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1 Richard Detje, Wolfgang Menz, Sarah Nies, Dieter Sauer Krise ohne Konflikt? Interessen- und Handlungsorientierungen im Ausgang der Krise – gewerkschaftspolitische.

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1 1 Richard Detje, Wolfgang Menz, Sarah Nies, Dieter Sauer Krise ohne Konflikt? Interessen- und Handlungsorientierungen im Ausgang der Krise – gewerkschaftspolitische Befunde Befragung von Vertrauensleuten und Betriebsräten der Metall-, Elektro- und Textilindustrie zur Wirtschaftskrise Gesprächskreis Gewerkschaften der Rosa-Luxemburg-Stiftung Kassel, 8. Juli 2011 Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

2 2 Wiederaufnahme von Untersuchungen zum Krisenbewusstsein In Sozialwissenschaften seit Mitte der 1980er Jahre keine Fortsetzung von Untersuchungen zu Arbeiter- /Klassenbewusstsein Befragungen in gewerkschaftlichen Bildungsstätten im Ausgang der Krise (April/Juni 2010) – spezieller Ort Vertrauensleute und Betriebsräte aus 16 verschiedenen Betrieben der Metall-, Elektro- und Textilindustrie – ehrenamtl. Funktionäre im Zentrum des Krisengeschehens 5 Gruppendiskussionen (32 TN) und 20 qualitative Interviews – Zufallsauswahl Unterste Ebene der Interessenvertreter – zwischen Belegschaft und »Experten« - shop floor Finanziert von der Rosa-Luxemburg-Stiftung Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

3 3 Befunde 1. Keine (große) Erzählung über die Große Krise 2. Intransparenz des Finanzmarktkapitalismus 3. Krise ist immer 4. Der Preis des »german miracle« 5. Systemerfahrung jenseits personeller Klassenherrschaft 6. Adressatenlose Wut 7. Ressentiments – das Geheimnis der Seeschlange Schlussfolgerungen für die gewerkschaftliche Strategiedebatte Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

4 4 Befund 1 Die Snoopy-Falle: das Scheitern einer Erzählung Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

5 5 Erzähl mal... aber der Zusammenhang fehlt »… viele Leute, die in der Gewerkschaft sind, von denen ich das gar nicht wusste, die kamen dann auf einmal und sagten: Du bist doch unser Vertrauensmann, erzähl mal. Ich hätte also jeden Tag ohne Probleme ein, zwei Stunden länger machen können. … Was ist passiert? Warum bauen wir jetzt so wenig Getriebe? Was hat das mit uns zu tun, wenn die in Amerika ihre Häuser nicht mehr verkauft bekommen? … Und den Leuten hat einfach der Zusammenhang gefehlt.« Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

6 6 Befund 2 Intransparenz des Finanzmarktkapitalismus Banker als Krisenverursacher – Spekulation als Krisenursache Aufschlussreich, was als »Inhalt« von »Spekulation« diskutiert wird: »Obligationen, CDEs oder CDAs, wie die Dinger heißen, das ist buntes Papier. Wenn ich da ein Streichholz dran hänge, ist es weg.« Herrschaft der Finanzmärkte: »Dass du nur durch Spekulation, nur durch fiktive Sachen, ein gesundes Unternehmen kaputt machen kannst… es hat ja Jahre gegeben, wo Siemens mit der Spekulation mehr verdient hat wie mit der Produktion. Porsche … die haben mehr Gewinn gemacht vom Umsatz. Völlig irrsinnig. Nur durch Spekulation.« Finanzmarktkrise = Krise in ihrer fetischartigsten Form Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

7 7 Der Fetisch des Finanzmarktkapitalismus »Die Form der Revenue und die Quellen der Revenue drücken die Verhältnisse der kapitalistischen Produktion in der fetischartigsten Form aus. (...) … von allen diesen Formen ist der vollständigste Fetisch das zinstragende Kapital. Wir haben hier den ursprünglichen Ausgangspunkt des Kapitals – Geld – und die Formel G-W-G, reduziert auf ihre beiden Extreme G-G. Geld, das mehr Geld schafft. (...) Im zinstragenden Kapital ist dieser automatische Fetisch vollendet, der sich selbst verwertende Wert, das geldmachende Geld, und trägt es in dieser Form keine Narben seiner Entstehung mehr. Das gesellschaftliche Verhältnis ist vollendet als Verhältnis des Dings (Geld, Ware) zu sich selber.« (Karl Marx, Theorien über den Mehrwert, MEW 26.3, S ) Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

8 8 Befund 3 Krisenerleben verbindet sich mit früheren Krisenerfahrungen Wahrnehmung der Krise als »permanenter Prozess« und Krisenreaktion als »Routine«: beständige Restrukturierung der Abläufe im Betrieb, Verlagerungen, Outsourcing, Kostensenkungsprogramme, Personalabbau, fortwährende Intensivierung der Arbeit Aus Routine wird Gewöhnung: »An dieses ständige Infrage stellen vom Arbeitsplatz gewöhnt man sich eigentlich auch.« Krisenroutine/-gewöhnung hat Schockkrise 2009 absorbiert Krise als permanenter Prozess beinhaltet - Defensiv- und Niederlagenerfahrungen - Durchmischung ökonom. + politischer Krisenprozesse (Hartz... – Politisierung) Erweiterung der Krise: von Beschäftigung auf Leistungssystem bis hin zu Gesundheitserfahrungen – Krise erfasst tendenziell den ganzen Menschen Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

9 9 Befund 4 Das »german miracle« hat einen hohen Preis - Verschärfung von Ausgrenzungs-/Spaltungstendenzen: Puffer Leiharbeit - Ultraflexibilisierung: Intensivierung + Extensivierung der Arbeitszeit »... In der Anlaufphase hatten wir ja auch wieder Sonderschichten. Da sind sie kaputt. Also sprich, die können jetzt schon manchmal gar nicht mehr, weil das einfach so krass war. Also nicht irgendwie so eine leichte Kurve, sondern: runter – nichts – und wieder hoch. So haben wir das gerade bei uns im Werk das zu bewältigen.«An dieses ständige Infrage stellen vom Arbeitsplatz gewöhnt man sich eigentlich auch.« - Statusverlust (»Facharbeiter ans Band«) »Ich liebe meinen Job... bin als Facharbeiter da. Und dann gehst du plötzlich in so eine Produktionslinie rein... Die Ängste... Das waren Ängste. Wie lange bleibe ich hier? Bleibe ich immer hier?« - Für Unternehmen/Management hat Krise ihre Funktion erfüllt: Das »flexible Unternehmen ist einen Schritt weiter gekommen Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

10 10 Befund 5 Systemerfahrung jenseits personeller Klassenherrschaft und »Gier« Im Betrieb: »Ich denke mal, unsere Bosse, da sind wir uns einig, das sind auch nur die, die Befehle ausführen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass unser Werksleiter oder unser Produktionsleiter oder Manager daran schuld ist, dass wir die Krise haben. Das glaube ich nicht.« Das gilt auch für Finanzmarktakteure: »Irgendeiner setzt einen Banker dahin und sagt: So, du machst jetzt spekulative Geschäfte und... wiegst ab Kosten/Nutzen und puschst das irgendwann hoch. Und um Erfolg zu haben gehst du irgendwann auf so diese Schiene, da ist es ja eigentlich auch egal, ob du der Oma so ein feuchtes Loch verkauft hast als... kleines Schloss… das ist ja denen ihr Job.« Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

11 11 Befund 6 »adressatenlose Wut« - Ohnmachtserfahrung gegenüber einer fernen, intransparenten ök. Dynamik » Was willst du denn machen?... Die Spielregeln werden woanders... Also die Töne werden woanders erzeugt. Und wir haben nur mit der Resonanz zu leben.« - Die »Schuldigen« finden sich nicht im Betrieb (s.o.) - Aber keine Distanzlosigkeit zum Management – ausgeprägtes Sensorium für betriebliche Herrschaftszusammenhänge – Ansätze »dichotomischen« Bewusstseins »Ja, die Leute beißen auf die Zähne... Sie lassen sich nicht mehr alles gefallen. Es ist sehr emotional... Das geht nicht mehr lange gut, dann wird es aggressiver...« Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

12 12 Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt? Befund 7 Ressentiments – das Geheimnis der Seeschlange »Bei uns im Türkischen gibt es ein Sprichwort, da sagt man: Wer in den See fällt, der klammert sich an der Seeschlange fest.« Aufladung von Ressentiments über die Verschuldungskrise in Europa? »... Wen wir jetzt nicht Griechenland unterstützen, was würde passieren? Dann wird Anarchie ausbrechen und keiner würde überhaupt noch einen Cent Steuern da drüben bezahlen... Und dann glaube ich, wird das nie ein Ende nehmen. Weil die nächsten Staaten stehen ja schon mit Portugal, Spanien und wer noch alles, Italien, mit dabei.« Rechtspopulismus in Europa: Finnland, Dänemark,Frankreich, Belgien, Niederlande, Österreich... Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

13 13 Befunde zur Strategiedebatte Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

14 14 Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt? 1. Politisches Mandat der Gewerkschaft Fixierung auf das politische System überwinden Traditionelles Verständnis von: Gewerkschaft muss politischer werden »...die Gewerkschaft muss politischer werden. Auf jeden Fall politischer und radikaler. Damit wir wieder mehr Gewicht haben und solche Leute wie Westerwelle und Merkel auch mal die Stirn bieten können.« Postdemokratische Diskreditierung des politischen Systems: der Staat ist machtlos und die Politiker korrupt »Die Politiker stellen sich nicht mit dem Gesicht zu den Leuten... Das ist alles so schon korrumpiert, das Geld hat schon so die Macht. … Und solange sie das Geld haben, ändert sich da nichts. Ich sehe keine Änderungen.« »...wir wählen, wählen... die Leute haben ja immer Erwartungen an die Politik, aber da ändert sich nichts. Da ändert sich gar nichts. Nein.« Zivilgesellschaftliche (hegemoniale) Erweiterung des politischen Mandats. Zentral: wo und inwieweit Arbeit und Leben der Marktsteuerung entzogen werden Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

15 15 Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt? 2. Politische Ökonomie Lernprozesse - kommunikative Machtressourcen erschließen Befunde: - Finanzmarktkrise ist Krise in ihrer fetischisiertesten Form - Krise ist zu einer permanenten Erfahrung geworden Krise ist nicht selbst-verständlich, muss kommuniziert und gedeutet werden – vor Ort »Wir haben … nicht wirklich viele Kontaktpunkte ansonsten. Was ganz positiv war und was sicher auch sinnvoll für die Zukunft wäre, zur ERA-Zeit hat man die Betriebe zusammengeführt einmal im Monat oder so. Man hat sich untereinander ausgetauscht. Das findet bei uns ganz wenig statt, der Austausch untereinander.« Aufwertung/Neuorganisation gewerkschaftlicher und politischer Bildungsarbeit Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

16 16 Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt? 3. Gegenöffentlichkeit Wut und Protestphantasien Raum schaffen Beispiel Frankreich (!) »Ich bewundere die Leute in Frankreich immer. Ich könnte niederknien, wenn die schon wieder ein paar Reifen vor irgendeinem Werk angersteckt haben oder am Elysée-Palast mit dem Traktor vorgefahren sind… Ich denke, in Deutschland die Gewerkschaften müssen noch mal politischer werden. Wir müssen uns da noch mal ein bisschen mehr profilieren. Und wir müssen auch öfter mal in der ersten Reihe stehen. Also ich sage mal, auch bei Demonstrationen, ich meine, wenn man sich das dann anguckt, die sind dann stellenweise eher lasch geführt.« Ultraflexibilisierung und autoritärer Kapitalismus »…das andere ist, dass es enorme Schwierigkeiten macht, die Belegschaft zu mobilisieren. Und das führe ich auf die Produktionsbedingungen zur Zeit zurück… Ich kann wirklich von den Kollegen nicht erwarten, die jetzt den ganzen Tag am Band gestanden sind, dass sie abends politisch aktiv sind… Und das hat sich in den letzten Jahren sehr verschärft, die Bedingungen im Betrieb.« Das Demokratiepotenzial der Arbeitspolitik – Gute Arbeit Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

17 17 Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt? 4. Transformationsprojekt Wirtschaftsdemokratie statt Neuaufrüstung Sozialer Marktw Die demokratische Frage im Betrieb »Wir haben … in unserem Bereich mehrmals, also seit Anfang Januar bis Ende dieses Jahr [2010], vier Mal in Belegschaftsversammlungen über die Wirtschaftsdemokratie geredet… Wirtschaftsdemokratie nicht so wie Wie können wir es heute machen? Wir sollten nachdenken über dieses Thema… Weil was Banken oder zum Beispiel ThyssenKrupp macht, wissen wir nicht. Also müsste man ein Kontrollsystem haben...« Befund Decker u.a.: Legitimationsprobleme des Systems ohne Alternative: » … dass in der Bevölkerung die Unzufriedenheit mit der Verfasstheit der Gesellschaft sehr groß, die Idee einer Alternative aber faktisch nicht vorhanden ist.« Gefahr, dass Kapitalismuskritik ohne progressive Alternative umschlägt in »volksgemeinschaftliche Alternativen zur bestehenden Gesellschaftsordnung. « (Die Mitte in der Krise. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland Berlin, 127f.) Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

18 18 Die »Wille« wird frei »Sowenig man das, was ein Individuum ist, nach dem beurteilt, was es sich selbst dünkt, ebensowenig kann man eine... Umwälzungsepoche aus dem Bewusstsein beurteilen, sondern muss vielmehr dies Bewusstsein aus den Widersprüchen des materiellen Lebens, aus dem vorhandenen Konflikt zwischen gesellschaftlichen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen erklären. Eine Gesellschaft geht nie unter, bevor alle Produktivkräfte entwickelt sind... Daher stellt sich die Menschheit immer nur Aufgaben, die sie lösen kann...« (Marx: Vorwort Zur Kritik... MEW 13: 9) »Die wissenschaftliche Basis einer Moral des historischen Materialismus ist, wie mir scheint, in der Aussage zu suchen, dass die Gesellschaft sich keine Aufgaben stellt, für deren Lösung nicht bereits Lösungsbedingungen existieren. Existieren diese Bedingungen, wird die Lösung der Aufgaben Pflicht, der Wille wird frei.« (Gramsci, Gefängnishefte 4: 863) Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

19 19 Dank für die Aufmerksamkeit Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?


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