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Hat Malthus recht? AKUF-Kriegedatenbank (Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung.

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Präsentation zum Thema: "Hat Malthus recht? AKUF-Kriegedatenbank (Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung."—  Präsentation transkript:

1 Hat Malthus recht? AKUF-Kriegedatenbank (Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung Hamburg) Bouthoul, Gaston (1972): Kindermord aus Staatsräson. Der Krieg als bevölkerungspolitischer Ausgleich. Stuttgart Cincotta, Richard P./ Engelman, Robert/ Anastasion, Daniele (2003): The Security Demographic. Population and Civil Conflict after the Cold War. Population Action International. Washington D.C. Dießenbacher, Hartmut (1998): Die Kriege der Zukunft. Die Bevölkerungsexplosion gefährdet den Frieden. München/ Wien. Fukuyama, Francis (1992): Das Ende der Geschichte: Wo stehen wir? Heinsohn, Gunnar (2003): Söhne und Weltmacht. Terror im Aufstieg und Fall der Nationen. Zürich. Münkler, Herfried (2002): Die neuen Kriege. Reinbek. United Nations Population Division: World Population Prospects. The 2002 Revision Population Database:

2 Wer war Malthus? Malthus wurde berühmt, weil er die Paranoia vor zu vielen Menschen, eine Form des Lebensneides zuerst formuliert hat. Seine Kernaussage lautet:“ Die Erde hat eine begrenzte Tragfähigkeit, daher kommt es notgedrungen zu Verteilungs- kämpfen“

3 Ansatz der Studie Die hier vorgestellte Studie analysiert den Zusammenhang zwischen der Altersstruktur von Bevölkerungen und kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen 1950 und 2000, um den von Malthus formulierten Zusammenhang zu verifizieren. Einbezogen wurden 159 Staaten, in denen im Jahr 2000 sechs Milliarden Menschen, also 99 Prozent der Weltbevölkerung lebten.

4 Kein Ende der Geschichte Francis Fukuyamas These vom "Ende der Geschichte" hat sich nicht bewahrheitet. Der amerikanische Politikwissenschaftler hatte Anfang der 1990er Jahre vorhergesagt, mit dem Zusammenbruch der Sowjetimperiums würden sich Demokratie und Menschenrechte weltweit durchsetzen und die Staatengemeinschaft friedlicheren, besseren Zeiten entgegengehen (Fukuyama 1992). Tatsächlich kann von einer friedlichen Welt auch heute nicht die Rede sein. Zwar machen Auseinandersetzungen zwischen souveränen Staaten, die noch die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts bestimmt haben, nicht mehr den Großteil globaler Gewalt aus. Doch an Stelle der klassischen Kriege sind vermehrt Bürgerkriege getreten - oft jahrelang schwelende Konflikte, die zwischen bewaffneten Gruppen, gegen reguläre Streitkräfte oder gegen die Zivilbevölkerung geführt werden.

5 Entstaatlichung der Kriege Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler spricht deshalb von einer "Entstaatlichung" der Kriege: "Für die neuen Kriege ist charakteristisch, das der Staat sein Monopol der Kriegsgewalt verloren hat. Wenn er in ihnen überhaupt noch in Erscheinung tritt, dann nur in einer Reihe mit privaten Kriegsunternehmern, die sich teilweise aus ideologischen Gründen, vor allem aber um des Raubens und Plünderns willen den Kriegführenden zugesellt haben" (Münkler 2002).

6 I Ursachen für Kriege Kriegen und gewaltsamen Konflikte werden meist folgende Motive unterstellt:  politisch  ökonomisch  ethnisch  ideologisch Ob auch demografische Faktoren Kriege hervorrufen können, ist so gut wie nicht untersucht. Dies ist eine Spätfolge des Nationalsozialismus, dessen Protagonisten von einem "Volk ohne Raum" sprachen und ihre verheerenden Feldzüge mit dem Argument der "Übervölkerung" zu rechtfertigen versuchten. Daher ist eine solche Begründung für die Bevölkerungswissenschaft und -politik tabu. Eine wissenschaftliche Untersuchung der Beziehung zwischen demografischer Entwicklung und Konflikten ist daher nicht sehr beliebt.

7 Bereits Aristoteles, Thomas Hobbes und Thomas Robert Malthus sprachen von einem Zusammenhang von Bevölkerungswachstum und gewaltsamen Konflikten. Dabei wird ein Zusammenhang von hoher Bevölkerungsdichte und schnellem Wachstum und Unregierbarkeit und Gewalt postuliert. Moderne Autoren, wie In den 1970er Jahren der Soziologe und Kriegsforscher Gaston Bouthoul führten diese Linie fort. In "L'infanticide differe" schreibt er, dass in den zurückliegenden zweihundert Jahren die Kampfhandlungen in der Welt im selben Maße zugenommen hätten, wie die Kindersterblichkeit gesunken sei. Starkes Bevölkerungswachstum, die "demografische Inflation", führe zu einer Entwertung menschlichen Lebens und sei ein grundlegendes Element kollektiver Aggressivität.

8 1998 wurde erstmals seit dem 2.Weltkrieg von Hartmut Dießenbacher in seinem Werk "Kriege der Zukunft" die Diskussion um demografische Ursachen von Kriegen auch im deutschsprachigen Raum wieder angeheizt. Anlässlich des Genozids in Ruanda, der 1994 in nur hundert Tagen eine Million Opfer forderte, sieht er einen "demografischen Exponenten“: Die ruandische Bevölkerung hatte sich von 3,6 Millionen im Jahr 1952 auf 7,5 Millionen 1993 mehr als verdoppelt. Mit durchschnittlich 8,3 Lebendgeburten je Frau gehörte Ruanda damals zu den Ländern mit den weltweit höchsten Fertilitätsraten. Trotz ausschließlich agrarischer Wirtschaftsweise lag die Bevölkerungsdichte in Ruanda höher als in einer Industrienation wie Deutschland. Diese "Übervölkerungsstruktur" habe das Morden ausgelöst und sie sei keineswegs eine Besonderheit Ruandas. Den nahezu parallelen Anstieg von Kriegshäufigkeit und Weltbevölkerung seit 1945 begründet Dießenbacher deshalb vor allem mit der Auswirkung von Übervölkerung.

9 Was hat das mit Malthus zu tun? Dazu sollten wir zuerst etwas über ihn erfahren. –Thomas Robert Malthus wurde 1766 in Dorking südlich von London als zweites von 8 Kindern, darunter 6 Mädchen, geboren. Sein Vater war ein Jakobiner, der sogar Korrespondenzen mit Voltaire, Rousseau und Hume austauschte.Voltaire RousseauHume –Er wurde von Privatlehrern und seinem Vater unterrichtet. –Mit 18 Jahren ging er an das Jesus College in Cambridge.

10 … Malthus – 1805 wurde er Professor der politischen Wirtschaft an der Hochschule bei Haileybury, einer Hochschule, die durch und für die allgemeine Ausbildung der Staatsbeamten für die East India Company eingerichtet worden war. –Sein Werk, das in seltsamen Kontrast zu seinem liebeswürdigen und eleganten Verhalten steht, wurde sowohl von Revolutionären und Konservativen mißgedeutet und mißbraucht.

11 Grundgedanken D ie Grundlage seiner Gedanken basiert auf folgender Beobachtung: Die Bevölkerungszunahme ist geometrisch (also etwa nach der Zahlenreihe 1, 2, 4, 8, 16..), während die Erwerbsmittel sich arithmetischen (im gleichen Zeitraum also übertrieben dargestellt: 1,2,3,4,5…)vermehren. M althus zog daraus den Schluss, dass das Anwachsen der Menschheit unablässig der landwirtschaftlichen Erzeugung davoneilt. Diese Beobachtung Malthus schließt an einen zweiten Gedanken an: Es gibt zwei Grundbedürfnisse: Nahrung und Sex. Malthus nahm an, dass beide Bedürfnisse nicht unterdrückt oder gesteuert werden können. Daraus zog er die Schlussfolgerung, dass einmal der Punkt erreicht wird, wo die begrenzten Rohstoffe lebensbedrohlich werden, und daher eine der beiden Motivationen die andere begrenzt, und eine Entscheidung nötig wird.

12 Malthus´ Schlussfolgerung war nun, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt, um die Bevölkerungszahlen gering zu halten oder zu regulieren:  "preventive checks": Faktoren, die die Geburtenhäufigkeit vermindern, wie das kirchliche Gebot der Ehe oder ein staatlich verordnetes Mindestheiratsalter  "positive checks": Faktoren, die die Sterblichkeit erhöhen Der Bevölkerungsdruck forciert Kriege (Die Rekrutierung von Söldnerheeren wird - so Malthus - möglich durch die Armut der Bevölkerung). Krankheiten und Seuchen nehmen - aufgrund mangelnder Hygiene und Gesundheitsvorsorge - zu. Der Bevölkerungsdruck forciert die Verstädterung und Slumbildung, die wiederum eine steigende Kriminalitat zur Folge haben. Die Selbstregulierung der Natur manifestiert sich dann mit Druck/Gewalt und Elend, zwei notwendigen Übel, die sich in Krieg, Hunger und Leiden verkörpern. Hungerkatastrophen und schreckliche Verteilungskriege erschienen nach dieser Theorie unvermeidbar. Als Lösung schlug Malthus eine Senkung der Geburtenrate durch sexuelle Enthaltsamkeit und späte Heirat vor, die "moralische Begrenzung„.

13 Autoren, welche Malthus' Ideen übernahmen, empfahlen zudem systematische Abtreibungen oder die Sterilisation von Frauen in Entwicklungsländern, was tatsächlich im 20.Jhd. In Indien und China, oft ohne Wissen der Frauen, vorgenommen wurde.

14 Rezeption und Kritik Thomas Malthus hat sich 1798 und 1803 mittelfristig geirrt, langfristig hat er prinzipiell recht behalten. Sein Werk erschien, als die industrielle Revolution bereits angelaufen war. Im selben Jahr, als Malthus seine Theorien veröffentlichte, wurde die erste Hochdruck-Dampfmaschine in Betrieb genommen. Die Folgen der Industrialisierung waren ein Wachstum in allen Bereichen des Lebens. Bergbau, Landwirtschaft, Textilien, Pharmazie, Verkehr - überall fand eine zügige Entwicklung statt, sowohl mengenmäßig als auch hinsichtlich der Qualität. Diese rasante Entwicklungsphase bewirkte eine noch schnellere Vermehrung der Bevölkerung. Die Folgen dieses Wachstums konnten durch einen enormen Einsatz von Energie in Form von Kohle und Öl bis heute teilweise verschleiert werden.

15 Renaissance heute? Die von Malthus vorausgesagte Entwicklung wurde nur verzögert. Mehr Menschen brauchen mehr Nahrung und Energie. Eine größere Nahrungsproduktion, gleichgültig ob mit oder ohne Gentechnik, verbraucht mehr Boden und vernichtet unabwendbar die biologische Artenvielfalt. Mehr Energieaufwand, egal ob durch Kohle, Öl oder Kernenergie, hat zudem weitere schwere Eingriffe in das weltweite Ökosystem zur Folge. Ein Überleben der Menschheit hängt von der Fähigkeit ab, sowohl die Bevölkerungsexplosion zu drosseln als auch die aberwitzige Energieverschwendung zu verringern.

16 Bevölkerungsethik (?!) Die Bevölkerungsethik ist Teil der praktischen Ethik, der die begründete moralische Stellungnahme zu bevölkerungspolitischen Problemen untersucht. Sie gehört damit zu Bioethik.praktischen EthikBioethik Moralische Probleme entstehen, außer durch die unmittelbaren Folgen des Bevölkerungswachstums, in den sog. Entwicklungsländern (Unterernährung, Krankheit, hohe Sterblichkeit) selbst, z. B. im Hinblick auf Maßnahmen der sog. Geburtenkontrolle und deren Folgen, vor allem für das Selbstbestimmungsrecht der betroffenen Frauen. Grundlage für die Probleme der Entwicklungsländer ist die absolute Armut.absolute Armut Unterstellt man, dass kein moralischer Unterschied zwischen dem Töten und dem Sterbenlassen besteht, hat dies weitgehende Folgen für die Bevölkerungsethik. Peter Singer bringt es auf den Punkt, wenn er schreibt: –"Falls grundsätzlich kein Unterschied zwischen Sterbenlassen und Töten besteht, könnte es fast scheinen, dass wir alle Mörder sind."

17 Extreme Auslegung oder Grundidee? Malthus bewertet "preventive checks" positiv, leitet aber aus seiner Theorie zugleich das Postulat ab, die Armen nicht staatlich zu unterstützen (Aufhebung der Armengesetze). Eine Alimentierung der Armen führe zu einer anschließenden Bevölkerungszunahme, die den eigentlich erwünschten Effekt (höhere Sozialstandards) konterkariere und zu weiterer Verelendung führe.

18 Weitere Werke Im zweiten Hauptwerk „Principles of Political Economy“ von 1820 macht er eine grundlegende Untersuchung über Wert, Grundrente, Arbeit und Arbeitslohn, um zu erklären, wie der Wohlstand eines Volkes entsteht. Vor Malthus ging man generell davon aus, dass mit wachsender Bevölkerung eine größere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes erreicht wird. Aus der malthusianischen Bevölkerungstheorie ergibt sich allerdings, dass das Bevölkerungswachstum stärker als das wirtschaftliche Wachstum ist und es somit zu Verarmung und Verelendung des Landes kommt. Malthus steht hier im Widerspruch zu den Ausführungen seines Freundes und wissenschaftlichen Rivalen David Ricardo und schreibt im Sinne der wirtschaftlichen Analysen von Adam Smith. Diese wirtschaftswissenschaftliche Betrachtung der Bevölkerungstheorie von Malthus wird auch als Bevölkerungsfalle interpretiert.David RicardoAdam SmithwirtschaftswissenschaftlicheBevölkerungsfalle

19 Wissenschaftlicher Kontext: Schöne Prognosen und… Die beiden großen Aufklärer Jean- Jacques Rousseau und David Hume glaubten, dass eine wachsende Bevölkerung gut sei für die Entwicklung eines Landes: Mehr Hände und Köpfe leisten mehr - in der Wirtschaft, in der Wissenschaft und auch im Krieg. Malthus dagegen sieht das pessimistisch.

20 …reality Die Nachfrage nach Lebensmitteln steigt schneller als das Angebot, und damit steigen in einer Marktwirtschaft auch die Nahrungsmittelpreise. Die Reallöhne - der gezahlte Lohn abzüglich des Preisanstiegs - müssten somit zwangsläufig unter das Existenzminimum fallen. Für Malthus war das der Grund für die Armut und den Hunger, denen er sich tagtäglich gegenübersah. Die Slums in und um Städte wie London und Manchester wuchsen beständig und ein Drittel der Bevölkerung war unterernährt, Hungeraufstände an der Tagesordnung. Er glaubte auch nicht wie Adam Smith an die Selbstregulation des freien Marktes.

21 Herbe Kritik Malthus wurde in der Folge von seinen Kritikern unterstellt, er wolle den Armen das Heiraten untersagen und begrüße Pest und Pocken als willkommene Entlastung für die (überlebende) Bevölkerung - laissez mourir statt laissez faire.

22 Spott und Ablehnung vs. Ehrung Ricardo, ein Freund und Zeitgenosse Malthus´behauptete, diese Lehre "gab den Reichen eine sehr erfreuliche Formel, die Missgeschicke der Armen zu ertragen". Später sah auch Karl Marx in Malthus einen Interessenvertreter der herrschenden Klasse. Das Bevölkerungsprinzip, schrieb Marx, "wurde jubelnd begrüßt von der englischen Oligarchie als der große Austilger aller Gelüste nach menschlicher Fortentwicklung". Für John Maynard Keynes hingegen war Malthus der größte Ökonom der Klassiker, weil er die Anfälligkeit der Nachfrageseite entlarvte: "Wenn nur Malthus anstelle von Ricardo der Hauptstamm gewesen wäre, von dem sich die Ökonomie des 19. Jahrhunderts entwickelt hätte, um wie viel weiser und reicher wäre die Welt heute!"

23 II. Was ist nun dran? Was sagen moderne Forscher? Im Jahr 2003 behauptet Gunnar Heinsohn, ein Völkermordforcher aus Bremen in "Söhne und Weltmacht" nicht Bevölkerungswachstum an sich oder absolute Zahlen von Bevölkerungen oder Bevölkerungsgruppen lösten Kriege aus, sondern der Anteil der Jugendlichen und jungen Erwachsenen innerhalb einer Gesellschaft. Besonders gefährlich wird es laut Heinsohn, wenn die Altersgruppe der 15- bis 24-jährigen einen Anteil von 20 Prozent an der Gesamt- bevölkerung übersteigt.

24 Begründung: Den Grund dafür sieht Heinsohn in der Struktur traditioneller Gesellschaften, in denen meist nur die erstgeborenen Söhne etwas erben können. Die Nachgeborenen, aber auch jene, für die nach einer Realteilung zu wenig zum Überleben übrig bleibt, finden keinen angemessenen Platz in der Gesellschaft. Die "überzähligen Söhne" seien auf der Suche nach Überleben, Wohlstand und Status zu allem bereit - auch zu Gewalt. Dieses Heer an potentiellen Kriegern, die in Heroismus und Märtyrertum ihre einzige Chance sähen, würde durch die demografische Entwicklung in den kommenden 15 Jahren immer kopfstärker, und dort gefährlicher, wo Armut droht.

25 Von Polemik zu Beweis Das "Berlin-Institutes für Weltbevölkerung und globale Entwicklung" analysiert deshalb den Zusammenhang zwischen der Altersstruktur von Bevölkerungen und kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen 1950 und Demografische Grundlagen der Arbeit sind die Daten der World Population Prospects Database der United Nations Population Division. Einbezogen wurden 159 Staaten, in denen im Jahr 2000 sechs Milliarden Menschen, also 99 Prozent der Weltbevölkerung lebten. Daten zu Kriegen sind der Kriegsdatenbank der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) in Hamburg entnommen.

26 Abb.1 : Länder im Krieg und Weltbevölkerungswachstum (1950 bis 2000)

27 Die Darstellung zeigt, dass die Zahl der Länder im Kriegszustand zwischen 1950 und 2000 im gleichen Maße wie die Weltbevölkerung gewachsen ist. Ungewöhnlich ist der 1992 einsetzende deutliche Rückgang der Kriege, für den die AKUF allerdings keine Begründung liefert. Vermutlich schwand mit dem Zusammenbruch des Kommunismus und dem Ende der Stellvertreterkriege vorübergehend die Kriegsgefahr. Seit 1997 ist die Konflikthäufigkeit auf dem Niveau von rund 25 pro Jahr in Kriege verwickelte Länder stehen geblieben.

28 Und das heißt: Der Zusammenhang von Bevölkerungswachstum und der Häufigkeit von Kriegen ist nicht exponentiell (was die Definition eines "Exponenten" rechtfertigen würde), sondern lediglich linear. Die relative Anzahl der Kriege, bezogen auf eine bestimmte Anzahl Weltbürger weist keinen Trend auf.

29 aber auch: Die regionale Verteilung der Kriege zeigt, dass Kriege sehr viel häufiger in Regionen auftreten, in denen die Bevölkerung stark wächst. Seit 1945 verzeichnet die AKUF 238 Kriege und bewaffnete Konflikte in beziehungsweise mit Beteiligung von 110 Ländern. Von diesen Auseinandersetzungen entfallen –69 (29 %) auf Afrika, –63 (26 %) auf Asien sowie –32 (13 % auf Südamerika) –und lediglich an 17 Kriegen (7 % des weltweiten Kriegsgeschehens seit 1945) waren so genannte westliche Staaten, also Nationen Europas und Nordamerikas beteiligt. Eine Verbindung zwischen Kriegsgefahr und Bevölkerungsentwicklung könnte demnach zumindest regional existieren.

30 Und was ist dran am youth bulge? Demografischer Stress als Kriegsursache Eine kürzlich erschienene Studie von Population Action International - "The Security Demographic" - befasst sich ausführlich mit dem Einfluss der demografischen Entwicklung auf die Kriegsgefahr (Cincotta/ Engelman/ Anastasion 2003). Die Autoren definieren vier demografische Stressfaktoren, die das Auftreten von Gewalt in Gesellschaften begünstigen. Einer davon ist der "youth bulge", der Überhang junger Menschen in der Bevölkerung. Neben dem "youth bulge" beschreiben die Autoren ein schnelles Wachstum der städtischen Bevölkerung, die Knappheit von Ackerland und Wasser und die Auswirkungen der AIDS-Epidemie als Konfliktursachen.

31 .. youth bulge? Die Studie liefert erstmals eine statistische Auswertung des Zusammenhangs zwischen Jungendanteil und Bürgerkrieg - allerdings nur für das letzte Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. Dabei definieren die Autoren den "youth bulge" als Anteil der 15 bis 29jährigen an der gesamten Bevölkerung eines Landes über 15 Jahre. Die Studie zeigt, dass zwischen 1990 und 2000 die Konfliktwahrscheinlichkeit in Ländern mit mehr als 40 Prozent Jugendlichen bei 33 Prozent lag. In einem Drittel dieser Länder kam es im betrachteten Zeitraum zu einem Bürgerkrieg. Die Wahrscheinlichkeit eines Bürgerkriegs war damit drei mal höher als in Ländern mit einem Jugendanteil unter 30 Prozent.

32 Ergebnisse Das Berlin-Institut hat nun den Zusammenhang erforscht. Ein sprunghafter Anstieg der "youth-bulge"-Nationen zwischen 1968 und 1983: Binnen 15 Jahren ist die Zahl der angeblich konfliktträchtigen Länder von drei auf 46 hochgeschnellt (das Echo auf das starke Bevölkerungswachstum in den Entwicklungsländern seit den 1950er Jahren). Nach 1983 nahm die Zahl der Länder mit "youth bulge" wieder etwas ab. Erklärbar ist dies durch die in vielen Ländern eingeleiteten staatlichen Familienplanungs-Programme nach 1970.

33 Eine vergleichbar sprunghafte Entwicklung der Kriege wird in der Grafik jedoch nicht sichtbar: Die Kriegshäufigkeit entwickelt sich relativ gleichmäßig.

34 Interpretation der Daten Einen proportionalen Zusammenhang zwischen der Zahl der "youth bulge"- Nationen und der Entwicklung der Zahl der Kriege gibt es nicht. Allerdings zeigt die dritte (braune) Linie in der Grafik, dass der Zuwachs bei der Zahl der Kriege nach 1970 fast ausschließlich auf das Konto von "youth-bulge"-Nationen geht. Befand sich 1971 erst ein Land mit einem Jugendanteil von über 20 Prozent im Krieg, so waren es 1992 bereits 17. Insgesamt hatten von den 19 Ländern, deren Jugendanteil während der vergangenen 50 Jahre niemals 18 Prozent überstieg (darunter auch Deutschland) nur zwei einen gewaltsamen Konflikt auszutragen: Ungarn, dessen Bürger 1956 gegen die kommunistischen Machthaber aufbegehrten; sowie Großbritannien, das in langjährige Auseinandersetzungen in Nordirland sowie einen Krieg um die Falklandinseln verwickelt war. Andererseits haben 53 der 70 untersuchten Länder, die in irgendeinem Jahr seit 1950 einen Jugend-Anteil zwischen 19 und 21 Prozent erreichten, mindestens einen Krieg oder gewaltsamen Konflikt erlebt.

35 Wie ist dann dieser Zusammenhang tatsächlich? Kein linearer Zusammenhang zwischen hohem Jugendanteil und Kriegen Das Berlin-Institut hat die Korrelation von Jugendanteil und Kriegsgefahr mit Hilfe einer binären logistischen Regression überprüft. Mit diesem statistischen Verfahren wird die ►Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmtes Ereignis eintritt, in Abhängigkeit von einer oder mehreren Variablen ermittelt. In unserem Fall das Auftreten von Krieg in Abhängigkeit von der Variable "Jugendanteil" für alle 159 Länder und 51 Jahre (1950 bis 2000).

36 Ergebnis Die Regression belegt einen statistisch signifikanten Zusammenhang (R-Quadrat mit 0,071) zwischen dem Jugendanteil eines Landes und dem Auftreten von Krieg. Demnach erweisen sich Gesellschaften mit weniger als 15 Prozent Anteil an dieser Kohorte als relativ friedlich. Das Kriegsrisikobeträgt dort lediglich fünf Prozent. Das höchste Konfliktrisiko (27 Prozent) besitzen Länder mit 19 bis 21 Prozent "youth bulge". Ist jedoch der Überschuss an jungen Menschen noch größer, sinkt, ganz im Widerspruch zu Heinsohn, die Wahrscheinlichkeit für gewaltsame Auseinandersetzungen massiv. Staaten in denen die 15 bis 24jährigen mehr als 21 Prozent an der Gesamtbevölkerung ausmachen, haben mit 13 Prozent sogar ein geringeres Konfliktrisiko als Staaten die nur einen Jugendanteil von 17 bis 19 Prozent aufweisen.

37 Andere Faktoren für Krieg Gefahr: Scheinkorrelationen Bei den Ländern ohne Krieg handelt es sich im wesentlichen um wirtschaftlich starke Industrienationen, die auf Grund ihres hohen Entwicklungsstandes schon seit Jahrzehnten eine niedrige Fertilität und damit einen geringen "youth bulge" aufweisen. Umgekehrt sind die meisten in Konflikte verwickelten Länder arm und schlecht entwickelt. Denkbar ist also, dass die Kriegsgefahr lediglich mit wirtschaftlicher (Unter)- Entwicklung zusammenhängt, die wiederum mit hohen Geburtenraten einhergeht. Das hieße, dass die Ursachen umgekehrt liegen.

38 Was aber ist der Grund dafür, dass gerade die Länder mit extrem hohen Jugendanteil einem geringen Kriegsrisiko unterliegen? Die Antwort ist einfach: Stark wachsende Bevölkerungen, mit einer jährlichen Wachstumsrate von wenigstens drei Prozent, können keinen "youth bulge" von mehr als 20 Prozent erreichen. Wenn eine Kohorte in das Alter zwischen 15 und 24 Jahren eintritt, ist bei solch dynamischem Wachstum die nachfolgende Kindergeneration bereits so groß, dass der "youth bulge" nicht über ein Fünftel der Gesamtbevölkerung anwachsen kann. "Youth bulges" über 21 Prozent können also nur in Ländern mit zuvor hohen Geburtenraten entstehen, in denen die Kinderzahlen binnen kurzer Zeit deutlich gesunken sind. Oder in Ländern, in denen die Sterblichkeit im Erwachsenenalter (und/oder im Kindesalter) unvermittelt ansteigt. Länder, in denen dies geschehen ist, verzeichnen tatsächlich relativ wenig Kriege: Von 20 Staaten, die im Jahr 2000 einen Jugendanteil von mehr als 21 Prozent hatten, kam es im entsprechenden Jahr nur in dreien zu gewaltsamen Auseinandersetzungen (Algerien, Ruanda und Elfenbeinküste). Alle drei sind Länder, deren Jugendanteile noch nahe an der unteren Intervallgrenze liegen. Im gleichen Jahr hatten acht Länder einen Jugendanteil von mehr als 22 Prozent (und waren in diesem Jahr frei von Kriegen und gewaltsamen Konflikten): Kenia, Lesotho, Simbabwe, Botswana, Haiti, Syrien, Libyen, und der Iran.

39 In Botswana, Simbabwe und Lesotho verursacht die hohe Sterblichkeit durch AIDS im Erwachsenenalter die Entstehung von "youth bulges". In Botswana beispielsweise galt Ende 2002 ein Fünftel der Bevölkerung als HIV positiv. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist durch AIDS von einst 74 auf nur noch 39 Jahre gesunken. Dass derart durch AIDS geschwächte Völker kaum Kriege führen können, ist leicht nachzuvollziehen.

40 Ein Blick hinter die Zahlen und Vorurteile Syrien, Libyen und der Iran sind jedoch Länder, in denen binnen kurzer Zeit die Kinderzahlen deutlich gesunken sind, was zu einem Abflauen der Wachstumsrate geführt hat. Diese sank im Iran von jährlich 4,1 Prozent zwischen 1980 und 1985 auf nur noch 1,3 Prozent zwischen 1995 und 2000 (in Libyen von 4,4 auf 2 Prozent; in Syrien von 3,7 auf 2,5 Prozent). Gleichzeitig hat Syrien zwischen 1970 und 1980 sein Pro-Kopf- Bruttosozialprodukt fast versechsfacht. In Libyen verdreifachte und im Iran versiebenfachte sich dieser Wert im selben Zeitraum. Das gleiche Phänomen ist in den "Tigerstaaten" Südostasiens zu beobachten. In der Folge des Geburtenrückgangs entstanden dort erhebliche "youth bulges" - gefolgt von einer dynamischen Wirtschaftsentwicklung und dem Einstieg in ungewöhnlich friedliche Zeiten. Somit lässt sich zusammenfassen, dass gerade die gewaltigsten "youth bulges" selten Kriege nach sich ziehen, weil die Bedingungen, die sie verursachen, keinen Anlass zum Kriege führen bieten.

41 Beispiele In Botswana und Libyen gibt es mehr als 22 Prozent 15- bis 24-jährige. Aber die Ursache für diesen enormen "youth-bulge" ist im Fall von Botswana eine hohe Sterblichkeit durch AIDS. In Libyen hat sich die Fertilitätsrate in den vergangenen 15 Jahren deutlich reduziert, von mehr als sieben Kinder je Frau Anfang der 1980er Jahre auf heute nur noch etwa drei Kinder je Frau. Daher gibt es diesen Einbruch unter der grau dargestellten Zone Im Jemen liegt der Jugendanteil der Bevölkerung im Jahr 2000 jedoch unter 20 Prozent. Grund dafür ist eine Fertilitätsrate der jemenitischen Frauen, die seit 50 Jahren bei konstant über sieben Kindern liegt. Nach der "youth-bulge"- Hypothese müsste Libyen das mit Abstand gefährlichste der drei Länder sein. De facto dürfte es aber aufgrund einer unzureichenden wirtschaftlichen Entwicklung und schlechter Bildungsstandards der Jemen sein.

42 Regionale Verteilung der Kriege In den folgenden Abbildungen betrachten wir uns die regionale Verteilung des Kriegsgeschehens in Ländern mit hohen Jugendanteilen in den vergangenen 50 Jahren. Gleichzeitig zeigen die Grafiken die Entwicklung von "children bulges„ : das sind Anteile der unter 15jährigen von mehr als 40 Prozent. Nach der Theorie von Heinsohn sind das die Vorläufer für gefährliche "youth bulges". Stellen Sie sich außerdem vor, wie sich solche Gesellschaften entwickeln, wenn Lehre, Anleitung, Traditionsübergang enden!

43 Europa Insgesamt war nur ein Drittel der betrachteten 159 Länder zwischen 1950 und 2000 in keinen kriegerischen Konflikt verwickelt. Von diesen 53 kriegsfreien Ländern befinden sich 26, mehr als zwei Drittel, in Europa. Europa, dass schon langen keine "youth bulges" mehr kennt, war in den vergangenen fünf Jahrzehnten tatsächlich ein recht friedlicher Kontinent. 31 der weltweit 40 Staaten mit dem geringsten Jugendanteil lagen im Jahr 2000 in Europa. Nur ein einziges Land, nämlich Irland, hat hier noch einen wachsenden Jugendanteil zu verzeichnen, gegenwärtig liegt er bei 18 Prozent.

44 Vorderer Orient Im Mittleren Osten und in Lateinamerika weisen heute einige Länder einen, statistisch gesehen, "nicht aggressiven" "youth bulge" von mehr als 21 Prozent auf (Libyen, Syrien, Iran, Marokko, Algerien im Mittleren Osten. Surinam, El Salvador, Nicaragua, Haiti, Grenada in Lateinamerika). In diesen Ländern wird die weitere Entwicklung davon abhängen, ob sie politisch und ökonomisch klug regiert werden und ihre Altersstruktur in eine demografische Dividende umsetzten können. Den geringsten Anteil kriegsfreier Länder (drei von 22) gab es in Asien. Im mittleren Osten korreliert tatsächlich der Anstieg der Anzahl von Ländern mit hohem Jugendanteil mit der Häufigkeit von Kriegen zwischen 1970 bis 1995.

45 Lateinamerika In Südamerika überstand nur etwa ein Viertel (sechs von 25 Ländern) die vergangenen 50 Jahre friedlich.

46 Afrika In Afrika hatten nur acht von 41 Ländern keine Kriege in den letzten 51 Jahren.

47 Asien Den geringsten Anteil kriegsfreier Länder (drei von 22) gab es in Asien, gefolgt von Afrika mit nur acht von 41 Ländern.

48 Was bleibt von der These? Für Europa scheint es einen Zusammenhang zu geben – Allerdings ein negativer (kein bulge, keine Kriege). In anderen Regionen sind Zusammenhänge zwischen dem kritischen Jugendanteil und dem Kriegsgeschehen nicht aus den Daten abzulesen. So hatten Afrika und Asien bereits in den 1960er Jahren einen erheblichen Anstieg der Zahl der Kriege zu verzeichnen, lange bevor in diesen Regionen eine starke Zunahme der "youth bulge"-Nationen zu beobachten war – Zufällig meist beim Übergang von Kolonie zu (freiem) Staat. In Asien erreichte das Kriegsgeschehen bereits 1971 einen Höhepunkt, als man dort erst eine einzige "youth bulge"- Nation zählte. Auch in Afrika erreichte die Gewalt schon Ende der 1960er Jahre ein hohes Niveau. Damals allerdings war die Zahl der Länder mit einem Jugendanteil zwischen 20 und 21 Prozent noch sehr gering. Als sie dann in den 1980er Jahren stieg, zog die Zahl der Konflikte keinesfalls nach. In Südamerika wiederum ging ein dramatischer Anstieg der Zahl der "youth bulge"-Nationen in den 70er Jahren (von null auf 16 Länder in nur elf Jahren) mit einem nur relativ geringem Anstieg der Zahl der Länder im Krieg einher (von zwei auf sieben Länder). Bis zum Jahr 1993, als 14 Staaten Südamerikas einen Jugendanteil zwischen 20 und 21 Prozent aufwiesen, ist die Kriegsaktivität dann im wesentlichen stabil geblieben. Eine Prognose des Kriegsgeschehens auf Grund der demografischen Struktur der Länder wäre also nirgendwo möglich gewesen.

49 Was sind dann die Ursachen(geflechte)? Starke Bevölkerungsentwicklung ohne wirtschaftlichen Fortschritt, sichtbar etwa in Afghanistan, führt ohne Zweifel zu einem gefährlichen "youth bulge" der Arbeits- und Chancenlosen. Vielleicht ist erst dieser Mix gefährlich – und das erinnert uns wieder an Malthus.

50 Money makes the world go `round.. Ökonomische Entwicklung bewirkt immer einen Rückgang der Kinderzahlen. Die daraus entstehende Altersstruktur, mit vielen jungen Menschen im Erwerbsalter, die nur für relativ wenige Alte und Kinder aufkommen müssen, kann im günstigsten Fall eine "demografische Dividende" abwerfen. Ein Beispiel dafür bieten die "Tigerstaaten" Südostasiens. Dort hat der Geburtenrückgang Staat und Familien entlastet, was zu steigenden Investitionen führte. Ein Mehr an Produktivität hat dann mehr Jobs und wachsende Einkommen beschert, die durch Konsum wiederum der Wirtschaft zugute kamen. In diesen Ländern waren die vielen jungen Arbeitskräfte des "youth bulge" in der ersten Phase der Wirtschaftsentwicklung geradezu notwendig und keinesfalls kriegstreibend.

51 Tickende Zeitbomben Die schwierigste Entwicklung zeichnet sich in den kommenden Jahren in Afrika ab. Im Jahr 1993 hatten dort noch 23 Länder einen Anteil von mehr als 45 Prozent unter 15jähriger Kinder. Heute steigt diese Zahl wegen der vielen vorzeitig an AIDS sterbenden Erwachsenen wieder an. Aber nicht nur das Bevölkerungswachstum verhindert dort die wirtschaftliche Entwicklung, sondern auch massive wirtschaftliche und schulische Defizite.

52 Daraus folgt …. Der Jugendanteil einer Gesellschaft ist ein demografischer Stressfaktor, der zum Ausbruch von Kriegen oder Bürgerkriegen führen kann. Drängend werden die Probleme aber nur dann, wenn die wirtschaftliche Entwicklung Hoffnungslosigkeit, Frustration und Aufgabe des erwerbsökonomischen Gedankens provoziert. Da es offensichtlich kein Frühwarnsystem und keinen einfachen Ansatz zur Vorhersage der Entwicklung gibt, muss man sozioökonomische, bevölkerungsgeografische, ethnische und religiöse Indikatoren mit einbeziehen und laufend verifizieren – also Augen auf, und wachsam bleiben: Vor uns liegt sicherlich nicht der Frieden.

53 Und was hat das jetzt mit Malthus zu tun? Genug Nahrung für zehn Milliarden Menschen? Einigen Experten zufolge werden Mitte nächsten Jahrhunderts in den Entwicklungsländern 8,7 Milliarden Menschen leben, aber die meisten nicht mehr genug zu essen haben. Andere sehen jedoch durchaus Möglichkeiten, die Ernährung zu sichern. Von John Bongaarts Aus Spektrum der Wissenschaft Mai 1994, Seite 86 Dazu sehen wir uns jetzt starke Argumente in einem Artikel bei Spektrum der Wissenschaft an.

54 Die Weltbevölkerung wird bis zum Jahr 2050 auf über 10 Milliarden zunehmen. Unklar ist – und darüber streiten die „Experten“ - wie die Umwelt und die Menschheit selbst reagieren wird. Auf der einen Seite stehen Umweltschützer und Ökologen. Ihrer pessimistischen Ansicht nach bahnt sich die Katastrophe schon an. -Um die künftigen Massen zu ernähren müssten eben jene Anbaumethoden intensiviert werden, die bereits jetzt schwere ökologische Schäden verursachen. -Die natürlichen Ressourcen und Lebensgrundlagen, ohnehin durch das bisherige Bevölkerungswachstum angegriffen, würden diese zusätzliche Bürde einfach nicht verkraften. Die Optimisten glauben hingegen, die Erde könne problemlos mehr als die für das Jahr 2050 geschätzte Zahl von Menschen ernähren. Innovative Technologien und die weitere Investition von menschlichem Kapital würden vielen sogar einen hohen Lebensstandard bescheren. Demographie

55 Viele Umweltschützer befürchten, die Entwicklung der weltweiten Nahrungsproduktion sei bereits an einem prekären Punkt angelangt. In ihrem 1990 erschienenen Buch "The Population Explosion" schrieben Paul R. und Anne H. Ehrlich von der Universität Stanford (Kalifornien): "Mit unserer schieren Zahl steuern wir geradewegs auf die Hungerkatastrophe zu... Wenn es der Menschheit nicht zu handeln gelingt, wird die Natur die Bevölkerungsexplosion auf uns höchst unangenehme Weise beenden, noch bevor die 10 Milliarden erreicht sind." Langfristig, so meinen die Ehrlichs und ähnlich denkende Wissenschaftler, sei eine bedeutende Steigerung der Nahrungsmittelversorgung völlig unmöglich. Lester R. Brown, Präsident des Worldwatch-Instituts in der US- Bundeshauptstadt Washington, schrieb in einem Aufsatz aus dem Jahre 1988: "Wir ernähren uns auf Kosten unserer Kinder. Überbeanspruchen und überlasten können Bauern den Boden nur kurzfristig (sonst wäre es per Definition kein Übermaß). Für viele von ihnen nähert sich diese Galgenfrist ihrem Ende." Negative Prognosen

56 Entwicklungen In den vergangenen drei Jahrzehnten, hat man außerordentliche Anstrengungen unternommen und enorme Ressourcen mobilisiert, um die landwirtschaftlichen Erträge zu steigern. Tatsächlich erhöhten sich die Gesamterntemengen in dieser Zeit dramatisch. So stieg von 1965 bis 1990 in den Entwicklungsländern die Nahrungsmittelproduktion um durchschnittlich 117 Prozent. Am besten entwickelte sich der asiatische Raum mit seinen (arbeits)intensiven Kulturen. Da jedoch die Bevölkerung ebenfalls schnell zunahm, hat sich die Pro-Kopf-Quote allgemein nur wenig geändert; in Afrika ist sie sogar gesunken. Infolgedessen steigt in den meisten Teilen der Dritten Welt die Zahl der Unterernährten noch immer, obwohl sie in den achtziger Jahren allgemein von 844 auf 786 Millionen gesunken ist; besonders in Lateinamerika, im Nahen Osten und in Afrika. Zahlreiche soziale Faktoren können Hungerbedingungen schaffen, doch hat nach Ansicht der Pessimisten der Bevölkerungsdruck auf empfindliche Ökosysteme herausragende Bedeutung. Besondere Sorge bereitet der Umstand, dass kultivierbares Land knapp zu werden scheint. Das hieße, man hätte eine Möglichkeit weniger, die Pro-Kopf-Produktion von Nahrungsmitteln zu steigern.

57 Zwischen 1850 und 1950 sind zwar die Anbauflächen - der wachsenden Bevölkerung, aber auch der steigenden Nachfrage nach besserer Kost wegen - durch Urbarmachen von Wald und Brachen rasant vergrößert worden. Diese Ausweitung kam Ende der achtziger Jahre zum Stillstand. Seitdem ist in den Industrienationen und in einigen der weniger entwickelten Länder (insbesondere China) sogar ein Rückgang zu verzeichnen. Dies liegt weitgehend daran, dass die städtischen Zentren sich über fruchtbares Land ausgebreitet haben und dass Äcker aufgegeben wurden, wenn der Boden ausgelaugt oder durch Bewässerung versalzt war. Umweltschützer betonen, dass ein Großteil des verbliebenen Landes durch Erosion gefährdet ist – das Ausmaß dieser Zerstörungen ist allerdings umstritten. Eine kürzlich durchgeführte globale Erfassung und Bewertung, die vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen gefördert und unter anderem vom World Resources Institute in Washington vorgenommen wurde, ergab:  17 Prozent der bewachsenen Fläche haben in den letzten 45 Jahren an Wert verloren. Ursachen: Erosion durch Wind und Wasser, chemische und physikalische Schädigungen.  Am geringsten ist der betroffene Anteil in Nordamerika (5,3 Prozent).  Am größten sind die geschädigten Flächen in Zentralamerika (25%), Europa (23%), Afrika (22%) und Asien (20%). In den meisten dieser Regionen konnten die Bauern gemeinhin nicht die erforderlichen Ressourcen aufbringen, um die Fruchtbarkeit wiederherzustellen. Wahrscheinlich wird sich dieses Problem daher noch verschärfen. -

58 Trotz Verlustes und Verschlechterung fruchtbaren Bodens vermochte man im Zuge der Grünen Revolution die Pro-Kopf-Produktion und die Hektarerträge anzuheben. Doch diese Maßnahmen stoßen derzeit an mehrere Grenzen: 1.Hochertragszüchtungen von Getreiden wie Weizen und Reis haben sich seit ihrer Einführung in den sechziger Jahren immer weiter durchgesetzt, besonders in Asien. Sie beanspruchen jedoch reichlich Düngemittel und Wasser. Ihr Effekt gerät aber jetzt an die Grenzen der vertretbaren Kosten. -Zur Zeit setzen die Bauern in Asien, Lateinamerika und Afrika Kunstdünger, wenn überhaupt, nur sparsam ein, weil er entweder zu teuer oder nicht verfügbar ist. -In den Industrienationen hingegen geht der Verbrauch an Düngemitteln seit einiger Zeit zurück, weil eine weitere Steigerung die Erträge nicht weiter erhöht. 2.Der Bau von Bewässerungssystemen, mit denen viele Entwicklungsländer an der Grünen Revolution teilhaben könnten, ist oft zu kostspielig. -In den meisten Gebieten ist künstliche Bewässerung eine entscheidende Voraussetzung für höhere Erträge oder überhaupt für einen Anbau. Sie macht zudem die Bauern unabhängiger von den natürlichen Schwankungen der Niederschläge. Außerdem ließen sich damit mehrere Sorten von Feldfrüchten auf dem gleichen Stück Land anbauen, was die Nahrungsmittelproduktion effizienter machte...es gibt aber auch kleine Erfolge +

59 Der Bau von Bewässerungssystemen ist oft zu kostspielig. Die Vorteile einer Bewässerung wurden schon in der Frühzeit des Ackerbaus erkannt: Die ältesten Systeme sind immerhin Tausende von Jahren alt. Heute wird nur ein Bruchteil der bestellten Flächen in den Entwicklungsländern bewässert, und selbst der wächst langsamer als die Bevölkerung. Teuer ist das handling fremdfinanzierter Projekte: die Verschlammung der Stauseen und Reservoire und die Versalzung bereits bewässerter Böden zu vermeiden oder zu beheben gelingt Entwicklungsländern immer weniger. Moderne Landwirtschaft ist selbst gefährlich: Die genetische Uniformität und der Anbau in Monokulturen machten Hochertragszüchtungen zwar ausgesprochen produktiv, zugleich aber auch besonders anfällig für Schädlinge und Krankheiten. Der Einsatz von Pestiziden oder das Einhalten einer geeigneten Fruchtfolge zur Vorbeugung lösen das Problem nur teilweise. Sich rasch wandelnde Krankheitserreger sind eine immer neue Bedrohung. Zur Züchtung geeigneter resistenter Pflanzen ist man auf genetische Vielfalt angewiesen; Wild- wie Kulturformen von Feldfrüchten müssen dazu gesammelt und in Samenbanken bewahrt, neuartige Sorten im Labor erzeugt werden. +..es gibt aber auch kleine Erfolge aber STEIGENDE KOSTEN und UNBEWÄLTIGBARE NACHTEILE

60 Statistiken zeigen tatsächlich, dass in den Entwicklungsländern zwischen 1965 und 1990 die durchschnittliche tägliche Nährstoffzufuhr pro Kopf um 21 Prozent zunahm, von 2063 auf 2495 Kilokalorien (die entsprechenden Kilojoule-Werte betragen jeweils das 4,2fache). Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch an Proteinen stieg im gleichen Zeitraum von täglich 52 auf 61 Gramm. Speziell für China stellte etwa der Geograph Vaclav Smil von der Universität von Manitoba in Winnipeg (Kanada) schon vor etlichen Jahren eine günstige Prognose (Spektrum der Wissenschaft, Februar 1986, Seite 112). Andere Experten untersuchten 93 Länder mit folgendem Ergebnis: Fast das Dreifache der heutigen Acker- und Weideflächen kann für die landwirtschaftliche Nutzung erschlossen werden (1,4 Milliarden Hektar). Diese Reserven liegen vor allem in Schwarzafrika und Lateinamerika. Wo bereit das Land genutzt wird, kann man mehr Ernten im Jahr einbringen als derzeit (bes. in den Tropen und Subtropen: Asien bringt es gegenwärtig auf fast doppelt so viele Ernten pro Jahr wie Afrika). Positive Prognosen - Hoffnung erlaubt.

61 Außerdem sind auch höhere Erträge pro Einzelernte erreichbar, vor allem in Afrika und im Nahen Osten. –In Nordamerika und Europa liegt der durchschnittliche Hektarertrag für Getreide bei 4,2 Tonnen, hingegen bei 2,9 Tonnen im Fernen Osten (4,2 in China), 2,1 in Lateinamerika, 1,7 im Nahen Osten und nur einer Tonne in Afrika. –Erzielen ließen sich solche Ertragssteigerungen durch einen wesentlich verstärkten Einsatz von Hochertragssorten (derzeit nur 34%) Düngemitteln (spärlich eingesetzt) und Bewässerung (nur 1/5 der genutzten Flächen) Verringerung von Vergeudung, Transport- und Lagerverlusten. Möglichkeiten der Verbesserung

62 In seinem Buch "The Hunger Report: 1988" schreibt Robert W. Kates, Direktor eines Forschungsprogramms zur Welternährung an der Brown-Universität in Providence (Rhode Island), dass nur 60 Prozent aller geernteten Feldfrüchte verzehrt würden; etwa 25 bis 30 Prozent gelangten gar nicht erst in die einzelnen Haushalte. Die FAO schätzt dagegen die Verteilungsverluste geringer ein:  6 Prozent bei Getreide,  11 Prozent bei Wurzel- und Knollenfrüchten und  5 Prozent bei Hülsenfrüchten. Bessere Nutzung des Vorhandenen!

63 Positive Prognosen Die Optimisten sehen sich durch den langfristigen Trend der Nahrungsmittelpreise am überzeugendsten bestätigt. Wie das World Resources Institute für 1992/93 berichtete, sind diese Preise (in konstanten Dollarkursen) stärker gefallen als die der meisten anderen Güter (mit Ausnahme derjenigen von Kraft- und Brennstoffen). Zwischen 1980 und 1989 gaben die Weltmarktpreise für Getreide um etwa ein Drittel nach (dabei haben sich freilich enorme staatliche Subventionen für die Landwirtschaft und die daraus folgende Überproduktion in Nordamerika wie in Westeuropa ausgewirkt). Heißt das nun, dass das Angebot bereits den Bedarf der Weltbevölkerung, die sich seit 1950 verdoppelt hat, übersteigt? Oder beschreibt das nur den Marktzugang – bei dem die Ärmsten nicht aufscheinen? ∑ Alles in allem sehen viele dieser Experten keine entscheidenden Hindernisse für eine Verbesserung der Versorgungslage, selbst wenn die Zahl der Menschen auf mehr als 10 Milliarden wachsen sollte. Das Potential zu nutzen verlangt indes eine entsprechende Politik, intensiveren nationalen und internationalen Handel und hohe Investitionen in die Infrastruktur und den Ausbau der Landwirtschaft. Aber auch das lässt sich nach Ansicht der Optimisten erzielen, ohne das globale Ökosystem irreparabel zu schädigen.

64 Der Bedarf an Nahrungsmitteln wird in den nächsten Jahrzehnten rapide zunehmen – und das besonders in der Dritten Welt. Bestand: 1.In den Entwicklungsländern konsumiert jeder Mensch im Durchschnitt täglich 2500 Kilokalorien. 2.Verfügbar sind 4000 Bruttokilokalorien an geernteten Feldfrüchten + 5% Importe. 3.Der Rest von 1500 Kilokalorien ging entweder verloren, ist ungenießbar oder wird als Tierfutter und Saatgut genutzt. Prognose: 1.Um täglich 4000 Bruttokilokalorien pro Kopf für 8,7 Milliarden Menschen alleine in den Entwicklungsländern bereitzustellen, muss deren Landwirtschaft 112 Prozent mehr produzieren. 2.Für 6000 Bruttokilokalorien (Weltdurchschnitt) wäre eine Steigerung um 218% erforderlich. 3.Für etwa Bruttokilokalorien (Industrienationen) wären +430% erforderlich. Wichtige Merksätze

65 Die heutigen Erträge liegen weit unter ihrem theoretischen Maximum. 11% der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen sind weltweit unter Kultur. Die Politik der betroffenen Länder muss auf folgende Bedingungen und Voraussetzungen achten: 1.gut durchdachte Politik, 2.Versorgung mit dem erforderlichen Dünger und anderen Produktionsmitteln, 3.solide Infrastruktur, 4.Zugang zum Markt als Anreiz, mehr als das zum eigenen Lebensunterhalt Nötige zu produzieren, 5.Agrarforschung und Einsatz neuer Technologien, 6.Methoden einführen, die einen Schub in der Nahrungsmittelproduktion hervorrufen, 7.ökologisch vertretbare Kosten statt einer Umweltkatastrophe, Wichtige Merksätze

66 Es steht außer Frage, dass sich das bereits beackerte Land im allgemeinen auf besseren Böden und in günstigeren Lagen findet als das noch ungenutzte, wenn auch potentiell kultivierbare. Analog hat man die bestehenden Bewässerungssysteme, wie erwähnt, an den dafür günstigsten Stellen errichtet. Folglich wird jede weitere ertragssteigernde Maßnahme teurer als entsprechende früher, besonders in den Industrienationen und in Ländern wie China, wo die landwirtschaftliche Produktivität bereits hoch ist. Darum erhöhen sich die Mindestkosten für jede zusätzliche Tonne Getreide oder deren Äquivalent. Der Aufwand ist sogar in Wirklichkeit noch größer, weil man die externen Kosten - vor allem die ökologischen - einstweilen bei den Preisen für landwirtschaftliche Produkte nicht berücksichtigt. Es drohen: –ausgedehnte Entwaldung, –erheblicher Artenverlust sowie –starke Bodenerosion und –Umweltverschmutzung durch Pestizide und ausgewaschene Düngemittel. Diese Auswirkungen zu verringern oder zu minimieren ist möglich, aber teuer. Bedenken, Kosten, zögerliche Politiker

67 Allerdings muss mit erheblichen jährlichen Schwankungen in der Verfügbarkeit und beim Preisniveau von Nahrungsmitteln gerechnet werden. Eine Vielzahl von Faktoren wie Witterungseinflüsse, Störungen der Handelsbeziehungen und die Anfälligkeit der Monokulturen gegenüber Schädlingen und Krankheiten kann die Versorgung jederzeit und überall beeinträchtigen. Während der Nahrungsmittelbedarf in den Industrienationen schon jetzt fast gesättigt ist, werden zahlreiche Länder auch künftig darum kämpfen, ihre unbefriedigende Ernährungslage zu überwinden. Sie lassen sich in drei Kategorien einteilen. Manche Niedriglohnländer haben nur wenige oder überhaupt keine Reserven an fruchtbarem Land oder an Wasser. Mangelt es ihnen auch an Möglichkeiten, durch Export von Rohstoffen oder durch Dienstleistungen wie Tourismus Devisen zu verdienen, können sie es sich also nicht leisten, Nahrung zu importieren, werden solche Länder in Zukunft vermutlich stärker auf Hilfslieferungen angewiesen sein. Was ist zu erwarten?

68 » Manche Niedriglohnländer haben nur wenige oder überhaupt keine Reserven an fruchtbarem Land oder an Wasser. Mangelt es ihnen auch an Möglichkeiten, durch Export von Rohstoffen oder durch Dienstleistungen wie Tourismus Devisen zu verdienen, können sie es sich also nicht leisten, Nahrung zu importieren, werden solche Länder in Zukunft vermutlich stärker auf Hilfslieferungen angewiesen sein. Ein schlechte Ernährungssituation findet sich aber auch in vielen Ländern wie Zaire, die über genügend Wasser und kultivierbares Land verfügen. Zurückzuführen ist das in der Regel auf Fehlentscheidungen der Regierungen. Ein kürzlich erschienener Bericht der Weltbank beschreibt, welche schädlichen Auswirkungen eine direkte und indirekte Besteuerung der Landwirtschaft hat, und zeigt die Nachteile von Preiskontrollen, Handelsbeschränkungen und überbewerteten Währungen auf, die Exporte behindern und Importe begünstigen. Überall dort, wo die landwirtschaftliche Produktion unter Vernachlässigung oder verfehlten staatlichen Interventionen gelitten hat (wie vor allem in Afrika), ist die Lösung des Problems klar: Reform der Politik. Sicherlich werden solche Gebiete, die unter politischer Instabilität und unter gewaltsamen Auseinandersetzungen leiden, Nahrungsmittelhilfe brauchen. Die verheerendsten Hungersnöte der vergangenen Jahrzehnte ereigneten sich in Regionen mit anhaltenden Bürgerkriegen, so in Äthiopien, in Somalia und im Sudan. In vielen Fällen haben die Folgen von Dürren die sozialen und politischen Unruhen geschürt; aber die dann ausgetragenen Konflikte verhinderten eine Erholung der Landwirtschaft und das Verteilen von Nahrungsmitteln, so dass aus einer schlimmen, aber nicht aussichtslosen Situation doch eine Katastrophe wurde. Internationale militärische Interventionen - wie in Somalia - können nur kurzfristig Abhilfe schaffen. Ohne weitreichende politische Kompromisse werden Hunger und Unterernährung in diesen von Kriegen gezeichneten Regionen nicht zu beheben sein. Drei Gruppen

69 Schluss Technisch ist es machbar, eine wachsende Weltbevölkerung besser mit Nahrung zu versorgen, qualitativ wie quantitativ. Für viele arme Länder könnten jedoch die ökonomischen und ökologischen Kosten, die eine nachdrückliche Anhebung der Produktion mit sich bringt, durchaus untragbar sein. Die weitere Entwicklung hängt entscheidend davon ab, ob ihre Regierungen politische Konzepte zu entwickeln und durchzusetzen vermögen, dem Bevölkerungswachstum, der Verarmung und der Umweltzerstörung wirksam zu begegnen. Auf jeden Fall würden die Aufgaben der Zukunft leichter zu lösen sein, wenn es gelänge, die Vermehrung der Menschheit zu verlangsamen. Aber vielleicht ist gerade die Dringlichkeit notwendig, um überhaupt die Sache richtig anzugehen! Literaturhinweise - Poverty and Hunger: Issues and Options for Food Security in Developing Countries. World Bank, Energy, Food, Environment: Realities, Myths, Options. Von Vaclav Smil. Clarendon Press, World Agriculture: Toward Von Nikos Alexandratos. New York University Press, World Resources World Resources Institute. Oxford University Press, 1992.


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