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1 Richard Detje/Wolfgang Menz/Sarah Nies/Dieter Sauer Nachdenkliches: Krise ohne Konflikt? Krisenerfahrungen und Krisenbewusstsein von Beschäftigten Forum.

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Präsentation zum Thema: "1 Richard Detje/Wolfgang Menz/Sarah Nies/Dieter Sauer Nachdenkliches: Krise ohne Konflikt? Krisenerfahrungen und Krisenbewusstsein von Beschäftigten Forum."—  Präsentation transkript:

1 1 Richard Detje/Wolfgang Menz/Sarah Nies/Dieter Sauer Nachdenkliches: Krise ohne Konflikt? Krisenerfahrungen und Krisenbewusstsein von Beschäftigten Forum Politische Bildung 2012 IG Metall Bildungszentrum Sprockhövel Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

2 2 I. Großen Krisen gestern und heute Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

3 3 Eine Weltwirtschaftskrise von bis dahin ungekanntem Ausmaß zwang selbst die stärksten kapitalistischen Wirtschaftssysteme in die Knie... Und während die Wirtschaft taumelte, verschwanden zwischen 1917 und 1942 (außer in ein paar Ecken von Europa und in einigen Gebieten von Nordamerika und Ozeanien) alle liberalen demokratischen Institutionen, wohingegen der Faschismus und seine autoritären Satelliten und Regime auf dem Vormarsch waren... Die Weltwirtschaftskrise bestärkte Intellektuelle, Aktivisten und Normalbürger in dem Glauben, dass irgendwas völlig schief lief mit der Welt, in der sie lebten. (E. Hobsbawm 1995: 22, 136) Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

4 : Abgang der politischen Elite

5 5 Deutscher Sonderweg – erfolgreicher Krisenkorporatismus? Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

6 6 Jenseits des Arbeitsmarktes – Krise ohne Kapitalismuskritik »Die genauere Analyse der politischen Reaktionen auf die Krise von würde zeigen, dass es nicht die kapitalistische Wirtschaft per se, sondern das Zusammenspiel zwischen der Krise des Kapitalismus, starken Wellen der Kapitalismuskritik und politischer Handlungsfähigkeit auf der Basis gesellschaftlicher Mobilisierung war, welches partielle Lösungen der grundlegenden Probleme ermöglichte und zu Strukturreformen führte... Im historischen Langzeitvergleich ist die Kapitalismuskritik heute schwach..., in den intellektuellen Diskurse sind überzeugende Utopien jenseits des Kapitalismus knapp. Von einflussreichen Linksbewegungen mit kapitalismuskritischer Spitze ist wenig zu sehen...« (Jürgen Kocka, in: Berliner Republik, Dezember 2011) WARUM? Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

7 7 II. Die Krise in Deutschland Ohnmacht und adressatenlose Wut Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

8 8 Eigene Befunde Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt? 1. Keine große Erzählung über die Große Krise 2. Intransparenz des Finanzmarktkapitalismus 3. Krise ist immer 4. Der Preis des »german miracle« 5. Adressatenlose Wut 6. Diskreditierung des politischen Systems 7. Ressentiments – das Geheimnis der Seeschlange

9 9 1. Keine große Erzählung über die Große Krise oder: die Snoopy-Falle »… viele Leute kamen auf einmal und sagten: Du bist doch unser Vertrauensmann, erzähl mal. Ich hätte jeden Tag ohne Probleme ein, zwei Stunden länger machen können. … Was ist passiert? Warum bauen wir jetzt so wenig Getriebe? Was hat das mit uns zu tun, wenn die in Amerika ihre Häuser nicht mehr verkauft bekommen? … Und den Leuten hat einfach der Zusammenhang gefehlt.« Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

10 10 2. Neue Krisenrealität Intransparenz des Finanzmarktkapitalismus Aufschlussreich, was als »Inhalt« von »Spekulation« diskutiert wird: »Obligationen, CDEs oder CDAs, wie die Dinger heißen, das ist buntes Papier. Wenn ich da ein Streichholz dran hänge, ist es weg.« Herrschaft der Finanzmärkte: »Dass du nur durch Spekulation, nur durch fiktive Sachen, ein gesundes Unternehmen kaputt machen kannst… es hat ja Jahre gegeben, wo Siemens mit der Spekulation mehr verdient hat wie mit der Produktion. Porsche … die haben mehr Gewinn gemacht vom Umsatz. Völlig irrsinnig. Nur durch Spekulation.« Finanzmarktkrise = Krise in ihrer fetischartigsten Form Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

11 11 Der Fetisch des Finanzmarktkapitalismus »Die Form der Revenue und die Quellen der Revenue drücken die Verhältnisse der kapitalistischen Produktion in der fetischartigsten Form aus. (...) … von allen diesen Formen ist der vollständigste Fetisch das zinstragende Kapital. Wir haben hier den ursprünglichen Ausgangspunkt des Kapitals – Geld – und die Formel G-W-G, reduziert auf ihre beiden Extreme G-G. Geld, das mehr Geld schafft. (...) Im zinstragenden Kapital ist dieser automatische Fetisch vollendet, der sich selbst verwertende Wert, das geldmachende Geld, und trägt es in dieser Form keine Narben seiner Entstehung mehr. Das gesellschaftliche Verhältnis ist vollendet als Verhältnis des Dings (Geld, Ware) zu sich selber.« (Karl Marx, Theorien über den Mehrwert, MEW 26.3, S ) Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

12 12 3. Kein lebensgeschichtlicher Einschnitt: »Krise ist immer« Wahrnehmung der Krise als »permanenter Prozess«: beständige Rationalisierung und Restrukturierung der Abläufe im Betrieb, Verlagerungen, Outsourcing, Kostensenkungsprogramme Krise als permanenter Prozess führt zu Gewöhnung: »An dieses ständige Infrage stellen vom Arbeitsplatz gewöhnt man sich eigentlich auch.« Krisenroutine hat Schockkrise 2009 absorbiert Permanenz der Krise beinhaltet - Defensiv- und Niederlagenerfahrungen - Durchmischung ökonomischer + politischer Krisenprozesse (Hartz etc.) Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

13 13 4. Das »german miracle« hat einen hohen Preis - Spaltungstendenzen: Puffer Leiharbeit - Beschäftigungssicherung durch Ultraflexibilisierung »... In der Anlaufphase hatten wir ja auch wieder Sonderschichten. Da sind sie kaputt. Also sprich, die können jetzt schon manchmal gar nicht mehr, weil das einfach so krass war. Also nicht irgendwie so eine leichte Kurve, sondern: runter – nichts – und wieder hoch. So haben wir das gerade bei uns im Werk das zu bewältigen.«An dieses ständige Infrage stellen vom Arbeitsplatz gewöhnt man sich eigentlich auch.« Lange eingeübte Unterwerfung privater Lebensbedürfnisse unter betriebliche Anforderungen - Statusverlust (»Facharbeiter ans Band«) – nicht Hauptsache Arbeit (instr.) »Ich liebe meinen Job... bin als Facharbeiter da. Und dann gehst du plötzlich in so eine Produktionslinie rein... Die Ängste... Das waren Ängste. Wie lange bleibe ich hier? Bleibe ich immer hier?« - Für Unternehmen/Management hat Krise ihre Funktion erfüllt: Das »flexible Unternehmen ist einen Schritt weiter gekommen Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

14 14 5. Adressatenlose Wut Systemerfahrung jenseits personeller Klassenherrschaft Systemerfahrung jenseits personeller Klassenherrschaft (Charektermaske) »Irgendeiner setzt einen Banker dahin und sagt: So, du machst jetzt spekulative Geschäfte und... wiegst ab Kosten/Nutzen und puschst das irgendwann hoch. Und um Erfolg zu haben gehst du irgendwann auf so diese Schiene, da ist es ja eigentlich auch egal, ob du der Oma so ein feuchtes Loch verkauft hast als... kleines Schloss… das ist ja denen ihr Job.« Ohnmachtserfahrung gegenüber einer fernen, intransparenten ök. Dynamik »Was willst du denn machen?... Die Spielregeln werden woanders... Also die Töne werden woanders erzeugt. Und wir haben nur mit der Resonanz zu leben.« Aber keine Distanzlosigkeit zum Management – betriebliche Herrschaftszusammenhänge bleiben – Ansätze »dichotomischen« Bewusstseins Ja, die Leute beißen auf die Zähne... Sie lassen sich nicht mehr alles gefallen. Es ist sehr emotional... Das geht nicht mehr lange gut, dann wird es aggressiver... Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

15 15 Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt? 6. Diskreditierung des politischen Systems Der Staat ist machtlos und die Politiker korrupt »Die Politiker stellen sich nicht mit dem Gesicht zu den Leuten... Das ist alles so schon korrumpiert, das Geld hat schon so die Macht. … Und solange sie das Geld haben, ändert sich da nichts. Ich sehe keine Änderungen.« »...wir wählen, wählen... die Leute haben ja immer Erwartungen an die Politik, aber da ändert sich nichts. Da ändert sich gar nichts. Nein.« Zivilgesellschaftliche (hegemoniale) Erweiterung des politischen Mandats. Zentral: weit weit Arbeit und Leben der Marktsteuerung entzogen werden Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

16 16 Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt? 7. Ressentiments – das Geheimnis der Seeschlange »Bei uns im Türkischen gibt es ein Sprichwort, da sagt man: Wer in den See fällt, der klammert sich an der Seeschlange fest.« Aufladung von Ressentiments über die Verschuldungskrise in Europa? »... Wen wir jetzt nicht Griechenland unterstützen, was würde passieren? Dann wird Anarchie ausbrechen und keiner würde überhaupt noch einen Cent Steuern da drüben bezahlen... Und dann glaube ich, wird das nie ein Ende nehmen. Weil die nächsten Staaten stehen ja schon mit Portugal, Spanien und wer noch alles, Italien, mit dabei.« Rechtspopulismus in Europa: Finnland, Dänemark, Frankreich, Belgien, Niederlande, Österreich... Verknüpfung von - Ausländerfeindlichkeit - sozialer Frage (Sozialstaat auf ausgrenzender Grundlage) - Europa als Wettbewerbsregime Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

17 17 III. Strategiedebatte Der Wutbürger hat einen Kollegen im Betrieb Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

18 18 Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt? 1. Systemerfahrung: Handlungsfeld Betrieb Systemdelegitimierung aufgrund sozialer Ungerechtigkeit trifft im Betrieb auf Basiserfahrungen: 1. Sie hat durch die marktzentrierte Restrukturierung (in den letzten 20 Jahren) im Betrieb einen erfahrungspolitischen Vorlauf – sie ist tiefer »eingebrannt«. 2. Gegenüber der »Volatilität« politischen Gesellschaftsbewusstseins basiert dieses »Betriebsbewusstsein« auf konkreten und dauerhaften Erfahrungen. 3. Im Betrieb bleibt – in welcher Ausprägung auch immer – die Lohnarbeit Grundlage der Reproduktion und mit ihr der Interessengegensatz zum Kapital erhalten (im Unterschied zum Status des Citoyen im politischen Feld). 4. Der Betrieb ist nicht beliebiges, sondern zwingendes Handlungsfeld. Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

19 19 Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt? 2. Politische Ökonomie Lernprozesse organisieren Befunde: - Snoopy Falle: das Fehlen einer großen Erzählung - Krise ist zu einer permanenten Erfahrung geworden Krise ist nicht selbst-verständlich, muss kommuniziert und gedeutet werden – vor Ort »Wir haben … nicht wirklich viele Kontaktpunkte ansonsten. Was ganz positiv war und was sicher auch sinnvoll für die Zukunft wäre, zur ERA-Zeit hat man die Betriebe zusammengeführt einmal im Monat oder so. Man hat sich untereinander ausgetauscht. Das findet bei uns ganz wenig statt, der Austausch untereinander.« Ökonomische und gesellschaftliche Alphabetisierung Aufwertung/Neuorganisation politischer Bildungsarbeit Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

20 20 Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt? 3. Kritik des Finanzmarktkapitalismus nicht zu eng anlegen Befunde: - Finanzmarktkrise ist Krise in ihrer fetischisiertesten Form - weit entfernt vom alltäglichen Krisenerleben Skandalisierung der Politik der Sozialisierung der Spekulationsverluste ist richtig (Occupy, Indignados) - als weitere Ursache der Staatsverschuldung - der Umverteilung von unten nach oben Aber: Der Focus auf die Kritik der Politik der Banken/des Finanzkapitals bleibt auf der Ebene der Zivilgesellschaft (soziale Ungerechtigkeit) und erreicht nicht die Krisenrealität im arbeitsgesellschaftlichen Alltag Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

21 21 Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt? 4. Entgeltpolitik + Arbeitspolitik zusammen denken Befunde: - Krise = Focus auf Arbeitsplatz, gerade auch im Prekariat - Ultraflexibilisierung = Dominanz des deutschen Wettbewerbsregimes Verteilung steht nicht für sich, sondern immer in Bezug zum Leistungsregime (meritokratische Orientierung) Deshalb muss die Kritik der Verteilungsverhältnisse unterfüttert werden durch Kritik des kapitalistischen Arbeitsregimes Das gilt auch für Europa: Hinter Gläubiger-/Schuldner-Positionen stehen realwirtschaftliche Ungleichgewichte und dahinter wiederum unterschiedliche arbeitspolitische Regime Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

22 22 Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt? 5. Gegenöffentlichkeit Wut und Protestphantasien Raum schaffen Beispiel Frankreich (!) »Ich bewundere die Leute in Frankreich immer. Ich könnte niederknien, wenn die schon wieder ein paar Reifen vor irgendeinem Werk angersteckt haben oder am Elysée-Palast mit dem Traktor vorgefahren sind… Ich denke, in Deutschland die Gewerkschaften müssen noch mal politischer werden. Wir müssen uns da noch mal ein bisschen mehr profilieren. Und wir müssen auch öfter mal in der ersten Reihe stehen. Also ich sage mal, auch bei Demonstrationen, ich meine, wenn man sich das dann anguckt, die sind dann stellenweise eher lasch geführt.« Ultraflexibilisierung und autoritärer Kapitalismus »…das andere ist, dass es enorme Schwierigkeiten macht, die Belegschaft zu mobilisieren. Und das führe ich auf die Produktionsbedingungen zur Zeit zurück… Ich kann wirklich von den Kollegen nicht erwarten, die jetzt den ganzen Tag am Band gestanden sind, dass sie abends politisch aktiv sind… Und das hat sich in den letzten Jahren sehr verschärft, die Bedingungen im Betrieb.« Das Demokratiepotenzial der Arbeitspolitik – Gute Arbeit Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

23 23 Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt? 6. Politisches Mandat der Gewerkschaft Fixierung auf das politische System überwinden Traditionelles Verständnis von: Gewerkschaft muss politischer werden »...die Gewerkschaft muss politischer werden. Auf jeden Fall politischer und radikaler. Damit wir wieder mehr Gewicht haben und solche Leute wie Westerwelle und Merkel auch mal die Stirn bieten können.« Postdemokratische Diskreditierung des politischen Systems: der Staat ist machtlos und die Politiker korrupt »Die Politiker stellen sich nicht mit dem Gesicht zu den Leuten... Das ist alles so schon korrumpiert, das Geld hat schon so die Macht. … Und solange sie das Geld haben, ändert sich da nichts. Ich sehe keine Änderungen.« »...wir wählen, wählen... die Leute haben ja immer Erwartungen an die Politik, aber da ändert sich nichts. Da ändert sich gar nichts. Nein.« Zivilgesellschaftliche (hegemoniale) Erweiterung des politischen Mandats. Zentral: weit weit Arbeit und Leben der Marktsteuerung entzogen werden Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

24 24 Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt? 7. Transformationsprojekt Wirtschaftsdemokratie statt Neuaufrüstung von Sozialer Marktwirtschaft Die demokratische Frage im Betrieb: Selbststeuerung statt Fremdsteuerung des eigenen Lebenszusammenhangs »Wir haben … in unserem Bereich mehrmals, also seit Anfang Januar bis Ende dieses Jahr [2010], vier Mal in Belegschaftsversammlungen über die Wirtschaftsdemokratie geredet… Wirtschaftsdemokratie nicht so wie Wie können wir es heute machen? Wir sollten nachdenken über dieses Thema… Weil was Banken oder zum Beispiel ThyssenKrupp macht, wissen wir nicht. Also müsste man ein Kontrollsystem haben...« Befund Decker u.a.: Gefahr Legitimationsprobleme des Systems ohne Alternative: » … dass in der Bevölkerung die Unzufriedenheit mit der Verfasstheit der Gesellschaft sehr groß, die Idee einer Alternative aber faktisch nicht vorhanden ist.« Gefahr, dass Kapitalismuskritik ohne progressive Alternative umschlägt in »volksgemeinschaftliche Alternativen zur bestehenden Gesellschaftsordnung. « (Die Mitte in der Krise. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland Berlin, 127f.) Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

25 25 Zum Nach- und Weiterlesen Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

26 26 Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

27 27 Befund 1: Entkultivierung der Eliten – rohe Bürgerlichkeit … rohe Bürgerlichkeit zeichnet sich durch den Rückzug vom sozialen Zusammenhalt einer Gesellschaft befördernden Solidargemeinschaft aus. Ihre Entkultivierung offenbart sich im rabiaten Auftreten und Durchsetzen eigener Ziele mit rabiaten Mitteln. Das zeigt sich in der Abwertung schwacher Gruppen. Es geht um die Sicherung bzw. Steigerung eigener sozialer Privilegien durch Abwertung und Desintegration volkswirtschaftlich etikettierter Nutzloser sowie um die kulturelle Abwehr durch Abwertung. Es mehren sich Hinweise, dass sich die angebliche Liberalität höherer Einkommensgruppen in reaktionäre Einstellungen wandelt. (Heitmeyer 2010) Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

28 28 Befund 2: Immunisierung Verarbeitung der Krise durch Aufspaltung der gesellschaftlichen Realität in eine gesellschaftliche und eine individuelle Sphäre nach dem Motto >Der Gesellschaft geht es schlecht, aber mir geht es gut<. Wir haben es dabei mit einer Konstruktion bzw. Aufrechterhaltung eines positiven Selbstbildes im Sinne einer Immunisierung zu tun. Thesen: - Sehnsucht nach Beruhigung aufgrund beständiger Ungewissheit - Reduktion von Überkomplexität - Realitätsausblendung - Realitätsaufspaltung (Heitmeyer 2012: 22) Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

29 29 Befund 3: Fatalismus der Prekarisierten – Entsolidarisierung der Mitte Nur 14% der Unterschichten erwarten, dass es ihnen in zehn Jahren besser gehen wird. Auch die Aussichten der eigenen Kinder werden überwiegend skeptisch gesehen. Dieser Statusfatalismus ist der Eckstein der derzeitigen Bewusstseinslage der unteren Sozialschichten. (Institut für Demoskopie Allensbach, FAZ v ) Das Motto heißt: Rette sich wer kann… Sie sehen sich als Leute, die davonkommen und sich die Lage sogar zu Nutze machen können. Deshalb werden sie jetzt individuell der Augen-zu-und-durch-Methode folgen. In diesem Sinne macht die Krise vielleicht auch viele fromm, die Anlass haben zu denken, sie werden schon davonkommen. (Claus Offe) Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?

30 30 Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt? 2. Adressatenlose Wut und Systemaufklärung Befund einer »adressatenlosen Wut« spricht nicht gegen betriebliche Zuspitzung Wenn das lokale Management und selbst das Unternehmensmanagement nicht als Hauptgrund der Krisenentwicklung, sondern als »Rad im System« angesehen werden, bleibt es doch bei Systemzwängen, Herrschaft und Macht Der »Fortschritt« besteht darin, dass die alltäglichen Übergriffe des Kapitals nicht personalisiert, sondern systemisch gedeutet werden (»Ohnmacht der Herrschenden«) Hier lauert die große politische Aufgabe: Aufklärung über Systemzusammenhänge und die Unmittelbarkeit von Systemerfahrungen nutzen (Reflexionsräume schaffen) Der zweite »Fortschritt« besteht in einer systemischen Vernetzung – entlang der Konfliktachse Kommodifizierung-Dekommodifizierung – von Betrieb/Unternehmen, Sozialstaat, Zivilgesellschaft und politischen Institutionen Dies wären die Felder der Mosaik-Linken und ihre möglich inhaltliche Vernetzung Detje, Menz, Nies, Sauer: Krise ohne Konflikt?


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