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PD Dr. med. P. Franke Abteilung Abhängigkeitserkrankungen LVR Klinikum Düsseldorf Kliniken der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf

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PD Dr. med. P. Franke Abteilung für Abhängigkeitserkrankungen LVR Klinikum Düsseldorf Kliniken der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf (Ärztl. Dir.:

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Präsentation zum Thema: "PD Dr. med. P. Franke Abteilung Abhängigkeitserkrankungen LVR Klinikum Düsseldorf Kliniken der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf"—  Präsentation transkript:

1 PD Dr. med. P. Franke Abteilung Abhängigkeitserkrankungen LVR Klinikum Düsseldorf Kliniken der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf Substanzgebundene Abhängigkeitserkrankungen Version 07/2013

2 …Angenommen, es müsste bei der Versorgung von Patientengespart werden … Nennen Sie bitte 3 Krankheiten, bei denen man am ehesten Geld einsparen kann… Angermeyer et al. 2005; Mann & Kiefer, 2009 Alkoholismus: 54 % Depressionen: 30 % Schizophrenie: 27 % (Vgl. je 17 % Diabetes mellitus und Rheumatismus)

3 Volkswirtschaftliche Kosten durch Alkoholkonsum (1) Produktionsausfälle durch alkoholbedingte Erkrankungen und Fehlen am Arbeitsplatz (ca Fälle/Jahr) (2) Ausgaben im Gesundheitswesen für alkoholbedingte Erkrankungen und Unfälle (3) Erhöhte Sterblichkeit durch alkoholbedingte Erkrankungen und Unfälle ( Fälle/Jahr) (4) Soziale Folgekosten für durch Alkoholkonsum geschädigte Familien (5) Frühzeitige Berentung (ca Fälle/ Jahr) Geschätzter volkswirtschaftlicher Schaden durch alkoholbezogene Morbidität und Mortalität in D: 20 Milliarden pro Jahr (Bergmann & Horch, 2003)

4 Substanzgebundene Abhängigkeitserkrankungen I. Diagnostik und allgemeine Therapieprinzipien II. Neurobiologische Grundlagen III. Klinik der alkoholbezogenen Störungen IV. Klinische Behandlung der Opiatabhängigkeit Franke: Vorlesung - Abhängigkeitserkrankungen

5 Substanzgebundene Abhängigkeitserkrankungen I. Diagnostik und allgemeine Therapieprinzipien II. Neurobiologische Grundlagen III. Klinik der alkoholbezogenen Störungen IV. Klinische Behandlung der Opiatabhängigkeit

6 2. Epidemiologie von Substanzmissbrauch und -abhängigkeit 3. Therapeutische Grundprinzipien der Behandlung suchtkranker Menschen 1. Suchterkrankungen I. Allgemeine Einführung: Diagnostik und Therapie von Suchterkrankungen

7 Körperliche und/oder psychische Schäden substanzspezifisch, z.B. Enthemmung, Affektlabilität, verwaschene Sprache, Enge, lichtstarre Pupillen Starkes Verlangen Verminderte Kontrolle körperliche Entzugssymptome Toleranzentwicklung Vernachlässigung von Pflichten Körperliche und/oder psychische Schäden Akute Intoxikation x.0 Schädlicher Gebrauch/ Missbrauch x.1 Abhängigkeit x.2 ICD-10 Diagnostik und Klassifikation – Erläuterungen I

8 Psychotische Störung x.5 Vorw. akustische Halluzinationen / DD Schizophrenie Amnestisches Syndrom/ Demenz substanzspezifisch, z.B. mit Krampfanfällen, Muskelschmerzen Entzugssyndrom x.3 Andauernde Beeinträchtigung des Kurz- und Langzeitgedächtnisses, Zeitgitterstörungen, Merkfähigkeitsstörung ICD-10 Diagnostik und Klassifikation – Erläuterungen II Delirium x.4 Vorw. optische Halluzinationen

9 2. Epidemiologie von Substanzmißbrauch und Abhängigkeit

10 Riskanter Konsum Missbrauch Abhängigkeit in Behandlung Häufigkeit von problematischem Alkoholkonsum 10,4 Mio. Menschen 5,0 Mio. Menschen ca Menschen 2,5 Mio. Menschen Suchtmedizinisch-psychiatrische Behandlung %: hausärztliche Behandlung ?

11 Ab wann wird Alkoholkonsum riskant ? 1 l Bier = 40g Alkohol 0,7l Wein = 65g Alkohol 0,04l Schnaps = 10g Alkohol Frauen: > 20 g Alkohol/Tag = 1 Drink/Tag = 7 Drinks/Woche (140g/Woche) Männer: > g Alkohol/Tag = 2 Drinks/Tag = 14 DrinksWoche (280g/Woche) Riskanter Alkoholkonsum: bei regelmäßigem Konsum: deutlich erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen

12 Alkoholbedingte Folgeerkrankungen I Neuropsychiatrische Folgeerkrankungen Alkoholinduzierte Psychosen Gedächtnisstörungen bis zur Demenz Persönlichkeitsveränderungen Nervenschädigungen Internistische (körperliche) Folgeerkrankungen Lebererkrankungen (Fettleber, Hepatitis, Zirrhose) Magenerkrankungen (Krampfadern an der Speiseröhre, Magengeschwüre) Bauchspeicheldrüsenerkrankungen (akute und chronische Entzündungen) erhöhtes Risiko für Krebserkrankungen

13 Alkoholbedingte Folgeerkrankungen II Muskelabbau, Muskelschwäche Impotenz Störungen des Immunsystems erhöhtes Missbildungsrisiko bei Schwangeren Für die meisten körperlichen Alkoholfolgeerkrankungen sind bisher keine spezifischen Behandlungsmöglichkeiten bekannt

14 …daher ist es wichtig problematischen Alkoholkonsum frühzeitig zu erkennen…

15 Erkennen einer Alkoholproblematik (Screening) Klinische Zeichen Alkoholgeruch gerötete Konjunktiven aufgedunsenes Gesicht Tremor Gangunsicherheit erhöhte Schweißneigung Habitus (Muskelatrophie der Beine, Kontrast zum Bauch) erhöhte Reizbarkeit, Störung der Impulskontrolle (Fremdanamnese !) Laborparameter Gamma-Glutamyl-Transferase ( -GT) Mikrokorpuskuläres Volumen der Erythrozyten (MCV) Carbohydrate deficient transferrin (CDT) Selbstbeurteilungsfragebögen CAGE (> 1) AUDIT (> 8)

16 Screeningfragebogen Alkohol: CAGE 1.Haben Sie jemals das Gefühl gehabt, Sie müßten Ihren Alkoholkonsum vermindern ? 2. Haben andere Personen Sie dadurch verärgert, dass diese Ihr Trinkverhalten kritisiert haben ? 3. Haben Sie jemals Schuldgefühle wegen Ihres Alkoholkonsums gehabt ? 4. Haben Sie jemals als erstes am Morgen ein alkoholisches Getränk getrunken, um Ihre Nerven zu beruhigen ? Schwellenwert: > 1

17 Screening-Fragebogen Alkohol: AUDIT nie1 x Monat oder seltener 2 x Monat3 x Monat3-4 x Monat oder öfter oder mehr nie 1 x Monatweniger als 1 x Monat 1 x Wochefast täglich Wie oft trinken Sie alkoholische Getränke ? Wieviele alkoholische Getränke trinken Sie pro Tag ? Wie oft trinken Sie 6 oder mehr alkoholische Getränke pro Tag ? Wie oft hatten Sie im letzten Jahr das Gefühl, Sie könnten nicht aufhören zu trinken, wenn Sie Angefangen haben ? nie1 x Monatweniger als 1 x Monat 1 x Wochefast täglich Babor et al. 1989

18 Screening-Fragebogen Alkohol: AUDIT (Forts.) nie 1 x Monatweniger als 1 x Monat 1 x Wochefast täglich Wieoft konnten Sie im letzten Jahr nicht das tun, was von Ihnen erwartet wurde, weil Sie Alkohol getrunken haben ? Wie oft brauchen Sie morgens ein alkoho- lisches Getränk, weil Sie vorher stark getrunken haben ? Wie oft haben Sie im letzten Jahr Gewissens- bisse gehabt oder sich schuldig gefühlt ? Wie oft hatten Sie sich im letzten Jahr nicht an Ereignisse aus der Nacht zuvor erinnern Können, weil Sie Alkohol getrunken hatten ? nie1 x Monatweniger als 1 x Monat 1 x Wochefast täglich nie 1 x Monatweniger als 1 x Monat 1 x Wochefast täglich nie 1 x Monatweniger als 1 x Monat 1 x Wochefast täglich Babor et al. 1989

19 Screening-Fragebogen Alkohol: AUDIT (Forts.) Haben Sie sich oder einen anderen schon einmal verletzt, weil Sie Alkohol Getrunken hatten ? Hat Ihnen ein Verwandter, Freund oder Arzt geraten, Ihren Alkoholkonsum zu verringern ? nie 1 x Monatweniger als 1 x Monat 1 x Wochefast täglich nein Ja, aber nicht im letzten Jahr Ja, im letzten Jahr Schwellenwert: > 8 Babor et al. 1989

20 Körperliche und/oder psychische Schäden Alkohol- missbrauch Starkes Verlangen Verminderte Kontrolle körperliche Entzugssymptome Toleranzentwicklung Vernachlässigung von Pflichten Körperliche und/oder psychische Schäden Alkohol abhängigkeit riskanter Alkoholkonsum Frauen: mehr als 20 g Alkohol/Tag Männer: mehr als g Alkohol/Tag Verschiedene Schweregrade problematischen Alkoholkonsums

21 Epidemiologie: Illegale Drogen, Medikamente und Nikotin Quelle: IFT München, 2004: jährige Personen in Deutschland (alle, außer THC) (nur Opiate) ? ? Riskanter Konsum Missbrauch Abhängigkeit in Behandlung ? ? 1,9 Mio Illegale DrogenCannabis Medi- kamente*Nikotin * =Schmerzmittel, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Anregungsmittel, Appetitzügler 13,1 Mio. ( > 6 Zig./die) 4,3 Mio. ? ?

22 Allgemeine Therapieprinzipien bei substanzgebundenen Abhängigkeitserkrankungen

23 Motivation und Stadien der Veränderungsbereitschaft bei Suchterkrankungen nach: Prochaska & DiClemente, 1982 Rückfall Aufrechterhaltung Ausstieg Absichtslosigkeit Vorbesinnung Absichtsbildung Besinnung Vorbereitung Handlungsbereitschaft Handlung

24 Veränderte Therapiestrategien bei problematischem Alkoholkonsum 1.Frühe Diagnosestellung wichtig, um weiteren Schaden zu vermeiden 2. Rückfallprävention entscheidend für den Langzeitverlauf 3. Interdisziplinäre suchtmedizinische Behandlung 4. Medikamentöse Behandlung – auch außerhalb des Entzugs 5.Niedrigschwellige Therapie, Akzeptanz von Abwehr, schrittweise Entwicklung suchtfreier Ziele

25 Hierarchie der Ziele und Inhalte einer niedrigschwelligen Therapie bei Suchterkrankungen 1. Überlebenssicherung/ Schadensminderung harm reduction Substitution Behandlung von Folgeschäden und Begleiterkrankungen 2. Stabilisierung Klärung der aktuell bestehenden sozialen, juristischen und ökonomischen Probleme 3. Abstinenzorientierung 4. Abstinenz Rückfallprävention Rehabilitation Gelegenheit zur Reflexion der eigenen Situation Aufklärung über safer use Motivation zur Aufnahme weiterführender therapeutischer Maßnahmen (Beigebrauchs-) Entzugsbehandlung

26 Allgemeine Voraussetzungen in der Behandlung suchtkranker Menschen Interdisziplinäres spezialisiertes Team Bereitschaft mit suchtkranken Menschen vorbehaltlos zu arbeiten Vernetzung mit dem regionalen Drogenhilfesystem Bereitschaft Sachkenntnis zu erwerben Strukturierte Vorgehensweise, Supervision Schriftliche Vereinbarungen treffen Konsequenzen vor Behandlungsbeginn klar festlegen Vorurteilsfreie, aber kritische Grundhaltung Distanz wahren Eigene Grenzen (oder die der Institution) erkennen

27 Substanzgebundene Abhängigkeitserkrankungen I. Diagnostik und allgemeine Therapieprinzipien II. Neurobiologische Grundlagen III. Klinik der alkoholbezogenen Störungen IV. Klinische Behandlung der Opiatabhängigkeit

28 2. Mesolimbisch-mesokortikales Belohnungssystem 3. Tiermodelle zu positiven und negativen Verstärkern bei Abhängigkeitserkrankungen 1. Drogenwirkung II. Neurobiologische Grundlagen von Suchterkrankungen

29 Affektive Reaktion nach Drogeneinnahme Zeitpunkt des Drogen-Erstkonsums a-Prozeß b-Prozeß 0 Ausprägung des primären Drogeneffekts Ausprägung der affektiven Nachwirkungen Zeit Drogenwirkung Neurochemische Korrelate: Vermehrte Sekretion von Glucocorticoiden Aktivierung limbischer CRF Systeme

30 Affektive Reaktion nach Drogeneinnahme Intermittierender Drogenkonsum: Sensitisierung a-Prozeß b-Prozeß Zeit Ausprägung des primären Drogeneffekts Ausprägung der affektiven Nachwirkungen Drogenwirkung Neurochemische Korrelate: Verstärkte dopaminerge und opioiderge Neurotransmission

31 Affektive Reaktion nach Drogeneinnahme Chronischer Drogenkonsum: Gegenregulation (Counteradaptation) Neurochemische Korrelate: Verminderte dopaminerge, opioiderge und serotoninerge Neurotransmission b-Prozeß a-Prozeß Veränderung des hedonic set point Ausprägung des primären Drogeneffekts Ausprägung der affektiven Nachwirkungen Drogenwirkung Zeit

32 Affektive Reaktion nach Drogeneinnahme Abstinenz nach chronischem Drogenkonsum: Vulnerabilität Zeit Ausprägung des primären Drogeneffekts Ausprägung der affektiven Nachwirkungen Drogenwirkung Erleichterte Motivation auf drogenassoziierte Reize Gegenregulations- und Sensitisierungs -Phänomene :

33 Neuroanatomisches Korrelat bei Abhängigkeitserkrankungen: Aufgaben: Mesolimbisch-mesokortikales Belohnungssystem Antizipation positiver Stimuli Aktivierung durch Ausschüttung von Dopamin Mechanismus: Identifikation relevanter Stimuli

34 Aktivierung des Mesolimbisch-mesokortikalen Belohnungssystems: Dopaminausschüttung Ncl. accumbens Ventrales Tegmentum Präfrontaler Cortex Dopaminerge Neurone Natürliche Stimuli: Essen, Trinken, Sexualität Drogen: Opiate, Alkohol, Kokain, Nikotin Suchtgedächtnis: Erinnerung an Drogenwirkung Drogenrituale negative Erfahrung des Entzugs

35 Psychologische Modelle zu substanzgebundener Abhängigkeit: Tiermodelle für positive Verstärker I. Operante Konditionierung : z.B. Selbstverabreichung von Morphin Morphin belohnende Aspekte der Morphinwirkung führen zu Dosissteigerung Verhalten wird durch seine Folgen kontrolliert:

36 II. Klassische Konditionierung : z.B. konditionierte Platzpräferenz Morphin Psychologische Modelle zu substanzgebundener Abhängigkeit: Tiermodelle für positive Verstärker Einfluß der Umgebungsbedingungen auf das Verhalten Verhalten wird durch seine Folgen kontrolliert:

37 Positive Verstärkermechanismen sind für die Entwicklung einer Abhängigkeitserkrankung entscheidend

38 Psychologische Modelle zu substanzgebundener Abhängigkeit: Tiermodelle für negative Verstärker + Naloxon (Opiat Antagonist) Vermeidung eines aversiven Stimulus/negativer Konsequenzen (Entzugserscheinungen), um Opiatwirkung aufrecht zu erhalten. Entzugserscheinungen morphinabhängiges Tier Hebelbetätigung Morphinapplikation akute Morphinwirkung Morphin

39 Für die Aufrechterhaltung einer Abhängigkeitserkrankung spielen sowohl positive als auch negative Verstärkermechanismen eine wichtige Rolle

40 Welche Risikofaktoren für die Entstehung von Abhängigkeitserkrankungen gibt es ? Männliches Geschlecht Frühes Ersterkrankungsalter Komorbidität mit antisozialer Persönlichkeitsstörung Schweregrad der Abhängigkeit Genetische Risikofaktoren Risikoberufe Einfluß soziales Umfeld Erziehungsmilieu Persönlichkeit/ Temperament Risikobereitschaft Umweltfaktoren Individuelle Faktoren Belastende Lebensereignisse

41 DROGE Positive Verstärkerwirkung Sensitisierung und Konditionierung Drogensuchendes Verhalten Drogenhunger Vermeidung negativer Konsequenzen (Entzug) Euphorie Angst- und Spannungsreduktion Leistungssteigerung Verfügbarkeit von Drogen Persönlichkeitsfaktoren Einflüsse von peer groups Kultureller Kontext Genetische Faktoren belastende Ereignisse

42 Substanzgebundene Abhängigkeitserkrankungen I. Diagnostik und allgemeine Therapieprinzipien II. Neurobiologische Grundlagen III. Klinik der alkoholbezogenen Störungen IV. Klinische Behandlung der Opiatabhängigkeit

43 Psychiatrische Erkrankungen und Folgeschäden bei Alkoholabhängigkeit Akute Alkoholintoxikation (einfacher Rausch) Entzugssyndrom Alkoholhalluzinose Wernicke Enzephalopathie/ Korsakow-Syndrom

44 Akute Alkoholintoxikation: einfacher Rausch (ICD-10 F 10.0) Bewußtseinsstörungen (Somnolenz bis Koma) Gehobene Stimmungslage/ Gereiztheit Gesteigerter Antrieb und Psychomotorik Dysphorie Dysarthrie Koordinations- und Aufmerksamkeitsstörungen gestörte Wahrnehmung und Urteilskraft Psychopathologischer Befund (PPB) :

45 Alkohol-Entzugssyndrom (ICD-10: F10.3) Vegetative Entzugs- Erscheinungen: Tachykardie, Hypertonie, Schwitzen, Tremor Komplikation 1: Delirium tremens Desorientiertheit Optische Halluzinationen Angst, Dysphorie, Reizbarkeit Schreckhaftigkeit Komplikation 2: Zerebraler Krampfanfall

46 Alkoholhalluzinose (ICD-10: F 10.5) wach und orientiert (!) akustische Halluzinationen Angst, Dysphorie, Reizbarkeit Innere Unruhe psychomotorische Erregung Psychopathologischer Befund: Differentialdiagnose: Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis

47 Hirnmorphologische Veränderungen bei Alkoholabhängigkeit: Großhirnatrophien: % Psychopathologisch: distanzloses Verhalten verflachter Affekt kognitive Defizite Korsakow-Syndrom: 3-12 % Psychopathologisch: Bewußtseinsstörung Desorientiertheit Störung des Alt- und Neugedächtnisses Konfabulationen

48 Komorbidität von Abhängigkeitserkrankungen Angst- und Panikstörungen: 1/3 Männer 2/3 Frauen Affektive Störungen:50 % bzw. 15 % Suizidversuche/Suizide:11-15 % bzw. 2-4 % Persönlichkeitstörungen:bis zu 50% Schizophrenie:10 – 40 % Somatische Begleiterkrankungen:Neurologisch Hepatologisch Gastrointestinal Kardiologisch

49 Substanzgebundene Abhängigkeitserkrankungen I. Diagnostik und allgemeine Therapieprinzipien II. Neurobiologische Grundlagen III. Klinik der alkoholbezogenen Störungen IV. Klinische Behandlung der Opiatabhängigkeit

50 Opiate CodeinTbl., Saft MethadonLösung + Morphin +++ Heroin + ++ Applikation:oralinhalierenintranasali.v./ i.m Buprenorphin sublingual direkte Wirkung über zentrale und periphere Opioid-Rezeptoren ( ) Euphorie, Entspannung, Angstlösend, Sedierung

51 Opiate: ICD-10 Diagnostik und Klassifikation Leitsymptom: Miosis, Atemdepression Akute Intoxikation F 11.0 Missbrauch F 11.1 Abhängigkeit F 11.2 Entzugssyndrom F 11.3 Psychotische Störung F 11.5 Amnesie/ Demenz F 11.6 geringe Datenlage; schneller Übergang in Abhängigkeit einhergehend mit gesundheitlichen und sozialen Folgeschäden Leitsymptom: Mydriasis kein Delirium seltener im Vgl. zu Alkoholabhängigkeit Nein !

52 Zentrale Wirkungen der Opioide Organsystem OrganregionWirkung ZNS limbisches SystemEuphorie Anxiolyse Sedierung Analgesie Atemzentrum Atemdepression Hustenzentrum Hustendämpfung Kern N. oculomotoriusMiosis Kern N. vagus Bradykardie

53 Klinische Stadien des Opiatentzugs Stadium Auftreten der Symptomatik in Std. nach letzter Einnahme von: HEROIN METHADON Symptome 0 12 Craving, Angst4I Gähnen, Schwitzen Tränenfluß, Rhinorrhö Yen-Schlaf IIMydriasis, Piloerektion Tremor, Muskelzucken, Hitze- und Kälteschauer Knochen/ Muskelschmerzen 12 > 48 IIIRR und Temp.-Erhöhung Tachykardie, Unruhe > 48 IV Fieber, Erbrechen, Diarrhoe Muskelkrämpfe > 48

54 Tage Methadon-Dosis Exemplarische Abbildung einer Methadon-gestützten Entgiftungsbehandlung Entzugssymptomatik

55 Therapiebausteine einer qualifiziert-homologen Opiat-Entzugsbehandlung Vor Therapiebeginn: Festgelegte Rahmenbedingungen der Behandlung Aufnahmebedingung: niedrigschwellig Diagnostik und ggf. Therapie begleitender psychiatrischer Störungen Linderung der Entzugssymptome (medikamentös und alternative Verfahren) Ärztl. Visiten und strukturierter Tagesablauf mit Begleittherapien Opioid-gestützte Behandlung (Methadon/Buprenorphin) Erarbeitung von Weiterbehandlungsmöglichkeiten

56 Behandlungsmöglichkeiten und -ziele nach der Entzugsbehandlung stationäre Behandlung (z.B. Entwöhnungstherapie = Reha) ambulante Behandlung mit Opiat-Antagonisten ambulante Rehabilitationsmaßnahme Weiterbehandlung der psychiatrischen Komorbidität (stationär, teilstationär oder ambulant) Teilnahme an Selbsthilfegruppen für ehemalige Abhängige Substitution mit Opioiden (Methadon/Buprenorphin): vorübergehend (bis weitere Therapiemaßnahmen möglich) langfristig (1-2 Jahre), zur Schadensbegrenzung und Überlebens- sicherung Abstinenzorientierte Therapien

57 Substanzgebundene Abhängigkeitserkrankungen I. Diagnostik und allgemeine Therapieprinzipien II. Neurobiologische Grundlagen III. Klinik der alkoholbezogenen Störungen IV. Klinische Behandlung der Opiatabhängigkeit V. Sonstige illegale Drogen Franke: Vorlesung WS 2010/11 - Abhängigkeitserkrankungen

58 Kokain Applikation: inhalierenintranasali.v. Wirkungsweise: Blockade der Dopamin-, Noradrenalin- und Serotonin Wiederaufnahme Sympathomimetisch: Antriebssteigernd reduziertes Schlafbedürfnis, Wachheit, Innere Unruhe, paranoides Erleben Inhibition des Dopamin-Transporters

59 Wirkungsweise: (Blockade der Dopamin-, Noradrenalin- und Serotonin Wiederaufnahme) Sympathomimetisch: weniger stark im Vgl. zu Kokain Applikation: inhalierenintranasali.v.oral Amphetamine (speed, ice) Dopaminfreisetzung

60 Applikation: inhalierenoral Wirkungsweise: über periphere und zentrale Cannabinoid-Rezeptoren Cannabis (Haschisch, Marihuana) Sedierend, appetitsteigernd, Bewußtseinsverschiebung, psychotisches Erleben, Ängste

61 Ecstasy Applikation: i.v.oral Wirkungsweise: serotonerg Antriebssteigernd, Euphorie, psychomotorische Unruhe, psychotisches Erleben, Ängste (MDMA - Methylen-Dioxy-Methamphetamin) Dopaminfreisetzung Direkte Wirkung auf Temperatur-Regulation

62 Phenylcyclidin -PCP (angel dust) Applikation: inhalierenintranasali.v.oral Wirkungsweise: Antagonist am NDMA-Rezeptor (N-Methyl-D-Aspartat) Halluzinogen

63 LSD (Lysergsäure-Diäthylamid) Applikation: i.v.oral Wirkungsweise: serotonerg Halluzinogen

64 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit


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