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Peter Richter1 Europa und China: Begegnung zweier Kulturen Sokrates (469-399) und Platon (428-348) Konfuzius (551-479) und Menzius (370-290) Kiwanis Club.

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1 Peter Richter1 Europa und China: Begegnung zweier Kulturen Sokrates ( ) und Platon ( ) Konfuzius ( ) und Menzius ( ) Kiwanis Club Bremen Gingko i. Gr. 20. Juni 2011

2 Peter Richter2 Grober Vergleich der Kulturen Antike + Christentum: zwei Reiche, ein weltliches rationales und ein geistliches irrationales Oberste Werte: Wahrheit, Recht; Glaube an ein Jenseits Gleichheitskultur Konflikt/Streitkultur Individualismus Schuld und Erlösung Belehrung, Mission Konfuzianismus: nur ein Reich, an dessen Spitze der Kaiser als Sohn des Himmels Oberster Wert: Stabilität und Harmonie der Gesellschaft Hierarchie als Ordnung Konsenskultur Beziehungen Scham bei Gesichtsverlust Lernen und Üben Westen China

3 Peter Richter3 Drei Hauptschulen im alten China Konfuzius ( ) Rückbesinnung auf alte Ordnung Regeln für Harmonie in der Gesellschaft Goldene Regel Lernen und Riten Antipoden: die Sophisten Mo-tse (c ) Mohismus Rechtschaffenheit als zu erzwingende Tugend Hauptziel: Nutzen der Gesellschaft mehren Lao-tse (6. Jh.) Legendärer Vater des Daoismus: Daodejing Dao: Weg, Vernunft Idealisierung der Einfachheit, Stille, Naturverbundenheit Antipoden: die Legalisten Später (nach c. 200 v.u.Z.): Yin und Yang : komplementäre Aspekte eines Ganzen Buddhismus: in extremer Form bekämpft, in milder akzeptiert

4 Peter Richter4 menschliche Elementarbeziehungen Vater - Sohn Herrscher - Untertan älterer - jüngerer Bruder Freund - Freund für Männer Vater - Tochter Ehemann - Ehefrau Mutter - Sohn für Frauen Seit Mao ist die Gleichberechtigung der Frauen ein gutes Stück voran gekommen.

5 Peter Richter5 3 soziale Pflichten Loyalität zhong, ursprgl. "Untertanentreue" Kindliche Pietät xiao, "Verehrung der Eltern und Ahnen" Anstand und Sitte li – umfasst alle Umgangsformen, sowohl Höflichkeit und Etikette als auch Zeremonien und Opferriten Werte Lernen: xué ér shí xí zhī, bù yì yuè hu? Lernen und praktizieren – ist das nicht auch erfreulich? Weltlicher Pragmatismus: Glauben ist irrelevant, Praxis (Handeln, Tun) ist wichtig

6 Peter Richter6 X, Britannia, Italia, Austria, Russland, Germania, Marianne – Michael Wilhelm II u. H. Knackfuß 1895: Völker Europas, wahrt Eure heiligsten Güter! Geschenk Kaiser Wilhelms II. an den russischen Zaren Die Gelbe Gefahr

7 Peter Richter7 Clemens August Landsberg am nach Tsing-tau geschickt Aus seinem Tagebuch

8 Peter Richter8 Deutsches Schutzgebiet

9 Peter Richter9 Eine große Aufgabe harrt eurer: Ihr sollt das schwere Unrecht, das geschehen ist, sühnen. Die Chinesen haben das Völkerrecht umgeworfen, sie haben in einer in der Weltgeschichte nicht erhörten Weise der Heiligkeit des Gesandten, den Pflichten des Gastrechts Hohn gesprochen. …Kommt ihr vor den Feind, so wird er geschlagen. Pardon wird nicht gegeben, Gefangene nicht gemacht. Wer euch in die Hände fällt, sei in eurer Hand. Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in der Überlieferung gewaltig erscheinen lässt, so möge der Name Deutschlands in China in einer solchen Weise bekannt werden, dass niemals wieder ein Chinese es wagt, etwa einen Deutschen auch nur scheel anzusehen! Kaiser Wilhelm II. am zur Verabschiedung seiner Truppen Boxeraufstand 1900

10 Peter Richter10 Parks: für Chinesen und Hunde verboten

11 Peter Richter11 Wie begegnen wir den Chinesen heute? in China –unsere Medien: besserwisserisch –unsere Firmen: von oben herab –unsere Politiker: als Missionare westlicher Werte –fast alle Besucher: in der Erwartung, dass man ihre Sprache spreche in Europa –Angst und Bewunderung gegenüber ihrer Wirtschaftsleistung –wenig Interesse an ihrer Kultur, ihren Werten –als dürften wir die Demütigungen des Kolonialismus ignorieren

12 Peter Richter12 Wie sollte Kulturaustausch aussehen? Bemühen um gegenseitiges Verstehen –Menschen kennen lernen –Sprache –Kultur –Werte –Geschichte voneinander Lernen –Aufklärung durch Vergleich und Beurteilung der Unterschiede –ein positives Beispiel: die Jesuiten im 17./18. Jahrhundert

13 Peter Richter13 Matteo Ricci Xu Guangqi Johannes Schreck Jesuiten und die Kalenderreform Christoph Clavius · Papst Gregor Kaiser Kangxi Adam Schall 1633: Chongzhen Almanach 1645: Kalender nach der westlichen Methode

14 Peter Richter14 Wer waren die Jesuiten und warum gingen sie nach China? erstklassig ausgebildete Wissenschaftler, die in Europa keine Perspektive sahen (Heiliges Offizium, 30-jähriger Krieg). Missionsauftrag: die geistige Elite des Landes zum christlichen Glauben zu bekehren. Was brachten sie nach China und was brachten sie zurück? Mathematik und Naturwissenschaften von West nach Ost Philosophie und Sozialethik (Konfuzius) von Ost nach West Mit welchen Schwierigkeiten hatten sie zu kämpfen? in China: mit der Beamtenhierarchie und kaiserlicher Geheimhaltung in Rom: mit dem Vorwurf der Akkomodation ( Ritenstreit) Wie ging es weiter? nach 100 Jahren fruchtbaren Austauschs 100 Jahre Abschottung, danach 100 Jahre traumatische Erfahrungen mit westlichem Imperialismus Jesuiten und die Aufklärung

15 Peter Richter15 Demütigungen Opiumkriege und Abtretung Hongkongs, Öffnung der Häfen für Ausländer und Opiumhandel, Reparationen Plünderung Pekings, Zulassung christlicher Mission Taiping-Aufstand Bürgerkrieg mit 20 Millionen Opfern, durch mystisch-christlich- religiösen Fanatismus angeheizt (Hong Xiuquan, Karl Gützlaff) Ungleiche Verträge Boxer-Aufstand :Bewegung der Organisation für Gerechtigkeit und Harmonie No dogs and Chinese allowed

16 Peter Richter16 Das 20. Jahrhundert Zusammenbruch des Kaiserreichs Republik unter Sun Yatsen Sūn Yìxiān, Zerfall des Reichs in Nord und Süd ab 1927 Bürgerkrieg zwischen Kuomintang und Kommunisten 1934 Langer Marsch nach Yanan japanische Besetzung; Massaker von Nanjing Mao Zedong besiegt Chiang Kai-shek Ausrufung der Volksrepublik China Koreakrieg 1956/57 Hundert-Blumen-Bewegung (gegen Intellektuelle) Großer Sprung nach vorn: Hungersnot, Mio Tote Kulturrevolution 1976 Tod Maos, 1977 Deng Xiaoping rehabilitiert

17 Peter Richter17 Noch ein positives Beispiel

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19 Peter Richter19 … scheint mir die Lage unserer heutigen Verhältnisse angesichts des ins Unermessliche wachsenden moralischen Verfalls so zu sein, das es beinahe notwendig erscheint, dass man Missionare der Chinesen zu uns schickt, die uns Anwendung und Praxis einer natürlichen Theologie lehren könnten. Leibniz 1697 in Novissima Sinica Rede De Sinarum Philosophia Practica Voltaire sah in China einen auf Rationalismus basierenden Musterstaat Christian von Wolff 1721 als Prorektor der Universität Halle

20 Peter Richter20 Reading this proclamation, I have concluded that the Westerners are petty indeed. It is impossible to reason with them because they do not understand larger issues as we understand them in China. There is not a single Westerner versed in Chinese works, and their remarks are often incredible and ridiculous. To judge from this proclamation, their religion is no different from other small, bigoted sects of Buddhism or Taoism. I have never seen a document which contains so much nonsense. From now on, Westerners should not be allowed to preach in China, to avoid further trouble Kaiser Kangxis Antwort 1721 auf die Bulle Ex illa die von Papst Clemens XI bestätigt Papst Benedikt XIV. die Bulle von Am 19. Mai 2009 lobt Benedikt XVI. Matteo Ricci für die Weitsicht seiner Pastoralstrategie nach der Akkomodationsmethode

21 Peter Richter21

22 Peter Richter22 Kalendergeschichte II Xu Guangqi und Andere erkannten die Notwendigkeit einer weiteren Reform. Matteo Ricci, ein Schüler des Clavius, zeigte ihm die Stärke der westlichen Methoden. Sabbathin de Ursis, Johannes Schreck und Adam Schall überzeugten die Kaiser mit präzisen Finsternis- Vorhersagen 1610, 1629 und Mit den Daten des Tycho Brahe (und Keplers?) entstand 1634 der Chongzhen-Almanach und 1645 das Xiyang Xinfa Lishu – ganz im Sinne der traditionellen Vorgaben. So wie die Gregorianische Reform die Prinzipien des julianischen Kalenders nicht veränderte, sondern nur einige Zahlenwerte korrigierte, respektierten die Jesuiten die Vorgaben der chinesischen Tradition. Adam Schall wurde Leiter der kaiserlichen Sternwarte, deren Direktoren bis gegen 1830 immer Jesuiten waren – selbst als der Papst den Orden zeitweilig aufgelöst hatte. Noch heute kann man die alte Sternwarte und die Gräber der Jesuiten in Beijing sehen.

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24 Peter Richter24 The heavenly stems and their associations in astrology 1 jia 3 mu 4 wood fir Jupiterblue/green 2 yi 3 bamboo 3 bing 3 huo 3 fire flame Marsred 4 ding 1 lamp 5 wu 4 tu 3 earth hill Saturnyellow 6 ji 3 plane 7 geng 1 jin 1 metal weapon Venuswhite 8 xin 1 kettle 9 ren 2 shui 3 water waves Mercuryblack 10 gui 3 brook

25 Peter Richter25 The 12 earthly branches of the counting cycle zi 3 chou 3 yin 2 mao 3 chen 2 si 4 wu 3 wei 3 shen 1 you 3 xu 1 hai 4 shu 3 niu 2 hu 3 tu 4 long 2 she 2 ma 3 yang 2 hou 2 ji 1 gou 3 zhu 1 RatOxTigerRabbitDragonSnakeHorseSheepMonkeyChickDogPig AriesTaurusGeminiCancerLeoVirgoLibraScorpioSagittarCapricoAquariuPisces

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