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Vorlesung Einführung in die Soziologie - Grundfragen der Soziologie SoSe 2010 4. Veranstaltung (14.05.10) Individuum und Gesellschaft (1): Sozialisation.

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1 Vorlesung Einführung in die Soziologie - Grundfragen der Soziologie SoSe Veranstaltung ( ) Individuum und Gesellschaft (1): Sozialisation Prof. Dr. Karl-Werner Brand, TUM, School of Education, FG Soziologie, Kontakt:

2 Wiederholungsfragen Welche zeitgenössischen Erfahrungen prägen die Entstehung der Soziologie? Nennen Sie einige bedeutende Vorläufer und „Gründerväter“ der Soziologie? Was sind die zentralen Themen von  Adam Smith ??  Karl Marx ??  Max Weber ??  Emile Durkheim ?? Was sind zentrale Spannungslinien / Kontroversen in der Soziologie? Was sind fünf typische Schlüsselbegriffe der Soziologie?

3 handlungstheoretische Ansätze vs. strukturtheoretische Ansätze Rational Choice Ansätze Max Weber ( ) Rationalisierung, ges. Differenzierung, „verstehende Soziologie“ Emile Durkheim ( ) Ges. Arbeitsteilung, normative Integration Karl Marx ( ) Kritik der pol. Ökonomie; Klassentheorie, historisch-material. Ges.theorie George H. Mead ( ) William Thomas ( ) Sozialphänomen. Ansätze (A. Schütz) Symbolischer Interaktionismus Ethnomethodologie, Alltagstheorien, Diskurstheorien Kritische Theorie (Frankf. Schule) Talcott Parsons ( ) Strukturfunktionalismus Idealistische Philosophie, Aufklärungsphilosophie, Frühsozialismus etc. N. Luhmann Systemtheorie, fkt. Differenzierungstheorie Praxistheoretische Ansätze: A. Giddens, P. Bourdieu Netzwerk- und Figurations- theoretische Ansätze (Elias) Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) Empirismus, naturrechtliche Vertragstheorien Neomarxistische Ansätze Auguste Comte ( ) „physique sociale“, vgl. Beobachtung, „positive Philosophie“ Adam Smith ( ) Nationalökono- mie / Politische Ökonomie

4 Spannungslinien der Soziologie Handlungs- vs. Struktur/Systemperspektive (= zentrale theoretische Herausforderung) Mikro- vs. Makroperspektive (Handlungs- und Strukturansätze haben unter-schiedliche Affinitäten zur Mikro-, Meso- oder Makroebene = eher Problem der Verknüpfbarkeit unterschiedlicher Blickwinkel und Forschungsinteressen, kein grundsätzliches theoretisches Problem) Methodische Konfliktlinie: quantitative vs. qualitative Methoden (= naturwissenschaftliches Modell kausaler Erklärung auf der Basis statistischer Datenanalyse  hermeneutisch orientiertes Modell der Rekonstruktion von Sinnstrukturen (Sinnverstehen) aus Texten, Interviews etc.  Analyse ges. Verhältnisse erfordert beides

5 Konfliktlinie: Handlungs- vs. Strukturtheorien Max Weber (1864 – 1920) „Soziologie.. soll heißen: eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und in seinen Wirkungen ursächlich erklären soll. ‚Soziales Handeln‘ soll ein solches Handeln heißen, welches seinem von dem oder den Handelnden gemeinten Sinn nach auf das Verhalten anderer bezogen wird und daran in seinem Ablauf orientiert ist.“ (Max Weber, Soziolog. Grundbegriffe, § 1)  Im Zentrum der soziologischen Analyse stehen damit die aus dem subjektiv sinnhaften, auf soziale Kontexte gerichteten Handeln entstehenden typischen Muster gesellschaftlicher Beziehungen, Orientierungen und Ordnungen. Emile Durkheim (1858 – 1917) „Ein soziologischer Tatbestand ist jede mehr oder minder festgelegte Art des Handels, die die Fähigkeit besitzt, auf den einzelnen einen äußeren Zwang auszuüben,... wobei sie ein von den individuellen Äußerungen unabhängiges Eigenleben besitzt“. (E. Durkheim, Regeln der soziologischen Methode, S. 114)  Im Zentrum der Untersuchungen der Soziologie stehen damit die gesellschaftlichen Strukturen und Prozesse (Kultur, Institutionen, soziale Ungleichheit, Herrschaftsverhältnisse, sozialer Wandel etc.), die das individuelle Handeln normieren und strukturieren.

6 Fünf Schlüsselbegriffe der Soziologie  „Sozialstruktur“: relativ stabile, beständige Muster sozialer Beziehungen, sozialer Positionen und Gruppen  „Soziales Handeln“: sinnhaftes, bewusst oder implizit (routineförmig) auf das Verhalten anderer Akteure gerichtetes bzw. an gesellschaftlichen Normen und Erwartungen orientiertes Handeln (das kann affirmatives oder kritisches, affektives oder zweckrationales, wertrationales oder traditionales Handeln sein)  „Kultur“: ges. Wertstrukturen, Weltbilder & Deutungsmuster; gemeinsame Weisen des Denkens, Verstehens, Bewertens und Kommunizierens, die die Lebensweise & Lebensstile von Menschen prägen  „Macht“: die Fähigkeit eines sozialen Akteurs, den eigenen Willen, die eigenen Ziele und Interessen auch gegen den Widerstand anderer durchsetzen zu können  „Soziale Integration“: Normative und funktionale Einbindung von Individuen, Gruppen, Organisationen oder ges. Teilsystemen in ein gesellschaftliches Gesamtgefüge

7 1.Zur Begriffsdefinition 2.Sozialisationstheorien 3.Sozialisation im Lebenslauf und Varianten der Sozialisation Vorlesung zur „Sozialisation“: Gliederung

8 Sozialisation - Definitionen Am Einfachsten: „… wie wir werden, was wir sind.“ (Abel II, S. 57) Sozialisation (auch deutsch: Vergesellschaftung) ist die „Bezeichnung für den Prozess, durch den ein Individuum in eine soziale Gruppe eingegliedert wird, indem es die in dieser Gruppe geltenden sozialen Normen (…) erlernt und in sich aufnimmt.“ (Fuchs et al. 1988, S. 707) Sozialisation bezeichnet (…) den Prozess, in dessen Verlauf sich der mit einer biologischen Ausstattung versehene menschliche Organismus zu einer sozial handlungsfähigen Persönlichkeit bildet, und zwar in Auseinandersetzung mit den natürlichen Anlagen, insbesondere den körperlichen und psychischen Grundmerkmalen, die für den Menschen die „innere Realität“ bilden, mit der sozialen und physikalischen Umwelt, die für den Menschen die „äußere Realität“ bilden. (Hurrelmann 2002, S. 15f.) Definitionen von „Sozialisation“

9  ‚Absolute Formbarkeit‘ des Menschen versus genetischer Festgelegtheit  Es geht nicht darum, biologische Voraussetzungen der menschlichen Entwicklung (z.B. genetische Anlagen, körperliches Wachstum, Triebbedürfnisse, physiologische Gehirnaktivitäten) zu leugnen, sondern deren Wechselwirkungen mit den Einflüssen der Umwelt zu analysieren.  Gene legen nicht starr fest, wie Menschen sich verhalten. Sie geben vielmehr Entwicklungsmöglichkeiten vor. Nicht nur werden die ‚Anlagen‘ von der Umwelt im Prozess der Sozialisation (aus-)geformt, sondern radikaler: Der gesamte Sozialisationsprozess kommt durch Wechselwirkungen zustande. Bestimmte Gene bleiben wirkungslos, wenn die nicht auf entsprechende Umweltbedingungen treffen. Quelle: Hurrelmann 2002, S. 25 Anlage versus Umwelt?

10 Das soziologische Konzept der „Sozialisation“ grenzt sich ab von  … biologistischen Auffassungen, die die Persönlichkeitsentwicklung auf genetisch fixierte Anlagen und ihre Reifung zurückführen (vgl. ältere Pädagogik, Verhaltensbiologie, Soziobiologie, Rassentheorien, Genforschung….)  … idealistischer Philosophie, d.h. der Vorstellung, dass die Subjektwerdung des Menschen nicht auf gesellschaftliche, sondern nur auf subjektive Bedingungen zurückführbar sei und auch keiner erfahrungswissenschaft- lichen Analyse zugänglich ist (z.B. Dilthey).  … lerntheoretisch reduzierter Pädagogik, die die Persönlichkeitsentwicklung v. a. als Ergebnis bewusster erzieherischer Akte interpretiert. Das soziologische Konzept von Sozialisation setzt sich ab von…

11  … der Prozess, in dem die Menschen spezifische Fähigkeiten zum sozialen Handeln erlernen; im Gegensatz zum zielgerichteten, geplanten Lernen mithilfe eines professionellen Personals (= Erziehung) ist Sozialisation die ungeplante „Gesamtheit aller Lernprozesse, die aufgrund der Interaktion des Individuums mit seiner ges. Umwelt stattfinden“ (Geulen, S. 142).  … in ihrer Form abhängig von den Werten, Normen und der Funktionsweise einer Gesellschaft, d.h. kultur- und gesellschaftsspezifisch  … notwendig zur funktionalen Integration von Gesellschaften (Fähigkeit miteinander zu kooperieren; normativer Basiskonsens; gesellschafts-/funktionsspezifische Kompetenzen)  in modernen Gesellschaften allerdings immer Widersprüche zwischen Sozialisation und Gesellschaftsstruktur  … verschieden für unterschiedliche Gesellschaftsmitglieder und spiegelt die jeweiligen Formen sozialer Ungleichheit wider (klassen/schicht + geschlechts-spezifische Sozialisation)  … ein Prozess, in dem das Individuum geformt wird – sowohl von der Gesellschaft als Ganzer als auch von seinem besonderen Ort innerhalb der Gesellschaft  … nicht nur ein Aneignungsprozess, sondern auch ein Prozess der Identitätsbildung. Sozialisation ist…

12  Psychoanalytische Sozialisationstheorien: Sigmund Freud  Soziologische Sozialisationstheorien: Emile Durkheim & G. H. Mead Exemplarisch ausgewählte Sozialisationstheorien

13 Freud: Es – Ich - Überich  Psychoanalyse (= Methode zur Therapie psychischer Störungen) liefert entscheidende Impulse für die Entwicklung der Sozialisationstheorie  Freuds Theorie der Persönlichkeit:  Der Mensch als triebhaftes Wesen - Menschliches Verhalten wird wesentlich durch biologische und psychische Antriebe bestimmt, die in der frühen Jugend, v. a. durch die Beziehung zu den Eltern, geformt werden  Modell innerpsychischer Instanzen:  Es: Ererbt, beinhaltet die Triebbedürfnisse, sexuelle und aggressive Impulse, an Lustgewinn orientiert („Lustprinzip“)  Ich: das ‚rationale‘ Teil des Selbst, das zwischen „Es“ und „Über-Ich“ vermittelt; das anhand elterlicher Verbote lernt, Triebbedürfnisse auf realistische Ziele zu lenken. Durch diese Vermittlungsrolle des „Ich“ entsteht Bewusstsein.  Über-Ich: „Gewissen“; die über die Identifikation mit den Eltern verinnerlichten Verbote der Eltern und der moralischen Normen und Werte der Gesellschaft  Persönlichkeit primär dadurch geformt, wie die Konflikte zwischen Es und Über-Ich gelöst werden. Diese Prozesse bleiben weitgehend „unbewusst“ obwohl sie das Verhalten prägen Psychoanalytische Sozialisationstheorien: Sigmund Freud ( )

14 Freud: Es – Ich - Überich  Anthropologische Annahme der notwendigen Zurichtung des Menschen auf die Gesellschaft  Pessimistische Kulturtheorie: Hemmung/Sublimierung der Triebe notwendig für Entstehen von Kultur „Die Kultur bewältigt also die gefährliche Aggressionslust des Individuums, indem sie es schwächt, entwaffnet und durch eine Instanz in seinem Innern, wie durch eine Besatzung in der eroberten Stadt, überwachen lässt.“ (S. Freud 1930, S. 110f. In Abels II, S. 66) Freud: Sozialisation als Einschränkung und Sublimierung der Triebbedürfnisse  „Individuelle Freiheit ist ohne Verpflichtung nicht zu haben“ (Abels I, S. 66)  Sozialisation als lebenslanger Kampf zwischen Gesellschaft (innerpsychisch durch das ‚Überich‘ repräsentiert) und den biologischen Neigungen des Menschen bzw. zwischen den drei Kräften in der Seele des Menschen

15  Durkheim begründete das Konzept der Sozialisation als Internalisierung (Verinnerlichung) gesellschaftlicher Normen: Der ursprünglich triebhafte und egoistische Mensch wird durch den Prozess der Sozialisation gesellschaftsfähig.  „Die Gesellschaft muss mit jeder neuen Generation sozusagen wieder von vorne anfangen. Sie muss auf dem raschesten Weg dem eben geborenen egoistischen und asozialen Wesen ein anderes Wesen hinzufügen, das imstande ist, ein soziales und moralisches Leben zu führen.“  So auch bei T. Parsons ( ): Im Sinne von Durkheim (und z. T. in Orientierung an Freud) wird Sozialisation als schrittweise Internalisierung der Werte und Normen der Gesellschaft verstanden, die Teil der Persönlichkeitsstruktur werden.  Sozialisation = „Enkulturation“  eindimensionale, funktionalis- tische Perspektive (Anpassung des Individuums an die Gesell- schaft). „Die Individuen wollen, was sie sollen.“ Soziologische Sozialisationstheorien Emile Durkheim ( )

16 G.H. Mead (1863 – 1931)  Pragmatistischer Philosoph, Mitbegründer der Sozialpsychologie, Begründer des „Symbolischen Interaktionismus“ in der Soziologie  Betont Fähigkeit des menschlichen Geistes, Symbole zu schaffen und zu verwenden  „Signifikante Symbole“ (Gesten, Wörter) = Mittel, um das gewünschte Verhalten anderer herbeizuführen; Gesamtheit der mit anderen geteilten signifikanten Symbole = Sprache  Sieht menschliche Kommunikation (Interaktion) zentral für Verhaltenssteuerung  Menschen beobachten in der Interaktion einander und auch sich selbst – mit den Augen der anderen George Herbert Mead ( ): Sozialisation durch symbolische Kommunikation

17  Schon früh erlernen Säuglinge die Bedeutung signifikanter Symbole und passen ihr Verhalten den Erwartungen anderer an  Aus den frühen sozialen Interaktionen entstehen neben dem eher impulsiven „I“ (dem Subjekt-Ich) das „Me“ als von außen reflektiertes Ich (oder Objekt-Ich), das die Erwartungen und Einschätzungen der anderen spiegelt; beides ergibt erst die Struktur des Ich  Kind entwickelt Fähigkeit der Rollenübernahme in zwei Phasen:  „Play“: Kind schlüpft in Rolle wichtiger Bezugspersonen („signifikanter Anderer“)  „Game“: Kind erlernt im geregelten Spiel die Fähigkeit, einen Handlungszusammen- hang aus mehreren Perspektiven zu betrachten („generalisierter Anderer“).  So wächst das Kind in immer größere symbolische Welten hinein und lernt ihre Regeln zu begreifen  Ziel des Sozialisationsprozesses ist die Entwicklung (a) von – einer aus der beständigen Reflexion auf das Spannungsverhältnis von I und Me gewonnenen – Identität und (b) von Handlungsfähigkeit in den unterschiedlichen symbolischen Interaktionszusammenhängen der Gesellschaft. Sozialisation durch „Perspektivenübernahme“

18 Ein modernes Sozialisationskonzept: Sozialisation als produktive Verarbeitung von Realität Der Mensch ist des Sozialisationsprozesses Sozialisation ist nicht als reine Anpassung an die gesellschaftliche Realität, sondern als „produktive Verarbeitung der Realität“ zu verstehen (Hurrelman 1983)  Der Mensch ist Objekt und Subjekt des Sozialisationsprozesses Sozialisation ist…  … kein Prozess des passiven Erlernens von Rollenmustern, sondern ein aktiver, kreativer Prozess der Aneignung von und Auseinandersetzung mit den eigenen natürlichen Anlagen sowie der Umwelt  … der Prozess der Entstehung und Entwicklung von Persönlichkeit in wechselseitiger Abhängigkeit von der sozialen, kulturellen und materiellen Umwelt  … ein lebenslanger Prozess Modernes Sozialisationsverständnis

19  Viele Sozialisationstheoretiker haben „Phasenmodelle“ entworfen.  Die Kindheit ist dabei offenbar eine besonders wichtige Phase der Sozialisation (primäre Sozialisation). Den Sozialisationsinstanzen der Familie wie den Gleichaltrigen (peers) und der Schule kommen dabei eine zentrale Rolle zu. Aber auch die Massenmedien, Computerspiele und moderne Formen der Internet-Kommunikation haben (in ihrer Wirkung umstrittene) sozialisatorische Effekte  Sozialisation hält ein Leben lang an (z. B. berufliche Sozialisation, Migration/interkulturelle Sozialisation, Wechsel von Milieus)  Den Übergängen zwischen einzelnen Phasen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, da sie De- und Resozialisierungsprozesse notwendig machen. Daraus können sich Identitätskrisen sowie Identitätsveränderun- gen ergeben. Modernes Sozialisationsverständnis


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