wahngedanken

100 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Systematisierter Wahn l Grad der Verknüpfung (logisch oder auch paralogisch) einzelner Wahnsymptome mit anderen Wahnphänomenen, Sinnestäuschungen, Ich-Störungen oder auch nicht krankhaft veränderten Beobachtungen und Erlebnissen. l Zwischen diesen einzelnen Aufbauelementen werden Verbindungen hergestellt, die oft einen kausalen oder finalen Charakter besitzen und vom Patienten als Beweise und Bestätigungen angesehen werden

101 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Wahndynamik l Die affektive Anteilnahme am Wahn, die Kraft des Antriebes und die Stärke der Affekte, die im Zusammenhang mit dem Wahn wirkdam werden. l Zu erschliessen aus der Art, wie der Wahn vorgetragen wird. l Stark: Ein Patient mit einem depressiven Versündigungswahn wint verzweifelt und klagt händeringend über seine Verfehlungen l Gering: Ein chronisch schizophrener Patient berichtet ohne wesentliche Anteilnahme von den Wahninhalten (herunterleiern).

102 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Beziehungswahn l Der Kranke fühlt sich im Mittelpunkt der gezielten Aufmerksamkeit seiner Umwelt, selbst aus völlig unbedeutenden Ereignissen entnimmt er mit unerschütterlicher Gewissheit Signale, die ihn in ganz besonderer Weise angehen. l Die Patientin berichtet von ihrem Aufenthalt in Berlin: Sie werden es nicht glauben, Herr Doktor, die Nummernschilder von allen Autos waren auf mich umgestellt: überall B wie Beate l Unterscheiden zwischen Beziehungswahn als isolierte Wahnform und Beziehungsaspekt jedes Wahns.

103 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Beeinträchtigungs- und Verfolgungswahn l Der Kranke erlebt sich selbst als Ziel von Feindseligkeiten. Er wähnt sich von seiner Umwelt bedroht, gekränkt, beleidigt, verspottet, verhöhnt l Die Umgebung trachtet nach seinem Hab und Gut, nach seiner Gesundheit oder gar nach seinem Leben.

104 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Eifersuchtswahn l Wahnhafte Überzeugung, vom Lebenspartner betrogen und hintergangen zu werden. l Ein Patient beklagt sich lebhaft über die vielen ausserehelichen Kontakte seiner Frau und beauftragt mehrere Detekteien mit Ermittlungen, schreibt Briefe an die vermeintlichen Liebhaber und bedroht diese

105 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Schuldwahn l Der Patient ist überzeugt, gegen Gott, die Gebote oder eine andere sittliche Instanz, Kinder, Verwandte oder gegen sich selbst gefehlt zu haben. l Die Patientin weiss um ihre unverzeihliche Schlechtigkeit und Minderwertigkeit, sie wähnt sich unrettbar verdammt und verstossen. l Ein Patient wähnt, die Krebserkrankung seiner Frau sei durch sein schuldhaftes Verhalten (aussereheliches Verhältnis) vor vielen Jahren verursacht worden

106 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Verarmungswahn l Im Gegensatz zur realen oekonomischen Situation ist der Wahnkranke sicher, alles gehe verloren, Arbeitsstelle, Geld, Kleidung, Nahrung. Er sieht sich und seine Familie verhungern.

107 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Hypochondrischer Wahn l Wahnhafte Überzeugung, (körpelich) krank zu sein. l Dieser Wahn kann spezielle Krankheiten zum Inhalt haben: an Krebs zu leiden, eine Syphilis oder AIDS zu haben, an Multipler Sklerose oder einer Demenz dahinzusiechen. l Negative Untersuchungsbefunde können ihn nicht vom Gegenteil überzeugen.

108 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Grössenwahn l Wahnhafte Selbstüberschätzung und Selbstüberhöhung l Der Patient übertrifft alle anderen Menschen weit an Begabung, Kraft, Fähigkeiten, Besitz. Er erlebt sich machtbegabt, als Herrscher der Welt, als Hüter, oder er hält sich für Gott oder den Teufel

109 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Andere Inhalte, Beispiele l Wahnhafte Überzeugung, schwanger zu sein l Phantastischer Wahn l Abstammungswahn l.....

110 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Literatur l Christian Scharfetter Allgemeine Psychopathologie Stuttgart, New York: Thieme-Verlag, 4. Auflage 1996, S

111 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Ichstörungen

112 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Wer ist das: Ich? l Zeigen Sie nur mit Mimik und Gestik jemandem, der in den Hörsaal kommt, wer das ist, wenn Sie Ich meinen l Wir haben ein klares Gefühl dafür, wer das ist: Ich. l Wir haben das Bewusstsein einer klaren Grenze zwischen Ich und Wo-Ich-nicht- mehr-bin zwischen Innen und Aussen l Wie würden Sie diese Grenze nennen?

113 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Die Haut als Grenze l Haut besteht aus Zellverbänden l Zellzwischenräume l Zellmembrane l Funktion der Zelle

114 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Übungen l Gegessener Apfel l Haare l Schwangerschaft

115 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Ich-Bewusstsein Das Ich macht den wachen bewusstseinsklaren Menschen aus, der um sich selbst weiss, sich als gestimmt, gerichtet, wahrnehmend, wünschend, bedürftig, getrieben, verlangend, fühlend, denkend, handelnd in der Kontinuität seiner Lebensgeschichte erfährt. Scharfetter Allgemeine Psychopathologie

116 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Dimensionen des Ich-Bewusstseins Ich-VitalitätGewissheit der eigenen Lebendig- keit Ich-AktivitätGewissheit der Eigenbestimmung, des Erlebens, Denkens, Handelns Ich-KonsistenzGewissheit eines kohärenten Lebensverbandes Ich-DemarkationAbgrenzung des Eigenbereichs Ich-IdentitätGewissheit der eigenen persona- len, physiognomischen, sexuellen und biographischen Identität

117 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Derealisation (AMDP) l Personen, gegenstände und Umgebung erscheinen unwirklich, fremdartig oder auch räumlich verändert. Ddadurch wirkt die Umwelt z.B. unvertraut, sonderbat, oder gespenstisch. l Störungen des Zeiterlebens l alles ist so weit weg l alle Häuser sind kleiner, Strassen enger

118 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Depersonalisation (AMDP) l Störung des Einheitserlebens der Person im Augenblick oder der Identität in der Zeit des Lebenslaufs. Die Person kommt sich selbst fremd vor, unwirklich, unmittelbar verändert, wie eine andere Person. l während der Angstattacken spüre ich meinen Körper nicht mehr, er gehört nicht mehr zu mir l Der Arm, der an mir hängt ist tot, es ist nicht meiner

119 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Gedankenausbreitung (AMDP) l Die Gedanken gehören nicht mehr dem Patienten alleine, andere haben daran Anteil und wissen, was er denkt (Gedankenlesen) l Gedankenlautwerden l Alle wissen, was in meinem Kopf vorgeht l MeinVater kann meine Gedanken mithören

120 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Gedankenentzug (AMDP) l Dem Patienten werden die Gedanken weggenommen, aus dem Kopf abgezogen l ich kann nicht mehr meine Gedanken denken, die hat man mir abgezogen, dafür muss ich die Gedanken von anderen denken

121 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Gedankeneingebung (AMDP) l Gedanken und Vorstellungen werden von aussen her beeinflusst, gemacht, gelenkt, gesteuert, eingegeben, aufgedrängt l Sie hypnotisieren mir Gedanken in den Kopf, die gar nicht meine sind l Ich weiss, dass ich solche Gedanken nicht denken kann, es sind die Gedanken von anderen, die sie mir implantiert haben.

122 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Andere Fremdbeeinflussungs- erlebnisse (AMDP) l Fühlen, Streben, Wollen oder Handeln werden als von aussen gemacht erlebt. l Die steuern meinen Herzschlag, die machen ihn schnell und langsam l Die machen, dass ich schreie l Ich bin wie eine Marionette, wenn sie sagen links, dann muss ich mich nach links drehen, wenn sie sagen rechts, nach rechts

123 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung BewusstseinBewusstsein

124 Beschreibungen l Consciousness is awareness of self and environment (Cobb 1957) l Bewusstsein ist bewusstes Sein (Ey 1963) l Der wache Mensch hat nicht Bewusstsein, sondern ist bewusst-Seiender, ist selbst unterschiedlich waches, empfindendes, erlebendes, fühlendes, gestimmtes, rational wissendes, tätiges Bewusstsein (Scharfetter 1985)

125 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Bewusstsein (1) l In weiter Wortbedeutung –Das Gesamt des potentiell Erlebbaren. engl.mind field dt.mentaler Bereich, Psychisches (Er-)Leben –schliesst ein: Bewusstseinsfelder Wachbewusstsein - Schlafbewusstsein (Überbewusstsein) - Unterbewusstsein Bewusstes und (zumindest teilweise) Unbewusstes

126 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Bewusstsein (2) l In enger Wortbedeutung –Consciousness is awareness of self and environment. (Cobb 1957) –Komponenten: Wachheit (Vigilanz, arousal) Bewusstseinsklarheit (Luzidität) Selbst/Ich- Bewusstsein und Aussenweltbewusstsein

127 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung R. M. Rilke Briefe an einen jungen Dichter 1904, Insel S.44 Das ist im Grunde der einzige Mut, den man von uns verlangt: mutig zu sein zu dem Seltsamsten, Wunderlichsten und Unaufklärbarsten, das uns be- gegnen kann. Dass die Menschen in diesem Sinne feige waren, hat dem Leben unendlichen Schaden getan; die Erlebnisse, die man Erscheinungen nennt, die ganze sogenannte Geisterwelt, der Tod, alle diese uns so anverwandten Dinge, sind durch die tägliche Abwehr aus dem Leben so sehr hinausgedrängt worden, dass die Sinne, mit denen wir sie fassen könnten, verkümmmert sind. Von Gott gar nicht zu reden.

128 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung H.-J. Heinrichs Einleitung zu Michel Leiris Das Auge des Ethnographen, Ffm:Syndikat 1981, S.10 Aus der eigenen Kultur die fremde erfahren und von der fremden Kultur Zugänge zu noch nicht gesehenen oder abgespaltenen Anteilen der eigenen finden....

129 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Der Elephant und die Blinden

130 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Gehirn und Bewusstsein l Das Gehirn schafft nicht das Bewusstsein, sondern es ermöglicht dem Menschen, Bewusstheit selbstreflektiv zu erfahren. Der Mensch ist inkarniertes Bewusstsein. l Es handelt sich nicht um die Wechselwirkung zweier Objekte, sondern das Gehirn ist das Organ, das dem Menschen bewusstes (selbstreflektives) Sein möglich macht.

131 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Elementare Komponenten Wachheit, Vigilanz Gerichtetheit, Intensionalität, selektive Aufmerksamkeit Erlebnisfähigkeit (Inhalte)

132 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Komponenten des Wachbewusstseins l Wachsein (Vigilanz) l Bewusstseinsklarheit –Orientierung, Zeiterleben, Gedächtnis, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Konzentration, Denken, Sprechen, Intelligenz, Affekterleben –Erfahrungsbewusstsein –Realitätsbewusstsein l Selbst/Ich-Bewusstsein l Aussenwelt-Bewusstsein

133 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung EEG: Alpha-Blockierung (Schema)

134 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung EEG Alpha- Blockade (Beispiel)

135 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Schlaf Stadien (Schema)

136 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Schichten des Bewusstseins

137 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Bewusstseinsstörungen (AMDP) l Störungen des gesamten Erlebens und Verhaltens l Störungen der Aktivität, der Klarheit (Eindeutigkeit der eigenen Perzeption und Intention) und Zielgerichtetheit in der Zuwendung zur Umwelt, der Aufmerksamkeit, des sensoriell sensiblen Auffassens, der Ansprechbarkeit, der Fixierbarkeit im Gespräch, der Reagibilität auf Umweltreize, der Orientierung, des Denkens, Wollens und Handelns

138 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Bewusstseinsstörungen (AMDP) l Quantitative Bewusstseinsstörungen –Bewusstseinsverminderung l Qualitative Bewusstseinsstörungen –Bewusstseinstrübung –Bewusstseinseinengung –Bewusstseinsverschiebung

139 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Bewusstseinsverminderung (AMDP) l Störungen der Wachheit, der Vigilanz l Benommenheit, Somnolenz, Sopor, Koma l Unterschiedliches Mass an Schläfrigkeit, Aspontanietät, Verlangsamung l Neurologischer/neurophysiologischer Bewusstseinsbegriff

140 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Bewusstseinstrübung (AMDP) l Qualitative Beeinträchtigung der Bewusstseinsklarheit l Die Fähigkeit ist gestört, verschiedene Aspekte der eigenen Person, der eigenen Lebenswirklichkeit und der Umwelt zu verstehen, sie sinnvoll miteinander zu verbinden, sich entsprechend mitzuteilen und sinnvoll zu handeln l Bei eine zunehmenden Auflösung der seelischen Struktur laufen einzelne Erlebnisgruppen ohne beziehung zueinander ab (Zerfall)

141 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Bewusstseinseinengung (AMDP) l Fokussierung des Denkens, Fühlens und Wollens auf wenige Themen. l Verminderte Ansprechbarkeit auf Aussenreize. l Lichtkegel des Bewusstseins l Patientin ist fixiert auf oder fasziniert durch bestimmte innere Erlebnisse oder äussere Gegebenheiten. l In leichter Ausprägung auch bei Hypnose, äusserster Konzentration, oder Meditation

142 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Bewusstseinsverschiebung (AMDP) l Subjektives Erleben eines erweiterten Bewusstseins durch Steigezng der Wachheit, intensivierter Wahrnehmung von Raum und Zeit, verfeinerter Sinnesempfindungen und eines erweiterten Erfahrungshorizontes l Kommt spontan und intendiert vor, z.B. bei Meditation, Hypnose, Intoxikationen, Stimulatien; beim manischen und paranoid-halluzinatorischen Syndrom

143 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Orientierungs- störungen

144 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Qualitäten l Orientierung zur Zeit l Orientierung zum Ort l Orientierung zur Situation l Orientierung zur Person

145 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Orientierung l Situationsabhängig l Kann fluktuieren l Reihenfolge des Ausfalls l Bedingungsfaktor für Bewusstsein l Voraussetzung für praktische Lebensführung

146 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Zeitliche Orientierungsstörung (AMDP) l Wissen um Datum, Tag, Tageszeit, Monat, Jahr, Jahreszeit ist vermindert oder aufgehoben. l Zeitliche Orientierung ist labil. l Störungen leicht zu kaschieren. l Prüfen!

147 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Örtliche Orientierungsstörung (AMDP) l Der gegenwärtige Aufenthaltsort wird nicht oder unscharf gewusst. l Unterscheide: Räumliche Orientierungsstörung, bei der der Patient sich in seiner gewohnten Umgebung nicht mehr zurechtfindet (Agnosie) l Prüfen!

148 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Situative Orientierungsstörung (AMDP) l Störung der Erfassung (Auffassung) der jeweiligen Situation in ihrem Bedeutungs- und Sinnzusammenhang für die eigene Person. l Interpretation einer aktuellen Situation im lebensgeschichtlichen Zusammenhang. l Was geschieht mit mir gerade? l Prüfen!

149 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Orientierungsstörung zur eigenen Person (AMDP) l Die aktuelle persönliche, lebensgeschichtliche Situation wird nicht oder nur teilweise gewusst l Geburtstag, Alter, Name, Anzahl und Name der Kinder, Name des Partners, Beruf/Beschäftigung. l Rolle im sozialen Kontext l Prüfen!

150 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Aufmerksamkeits- störungen

151 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Auffassung l Synonym: Apperzeption l komplexe Leistung der Einordnung von Wahrnehmungen in den allgemeinen Lebensbereich (Lebenswelt) l Multikonditional l Wesentlicher Faktor: Erfahrungsbereich, Gedächtnis, Wachheit, Konzentration l Störungen sind nosologisch unspezifisch

152 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Auffassungsstörung (AMDP) l Störung der Fähigkeit, Wahrnehmungen in ihrer Bedeutung zu begreifen und sinnvoll miteinander zu verbinden, im weiteren Sinne auch in den Erfahrungsbereich einzubauen (gedankliche Verarbeitung einer Wahrnehmung) l Fehlende Auffassung l Falsche Auffassung l Verlangsamte Auffassung (schwerbesinnlich) l Prüfen!

153 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Prüfung der Auffassung l Allgemeiner Gesprächskontext l Sprichwörter l Fabeln l Bildgeschichten l Gemeinsamkeiten/Unterschiede l Auf fremdsprachliche Schwierigkeiten achten

154 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Aufmerksamkeit l Aufmerksamkeit und Auffassung müssen zusammen alles, was an Mitteilungen aus der Umwelt herankommt oder im Eigenbereich entdeckt wird, sichten und in seiner Bedeutung einstufen (bewerten) l Aktive Aufmerksamkeit: Sich zuwenden, wahrnehmende Energie auf die Umgebung richten l Passive Aufmerksamkeit: Fixation, Faszination

155 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Aufmerksamkeit und Konzentration l Definition Aufmerksamkeit meint die Ausrichtung (aktiv/passiv) des Bewusstseins auf ein Erfahrenes, Konzentration das versammelte Dabeibleiben

156 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Aufmerksamkeits- störungen

157 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Auffassung l Synonym: Apperzeption l komplexe Leistung der Einordnung von Wahrnehmungen in den allgemeinen Lebensbereich (Lebenswelt) l Multikonditional l Wesentlicher Faktor: Erfahrungsbereich, Gedächtnis, Wachheit, Konzentration l Störungen sind nosologisch unspezifisch

158 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Auffassungsstörung (AMDP) l Störung der Fähigkeit, Wahrnehmungen in ihrer Bedeutung zu begreifen und sinnvoll miteinander zu verbinden, im weiteren Sinne auch in den Erfahrungsbereich einzubauen (gedankliche Verarbeitung einer Wahrnehmung) l Fehlende Auffassung l Falsche Auffassung l Verlangsamte Auffassung (schwerbesinnlich) l Prüfen!

159 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Prüfung der Auffassung l Allgemeiner Gesprächskontext l Sprichwörter

160 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Sprichwörter l Morgenstund hat Gold im Mund l Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr l Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm l Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach

161 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Prüfung der Auffassung l Allgemeiner Gesprächskontext l Sprichwörter l Fabeln

162 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Fabel vom Salzesel Ein Esel ist mit zwei Satteltaschen mit Salz schwer beladen. Er ist müde und ein bisschen faul. Da kommt er an einen Fluss und watet durch das Wasser. Die Taschen werden nass, das Salz löst sich im Wasser und der Esel ist am anderen Ufer befreit von seiner Last. Beim nächsten mal, wieder schwer beladen, freut sich der Esel auf den Fluss und watet erwartungsfroh durch das Wasser. Er hat aber dieses mal Schwämme gepackt, die sich mit Wasser vollsaugen und seine Last am anderen Ufer ist schwer geworden.

163 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Prüfung der Auffassung l Allgemeiner Gesprächskontext l Sprichwörter l Fabeln l Bildgeschichten

164 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Bildgeschichten erklären

165 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Prüfung der Auffassung l Allgemeiner Gesprächskontext l Sprichwörter l Fabeln l Bildgeschichten l Gemeinsamkeiten/Unterschiede

166 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Gemeinsamkeiten/Unterschiede l Baum / Strauch l Hütte / Haus l Zwerg / Kind l Apfel / Banane l schwimmen /

167 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Prüfung der Auffassung l Allgemeiner Gesprächskontext l Sprichwörter l Fabeln l Bildgeschichten l Gemeinsamkeiten/Unterschiede Auf fremdsprachliche Schwierigkeiten achten

168 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Aufmerksamkeit l Aufmerksamkeit und Auffassung müssen zusammen alles, was an Mitteilungen aus der Umwelt herankommt oder im Eigenbereich entdeckt wird, sichten und in seiner Bedeutung einstufen (bewerten) l Aktive Aufmerksamkeit: Sich zuwenden, wahrnehmende Energie auf die Umgebung richten l Passive Aufmerksamkeit: Fixation, Faszination

169 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Aufmerksamkeit und Konzentration l Definition Aufmerksamkeit meint die Ausrichtung (aktiv/passiv) des Bewusstseins auf ein Erfahrenes, Konzentration das versammelte Dabeibleiben

170 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Konzentrationsstörungen (AMDP) l Verminderte Fähigkeit, die Aufmerksamkeit ausdauernd einer Tätigkeit oder einem Thama zuzuwenden. l Bedingungsfaktoren: Wachheit, Interesse (Motivation), Grad der Neuheit (nicht gekanntem) l subjektiv plausibel berichtet (ipsative Norm) oder im Gespräch festgestellt (normativ) l Prüfen!

171 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Konzentrationsprüfung l Monatsnamen vorwärts (relativ stark automatisiert) l Monatsnamen rückwärts (Modifikation eines automatisierten Vorgangs) l Von 100 immer 5 abziehen (abstrakte Leistung mit einfachem System) l Von 100 immer 7 abziehen (abstrakte Leistung mit häufigem 10er-Sprung) l Achtung unterscheide: Dyskalkulie!

172 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Gedächtnis l Funktionen –Behalten (Merken) früherer Erfahrungen –Wiedervergegenwärtigen früherer Erfahungen –Ständiger Abgleich mit neuer Erfahrung l Es gibt ein Erinnern von visuellen, szenischen, akustischen, taktilen, sprachlichen usw. Erfahrungen l Können getrennt gestört sein l Wesentliche Bedingungsfaktoren –Wachheit, Konzentration, Affekt

173 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Mnestische Störung im AMDP l Bis 10 Minuten: Merkfähigkeitsstörung l Ab 10 Minuten: Gedächtnisstörung

174 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Merkfähigkeitsstörungen (AMDP) l Herabsetzung bis Aufhebung der Fähigkeit, sich frische Eindrücke über eine Zeit von ca. 10 Minuten zu merken l Prüfen! –z.B. drei Begriffe (ein bedeutungsneutraler abstrakter Begriff, ein Gegenstand des täglichen Lebens, ein ferner liegender Gegenstand z.B. geographischer Begriff) –z.B. 35, Oslo, Aschenbecher

175 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Gedächtnisstörungen (AMDP) l Herabsetzen bis Aufhebung der Fähigkeit, Eindrücke oder Erfahrungen längerfristig (länger als ca. 10 Minuten) zu speichern bzw. Erlernters aus dem Gedächtnis abzurufen l Zusammenfassung des eher labilen Frischzeitgedächtnisses (bis ca. 60 Minuten) und des eher stabilen Altgedächtnisses (weiter zurückliegende Erfahrungen) abgebildet.

176 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Gedächtnisstörungen (AMDP) Besonderheiten l Amnesien –inhaltlich oder zeitlich begrenzte Gedächtnislücken

177 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Amnesien Retrograde Amnesie Unfall-Amnesie Anterograde Amnesie

178 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Gedächtnisstörungen (AMDP) Besonderheiten l Amnesien –inhaltlich oder zeitlich begrenzte Gedächtnislücken l Immediatgedächtnis –Sofortgedächtnis (10 Sekunden) Diagnostische Wertigkeit, (Unterscheide: Aufmerksamkeit und Konzentration) l Paramnesien –Déja-vu, Jamais-vu, Ekmnesien, Hypermnesien

179 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Paramnesien l déja-vu –(vermeintliche Vertrautheit) l jamais-vu –(vermeintliche Fremdheit) l Ekmnesien –(Störungen des Zeiterlebens bzw. der zeitlichen Einordnung. Zeitgitterstörung) l Hypermnesien –Steigerung der Erinnerungsfähigkeit –Fieber, Drogen, Untergangserlebnisse

180 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Formale Denkstörungen

181 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Dimensionen (1) l Schnelligkeit –gehemmt (subjektiv gebremst) –verlangsamt (fremdbeobachtet langsam) l Geradlinigkeit –umständlich (viel nebensächliches) –perseverierend (haftenbleibend) –Grübeln (im Kreis) –Ideenflüchtig (assoziativ) –Gesperrt /Gedankenabreissen

182 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Fehlende Gradlinigkeit FrageAntwort umständlich

183 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Fehlende Gradlinigkeit FrageAntwort ideenflüchtig

184 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Fehlende Gradlinigkeit FrageAntwort vorbeireden

185 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Fehlende Gradlinigkeit FrageAntwort Perseverieren FrageAntwortFrageAntwort

186 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Dimensionen (1) l Inhaltszusammenhang –eingeengt (wenige Themen, denkarm) –vorbeireden –inkohärent/zerfahren (aufgehobener Zusammenhang)

187 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Inkohärent / zerfahren Beispiele l Ich bin jetzt im Hause ein Jahre lang links und rechts geimpft und wer kein Menschfresser ist, ist über 30 Jahre l Ich habe eine kennengelernt, die sich nicht anders zeigen konnte als sie alles gemeinhin nahmen. Es war gemeint so und es musste heissen: lasset den frohen Baas im Bauch. Froh-sein ist ein Mädchen mit Mann verquillt und die beiden suchen Heil im Glück

188 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Inkohärent / zerfahren Sonderformen l Paralogik –unlogisches Denken mit erhaltenem Satzbau l Paragrammatismus –Satzbau zerstört l Sprachzerfall, Schizophasie –unverständliches, sinnloses Wort- und Silbengemisch - Wortsalat

189 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Inkohärent / zerfahren Assoziierte Phänomene l Kontamination –Verschmelzung heterogener Sachverhalte –Die Bibel habe ich auch gelesen, ich verwechsle es immer, weil ich perfekt französisch spreche l Verdichtung –Zusammenziehen von mehreren Ideen in einer –Man bade, sei nicht fade, bade und balde

190 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Paul Celan, Atemwende (1967) Gesammelte Werke, zweiter Band, S.16, Suhrkamp 1983 Die Schwermutsschnellen hindurch, am blanken Wundenspiegel vorbei: da werden die vierzig entrindeten Lebensbäume geflösst. Einzige Gegen- schwimmerin, du zählst sie, berührst sie alle.

191 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Zwänge

192 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Zwänge l Imperativ sich aufdrängende Erlebnisse l Zwänge werden in selbstreflexiver Stellungnahme als unsinnig, unangemessen (d.h. ohne Grund beherrschend) erkannt l Trotz Widerstands der PatientInnen l Mit dem Gefühl der Unausweichlichkeit und der Machtlosigkeit des eigenen willentlichen Widerstrebens

193 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Erlebensbereiche von Zwängen l Denken l Vorstellen l Fragen l Sprechen l Zählen l Antrieb zu Handlungen l Vermeidungen

194 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Zwangsdenken (AMDP) l Immer wieder sich gegen inneren Widerstand aufdrängende Gedanken oder Vorstellungen, die als unsinnig erlebt werden. l Dazugehörig –Zwangsideen, -gedanken, -vorstellungen, -erinnerungen, -fragen, -grübeln, -befürchtungen

195 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Zwangsimpulse (AMDP) l Immer wieder sich gegen inneren Widerstand aufdrängende Impulse, bestimmte Handlungen auszuführen l Dazugehörig –Impuls zu kontrollieren, sich oder andere zu schädigen, obszöne Worte auszusprechen (Koprolalie), zu zählen, zu rechnen

196 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Zwangshandlungen (AMDP) l Handlungen müssen immer wieder gegen inneren Widerstand ausgeführt werden und lassen sich vom Patienten nicht oder nur schwer unterbinden, obwohl sie als unsinnig erlebt werden l Dazugehörig –Zwangsrituale –Wasch- und Kontrollzwänge

197 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Patientin zählt von 17 (Alter in dem alles begann gut zu gehen) bis 42 (Alter in dem das wichtigste getan sein wird und sie zu zählen aufhören kann). Dabei muss sie gemachte Fehler im Ablauf des Rituals korrigieren und dann jeweils von vorne anfangen. Zum Ritual gehört neben dem Zählen das Auf- und Abdrehen sowie das Reinigen des Wasserhahns. Patientin braucht für das Ritual bis zu 4 Stunden und muss es an schlechten Tagen bis zu 3 mal wiederholen. Beispiel einer 21-jährigen Patientin mit einem Zählritual (Freeman 1992)

198 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Beispiel einer 21-jährigen Patientin mit einem Zählritual (Freeman 1992)

199 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Zwangsgedanken Kontamination45% Pathologischer Zweifel42% Somatische Symptome36% Symmetrie-Zwang31% Aggressive Impulse28% Sexuelle Impulse26% Multiple60% Zwangshandlungen Kontrollieren63% Waschen50% Zählen36% Fragen/Bestätigen31% Symmetrie/Präzision28% Sammeln18% Multiple48% Häufigste Symptome bei Zwangsstörungen (Rasmussen & Tsuang 1986, N= 250)

200 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Befürchtungen

201 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Zwänge und Phobien l Gemeinsam ist der Verlust der Handlungsfreiheit bei erhaltener selbstreflexiver Stellungnahme. l Viele Zwangshandlungen geschehen auf Grund von bestimmten Befürchtungen. l Zwänge und Phobien bestehen (oft zusammen) bei ähnlichen Persönlichkeiten.

202 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Phobien (AMDP) l Form der Angst, die sich auf bestimmte Situationen oder Objekte bezieht l Wird vom Patienen als unbegründet und unangemessen erkannt l Patient versucht, die Konfrontation mit den Angst auslösenden Situationen oder Objekten zu vermeiden (Vermeidungsverhalten)

203 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Arten der Phobie l Akarophobie (Furcht vor Hautparasiten) l Agoraphobie (Furcht vor offenen Plätzen) l Aichmophobie (Furcht vor spitzen Gegenständen) l Akrophobie (Furcht vor Höhen) l Aquaphobie (Furcht vor Wasserflächen) l Bakteriophobie (Furcht vor Erregern) l Klaustrophobie (Furcht vor geschlossenen Räumen) l Erythrophobie (Furcht vor dem Erröten) l Keraunophobie (Furcht vor dem Blitz) l Koprophobie (Furcht vor Beschmutzung mit Kot) l Mysophobie (Furcht vor Berührung) l Nyktophobie (Furcht vor der Nacht) l Phobophobie (Furcht vor der Angst) l Zoophobie (Furcht vor Tieren) l Sozialphobie (Furcht vor Menschenansammlungen)

204 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Hypochondrie (AMDP) l Ängstlich getönte Beziehung zum eigenen Körper, an dem z.B. Missempfindungen wahrgenommen werden, mit offensichtlich unbegründeter Befürchtung, körperlich krank zu sein oder zu werden l Normale Körpervorgänge bekommen oft eine übermässige Bedeutung l Karzinophobie, AIDS-Phobie,

205 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Misstrauen (AMDP) l Furcht vor feindseliger Haltung anderer Menschen l Wahrnehmungen werden ängstlich- unsicher auf die eigene Person bezogen

206 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Störungen der Affektivität

207 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Affektivität (1) l Synonyme: –Affektivität, Emotionalität, Gemüt –Affekt, Emotion, Gefühl, Stimmung l Aspekte der Affektivität –Hervorstechender Charakter des gesamten Gefühlsleben (eine Frohnatur) –Intensität –Ansprechbarkeit (Impulsivität) –Dauer (früher: Affekt vs. Stimmung)

208 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Affektivität (2) l Jede Erfahrung ereignet sich in einer Gestimmtheit (Scharfetter) l Alle Handlung, alles Erleben ist von einer Stimmung begleitet. l Emotionen beeinflussen Urteil, Wahrnehmung, Realitätseinschätzung, Motivation, Kognition usw. wesentlich. l Schwierige (unmögliche) Normierung von Affekten (pathologisch vs normal)

209 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Bewertung / Gewichtung von Affekten euphorisch überglücklichfreudig glücklich froh gelassen Hass wütendärgerlich übellaunig unausgeglichen zornig

210 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Einteilung von Affekten l Leibnahe, ganzheitliche Gestimmtheit –Hunger, Durst, Schmerz, sexuelle Erregung l Allgemeine Leibwahrnehmung (Befindlichkeit) –kräftig, frisch, beschwingt, ruhig, entspannt –müde, schlapp, erschöpft, herabgestimmt l Weniger leibnahe Befindlichkeit –Freude, Angst, Übermut, Langeweile, Ärger l Wenig strukturierte (protopathische) Erfahrungen, ahnungsvolle Stimmungen –Argwohn, Bedrohtheit

211 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Alternative Einteilungen l Zur eigenen Person hin gerichtete Affekte –Zuversicht, Freude, Ärger l Auf Andere hin gerichtete Affekte –Liebe, Vertrauen, Mitleid, Dankbarkeit, Ehrfurcht, Bewunderung l Leibnahe Affekte (Vitalgefühle) l Weniger leibnah erlebte Zustandsgefühle l Das Selbstwerterleben begleitende Gefühle –Stolz, Sicherheit, Eitelkeit, Trotz –Scham, Schuld, Reue, Verlegenheit

212 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Einzelne Affekte (AMDP) l Störung der Vitalgefühle –Herabsetzung des Gefühls von Kraft und Lebendigkeit, vor allem der körperlichen Frische und Ungestörtheit l Deprimiert l Ängstlich l Euphorisch l Gereizt l Hoffnungslos

213 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Einzelne Affekte (AMDP) l Dysphorisch –Missmutige Verstimmtheit. Der Patient ist übellaunig, mürrisch, moros, nörgelnd, missgestimmt, unzufrieden, ärgerlich l Ratlos –Patient ist staunig. Wirkt stimmungsmässig, wie jemand, der sich in seiner Situation nicht mehr zurechtfindet. Was ist los...?, Wo bin ich...? –Weniger der kognitive Aspekt ist gemeint

214 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Einzelne Affekte (AMDP) l Affektarm –Verminderte Anzahl von Affekten (eingeschränktes Spektrum) l Affektstarr –Verminderte affektive Modulation (Verminderte Schwingungsfähigkeit) l Gefühl der Gefühllosigkeit –Subjektiv erlebte Reduktion oder Verlust affektiven Erlebens (empfundene Gefühlsleere)

215 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Einzelne Affekte (AMDP) l Innerlich unruhig l Klagsam/jammrig –Ausdruckssstarkes Vortragen der erlebten Affekte l Ambivalent / Ambitendenz –Koexistenz widersprüchlicher Gefühle, Vorstellungen, Wünsche, Intentionen, Impulsen l Parathymie –Gefühlsausdruck und berichteter Erlebnisinhalt stimmen nicht überein

216 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Einzelne Affekte (AMDP) l Affektlabil –Schneller Stimmungswechsel, starke affektive Ablenkbarkeit l Affektinkontinent –Bei geringem Anstoss überschiessende Affekte, die vom Patienten nicht beherrscht werden können

217 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Einzelne Affekte (AMDP) l Insuffizienzgefühle –Vermindertes Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit l Gesteigertes Selbstwertgefühl l Schuldgefühle l Verarmungsgefühle

218 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Antriebs- und psychomotorische Störungen

219 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Antrieb l Konstrukt –Hypothese einer für alle psychischen und physischen Leistungen des Menschen belebenden Kraft. –Hypothese einer Art Grundenergie, die durch Motivation, Wille, Bedürfnis auf ein Ziel ausgerichtet wird –Fehlt dieses Ziel, tritt motorische Unruhe auf, die sich in Übersprunghandlungen entladen kann.

220 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Bestimmende Faktoren l Grundaktivität (genetische Faktoren?) l Temperament (persönliches Tempo) l Bewusstseinslage (Müdigkeit) l Umwelt (stimulierende Aussenreize) l Soziale Faktoren (Aspekt der Mitmenschlichkeit, des Interesses am Anderen) l Wechselwirkung von Affekt und Antrieb

221 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Literatur Empfehlung zum Thema persönliches Tempo (in Romanform) Sten Nadolny Die Entdeckung der Langsamkeit München: Piper 1983 Serie Piper Nr. 700

222 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Verwandte Begriffe l Vitalität –Elan vital (H. Bergson) –Libido (i.S.von C.G. Jung; Triebkraft) l Tätigkeitsenergie l Anteilnahme, Interesse (soziale Aspekte) l Regsamkeit, Tatkraft (Persönlichkeitsaspekt)

223 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Einzelne Begriffe (AMDP) l Antriebsarm –Mangel an Energie, Initiative, Anteilnahme l Antriebsgehemmt –Energie, Initiative und Anteilnahme werden als gebremst/blockiert erlebt (alles ist so mühsam, ich will, bringe aber die Kraft nicht auf) l Antriebsgesteigert –Zunahme an Energie, Initiative, Anteilnahme

224 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Einzelne Begriffe (AMDP) l Motorisch unruhig –Gesteigerte und ungerichtete motorische Energie l Mutistisch –Wortkargheit bis hin zum Nichtsprechen (Verstummen, Kommunikationslosigkeit) l Logorrhoisch (Logorrhoe) –Verstärkter Redefluss

225 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Einzelne Begriffe (AMDP) l Maniriert/bizarr –Alltägliche Bewegungen und Hanklungen (auch Gesti, Mimik und Sprache) erscheinen dem Beobachter verstiegen, verschroben, posenhaft und verschnörkelt. –Auch geziert, affektiert, gekünstelt l Theatralisch –Auffällig selbstdarstellerisch Landesübliches Temperament beachten

226 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Einzelne Begriffe (AMDP) l Parakinesen –Qualitativ abnorme, meist komplexe Bewegungen, die häufig die Gestik, Mimik und auch die Sprache betreffen l Stereotypien –Äusserungen auf sprachlichem und motorischem Gebiet, die die Tendenz aufweisen, oft längere Zeit hindurch in immer gleicher Form wiederholt zu werden –Verbigerationen (Wortstereotypien) –Katalepsie (Haltungsstereotypien)

227 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Haltungsstereotypien

228 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Flexibilitas cerea (Wächserne Biegsamkeit)

229 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Zirkadiane Besonderheiten

230 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Schwankungen von Befindlichkeit und Verhalten l Relativ regelmässige Schwankungen der Befindlichkeit und des Verhaltens während einer 24-Stunden-Periode l Gesamtbefindlichkeit, nicht nur Einzelaspekte l Morgens schlechter l Abends schlechter

231 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Zirkadianes Aktivitätsmuster

232 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Störung des Aktivitätsmusters

233 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Andere Störungen

234 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Störungen des sozialen Kontakts l Sozialer Rückzug –Einschränkung der Gemeinschaftsfähigkeit –Soziale Phobien l Soziale Umtriebigkeit –Normenproblematik –Störung eher in der Art als der Menge der Sozialkontakte –kritiklos anklammernd, distanzlos, querulatorisch

235 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Aggressivität (1) l Aggressionstendenzen und -handlungen l lat. agredere –herangehen, ein mit einer gewissen Energie und Zielstrebigkeit geschehendes Herangehen an Menschen oder Dinge l Aggression im weiteren Sinne –lebensnotwendige u.destruktive Komponenten –Sich durchsetzen, die eigene Rolle finden, –Nähe zum Begriff Antrieb

236 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Aggressivität (2) l Aggression im engeren Sinne –Verhalten (verbal, averbal, tätlich) –welches eine Person –und zwar eine andere (Fremdaggression) –oder die eigene (Autoaggression) –oder eine Sache (event. als Surrogat der Person) –verletzt, schädigt, ausbeutet, missbraucht, kränkt, beleidigt, herabsetzt, erniedrigt, entwertet, behindert, beraubt, einengt, vertreibt, tötet.

237 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Suizidalität (1) l Weites Begriffsfeld –Todeswünsche, –Absichten oder Pläne, sich das Leben zu nehmen –Vorbereitung zur Selbsttötung –Selbsttötungsversuche l Suizidgedanken, Suizidhandlungen l Erweiterter Suizid –Tötung Anderer vor dem Suizid l Abgrenzung zum Freitod schwierig

238 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Begriffe zum Thema Suizid (1) l Suizidalität –Neigung zur Selbsttötung. Das Ausmass der bei einem Kranken bestehenden Tendenz, sein Leben zu beenden l Suizidal –Selbstmordgefährdet, sich mit Gedanken an Selbsttötung beschäftigend. l Parasuizid –Nicht auf Selbsttötung sondern auf Unterbrechung des Unerträglichen gerichtete Selbstschädigung

239 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Begriffe zum Thema Suizid (2) l Suizidversuch –Autodestruktives Verhalten mit dem Ziel des Suizids, aber ohne tödlichen Ausgang l Demonstrativer/appellativer Suizidversuch –Unterstellte Intension: keine ernste Selbsttötungsabsicht (problematisch!) l Chronische Suizidalität –Lang anhaltende, im Ausmass wenig schwankende Suizidalität l Latente Suizidalität –Verborgene, ruhende, aufgespeicherte Suizidalität

240 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Selbstbeschädigung l Selbstverletzungen ohne damit verbundene Suizidabsichten l Beispiele –Aufkratzen der Haut –Anschlagen des Kopfes gegen die Wand –Einstechen von Nadeln –Ausreissen der Haare (Trichotillomanie) –Zufügen von Schnittwunden –Verschlucken von Nadeln

241 © Prof. Haug; nur zum persönlichen Gebrauch als Vorlesungsvorbereitung Krankheitsgefühl und -einsicht l Mangel an Krankheitsgefühl –Der Patient fühlt sich nicht krank, die Einschätzung von Therapeut und Patient gehen über den Schweregrad auseinander. l Mangel an Krankheitseinsicht –Der Patient erkennt die an sich wahrgenommenen Symptome nicht als krankheitsbedingt an. l Ablehnung der Behandlung l Pflegebedürftigkeit –Patient ist bei Aktivitäten des täglichen Lebens auf fremde Hilfe angewiesen


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