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Lernen und Kompetenzen erhalten Wie ältere Beschäftigte ihre Arbeitsfähigkeit bewahren (können) Christine Schwarzer Abteilung für Weiterbildung und Beratung.

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Präsentation zum Thema: "Lernen und Kompetenzen erhalten Wie ältere Beschäftigte ihre Arbeitsfähigkeit bewahren (können) Christine Schwarzer Abteilung für Weiterbildung und Beratung."—  Präsentation transkript:

1 Lernen und Kompetenzen erhalten Wie ältere Beschäftigte ihre Arbeitsfähigkeit bewahren (können) Christine Schwarzer Abteilung für Weiterbildung und Beratung

2 C. Schwarzer Gliederung Was ist Alter(n)? Welche Auswirkungen hat es auf das Lernen? Welche Konsequenzen lassen sich daraus für das Lernen über die Lebensspanne ziehen?

3 C. Schwarzer Lebenstreppe

4 C. Schwarzer Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr!

5 C. Schwarzer Altersdefinitionen Chronologisches Alter Biologisches Alter Psychologisches Alter Soziales Alter

6 C. Schwarzer Grundannahmen zur Entwicklung BALTES et al. (1980) nennen 3 miteinander interagierende Systeme: Normativ-altersbezogene Einflüsse Normativ-historische Einflüsse Non-normative Einflüsse

7 C. Schwarzer Abbau-Kurve der Intelligenz - altes Forschungsparadigma INTELLIGENZINTELLIGENZ ALTER Durchschnittsalter bei einem amerikanischen Intelligenztest in Beziehung zum Lebensalter (Quelle: Lehr, 2003, 51)

8 C. Schwarzer Vorurteile (Palmore, 1988) Wenn das letzte Kind das Haus verlässt, erleben es die meisten Eltern als ernstes Problem, sich dieser Situation anzupassen. Die Mehrheit der alten Menschen ist sozial isoliert und einsam. Die Mehrheit älterer Menschen fühlt sich elend. Psychotherapien haben wenig Erfolg bei alten Menschen. Die Mehrzahl alter Menschen hat kein Interesse an Sexualität. Das Vorkommen von ernsten geistigen/seelischen Erkrankungen (wie Depressionen) nimmt mit dem Alter zu. Mindestens 10% der alten Menschen leben in Institutionen. NeinJaBeispiele aus 36 Fragen

9 C. Schwarzer Pragmatik und Mechanik der Intelligenz Pragmatik Mechanik ca. 25 Jahreca. 70 Jahre Intelligenz als kulturgebun- denes Wissen Intelligenz als Basisprozess der Informations- verarbeitung LEISTUNGLEISTUNG Entwicklungsverläufe der fluiden und kristallinen Intelligenz (Quelle: Baltes, 1990, 5)

10 C. Schwarzer Sieben Thesen über das Wesen des Alters (Baltes, 1989) 1. Der Alternsverlauf ist von Person zu Person höchst unterschiedlich 2. Es ist wichtig, zwischen normalen, optimalen und kranken Altern zu unterscheiden 3. Es gibt im Alter ein beträchtliches, unausgeschöpftes Potential 4. Es gibt einen altersbedingten Verlust in der kognitiven Mechanik der Intelligenz 5. Es gibt altersbedingte Entwicklungs- und Kompensationsmöglichkeiten in der Pragmatik der Intelligenz (Wissen und Kultur) 6. Mit fortschreitendem Alter wird die Bilanz von Entwicklungsgewinnen und –verlusten zunehmend negativ 7. Das Selbstbild bleibt auch im hohen Alter intakt

11 C. Schwarzer Fähigkeiten mit altersbezogener Abnahme: Sensorische Leistungen des Sehens und Hörens Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung Kapazität und Genauigkeit des Arbeitsgedächtnisses Fähigkeiten mit altersbezogener Zunahme: Schnelleres und besseres Urteilsvermögen Handlungsbezogene Wahrnehmung von Situationen Automatisierung von Urteils-/ Handlungsprozessen Kommunikationsfähigkeiten Fähigkeit zur Selbststeuerung Verantwortungsbewusstsein und Zuverlässigkeit

12 C. Schwarzer U. Lehr (2004) führt folgende relevante Aspekte auf, die die Lernfähigkeit im Erwachsenenalter beschreiben: Ältere lernen bei sinnlosem Material schlechter, bei sinnvollem Material sind sie Lernleistungen mit denen der Jüngeren vergleichbar Älteren fehlt es oft an gewisser Lerntechnik (Kodierungsschwäche), die aber behoben werden kann Zu schnell gebotener Lernstoff behindert Ältere mehr als Jüngere Der Übungsgewinn bei einzelnen Aufgabenwiederholungen ist bei Älteren und Jüngeren gleich; Jüngere haben höhere Ausgangsbasis, Ältere brauchen mehr Wiederholungen um gleichen Stand erlangen. Eine schlechte Lernleistung bei Älteren ist meist nicht ein Zeichen nachlassender Lernleistung sondern oftmals von Unsicherheit, die einer Reproduktion des Gelernten im Wege steht

13 C. Schwarzer U. Lehr (2004) führt folgende relevante Aspekte auf, die die Lernfähigkeit im Erwachsenenalter beschreiben: Bei übersichtlich gegliederten Lernstoff lernen Ältere leichter, wenn der Komplexitätsgrad geringer ist Der Lernprozess bei Älteren ist störanfälliger als der bei Jüngeren Lernen in Teilen begünstigt Jüngere, Lernen im Ganzen begünstigt Ältere Der Begabungsfaktor spielt eher als der Altersfaktor eine Rolle Der Übungsfaktor während des gesamten Erwachsenenalters hat eine große Bedeutung Der Gesundheitsfaktor spielt ebenso eine große Rolle Besonders starken Einfluss haben zudem Lernaktivität und motivationale Aspekte, also die innere Bereitschaft, den Stoff aufzunehmen

14 C. Schwarzer Auswirkungen der Alterstruktur auf Lerninhalte und Lernformen Implizites Lernen: Lernen passiert praktisch nebenbei Ältere sind gleich auf Explizites Lernen: Ziel einer Aktivität ist das Lernen (Schule, Kurs,...) Jüngere sind im Vorteil

15 C. Schwarzer BEOBACHTUNGKONSEQUENZ Ältere lernen besser bei Einsichtigwerden des Sinnzusammenhangs Bezug zum Thema, zum Alltagswissen, zu den Erfahrungen herstellen Verständliche und nachvollziehbare Darbietung des Inhalts Fallbeispiele zur Vermittlung zwischen abstrakten Lerninhalten und konkreten Erfahrungen verwenden Missverständnisse können dadurch entstehen, dass Begriffe und Situationen aufgrund unterschiedlicher Erfahrungen anders verstanden werden Begriffe erklären Angemessene Sprachweise des Trainers Bei Unsicherheit nachfragen Trainer sollte sein eigenes Verständnis reflektieren Älteren fehlt es oft an einer gewissen Lerntechnik Lernen in kleinen Schritten, mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad, mit geringem Komplexitätsgrad Kontrolle, dass das bisher gelernte sitzt Ausgiebiges Einüben und den Bezug zum Ganzen herstellen

16 C. Schwarzer BEOBACHTUNGKONSEQUENZ Zu schnell und einseitig gebotener Lernstoff behindert Ältere Langsam und deutlich sprechen Ausreichend Wiederholungen einbauen Die TN sollten ihr Arbeitstempo selbst festlegen Visualisierung ausreichend groß Auf den Letzten warten Methodenwechsel Lernprobleme oft durch Unsicherheit und mangelndes Selbstvertrauen Schriftliches Lernmaterial verwenden Übungsaufgaben nicht zu früh verwenden (Frust, wenn es noch nicht klappt) Lernfortschritte und Aktivitätsgrad der TN hängen zusammen Erwartungsgespräche zu Beginn der Veranstaltung und zwischendurch Abstimmung zwischen Kurszielen und Fähigkeiten der TN Nicht jeder TN lernt über den gleichen Wahrnehmungskanal Inhalte über verschiedene Wahrnehmungskanäle anbieten Medienwechsel

17 C. Schwarzer Art der Informationsaufnahme Hören Sehen Lesen Hören + Sehen Dokumentation Selbst erarbeiten Gelernt wird das, was gelehrt wird! Gelernt wird nicht immer das, was gelehrt wurde! Gelernt wird auch, wenn nicht gelehrt wird! Gelernt wird, was subjektiv bedeutsam ist! Gelernt wird, was selbst erfahren wird!

18 C. Schwarzer Auswirkungen der Alterstruktur auf Lerninhalte und –formen Beteiligung der Altersgruppen an beruflicher Weiterbildung

19 C. Schwarzer Teilnahme und Nichtteilnahme hängen vom Ausmaß der Befrie- digung primärer und sekundärer Bedürfnisse und dem Einfluss positiver und negativer Kräfte ab. Die Teilnahmewahrscheinlichkeit wächst, wenn zwischen dem Selbstbild der Lernenden sowie Art und Umfeld des Weiter- bildungsangebotes Kongruenz besteht (Kongruenz-These) Die Teilnahmemotivation ergibt sich aus der Interaktion von Erwartungen und der Summe der positiven und negativen Werte, die ein Individuum den Lernaktivitäten zuschreibt (Kraft-Feld- These). Die Entscheidung zur Teilnahme fällt häufig mit Wechseln in Lebenssituationen zusammen (Lebensübergänge-These). Das Teilnahmeverhalten ist abhängig davon, inwieweit es mit dem Verhalten der jeweiligen sozialen und kulturellen Referenz- gruppe übereinstimmt (Referenzgruppen-These). Teilnahme an Weiterbildung korrespondiert mit der Teilnahme am sozialen Leben überhaupt (soziale Partizipation).

20 C. Schwarzer Selektive Optimierung mit Kompensation (SOK-Modell) Ein psychologisches Modell erfolgreichen Alterns (Baltes & Baltes, 1990) Entwicklung und Altern als Spezialisierung (Kanalisierung) Verlust an biologischen Entwicklungs- und Kapazitätsreserven Altersspezifische Entwicklungsmöglich- keiten (Kultur des Alters) Optimierung Selektion Kompensation Eingeschränktes, aber selbstwirksames Leben Vorbedingungen Prozesse Ergebnisse

21 C. Schwarzer leichtmittelschwierig Erfolgswahrscheinlichkeit niedrig hoch Aufgabenschwierigkeit MOTIVATION Anreiz

22 C. Schwarzer Berufliche Leistung und Alter: Variabilität der Leistungsentwicklung bei älteren Mitarbeitern und Einflussfaktoren

23 C. Schwarzer Berufliche Leistung und Alter: Aufgabentypen mit unterschiedlicher Beziehung zwischen Alter und Leistung

24 C. Schwarzer Im ganzen Land gilt: Frauen werden älter als Männer. Sie sind genetisch im Vorteil und achten mehr auf ihre Gesundheit. In NRW, Bremen und im Saarland sterben die Männer relativ früh: Als sie jung waren, schufteten viele in der Schwerindustrie. Heute gibt es dort weniger Jobs – und die Gesunden ziehen öfter weg als die Kranken. In Mecklenburg- Vorpommern sterben die Männer so früh wie nirgends sonst im Land. Hier ist die Arbeitslosigkeit sehr hoch. Und Arbeitslose haben eine kürzere Lebenserwartung Die Frauen im Osten leben inzwischen genauso lange wie die im Westen. Die Männer machen Sorgen: Sie fahren zu schnell Auto, rauchen und trinken mehr. Im relativ vermögenden Süden wird man alt. Reiche leben länger. Sie wissen mehr über Vorsorge, treiben Sport, ernähren sich gesünder.

25 C. Schwarzer Gutes Führungsverhalten und gute Arbeit von Vorgesetzten ist der einzig hochsignifikante Faktor, für den eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zwischen dem 51. und 52. Lebensjahr nachgewiesen wurde. (Ilmarinen & Tempel, 2002)

26 C. Schwarzer Zwei Typen gesellschaftlicher Lebenslaufstruktur (Baltes & Montada, 1996) alt mittel jung Alter alters- differenziert Freizeit Arbeit Bildung alters- integriert Freizeit Arbeit Bildung

27 C. Schwarzer Nutzung der Stärken älterer Mitarbeiter in der Zusammenarbeit mit Jüngeren

28 C. Schwarzer Nutzung der Stärken älterer Mitarbeiter in der Zusammenarbeit mit Jüngeren: Beispiel Aufgabenorientierter Informationsaustausch Nutzung des vorhandenen Arbeits- und Erfahrungswissens der Mitarbeiter Zusammensetzung der Gruppe aus Mitarbeitern mit unterschiedlicher Berufserfahrung und Qualifikation Gruppenarbeit wird als kooperativer Problemlöseprozess gestaltet, der durch einen Moderator gesteuert wird Nutzung der Verbesserung und Dokumentationen für die: Veränderung von Arbeitsplätzen Qualifizierung am Arbeitsplatz (z.B. Einweisung neuer Mitarbeiter) Individuelle Entwicklungsplanung

29 C. Schwarzer Empfehlungen zur Bildung Empfehlung der Expertenkommission Ziele in der Altenpolitik (2007) Förderung einer differenzierten Sicht von Alter und Altern Chancengleichheit in Bezug auf Bildung schaffen und Ungleichheiten im Bildungssystem abbauen Weiterer Ausbau der Grundversorgung mit Angeboten allgemeiner, politischer und kultureller Weiterbildung Öffnung und Erweiterung von Bildungsangeboten Ausbau betrieblicher Weiterbildung

30 C. Schwarzer Ausbau gesundheitsbezogener Bildungsaktivitäten Ausbau der Angebote zur Förderung der körper- lichen, der kognitiven und der alltagspraktischen Kompetenz Vernetzung bestehender Angebote und Nutzung von Selbstorganisationspotenzialen Ausbau von Angeboten für Menschen mit lebens- langer Behinderung Notwendigkeit eines systematischen internationalen Vergleichs von Bildungsaktivitäten Empfehlungen zur Bildung Empfehlung der Expertenkommission Ziele in der Altenpolitik (2007)

31 C. Schwarzer Christine Schwarzer Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

32 C. Schwarzer Radiometer – ein Unternehmen, das Ausbildung in seine tägliche Produktionsplanung integriert Management und Arbeitnehmer des dänischen Medizintechnik- Unternehmens Radiometer haben gemeinsam ein innovatives Lernkonzept genehmigt: Die Job-2-Idee: Jeder Beschäftigte erhält die Möglichkeit, sich für eine Tätigkeit in einer anderen Abteilung des Unternehmens zu qualifizieren (auch durch formales und informelles Lernen). Dies verhilft dem Unternehmen zu flexibleren Arbeitskräften, deren Produktionskapazität es stetig nutzen kann. Andererseits erhält der Beschäftigte einen sicheren Arbeitsplatz. Dies erhöht generell die Bereitschaft zur Ausbildung und vermittelt den einzelnen Beschäftigten mehr Selbstvertrauen.

33 C. Schwarzer In enger Zusammenarbeit mit einem lokalen Zentrum für Erwachsenenbildung bietet das Unternehmen den Beschäftigten Lese- und Schreibkurse, Sprachkurse und IKT-Kurse an. Die Lese- und Schreibkurse in Dänisch finden während der Arbeitsstunden statt, für die Kurse in den Fremdsprachen dagegen gilt eine 50/50- Regelung (zu gleichen Teilen während der Arbeitszeit und in der Freizeit). Die IKT-Kompetenzen wurden durch eine Heim-PC Vereinbarung intensiviert; dabei erhalten die Beschäftigten einen Steuernachlass für einen zu Hause zu nutzenden PC, wenn sie bereit sind, diesen für die Teilnahme an einem Fernkurs zu verwenden. Radiometer – ein Unternehmen, das Ausbildung in seine tägliche Produktionsplanung integriert

34 C. Schwarzer Hierbei wird jedes Jahr mit den einzelnen Beschäftigten ihre berufliche und persönliche Entwicklung erörtert. Fast alle Arbeiter beteiligen sich an formaler Bildung und Ausbildung (durchschnittlich 5 Tage im Jahr). 95% der Arbeiter schrieben sich für das Heim-PC Programm ein und verpflichteten sich zu 100 Stunden IKT Ausbildung, in erster Linie zu Hause. Die Zusammenarbeit auf allen Unternehmensebenen führt nicht nur zu mehr Ausbildung, sondern auch zu mehr Flexibilität, Motivation und einer ganzheitlichen Sicht der Personalentwicklung. Alle Manager müssen die – positive und negative – Auswirkung des Ausbildungsansatzes auf die Arbeit akzeptieren und Verständnis dafür zeigen, da die Bereitschaft der Beschäftigten zur Teilnahme an der Ausbildung entscheidend von ihnen abhängt. (Dänemark) Radiometer – ein Unternehmen, das Ausbildung in seine tägliche Produktionsplanung integriert


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