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Ein „Blumenfest“, das Mannheims Bürger spaltet –

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Präsentation zum Thema: "Ein „Blumenfest“, das Mannheims Bürger spaltet –"—  Präsentation transkript:

1 Ein „Blumenfest“, das Mannheims Bürger spaltet –
Wodurch entstand der Konflikt um die Bundesgartenschau 2023 in Mannheim? [DIESE FOLIE BITTE IM PRÄSENTATIONSMODUS BETRACHTEN] C. Arnolds // P. Blankenagel // L. Gruber // R. Hunziger // V. Pfister // F. Titze

2 Ein “Blumenfest”, das Mannheims Bürger spaltet – Wodurch entstand der Konflikt um die Bundesgartenschau 2023 in Mannheim? Fachgebiet Kommunikationswissenschaft, insb. Kommunikationstheorie Prof. Dr. Frank Brettschneider Wintersemester 2013/2014 PROJEKTTEAM: Carolin Arnolds Philipp Blankenagel Laura Gruber Regina Hunziger Vera Pfister Frederic Titze

3 MANNHEIM Im Rahmen des sogenannten Mannheimer Demokratie Audit, einer Untersuchung unter 1036 Mannheimer Bürgerinnen und Bürgern, wurde diesen unter anderem die Frage gestellt, welche spontanen Assoziationen sie zur Stadt Mannheim haben. Die Begriffe in der Word-Cloud spiegeln diese spontanen Assoziationen wider. Unter den Antworten finden sich die bekannten Wahrzeichen der Stadt, wie die Innenstadt-Quadrate oder der Wasserturm, aber auch ein Thema, das Mannheim 2013 besonders bewegt hat, nämlich die Bundesgartenschau 2023, bzw. die Bewerbung dazu. Und mit dem Thema Bundesgartenschau ist ein weiteres Thema in Mannheim eng verbunden: das Thema Konversion (vgl. mzes, 2013).

4 AGENDA Konversion & BUGA Akteure & Themen
Forschungsansatz & Forschungsfragen Methodik Ergebnisse Forschungsfrage I Ableitungen Forschungsfrage II Exkurs Forschungsfrage III Vergleich zwischen den Medien Fazit Methodenkritik Quellen

5 KONVERSION & BUGA

6 KONVERSION „[...] Wiedereingliederung von Brachflächen in den Wirtschafts- und Naturkreislauf oder die Nutzungsänderung von Gebäuden.“ (Tessenow, 2006) Tessenow, Heiko (2006): Konversion militärischer Liegenschaften in Tauberbischofsheim. In: Studien zur Raumplanung und Projektentwicklung, Heft 2/06. Hinter dem Begriff der Konversion steckt die oben stehende Beschreibung. Aus dem Mannheimer Demokratie Audit geht hervor, dass 79 Prozent der Mannheimer Bürger den Begriff der Konversion kennen und schon einmal von ihm gehört haben (vgl. mezs, 2013).

7 KONVERSION & BUGA Rückbau von 510 ha militärisch genutzter Fläche bis 2015 Beteiligung der Bürger durch Ideensammlung, Bürgerforum und Arbeitsgruppen BUGA 23 ein Element im Rahmen des Konversionsprozesses Denn, die Stadt Mannheim steht vor einer enormen städtebaulichen Herausforderung. Ab dem Jahr 2015 stehen im Mannheimer Stadtgebiet insgesamt 510 Hektar ehemalige Militärflächen leer, für die eine Anschlussverwendung gesucht werden bzw. die zunächst rückgebaut und zivil nutzbar gemacht werden muss. Der Hintergrund: Mannheim beherbergt seit dem Ende des zweiten Weltkriegs 9 US-Militär-Stützpunkte, die bis zum Jahr 2015 von den Amerikanern geräumt werden bzw. zum Teil bereits verlassen wurden. Um zu entscheiden, was aus den ehemaligen Militärflächen wird bzw. wie diese weitergenutzt werden sollen, hat die Stadt Mannheim seine Bürger im Jahr 2011 aufgerufen, Ideen zur Anschlussverwendung des Geländes einzureichen. Auf diesem Weg kamen über Ideen zusammen, die in einem „Arbeitsbuch zur Konversion“ gesammelt wurden (vgl. Stadt Mannheim, 2014a). Eine Idee, die im Zuge dieser Ideensammlung entstanden ist, war die Ausrichtung einer Bundesgartenschau auf einem Teil des freiwerdenden Geländes. Das BUGA Projekt stellt somit ein Element des übergeordneten Konversionsprozesses dar (vgl. auch Stadt Mannheim, 2014b & Stadt Mannheim, 2014c).

8 GRÜNZUG & BUGA-GELÄNDE
[DIESE FOLIE BITTE IM PRÄSENTATIONSMODUS BETRACHTEN] Die gestalterische Grundidee, die hinter dem gesamten Konversionsprozess steht und auch im Rahmen der BUGA umgesetzt werden soll, ist die Realisierung eines Grüngürtels quer durch die Stadt Mannheim, der von Süden nach Norden, vom Rhein über den Neckar und wieder zurück zum Rhein führt. Dieser Grüngürtel soll eine Verbindung durch die Stadt bilden, der zum einen neue Freizeiträume bietet und zum anderen als sogenannte Klima- bzw. Frischluftschneise fungieren soll, der die Innenstadt mit frischer, sauberer Luft versorgt. Das lässt sich gut erkennen, wenn man speziell den Teil im Norden ansieht. Die Frischluft soll in die Innenstadt gelangen. Um das in rot eingezeichnete Gelände der BUGA sind, sowohl in der Innenstadt, als auch im Norden und Osten des Zentrums, sogenannte Satelliten angeordnet (kenntlich gemacht durch die Sterne), die die Themen der Bundesgartenschau vom Kerngelände in die gesamte Stadt tragen (vgl. Stadt Mannheim, 2014b & Stadt Mannheim, 2014c).

9 GRÜNZUG & BUGA-GELÄNDE
Gesamtfläche 55 Hektar 8 Themengebiete Satelliten, verteilt über ganz Mannheim [DIESE FOLIE BITTE IM PRÄSENTATIONSMODUS BETRACHTEN] Das Kerngelände selbst umfasst eine Fläche von insgesamt 55 Hektar und soll eingebettet sein in einer Reihe von verschiedenen Parks, angefangen beim Luisenpark auf dem gegenüberliegenden Neckarufer, dem ehemaligen Gelände der Bundesgartenschau 1975. Die Ausstellungsfläche der BUGA verteilt sich auf 8 Themengebiete: Gesellschaft, Garten- und Landschaftsbau, Stadtentwicklung und Mannheim. Darüber hinaus sollen die sogenannten Satelliten diese Themen in die gesamte Stadt hinaustragen. Ein zentraler Bereich des geplanten Bundesgartenschaugeländes stellt dabei die sogenannte Feudenheimer Au dar. Das ehemalige Flussgebiet ist seit 1988 Landschaftsschutzgebiet und wird zu großen Teilen landwirtschaftlich genutzt. Ein Teil dieser Flächen soll nach derzeitigem Planungsstand in einen sogenannten Grundwassersee umgewandelt werden, wodurch die bestehenden Flächen teilweise zerstört würden. Daher ist die Feudenheimer Au einer der zentralen Diskussionspunkte beim Projekt BUGA23 (vgl. Stadt Mannheim, 2014b & Stadt Mannheim, 2014c). Zentraler Bereich: Feudenheimer Au

10 KOSTEN & FINANZIERUNG Investitionshaushalt (Laufzeit 10 Jahre)
Investitionsvolumen: 105,5 Mio. Euro Finanzierung: Landeszuschüsse (40 Mio. Euro) Jährliche Rücklagen der Kommune (ca. 65,5 Mio. Euro) Inhalt: Bauliche Maßnahmen zur Herstellung und Ausstattung der Teilbereiche, die nach der BUGA dauerhaft Teil des übergeordneten Grünzugs sind Durchführungskosten: 41,35 Mio. Euro Eintrittsgelder (ca. 28 Millionen) Sonstige Einnahmen, z.B. Konzessionen, Sponsoring Geschätzter Zuschuss der Kommune: 6,85 Mio. Euro Inhalt: Maßnahmen zur Herstellung und Instandhaltung temporärer Strukturen während der BUGA Durchführungshaushalt (2023) Ein weiterer zentraler Aspekt in der Diskussion um eine Bundesgartenschau in Mannheim bilden die Kosten bzw. das Finanzierungskonzept der BUGA. Dieses teilt sich in zwei separate Haushalte: Der sogenannte Investitionshaushalt umfasst 105 Millionen Euro und beinhaltet alle landschafts- und städtebaulichen Investitionen, die über die Bundesgartenschau 2023 hinaus bestand haben, wie z.B. das neu geschaffene Augewässer oder die Parkanlage auf dem ehemaligen Spinelli Areal. Finanziert werden sollen diese Ausgaben durch Landeszuschüsse in Höhe von 40 Millionen Euro. Die übrige Summe wird von der Kommune getragen und soll nach heutigem Stand durch jährliche Rücklagen in Höhe von ca. 7 Mio. Euro im kommunalen Haushalt finanziert werden. Der Durchführungshaushalt dagegen umfasst nur die Kosten, die im Zuge der Durchführung der Bundesgartenschau selbst im Jahr 2023 entstehen, also z.B. temporäre bauliche Maßnahmen auf dem BUGA-Gelände. Er umfasst insgesamt 41,35 Millionen Euro, die zum größten Teil aus den Eintrittsgeldern sowie sonstigen Einnahmen durch die Veranstaltung selbst finanziert werden. Der Punkt „Kosten und Finanzierung“ ist vor allem aufgrund der prekären Haushaltslage der Stadt Mannheim zu einem vieldiskutierten Thema in den Medien und der Stadtöffentlichkeit geworden. Mit über Euro hat Mannheim nämlich mit die höchste pro-Kopf Verschuldung in Baden-Württemberg und leidet nach Ansicht viele Bürger seit Jahren unter einem massiven Investitionsstau, beispielsweise im Bereich der Schulen oder kulturellen Einrichtungen (vgl. Stadt Mannheim, 2014b & Stadt Mannheim, 2014c).

11 ZUSAMMENFASSUNG DER RAHMENDATEN
Planungsphase: Bauphase: Durchführung: April-September 2023 Projektzeitraum Gesamtfläche: ca. 55 Hektar Verteilung: 8 Themengebiete Projektmaße vsl. Kosten: ca. 146 Mio. Euro vsl. Einnahmen: ca. 34,5 Mio. Euro Landeszuschüsse: ca. 47 Mio. Euro Projektkosten Bevor die bisherige Entwicklung der Konversion bzw. der Maßnahmen um die BUGA auf den folgenden Folien aufgezeigt wird, erfolgt hier nochmal eine Zusammenfassung der bisher aufgezeigten Rahmendaten zur geplanten Bundesgartenschau in Mannheim (vgl. auch Stadt Mannheim, 2014b & Stadt Mannheim, 2014c).

12 DIE BUGA IM ZEITVERLAUF
Juni 2010 April 2011 Oktober 2011 Dezember 2011 Februar 2012 Oktober 2012 [DIESE FOLIE BITTE IM PRÄSENTATIONSMODUS BETRACHTEN] Als Startpunkt bzw. als Auslöser des BUGA-Konflikts in Mannheim kann der Juni 2010 gesehen werden. Zu diesem Zeitpunkt wurde bekannt, dass die US-Armee ihre Stützpunkte in Mannheim bis 2015 komplett auflösen und die Stadt verlassen wird. Noch im gleichen Monat wurde die Geschäftsstelle für Konversion eingerichtet, die fortan die Umsetzung der Konversion und ihrer Teilprojekte in Mannheim koordinieren und auch kommunikativ begleiten sollte. Als Reaktion auf diese Nachricht hat die Stadt Mannheim, wie bereits beschrieben, im April 2011 ihre Bürger dazu aufgerufen Ideen einzureichen, wie die Konversion in Mannheim gestaltet werden könnte. Diese Ideen wurden im Oktober 2011 in Form eines ersten Bürgerforums, veranstaltet von der Stadt Mannheim, vorgestellt und später veröffentlicht (vgl. Stadt Mannheim, 2014d). Im Dezember 2011 beschließt der Gemeinderat die Bundesgartenschau als ein Instrument der Konversion aufzunehmen und gibt die Planungen bzw. Machbarkeitsstudie für dieses Projekt in Auftrag. Im Februar 2012 erscheint dann das erste Weißbuch Konversion, in dem zum ersten Mal der Plan der BUGA als Mittel der Konversion schriftlich festgehalten ist. Im Oktober 2012 schließlich erscheint die Machbarkeitsstudie zur BUGA, in der alle soeben genannten Rahmendaten erstmals ausgearbeitet wurden (vgl. Stadt Mannheim, 2014e). Bekanntgabe des Abzugs des US-Militärs Ideensammlung zum Thema Konversion Erstes Bürgerforum und Vorstellung der Bürgerideen Gemeinderats-Entscheidung für die BUGA als Mittel zur Konversion Veröffentlichung der Machbarkeits-Studie Veröffentlichung des Weißbuchs zur Konversion

13 DIE BUGA IM ZEITVERLAUF
Februar 2013 Mai 2013 Juni 2013 September 2013 Oktober 2013 [DIESE FOLIE BITTE IM PRÄSENTATIONSMODUS BETRACHTEN] Im Jahr 2013 nimmt das Projekt dann immens an Fahrt auf. Im Februar beschließt der Gemeinderat mit einer 2/3 Mehrheit die Bewerbung zur Bundesgartenschau Die offizielle Bewerbung bei der deutschen Bundesgartenschau erfolgt schließlich einen Monat später im März. Die Bewerbungsunterlagen basieren in erster Linie auf der zuvor veröffentlichten Machbarkeitsstudie (vgl. Kommunal-Info Mannheim, 2013a). Im Mai 2013 erhält die Stadt Mannheim von der deutschen Bundesgartenbaugesellschaft den Zuschlag für die Ausrichtung der Bundesgartenschau 2023. Da bereits direkt im Anschluss an den Gemeinderatsbeschluss zur BUGA-Bewerbung aus der Politik erste Stimmen laut wurden, die eine Bürgerentscheidung forderten und sich auch unter der Mannheimer Bevölkerung nach Bekanntgabe des BUGA-Zuschlags Widerstand regte, beschloss der Gemeinderat im Juni 2013 einen Bürgerentscheid durchzuführen. Hierbei gab es zunächst Unstimmigkeiten bezüglich des Termins. Schließlich beschloss die notwendige 2/3 Mehrheit eine Durchführung des Bürgersentscheids am 22. September, parallel zur Bundestagswahl (vgl. Stadt Mannheim, 2014f). In der Folgezeit dieser Entscheidung formierten sich kurz darauf je eine Bürger-Initiative contra sowie pro BUGA aus der Bürgerschaft heraus. Der Bürgerentscheid am 22. September endet mit einem knappen Vorsprung von 0,7 Prozent der Stimmen (umgerechnet knapp Stimmen, die sich für die BUGA aussprachen. Im Oktober legt die Bürgerinitiative gegen die BUGA vor dem Verwaltungsgericht in Karlsruhe Klage gegen den Bürgerentscheid ein, mit dem Verweis auf die Verletzung des Sachlichkeitsgebots und Verstößen gegen die Grundsätze der Abstimmungsfreiheit und Abstimmungsrechtsgleichheit (vgl. auch Stadt Mannheim, 2014b & Stadt Mannheim, 2014c) Gemeinderat beschließt Bewerbung zur BUGA Zuschlag für die Ausrichtung der Buga 2023 Gemeinderats-Beschluss zum Bürgerentscheid Durchführung des Bürgerentscheids (50,7 % Ja-Stimmen) Klage gegen den Bürgerentscheid

14 MILESTONES Gemeinderats-Beschluss
/3 des Gemeinderats stimmen für die Bewerbung zur BUGA Gemeinderats-Beschluss Am beschließt der Mannheimer Gemeinderat die BUGA-Bewerbung (vgl. Kommunal-Info Mannheim, 2013a).

15 MILESTONES Gemeinderats-Beschluss Bürgerentscheid 22.09.2013
Bürgerentscheid endet mit knapper Mehrheit für die BUGA JA: 50,7% (68 322) NEIN: 49,3% (66 389) Wahlbeteiligung 59,5% Gemeinderats-Beschluss Bürgerentscheid Am konnten die Mannheimer Bürger beim Bürgerentscheid über folgende Frage abstimmen: „Soll Mannheim zur nachhaltigen Entwicklung eines Grünzugs Nordost im Jahr 2023 eine Bundesgartenschau durchführen, die überwiegend auf dem Gelände der ehemaligen Spinelli-Kaserne und unter Einbeziehung einer maximal 16 Hektar großen Teilfläche der Feudenheimer Au unter Beibehaltung ihres Status als Landschaftsschutzgebiet stattfindet?“ Mit einer knappen Mehrheit von 50,7 Prozent Ja-Stimmen zu 49,3 Prozent Nein-Stimmen stimmten die Bürger für die BUGA (vgl. Mannheimer Morgen, 2013a).

16 MILESTONES Gemeinderats-Beschluss Bürgerentscheid Klage 18.10.2013
Bürgerinitiative „Keine BUGA 2023“ reicht Klage gegen den Bürgerentscheid vor dem Verwaltungsgericht ein Klagegründe: Verletzung des Sachlichkeitsgebots Verstöße gegen die Grundsätze der Abstimmungsfreiheit und Abstimmungsrechtsgleichheit Gemeinderats-Beschluss Bürgerentscheid Klage Die Bürgerinitiative „Keine BUGA 2023“, die sich schon vor dem Bürgerentscheid mit Protestaktionen und Infoständen gegen die Bundesgartenschau in Mannheim aussprach, gab sich mit dem Ergebnis des Bürgerentscheids nicht zufrieden und reichte am Klage gegen den Bürgerentscheid ein. Gründe ihrer Klage waren der Vorwurf der Verletzung des Sachlichkeitsgebots gegenüber der Stadt Mannheim sowie Verstöße gegen die Grundsätze der Abstimmungsfreiheit und -gleichheit (vgl. Mannheimer Morgen, 2013b).

17 PROJEKTBESONDERHEITEN
Planung & Verfahren Idee kam aus der Bürgerschaft Noch im Jahr 2012 große Mehrheit der Bürger für eine BUGA Frühe Einbindung der Bürger in das Verfahren Projektgegenstand Eingebunden in größeres Stadtentwicklungs-Projekt Positiv besetzter Projektgegenstand Projektgegenstand liegt weit in der Zukunft Bürger-Protest Sowohl Initiativen für, als auch gegen das Projekt aus der Bürgerschaft Bevor wir uns den an der Bundesgartenschau bzw. dem daraus erfolgten Protest beteiligten Akteuren widmen, soll hier nochmal ein zusammenfassender Überblick über die Besonderheit den BUGA-Projekts gegeben werden (vgl. Stadt Mannheim, 2014b & Stadt Mannheim, 2014c)

18 AKTEURE & THEMEN

19 AKTEURE Pro Contra Nachdem der Konfliktverlauf und die entscheidenden Wegmarken der Diskussion betrachtet wurden, werfen wir nun einen Blick auf die dahinter stehenden Akteure in diesem Konflikt. Auf Seite der Verwaltung befindet sich zunächst der regierende Oberbürgermeister von Mannheim, Dr. Peter Kurz, von der SPD. Er ist seit 2007 Bürgermeister und steht persönlich hinter dem Projekt BUGA. An seiner offen zur Schau getragenen Unterstützung des Projekts entzündete sich auch ein Großteil der Kritik der Bürgerinitiative an der Kommunikationspolitik der Stadt im Vorfeld des Bürgerentscheids. Neben dem Bürgermeister stellt die Geschäftsstelle Konversion, wie bereits deutlich geworden ist, einen wichtigen Akteur dar, nicht zuletzt, da sie das Projekt BUGA bisher kommunikativ begleitet hat. Auf Ebene der Parteien sehen wir im Gemeinderat eine deutliche Spaltung: Während die SPD mit ihrem regierenden Bürgermeister, CDU, Grüne und Linke mehrheitlich für die BUGA sind und daher auch für eine Bewerbung gestimmt haben, sprechen sich FDP und Mannheimer Liste gegen die BUGA in dieser Form aus. Auf Ebene der Verbände nimmt die IHK eine neutrale Position zur BUGA ein, da ihre Mitglieder, also die Unternehmen selbst, untereinander uneinig über dieses Projekt sind. Der BUND sowie der Naturschutzbund lehnen die BUGA hingegen aus ökologischen Gründen ab, da sie eine Zerstörung des Landschaftsschutzgebiets Feudenheimer Au befürchten. Schließlich haben sich im Vorfeld des Bürgerentscheids zwei Bürgerinitiativen gegründet. Der Freundeskreis Mannheim 23 – BUGA ja! positioniert sich, wie der Name schon sagt, deutlich pro BUGA und sieht darin unter anderem eine Chance für die Stadt Mannheim, attraktiver zu werden. Die Bürgerinitiative Keine BUGA2023 dagegen stellt sich gegen das Projekt und kritisiert dabei vor allem den Schaden am Landschaftsschutzgebiet Feudenheimer Au und den wirtschaftlichen Nutzen der Veranstaltung. Nach dem aus ihrer Sicht verlorenen Bürgerentscheid benannte sich die Initiative in „Konversion statt BUGA“ um und reichte Klage gegen den Bürgerentscheid ein. [Diese Zusammenfassung basiert auf den Quellen der nachfolgenden Folien 19-25]

20 PORTRAIT - Dr. PETER KURZ
Seit 2007 Oberbürgermeister der Stadt Mannheim Partei: SPD Haltung zur BUGA: Steht persönlich hinter dem Projekt und wird öffentlich damit in Verbindung gebracht. „Die Bundesgartenschau ist ein wichtiges Projekt zur Bewältigung der Herausforderung der Konversion.“ Mannheims Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz steht persönlich hinter dem Projekt der Bundesgartenschau und wirbt unter anderem mit folgenen Argumenten: Ohne die BUGA seien Landeszuschüsse und Privatinvestitionen für die Konversion nicht verfügbar Die BUGA trägt zur Erhöhung der Lebensqualität in Mannheim und zur positiven Markenbildung der Stadt bei Dr. Peter Kurz spricht sich öffentlich für eine sachliche Diskussion unter Einbezug der Bürger und Kritiker der BUGA aus (vgl. Kommunal-Info Mannheim, 2013b)

21 PORTRAIT – GESCHÄFTSSTELLE KONVERSION
Fachbereich der Stadt zentraler Ansprechpartner für die Konversion in Mannheim koordiniert die Kommunika-tionsarbeit rund um die BUGA Haltung zur BUGA: Sieht BUGA als Stadt-entwicklungsprojekt, insbesondere zur Umsetzung der Konversion. „Dabei entstehen neue Räume für sportliche Bewegung, landschaftliches Erleben, urbanes gemeinschaftliches Gärtnern sowie Fahrrad- und Fußwegverbindungen für alle.“ Die Stadt Mannheim koordiniert mit der Geschäftsstelle Konversion den Beteiligungsprozess der Konversion. In Bezug auf die BUGA wirbt der Fachbereich und zentrale Ansprechpartner für die Konversion in Mannheim vor allem mit den Landeszuschüssen wegen Nachhaltigkeit (40 Mio. Euro), die durch die Austragung der Gartenschau zu erwarten sind. Weitere positive indirekte wirtschaftliche und finanzielle Effekte sind laut der Geschäftsstelle unter anderem Aufträge für die Mannheimer Firmen, Privatinvestoren sowie positive Auswirkungen auf den Haushalt der Stadt durch Attraktivierung (vgl. Stadt Mannheim, 2014c).

22 PORTRAIT - GEMEINDERAT
Besteht aus 48 Stadträtinnen und Stadträten – Entscheidung für eine Bewerbung zur BUGA 2023 – Entscheidung für einen Bürgerentscheid im September Haltung zur BUGA: Gespalten, von Partei abhängig. „ZITAT“ Wie bereits erwähnt, ist im Mannheimer Gemeinderat in Bezug auf die Bundesgartenschau 2023 eine Spaltung festzustellen. Während die SPD mit ihrem regierenden Bürgermeister, CDU, Grüne und Linke mehrheitlich für die BUGA sind und daher auch für eine Bewerbung gestimmt haben, sprechen sich FDP und Mannheimer Liste gegen die BUGA in dieser Form aus. Die Mannheimer Liste lehnt die BUGA aufgrund der Umgestaltung der Feudenheimer Au ab und hat stattdessen einen Alternativvorschlag auf dem Areal des Flugplatzes Neuostheim lanciert (vgl. Freie Wähler, Mannheimer Liste, 2013). Die FDP hingegen lehnt die Bundesgartenschau vor allem aus Kostengründen ab und führt die prekäre Haushaltslage der Kommune als Gegenargument an. Zwar stimmte die Fraktion für eine Bewerbung zur BUGA, sprach sich aber im Vorfeld des anschließend stattfindenden Bürgerentscheids deutlich dagegen aus. (vgl. Mannheimer Morgen, 2013c) Quelle: Stadt Mannheim, 2014f

23 PORTRAIT – IHK RHEIN-NECKAR
Betreibt eigenen BUGA-Blog mit ausgewogenen Informationen zur BUGA. Haltung zur BUGA: Neutral, da Mitglieds-unternehmen uneinig. „[Es ist wichtig], alle Gruppen in die weitere Konzeption einzubinden, die gute Vorschläge zur Optimierung der BUGA machen können.“ Genauso kontrovers wie in der Bevölkerung waren die Positionen bei der IHK-Vollversammlung am 18. September – entsprechend wurde auf eine Empfehlung zum Bürgerentscheid verzichtet und stattdessen ein Eckpunktepapier verabschiedet, mit dem sich die IHK in die Diskussion einbringen möchte. Im Zentrum stehen die Punkte Finanzierung und Verkehrsplanung. Die IHK betreibt einen sogenannten BUGA-Blog, auf dem sie regelmäßig über aktuelle Entwicklungen rund um das Thema BUGA 23 neutral und ausgewogen informiert (vgl. Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar, 2014)

24 nicht zu finanzieren, sind nicht nachvollziehbar.“
PORTRAIT – BUND Alternative Vorschlägen zur Umsetzung des Grünzug Nord-Ost und zur BUGA Haltung zur BUGA: ablehnend, v.a. gegenüber dem Einbezug der Feudenheimer Au „Die Drohkulisse, [...] ohne BUGA seien auf Spinelli die nötigen Maßnahmen nicht zu finanzieren, sind nicht nachvollziehbar.“ Der BUND Kreisverband Mannheim lehnt die Bundesgartenschau vor allem aus ökologischen Gründen ab In einer mehrseitigen Broschüre wurden die Position des BUND sowie Alternativvorschläge zu den Plänen der Stadt Mannheim in Bezug auf die Entwicklung des Grünzugs Nord-Ost und der Bundesgartenschau veröffentlicht Vor allem der Einbeziehung des Landschaftsschutzgebiets Feudenheimer Au ist für den BUND Mannheim nicht zu akzeptieren, da die geplanten Eingriffe in das Landschaftsschutzgebiet nicht mit dessen Schutzzweck vereinbar sind. Weitere Gegenargumente sind: Die Landeszuschüsse reichen nicht Die Landwirte müssen für die Fläche entschädigt werden Es entsteht eine Kontaminierung des neuen Sees durch Landwirtschaft und Streitkräfte Die Stadt hat einseitig informiert und ein wichtiges Verkehrsgutachten unter Verschluss gehalten (vgl. BUND Mannheim, k.A.)

25 Portrait – Freundeskreis Mannheim 23 – BUGA ja!
Gründung im Juli 2013 Vorsitzender: Prof. Dr. Robin Kähler Haltung zur BUGA: Befürwortung, v.a. aufgrund steigender Attraktivität „Wir sehen in der Bundesgartenschau eine große Chance, die  unsere Stadt zu ihrer dynamischen Weiterentwicklung nutzen sollte.“ Die Befürworter der BUGA des Freundeskreises Mannheim 23 – BUGA ja! sprechen sich klar für eine Bundesgartenschau in Mannheim aus. Ihre Argumente für die Austragung sind die folgenden: Die BUGA macht die Stadt Mannheim lebenswerter, schöner, moderner, attraktiver, leistungsfähiger, ökologischer für die Bürger, Unternehmen und Kultur Mannheim wird für Fach- und Führungskräfte attraktiver Es entsteht eine Imageverbesserung durch die erhöhte Medienpräsenz Mannheims und dadurch ein Vorteil im Wettbewerb der Regionen Die BUGA 2023 ist ein Beitrag zur Stadtentwicklung wie schon bei der Gartenschau 1975 Die Stadt Mannheim erhält mit der Austragung exklusive, finanzielle Mittel (vgl. Freundeskreis „Mannheim 23 – BUGA ja“, 2014)

26 Portrait – Mannheim 23 – Konversion statt buga
Gründung im Juni 2013 Vorsitzende: Ursel Risch Klage gegen den Bürgerentscheid Haltung zur BUGA: Ablehnung aufgrund der hohen Kosten und ökologischen Beeinträchtigung des Landschaftsschutzgebiets Feudenheimer Au „Lasst die Au wie sie ist. Die Stadt soll sich ihren Kernaufgaben widmen.“ Neben der Bürgerinitiative für die BUGA in Mannheim hat sich auch eine gegnerische Initiative gebildet: Mannheim 23 - Keine BUGA2023. Nach dem Bürgerentscheid hat sich die Initiative in Mannheim 23 - Konversion statt BUGA umbenannt. Die Hauptgründe der Mitglieder gegen die BUGA sind: Die Einbeziehung der Feudenheimer Au ist ökologisch und ökonomisch nicht sinnvoll. Es besteht keinerlei Bedarf für zusätzliches Gewässer, das alleine schon 25 Mio. Euro kostet und aufgrund dessen Sondergenehmigungen nötig wären. Dies widerspricht dem Gedanken eines Naturschutzgebiets. Die Stadt hat einseitig informiert. Darauf folgte eine Klage wegen Verletzung der Neutralitätspflicht, einseitigen Infos in Broschüren und auf der Homepage sowie in -Anhängen. Die BUGA bringt erhebliche Kosten für die Stadt. Mannheim hat schon einen großen Schuldenberg und sollte das Geld besser für Schulen etc. nutzen. Die Landeszuschüsse reichen nicht einmal für die Umgestaltung der Feudenheimer Au und die geplante Straßenverlegung; außerdem werden die Zuschüsse aus Steuergeldern finanziert und sind keinesfalls sichergestellt (vgl. Konversation statt BUGA, 2014a; Konversation statt BUGA, 2014b).

27 Konfliktparteien und Argumente
Pro Contra Finanzen Landeszuschüsse Sponsorengelder Private Investitionen Steigerung der Gastronomie u. Kaufkraft Grünentwicklung ohne BUGA schon 40% des Investansatzes Grünzug ohne BUGA günstiger Hohe Eigenbeteiligung  Verschuldung Hohes Risiko Unklare Folgekosten Fördermittel für Konversion auch ohne BUGA Ökologie Feuchtgebietet wertet Feudenheimer Au auf Erlebbare Landwirtschaft Frischluftschneise Feudenheimer Au = Landschaftsschutzgebiet Zerstörung des Biotops durch Besucher Reduzierte Wirkung der Frischluftschneise durch Wohnungsbau Sonstiges Gutes Verkehrskonzept mit Straßenverlegung „Am Aubuckel“ BUGA an anderer Stelle sinnlos Kein tragfähiges Verkehrskonzept Günstigere Instrumente nicht beachtet Abschließend soll hier noch einmal ein zusammenfassender Überblick über die Argumente der Konfliktparteien gegeben werden.

28 KERNTHEMEN BUGA Medien Informationen der Stadt
Informationen der einzelnen Akteure Offene Themenrecherche INFRASTRUKTUR/VERKEHR STADT-ENTWICKLUNG ÖKOLOGIE/ UMWELT Alle vorgestellten Informationen zum Konfliktverlauf entstammen einer ausgiebigen Themenrecherche, bei der wir zunächst aus verschiedenen Quellen, wie den Medien, den offiziellen Informationen der Stadt, v.a. der Geschäftsstelle Konversion und den Informationsbroschüren der einzelnen Akteure, versucht haben ein möglichst vollständiges Bild von dem Konflikt zu erhalten. Das Ergebnis dieser Recherche ist dann in unsere Themenspinne eingeflossen. Diese Themenspinne bildet die Grundlage für unsere folgenden Untersuchungen. Wie genau sie dort eingeflossen ist, werden wir im Folgenden zeigen. Vorab ist allerdings wichtig zu wissen, dass wir die Themenspinne zum Zeitpunkt unserer Erhebungen selbst nicht mehr verändert haben. Das heißt, die Erkenntnisse aus dem Forschungsprozess sind nicht dort eingeflossen, sondern wir sind gewissermaßen deduktiv vorgegangen. BUGA TOURISMUS KOMMUNIKATION KOSTEN/ FINANZIERUNG PLANUNG/ VERFAHREN

29 OBERTHEMEN Ökologie Kommunikation Planung & Verfahren
Kosten & Finanzierung Infrastruktur Stadtentwicklung Tourismus Im Folgenden wird auf die Oberthemen der Themenspinne näher eingegangen: Ökologie: Dieses Thema befasst sich mit allen ökologischen Aspekten des BUGA Projekts, wie z.B. der Gestaltung des Grüngürtels, der Klima- bzw. Frischluftschneise oder dem Kernthema der Umgestaltung der Feudenheimer Au. Kommunikation: Dieses Oberthema umfasst alle kommunikativen Aspekte des Konflikts, angefangen bei den kommunikativen Maßnahmen der Konfliktparteien sowie dem Bürgerprotest selbst als Unterthema und auch speziell dem Neutralitätsgebot der Stadt im Vorfeld des Bürgerentscheids. Planung & Verfahren: Unter diesem Oberthema sind alle direkten Planungsprozess der BUGA, aber auch das Verfahren von der Ideenfindung bis zur jetzigen Detailplanung gefasst. Kosten & Finanzierung: Das Oberthema Kosten/Finanzierung betrachtet das Projekt BUGA 23 aus der ökonomischen bzw. finanziellen Perspektive. Vereinfacht gesagt, geht es darum, wie viel das Projekt kosten soll, wie es bezahlt werden soll und wie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für dieses und ähnliche Projekte aussehen. Infrastruktur: Wie der Name schon sagt, sind unter diesem Oberthema alle Punkte zu fassen, die sich mit der Infrastruktur oder dem Verkehrskonzept der BUGA befassen. Stadtentwicklung: Dieses Thema umfasst alle Entwicklungen und Maßnahmen, die zur Entwicklung bzw. Veränderung von Mannheim durch die BUGA beitragen. Beispiele sind Freizeitangebote, Wohnraumveränderungen oder die Steigerung der Lebensqualität. Tourismus: Dieser Punkt beschäftigt sich sowohl mit den Touristen selbst, die aufgrund der BUGA nach Mannheim kommen (werden), als auch u.a. mit mit Hotels, Geschäften, etc. die davon profitieren.

30 THEMENSPINNE Markenbildung Grundwasser/ See Lebensqualität / Attraktivität Feudenheimer Au Freizeit- angebote Straßenverle-gung Aubuckel Verkehrs-konzept Grünzug Wirtschafts-standort Klima/ Frischluftschneise INFRASTRUKTUR/VERKEHR STADT-ENTWICKLUNG ÖKOLOGIE/ UMWELT Medienberichte Konversion Bürger-Engagement Wohnraum Dialogveranstaltungen BUGA TOURISMUS KOMMUNIKATION Neutralität Verkehrs-gutachten Besucher-zahlen Alle Einflüsse und relevante Faktoren sind mit der Themenspinne abgebildet. Sie bildet den Ausgangspunkt für das weitere Vorgehen und bildet die identifizierten Haupt- und Unterthemen ab. Werbung für BUGA KOSTEN/ FINANZIERUNG PLANUNG/ VERFAHREN BUGA1975 Landes-zuschüsse Machbarkeits-studie Bürger- entscheid Einnahmen Günstige Alternativen Klage Mangelnde Bürgerbeteíl. Kostenplan Initiator d. Idee Privatinvestor Vergleichbare Projekte Planungs- gruppen Kosten-steigerung Zeitplan Verschuldung

31 FORSCHUNGSANSATZ & FORSCHUNGSFRAGEN

32 FORSCHUNGSANSATZ ? Umfrage des Mannheimer Morgens im Jahr 2012: Dreiviertel der Mannheimer stimmen für die Ausrichtung der Bundesgartenschau. Das Projekt scheint zunächst Begeisterung hervorzurufen. BUGA als Prestigeprojekt: Im Vergleich zu anderen Großprojekten wie Stuttgart 21 wird die Bundesgartenschau mit Umweltförderung, statt mit Naturzerstörung verbunden. Es stellt sich daher die Frage, wo der „Fehler“ des Projekts liegt, so dass anfängliche überwiegende Begeisterung in einer Auseinandersetzung endete: Welche Gründe lassen sich für die Entstehung des Protest herausarbeiten? Wo liegt der „Fehler“ der Bundesgartenschau in Mannheim

33 FORSCHUNGSFRAGEN Inwiefern entspricht die Kommunikation zur BUGA 23 den erfolgsversprechenden Ansätzen von Projektkommunikation? Welche Konfliktthemen und Beweggründe spielen bei den Anspruchsgruppen um die BUGA 23 eine Rolle? Inwiefern finden sich die Konfliktthemen und Anspruchsgruppen in der regionalen und überregionalen Berichterstattung zur BUGA 23 wieder? Der Forschungsansatz besteht aus drei Forschungsfragen, die aufeinander aufbauen. Forschungsfrage 1: „Inwiefern entspricht die Kommunikation zur BUGA 23 den erfolgsversprechenden Ansätzen von Projektkommunikation?“

34 Fehlerhafte Kommunikation?
FORSCHUNGSFRAGEN Fehlerhafte Kommunikation? Welche Konfliktthemen und Beweggründe spielen bei den Anspruchsgruppen um die BUGA 23 eine Rolle? Inwiefern finden sich die Konfliktthemen und Anspruchsgruppen in der regionalen und überregionalen Berichterstattung zur BUGA 23 wieder? Forschungsfrage 1: „Inwiefern entspricht die Kommunikation zur BUGA 23 den erfolgsversprechenden Ansätzen von Projektkommunikation?“ Zur Beantwortung der Forschungsfrage erfolgte eine Analyse von Kommunikationsablauf und -umsetzung im Rahmen des Projekts: War mangelhafte Kommunikation der Grund für die Konfliktentstehung? Forschungsfrage 2 baut darauf auf: „Welche Konfliktthemen und Beweggründe spielen bei den Anspruchsgruppen um die BUGA 23 eine Rolle?“

35 FORSCHUNGSFRAGEN Konfliktthema: Beweggrund: Fehlerhafte Kommunikation?
Ein mit der BUGA23 direkt zusammenhängendes Thema, das von mindestens einer Bezugsgruppe im Laufe des Konflikts genannt wurde. Beweggrund: Ursachen, Motive, Gründe, die den Konflikt auslösen und antreiben. Welche Konfliktthemen und Beweggründe spielen bei den Anspruchsgruppen um die BUGA 23 eine Rolle? Inwiefern finden sich die Konfliktthemen der Anspruchsgruppen in der regionalen und überregionalen Berichterstattung zur BUGA 23 wieder? Erläuterung und Hintergrund der obigen Definition von Konfliktthema und Beweggrund: Konfliktthema: umfasst eine allgemeine, offenkundige Thematik, die im Rahmen der Bundesgartenschau von Bedeutung ist Beweggrund: deckt eher individuelle, auf den ersten Blick nicht offenkundige Motive ab Daraus ergibt sich, dass erst durch den Einbezug beider Aspekte die Protestgründe hinreichend abgedeckt werden können.

36 Fehlerhafte Kommunikation?
FORSCHUNGSFRAGEN Fehlerhafte Kommunikation? Andere Beweggründe? Inwiefern finden sich die Konfliktthemen und Anspruchsgruppen in der regionalen und überregionalen Berichterstattung zur BUGA 23 wieder? Der Hintergrund der Forschungsfrage 2 lautet: Wenn sich mangelhafte Kommunikation nicht als konfliktursächlich herausstellt, welche anderen Gründe lassen sich dann herausarbeiten? Die Forschungsfrage 3 lautet: „Inwiefern finden sich die Konfliktthemen und Anspruchsgruppen in der regionalen und überregionalen Berichterstattung zur BUGA 23 wieder?“ Hier liegt der Fokus auf Konfliktthemen (z.B. Ökologie, Planung & Verfahren etc.), das heißt auf offensichtlichen Aspekten, die aus der „Projektart“ herausrühren. Es geht nicht um personenbezogene Hintergrundmotive (z.B. Politikerhass). Anders formuliert könnte die Frage folgendermaßen lauten: Welche Akteure werden in den Medien mit welchen Themen zusammengebracht?

37 Fehlerhafte Kommunikation?
FORSCHUNGSFRAGEN Fehlerhafte Kommunikation? Andere Beweggründe? Medialer Diskurs? Forschungsfrage 3 widmet sich somit dem medialen Diskurs.

38 1. 2. 3. FORSCHUNGSFRAGEN LEITFADENINTERVIEW INHALTSANALYSE
Inwiefern entspricht die Kommunikation zur BUGA 23 den erfolgsversprechenden Ansätzen von Projektkommunikation? LEITFADENINTERVIEW 2. Welche Konfliktthemen und Beweggründe spielen bei den Anspruchsgruppen um die BUGA 23 eine Rolle? INHALTSANALYSE Forschungsfragen und dafür jeweils angewandte Methodik: Bei Forschungsfrage 1 bildet die Ausgangsbasis die Ergebnisse der Leitfadeninterview. Bei Forschungsfrage 3 ist die Ausgangsbasis die Ergebnisse der Inhaltsanalyse der Fremd- und Eigenpublikationen. Bei Forschungsfrage 2 werden die Ergebnisse aus beiden Methoden zusammengebracht, wobei bei der Inhaltsanalyse nur die Eigenpublikationen einfließen. 3. Inwiefern finden sich die Konfliktthemen und Anspruchsgruppen in der regionalen und überregionalen Berichterstattung zur BUGA 23 wieder?

39 METHODIK // QUALITATIVE LEITFADENINTERVIEWS

40 BEFRAGTE PERSONEN Tobias Dünkel Geschäftsstelle Konversion der Stadt Mannheim Prof. Dr. Robin S. Kähler Freundeskreis Mannheim 23 – BUGA ja! Thorsten Langscheid Lokalredakteur Mannheimer Morgen

41 BEFRAGTE PERSONEN Gabriele Baier BUND Mario Klein IHK Rhein-Neckar
Ursel Risch / Klaus Brückner Bürgerinitiative Mannheim 23 - Konversion statt BUGA Gabriele Baier BUND Mario Klein IHK Rhein-Neckar

42 LEITFADEN // THEORIE Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). Aufgeschlossene und wertschätzende Grundhaltung Klare Rahmenbedingungen Frühzeitige Einbeziehung der Bürger Umfassende Faktenklärung Einbeziehung von unterschiedlichen Interessen Professionelle Prozessgestaltung für Fairness und Transparenz Klarheit über Umgang mit den Ergebnissen Transparenz der Finanzierung Verständlich kommunizieren Vielfalt der genutzten Kommunikationsinstrumente Im vorliegenden Projekt dient das Erhebungsinstrument des Leitfaden-Interviews zur Abdeckung von zwei Forschungsfragen. Hinsichtlich der Beantwortung der ersten Forschungsfrage „Inwiefern entspricht die Kommunikation zur BUGA 23 den erfolgsversprechenden Ansätzen von Projektkommunikation?“ bilden dabei die zehn Grundregeln, die Brettschneider & Schuster (2013) im Rahmen allgemeiner Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung formuliert, als theoretische Basis. Abgleitet aus Fallstudien und wissenschaftlichen Erkenntnissen, sind sie als Voraussetzung für Glaubwürdigkeit und Qualität in Dialogverfahren anzusehen.

43 LEITFADEN // THEORIE Ursachen für Protest NIMBY-Effekt
Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). NIMBY-Effekt Projektbezogene Gründe „Verborgene Gründe“ Vertrauensverlust in Wirtschaft und Politik Art der Kommunikation und Intransparenz formaler Verfahren Zur Abdeckung der zweiten Forschungsfrage „Welche Konfliktthemen und Beweggründe spielen bei den Anspruchsgruppen um die BUGA 23 eine Rolle?“ dienen die Ursachen für Protest nach Brettschneider & Schuster (2013) als theoretische Fundierung. Da die erste Forschungsfrage bereits das Schwerpunktthema Kommunikation umfasst, werden die Ursachen in diesem Fall um den letzten Punkt der „Art der Kommunikation und Intransparenz formaler Verfahren“ gekürzt. In der vorliegenden Arbeit wurden die folgenden potentiellen Gründe für Protest abgefragt: NIMBY-Effekt: Der Not-in-my-Backyard-Effekt beschreibt ein natürliche Reaktion von Personen auf Einschränkungen in der eigenen Lebensqualität. Projektbezogene Gründe: Einzelne Aspekte des Projekts, die von Betroffenen negativ beziehungsweise kritisch gesehen werden. „Verborgene Gründe“: Implizite Abneigungen gegen das Projekt, die nicht explizit geäußert werden. Vertrauensverlust in Wirtschaft und Politik: Eine negative Grundstimmung gegenüber Projektträgern oder Beteiligten kann sich auf das Projekt übertragen.

44 „ “ LEITFADENERSTELLUNG
Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 1. Aufgeschlossene und wertschätzende Grundhaltung Eine aufgeschlossene und wertschätzende Grundhaltung zu Meinungen von Bürgern impliziert, gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung nicht als bloßen Appendix oder PR-Maßnahme zu verstehen, sondern als ernsthaften Dialog auf Augenhöhe sowie als essentiellen Bestandteil für unternehmerische und auch technische Entscheidungen. Dialog ist eine notwendige Bedingung für erfolgreiche Technikumsetzung. Zum Dialog gehört zum Einen das Zuhören. Zum anderen müssen die eigenen Positionen immer wieder erklärt und begründet werden. Dies gilt für jede Phase des Projekts. Dazu gehört vor allem die Diskussion von Alternativen und das Erläutern, warum welche Alternative verworfen wurde. Die Verarbeitung der theoretischen Basis zu konkreten Fragen im Interview-Leitfaden erfolgt anhand einer spezifischen Systematik. Im ersten Schritt wird der theoretische Fließtext herangezogen. Im zweiten Schritt werden aus diesem Text die Grundbestandteile extrahiert – die sogenannten Dimensionen.

45 LEITFADENERSTELLUNG Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 1. Aufgeschlossene und wertschätzende Grundhaltung Dimensionen Dialog auf Augenhöhe Dem Anderen zuhören Legitimation von Standpunkten und Handlungen Transparente Diskussion und Vorstellung von Alternativen Die Dimensionen sind als Bausteine einer Grundregel zu verstehen, die das Konstrukt näher definieren.

46 LEITFADENERSTELLUNG Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 1. Aufgeschlossene und wertschätzende Grundhaltung Indikatoren Dialog auf Augenhöhe Dialog-Maßnahmen Gesprächsanteile Kommunikationswege Kommunikationsgeschwindigkeit / Rückkopplung Kommunikationsmodi Dem Anderen zuhören Legitimation von Standpunkten und Handlungen Transparente Diskussion und Vorstellung von Alternativen Um jedoch im Leitfaden konkrete Anhaltspunkte für eine Erfüllung bzw. Nicht-Erfüllung einer Grundregel zu integrieren, erfolgt im letzten Schritt die Ableitung von Indikatoren. Übersicht der Dimensionen und Indikatoren: Dialog auf Augenhöhe Dialog-Maßnahmen Gesprächsanteile Kommunikationswege Kommunikationsgeschwindigkeit / Rückkopplung Kommunikationsmodi Dem anderen Zuhören Direkte Reaktionen des Vorhabenträgers auf Kommunikationen der Anspruchsgruppen und v.v. Registrierung und ggf. Verarbeitung von Argumenten der Gegenseite Legitimation von Standpunkten und Handlungen (Wahrhaftig, glaubwürdig) Begründungen/Rechtfertigungen Transparente Diskussion und Vorstellung von Alternativen Information der Bürger über Alternativprojekte Abwägung von Vor- und Nachteilen der Alternativen In-Bezug-Setzen der BUGA mit Alternativen

47 „ “ LEITFADENERSTELLUNG
Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 2. Klare Rahmenbedingungen Beteiligungsverfahren sind keine sich selbst organisierenden Prozesse, sondern müssen stets mit einem klaren Mandat, einer offenen Fragestellung und eindeutigen Zuständigkeiten zu konkreten Planungsanliegen initiiert werden. Eine klar definierte und von allen Beteiligten akzeptierte Struktur ist als Leitplanke für den Prozess unabdingbar. Allen Teilnehmern müssen von Anfang an Zweck, Zielsetzung, Ablauf, Freiheitsgrade und Spielräume bewusst sein.

48 LEITFADENERSTELLUNG Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 2. Klare Rahmenbedingungen Dimensionen Klare Definition und Kommunikation der Projektstruktur Klare Definition und Kommunikation von Zuständigkeiten Klare Kommunikation von Vor- und Nachteilen / Risiken

49 LEITFADENERSTELLUNG Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 2. Klare Rahmenbedingungen Indikatoren Klare Definition und Kommunikation der Projektstruktur Klare Kommunikation des Zwecks Klare Kommunikation der Zielsetzung Klare Kommunikation des Ablaufs Klare Kommunikation von Freiheitsgraden Klare Kommunikation von Spielräumen Klare Definition und Kommunikation von Zuständigkeiten Klare Kommunikation von Vor- und Nachteilen / Risiken Übersicht der Dimensionen und Indikatoren: Klare Definition und Kommunikation der Projektstruktur Klare Kommunikation des Zwecks Klare Kommunikation der Zielsetzung Klare Kommunikation des Ablaufs Klare Kommunikation von Freiheitsgraden Klare Kommunikation von Spielräumen Klare Definition und Kommunikation von Zuständigen „Gesicht“ der BUGA Ansprechpartner Klare Kommunikation von Vor- und Nachteilen / Risiken Vorteile Nachteile Risiken

50 „ “ LEITFADENERSTELLUNG
Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 3. Frühe Einbeziehung der Bürger Bei der Planung und Umsetzung von Infrastrukturprojekten ist häufig ein Beteiligungsparadox erkennbar: Ganz zu Beginn der Planung, beispielsweise in den Leistungsphasen 1 oder 2 (Grundlagenermittlung und Vorplanung), ist das Interesse der breiten Öffentlichkeit relativ gering, obwohl zu diesem Zeitpunkt die Mitgestaltungsmöglichkeiten am größten sind. Mit voranschreitender Planung und damit steigender Konkretisierung der Projekte, beispielsweise in den Leistungsphasen 3 und 4 (Entwurfsplanung und Genehmigungsplanung), nehmen zwar auch das Interesse und der Mitwirkungswillen der Bevölkerung zu, gleichermaßen sinkt jedoch der Gestaltungsspielraum. Gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung darf daher nicht erst gegen Ende des Projekts ansetzen, sondern muss generell frühzeitig beginnen. Und der Vorhabenträger darf nicht nur in den formal vorgeschriebenen Verfahren kommunizieren, sondern muss alle Gelegenheiten für den informellen Austausch nutzen oder – sofern nicht vorhanden – schaffen.

51 LEITFADENERSTELLUNG Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 3. Frühe Einbeziehung der Bürger Dimension Frühe Einbeziehung der Bürger bzw. lokaler Anspruchsgruppen

52 LEITFADENERSTELLUNG Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 3. Frühe Einbeziehung der Bürger Indikatoren Frühe Einbeziehung der Bürger bzw. lokaler Anspruchsgruppen Spektrum an formellen und informellen Austauschmöglichkeiten zu Beginn der Projektplanung Nutzung/ Nutzungsinitiierung der Austauschmöglichkeiten vonseiten des Vorhabenträgers zu Beginn der Projektplanung Übersicht der Dimensionen und Indikatoren: Frühzeitige Einbeziehung der Bürger / lokaler Anspruchsgruppen (z.B. lokale Unternehmen) Spektrum an formellen und informellen Austauschmöglichkeiten zu Beginn der Projektplanung Nutzung/ Nutzungsinitiierung der Austauschmöglichkeiten vonseiten des Vorhabenträgers zu Beginn der Projektplanung

53 „ “ LEITFADENERSTELLUNG
Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 4. Umfassende Faktenklärung Ein zentraler Hebel zur Lösung öffentlicher Konflikte liegt in der systematischen und gemeinsamen Faktenklärung („Joint Fact Finding“). Sie ist erforderlich, um ein gemeinsames Verständnis des Problems und seiner Teilaspekte zu entwickeln. Und sie fördert eine sachliche Diskussion.

54 LEITFADENERSTELLUNG Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 4. Umfassende Faktenklärung Dimension Gemeinsame Faktenklärung

55 LEITFADENERSTELLUNG Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 4. Umfassende Faktenklärung Indikatoren Gemeinsame Faktenklärung Gemeinsames Verständnis des Problems und seiner Teilaspekte Gemeinsame Sachdiskussion zwischen Vorhabenträgern und Anspruchsgruppen Übersicht der Dimensionen und Indikatoren: Gemeinsame Faktenklärung Gemeinsames Verständnis des Problems und seiner Teilaspekte Gemeinsame Sachdiskussion zwischen Vorhabenträgern und Anspruchsgruppen

56 „ “ LEITFADENERSTELLUNG
Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 5. Einbeziehung von unterschiedlichen Interessen In Dialogverfahren sollten möglichst alle relevanten Interessengruppen mitwirken. Vorhabenträger müssen daher frühzeitig auf diese relevanten Gruppen zugehen und in Erfahrung bringen, unter welchen Bedingungen sie sich eine Mitwirkung an dem Dialogverfahren vorstellen können. Dazu gehört es auch, gemeinsam eine Fragestellung für das Dialogverfahren zu formulieren.

57 LEITFADENERSTELLUNG Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 5. Einbeziehung von unterschiedlichen Interessen Dimensionen Integration möglichst aller relevanten / artikulierten Interessensgruppen in den Dialogprozess Proaktive Integration/Ansprache der Interessensgruppen durch den Vorhabenträger

58 LEITFADENERSTELLUNG Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 5. Einbeziehung von unterschiedlichen Interessen Indikatoren Integration möglichst aller relevanten / artikulierten Interessensgruppen in den Dialogprozess Meinungsvielfalt im Dialog Gruppenvielfalt im Dialog Anzahl der beteiligten Akteursgruppen Proaktive Integration/Ansprache der Interessensgruppen durch den Vorhabenträger Direkte Maßnahmen zur Integration von Interessensgruppen vonseiten des Vorhabenträgers Abfragen von Mitwirkungsinteressen und -bedingungen (Vorhabenträger in Richtung Interessensgruppen) Übersicht der Dimensionen und Indikatoren: Integration möglichst aller relevanten / artikulierten Interessensgruppen in den Dialogprozess Meinungsvielfalt im Dialog Gruppenvielfalt im Dialog Anzahl der beteiligten Akteursgruppen Proaktive Integration/Ansprache der Interessensgruppen durch den Vorhabenträger Direkte Maßnahmen zur Integration von Interessensgruppen vonseiten des Vorhabenträgers Abfragen von Mitwirkungsinteressen und –bedingungen (Vorhabenträger in Richtung Interessensgruppen)

59 „ “ LEITFADENERSTELLUNG
Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 6. Professionelle Prozessgestaltung für Fairness und Transparenz Beteiligungsverfahren sind stets ein moderierter Dialog, der durch anerkannte Methoden eine aktive Mitwirkung der Teilnehmenden ermöglicht. Ohne professionelles Handwerkszeug ist eine zielführende Auseinandersetzung nicht möglich. Professionelle Prozessgestalter haben mehrere Aufgaben: Sie müssen das Dialog-Verfahren verständlich und transparent. Sie müssen neutral und aktivierend moderieren. Und sie dokumentieren die Beteiligungsergebnisse durch Protokolle, Zwischen- und Endberichte. Welche konkreten Dialog-Verfahren angemessen sind, hängt von der Problemlage, dem Umfeld und den Akteuren ab.

60 LEITFADENERSTELLUNG Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 6. Professionelle Prozessgestaltung für Fairness und Transparenz Dimensionen Professioneller Ablauf des Dialogprozesses

61 LEITFADENERSTELLUNG Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 6. Professionelle Prozessgestaltung für Fairness und Transparenz Indikatoren Professioneller Ablauf des Dialogprozesses Annerkannte Methoden (Mediation etc.) Prozessgestalter (neutral, motivierend, professionell) Dokumentation des Dialogprozesses Übersicht der Dimensionen und Indikatoren: Professioneller Ablauf des Dialogprozesses Anerkannte Methoden (Mediation etc.) Prozessgestalter (neutral, motivierend, professionell) Dokumentation des Dialogprozesses

62 „ “ LEITFADENERSTELLUNG
Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 7. Klarheit über Umgang mit den Ergebnissen Ziel eines Dialog-Verfahrens ist nicht eine willkürliche Sammlung von Meinungen mit einem unverbindlichen Ergebnis, sondern eine Verständigung und Verpflichtung zu einem gemeinsam getragenen Ergebnis. Nichts demotiviert Teilnehmende mehr als die Folgenlosigkeit ihrer Bemühungen. Daher muss klar sein, welche ungelösten, offenen Fragen durch das Verfahren beantwortet werden können. Dies gilt unabhängig davon, ob es um das „Ob“ (Grundsatzfragen wie Bedarf und Alternativen), das „Wie“ (Welche konkrete Variante?) oder die konkrete Baubegleitung (konkrete Ausgestaltung einer festgelegten Variante) geht. Die Ergebnisse des Dialog-Verfahrens müssen also tatsächlichen Einfluss auf die Gestaltung des Projekts haben können und nachvollziehbar in die Entscheidungsprozesse der Vorhabenträger einfließen.

63 LEITFADENERSTELLUNG Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 7. Klarheit über Umgang mit den Ergebnissen Dimensionen Kommunikation des Dialogergebnisses / der Dialogergebnisse (Begründung von Ergebnisintegration bzw. Nicht-Integration) Kommunikation der Ergebnisverwendung bzw. Nicht-Verwendung

64 LEITFADENERSTELLUNG Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 7. Klarheit über Umgang mit den Ergebnissen Indikatoren Kommunikation des Dialogergebnisses / der Dialogergebnisse (Begründung von Ergebnisintegration bzw. Nicht-Integration) Transparenz über Dialogergebnisse Wissen über Dialogergebnisse Begründung von Ergebnisintegration bzw. Nicht-Integration Kommunikation der Ergebnisverwendung bzw. Nicht-Verwendung Transparenz über Ergebnisverwendung Wissen über Ergebnisverwendung Übersicht der Dimensionen und Indikatoren: Kommunikation des Dialogergebnisses/ der Dialogergebnisse Transparenz über Dialogergebnisse Wissen über Dialogergebnisse Begründung von Ergebnisintegration bzw. Nicht-Integration Kommunikation der Ergebnisverwendung bzw. Nicht-Verwendung Transparenz über Ergebnisverwendung Wissen über Ergebnisverwendung

65 „ “ LEITFADENERSTELLUNG
Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 8. Transparenz der Finanzierung Gute Beteiligung erfordert eine professionelle Prozessgestaltung – und diese kostet Geld. Um bei Infrastrukturprojekten von Anfang an einen Dialog mit der Öffentlichkeit zu ermöglichen, sind die Kosten für gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung in die Projektkalkulation aufzunehmen. Auch ist es wichtig, die Finanzierung der Dialog- Verfahren transparent darzustellen.

66 LEITFADENERSTELLUNG Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 8. Transparenz der Finanzierung Dimensionen Transparenz hinsichtlich der Finanzierung des Dialogverfahrens

67 LEITFADENERSTELLUNG Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 8. Transparenz der Finanzierung Indikatoren Transparenz hinsichtlich der Finanzierung des Dialogverfahrens Information / Kommunikation hinsichtlich der Kosten des Dialogverfahrens Wissen über die Kosten des Dialogverfahrens Übersicht der Dimensionen und Indikatoren: Transparenz hinsichtlich der Finanzierung des Dialogverfahrens Information/Kommunikation hinsichtlich der Kosten des Dialogverfahrens Wissen über die Kosten des Dialogverfahrens

68 „ “ LEITFADENERSTELLUNG
Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 9. Verständlich kommunizieren Nur wer sich verständlich ausdrückt, kann auch überzeugen. Das gilt auch für Ingenieure, die sich der öffentlichen Diskussion stellen. Grundsätzlich ist Verständlichkeit in allen Phasen der Ingenieurplanung wichtig – vor allem aber in der Entwurfs- und in der Genehmigungsplanung. Pläne, die für Ingenieure zum täglichen Handwerkszeug gehören, können von Laien oft nicht „gelesen“ werden. Sie müssen daher in leichter zugängliche Visualisierungen „übersetzt“ werden. Vor allem aber ist eine verständliche Sprache unabdingbar. Inhalte, die Ingenieure kommunizieren müssen, sind oft komplex. Die Texte werden von hochgebildeten Experten verfasst, die sich dabei ihrer Fachsprache bedienen. Wenn sie ihre Fachsprache aber – aus Zeitdruck oder wegen mangelnder Sensibilität für die Notwendigkeit verständlicher Sprache – nicht für Laien „übersetzen“, wirken sie auf die Empfänger abstoßend. Dabei handelt es sich um ein typisches Problem der Experten-Laien-Kommunikation, den „Fluch des Wissens“: Je länger und intensiver man sich mit einem bestimmten Wissensgebiet beschäftigt, desto weniger kann man sich in Menschen hineinversetzen, denen das eigene (Vor)wissen fehlt. Beispielsweise erkennen Ingenieure dann nicht mehr, dass Fachwörter aus ihrem Wissensbereich für andere unbekannt sind. Das „Überwerfungsbauwerk“ ist dem Ingenieur verständlich, dem Laien nicht; Letzterer kann sich eher unter „Brücke“ etwas vorstellen.

69 LEITFADENERSTELLUNG Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 9. Verständlich kommunizieren Dimensionen Verständlichkeit Dauerhafte Verständlichkeit

70 LEITFADENERSTELLUNG Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 9. Verständlich kommunizieren Indikatoren Verständlichkeit Keine Fremdwörter Keine Fachsprache Einfache Sätze Einfache Sprache Dauerhafte Verständlichkeit Verständlichkeit ohne Vorwissen Übersicht der Dimensionen und Indikatoren: Verständlichkeit keine Fremdwörter keine Fachsprache „einfache“ Sprache „einfache“ Sätze Dauerhafte Verständlichkeit Verständlichkeit ohne Vorwissen

71 „ “ LEITFADENERSTELLUNG
Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 10. Vielfalt der genutzten Kommunikationsinstrumente Die eigenen Projektpläne sowie die Inhalte der Beteiligungsverfahren dürfen kein „Geheimwissen“ bleiben. Vielmehr ist eine umfassende Information der breiten Öffentlichkeit zu gewährleisten, damit diese sich eine fundierte Meinung bilden kann. Dafür sind zahlreiche Kommunikationsinstrumente zu wählen. Diese müssen orchestriert, das heißt aufeinander abgestimmt eingesetzt werden. Der Vorhabenträger sollte nicht nur via Massenmedien kommunizieren, sondern auch das Web 2.0 nutzen. Vor allem aber gilt: Wichtiger als alles andere ist das direkte persönliche Gespräch mit den Anspruchsgruppen (Anwohner, Initiativen, Mitarbeiter, Politik und Verwaltung, Journalisten etc.).

72 LEITFADENERSTELLUNG Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 10. Vielfalt der genutzten Kommunikationsinstrumente Dimensionen Vollständige Kommunikation Vielfalt von Kommunikationsinstrumenten (Journalistische Massenmedien, Internet, persönliche Ansprache) Abstimmung von Kommunikationsinstrumenten

73 LEITFADENERSTELLUNG Allgemeine Anforderungen an gute Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 10. Vielfalt der genutzten Kommunikationsinstrumente Indikatoren Vollständige Kommunikation Diskrepanz zwischen offizieller und inoffizieller Kommunikation Vielfalt von Kommunikationsinstrumenten (Journalistische Massenmedien, Internet, persönliche Ansprache) Abstimmung von Kommunikationsinstrumenten Gleiche Kommunikationsbotschaften Tonalität Heterogenität / Widersprüche Homogenität Übersicht der Dimensionen und Indikatoren: Vollständige Kommunikation Diskrepanz zwischen offizieller und inoffizieller Kommunikation Vielfalt von Kommunikationsinstrumenten (journalistische Massenmedien, Internet, persönliche Ansprache) Medien-Mix Plattformen-Mix Ansprachen-Mix Meinungsvielfalt Abstimmung von Kommunikationsinstrumenten Gleiche Kommunikationsbotschaften Tonalität Heterogenität / Widersprüche Homogenität

74 Dimensionen Indikatoren
LEITFADENAUSWERTUNG Brettschneider, F., Schuster, W. (Hrsg.): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS (2013). 1 2 3 4 Das systematisches Vorgehen bei der Erstellung des Leitfadens war von immensem Wert für die spätere Auswertung. So konnten die aus den Transkripten extrahierten Zitate direkt an die Dimensionen und Indikatoren, welche bei der Erstellung des Leitfadens maßgeblich waren, angelegt werden. Es folgte ein erst vertikales und dann horizontales Vorgehen: So wurde im ersten Schritt pro Akteur und in einer zweiten Auswertungsreihe pro Grundregel bzw. Protestgrund ausgewertet. Final konnte pro Regel und Protestgrund die Schnittmenge unter den Akteuren gebildet werden. Transkripte Zitate Dimensionen Indikatoren Schnittmenge

75 METHODIK // QUANTITATIVE INHALTSANALYSE

76 INHALTSANALYSE // FAKTEN
Untersuchungsmaterial Mannheimer Morgen und Top 5 Online-Nachrichtenmedien Eigenpublikationen der interviewten Akteure Untersuchungszeitraum 1. Januar – 30. November 2013 Anzahl der Codierer Drei Intercoder-Reliabilität nach Holsti 0,86 (Pretest: 5 Artikel) Untersuchungsmaterial: Der Mannheimer Morgen (MM) ist das Leitmedium in Mannheim. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage innerhalb des Demokratie Audits Mannheim (1036 Befragte). Rund 2/3 der Mannheimer nennen den MM als wichtigste Informationsquelle über Kommunalpolitik (vgl. Deth/Schmitt-Beck, 2013, 78). Beim MM sind Print- und Onlineinhalte gleich, deshalb haben wir die Kanäle nicht getrennt untersucht, sondern im Archiv vor Ort in der Redaktion des MM nach passenden Artikeln gesucht. Als Kontrast zum MM dienen die überregionalen Online-Nachrichtenmedien. Der MM ist nah am Geschehen und berichtet aus dem Ort heraus für den Ort, deshalb ist er die richtige Wahl für die regionale Berichterstattung. Bei den überregionalen Medien fiel die Wahl auf die Online-Portale von Bild, Spiegel, Welt, Focus und der Süddeutschen. Diese wurden nach Unique Usern ausgewählt (Statista, 2013). Grund für dieses Kriterium: Bei überregionalen ist nur wichtig, wie hoch die allgemeine Reichweite in Deutschland ist, nicht die in Mannheim. Da wir hier auf überregionaler Ebene untersuchen wollen, also die Informationen außerhalb der Stadt und die damit verbundenen Themen, ist weniger interessant, ob Mannheimer diese selbst lesen. Die überregionalen Portale haben keinen Einfluss auf die kommunale Politik oder das gesamte Geschehen, zudem richten sich die Gruppen nicht direkt an sie, sondern nur an die regionalen Medien. Außerdem steht bei den überregionalen Medien die Frage im Vordergrund, wie dort im Vergleich zu den regionalen berichtet wird, da von Beteiligten vermutet wurde, dass für das überregionale Publikum andere Themen in den Fokus gerückt werden. Zeitraum: Beinhaltet die Meilensteine des Konfliktverlaufs: Neben dem Bewerbungsprozess für die Bundesgartenschau ist auch die Entstehung der Protestgruppen sowie der Höhepunkt des Konflikts in Form des Bürgerentscheids enthalten und die folgenden Klagen. Reliabilität: Die Übereinstimmung zwischen den Codierern ist sehr gut, was sicherlich an der geringen Anzahl der Codierer liegt. Außerdem wurde das Codebuch mehrfach angepasst. Berechnung Holsti-Index: 2x Anzahl Übereinstimmungen zwischen beiden Codierern/Anzahl der Codierungen von Codierer 1 + Codierer 2. Erst für alle paarweise durchgeführt, dann Paarkoeffizienten/Anzahl Codierer.

77 INHALTSANALYSE // SAMPLE
160 Artikel Regional 23 Artikel Überregional Vorgehen bei der Auswahl des Samples: Zuerst wurden alle Artikel aus dem Archiv mit dem Schlagwort BUGA entnommen und anschließend aussortiert. Das Aufgreifkriterium war: Es geht in der Überschrift, dem Untertitel oder dem 1. Absatz um die BUGA (s. Codebuch). Es blieben 160 Artikel übrig. Überregional wurde teilweise nichts gefunden, deshalb sind Süddeutsche und Spiegel herausgefallen. Insgesamt kamen 23 Artikel zusammen. Weitere Eingrenzungen: Es wurden nur sachliche Berichte einbezogen, um das Bild nicht zu verfälschen. Kommentare oder Interviews wären zu einseitig bei der Erwähnung von Akteuren oder Themen gewesen, bzw. hätten nicht zum Codiervorgehen gepasst. Kommentare gehen zu stark vom Journalisten aus, der hier aber gar nicht als Akteur beachtet wird, denn es werden nur das Verhalten und die Themensetzung der beteiligten Akteure untersucht. Interviews unterscheiden sich vom Schreibstil/Aufbau zu stark von anderen Artikeln, deshalb wäre unser Codebuch unpassend in Bezug auf die Filterung der drei wichtigsten Themen. Interviews folgen im Gegensatz zu normalen Artikeln nicht der Nachrichtenpyramide, die aber unserem Vorgehen zugrunde liegt. Interviews folgen eher Gesprächstechniken mit Eisbrecherfragen etc., deshalb steht nicht unbedingt das wichtigste Thema am Anfang. Keine Kommentare und Interviews

78 INHALTSANALYSE // SAMPLE
Eigenpublikationen der interviewten Akteure Stadt Mannheim Mannheim 23 - BUGA ja Mannheim 23 - Keine BUGA 2023 [DIESE FOLIE BITTE IM PRÄSENTATIONSMODUS BETRACHTEN] Die Eigenpublikationen sind insbesondere wichtig für den Vergleich zwischen den Leitfadeninterviews und den herausgegebenen Publikationen oder den Eigenpublikationsthemen mit den Medienthemen. Deshalb wurden nur Eigenpublikationen von Gruppen ausgewählt, die auch interviewt worden sind. Es wurde je eine Broschüre/Argumentesammlung pro Akteur ausgewählt. Dabei handelt es sich um die Hauptpublikation/Langfassung vor dem Bürgerentscheid (Ausnahme IHK, weil vorher keine Stellungnahme vorlag). Es wurden keine Homepages einbezogen, weil diese, ausgehend vom Umfang der Informationen und dem dort angebotenen Material (Links, Downloads etc) zu unterschiedlich waren und somit zu einer Verfälschung der Ergebnisse geführt hätten. Außerdem war die BUGA-Homepage der Stadt als Hauptinformationsquelle ab dem Beginn der Auswertung nicht mehr online, da sie durch eine Konversationsseite ersetzt wurde. BUND IHK

79 INHALTSANALYSE // CODEBUCH
Codiereinheiten Artikelebene: ein Artikel bildet einen Codierfall Formalia, Hauptthema und bis zu zwei Nebenthemen Oberthemen aus Themenspinne Akteursebene: ein Akteur bildet einen Codierfall Artikelnummer, Akteur und mit ihm verbundene Themen Ober- und Unterthemen aus Themenspinne ZWEI GETRENNTE CODIERVORGÄNGE Vorgehen bei der Codierung: Es gibt zwei verschiedene Codiereinheiten innerhalb des Artikels, der die Analyseeinheit verkörpert. Diese Codiereinheiten rufen zwei getrennte Codiervorgänge hervor: Zuerst bildet ein Artikel einen Codierfall. Neben Formalia wie Artikelnummer, Datum des Artikels, Codierer und Name der Zeitung werden bis zu drei Themen des Artikels festgehalten. Hierbei stehen die Oberthemen aus der Themenspinne zur Wahl (grün markiert). Das Hauptthema ist als jenes Thema definiert, das in der Überschrift, Unterzeile oder dem ersten Absatz vorkommt. Die Nebenthemen sind die beiden chronologisch folgenden Themen. Dieses Vorgehen begründet sich in der im Journalismus verbreiteten Schreibweise entlang der Nachrichtenpyramide, bei der die wichtigsten Themen zu Beginn des Artikels stehen. Zudem sollen mit dieser Vorgehensweise Reliabilitätsprobleme vermieden werden, die durch die interpretative Bestimmung der Haupt- und Nebenthemen entstehen können. Im zweiten Durchgang bilden die Akteure die Codiereinheit. Immer wenn ein neuer Akteur genannt wird, wird dieser mit den im Zusammenhang genannten Themen im Codebogen festgehalten. Hier dürfen und sollen auch die Unterthemen aus der Themenspinne einbezogen werden. Ein Kriterium für die Eröffnung eines neuen Codierfalls ist jedoch, dass der Akteur aktiv mit einem Thema in Verbindung gebracht werden muss, er muss also z.B. etwas sagen oder ihm wird eine Meinung zugeordnet. Die Erwähnung des Akteurs als Teilnehmer einer Veranstaltung würde beispielsweise nicht reichen. Einem Akteur können beliebig viele Themen zugeordnet werden. Für eine genauere Ausführungen zur Codierung: s. Codebuch und Beispiele auf den folgenden Folien.

80 INHALTSANALYSE// ARTIKELEBENE
Beispiel zur Codierung auf Artikelebene: Zuerst wird der Artikel gelesen und anschließend das Hauptthema codiert (in Überschrift, Unterzeile oder erstem Absatz). Nachfolgend werden chronologisch bis zu zwei Nebenthemen festgehalten. Artikel 135 Hauptthema: Planung Nebenthemen: Stadtentwicklung, Kosten

81 INHALTSANALYSE// AKTEURSEBENE
Beispiel zur Codierung auf Akteursebene: Die Artikelnummer wird zur Wiedererkennung festgehalten. Anschlißend erfolgt die Codierung der Akteure. Diese müssen aktiv genannt werden (z.B. muss der Akteur etwas tun, sagen oder ihm wird eine Meinung zugeordnet. Eine reine Erwähnung reicht nicht). Kriterien zur Codierung: Die Themen müssen dem Akteur klar zugeordnet sein, jedes Thema wird nur einmal pro Akteur codiert, egal wie oft es genannt wird. Bestenfalls werden nur Unterthemen codiert, um genaue Themen zu erfahren. Oberthemen werden nur bei wörtlicher Nennung oder klarem Synonym (z.B. Finanzen statt Finanzierung) codiert (kein großer Interpretationsspielraum). Bei einem Unterthema wird nicht gleichzeitig das Oberthema codiert. Artikel 135 Akteur: Mannheimer Liste Genannt mit Thema: Feudenheimer Au, Planung, Bürgerentscheid Artikel 135 Akteur: CDU Genannt mit Thema: Feudenheimer Au, Bürgerentscheid Artikel 135 Akteur: FDP Genannt mit Thema: Frischluftschneise

82 ERGEBNISSE // FORSCHUNGSFRAGE I
Inwiefern entspricht die Kommunikation zur BUGA 23 den erfolgsversprechenden Ansätzen von Projektkommunikation? Es folgen die Ergebnisse zur ersten Forschungsfrage. Die Ergebnispräsentation erfolgt dabei anhand der Dimensionen der zehn Grundregeln. Die farbliche Kennzeichnung grün impliziert eine „Erfüllung“ der Dimensionen, die Farbe gelb bezeichnet eine „teilweise Erfüllung“ der Dimension und die Farbe rot steht für eine „Nicht-Erfüllung“ der Dimension.

83 ERGEBNISSE 1. Aufgeschlossene und wertschätzende Grundhaltung
Legitimation von Standpunkten und Handlungen Dialog auf Augenhöhe Die Grundregel „Aufgeschlossene und wertschätzende Grundhaltung“ beinhaltet vier Dimensionen: Dialog auf Augenhöhe Legitimation von Standpunkten Transparente Diskussion und Vorstellung von Alternativen Dem Anderen zuhören Transparente Diskussion und Vorstellung von Alternativen Dem Anderen zuhören

84 ERGEBNISSE 1. Aufgeschlossene und wertschätzende Grundhaltung
Keine ausgeglichenen Gesprächsanteile Keine Auseinandersetzung mit Gegenargumenten, kein Rückbezug Verschiedene Dialogmaßnahmen vorhanden Keine fachlichen bzw. überzeugenden Begründungen Dialog auf Augenhöhe: Befragte bestätigten das Vorhandensein verschiedenster Dialogmöglichkeiten seitens der Stadt, kritisierten jedoch die Verteilung der Gesprächsanteile. Ein deutliches Übergewicht auf Seite der Vorhabenträger sowie keine Reaktion auf Gegenargumente wird von den Beteiligten geschildert. Die Dimension „Dialog auf Augenhöhe“ wird folglich nur teilweise erfüllt. Legitimation von Standpunkten: Die Befragten sicherten zu, dass Aussagen der Vorhabenträger nicht fachlich bzw. auch nicht überzeugend legitimiert wurden. Transparente Diskussion und Vorstellung von Alternativen: In diesem Punkt waren sich die befragten Akteure einig, dass Alternativen niemals kommuniziert geschweige denn diskutiert wurden. Auch Akteur der Stadt sagte, dass das gezielt so gehandhabt wurde, damit die positive Stimmung gegenüber dem BUGA-Projekt gefördert werden konnte. Es wurden lediglich abgewandelte Umsetzungsformen präsentiert. Dem Anderen zuhören: In Zusammenhang mit der starken Förderung des BUGA-Projekts durch positive Stimmungen steht auch der Aspekt des Zuhörens. Aufgrund des Schwerpunktes auf motivierende Kommunikation, traten Gegenargumente völlig in den Hintergrund und wurden nicht aufgenommen. Keine Reaktion auf und Verarbeitung von Gegen-argumenten Festgefahrene Positionen Alternativen wurden nicht diskutiert bzw. von der Stadt nicht kommuniziert Statt Alternativen wurden lediglich abgewandelte Umsetzungsformen präsentiert

85 ERGEBNISSE 2. Klare Rahmenbedingungen
Klare Definition und Kommunikation der Projektstruktur Klare Definition und Kommunikation von Zuständigen Die Grundregel „Klare Rahmenbedingungen“ beinhaltet drei Dimensionen: Klare Definition und Kommunikation der Projektstruktur Klare Definition und Kommunikation von Zuständigen Klare Kommunikation von Vor- und Nachteilen Klare Kommunikation von Vor- und Nachteilen

86 ERGEBNISSE 2. Klare Rahmenbedingungen
Wenig Informationen über Ziel und Zweck Wenn Informationen, dann nicht neutral und unvollständig BUGA als Mittel zum Zweck, um Mannheim „grüner“ und „schöner“ zu machen, ist nicht klar geworden Conrad Hummel als „Gesicht der BUGA“ Klare Definition und Kommunikation der Projektstruktur: Zu Ziel und Zweck des BUGA-Projektes erfolgte wenig bis keine Kommunikation bzw. Information. Negativ zu sehen ist dabei der Fakt, dass Informationsmaterial prinzipiell existierte, aber eben nur Bürgern zugänglich wurde, die sich aus eigener Initiative informieren wollten. Des Weiteren fiel in diesem Zusammenhang auf, dass diese Informationen dann auch nicht neutral bzw. unvollständig waren, da sie eben nur positive Aspekte beleuchteten. Insgesamt wurde der Sinn des Projektes Mannheim „grüner“ zu machen bei den Bürgern nicht eindeutig kommuniziert. Klare Definition und Kommunikation von Zuständigen: Alle Beteiligten haben Dr. Konrad Hummel Als „Gesicht der BUGA“ angegeben. Er leitet die Konversionsstelle der Stadt Mannheim und ist damit auch der Leiter des Projekts. Klare Kommunikation von Vor- und Nachteilen: Im Sinne des Interesses der Stadt das Projekt BUGA zu fördern und möglichst positiv darzustellen, erfolgte auch eine unzulängliche Betrachtung von Vor- und Nachteilen. Beteiligte nahmen einen eindeutigen Schwerpunkt von positiven Inhalten war und kritisierten das Verschweigen von Nachteilen und Risiken. Interessant ist in diesem Zusammenhang der angegebene Grund der Stadt, die den Gemeinderat als demokratisch gewähltes Gremium beschreibt, das im Sinne der Bürger handelt. Ein positives Stimmen des Gemeinderats für die BUGA sei also auch im Interesse der Allgemeinheit. Fokus auf Chancen und positive Aspekte in der Kommunikation Verschweigen von Risiken / Nachteilen Unvollständige Beleuchtung des Projekts

87 Frühzeitige Einbeziehung der Bürger / lokaler Anspruchsgruppen
ERGEBNISSE 3. Frühzeitige Einbeziehung der Bürger Frühzeitige Einbeziehung der Bürger / lokaler Anspruchsgruppen Die Grundregel „Frühzeitige Einbeziehung der Bürger“ beinhaltet eine Dimension: Frühzeitige Einbeziehung der Bürger bzw. lokaler Anspruchsgruppen

88 ERGEBNISSE 3. Frühzeitige Einbeziehung der Bürger
Zeitpunkt der Einbeziehung bzw. der Möglichkeit zum Mitmachen früh Prinzipiell Integration aller Anspruchsgruppe mit „stiefmütterlicher“ Behandlung von Presse und Umweltschützern Vielfältige Austauschmöglichkeiten ABER: Vorwurf der „vorgegaukelten Integration“ Frühzeitige Einbeziehung der Bürger bzw. lokaler Anspruchsgruppen: Befragt signalisieren, dass der Zeitpunkt der Einbeziehung sehr früh war (schon zur Ideenfindung und zur Entscheidung über das Projekt) und auch vielfältige Austauschmöglichkeiten mit Vorhabenträgern gegeben waren. Allerdings bestehe der Vorwurf der vorgegaukelten Integration. Zwar wurden grundsätzlich alle Anspruchsgruppen integriert, aber das Interesse für die Anregungen und Meinungen der Gegner war nicht vorhanden. Diese Dimension wird insgesamt teilweise erfüllt.

89 Gemeinsames Verständnis des Problems und seiner Teilaspekte
ERGEBNISSE 4. Umfassende Faktenklärung Gemeinsames Verständnis des Problems und seiner Teilaspekte Die Grundregel „Umfassende Faktenklärung“ beinhaltet zwei Dimensionen: Gemeinsames Verständnis des Problems und seiner Teilaspekte Gemeinsame Sachdiskussion zwischen Vorhabenträgern und Anspruchsgruppen Gemeinsame Sachdiskussion zwischen Vorhabenträgern und Anspruchsgruppen

90 ERGEBNISSE 4. Umfassende Faktenklärung
Gemeinsames Verständnis des Projekts und seiner Teilaspekte wurde nicht erreicht Möglicher Grund: Unzulängliche Versorgung der Medien mit Informationen, dadurch Informationsasymmetrie bzw. Informationsübergewicht bei politischen Akteuren Gemeinsames Verständnis des Problems und seiner Teilaspekte: Beteiligte beschreiben, dass ein gemeinsames Verständnis des Projektes nicht etabliert wurde. Häufig wurde in diesem Zusammenhang auch die Komplexität des Projektes genannt. Ein weiterer Grund sei außerdem die unzulängliche Befütterung der Medien mit Informationen, die insbesondere durch das schlechte Verhältnis zwischen der Stadt und dem Leitmedium „Mannheimer Morgen“ verursacht wurde. Des Weiteren bestand innerhalb der Bürgerschaft eine Informationsasymmetrie. Gemeinsame Sachdiskussion zwischen Vorhabenträgern und Anspruchsgruppen: Befragte sagen, dass gemeinsame Diskussion in Veranstaltungen zwar stattgefunden hat, diese aber sehr häufig nicht auf der Sachebene stattgefunden hat. Zwar gemeinsame Diskussion in Veranstaltungen, aber häufig nicht auf Sachebene (Eskalation)

91 ERGEBNISSE 5. Einbeziehung von unterschiedlichen Interessen
Integration möglichst aller relevanten / artikulierten Interessensgruppen in den Dialogprozess Die Grundregel „Einbeziehung von unterschiedlichen Interessen“ beinhaltet zwei Dimensionen: Integration möglichst aller relevanten / artikulierten Interessensgruppen in den Dialogprozess Proaktive Integration und Ansprache der Interessensgruppen durch den Vorhabenträger Proaktive Integration/Ansprache der Interessensgruppen durch den Vorhabenträger

92 Vorwurf der vorgegaukelten Integration
ERGEBNISSE 5. Einbeziehung von unterschiedlichen Interessen Integration aller Anspruchsgruppen hat funktioniert, wobei die Umweltschützer eher spät und erst nach Protest richtig aufgenommen wurden Hinsichtlich der Meinungs- und Gruppenvielfalt haben alle Befragten zugestimmt, dass wirklich alle Interessensgruppen, wenn auch teilweise später, schließlich integriert wurden. Aber auch hier besteht der Vorwurf der vorgegaukelten Integration, Vorhabenträger hatten natürlich nicht das gleiche Interesse der Zusammenarbeit mit allen Anspruchsgruppen und haben diese deshalb auch unterschiedlich stark berücksichtigt (proaktiv angesprochen). Vorwurf der vorgegaukelten Integration

93 Professioneller Ablauf des Dialogprozesses
ERGEBNISSE 6. Professionelle Prozessgestaltung für Fairness und Transparenz Professioneller Ablauf des Dialogprozesses Die Grundregel „Professionelle Prozessgestaltung für Fairness und Transparenz“ beinhaltet eine Dimension: 1. Professioneller Ablauf des Dialogprozesses

94 Dokumentation über Pressemitteilungen
ERGEBNISSE 6. Professionelle Prozessgestaltung für Fairness und Transparenz Veranstaltungen wurden mit anerkannten und professionellen (neutralen) Moderatoren ausgerichtet Mitwirkung möglich Dokumentation über Pressemitteilungen Professioneller Ablauf des Dialogprozesses: Diese Regel kann als erfüllt angesehen werden, da die Befragten darin übereinstimmen, dass die Dialogveranstaltungen von professionellen Moderatoren begleitet wurden und die Möglichkeit bestand, sich in die Diskussion einzubringen. Die Dokumentation des Dialogprozesses erfolgte dabei über Pressemitteilungen.

95 ERGEBNISSE 7. Klarheit über den Umgang mit Ergebnissen
Kommunikation des Dialogergebnisses / der Dialogergebnisse Die Grundregel „Klarheit über den Umgang mit den Ergebnissen“ beinhaltet zwei Dimensionen: Kommunikation der Dialogergebnisse Kommunikation der Ergebnisverwendung bzw. Nicht-Verwendung Kommunikation der Ergebnisverwendung bzw. Nicht-Verwendung

96 ERGEBNISSE 7. Klarheit über den Umgang mit Ergebnissen
Pressemitteilungen und Pressekonferenzen gaben Ergebnisse der Planungsgruppen nach außen Mannheimer Morgen als DAS Medium, das Ergebnisse verbreitet Kommunikation der Dialogergebnisse: Eine Kommunikation der Dialogergebnisse fand durchaus statt. So wurden die Ergebnisse der Planungsgruppen per Pressmitteilungen bzw. per Pressekonferenz nach außen getragen, wenn diese getagt hatten. Weiterhin kann der Mannheimer Morgen als Hauptmedium des Transports der Dialogergebnisse angesehen werden, da diese hauptsächlich über den „MM“ an die breite Bevölkerung getragen wurden. Kommunikation der Ergebnisverwendung bzw. Nicht-Verwendung: Zur Ergebnisverwendung bzw. Nicht-Verwendung können zu diesem Zeitpunkt noch keine Angaben gemacht werden, da das konkrete Projekt zu weit in der Zukunft liegt, als dass dies momentan beurteilt werden könnte. Keine Angaben, da sich das Projekt noch in früher Phase befindet

97 Transparenz hinsichtlich der Finanzierung des Dialogverfahrens
ERGEBNISSE 8. Transparenz der Finanzierung Transparenz hinsichtlich der Finanzierung des Dialogverfahrens Die Grundregel „Transparenz der Finanzierung“ beinhaltet eine Dimension: 1. Transparenz hinsichtlich der Finanzierung des Dialogverfahrens

98 Zahlen zur Finanzierung des Dialogprozesses nicht veröffentlicht
ERGEBNISSE 8. Transparenz der Finanzierung Zahlen zur Finanzierung des Dialogprozesses nicht veröffentlicht Transparenz hinsichtlich der Finanzierung des Dialogverfahrens: Diese Grundregel wurde nicht erfüllt, da keine Zahlen zur Finanzierung der Dialogprozesse veröffentlicht wurden. Somit konnten die Anspruchsgruppen keine Aussagen darüber treffen, wie hoch die Kosten für die Austauschprozesse zwischen ihnen und dem Vorhabenträger waren.

99 Verständlichkeit der Sprache
ERGEBNISSE 9. Verständlichkeit der Kommunikation Verständlichkeit der Sprache Die Grundregel „Verständlichkeit der Kommunikation“ beinhaltet zwei Dimensionen: Verständlichkeit Dauerhafte Verständlichkeit

100 ERGEBNISSE 9. Verständlichkeit der Kommunikation
Verständlichkeit ist nicht das Problem Broschüren sogar barrierefrei und in anderen Sprachen erhältlich Verständlichkeit: Diese Grundregel kann als erfüllt angesehen werden, da die Befragten angaben, dass die Sprache bei der Verständlichkeit des Projekts kein Problem darstellte. Eher die komplexen Aspekte des BUGA-Vorhabens wurden als nicht leicht verständlich beurteilt. Dauerhafte Verständlichkeit: Zusätzlich wurden die Informationsmaterialien in barrierefreier Sprache sowie in verschiedenen Fremdsprachen herausgegeben, was für die breite Bevölkerung eine Verständlichkeit ohne Vorwissen ermöglichte.

101 ERGEBNISSE 10. Vielfalt der genutzten Kommunikationsinstrumente
Vielfalt der Kommunikationsinstrumente Abstimmung der Kommunikationsinstrumente Die Grundregel „Vielfalt der genutzten Kommunikationsinstrumente“ beinhaltet drei Dimensionen Vollständige Kommunikation Vielfalt der Kommunikationsinstrumente Abstimmung der Kommunikationsinstrumente Vollständige Kommunikation

102 ERGEBNISSE 10. Vielfalt der genutzten Kommunikationsinstrumente
Vielfalt an Kommunikationsinstrumenten Medien-Mix und Plattformen- Mix gegeben Keine Angaben Vollständige Kommunikation: Von den Befragten wurden keine klaren Diskrepanzen bezüglich der Vollständigkeit genannt. Dennoch wurde von Gegner-Seite der Vorwurf geäußert, dass die Kommunikation teilweise einseitig und beschönigend gewesen sei. Zudem wurde das Verkehrsgutachten zurückgehalten, was schlussendlich gegen die Vollständigkeit der Kommunikation spricht. Somit kam es zu einer Diskrepanz zwischen der offiziellen und der inoffiziellen Kommunikation. Vielfalt der Kommunikationsinstrumente: In der Abfrage der Kommunikationsmaßnahmen wurde deutlich, dass die Stadt Mannheim hier auf sehr viele verschiedene Instrumente gesetzt hat, die auch über verschiedenen Plattformen und Medien geschaltet wurden. So wurde das Internet, Fernsehen sowie Plakate, Info-Veranstaltungen und Broschüren genutzt. Dies kann als eine ausreichende Vielfalt von Medien und Plattformen angesehen werden. Abstimmung der Kommunikationsinstrumente: Zur Abstimmung der Kommunikationsinstrumente wurden keine expliziten Aussagen getroffen, weswegen diese Dimension schwerlich beurteilt werden kann. Es wurden von den Befragten aber zumindest auch keine Diskrepanzen genannt. Vollständige Kommunikation

103 ZWISCHENFAZIT Aufgeschlossene und wertschätzende Grundhaltung
Klare Rahmenbedingungen Frühzeitige Einbeziehung der Bürger Umfassende Faktenklärung Einbeziehung von unterschiedlichen Interessen Professionelle Prozessgestaltung für Fairness und Transparenz Klarheit über Umgang mit den Ergebnissen Transparenz der Finanzierung Verständlich kommunizieren Vielfalt der genutzten Kommunikationsinstrumente Aus der Betrachtung der Erfüllung der Grundregeln für gute Projektkommunikation geht hervor, dass lediglich drei von zehn Regeln komplett erfüllt wurden. Drei Regeln wurden nur teilweise oder gar nicht erfüllt und bei weiteren vier konnten nicht alle Dimensionen der jeweiligen Regel als erfüllt angesehen werden. Es waren zwar viele, lehrbuchhafte Ansätze bei der Kommunikation des BUGA-Projektes zu erkennen, oftmals reichten die guten Ansätze aber nicht aus, um eine umfassend gelungene Kommunikation zu erreichen. Somit kann fehlerhafte Projekt-Kommunikation bereits als ein Faktor angesehen werden, der zur Konfliktentstehung beigetragen hat.

104 ABLEITUNGEN Der Leitfaden hat nicht nur zu Ergebnissen hinsichtlich der BUGA-Kommunikation geführt, sondern außerdem Aufschluss darüber gegeben, was weitere wichtige Aspekte in der Kommunikation bei Infrastrukturprojekten sein können.

105 ERWEITERUNG DER GRUNDREGELN
1. Personelle Komponente bei Projektplanung berücksichtigen Problem: Bei BUGA-Projekt lag eine Ursache der Konfliktentstehung auch in persönlichen Animositäten sowie undiplomatischem Verhalten der Projektbeteiligten  Konversions-Beauftragter als Schlüsselfigur, die alle Anspruchsgruppen optimalerweise als eine neutrale, geeignete Person ansehen sollten Regelvorschlag: Besetzung wichtiger Projekt-Ämter mit neutralen Personen (Sympathieträger) Ein Aspekt, der durch die Leitfadengespräche in den Fokus gerückt wurde, ist, dass Projektkommunikation eine personelle Komponente besitzt, die in den Regeln für gute Projektkommunikation berücksichtigt werden sollte. So konnten einige Probleme des BUGA-Projektes auf ungeschicktes, kommunikatives Verhalten Einzelner zurückgeführt werden, die in der Folge zu Animositäten zwischen den Beteiligten und somit zu verhärteten Fronten geführt haben. Demnach ist es entscheidend, die wichtigsten Rollen eines Projektes mit Personen zu besetzen, die der Aufgabe kommunikativ gewachsen sind und als Sympathieträger angesehen werden. Bestenfalls sind diese Personen unbelastet und werden von allen Anspruchsgruppen als neutral angesehen. Somit kann ein „Gesicht“ des Projektes von Anfang an von allen Anspruchsgruppen respektiert werden und in der Folge vermittelnd wirken.

106 ERWEITERUNG DER GRUNDREGELN
2. Medienarbeit stärker berücksichtigen Problem: Medien sind im BUGA-Konflikt nicht nur Beobachter, sondern werden zum Akteur Anspruchsgruppen unterstellen Mannheimer Morgen Intentionen bei der Berichterstattung, es kommt zu Konflikten zwischen Stadt und Medien Vorschlag für Regel: Frühzeitige, professionelle Medienarbeit vonseiten des Projektträgers, die Journalisten einbindet und Vertrauen aufbaut Ein weiteres Problem der BUGA23 stellte die Rolle der Medien, genauer gesagt die des Leitmediums Mannheimer Morgen, dar. So verließ der Mannheimer Morgen nach Ansicht der Anspruchsgruppen recht schnell die Rolle des Beobachters und wurden zu einem Konflikt-Akteur, der Einfluss auf das Geschehen nahm. Natürlich kann die Rolle der Medien nicht gesteuert werden. Ein Vorschlag bezüglich der Erweiterung der Regeln für gute Projektkommunikation wäre jedoch, dass vonseiten des Projektträgers frühzeitig eine professionelle Medienarbeit initiiert wird, die Journalisten einbindet und somit Vertrauen aufbaut. Dies wurde nur teilweise von den Projektträgern des BUGA-Projektes berücksichtigt. In der Folge kam es zu Konflikten zwischen Medien, Stadt und Sprechern des Projektes.

107 ABLEITUNGEN Bei wissenschaftlicher Verwendung/Überprüfung der Grundregeln guter Kommunikation sowie deren Einsatz in der Projektkommunikation sollte eine Gewichtung der Regeln vorgenommen werden! Bei der Erstellung des Leitfadens wurden die Regeln guter Projektkommunikation anfänglich als gleichrangig erachtet. So wurden zu Beginn zu allen Grundregeln Fragen oder Fragekomplexe entwickelt – es stellte sich jedoch heraus, dass manche Regeln wesentlich wichtiger sind als andere. Demnach wurden während der Leitfadeninterviews bei unterschiedlichen Fragen wesentlich häufiger Komponenten in den Antworten identifiziert, die nur zu gewissen Grundregeln gehörten. Somit wurden zu manchen Grundregeln wesentlich mehr Aussagen getroffen als zu anderen. Weiterhin trafen die Befragten auch Aussagen, dass gewisse Aspekte von größerem Gewicht für die Entstehung des Konfliktes gewesen seien als andere. Dies lässt darauf schließen, dass manche Regeln für eine gute Projektkommunikation essentieller sind als andere, weswegen eine Gewichtung der Regeln nach Kategorie A und Kategorie B vorgenommen werden könnte. Kategorie A: Grundregeln, die auf jeden Fall befolgt werden müssen, wenn Konflikte bei Infrastrukturprojekten verhindert werden sollen. Kategorie B: Grundregeln, die eher als optional anzusehen sind und in unserem Konflikt eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Dabei sollten die Grundregeln der Kategorie B definitiv nicht ignoriert oder vernachlässigt werden. Die Ressourcen der kommunikativen Bemühungen der Projektträger sollten aber zuerst auf die Kategorie A-Grundregeln verwendet werden, bevor Zeit und Geld für die Befolgung der Grundregeln der Kategorie B aufgebracht wird.

108 GEWICHTUNG DER GRUNDREGELN
Kategorie A Kategorie B Aufgeschlossene und wertschätzende Grundhaltung Klare Rahmenbedingungen Frühzeitige Einbeziehung der Bürger Einbeziehung von unterschiedlichen Interessen Klarheit über Umgang mit den Ergebnissen Umfassende Faktenklärung Professionelle Prozessgestaltung für Fairness und Transparenz Transparenz der Finanzierung Verständlich kommunizieren Vielfalt der genutzten Kommunikationsinstrumente Ein Vorschlag solch einer Gewichtung in Kategorie A und B könnte folgendermaßen aussehen.

109 ERGEBNISSE // FORSCHUNGSFRAGE II
Welche Konfliktthemen und Beweggründe spielen bei den Anspruchsgruppen um die BUGA 23 eine Rolle? Im Folgenden werden die Ergebnisse von Forschungsfrage zwei vorgestellt.

110 1. 2. 3. FORSCHUNGSFRAGEN LEITFADENINTERVIEW INHALTSANALYSE
Inwiefern entspricht die Kommunikation zur BUGA 23 den erfolgsversprechenden Ansätzen von Projektkommunikation? LEITFADENINTERVIEW 2. Welche Konfliktthemen und Beweggründe spielen bei den Anspruchsgruppen um die BUGA 23 eine Rolle? INHALTSANALYSE Methodenkombination als Auswertungsbasis: Ein Teil des Fragebogens der Leitfadeninterviews widmet sich diesem Aspekt, zudem bieten die Eigenpublikationen Ansatzpunkte. Ziel von Forschungsfrage 2 war die Analyse offenkundiger Themen (Konfliktthemen) und individueller, auf den ersten Blick nicht ersichtlicher Motive (Beweggründe), die in den Konflikt hineingespielt haben und/oder ihn immer noch antreiben. 3. Inwiefern finden sich die Konfliktthemen und Anspruchsgruppen in der regionalen und überregionalen Berichterstattung zur BUGA 23 wieder?

111 Forschungsfrage II Leitfadeninterviews
Gegner (BUND, BUGA Nein) Befürworter (Stadt, BUGA Ja) Neutrale Standpunkte (Mannheimer Morgen, IHK) Inhaltsanalyse der Eigenpublikationen Zusammenführung und Abgleich Detaillierte Übersicht über die Vorgehensweise: Leitfadeninterviews: Für die Beantwortung der Forschungsfrage wurden alle geführten Interviews herangezogen. Die Befragten lassen sich in drei gleich große Gruppen (Gegner, Befürworter, neutrale Beobachter) einteilen. Inhaltsanalyse: Die Eigenpublikationen lassen weitere Rückschlüsse für Protestursachen zu. Sie erweitern die in den Gesprächen genannten Standpunkte der Befragten um deren öffentlich kommunizierte Beiträge.

112 KONFLIKTTHEMEN // PROTESTGRÜNDE
NIMBY-Effekt Projektbezogene Gründe „Verborgene Gründe“ Vertrauensverlust in Wirtschaft und Politik Theoretische Basis: Die fünf Protestgründe nach Brettschneider bildeten den Ausgangspunkt für die Auswertung. Da Forschungsfrage 1 bereits den Kommunikationsablauf in Bezug auf Regeln der Idealkommunikation untersucht, werden im Rahmen von Forschungsfrage zwei nur noch die vier Protestgründe (NIMBY-Effekt, Projektbezogene Gründe, Verborgene Gründe, Vertrauensverlust in Wirtschaft und Politik) beleuchtet.

113 PROTESTGRÜNDE // NIMBY EFFEKT
Betroffenheit direkter Anwohner Ausbau von Verkehrswegen Wegfall von Kleingärten Parks und Freizeitflächen Steigerung des Immobilienwertes NIMBY-Effekt: Stellt das Betroffen sein/die Einschränkung des eigenen Lebensraums durch die BUGA einen Protestgrund dar? Die Auswertungsbasis stellen alle Interviews dar. Die Ergebnisse basieren auf Schilderungen direkt betroffener, sowie Spekulationen nicht direkt tangierter Befragter. Ergebnis: Die Durchführung der Bundesgartenschau betrifft vorwiegend die direkten Anwohner des geplanten BUGA-Geländes wie folgt: Ausbau von Verkehrswegen (positiver Faktor: bessere Anbindungen, negativer Aspekt: durch die Verlegung der Straße am Aubuckel kommt es während der Umbauten zu Einschränkungen in der Nutzung der Infrastruktur und zu Wegfall von Kleingärten durch Straßenverbreiterung) Parks sind zeitweise nicht nutzbar Steigerung der Immobilien durch Attraktivitätsgewinn im Zuge der BUGA-Ausrichtung (positiv: Wertsteigerung für Hauseigentümer, negativ: höhere Mietpreise) Keine konkrete Zuordnung des NIMBY-Effekts zu Konfliktthema beziehungsweise Beweggrund: In diese Kategorie fällt beispielsweise sowohl die allgemeine Thematik Ökologie, als auch das individuelle Motiv der Existenzangst durch steigende Mietpreise.

114 PROTESTGRÜNDE // PROJEKTBEZOGEN
Ergebnisse aus den Leitfadeninterviews BUGA Nein BUND IHK M. Morgen Stadt BUGA Ja Finanzierung Ökologie Infrastruktur Planung & Verfahren Projektbezogene Gründe: Themen, die direkt auf Art, Umsetzung oder Ablauf des Projektes zurückgeführt werden können. Hier erfolgte eine Zuordnung zu Konfliktthemen, da es um allgemeine, offenkundige Aspekte geht. Ergebnisse aus den Interviews: Die Befragten wurden im Rahmen der Befragung mittels der Kartenmethode gebeten die ihrer Meinung nach drei wichtigsten Themen, an denen sich der Konflikt aufgehängt hat herauszusuchen und nach Relevanz geordnet in eine Reihenfolge zu bringen. Die Oberthemen der Themenspinne bildeten hierfür die Auswahlbasis. Einstimmigkeit über Konfliktthemen: Alle Befragten stellten Ökologie, Kosten & Finanzierung sowie Infrastruktur als wichtigste Themen heraus - wobei die Relevanzzuschreibung variierte. Dieser Unterschied kann jedoch nicht auf die Gruppenzugehörigkeit (Gegner, Befürworter, neutraler Beobachter) zurückgeführt werden. Die Auswertung zeigt diesbezüglich keine eindeutigen Tendenzen. Planung & Verfahren wird nur von BUND genannt Ergebnisse der Inhaltsanalyse der Eigenpublikationen: Decken sich die mittels der Interviews herausgearbeiteten konflikttreibenden Themen mit den kommunizierten Inhalten der Gegner? Ergebnis: In den Interviews wurde nach einer Einschätzung aller Befragten hinsichtlich der wichtigsten Themen gefragt um die sich der Konflikt dreht. Es können somit nur die Eigenpublikationen der Anspruchsgruppen als Vergleichs- und Ergänzungsbasis herangezogen werden, die im Kontext der BUGA einen „negativen“ Standpunkt vertreten.

115 PROTESTGRÜNDE // PROJEKTBEZOGEN
Ergebnisse aus den Leitfadeninterviews BUGA Nein BUND IHK M. Morgen Stadt BUGA Ja Finanzierung Ökologie Infrastruktur Planung & Verfahren Vergleichbare Eigenpublikationen Vergleich Eigenpublikationen und Interviews: Auf den Konfliktthemen Kosten & Finanzierung und Ökologie liegt auch in den Eigenpublikationen der Schwerpunkt. Infrastruktur wird von den BUGA-Gegner nicht vorrangig öffentlich kommuniziert. Eine mögliche Erklärung: Das Thema eignet sich nicht für umfangreiche schriftliche Ausführungen. Planung & Verfahren taucht im Rahmen der Eigenpublikationen bei BUGA Nein auf. Da die Thematik bereits im Zuge der Interviews vom BUND genannt wurde, handelt es sich scheinbar um eine nicht unbedeutende Thematik. BUGA Nein BUND Finanzierung Ökologie Planung & Verfahren Stadtentw.

116 PROTESTGRÜNDE // PROJEKTBEZOGEN
Ökologie Hauptaspekte: Feudenheimer Au, See Einzelnennungen: z.B landwirtschaftliche Nutzfläche Auslöser für Anfangsprotest Kosten & Finanzierung Hohe Kosten Verschuldung Detaillierte Erläuterung der Projektbezogenen Gründe: Was waren in den jeweiligen Kontexten die Hauptdiskussionspunkte? Darstellung der Ergebnisse: Es handelt sich hierbei um eine Gesamtbetrachtung aller Anspruchsgruppen. Es werden jeweils die Hauptaussagen über alle Gruppen hinweg zusammengefasst. Eine Unterteilung nach Gegnern und Befürwortern findet nur bei auffälligen Differenzen statt. Hauptaspekte im Kontext des Konfliktthemas „Ökologie“: Debatte um Naturschutzgebiet Feudenheimer Au und Grundwasser See (großer Aushub notwendig) Einzelnennungen: Frischluftschneise, Zerstörung von Pflanzenwelt und landwirtschaftlicher Nutzfläche Konfliktaufhänger: Dieses Thema ist Auslöser für die ersten Proteste Hauptaspekte im Kontext des Konfliktthemas „Kosten & Finanzierung“: Die Befragten sind sich einig, dass durch die Ausrichtung der BUGA hohe Kosten entstehen und die Verschuldung Mannheims negativ beeinflussen wird. Sie stellen diesen Aspekt jedoch in unterschiedlichen Zusammenhängen dar: Gegner: Die BUGA stürzt Mannheim noch mehr in die Verschuldung, es sei „ökonomischer Wahnsinn“ (Brückner) Befürworter: Die Bundesgartenschau in Mannheim ist mit hohen Kosten verbunden, die sich im Vergleich zu anderen BUGAs jedoch im Rahmen halten.

117 PROTESTGRÜNDE // PROJEKTBEZOGEN
Infrastruktur Gewinnt im Konfliktverlauf an Bedeutung Hauptaspekt: Straßenverlegung am Aubuckel Planung & Verfahren bzw. Kommunikation Keine Einordnung als Hauptkonfliktthema Differenzierte Betrachtungsweise der Befragten Hauptaspekte im Kontext des Konfliktthemas „Infrastruktur “: Die Straßenverlegung am Aubuckel sorgt für den Wegfall von Kleingärten. Hier besteht ein Bezug zur Thematik „Ökologie“. Das Thema gewinnt jedoch erst im Konfliktverlauf an Bedeutung. Hauptaspekte im Kontext „Planung & Verfahren“ und „Kommunikation“: Die Konfliktthemen werden an dieser Stelle zusammengefasst, da aus den Antworten der Befragten keine klare Abgrenzung möglich ist. Es handelt sich hierbei nicht um ein Hauptthema (vgl. Folie 84), wurde in den Gesprächen jedoch umfangreich thematisiert. Auffällig ist dabei die unterschiedlichen Sichtweisen der Pro und Contragruppen.

118 PROTESTGRÜNDE // PROJEKTBEZOGEN
Planung & Verfahren / Kommunikation Gegner Vorwurf einer „unechten“ Bürgerbeteiligung Verletzung des Neutralitätsgebots der Stadt Aggressives Verhaltens der BUGA-Befürworter BUGA-Ja als Instrument der Stadt Befürworter Dialog mit BUGA-Nein wurde gesucht Zusammentreffen verschiedener ungünstiger Aspekte (Taktieren von OB, Struktur des Projekts) Konfliktthema „Planung & Verfahren“ und „Kommunikation“: Die Befragten unterscheiden sich in ihren Ansichten Vorwurf der Gegner: Es hat keine echte Bürgerbeteiligung stattgefunden, die Stadt hat einseitig berichtet und die BUGA-Befürworter legten ein aggressives Verhalten an den Tag (Besprühen und Abreißen von Bannern der BUGA-Gegner). Zudem wurde BUGA-Ja als Instrument der Stadt gegründet und stellt keine echte Bürgerinitiative dar. Ansicht Befürworter: Der Dialog mit BUGA-Gegnern ist aktiv gesucht worden, stieß jedoch auf Ablehnung. Zudem birgt der Konflikt strukturelle Ursachen in sich: Das Projekt wurde als Infrastrukturprojekt statt beispielsweise Umweltprojekt an die Bürger gebracht. Außerdem hat sich der Oberbürgermeister in manchen Situationen taktisch nicht klug verhalten. Daraus folgt ein Zusammentreffen vieler ungünstiger Rahmenbedingungen, die den Konflikt antreiben.

119 PROTESTGRÜNDE // PROJEKTBEZOGEN
Stadtentwicklung & Tourismus Nur von Befürworter & IHK aufgegriffen positive Auswirkungen hinsichtlich Tourismus, Standortqualität und Kaufkraft Mannheims Konfliktthemen „Stadtentwicklung“ und „Tourismus“: In den Interviews wurde die Thematik nur von Befürwortern und neutralen Beobachtern aufgegriffen, in den Eigenpublikationen stellten sie zudem bei den Gegnern ein kommuniziertes Thema dar. Eine mögliche Erklärung hierfür lautet: Die Befragten wollten in den Gesprächen ihre Standpunkte klarmachen. Die Gegner fokussieren daher eher auf Nachteile der Bundesgartenschau und heben keine Vorteil hervor.

120 EXKURS Der Exkurs stellt einen Abgleich der mittels Interviews und Eigenpublikationen erarbeiteten Hauptkonfliktthemen mit der Darstellung der Medien dar. Eine ausführliche Abhandlung folgt im Rahmen der Forschungsfrage 3.

121 ABGLEICH MIT DEN MEDIEN
Das Diagramm zeigt die Häufigkeit der in den Medien (Keine Eigenpublikationen!) aufgegriffenen Themen - unterteilt in Hauptthema und Nebenthema. “Ökologie” (26% der aufgegriffenen Themen) und “Kosten & Finanzierung” (10% der aufgegriffenen Themen) sind auch in den Medien von Bedeutung, werden jedoch überwiegend als Nebenthema aufgegriffen “Planung & Verfahren (28% der aufgegriffenen Themen) dominiert die Medienberichterstattung n = 439 (183 Artikel)

122 ABGLEICH MIT DEN MEDIEN
Der Hauptfokus der Medien liegt auf den Themen Planung & Verfahren und Kommunikation. Ökologie, Kosten & Finanzierung sowie Infrastruktur treten als Nebenthemen auf. Hauptfokus der Medien liegt auf Planung/Verfahren & Kommunikation Ökologie, Finanzierung & Verkehr Nebenthemen n = 439 (183 Artikel)

123 PROTESTGRÜNDE // VERTRAUENSVERLUST
Gegner Festgefahrene Machstrukturen Fehlende Opposition Kritik an Investoren Befürworter / IHK Vertrauenszuspruch an OB >> Lange politische Tätigkeit Zusammenarbeit von Politik und Bürger notwendig Protestgrund „Vertrauensverlust“: Zuordnung zu „Beweggründen“, da es um keine offenkundigen Themen geht, die im Rahmen des Projekts von Bedeutung sind. Vertrauensverlust als affektive Komponente lässt sich eher individuellen, latente Protestmotiven zuordnen. Protestgrund „Vertrauensverlust“: Unterschiedliche Ansichten abhängig von der Gruppenzugehörigkeit Gegner: Allgemeine Unzufriedenheit mit Kommunalpolitik- und dessen Struktur, Vorwurf festgefahrener Strukturen und gieriger Investoren, die sich aus BUGA-Umsetzung langfristige Vorteile für sich selbst erhoffen Befürworter: Thematisieren, dass Oberbürgermeister unter den Mannheimern unbeliebter wird. Sprechen ihm aufgrund seiner langjährigen politischen Tätigkeit jedoch selbst Vertrauen zu. Sehen enge Zusammenarbeit zwischen Politik und Bürgern für die Zukunft als unumgänglich an.

124 PROTESTGRÜNDE // VERBORGENE GRÜNDE
Werte und Einstellungen Verlust des Gefühl eines „Dörfchens“ Verlust traditioneller Feldfluren Angst vor Veränderung Zwischenmenschliche Motive Persönliche Probleme der Involvierten untereinander Abneigung gegen Politiker Die Protestgründe „Verborgene Gründe“ werden der Kategorie „Beweggründe“ zugeordnet. Es handelt sich hierbei nicht um offenkundigen Themen, die im Rahmen des Projekts von Bedeutung sind, sondern eher um individuelle, latente Protestmotive. Die Ergebnisse basieren daher auf einer Interpretation der gegebenen Antworten durch das Projektteam sowie auf Spekulationen der BUGA-Befürworter und neutralen Beobachter. Die Ergebnisse werden in die Untergruppen „Werte und Einstellungen“, sowie „zwischenmenschliche Motive“ kategorisiert: Werte und Einstellungen: Als Beispiel hierfür kann die Angst der Anwohner angeführt werden, im Zuge der Umbauten traditionelle Feldfluren und damit das „Dörfchen“ in der Stadt zu verlieren. Allgemein stößt Veränderung häufig auf Angst und Unsicherheit. Zwischenmenschliche Motive: Beispiele hierfür sind persönliche Probleme der Involvierten untereinander oder eine allgemeine Abneigung gegenüber Politikern. Diese Faktoren können als konfliktfördernd angesehen werden.

125 PROTESTGRÜNDE // WEITERE GRÜNDE
Strukturell Konstruktion des Projektes auf personeller Ebene Mannheimer Morgen als stark beeinflussender Faktor Projekt als Infrastrukturprojekt ausgewiesen Initiative BUGA Ja als Instrument der Stadt Affektiv Einspielen von Emotionen: Aggression, Verachtung Schnüren von Angst Weitere Gründe, die sich keinem der vier Protestgründe der Literatur zuordnen lassen und in den Konflikt hineinspielen: Strukturelle Ursachen: Die Konstruktion des Projektes auf personeller Ebene (Hummel als das Gesicht der BUGA), Mannheimer Morgen als stark beeinflussender Faktor, Anlegung des Projekts als Infrastrukturprojekt statt Umweltprojekt und die Initiative BUGA Ja als Instrument der Stadt schnüren in der Bevölkerung das Gefühl von der Stadt betrogen zu werden. Die angelegte Projektstruktur programmiert somit einen Konflikt vor. Affektive Komponenten: Aggression, Verachtung und Existenzängste (z.B. durch steigende Immobilienpreise) schaukeln den Konflikt auf.

126 ZWISCHENFAZIT Hauptkonfliktthemen: Projektbezogene Gründe
Hauptprotestgründe Ökologie Kosten& Finanzierung Infrastruktur Verlagerung der Konfliktthemen im Konfliktverlauf Ökologie als konfliktauslösende Thematik Bedeutungsgewinn von Verkehr und Finanzierung Weitgehend thematische Deckung der Eigenpublikationen und Aussagen der Gegner Die projektbezogen Gründe bildeten das Hauptkonfliktpotential: Die Konfliktthemen Ökologie, Kosten & Finanzierung und Infrastruktur konnten diesbezüglich als Hauptthemen herausgearbeitet werden. Themenverlagerung im Konfliktverlauf: Ökologie kann als konfliktauslösende Thematik analysiert werden, Infrastruktur sowie Kosten & Finanzierung gewinnen im Konfliktverlauf an Bedeutung. Thematische Deckung der Eigenpublikationen und Aussagen der Gegner: Die Protestgegner kommunizieren ihre Standpunkte auch an die Öffentlichkeit.

127 ZWISCHENFAZIT Konflikt resultiert vorrangig aus projektbezogenen Thematiken NIMBY-Effekt zweitrangig Strukturelle, persönliche und affektive Ursachen als konfliktverstärkende Kräfte BUGA als „Infrastrukturprojekt“ Mannheimer Morgen als parteiergreifendes Medium Misstrauen gegenüber dem OB Zwischenmenschliche und persönliche Aspekte Zukunftsängste und Traditionsdenken Die Projektbezogenen Gründe bildeten das Hauptkonfliktpotential, der NIMBY-Effekt kann als zweitrangig angesehen werden. Strukturelle, persönliche und affektive Ursachen agieren als konfliktverstärkende Kräfte. Daraus ergibt sich: Der Konflikt um die Bundesgartenschau resultiert vorrangig aus offenkundigen Themen, die an Projektart, - anlegung, - ablauf und – konsequenzen gekoppelt sind. Individuelle, latente Motive wirken verstärkend, aber nicht konfliktauslösend.

128 ERGEBNISSE // FORSCHUNGSFRAGE III
Inwiefern finden sich die Konfliktthemen und Anspruchsgruppen in der regionalen und überregionalen Berichterstattung zur BUGA 23 wieder? Es wurden sechs Interviews geführt, wobei der Leitfaden jeweils auf die befragten Personen angepasst wurde.

129 HINTERGRUND – ÖFFENTLICHE DELIBERATION
“debate and discussion aimed at producing reasonable, well-informed opinions in which participants are willing to revise preferences in light of discussion, new information, and claims made by fellow participants” (Chambers 2003) Daum, A, Fraefel, M., Häussler, T.: Stimmengewirr oder Dialog?. Politische Kommunikation als massenmediale Deliberation. Bern. (2007) Hallin, D. C., & Mancini, P. (2004). Comparing media systems: Three models of media and politics. Cambridge: Cambridge University Press. (2004) Chambers, S.: Deliberative Democratic Theory, Annual Review of Political Science Vol. 6: (2003). Indikatoren zur Messung der Diskursqualität Inklusivität der Akteure Inklusivität der Argumente Ausgewogenheit der Berichterstattung Operationalisierung Alle Akteure kommen zu Wort Alle Themen kommen vor Ausgewogenheit der Akteure und Themen Diese Forschungsfrage nimmt Bezug auf das Konzept massenmedial vermittelter, öffentlicher Deliberation als Grundlage der politischen Meinungs- und Willensbildung. Wir orientieren uns dabei an der Definition von Simone Chambers, die öffentliche Deliberation im weitesten Sinn als öffentlich zugänglichen Diskurs versteht, in dem Informationen und Aussagen diskutiert werden, was zu einer fundierten Willensbildung führt. Zentrale Annahme: Ein öffentlicher Diskurs dieser Art ist geeignet zu einer Rationalisierung des Konflikts beizutragen, indem der Konflikt sachlich und konstruktiv ausgetragen wird. Die Medien sind daher grundsätzlich in der Lage der Eskalation eines Konfliktes entgegenzuwirken bzw. diesen zu beruhigen. Somit wollen wir der Frage nachgehen: Inwiefern unterstützt die Medienberichterstattung über die BUGA 23 den öffentlichen Diskurs? Indikatoren zur Messung der Qualität dieses Diskurses in den Massenmedien sind dabei unter anderem (wir beschränken uns auf Indikatoren, die für das Zustandekommen eines solchen Diskurses nötig sind): Inklusivität der Akteure: Also gleiche Zugangschancen für alle Gruppen (verfasst/nicht verfasst) am Diskurs Inklusivität der Argumente: D.h. alle Themen und Argumente sind im Diskurs zugelassen, es gibt keine Tabu-Themen Ausgewogene Berichterstattung: Die Medien sind Vermittler im Diskurs und haben eine neutrale Grundhaltung (Indikatoren vgl. Daum/Fraefel/Häussler, 2007; Hallin/Mancini, 2004) Diese Indikatoren wollen wir folgendermaßen operationalisieren: Inklusivität der Akteure: Alle Akteure bzw. Bezugsgruppen kommen in der Fremdberichterstattung zu Wort (Analyse auf Akteursebene) Inklusivität der Argumente: Alle wichtigen Themen werden von der Medienberichterstattung abgebildet, es fallen keine wichtigen (bezogen auf die Einschätzung durch die Bezugsgruppen) Themen unter den Tisch (Erfassung aller Themen). Die Themengewichtung der Bezugsgruppen spiegelt sich in der Medienberichterstattung wider. Ausgewogene Berichterstattung: In der Medienberichterstattung tauchen die Gegner und Befürworter des Projekts ungefähr gleich oft auf.

130 EINSCHÄTZUNG DER MEDIENBERICHTERSTATTUNG
«Wir haben schon am Anfang wahrgenommen, dass es relativ schwierig ist, neutrale und sachliche Berichterstattung zu gewährleisten in diesem Organ» Tobias Dünkel – Geschäftsstelle Konversion Die Interviews haben gezeigt, dass die Berichterstattung über den Konflikt von bestimmten Bezugsgruppen negativ wahrgenommen wurde: Vorwurf der einseitigen Berichterstattung durch den Mannheimer Morgen (v.a. Redakteur Thorsten Langscheid) zugunsten der Projekt-Gegner Kritik vor allem geäußert durch Stadt (Tobias Dünkel) und BUGA ja! Daher lag das besondere Augenmerk auf der Ausgewogenheit der Berichterstattung zwischen Gegnern und Befürwortern des Projekts.

131 VORGEHEN BEI DER ANALYSE
1. Analyse auf Ebene der Akteure 2. Analyse auf Ebene der Themen ... ... Bei der Analyse der Daten der Inhaltsanalyse wird folgendermaßen vorgegangen: Analyse auf Akteur-Ebene: Welche Akteure kommen in der Medienberichterstattung zu Wort? Wie ausgewogen ist das Verhältnis von Befürwortern und Gegnern in der Medienberichterstattung? Haben alle Akteure die gleichen Zugangschancen? Analyse auf Themen-Ebene: Was sind die wichtigsten Themen der Medienberichterstattung? Werden alle Aspekte des Konflikts beleuchtet? Entspricht die Gewichtung der Themen der Wahrnehmung der in den Konflikt involvierten Akteure? Wie verändert sich die Gewichtung der Themen im Zeitverlauf? Analyse der Akteur-Anteile pro Thema: Mit welchen Themen kommen die verschiedenen Akteure in der Medienberichterstattung vor? Sind die Anteile der Befürworter und Gegner an einem Thema ausgewogen? Zur Beantwortung dieser Fragen wird in erster Linie die Berichterstattung des Mannheimer Morgens als zentrales Medien-Organ für diese Region betrachtet. Später erfolgt ein kurzer Vergleich zur überregionalen Berichterstattung über den Konflikt. 3. Analyse der Akteur-Themen-Verteilung ...

132 INKLUSIVITÄT & AUSGE-WOGENHEIT DER AKTEURE
Alle Akteure finden Eingang in die Medienberichterstattung Keine unverhältnismäßige Über- bzw. Unterrepräsentation Ausgewogenheit der Akteur-Gruppen pro und contra BUGA Diskurs-Beteiligung der nicht-verfassten Gruppen Kriterien für die Bewertung der Inklusivität und Ausgewogenheit der Akteure im Datenmaterial: Alle als relevant identifizierte Akteure kommen in der Berichterstattung des Mannheimer Morgen zu Wort. Kein Akteur kommt unverhältnismäßig häufig bzw. selten in der Medienberichterstattung des Mannheimer Morgens vor. Die Verhältnismäßigkeit ergibt sich aus der Einschätzung der Bedeutung der einzelnen Akteure im Konflikt. Es besteht somit kein Anspruch auf gleiche Sprechanteile bei allen Akteuren. Besonders von Interesse: Ausgewogene Repräsentation direkt oppositioneller Gruppen, z.B. BI BUGA ja/BI BUGA nein Die Gegner und Befürworter des Projekts kommen in etwa gleich häufig in der Berichterstattung zu Wort. Auch nicht-verfasste bzw. institutionalisierte Gruppen, wie z.B. Bürgerinitiativen oder Anwohner haben angemessenen Zugang bzw. Repräsentation in der Medienberichterstattung des Mannheimer Morgens.

133 AUFTRETEN EINZELNER AKTEURE IM MANNHEIMER MORGEN
[DIESE FOLIE BITTE IM PRÄSENTATIONSMODUS BETRACHTEN] Das Diagrammzeigt wie häufig die einzelnen Akteure in der Medienberichterstattung des Mannheimer Morgens zu Wort kamen: Die Basis bilden 160 Artikel des Mannheimer Morgens (Erhebungszeitraum Januar bis November 2013), in denen insgesamt 356 Mal einer der insgesamt 19 codierten Akteure zu Wort kam. Auftreten ist nicht gleichbedeutend mit der reinen Nennung: Die Akteure müssen mit ihrer jeweiligen Position in der Berichterstattung dargestellt werden. Im Durchschnitt kam ein Akteur 19,6 Mal über den gesamten Erhebungszeitraum in der Berichterstattung des Mannheimer Morgens vor. Die Präsens der verschiedenen Akteure in der Medienberichterstattung des Mannheimer Morgen unterscheidet sich dabei teilweise sehr deutlich voneinander. Dies ist allerdings nicht überraschend, da ein sehr breites Spektrum von Akteuren erhoben wurde. Am häufigsten kam die Stadt(-verwaltung) zu Wort: Dies ist ebenfalls nicht überraschend, da alle offiziellen Informationen i.d.R. von der Geschäftsstelle für Konversion kommuniziert wurden und sie damit eine der Hauptquellen der Medienberichterstattung darstellten. Überraschend oft kommen in der Berichterstattung die freien Wähler zu Wort, die, obwohl sie mit nur vier Sitzen eine relativ kleine Fraktion im Gemeinderat darstellt, am häufigsten von allen Parteien und sogar noch öfter als der Oberbürgermeister in der Berichterstattung auftaucht. Die übrigen Parteien kommen, mit Ausnahme der Linken, die aber nur über einen Sitz im Gemeinderat verfügen, relativ gleichmäßig in den Medien zu Wort. Interessant ist daneben auch die Betrachtung der direkt oppositionellen Gruppen, wie z.B. die allgemeinen Befürworter und Gegner der BUGA sowie die beiden Bürgerinitiativen. Hier zeigt sich deutlich, dass die Gegner mit 31 zu 6 Fällen deutlich Häufiger als Sprecher in den Medien auftreten. Ähnlich verhält es sich auch bei den Bürgerinitiativen. Alle Beispiele zeigen also, dass im direkten Vergleich einzelne Gegner-Gruppen deutlich häufiger zu Wort kommen als Befürworter der BUGA. n=356 (160 Artikel)

134 ÜBERSICHT DER AKTEURE UND THEMENNENNUNGEN
Zahl der Nennungen Themen pro Nennung (Ø) Stadt 44 3,0 Freie Wähler 40 2,4 OB Kurz 37 2,1 CDU 31 2,9 Gegner allgemein FDP 29 1,9 Die GRÜNEN 28 SPD 27 2,2 BUGA nein 22 3,1 BUND BUGA ja 14 Gemeinderat 12 1,6 Befürworter allgemein 6 2,3 IHK 5 Planungsgruppen 3 1,3 DIE LINKE 2 2,5 NABU Stadtmarketing 1 4,0 Diese Tabelle zeigt eine Übersicht der verschiedenen Akteure, der Zahl ihrer Nennungen in der Berichterstattung des Mannheimer Morgens und der durchschnittlichen Anzahl der Themen pro Nennung Die Basis bilden 160 Artikel des Mannheimer Morgens (Erhebungszeitraum Januar bis November 2013), in denen insgesamt 356 Mal einer der insgesamt 19 codierten Akteure zu Wort kam. n=356 (160 Artikel)

135 SPRECHANTEILE DER AKTEUR-GRUPPEN IM MM I
(160 Artikel) Das Diagramm zeigt die Anteile der verschiedenen Akteure an der Gesamtberichterstattung des Mannheimer Morgens (160 Artikel). Hierbei wurden die verschiedenen Einzelakteure zu Akteur-Gruppen zusammengefasst. Daraus ergeben sich drei Gruppen, nämlich: Befürworter, Gegner und neutrale bzw. nicht eindeutig zuzuordnende Akteure: Die Basis bilden 160 Artikel des Mannheimer Morgens (Erhebungszeitraum Januar bis November 2013), in denen insgesamt 356 Mal einer der insgesamt 19 codierten Akteure zu Wort kam. Die Anteile der Akteur-Gruppen ergeben sich aus den kumulierten Häufigkeiten des Auftauchens der jeweiligen Akteure einer Gruppe im Verhältnis zur Gesamtberichterstattung des Mannheimer Morgens. Die Zuordnung zu den jeweiligen Akteur-Gruppen orientiert – im Falle von politischen Parteien – an deren Abstimmungsverhalten zum BUGA-Projekt bzw. deren Positionierung im Vorfeld des Bürgerentscheids. Der Vergleich zwischen den Akteur-Gruppen zeigt, dass die Befürworter (Pro) des Projekt mit 53,4 % den höchsten Anteil an der Gesamtberichterstattung durch den Mannheimer Morgen haben, während die Gegner (Contra) zusammengenommen nur über einen Anteil von 41 % verfügen. Die neutralen bzw. nicht eindeutig zuzuordnenden Akteure spielen mit nur 5,6 % eine untergeordnete Rolle. Beim Vergleich zwischen den Befürwortern und Gegnern des Projekts ist der naturgemäß hohe Anteil der Stadt als offizieller Kommunikator der BUGA zu berücksichtigen. Unter Berücksichtigung dieser Verzerrung, kann eine nahezu ausgeglichene Berichterstattung hinsichtlich der Sprechanteile von Gegnern und Befürwortern festgestellt werden. Trotz vereinzelter Überrepräsentationen von BUGA-Gegnern, kann der Vorwurf einer einseitigen Berichterstattung zugunsten der BUGA-Gegner grundsätzlich entkräftet werden.

136 SPRECHANTEILE DER AKTEUR-GRUPPEN IM MM II
(160 Artikel) Dieses Diagramm zeigt die Anteile verschiedener Akteur-Gruppen an der Gesamtberichterstattung des Mannheimer Morgens, nach dem Grad ihrer Verfasstheit. Unterschieden wird hierbei zwischen den Gruppen Verwaltung & Regierung, Politische Parteien, Verbände und Bürger & Bürgergruppen. Der Zugang nicht-verfasster Akteure zum Mediendiskurs ist ein wichtiges Kriterium zur Bewertung der Diskursqualität Die Basis bilden 160 Artikel des Mannheimer Morgens (Erhebungszeitraum Januar bis November 2013), in denen insgesamt 356 Mal einer der insgesamt 19 codierten Akteure zu Wort kam. Die Anteile der Akteur-Gruppen ergeben sich aus den kumulierten Häufigkeiten des Auftauchens der jeweiligen Akteure einer Gruppe im Verhältnis zur Gesamtberichterstattung des Mannheimer Morgens. Die Einteilung der Gruppen nach unterschiedlichem Grad ihrer Verfasstheit orientiert sich dabei an gängigen Einteilungsmustern politischer Partizipation in verfasste und nicht verfasste Formen (vgl. z.B. von Alemann, 1999, S. 122ff). Der Vergleich zwischen den Akteur-Gruppen zeigt, dass die Parteien des Gemeinderats mit 47,5 % den größten Anteil an der Medienberichterstattung haben, während die Verbände mit nur 8,1 % am seltensten zu Wort kommen. Die beiden Gruppen Verwaltung & Regierung (am stärksten institutionalisierte bzw. verfasste Gruppe) und Bürger & Bürgergruppen (am wenigsten stark verfasste Gruppe) haben mit 23 bzw. 21,3 % nahezu gleiche große Anteile an der Gesamtberichterstattung über das Projekt. Bei diesem Vergleich sind allerdings zwei Faktoren zu berücksichtigen: Die Stadt als offizieller Projektträger verfügt naturgemäß über einen besonders hohen Anteil an der Berichterstattung Die Bürgerinitiativen sind erst wesentlich später in den Konflikt eingestiegen (Juni/Juli 2013) und decken daher nur etwa den halben Erhebungszeitraum ab. Unter Berücksichtigung dieser Rahmenbedingungen, kann festgestellt werden, dass die nicht-verfassten Akteure grundsätzlich einen guten Zugang zur Medienberichterstattung des Mannheimer Morgens hatten. Damit kann die Inklusivität aller Akteure für dieses Medium grundsätzlich bestätigt werden.

137 ZWISCHENFAZIT – AKTEURE
Vereinzelte Überrepräsentation von Gegner-Gruppen Aber: Insgesamt ausgeglichene Berichterstattung zwischen Pro und Contra Bürgergruppen und nicht-verfasste Gruppen mit hoher Beteiligung an der Berichterstattung Das Fazit aus der Analyse der Akteur-Ebene kann folgendermaßen zusammengefasst werden: Zwar vereinzelte Über- bzw. Unterrepräsentationen bestimmter Akteure gab, insgesamt jedoch eine ausgewogene Medienberichterstattung vorherrscht, zumindest auf Ebene der Sprechanteile der Akteure insgesamt. Somit kann auf dieser Ebene der Vorwurf einer tendenziösen Berichterstattung durch den Mannheimer Morgen entkräftet werden. Außerdem konnte gezeigt werden, dass Bürgergruppen und nicht-verfasste Gruppen scheinbar über einen guten Zugang zur Medienberichterstattung verfügen, da sie eine hohe Beteiligung am öffentlichen Diskurs in den Medien erzielen konnten.

138 INKLUSIVITÄT & AUSGE-WOGENHEIT DER THEMEN
Alle relevanten Themen finden Eingang in die Medienberichterstattung Die Intensität der Berichterstattung über die jeweiligen Themen entspricht der Gesamteinschätzung durch die interviewten Experten und Eigenpublikationen Relevante Kriterien zur Bewertung der Inklusivität & Ausgewogenheit der Themen in der Medienberichterstattung: Alle in der vorangegangenen Recherche als relevant identifizierten Themen und Aspekte des Konflikts (vgl. Themenspinne) finden Eingang die Berichterstattung des Mannheimer Morgens. Die verschiedenen Themen werden in der Medienberichterstattung ausgewogen dargestellt. Kriterium für die Ausgewogenheit ist nicht, dass alle Themen im gleichen Umfang dargestellt werden, sondern die Übereinstimmung mit der Problemwahrnehmung der am Konflikt beteiligten Akteure, die in den Interviews und Eigenpublikationen zum Ausdruck kommt.

139 VERTEILUNG DER HAUPT- UND NEBENTHEMEN IM MM
Diese Grafik zeigt die Verteilung der Haupt- und Nebenthemen in der Medienberichterstattung des Mannheimer Morgens: Die Basis bilden 160 Artikel des Mannheimer Morgens (Erhebungszeitraum Januar bis November 2013). Pro Artikel wurden jeweils ein Hauptthema und bis zu zwei Nebenthemen codiert. Insgesamt wurden somit bei insgesamt 160 betrachteten Artikeln 160 Haupt- und 238 Nebenthemen vergeben, was 1,49 Nebenthemen pro Artikel entspricht. Auf Ebene der Haupt- und Nebenthemen wurden ausschließlich die Oberthemen der Themenspinne betrachtet. Als Hauptthema wurde jeweils das Thema codiert, das in der Überschrift, der Unterzeile oder dem ersten Absatz des Artikels betroffen war. Die bis zu zwei Nebenthemen wurden nach der Reihenfolge ihres Auftauchens im weiteren Verlauf des Artikels codiert. Bei der Auswertung wurde keine Unterscheidung zwischen erstem und zweiten Nebenthema getroffen. Das Ergebnis zeigt insgesamt eine sehr ungleiche Verteilung der unterschiedlichen Oberthemen in der Medienberichterstattung: Beherrschend waren hier vor allem die Themen Planung & Verfahren und Kommunikation, die mit 55 bzw. 47 Fällen besonders häufig Aufmacher von Artikeln waren. Die übrigen Oberthemen waren im Vergleich dazu mit durchschnittlich gerade einmal 9,8 Fällen wesentlich seltener Hauptthema der Berichterstattung. Auf Ebene der Nebenthemen zeigt sich eine andere Themenverteilung: Hier sind die klassischen Konfliktthemen, wie z.B. Ökologie, Stadtentwicklung oder Kosten wesentlich häufiger repräsentiert. Insgesamt spricht diese Verteilung der Haupt- und Nebenthemen dafür, dass die Artikel des Mannheimer Morgen vor allem das Planungsverfahren und den Konflikt selbst als Aufhänger nahmen für die Berichterstattung benutzten, während inhaltliche Aspekte des BUGA-Projekts eher weiter hinten im Artikel beleuchtet wurden. n = 398 160 (Artikel)

140 HÄUFIGKEIT ALLER UNTERTHEMEN IM MM
35 von 36 Unterthemen von der Medienberichterstattung erfasst Um die Frage zu klären, ob alle relevanten Themen, die zur Beurteilung des Projekts nötig sind, von der Medienberichterstattung erfasst und öffentlich gemacht wurden, ist eine Betrachtung auf Ebene der Unterthemen notwendig. Dieses Diagramm zeigt daher die Häufigkeit aller 36 erfassten Unterthemen: Die Basis bilden 160 Artikel des Mannheimer Morgens (Erhebungszeitraum Januar bis November 2013). Pro Artikel konnten beliebig viele Unterthemen (insgesamt 36 verschiedene Unterthemen, vgl. Themenspinne) kodiert werden, allerdings wurde jedes Unterthema pro Artikel nur einmal codiert. Insgesamt wurden somit bei 160 betrachteten Artikeln 787 Unterthemen erfasst. Das entspricht durchschnittlich 4,9 Unterthemen pro Artikel. Bei den Unterthemen wurden ausschließlich Themen betrachtet, die in Verbindung mit der Aussage einer der insgesamt 19 Akteure in der Medienberichterstattung vorkamen. Die Ergebnisse zeigen zunächst große Unterschiede hinsichtlich der Häufigkeit der einzelnen Unterthemen in der Medienberichterstattung des Mannheimer Morgen: Während vereinzelte Unterthemen, wie z.B. Feudenheimer Au (123), Bürgerentscheid (106), Konversion (50), Grünzug (47), überdurchschnittlich häufig in der Berichterstattung thematisiert wurden, blieben 26 von 36 Unterthemen unter dem Mittelwert von durchschnittlich 22 Nennungen pro Thema. Die Ergebnisse verdeutlichen somit einerseits, dass sich die Medienberichterstattung vor allem auf die zentralen Konfliktpunkte der Akteure rund um das Projekt konzentriert. Andererseits zeigt das lange Auslaufen der Ergebniskurve, der sogenannte long tail, dass viele Unterthemen zwar nicht ausführlich in der Berichterstattung behandelt wurden, aber dennoch Eingang in die Medien fanden. Insgesamt fanden demnach 35 der 36 Unterthemen Eingang in die Medienberichterstattung. Einzig das Thema Initiator der Idee wurde nicht von der Berichterstattung aufgegriffen. Dies entspricht auf Ebene der Unterthemen einer Themenabdeckung von 97%. Insgesamt zeigen die Ergebnisse somit, dass annähernd alle im Vorfeld als relevant identifizierten Themen (vgl. Themenspinne) von der Medienberichterstattung des Mannheimer Morgen aufgegriffen wurden. Das bedeutet: Den Gruppen ist nicht nur der nominelle, sondern auch der inhaltliche Zugang zur Medienberichterstattung – mit ihren Themen (und Argumenten). Somit ist die Inklusivität auf Ebene der Themen in der Medienberichterstattung der Mannheimer Morgen gegeben. n=787

141 HÄUFIGKEIT ALLER UNTERTHEMEN IM MM
Kernthemen des Konflikts Nebenthemen des Konflikts vgl. vorangegangene Folie

142 DIE HÄUFIGSTEN UNTERTHEMEN IM MM
Dieses Diagramm zeigt daher die Häufigkeit der 10 am häufigsten behandelten Unterthemen in der Medienberichterstattung des Mannheimer Morgen: Die Basis bilden 160 Artikel des Mannheimer Morgens (Erhebungszeitraum Januar bis November 2013). Pro Artikel konnten beliebig viele Unterthemen (insgesamt 36 verschiedene Unterthemen, vgl. Themenspinne) kodiert werden, allerdings wurde jedes Unterthema pro Artikel nur einmal codiert. Insgesamt wurden somit bei 160 betrachteten Artikeln 787 Unterthemen erfasst. Die obenstehende Grafik zeigt die zehn am häufigsten in der Medienberichterstattung des Mannheimer Morgen geäußerten Unterthemen; insgesamt handelt es sich dabei um 518 Fälle. Die Ergebnisse zeigen, dass die Themen Feudenheimer Au (123) und Bürgerentscheid (106) mit großem Abstand die wichtigsten Unterthemen in der Medienberichterstattung des Mannheimer Morgen darstellten. Die häufige Thematisierung des Bürgerentscheids, ist aufgrund seiner Bedeutung als zentraler Meilenstein des gesamten Verfahrens und Bezugspunkt für alle Akteure, nicht weiter überraschend. Der Konflikt um das Landschaftsschutzgebiet Feudenheimer Au, stellt somit auf Ebene der Unterthemen den zentralen Aspekt der Medienberichterstattung dar! Die weiteren häufig aufgegriffenen Unterthemen verteilen sich relativ ausgeglichen auf die Oberthemen: Ökologie, Stadtentwicklung, Kommunikation (je zwei Unterthemen) sowie auf die Bereiche Kosten/Finanzierung und Planung & Verfahren (je ein Unterthema). n=518

143 VERGLEICH ZWISCHEN MEDIEN UND AKTEUREN
Berichterstattung MM n=398 Interviews und Eigen- publikationen n=30 Dieses Folie vergleicht die relative Häufigkeit der Haupt- und Nebenthemen in der Medienberichterstattung des Mannheimer Morgens mit der relativen Häufigkeit der wichtigsten Konfliktthemen in den Eigenpublikationen und Interviews: Die Basis der Oberthemen-Anteile beim Mannheimer Morgen (linkes Diagramm) bilden 160 Artikel des Mannheimer Morgens (Erhebungszeitraum Januar bis November 2013). Pro Artikel wurden jeweils ein Hauptthema und bis zu zwei Nebenthemen codiert. Insgesamt wurden somit bei insgesamt 160 betrachteten Artikeln 160 Haupt- und 238 Nebenthemen vergeben. Für die obenstehende Darstellung wurden die Haupt- und Nebenthemen kumuliert (n=398). Somit gibt das Diagramm Auskunft über die jeweils bis zu 3 wichtigsten Themen pro Artikel. Die relative Häufigkeiten beziehen sich auf den Anteil der kumulierten Oberthemen an der Gesamtsumme der Haupt- und Nebenthemen. Die Basis des rechten Diagramms bilden die identifizierten Haupt- und Nebenthemen in den Eigenpublikationen der jeweiligen Akteure sowie die im Rahmen der Interviews genannten, 3 wichtigsten Oberthemen. Hieraus ergeben sich insgesamt 30 genannte Oberthemen. Die relative Häufigkeiten beziehen sich auf den Anteil der kumulierten Oberthemen an der Gesamtsumme der Haupt- und Nebenthemen. Es ist zu beachten, dass ein statistischer Vergleich der relative Häufigkeiten aufgrund der unterschiedlichen Fallzahlen nicht möglich ist. Vergleicht man die Verteilung der kumulierten Haupt- und Nebenthemen der Medienberichterstattung mit den Haupt- und Nebenthemen, die von den Akteuren in den Interviews und deren Eigenpublikationen genannt wurden, zeigen sich teilweise deutliche Unterschiede: Die Themen Kosten/Finanzierung (30%) und Infrastruktur (20%) werden von den Akteuren im Konflikt als deutlich relevanter angesehen, als in der Medienberichterstattung des Mannheimer Morgens. In der Medienberichterstattung wurden hingegen die Themen Planung & Verfahren (26%) sowie Kommunikation (16%) stärker thematisiert. Die Ergebnisse zeigen somit, dass sich die Medienberichterstattung des Mannheimer Morgen in der Priorisierung der Themen teilweise deutlich von der Themen-Wahrnehmung der Akteure unterscheidet. So scheint sich die Mannheimer Morgen in seiner Berichterstattung beispielsweise wesentlich stärker am offiziellen Planungsverfahren zu orientieren. Diese These soll im Folgenden weiter untersucht werden.

144 HAUPT- UND NEBENTHEMEN DES MM IM ZEITVERLAUF
Dieses Diagramm zeigt die Häufigkeit der Haupt- und Nebenthemen in der Medienberichterstattung des Mannheimer Morgens im Zeitverlauf: Die Basis bilden 160 Artikel des Mannheimer Morgens (Erhebungszeitraum Januar bis November 2013). Pro Artikel wurden jeweils ein Hauptthema und bis zu zwei Nebenthemen codiert. Insgesamt wurden somit bei insgesamt 160 betrachteten Artikeln 160 Haupt- und 238 Nebenthemen vergeben. Für die obenstehende Darstellung wurden die Haupt- und Nebenthemen kumuliert (n=398). Auf dieser Basis zeigt das Diagramm die Häufigkeit der jeweiligen Oberthemen im Verlauf des Erhebungszeitraums. Die Kurve gibt Auskunft über die Gesamtzahl an Artikeln pro Monat. Die Ergebnisse zeigen, dass das Oberthema Planung & Verfahren (jeweils dritte Säule von links) über den gesamten Erhebungszeitraum hinweg, in der Medienberichterstattung des Mannheimer Morgens konstant hohe Werte hat. Das bedeutet dieses Thema dominierte über den gesamten Erhebungszeitraum hinweg die Medienberichterstattung. Daneben zeigen die Ergebnisse einen positive Zusammenhang zwischen dem Auftreten des Themas Planung & Verfahren und der Gesamtzahl an Artikeln pro Monat. Somit weisen die Ergebnisse insgesamt darauf hin, dass sich die Berichterstattung des Mannheimer Morgens eher an den Schritten des Planungsverfahrens, als an übrigen Themen orientiert. n=398

145 HAUPTTHEMEN DES MM IM ZEITVERLAUF
Bürgerentscheid Start der Info-Kampagne Beschluss zum Bürgerentscheid [DIESE FOLIE BITTE IM PRÄSENTATIONSMODUS BETRACHTEN] Dieses Diagramm zeigt die Häufigkeit der Hauptthemen in der Medienberichterstattung des Mannheimer Morgens im Zeitverlauf: Die Basis bilden 160 Artikel des Mannheimer Morgens (Erhebungszeitraum Januar bis November 2013). Pro Artikel wurden jeweils ein Hauptthema vergeben. Auf dieser Basis zeigt das Diagramm die Häufigkeit der jeweiligen Oberthemen im Verlauf des Erhebungszeitraums. Die Daten zeigen, dass über den gesamten Erhebungszeitraum hinweg die Themen Planung & Verfahren sowie Kommunikation die Medienberichterstattung weitgehend dominierten. Das bedeutet diese beiden Themen waren in diesem Zeitraum besonders häufig Aufhänger der Artikel des Mannheimer Morgens Die Kurven weisen drei deutliche Spitzen auf, und zwar im Juni, August und September. Diese Ausschläge lassen sich inhaltlich jeweils auf bestimmte Ereignisse zurückführen: Im Juni wurde vom Gemeinderat die Durchführung des Bürgerentscheids beschlossen: Das Oberthema Planung & Verfahren sowie die Medienberichterstattung insgesamt ( Addition der Kurven) steigen deutlich an. Im August startet die Informations-Kampagne der Stadt zum Thema BUGA und die Kommunikationsaktivitäten aller Akteure nehmen zu: Das Oberthema Kommunikation sowie die Medienberichterstattung insgesamt steigen deutlich an. Im September findet der Bürgerentscheid statt: Das Oberthema Planung & Verfahren sowie die Medienberichterstattung insgesamt steigen deutlich an. Die Daten liefern insgesamt weitere Belege dafür, dass sich die Medienberichterstattung deutlich am Planungsverfahren des Projekts orientiert und vor allem von dem Bürgerentscheid als zentralem Meilenstein dieses Konflikts beeinflusst wurde. n=160 (160 Artikel)

146 VERTEILUNG DER HAUPT- UND NEBENTHEMEN IM ZEITVERLAUF
Dieses Diagramm zeigt den Anteil der verschiedenen Oberthemen an der Medienberichterstattung des Mannheimer Morgens je Monat: Die Basis bilden 160 Artikel des Mannheimer Morgens (Erhebungszeitraum Januar bis November 2013). Pro Artikel wurden jeweils ein Hauptthema und bis zu zwei Nebenthemen codiert. Insgesamt wurden somit bei insgesamt 160 betrachteten Artikeln 160 Haupt- und 238 Nebenthemen vergeben. Für die obenstehende Darstellung wurden die Haupt- und Nebenthemen kumuliert (n=398). Auf dieser Basis zeigt das Diagramm die relative Häufigkeit der verschiedenen Oberthemen pro Monat. Die Daten machen deutlich, dass sich die thematische Zusammensetzung der Berichterstattung im Zeitverlauf verändert. Besonders deutlich wird diese Erkenntnis bei einem Blick auf die Themen Ökologie und Kommunikation (erste bzw. zweite Säule von unten): Während das Thema Ökologie im Zeitverlauf abnimmt und gegen Jahresende, also nach Ausgang des Bürgerentscheids keine Rolle mehr spielt, gewinnt das Thema Kommunikation über den Zeitverlauf hinweg immer mehr an Bedeutung. Diese Ergebnisse lassen zwei Schlussfolgerungen zu: Zum einen spiegelt sich in dieser Veränderung der Medienberichterstattung der Verlauf des Konflikts wider, der sich im Laufe der Zeit von einem Konflikt um projektbezogene Sachthemen, wie dem Thema Ökologie, hin zu einem Konflikt über die Art der Konfliktführung (Thema Kommunikation, v.a. Ausgewogene Informationspolitik) wandelt. Zum anderen liefern sie eine mögliche Erklärung dafür, dass das Thema Kommunikation von den Medien stärker betont wurde, als von den Akteuren: An dem Verlauf der Anteile wird nämlich deutlich, dass das Thema Kommunikation zu dem Zeitpunkt an dem sich das Engagement der Akteure am Thema BUGA entwickelt hat (z.B. Bürgerinitiativen: Juni/Juli; Informationskampagne der Stadt: August), noch keine so große Rolle gespielt, wie zum Ende des Konflikts. Somit kann die unterschiedliche Relevanzzuschreibung zu den Themen des Konflikts zwischen Akteuren und Medienberichterstattung auch auf die spezifische Bedeutung der jeweiligen Themen zu den unterschiedlichen Zeitpunkten zurückgeführt werden. n = 398 (160 Artikel)

147 ZWISCHENFAZIT – THEMEN
Nahezu alle relevanten Themen finden Eingang in die Medienberichterstattung Die Gewichtung der Themen unterscheidet sich zwischen dem Mannheimer Morgen und den eingebundenen Akteuren Unterschiede u.a. zurückzuführen auf verfahrensorientierte Berichterstattung und Themenwandel im Konfliktverlauf Das Fazit aus der Analyse der Themen-Ebene kann folgendermaßen zusammengefasst werden: Annähernd alle im Vorfeld als relevant identifizierten Themen des Konflikts (vgl. Themenspinne) fanden Eingang in die Medienberichterstattung des Mannheimer Morgens. Die Inklusivität der Themen kann daher grundsätzlich bestätigt werden Die verschiedenen Konfliktthemen wurden in der Berichterstattung des Mannheimer Morgens, sowohl auf Ebene der Ober-, als auch der Unterthemen, unterschiedlich stark gewichtet. Die Gewichtung der Themen unterschied sich dabei teilweise deutlich von der Einschätzung der Akteure des Konflikts, abgeleitet aus deren Angaben in den Interviews und der Analyse der Eigenpublikationen. Diese Unterscheide sind im wesentlichen auf zwei Faktoren zurückzuführen: Die Orientierung der Medienberichterstattung am offiziellen Planungsverfahren der BUGA, insbesondere des Bürgerentscheids Den Themenwandel über die Dauer des Konflikts Ermöglicht somit umfassende Information und Meinungsbildung, daher grundsätzlich geeignet, die öffentliche Deliberation zu unterstützen.

148 DISKURSQUALITÄT DER BERICHTERSTATTUNG
Multithematische Darstellung der unterschiedlichen Akteure in der Berichterstattung Ausgewogene Sprechanteile der Akteur-Gruppen an den verschiedenen Konfliktthemen Relevante Kriterien zur Bewertung der Diskursqualität in der Medienberichterstattung: Die Akteure werden nicht nur mit einem Thema in der Berichterstattung dargestellt, sondern kommen mit unterschiedlichen Themen zu Wort. Es findet also keine Reduzierung einzelner Akteure auf bestimmte Themen durch monothematische Berichterstattung, z.B. „Ökos“, statt. Die Befürworter und Gegner des Projekts kommen bei den unterschiedlichen Themen und Aspekten des Konflikts gleichermaßen zu Wort Die Ausgewogenheit der Sprechanteile über ein Thema steht demnach als Anzeichen für einen argumentativen bzw. meinungsbildenden Austausch zu diesem Thema.

149 ZUSAMMENSETZUNG DER BERICHTERSTATTUNG
Dieses Diagramm zeigt die Zusammensetzung der Themen, mit denen die verschiedenen Akteure in der Medienberichterstattung des Mannheimer Morgens zu Wort kommen: Die Basis bilden 160 Artikel des Mannheimer Morgens (Erhebungszeitraum Januar bis November 2013). Pro Artikel konnten beliebig viele Unterthemen (insgesamt 36 verschiedene Unterthemen, vgl. Themenspinne) kodiert werden, allerdings wurde jedes Unterthema pro Artikel nur einmal codiert. Insgesamt wurden somit bei 160 betrachteten Artikeln 787 Unterthemen erfasst. Im obenstehenden Diagramm wurden die Unterthemen zu Oberthemen aggregiert. Dabei wurden die jeweiligen Unterthemen den entsprechenden Oberthemen zugeordnet. Traten pro Fall mehrere Unterthemen des gleichen Oberthemas auf (z.B. Feudenheimer Au und Grünzug), wurde das Oberthema dennoch nur einmal gezählt. Somit ergibt sich ein Datenmaterial von insgesamt 735 aggregierten Oberthemen. Die verschiedenen Akteur-Gruppen wurden entsprechend ihrer generellen Haltung zum BUGA-Projekt zusammengefasst in Befürworter (Pro), Gegner (Contra) und neutrale Akteure. Die Daten zeigen zunächst, dass die verschiedenen Oberthemen zwar je nach Akteur jeweils unterschiedlich gewichtet werden. Die Gewichtungen entsprechen dabei in den meisten Fällen der Themengewichtung in den Interviews und Eigenpublikationen der verschiedenen Akteure (Aufgrund der geringen Fallzahlen hier kein statistischer Vergleich möglich). Über keinen der Akteure wurde monothematisch, also nur im Zusammenhang mit einem Thema berichtet. 14 von 19 Akteuren kommen mindestens zu 6 der 8 Themenbereichen in der Medienberichterstattung des Mannheimer Morgens zu Wort. Somit werden die einzelnen Akteure in der Medienberichterstattung des Mannheimer Morgens multithematisch dargestellt bzw. schaffen es jeweils mit unterschiedlichen Themen in die Berichterstattung. n = 735 (160 Artikel)

150 HÄUFIGKEIT DER OBERTHEMEN NACH AKTEUR-GRUPPEN IM MM
Dieses Diagramm zeigt den Sprechanteil der unterschiedlichen Akteur-Gruppen an der den Gesamtäußerungen zu einem Oberthema: Die Basis bilden 160 Artikel des Mannheimer Morgens (Erhebungszeitraum Januar bis November 2013). Pro Artikel konnten beliebig viele Unterthemen (insgesamt 36 verschiedene Unterthemen, vgl. Themenspinne) kodiert werden, allerdings wurde jedes Unterthema pro Artikel nur einmal codiert. Insgesamt wurden somit bei 160 betrachteten Artikeln 787 Unterthemen erfasst. Im obenstehenden Diagramm wurden die Unterthemen zu Oberthemen aggregiert. Dabei wurden die jeweiligen Unterthemen den entsprechenden Oberthemen zugeordnet. Traten pro Fall mehrere Unterthemen des gleichen Oberthemas auf (z.B. Feudenheimer Au und Grünzug), wurde das Oberthema dennoch nur einmal gezählt. Somit ergibt sich ein Datenmaterial von insgesamt 735 aggregierten Oberthemen. Die verschiedenen Akteur-Gruppen wurden entsprechend ihrer generellen Haltung zum BUGA-Projekt zusammengefasst in Befürworter (Pro), Gegner (Contra) und neutrale Akteure. Die Ergebnisse zeigen, dass die Anteile der Projekt-Gegner und -Befürworter an der Berichterstattung des Mannheimer Morgens bei den meisten Oberthemen nahezu ausgeglichen sind. Ausschließlich das Thema Stadtentwicklung ist ein deutliches Ungleichgewicht zu Gunsten der Befürworter zu sehen. Somit zeigen die Ergebnisse, dass in der Medienberichterstattung des Mannheimer Morgens insgesamt ein guter bzw. ausgeglichener Austausch über die verschiedenen Oberthemen stattgefunden hat Dieses Ergebnis kann somit als positiver Hinweis auf die Diskursqualität der Medienberichterstattung gewertet werden. n = 735 (160 Artikel)

151 HÄUFIGKEIT UNTERTHEMEN BEI DEN AKTEUR-GRUPPEN
Dieses Diagramm zeigt die jeweiligen Sprechanteile der unterschiedlichen Akteur-Gruppen an der den Gesamtäußerungen zu einem Unterthema: Die Basis bilden 160 Artikel des Mannheimer Morgens (Erhebungszeitraum Januar bis November 2013). Pro Artikel konnten beliebig viele Unterthemen (insgesamt 36 verschiedene Unterthemen, vgl. Themenspinne) kodiert werden, allerdings wurde jedes Unterthema pro Artikel nur einmal codiert. Insgesamt wurden somit bei 160 betrachteten Artikeln 787 Unterthemen erfasst. Die verschiedenen Akteur-Gruppen wurden entsprechend ihrer generellen Haltung zum BUGA-Projekt zusammengefasst in Befürworter (Pro) und Gegner (Contra) des Projekts. Die neutralen Akteure (n=35) wurden in der obenstehenden Darstellung aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht aufgeführt. Die Daten zeigen, dass lediglich zu 5 von 43 Unterthemen jeweils nur eine Akteur-Gruppe in der Berichterstattung zu Wort kam. Das bedeutet zu 88% der Unterthemen kamen sowohl Gegner, als auch Befürworter des Projekts zu Wort. Somit zeigen die Ergebnisse, dass in der Medienberichterstattung des Mannheimer Morgens insgesamt ein guter bzw. ausgeglichener Austausch über die verschiedenen Unterthemen stattgefunden hat. Dieses Ergebnis bestätigt somit erste Hinweise auf eine gute Diskursqualität der Medienberichterstattung des Mannheimer Morgens werden. n=752

152 ZWISCHENFAZIT – AKTEUR-ANTEILE NACH THEMEN
Es besteht ein ausgewogener Austausch zwischen den Akteuren über die gleichen Themen Zu allen Unterthemen in der Medienberichterstattung des Mannheimer Morgens kommen mindestens zwei verschiedene Akteure zu Wort In 88 % der Unterthemen kommen Akteure pro und contra BUGA zu Wort Aber: Keine Aussagen über die diskursive Struktur innerhalb der Artikel Das Fazit aus der Analyse der Akteur-Anteile an den Ober- und Unterhemen kann folgendermaßen zusammengefasst werden: Es besteht ein ausgewogener Austausch zwischen den Gegnern und den Befürwortern des Projekts, sowohl auf Ebene der Ober-, als auch der Unterthemen. Zu allen Aspekten bzw. Unterthemen des Konflikts kamen mindestens zwei verschiedene Akteure zu Wort. Somit wurden alle relevanten Aspekte des Konflikts aus mindestens zwei Perspektiven dargestellt. In 88 % der Unterthemen kamen sowohl Befürworter, als auch Gegner des Projekts zu Wort. Über den gesamten Erhebungszeitraum hinweg betrachtet, verfügt die Berichterstattung des Mannheimer Morgens damit über eine hohe Diskursqualität, was die Ausgewogenheit der Berichterstattung angeht.

153 ZWISCHENFAZIT Berichterstattung des Mannheimer Morgen auf Ebene der Akteure und Themen grundsätzlich ausgewogen Berichterstattung für alle Themen und Akteur(-Gruppen) zugänglich Anteile der Pro- und Contra-Gruppen bei den einzelnen Themen ebenfalls ausgewogen Berichterstattung trägt grundsätzlich zur öffentlichen Deliberation bei Aber: weitere Betrachtung auf Argument-Ebene nötig Fasst man die Ergebnisse der quantitativen Inhaltsanalyse der Medienberichterstattung zusammen, kann im Bezug auf die Rolle der Medien im Konflikt um die BUGA folgendes Fazit gezogen werden: Die Berichterstattung des Mannheimer Morgens war, entgegen der Vorwürfe einzelner Akteure, sowohl auf Ebene der Sprechanteile der verschiedenen Akteure, als auch im Hinblick auf die Anteile der Sprecher an einzelnen Themen überwiegend ausgewogen. Die Berichterstattung hat darüber hinaus alle wesentlichen Themen und Aspekte des Konflikts beleuchtet und dabei allen Akteuren bzw. Akteur-Gruppen die Möglichkeit gegeben am medialen Diskurs teilzunehmen. Somit trägt die Berichterstattung des Mannheimer Morgens grundsätzlich die öffentlichen Deliberation bei, indem sie auf Ebene der Themen und Akteure, umfassend und ausgewogen über das Projekt BUGA informiert. Dadurch trägt die Berichterstattung des Mannheimer Morgens grundsätzlich auch zur Rationalisierung und sachlichen Klärung des Konflikts in der Öffentlichkeit bei und könnte sich daher positiv auf die Schlichtung des Konflikts auswirken. Zur endgültigen Klärung der Diskursqualität sind allerdings noch weitere Betrachtungen auf Argument-Ebene notwendig, um beispielsweise die Responsivität von Argumenten und Ähnliches zu erfassen (vgl. Wessler, 2008).

154 VERGLEICH ZWISCHEN DEN MEDIEN

155 ZUSAMMENSETZUNG DER BERICHTERSTATTUNG REGIONAL / ÜBERREGIONAL
Dieses Diagramm zeigt die Anteile der verschiedenen Oberthemen an der Gesamtberichterstattung des Mannheimer Morgens im Vergleich zur überregionalen Medienberichterstattung: Die Basis bilden 160 Artikel des Mannheimer Morgens bzw. die 23 Artikel der überregionalen Medien (Bild Online, Focus Online, Welt Online).Pro Artikel wurden jeweils ein Hauptthema und bis zu zwei Nebenthemen codiert. Insgesamt wurden somit bei insgesamt 160 betrachteten Artikeln des Mannheimer Morgens, 398 Haupt- und Nebenthemen erfasst. Die 23 Artikel der überregionalen Berichterstattung ergaben insgesamt 41 Haupt- und Nebenthemen. Das obenstehende Diagramm gibt Auskunft über die jeweiligen Anteile der verschiedenen Oberthemen an der Gesamtzahl der Haupt- und Nebenthemen in der regionalen und überregionalen Medienberichterstattung. Aufgrund der geringen Fallzahlen bei der überregionalen Berichterstattung ist ein statistischer Vergleich der relative Häufigkeiten nicht möglich. Betrachtet man die Anteile der Oberthemen in der überregionalen Berichterstattung, zeigt sich, dass das Thema Planung & Verfahren mit 43% den mit Abstand größten Anteil an der Berichterstattung hat, gefolgt vom Thema Kosten & Finanzierung (22%) und Kommunikation (12%). Vergleicht man die Anteile der Oberthemen zwischen der regionalen und überregionalen Berichterstattung, so zeigt sich, dass sich die überregionale Berichterstattung noch stärker als der Mannheimer Morgen an dem Planungsverfahren orientiert. Daneben ist auffällig, dass das Thema Kosten & Finanzierung in der überregionalen Berichterstattung mit 22% einen wesentlich höheren Anteil an der Gesamtberichterstattung besitzt, als im Mannheimer Morgen (9%). Die beiden zentralen Themenbereiche Ökologie und Stadtentwicklung hingegen, spielen in der überregionalen Berichterstattung mit einem Anteil von jeweils 7% eine untergeordnete Rolle. Das Thema Kommunikation spielt in der überregionalen Berichterstattung mit nur 12% ebenfalls nur eine untergeordnete Rolle. Somit steht auch das Thema Bürgerprotest nicht im Mittelpunkt der Berichterstattung. Anders als möglichweise anzunehmen war, konzentriert sich die überregionale Medienberichterstattung somit nicht auf das Thema „Wutbürger“, sondern beschäftigt sich in erster Linie mit dem Stand des Verfahrens und den Projektkosten. n = 398/41 (160/23 Artikel)

156 ZWISCHENFAZIT – MEDIENVERGLEICH
Überregional noch stärkere Orientierung am Planungsstand bzw. Verfahren. Projektbezogene Themen, wie z.B. Ökologie bleiben eher im Hintergrund Anteil des Themenbereichs Kosten/Finanzierung in überregionaler Berichterstattung sehr viel höher Keine übermäßige Thematisierung des Bürgerprotests in den überregionalen Medien Keine „Wutbürger-Berichte“ In erster Linie Darstellung als Konflikt um die Kosten Das Fazit aus dem Vergleich der regionalen und überregionalen Berichterstattung kann folgendermaßen zusammengefasst werden: Die überregionale Berichterstattung orientiert sich noch stärker an dem offiziellen Planungsverfahren als die Medienberichterstattung des Mannheimer Morgens. Die inhaltlichen Aspekte des Projekts, wie z.B. die Themen Ökologie oder Stadtentwicklung werden weniger ausführlich behandelt, mit Ausnahme des Themas Kosten & Finanzierung Somit wird der BUGA-Konflikt in erster Linie als Konflikt um die Finanzierung des Projekts dargestellt. Der Bürgerprotest selbst bzw. das Thema Kommunikation ist in der überregionalen Berichterstattung nicht übermäßig präsent. Das spricht für eine eher sachliche Darstellung des Konflikts. Insgesamt wirkt die überregionale Berichterstattung über die BUGA sachlich und ausgewogen. Allerdings werden die Gründe des Protests durch die übermäßige Fokussierung des Kosten-Aspekts und die Vernachlässigung anderer Themen wie Ökologie und Stadtentwicklung verzerrt.

157 FAZIT

158 FAZIT Inwiefern entspricht die Kommunikation zur BUGA 23 den erfolgsversprechenden Ansätzen von Projektkommunikation? Welche Konfliktthemen und Beweggründe spielen bei den Anspruchsgruppen um die BUGA 23 eine Rolle? Inwiefern finden sich die Konfliktthemen und Anspruchsgruppen in der regionalen und überregionalen Berichterstattung zur BUGA 23 wieder?

159 Fehlerhafte Kommunikation!
FAZIT Fehlerhafte Kommunikation! Andere Beweggründe! Medialer Diskurs! Versucht man abschließend die drei forschungsleitenden Fragen zu beantworten, lässt sich das Ergebnis folgendermaßen zusammenfassen: Fehlerhafte Kommunikation! Bezogen auf die Regeln guter Projektkommunikation nach Brettschneider kann gesagt werden, dass die BUGA-Kommunikation seitens des Projektträgers fehlerhaft war. Auf Basis der Leitfadengespräche und mit Hilfe eines Dimensionen- und Indikatoren-Systems konnte eine Bewertung aller Regeln vorgenommen werden, die aufzeigte, dass lediglich drei von zehn Regeln komplett erfüllt wurden. Ganz oder teilweise erfüllt wurden zwar immerhin sieben von zehn Regeln. Da aber absolut entscheidende Regeln wie eine „aufgeschlossene und wertschätzende Grundhaltung“ gegenüber den verschiedenen Anspruchsgruppen oder eine „umfassende Faktenklärung“ als nicht erfüllt bewertet wurden, liegt hier sicherlich ein entscheidender Faktor für die Konfliktentstehung. Andere Beweggründe! Neben fehlerhafter Kommunikation kristallisieren sich projektbezogen Gründe als weitere Protestgründe heraus. Die Konfliktthemen Ökologie, Kosten & Finanzierung und Infrastruktur konnten diesbezüglich als Hauptthemen herausgearbeitet werden, wobei es zu einer Themenverlagerung im Konfliktverlauf kam. Der NÍMBY-Effekt spielt nur zweitrangig in den Konflikt hinein. Darüber hinaus wirken strukturelle, persönliche und affektive Ursachen als konfliktverstärkende Kräfte. Medialer Diskurs! Die Ergebnisse der quantitativen Inhaltsanalyse haben gezeigt, dass die Medienberichterstattung des Mannheimer Morgens durch die umfassende und ausgewogene Darstellung der verschiedenen Aspekte und Akteure des Konflikts grundsätzlich zur öffentlichen Deliberation, im Sinne einer Rationalisierung des Konflikts beigetragen hat. Im Bezug auf die Rolle im Konflikt, kann die Medienberichterstattung bzw. der Mannheimer Morgen somit als neutraler und sachlicher Moderator des Konflikts angesehen werden.

160 FAZIT Die Gründe für den Konflikt um die Bundesgartenschau liegen nicht nur im Projekt selbst, sondern in einem Zusammenspiel aus weitreichenden Motiven und fehlerhafter Kommunikation.

161 METHODENKRITIK // ANKNÜPFUNSPUNKTE FÜR WEITERE FORSCHUNG
Was können wir bei nachträglicher Betrachtung an unserer Analyse kritisieren und welche Aspekte könnte man für anschließende Forschungsprojekte nutzen?

162 METHODENKRITIK // ANKNÜPFUNGSPUNKTE FÜR FORSCHUNG
Leitfadeninterviews Schwierige Auswertung wegen Vermischung der Perspektiven Neutrale Beobachter beantworten manche Fragen aus ihrer persönlichen Sicht, andere nach ihrer Wahrnehmung des Konflikts. Erinnerungseffekte Einige Fragen zielen auf länger zurückliegende Ereignisse ab. Methode nicht optimal für manche Kommunikationsregeln. Vermischung der Perspektiven: Die Gefahr dafür besteht z.B. bei den Fragen “Inwiefern haben Sie Vertrauen in die Politik?“ und „Welche Themen haben Ihrer Meinung nach am ehesten für Aufsehen gesorgt?“. Hier wird einmal nach der persönlichen Meinung und einmal nach der Einschätzung der Lage gefragt. Eventuell ist den Interviewten dieser Unterschied aber nicht bewusst und sie beantworten beide Fragen aus ihrer persönlichen Sicht. Erinnerungseffekte: Die Interviews wurden im Dezember geführt, manche Fragen beziehen sich aber auf Ereignisse im Frühling. Dadurch kann die Erinnerung eventuell nicht mehr ganz korrekt sein. Kommunikationsregeln: Manche Kommunikationsregeln hätte man eventuell besser mit einer Inhaltsanalyse erheben können. Diese Methode eignete sich jedoch nicht für alle Regeln, da zur Bewertung mancher Regeln das exklusive Wissen der Befragten notwendig war. Ein Multi-Methoden-Ansatz hätte hier die besten Ergebnisse geliefert.

163 METHODENKRITIK // ANKNÜPFUNGSPUNKTE FÜR FORSCHUNG
Leitfadeninterviews “Wahre” Geschichte schwer zur rekonstruieren Beteiligte erzählen nur ihre Sichtweise <-> allerdings auch Hinweis auf schlechte Deliberation. Interessant: Stimmungsbild unorganisierte Bevölkerung Allerdings grundsätzlich auch schon durch Bürgerentscheid erfragt. Einschätzung, ob der Mannheimer Morgen einseitig berichtet. Einschätzung des Gesamtkonflikts und des Verhaltens der Gruppen. Interessant: Publikationen der Stadt mit Hohenheimer Verständlichkeitsindex prüfen. Wahre Geschichte: Was ist wirklich seitens der Stadt und der Gesamtkommunikation gelaufen? Wir bekommen nur halbwegs neutrale Hinweise durch die IHK und den Journalist. Die reine Wahrheit muss das allerdings nicht sein, da auch diese Erzählungen bewusst oder unbewusst gefärbt sein können. Die direkten Beteiligten erzählen uns nur ihre Sichtweise, die nicht objektiv ist. Wer die Wahrheit sagt, ist deshalb schwer zu ergründen. Dieser Punkt ist gleichzeitig aber auch ein Hinweis für eine schlecht verlaufene Deliberation. Denn wenn die Gruppen weiterhin nur ihre Sichtweise erzählen, gibt es kein gemeinsames Verständnis des Konflikts. Stimmungsbild unorganisierte Bevölkerung: Es ist interessant, wie unbeteiligte Mannheimer den Konflikt sehen. Allerdings gibt der Bürgerentscheid eine Teil-Antwort auf diese Frage, indem er ein geteiltes Stimmungsbild zeigt. Einseitige Berichterstattung des MM: wenn sie stattgefunden hat, in welche Richtung? Zum Hintergrund dieser Frage: Beteiligte werfen dem MM oft vor, contra BUGA zu berichten. Verständlichkeitsindex: Der Index zielt auf die Frage der verständlichen Kommunikation ab. Der Index bewertet Texte anhand diverser Indikatoren, sodass er ein objektives Maß geben würde in Ergänzung zu der subjektiven Einschätzung der Interviewten.

164 METHODENKRITIK // ANKNÜPFUNGSPUNKTE FÜR FORSCHUNG
Inhaltsanalyse Analyse der Tonalität Semantische Analyse Besetzung von Begriffen (“Blumenfest”) Framing-Analyse Reine Zuordnung von Themen zu Akteuren zu ganzen Frames ausdehnen Stärkerer Vergleich zwischen Zeit vor und nach Bürgerentscheid z.B. Themen in Eigenpublikationen Tonalität: Diese war für uns nicht primär wichtig, weil es erstmal nur darum gehen sollte, wer und welche Themen genannt wurden. Es herrscht die Frage nach dem ob statt wie. Die Tonalität wäre für weitere Forschungen jedoch interessant, um zu erkennen, ob Themen eher in einem positiven oder negativen Zusammenhang genannt werden, bzw. wie Gruppen zu einem Thema stehen. Semantische Analyse: Fragen hierbei wären: Nutzen Befürworter und Gegner andere Begriffe zur Beschreibung des Sachverhalts? Werden damit Dinge geschönt oder gezielt herabgesetzt? Framing-Analyse: Zentrale Frage bei dieser Analyse: Wer wird mit was und wie genannt? Dabei könnte man auch Vergleiche zwischen Zeitungen erstellen und Analysen der Nutzung der Frames durch verschiedene Gruppen. Zeitlicher Vergleich: Mögliche Fragen für diesen Vergleich sind: Haben sich die Themen im Diskurs verändert? Sprechen andere Gruppen verstärkt? Worauf legen die Gruppen zu welchem Zeitpunkt den Fokus und was passierte zu diesem Zeitpunkt im Konfliktverlauf?

165 METHODENKRITIK // ANKNÜPFUNGSPUNKTE FÜR FORSCHUNG
Inhaltsanalyse Praktische Verbesserungsmöglichkeiten Fehlende Kategorien im Codebuch <-> gleichzeitig Gefahr zu vieler Kategorien Gleich viele Themen pro Kategorie Eigenpublikationen recht unterschiedlich Positive Erkenntnis für die Zukunft Es lohnt sich, sich zu Beginn viel Zeit für das Codebuch und die Definitionen zu nehmen! Verbesserungsmöglichkeiten: Eine fehlende Kategorie ist z.B. die BUGA-Bewerbung. Die Relevanz dieses Themas war uns zum Zeitpunkt der Erstellung der Themenspinne allerdings nicht präsent, weil es lange her war. Zu viele Kategorien können die Inhaltsanalyse aber auch erschweren und Ergebnisse mit minimalen Themennennungen hervorrufen. Eine übereinstimmende Anzahl der Themen pro Kategorie wären gut gewesen für eine vergleichbarere Auswertung. Dies ist aber schwierig umsetzbar, weil manche Themen sehr umfassend sind und andere eher speziell. Die Eigenpublikationen sind teilweise recht unterschiedlich, manche sind viele Seiten lang und es werden alle Kritikpunkte angesprochen, andere Gruppen fassen sich kürzer und fokussieren sich wegen des Platzmangels auf ihre wichtigsten Themen. Positive Erkenntnis: Ein gutes Codebuch inklusive Definition jedes einzelnen Themas hilft bei der Einordnung während der Codierung und erhöht die Reliabilität wegen des geringen Interpretationsspielraums.

166 QUELLEN Alemann, U. (1999): Wie lassen sich die Möglichkeiten bürgerschaftlichen Engagements ausbauen? - oder: Mehr Partizipation ist machbar, Herr Nachbar. In: Jörg Bogumil/Hans Josef Vogel (Hg.), Netzwerk: Kommunen der Zukunft. Eine Gemeinschaftsinitiative der Bertelsmann-Stiftung, der Hans-Böckler-Stiftung und der KGSt. Bürgerschaftliches Engagement in der kommunalen Praxis. Initiatoren, Erfolgsfaktoren und Instrumente. Brettschneider, F. & Schuster, W. (Hrsg.) (2013): Stuttgart 21 – Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz, Wiesbaden: Springer VS. BUND Mannheim (k. A.): Bürgerentscheid am 22. September Unsere Position zur Entwicklung des Grünzugs Nord-Ost und zur geplanten Bundesgartenschau 2023, online verfügbar: [Abruf: ] Chambers, S. (2003): Deliberative Democratic Theory, Annual Review of Political Science Vol. 6: Daum, A., Fraefel, M. & Häussler, T. (2007): Stimmengewirr oder Dialog? Politische Kommunikation als massenmediale Deliberation. Bern. Freie Wähler, Mannheimer Liste (2013): Wohin mit der Bundesgartenschau?., online verfügbar: [Abruf: ] Freundeskreis „Mannheim 23 – BUGA ja“ (2014): JA zur BUGA 2023, online verfügbar: [Abruf: ]

167 QUELLEN Hallin, D. C. & Mancini, P. (2004): Comparing media systems: Three models of media and politics. Cambridge: Cambridge University Press. Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar (2014): IHK-BUGA-Blog, online verfügbar: [Abruf: ] Kommunal-Info Mannheim (2013a): Gemeinderat beschließt Bürgerentscheid zur BUGA, online verfügbar: [Abruf: ] Kommunal-Info Mannheim (2013b): Bürgerentscheid zur Bundesgartenschau positiv, online verfügbar: [Abruf: ] Konversation statt BUGA, (2014a): Keine Bundesgartenschau (BUGA) 2023 in MANNHEIM!, online verfügbar: [Abruf: ] Konversation statt BUGA (2014b): ARGUMENTE gegen die BUGA, online verfügbar: [Abruf: ] Mannheimer Morgen (2013a): Bürgerentscheid: Mannheim: 50,7 Prozent für BUGA 2023, online verfügbar: [Abruf: ]

168 QUELLEN Mannheimer Morgen (2013b): BUGA-Gegner erheben Klage in Karlsruhe, online verfügbar: [Abruf: ] Mannheimer Morgen (2013c): Breite Mehrheit steht hinter der Buga-Bewerbung für 2023, online unter: [Abruf: ] mzes Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (2013): Demokratie in Mannheim. Ergebnisse des ersten Demokratie Audits Mannheim (DAMA), online verfügbar: [Abruf: ] Stadt Mannheim (2014a): Mannheimer Weißbuchprozess, online verfügbar: [Abruf: ] Stadt Mannheim (2014b): Weißbuch III. Konversion und Bürgerbeteiligung in Mannheim, online verfügbar: [Abruf: ] Stadt Mannheim (2014c): BUGA 2023, online verfügbar: [Abruf: ] Stadt Mannheim (2014d): Mannheimer Weißbuchprozess, online verfügbar: [Abruf: ] Stadt Mannheim (2014e): Machbarkeitsstudie. Grünzug Rhein-Neckar Bundesgartenschau Mannheim 2023, online verfügbar: https://www.mannheim.de/sites/default/files/page/22427/machbarkeitsstudie_bundesgartenschau_2023.pdf [Abruf: ]

169 QUELLEN Stadt Mannheim (2014f): Bürgerentscheid zur BUGA im September, online verfügbar: https://www.mannheim.de/nachrichten/buergerentscheid-zur-buga-im-september [Abruf: ]. Stadt Mannheim (2014f): Zusammensetzung des Gemeinderats., online verfügbar: https://www.mannheim.de/stadt-gestalten/zusammensetzung-des-gemeinderats [Abruf: ] Statista (2013): Internet Facts Unique User der Top 20 Online Angebote (ab 10 Jahre) im November 2013, online verfügbar: [Abruf: ]. Tessenow, H. (2006): Konversion militärischer Liegenschaften in Tauberbischofsheim. In: Studien zur Raumplanung und Projektentwicklung, Heft 2/06. Van Deth, J.W. & Schmitt-Beck, R. (2013): Demokratie in Mannheim. Ergebnisse des ersten Demokratie Audits Mannheim, online verfügbar: https://www.mannheim.de/sites/default/files/page/22427/demokratie-audit_mannheim_i.pdf [Abruf: ].


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