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Literatur zum Aufwachsen – Aufwachsen in der Literatur Vorlesung im WS 2005/06.

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Präsentation zum Thema: "Literatur zum Aufwachsen – Aufwachsen in der Literatur Vorlesung im WS 2005/06."—  Präsentation transkript:

1 Literatur zum Aufwachsen – Aufwachsen in der Literatur Vorlesung im WS 2005/06

2 Was diese Vorlesung will: von einem für die Schule relevanten thematischen Blickwinkel aus („Aufwachsen“) Texte auswählen, vorstellen und kommentieren, und dabei einen Einblick geben in das weite Feld der KJL theoretisches Rüstzeug mitliefern zur Einordnung, Einschätzung und Interpretation einschlägiger Texte (immer in X.2) klären, warum und wie KJL im DU aller Schulstufen bis hinauf in Kl. 11 vorkommen kann und muss dabei den Einsatz der anderen Medien jeweils erwägen und auch praktisch kommentieren (vgl. die Kürzel F, H und CD-Rom neben B) bei all dem auch achten auf das, was prüfungs- relevant ist!

3 D 6.4 Sich mit Literatur und Sachtexten auseinander setzen (Auszug aus dem neuen Lehrplan für „G8“) Die Schüler erschließen sich das breite Angebot an Lesestoffen und Informationsquel- len zunehmend selbst. Im Umgang mit Büchern werden sie geübter, ihre Gewandtheit beim Lesen nimmt deutlich zu. Sie verstehen und deuten nicht nur kürzere Texte und Ausschnitte aus Ganzschriften, sondern auch klassische und moderne Jugendbücher. Sie lernen unterschiedliche literarische Formen, Figuren und Stoffe kennen und gewinnen Einblick in die Eigengesetzlichkeit literarischer Welten. Vielfältige Arten der Begegnung mit Literatur wecken die Phantasie und vermitteln Freude am Lesen. ­ bewusstes Lesen: Textinhalte rezipieren, gedankliche Zusammenhänge skizzieren, Texte vortragen, befragen, deuten - Vertrautwerden mit Stoffen der Antike [ → G 6.4, G 6.5] in jugendgemäßer Bearbeitung, mit epischen Kleinformen sowie mit unterschiedlichen lyrischen Formen: Thematik, Motivgestaltung, in Motivkreise einordnen [ → L 1 6.3, L 2 6.3] - Erweitern der Grundkompetenzen zur Erschließung von Literatur: Thematik, Form- und Gattungselemente, sprachliche Gestaltung - Erweitern der Grundkompetenzen zur Analyse von altersgemäßen Sachtexten und Jugendsachbuch: Verständnis gegenüber Sachfragen entwickeln, Inhalte auswerten, Informationen herausarbeiten, Aufmachung und Sprache untersuchen - gestaltendes Arbeiten: Texte ergänzen, umschreiben, neu verfassen; szenisch gestalten; illustrieren Im Rahmen eines breit gefächerten Lektüreangebots ist mindestens eine Ganzschrift angemessenen Umfangs zu lesen und im Unterricht zu behandeln. Bei der Werkauswahl ist auch das Angebot an aktueller Kinder- und Jugendliteratur zu beachten.

4 Plan der Vorlesung Einführung: KJL als Literatur zum Aufwachsen – „Aufwachsen“ und Entwicklungsaufgaben der Sozialisation - KJL als Zielgruppenliteratur - Vielfalt, Internationalität und Intermedialität – Pädagogikverweigerung und „immanente Pädagogik“ in der KJL – KJL im Unterricht 1.1 Kl. 1 / 2 Astrid Lindgren: Pippi Langstrumpf (B,F,H) Kirsten Boie: Juli (B,F) Nikolaus Heidelbach: Ein Buch für Bruno (B) weitere AutorInnen: Janell Cannon, Wolf Erlbruch, Josef Guggenmos, Janosch, Irina Korschunow, James Krüss, Leo Lionni, Paul Maar, Hanz Manz, Grégoire Solotareff, Ursula Wölfel... 1.2 Die „Angebotsseite“: Das „Subsystem Kinderliteratur“– Konzepte und Ergebnisse der Kinderliteraturforschung

5 2.1 Kl. 3 / 4 Carlo Collodi: Pinocchio (B,F) Hanna Johansen: Die Geschichte von der kleinen Gans, die nicht schnell genug war (B) Ursula Wölfel: Fliegender Stern (B) weitere AutorInnen: Bert Brecht, Kirsten Boie, Patricia MacLaghlan, Jo Pestum, Otfried Preußler, Elisabeth Reuter, Jutta Richter, Thomas Winding... 2.2 Die „Nachfrageseite“: (Mehrfach-)Adressierung in der KJL / Interessen und Präferenzen der Heranwachsenden 3.1 Kl. 5 / 6 Paul Maar: Lippels Traum (B) Otfried Preußler: Krabat (B,F) Uwe Timm: Der Schatz auf Pagensand (B,H) weitere AutorInnen: Joanne K. Rowling, Max von der Grün, Peter Härtling, Astrid Lindgren, Cornelia Funke, Roald Dahl, Tormod Haugen, Andreas Steinhöfel, David Henkes 3.2 „Genres“. Untergattungen der KJL, auch medienübergreifend; Fantastik und Realistik

6 4.1 Kl. 7 / 8 Cornelia Funke: Tintenherz (B,H,F) Annika Thor: Ich hätte nein sagen können (B) Kirsten Boie: Erwachsene reden. Marco hat was getan (B) weitere AutorInnen: Isabel Allende, Eoin Colfer, Jean C. George, Cornelia Funke, Mirjam Pressler, Michael Ende, Michail Krausnick, Christine Nöstlinger, Leonie Ossowski, Jan de Zanger, Peter Pohl, Eva-Maria Zimmermann... 4.2 Kinderbilder. Kindheit und Adoleszenz in der Literatur 5.1 Kl. 9 / 10 Hermann Hesse: Unterm Rad (B) William Golding: Herr der Fliegen (B,F) Dagmar Chidolue: Lady Punk (B) weitere AutorInnen: Charlotte Kerner, Irma Krauß, Gudrun Pausewang, Paul Zindel, Harry Mazer, Per Nilsson, Mats Wahl... 5.2 Schul-Lektüre. KJL, literarische Sozialisation und Literaturunterricht

7 6.1 Kl. 11 Hanna Johansen: Die Analphabetin (B) Jostein Gaarder: Sofies Welt (B, CD-Rom) Günter Grass: Die Blechtrommel (B,F) weitere AutorInnen: F.C. Delius, Peter Handke, Franz Kafka, Robert Musil, Andreas Steinhöfel, Mats Wahl... 6.2 Medienkindermedien? Literatur und Film als Medien des Nachdenkens über das Aufwachsen heute 7. Resümee: - Aufwachsen als Motiv in der KJL und KJL als „Sozialisationsliteratur“ - KJL als das Medium, das Kindheit und Jugend reflektiert; - Deutschunterricht als Lernumgebung, die in das Medium einführt und es nutzt.

8 Einführung: KJL als Literatur zum Aufwachsen Was Siebenjährige können, wissen, erfahren haben sollten (aus: Donata Elschenbroich, Weltwissen der Siebenjährigen. CD 2003, Verlag Antje Kunstmann, Track 09)Weltwissen der Siebenjährigen

9 Früher: Aus der Kindheit durch eine kurze Phase der Adoleszenz in den Erwachsenenstatus (Jugend als kurze Übergangsphase; Zukunftsorientierung) Heute: Aus der Kindheit in die „Erweiterung der Mög- lichkeitsräume“ (Jugend als ausgedehnter Lebens- abschnitt eigenen Zu- schnitts; Gegenwarts- orientierung) „Biografisierung“ Entwicklungsaufgaben im Wandel (Eckart Liebau in: Schüler 2004: Aufwachsen, S. 40-43)

10 Kinder- und Jugendliteratur Zielgruppenliteratur ein intermediales Phänomen ein internationales Phänomen geprägt von Vielfalt geprägt von Pädagogik und Pädagogik- verweigerung

11 KJL im Unterricht KJL hat mehrere Funktionen in der Schule (vgl. Rosebrock 1997, 10): 1. eine thematische: ein Text präsentiert ein Thema und konstituiert damit einen Unterrichtsgegenstand 2.eine literarisch bildende: ein Text schafft, erweitert, korrigiert mitgebrachte Vorstellungen von Literatur, Verständnismöglichkeiten für Form, Stil usw. 3. eine lesefördernde: Ein Text erlaubt eine Beziehung zwischen Lebenswelt und Literatur, Alltagserfahrung (der heranwachsenden) und literarischer Vorstellungsbildung zu schaffen, er bietet daher die Möglichkeit einer positiven Lektüreerfahrung und baut Lesemotivation auf/aus.

12 ordnet sich in eine allg. Literaturdidaktik (vgl. Abraham/Kepser 2005) ein und beachtet deren Grundsätze, Ziele und Verfahren begreift Unterricht als Umgang mit Texten auch mit Wissen aus Texten, aber nicht als rein kognitive Veranstaltung geht davon aus, dass die Lektüre die Lernenden maßvoll überfordern darf, um eine „Zone der nächsten Entwicklung“ in den Blick zu rücken geht vom Primat der Lesefreude aus, bei der literarische Erfahrung beginnt, aber nicht stehen bleibt bezieht die anderen Medien mit ein beschränkt sich nicht „inhaltistisch“ auf plots oder stories, sondern schließt analytische Fragen nach Form, Erzählperspektive, Technik, usw.) ein ist in ihrem Kern allerdings nicht analytisch, sondern handlungs-, produktions- und projekt- (d.h. thema-)orientiert. Die hier vertretene Didaktik der Kinder- und Jugendliteratur

13 Kinder- und Jugendliteratur in der Schule / im Deutschunterricht 1.Verfahren zur Leseförderung, z.B. -selbstgewählte Titel in Kurzreferaten vorstellen lassen -Vorlesestunden und „Leseversammlungen“ (Bambach 1989) „institutionalisieren“ -Autorenlesungen besuchen, organisieren, durch die Zusammenstellung eines Leseheftes begleiten -mit Medienverbundphänomenen im Unterricht arbeiten (Hörbuch, Verfilmung, Computerspiel …)

14 Kinder- und Jugendliteratur in der Schule / im Deutschunterricht 2. Verfahren zum literarischen Lernen, auch fächer- und medienverbindend, z.B. -Projekte zum „beiläufigen Wissenserwerb“ aus Texten der KJL in Verbindung mit Geschichte, Sozialkunde, Geografie, usw. (vgl. z.B. Büker/Kammler 2003, Abraham/Launer 2002, Rösch 2000) -Unterrichtssequenzen zum Medienvergleich (vgl. Sahr 1997, Hurrelmann/Becker Hrsg. 2003)

15 Kinder- und Jugendliteratur in der Schule / im Deutschunterricht 3. Verfahren zum Erwerb literarischer Kompetenz, z.B. -Literarische Grundbegriffe an Hand einer Lektüre herausarbeiten (z.B. Erzähler vs. Autor, erzählte Zeit vs. Erzählzeit, lyrisches Ich, Metapher, Symbol) -Texte aus verschiedenen Epochen und/ oder aus Kinder-, Jugend- und Erwachsenenliteratur vergleichen (z.B. Thema Schulversagen: Maiwald 1999, zum Thema Sozialisation: Wangerin 1978, Abraham 1998)

16 1. Kapitel In diesem Kapitel wird Kinderliteratur für die ersten beiden Jahrgangsstufen vorgestellt. Theoretisch erfahren Sie etwas über die „Angebotsseite“, also über Konzepte und Ergebnisse der Kinderliteraturforschung. Damit haben Sie eine Grundlage für alle folgenden Kapitel bzw. Jahrgangsstufen.

17 Leitthemen für Kl. 1 / 2 (LP Grundschule in Bayern, Kap. III, S. 51) Sich selbst wertschätzen Verantwortungsgefühl für eigenes Handeln entwickeln Anderen mit Achtung begegnen Füreinander da sein Lindgren: Pippi Langstrumpf; Boie: VaterMutterKind Korschunow/Michl: Der Findefuchs Cannon: Verdi Solotareff: Ich groß und du klein; Lionni: Frederick; Browne: Der Tunnel

18 Astrid Lindgren: Pippi Langstrumpf (B,F,H) Kirsten Boie: Juli tut Gutes (B,H,F) Nikolaus Heidelbach: Ein Buch für Bruno (B) 1.1 Klasse 1 / 2

19 Nikolaus Heidelbach: Ein Buch für Bruno (B) So ein Buch ist gefährlich. Alles kann drin lebendig werden, nicht nur die Schlange.

20 Astrid Lindgren: Pippi Langstrumpf (B,F,H) Zwei Dinge nahm sie vom Schiff mit. Einen kleinen Affen, der Herr Nilsson hieß, und einen großen Handkoffer, voll mit Goldstücken, den hatte sie von ihrem Vater bekommen. Die Matrose standen an der Reling und schauten Pippi nach, solange sie sie sehen konnten. Sie ging mit festen Schritten, ohne sich umzudrehen, mit Herrn Nilsson auf der Schulter und dem Koffer in der Hand. „Ein merkwürdiges Kind“, sagte einer der Matrosen und wischte sich eine Träne aus dem Auge, als Pippi in der Ferne verschwunden war.

21 Kirsten Boie: Juli tut Gutes (B,H,F) „Würde ich logisch auch machen, wenn ich einen Mantel hätte und ein Pferd!“ Aber: Seine Spielsachen brauchte er alle noch selber.

22 weitere AutorInnen für Kl. 1 /2: Bilderbuch: Janell Cannon, z.B. Verdi (B) Wolf Erlbruch, z.B. Die Geschichte vom Maulwurf... (B) Janosch, z.B. Oh wie schön ist Panama (B,F: U. Jeske/W. Urchs, BRD 1980, Zeichentrick, 12 Min.) Irina Korschunow/ R. Michl, Der Findefuchs (B) Leo Lionni, z.B. Frederick (B,H,F) Grégoire Solotareff, z.B. Du groß und ich klein (B) Kinderlyrik und Sprachspiel: Josef Guggenmos, Paul Maar, James Krüss, Hanz Manz Kindererzählung: Ursula Wölfel, z.B. 28 Lachgeschichten (B)

23 1.2 Die „Angebotsseite“: Das „Subsystem Kinderliteratur“ – Konzepte und Ergebnisse der Kinderliteraturforschung Zur Einführung: Ewers, Hans Heino: Literatur für Kinder und Jugendliche. Eine Einführung. München: dtv 2000. (2. Aufl.)

24 Das Angebot an Gegenwarts-KJL: zum Beispiel... Realistisch-problemorientierte KL Psychologischer Jugendroman Fantastischer Kinderroman „Avancierte“ KJL aus Skandinavien

25 ... und die „Klassiker“: Carlo Collodi (1826-1890) Karl May (1842-1912) Erich Kästner (1899-1974) Antoine de St.-Exupéry (1900-1944) Astrid Lindgren (1907-1998) Michael Ende (1929-1995) Otfried Preußler (*1923) sprachen-, generationen-, medienübergreifend

26 ... und dann noch die „Klassiker“ von morgen, z.B.: Cornelia Funke (*1958) Eoin Colfer (*1965) Philip Pullman (*1946) Isabel Allende (* 1942) Paul Maar (*1937) Joanne K. Rowling (*1965)

27 Bildung von Textkorpora durch Selektionsakte Literarisches Gesamtangebot Selektion als geeignete Schullektüre = Pflichtlektüre von Kindern und Jugendlichen Selektion als potentielle Freizeitlektüre von Kindern und Jugendlichen durch (nicht-)autorisierte (erwachsene) Instanzen Selektion als faktische Freizeitlektüre unmittelbar durch Kinder und Jugendliche = Schullektüre = intendierte = nicht-intendierte Kinder- und Jugendlektüre (Freizeitlektüre) (nach: Ewers 2000, S. 20)

28 Aufklärung Romantik Reformpädagogik Postmoderne um 1900um 2000um 1800um 1760 Die Entwicklung der Kinder- und Jugendliteratur als Medium des Nachdenkens über das Aufwachsen 19. Jhrdt. Moderne 21. Jhrdt. Ariès, Philippe: Geschichte der Kindheit. Mit einem Vorwort von Hartmut von Hentig. München: dtv 1987 (Orig. 1960). (J.H. Campe – Werther – Gebr. Grimm) Vgl. auch H.H. Ewers in Behncken/Zin- necker Hrsg. 2001

29 H.H. Ewers (in: Lange Hrsg. 2000, 2-9) unterscheidet folgende KJL-Konzepte: 1. KJL als die Gesamtheit der von Heranwach- senden tatsächlich konsumierten Literatur („Kinder- und Jugendlektüre“) 2. KJL als intentionale, nur teilweise deckungsgleich mit der vorigen; daneben folglich eine heimliche oder bestenfalls tolerierte KJL 3. eine positiv und eine negativ sanktionierte KJL (Sanktionsinstanzen: Kirche, Schule...)

30 4. KJL als Erziehungs- oder Sozialisations- literatur (vermittelt Werte und Kenntnisse für die Enkulturation Heranwachsender) 5. KJL als ausdrücklich an Heranwachsende adressierte Literatur 6. KJL als in besonderer Weise leseradäquate Literatur, oft auch aus entwicklungs- theoretischer Sicht unter Berufung auf Phasenmodelle (Piaget / Kohlberg) 7. KJL als Anfänger- bzw. Einstiegsliteratur.


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