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Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 1 Übung: Sach- und Fachliteratur SS 2005 0113.04.05 Einführung ins Thema; Fiktionale vs. nichtfiktionale.

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1 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 1 Übung: Sach- und Fachliteratur SS Einführung ins Thema; Fiktionale vs. nichtfiktionale Literatur Begriffsbestimmungen Beispiele der Sach- und Fachliteratur Geschichte und Gattungen der Sachliteratur Geschichte und Gattungen der Fachliteratur Bewertungskriterien für Sach- und Fachbücher Marktaspekte, Themen und Leser der Sachliteratur Merkmale und Beispiele der AUTOBIOGRAFIE Merkmale und Beispiele der BIOGRAFIE Merkmale und Beispiele des RATGEBERS Merkmale und Beispiele der REISELITERATUR Merkmale und Beispiele des THEMENSACHBUCH Literatur: Knut Hickethier: Das Sachbuch. In: Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur Bd. 10, 1986, S Konrad Umlauf: Buchgattungen der Sachliteratur. In: ders.: Moderne Buchkunde, Wiesbaden 1996, S

2 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 2 Titelauswahl Sachbuch AUTOBIOGRAFIE –Dieter Bohlen: Nichts als die Wahrheit (Heyne TB) –Corinne Hofmann: Die weiße Massai (Knaur) –Jana Hensel: Zonenkinder (Rowohlt) –Sebastian Haffner: Geschichte eines Deutschen (dtv) BIOGRAFIE –Wibke Bruhns: Meines Vaters Land (Econ) –Inge und Walter Jens: Frau Thomas Mann (Rowohlt) –Anna M. Sigmund: Die Frauen der Nazis (Heyne TB) –Reihen: rororo Monografien, dtv Portrait RATGEBER –Allen Carr: Endlich Nichtraucher (Goldmann) –Pease & Pease: Warum Männer nicht zuhören... (Ullstein TB) –Dale Carnegie: Sorge dich nicht, lebe! (Fischer TB) –Susanne Fröhlich: Moppel-Ich (Krüger) –Bastian Sick: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod (KiWi) REISELITERATUR –Marlo Morgan: Traumfänger (Goldmann) –Roger Willemsen: Deutschlandreise (Fischer) –Bill Bryson: Frühstück mit Kängurus (Goldmann) –Reinhold Messner: Der nackte Berg (Piper) –Reihen: Merian live!, Baedeker, Polygott, DuMont, Marco Polo THEMENSACHBUCH –Florian Illies: Generation Golf (Fischer TB) –Robert L. Wolke: Was Einstein seinem Friseur erzählte (Piper) –Michael Moore: Stupid White Men (Piper TB) –Dietrich Schwanitz: Bildung (Goldmann) –Ben Schott: Schotts Sammelsurium (Bloomsbury) Weitere Titel: Bestseller-Listen unter

3 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 3 Fiktionale und nichtfiktionale Literatur BEISPIELTEXT (1) Ich schwebe. Von hier oben habe ich einen guten Überblick, kann die ganze Kreuzung sehen, die Straße, die Bürgersteige. Unten liege ich. Der Verkehr steht. Die meisten Autofahrer sind ausgestiegen. Neugierige haben sich versammelt, einige stehen um mich herum, jemand hält meinen Kopf, sehr behutsam, eine Frau, sie kniet neben mir. Ein Auto ist in die Fensterscheibe eines Uhrengeschäfts gefahren, die Marke kann ich von hier oben nicht erkennen, bin aber in Automarken auch nicht sonderlich bewandert. Eine große Schaufensterscheibe, die wie eine glitzernde Wolke aufflog und jetzt am Boden liegt, bruchstückhaft spiegeln sich Häuser, Bäume, Wolken, Menschen, Himmel, von hier oben ein großes Puzzle, aber alles in Schwarzweiß. Seltsamerweise gibt es keine Farbe, seltsam auch das, der da unten spürt keinen Schmerz. Er hält die Augen offen. Ich höre Stimmen, die nach einem Krankenwagen rufen, Neugierige, die nach dem Hergang fragen, jemand sagt: Er ist bei Rot über die Straße gelaufen. Ein anderer sagt: Der Fahrer wollte noch ausweichen. Der Fahrer sitzt auf dem Kantstein, er hält den Kopf in beiden Händen; er zittert, zittert am ganzen Leib, während ich daliege, ruhig, kein Schmerz, sonderbar, aber die Gedanken flitzen hin und her, und alles, was ich denke, spricht eine innere Stimme deutlich aus. Das ist gut, denn das Reden gehört zu meinem Beruf. Meine Tasche liegt drei, vier Meter entfernt von mir auf der Straße, und natürlich ist sie aufgesprungen, eine alte Ledertasche. Das kleine Päckchen mit dem Sprengstoff ist herausgeflogen, auch die Zettel, Karteikarten, die Blätter mit den Notizen, niemand kümmert sich darum, sie wehen über die Fahrbahn. Und ich denke, hoffentlich sind sie vorsichtig. Will auch sagen: Vorsicht, das ist Sprengstoff. Aber es gelingt mir nicht. Das Sprechen macht mir Mühe, große Mühe, gerade dieses Wort, sonderbar, da ich es leicht denken und hören kann. Also nichts sagen. Schweigen. BEISPIELTEXT (2) Hooge ist ein weiches Land ohne Steine und ohne Quellen. Gemessen an der langsamen Vergänglichkeit eines Gebirgszuges, eines Tales oder eines einzigen Steines, ist Hooge nur ein flüchtiges Schwemmland, das heute in der Brandung liegt und morgen wieder verschwunden ist. Hooge ist eine Weide, eine Wiese im nordfriesischen Wattenmeer, von Salzwasserrinnsalen durchzogen und einem geteerten, niedrigen Sommerdeich gefaßt. Wie trockengefallene Archen und weit auseinanderliegend, erheben sich aus der baumlosen Ebene Hooges neun, von wenigen Häusern bestandene Erdhügel - die Warften. Nur dort, im Windschatten der Häuser, gedeihen auch Bäume und Sträucher. Auf den Fennen, den Weiden zwischen den Warften, grasen Rinderherden und vereinzelt auch Pferde; darüber ziehen Seevögel, Silbermöwen und Austernfischer, ihre Schleifen. Hooge ist ein Land aus Torf, Schlick und Sand, von der See über den Untiefen und den Resten versunkener Marsch- und Moorlandschaften aufgeschichtet und dem Meeresspiegel doch zu nahe geblieben, um den Namen einer Insel zu erfüllen: Land von solchem Land heißt Hallig. Klein ist Hooge; der Deich aus Granit und Basalt, der die fünfhundertfünfzig Hektar der Hallig umschließt, ist bei guten Kräften in zwei Stunden abzuschreiten, und die Bewohner dieses Landes sind rasch gezählt. Es sind einhundertvierunddreißig. Eigentlich ist Hooge nur eine Zuflucht auf 54 ° 34' nördlicher Breite und 8°33' östlicher Länge und kaum elf nautische Meilen von der Küste Nordfrieslands entfernt; eine Zuflucht unter einem Himmel, der manchmal hoch und ungeheuer wird und sich dann wieder jäh herabsenkt und kalt und still und undurchdringlich über den Weiden liegt. Unter diesem Himmel wurde Johannes Hansen im Jahre 1896 geboren. Einige schmerzhafte Jahre auf dem Festland ausgenommen, hat er sein Leben auf Hooge verbracht. Jetzt ist er der älteste unter den Bürgern der Hallig. Es ist Frühjahr 1985, Ende April. Welcher der beiden Texte ist der fiktionale Text und welcher der nichtfiktionale? Welche Textmerkmale sprechen für Ihre Zuordnung? Welchen Gattungen lassen sich die Beispiele zuordnen?

4 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 4 Fiktionalität vs. Nichtfiktionalität Begriff: Fiktion, abgeleitet von lat. »fingere« = »bilden«, »erdichten«, »vortäuschen« Unterschied zwischen (nichtfiktionalem) Geschichtsschreiber und Dichter: »der eine erzählt, was geschehen ist, der andere, was geschehen könnte« (Aristoteles, Poetik, 9. Kpt.) Als literaturwissenschaftlicher Begriff: grundlegender Status der mimetischen Dichtung: stellt »gedichtete und zugleich dabei für möglich angenommene Gegenstände« vor (Kant) Fiktionale Literatur –Es liegt kein unmittelbarer Wirklichkeitsbezug vor –Kein Anspruch auf empirische Verifizierbarkeit –Fiktionalitätssignale: Bezeichnungen (»Roman«, »Novelle« etc.) Sprachformeln (z.B. »Es war einmal«) Erzählerreflexion Perspektive und Wiedergabe innerer Vorgänge Nichtfiktionale Literatur –Es liegt ein unmittelbarer Wirklichkeitsbezug vor –Anspruch auf empirische Verifizierbarkeit –Faktizitätssignale: Bezeichnungen (»Ratgeber«, »Sachbuch« etc.) Faktenhinweise (z.B. Daten, konkrete Orts- und Zeitangaben) Beglaubigungsformeln (z.B. »Genauso ist es gewesen«) Appellative Formeln, Handlungsanweisungen (z.B. »Man nehme«) Verweise auf Gewährsleute, Autoritäten, Betroffene, eigenes Erleben

5 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 5 Definitionen von Sach- und Fachbuch SACHBUCH (1)im engeren Sinne ein populärwissenschaftliches Werk, das Themen aus den Wissensbereichen der Geschichte, Gesellschaft, Kunst, Natur, Technik u.a. für den interessierten Laien verständlich und unterhaltsam behandelt. Zum Sachbuch im weiteren Sinne wird vielfach jedes Buch gerechnet, das nicht zur Belletristik gehört, also auch das wissenschaftliche Werk, die Enzyklopädie, das Lehr- und Fachbuch.Brockhaus Enzyklopädie (1973) (2)Publikation, die (neue) Fakten und Erkenntnisse auf wissenschaftlichem, politischem, sozialem, wirtschaftlichem, kulturellem oder kulturhistorischem Gebiet in meist populärer und allgemeinverständlicher Form darbietet. Sachbuch steht also im Unterschied zur Belletristik und zum wissenschaftlichen Fachbuch, dessen methodischem Vorgehen und dessen Aufbauprinzipien es nicht immer folgt. Es wendet sich nicht an den Spezialisten, sondern an den interessierten Laien. Zum Sachbuch im weiteren Sinne werden oft auch das Lexikon, das Wörterbuch und der »praktische Ratgeber« gerechnet (im Englischen zusammengefaßt als Non-fiction im Gegensatz zu Fiction).Der Literatur-Brockhaus (1988) (3)vielgebrauchter, wenn auch unscharfer Begriff für Publikationen, die Themen aus den verschiedensten Wissensbereichen für ein breites Publikum allgemeinverständlich und interessant darstellen. Das Sachbuch wird dabei als eigenen sprachlichen und darstellerischen Mitteln und Erfordernissen unterworfenes Medium der Information, Bildung und Orientierung verstanden und vom wissenschaftlichen Fachbuch unterschieden. Dem Sachbuch verwandt sind Ratgeber und Nachschlagewerke.Brockhaus Enzyklopädie (1992) FACHBUCH (4)der Ausbildung oder Fortbildung in einem bestimmten Beruf oder Berufszweig bzw. Wissensgebiet gewidmetes, informatives Buch; der Begriff umfaßt zahlreiche Abstufungen von Werken einfachen Lehrinhalts bis hin zum wissenschaftlichen Lehrbuch; die Abgrenzung zum wissenschaftlichen Buch einerseits, das den Akzent stärker auf die Darstellung und Diskussion von Forschungsproblemen legt, und dem für ein breiteres Laienpublikum aufbereiteten Sachbuch andererseits ist nicht immer scharf zu ziehen. Meyers Enzyklopädisches Lexikon (1977) (5)im engeren Sinn ein Lehrbuch über ein bestimmtes Spezialgebiet zur Ausbildung oder Fortbildung für Angehörige eines bestimmten Berufs. Im weiteren Sinn dann jedes der Vermittlung von Wissen an Fachgenossen dienende, auch wissenschaftliche Buch, das im Gegensatz zum Sachbuch von einem Fachkenner verfaßt ist. G. v. Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur (1989)

6 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 6 Bestimmungskriterien des Sachbuchs ABGRENZUNGEN –zur Belletristik (2, 3) –zum wissenschaftlichen Fachbuch (2, 3) VERWANDTE GATTUNGEN (SACHBUCH IM WEITEREN SINNE) –Wissenschaftliches Werk, Enzyklopädie, Lehr- und Fachbuch (1) –Lexikon, Wörterbuch, praktischer Ratgeber (2) –Ratgeber, Nachschlagewerke (3) THEMEN, WISSENSGEBIETE –Geschichte, Gesellschaft, Kunst, Natur, Technik u.a. (1) –Wissenschaft, Politik, Soziales, Wirtschaft, Kultur, Kulturgeschichte (2) –verschiedenste Wissensbereiche (3) INTENTIONEN –unterhaltsam (1) –Information, Bildung, Orientierung (3) SPRACHE, STIL –verständlich (1) –populär, allgemeinverständlich (2) –allgemeinverständlich, interessant (3) ZIELGRUPPE –interessierte Laien (1, 2) –breites Publikum (3)

7 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 7 Bestimmungskriterien des Fachbuchs ABGRENZUNG –zum wissenschaftlichen Buch (4) –zum Sachbuch (4, 5) VERWANDTE BEGRIFFE (FACHBUCH IM WEITEREN SINNE) –wissenschaftliches (Lehr)buch (4) ZWECKE –für Ausbildung oder Fortbildung in Beruf, Berufszweig, Wissensgebiet (4) –für Ausbildung oder Fortbildung (5) THEMEN –bestimmte Wissensgebiete (4) –bestimmte Spezialgebiete (5) INTENTIONEN –Information (4) –Belehrung (5) –Vermittlung von Wissen (5) ZIELGRUPPE –Angehörige bestimmter Berufe, Fachgenossen (5) AUTORENSTATUS –Fachkenner (5)

8 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 8 Beispiele der Sach- und Fachliteratur (1) Am 9. November 1918, einem trüben Herbsttag im fünften Kriegsjahr, endete in Deutschland die mehr als tausendjährige Herrschaft der Fürsten über das Volk. An diesem Tage und in den folgenden Wochen – so stand es jedenfalls jahrzehntelang in den Geschichtsbüchern und so stellt es sich vielen Deutschen heute noch dar – verwandelte sich das im mörderischen Kampf gegen die halbe Welt militärisch unbesiegte Kaiserreich durch eine Revolution, einen Aufstand der Massen in Berlin und anderswo, in einen demokratischen Staat mit einer freiheitlichen Verfassung, deren Artikel 1 besagte: »Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.« Der bis dahin regierende deutsche Kaiser, Wilhelm II., mußte damals – so jedenfalls heißt es – dem Druck der Volksmassen nachgeben und an diesem 9. November 1918 für sich und sein Haus endgültig auf den Thron verzichten. Mit dem Kaiser dankten an jenem denkwürdigen Tage auch alle anderen deutschen Fürsten ab. Binnen vierundzwanzig Stunden wurden so im Deutschen Reiche zweiundzwanzig Monarchien beseitigt. [...] Die Gefängnisse waren gestürmt, alle politischen Gefangenen im Triumph befreit worden. Es gab keine Zensur mehr; der »Belagerungszustand« samt Streik- und Demonstrationsverboten hatte seine Geltung verloren. Die gefürchteten Gendarmen, Schutzleute und Geheimpolizisten hatten widerstandslos ihre Waffen abgeliefert und waren eingeschüchtert nach Hause geschlichen. Soweit die deutsche Zunge reichte, gehörte nun alle Macht dem Volk, den revolutionären Arbeitern, Bauern und Soldaten. Damit schien sich am 9. November 1918 ein alter Traum und die Sehnsucht der großen Mehrheit aller Deutschen über Nacht und nahezu gewaltlos, ohne nennenswertes Blutvergießen, erfüllt zu haben, der ungehinderten Entwicklung eines freien, ungeteilten Volksstaats nichts mehr im Wege zu stehen. Doch in Wirklichkeit war alles, zwar nur ein wenig, aber ganz entscheidend, anders. (2) Konnte Standortgebundenheit bereits im Mittelalter reflektiert werden? Gewiß ist es unbestritten, daß, wie es für das Altertum formuliert worden ist, »reale Voraussetzungen für Standortgebundenheit« auch im Mittelalter gegeben sind; der Diskussionshinweis auf die Parteien und die Parteienpolemik des Investiturstreites belegt das nur durch ein besonders markantes Beispiel. Das Feld der für diese Frage bedeutsamen Phänomene ist weit: Die Urkundenfälschungen im Interesse des eigenen Klosters, eine parteiliche Chronistik, der eschatologische Geschichtsentwurf dissidierender Gruppen, die publizistischen Kontroversen um politische Konflikte wären etwa zu untersuchen. Hier soll an einem Einzelfall die Frage geprüft werden, wie weit die parteiliche Option im Umgang mit historischen Vorgängen im Mittelalter sich – über eine unbewußte »Tendenz« des Autors hinaus – ausgewirkt hat. Als Untersuchungsfeld wähle ich einen relativ sicher ausgrenzbaren Diskussionszusammenhang aus der publizistischen Kontroverse in der großen Auseinandersetzung zwischen Papst und Kaiser im Mittelalter, die Debatte am Beginn des 14. Jahrhunderts: »De potestate papae« 1. Beides, der Konflikt zwischen Kaiserrecht und monarchischem Papat, wie die Versuche der Publizisten, die jeweilige Position durch Theorien oder Theoreme verständlich zu machen, sind zwar nicht ohne die Tradition denkbar, wie sie sich seit dem Investiturstreit auf beiden Seiten herausgebildet hatte, trotzdem gibt es angebbare Gründe, die eine Untersuchung der Diskussion des 14. Jahrhunderts aussichtsreicher erscheinen lassen als die Analyse der Libelli de lite des 11. Jahrhunderts. (3) Die Industrialisierung verändert Europa. Vor rund zweihundert Jahren sind in England die ersten Fabriken entstanden. Das Zeitalter der Industrie und Technik, die moderne Zeit hatte begonnen (vgl. Bd. 2, S. 162ff.). Aber erst vor rund einhundert Jahren setzte die Industrialisierung sich in ganz Europa durch: Nach England in Frankreich und Belgien, in Deutschland, dann in Italien, Rußland, in den skandinavischen Ländern, zuletzt auf dem Balkan und der Pyrenäischen Halbinsel. Maschinen, Fabriken, Eisenbahnen veränderten das Leben – zunächst in den Städten, dann auf dem flachen Land. Sie veränderten die Siedlungen, die Landschaft, den Charakter der Arbeit, die Rolle der Wirtschaft und die Aufgaben der Politik. Bevölkerungswachstum und Bevölkerungswandel. Niemals zuvor war die Bevölkerung Europas so sprunghaft gestiegen wie in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. In Deutschland und England stieg sie von 1871 bis zum Ersten Weltkrieg auf das Eineinhalbfache, in Rußland und in den USA auf das Doppelte an. Die deutsche Bevölkerung wuchs jährlich um rund Menschen. Pro Quadratkilometer lebten im Deutschen Reich 1871 noch 76, 1910 schon 120 Menschen (1970 in der Bundesrepublik ca. 240/qkm). Aber die Durchschnittswerte täuschen: Die Landbevölkerung wuchs kaum, denn der Bevölkerungsüberschuß strömte in die Städte (vgl. Bd. 2, S. 206).

9 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 9 Beispiele der Sach- und Fachliteratur (4) Im achtzehnten Jahrhundert lebte in Frankreich ein Mann, der zu den genialsten und abscheulichsten Gestalten dieser an genialen und abscheulichen Gestalten nicht armen Epoche gehörte. Seine Geschichte soll hier erzählt werden. Er hieß Jean-Baptiste Grenouille, und wenn sein Name im Gegensatz zu den Namen anderer genialer Scheusale, wie etwa de Sades, Saint-Justs, Fouchés, Bonapartes usw., heute in Vergessenheit geraten ist, so sicher nicht deshalb, weil Grenouille diesen berühmteren Finstermännern an Selbstüberhebung, Menschenverachtung, Immoralität, kurz an Gottlosigkeit nachgestanden hätte, sondern weil sich sein Genie und sein einziger Ehrgeiz auf ein Gebiet beschränkte, welches in der Geschichte keine Spuren hinterläßt: auf das flüchtige Reich der Gerüche. Zu der Zeit, von der wir reden, herrschte in den Städten ein für uns moderne Menschen kaum vorstellbarer Gestank. Es stanken die Straßen nach Mist, es stanken die Hinterhöfe nach Urin, es stanken die Treppenhäuser nach fauligem Holz und nach Rattendreck, die Küchen nach verdorbenem Kohl und Hammelfett; die ungelüfteten Stuben stanken nach muffigem Staub, die Schlafzimmer nach fettigen Laken, nach feuchten Federbetten und nach dem stechend süßen Duft der Nachttöpfe. Aus den Kaminen stank der Schwefel, aus den Gerbereien stanken die ätzenden Laugen, aus den Schlachthöfen stank das geronnene Blut. Die Menschen stanken nach Schweiß und nach ungewaschenen Kleidern; aus dem Mund stanken sie nach verrotteten Zähnen, aus ihren Mägen nach Zwiebelsaft und an den Körpern, wenn sie nicht mehr ganz jung waren, nach altem Käse und nach saurer Milch und nach Geschwulstkrankheiten. Es stanken die Flüsse, es stanken die Plätze, es stanken die Kirchen, es stank unter den Brücken und in den Palästen. Der Bauer stank wie der Priester, der Handwerksgeselle wie die Meistersfrau, es stank der gesamte Adel, ja sogar der König stank, wie ein Raubtier stank er, und die Königin wie eine alte Ziege, sommers wie winters. Denn der zersetzenden Aktivität der Bakterien war im achtzehnten Jahrhundert noch keine Grenze gesetzt, und so gab es keine menschliche Tätigkeit, keine aufbauende und keine zerstörende, keine Äußerung des aufkeimenden oder verfallenden Lebens, die nicht von Gestank begleitet gewesen wäre. (5) Dieser Haltern ist meschugge. Der Wagen hat noch nicht einmal die Stadtgrenze erreicht, da fängt er schon zu plappern an und brabbelt, quasselt, schwadroniert in einem fort. Hat Haltern Neuigkeiten zu berichten? Weiß er etwas, was die Damen interessiert? Nein. Er käut nur alten Klatsch wieder, redet von nichtssagenden Personen und glossiert die langweiligen Geschichten mit trivialen Redensarten. «Die Bestrafung folgt dem Laster», das ist so einer seiner dummen Sprüche. Oh, dies Geseires, «dieses aber und abermal gespreche»! Unbegreiflich, wie die Mutter das erträgt. Läßt sie sich beeindrucken von diesem Mann? Amüsiert sie gar, was er da schwätzt? Diese Salbaderei, Maulfertigkeit und Zungendrescherei! Angestrengt blickt Rahel aus dem Fenster, tut so, als sei sie ganz von dem gefesselt, was da draußen vor sich geht, bemüht sich, nicht mehr hinzuhören. Doch das duldet Haltern nicht: «Hören Sie zu, sie mögen zu hören, Rahel hören Sie zu.» Vier unerträglich lange Tage muß Rahel diesen Herrn ertragen. Morgen wird sie den ganzen Tag die Augen schließen und so tun, als schlafe sie. Die Reisegesellschaft besteht aus vier Personen: der Witwe Chaie Leviri, ihren beiden Töchtern Rahel und Rose und dem obligatorischen, von der Mutter bestimmten männlichen Begleiter Joseph Haltern, einem jüdischen Gelehrten, der in einem Kontor beschäftigt ist und nebenbei aus dem Deutschen ins Hebräische übersetzt. [...] Sicherlich reisen die Herrschaften in der viersitzigen Familienkutsche der Levins, steigen unterwegs in den besten Poststationen ab und können sich Annehmlichkeiten leisten, die andere sich versagen müssen. Auch ist für sie das Reisen nicht so außergewöhnlich und selten wie für die meisten ihrer Zeitgenossen. Doch bleibt es anstrengend, ja strapaziös. Ein Straßennetz, vergleichbar dem französischen, gepflasterte «chaussées» gibt es im Preußen des ausgehenden 18. Jahrhunderts nicht. Die Kutsche rumpelt auf unbefestigten unebenen Wegen über Wurzel und Geäst hinweg, durchquert Sandkuhlen, plumpst in mit Schlamm gefüllte Löcher und schüttelt die Insassen kräftig durch. Für zwei preußische Meilen, etwa vierzehn Kilometer, braucht der Wagen gut drei Stunden.

10 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 10 Titelnachweis der Beispiele (1) Bernt Engelmann: Einig gegen Recht und Freiheit. Deutsches Anti-Geschichtsbuch, 2. Teil. München, Güterloh 1975 (2) Jürgen Miethke: Parteistandpunkt und historisches Argument in der spätmittelalterlichen Publizistik. In: Objektivität und Parteilichkeit. Hrsg. von Reinhart Koselleck u.a., München 1977, S (3) Geschichtliche Weltkunde Bd. 3: Von der Zeit des Imperialismus bis zur Gegenwart. Frankfurt a.M (4) Patrick Süskind: Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders. Zürich (5) Carola Stern: Der Text meines Herzens. Das Leben der Rahel Varnhagen. Reinbek 1994.

11 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 11 Probleme der Systematisierung von Sach- und Fachliteratur Systematisierungsmöglichkeiten –Themen- bzw. Sachbereiche z.B. Biologie, Geschichte –Formale Kennzeichen z. B. Atlas, Lexikon –Funktionen z. B. unterhaltend, informativ –Verwendungsbereiche z.B. Schule, Studium –Zielgruppe z. B. Berufsgruppen, Laien -Info-Broschüre -Fachbuch -Populäres Sachbuch -Sprachwörterbuch -Schulbuch -Anleitung -Atlas -Bildband -Dokumentation -Bibliografie -Telefonbuch -Reiseführer -Handbuch -Lehrbuch -Interpretationshilfe -Medizinbuch Gattungstypen

12 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 12 Funktionsbereiche nichtfiktionaler Literatur

13 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 13 Gattungen nichtfiktionaler Literatur

14 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 14 Geschichte der Sachliteratur Begriff des 20. Jhs., ähnliche Ausdrücke: Tatsachenroman, Bildungs- oder Informationsbuch, Wissenschaftsroman, Realienbuch. Anfang 20 Jh.: Nähe von Belletristik und Sachbuch (z.B Nobelpreis für Literatur an Theodor Mommsen). Robert Musils »Mann ohne Eigenschaften« oder Thomas Manns »Zauberberg« als Versuche, zeitgenössisches Denken und Belletristik zusammenzubringen (essayistische, enzyklopädische Romane). »Klassische« deutsche Sachbücher: –Heinrich Eduard Jacob: »Sage und Siegeszug des Kaffees« (1934) –C.W. Ceram (d.i. Kurt W. Marek): »Götter, Gräber und Gelehrte. Roman der Archäologie« (1949). Das erste auch international erfolgreiche Sachbuch (bis 1980: 1,8 Mill.; in 23 Sprachen übersetzt). Verbindung wissenschaftlicher Exaktheit mit dramatischer Erzählkunst. Durchsetzung des Begriffs »Sachbuch« in den 1960er Jahren. 1962: Reihe »dms - Das moderne Sachbuch«, hrsg. von einer Gruppe von Sachbuchverlagen, führend dabei der ECON-Verlag. –Interesse: Durchsetzung des »Sachbuchs« auf dem Markt, vor allem auch Etablierung des Begriffs. Seit 1962 auch Bestseller-Listen Sachbuch im »Spiegel« –14 bzw. später 15 Verlage –monatlich eine Neuerscheinung mit großem Werbeaufwand

15 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 15 Gattungen Sachliteratur - Überblick Sachbuch –Zusammenhängende Darstellung für ein breites Publikum in allgemeinverständlicher Sprache zum Zwecke der Information, Belehrung und Unterhaltung, bei dem ein Thema aus Wissenschaft, Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft oder Technik, ein besonderes (meist historisches oder gesellschaftliches) Ereignis oder eine Person im Mittelpunkt steht (siehe: Autobiografie, Biografie, Themensachbuch). Ratgeber/Anleitung –Buch mit einem appellativen Grundton, immer in einem praktischen Verwendungszusammenhang, das zum konkreten Handeln oder einer Veränderung der persönlichen Lebenssituation anleiten oder Orientierung bieten will. Reiseliteratur –Literatur mit geografischen Themenschwerpunkten, die Information über Reiseziele mit praktischer Orientierung, konkrete Hilfe für Reisende oder auch subjektive Erlebnis- oder Erfahrungsberichte bietet. Kunst- und Fotoband –Repräsentative Bücher mit einem großen, ästhetisch anspruchsvollen Bildteil zu Themen wie Kunst, Künstlern, Lifestyle, Kultur, Geografie, Architektur (Coffeetable-Books).

16 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 16 Geschichte der Fachliteratur Ausgangspunkt in Antike und Mittelalter; Literatur zu den Artes und Wissenschaften: –Die sieben Freien Künste (artes liberales) Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Musik (später Aufteilung in Geistes- und Naturwissenschaften) –Die sieben Mechanischen Künste (artes mechanicae) auch unfreie, dem Broterwerb dienende Künste): Handwerk und Alchemie; Kriegswesen; Seefahrt, Erdkunde und Handel, Landbau und Haushalt; Tiere, Jagd und Wald; Heilkunde; Hofkünste(später Technikwissenschaften) –Die magischen, ungewissen und verbotenen Künste (Magie, Mantik, Gaunerei) –Die Wissenschaften: Jura, Theologie, Medizin Popularisierung des Wissens seit dem 18. Jh. im Zuge der Aufklärung Aufstieg der Natur- und Technikwissenschaften im 19. Jh. In der Gegenwart: zunehmende Professionalisierung von angewandten Tätigkeiten (z.B. Design, Werbung, Medien); auch Professionalisierung von »Hobbys« und anderen Freizeitaktivitäten (Verwendung von Fachliteratur auch in diesen Bereichen)

17 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 17 Einsatzbereiche und Gattungen der Fachliteratur

18 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 18 Gattungen der Fachliteratur (1) Schulbuch –Für den Gebrauch an Schulen von den jeweiligen Kultusministerien zugelassenes Buch zur Verwendung im Unterricht an allgemein bildenden und Berufsschulen. Didaktisch strukturiert, auf konkrete Lehr- und Erziehungsziele hin konzipiert. Lehr-, Lern- und Übungsmaterial, Schülerhilfe –dienen der Einprägung, Übung und Wiederholung von vermitteltem Stoff, entsprechend didaktisch strukturiert. Fachbuch –zusammenfassende Darstellung gesicherten Wissens zu einem Fach oder Beruf, in übersichtlicher, klar strukturierter, faktenorientierter Form mit Verwendung entsprechender Fachterminologie. Aspekte der beruflichen Bildung, Aus- und Weiterbildung stehen im Vordergrund; v.a. Wirtschaft, Verwaltung, Technik, Recht, Handwerk, Medizin. Lehrbuch –zusammenhängende Darstellung zu einem Fach oder Themengebiet in knapper, leicht verständlicher Darstellung auf der Basis gesicherter Erkenntnisse. Dazu gehören auch einführende Darstellungen (Grundriss, Leitfaden, Einführung). Didaktische Aufbereitung oder Strukturierung (Lektionen, Zusammenfassungen, Fragen etc.), auch Repertorium. Zielgruppe: Personen in Berufsausbildung oder Studium. Anleitung –praktischen Zwecken dienendes Lehrbuch mit Handlungsanleitungen, insbesondere für Bildung und Ausbildung in den Bereichen EDV oder Handwerk. Handbuch –systematische und umfassende Darstellung eines Stoffgebiets auf der Basis des aktuellen Forschungsstandes, von einem, meist aber von mehreren Autoren verfasst; ein- oder mehrbändig. Zielgruppe: Personen in Berufsausbildung oder Studium.

19 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 19 Gattungen der Fachliteratur (2) Repertorium –wissenschaftliches Nachschlagewerk, oft Bibliografie Monografie –handelt ein (häufig sehr spezielles) Thema in wissenschaftlicher Weise, zusammenhängend und abgeschlossen ab. Präsentation neuer Forschungs-ergebnisse zumeist in den Geistes- und Sozialwissenschaften; Medium des Forschungsdiskurses. Zielgruppe: Wissenschaftler, Studierende Hochschulschrift –Diplomarbeit, Dissertation oder Habilitation, die z.B. über Universitätsinstitute oder –bibliotheken zugänglich ist. Kongressschrift –schriftliche Fassung von Vorträgen und Reden, die auf wissenschaftlichen Tagungen und Kongressen gehalten und außerhalb des Buchhandels vertrieben wird. Wissenschaftlicher Aufsatz –Ergebnisse neuerer Forschung die in Fachzeitschrift oder Sammelband erscheinen Quellenwerk –z.B. Quellensammlung, Dokumentation, als Grundlage von Forschungen (Gesetzestexte, Verordnungen, Akten, Verträge etc.); kritische Ausgabe von Werken der Dichtung

20 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 20 Bewertungskriterien der Sach- und Fachliteratur Verfasser (bzw. Autorenteam) auch Übersetzer, Illustrator –Lebensdaten, Nationalität –Herkunft: Beruf, Arbeitsgebiet; wissenschaftliche Schule; weltanschauliche, konfessionelle, politische Herkunft oder Richtung –Hinweis auf bisherige Veröffentlichungen Inhalt –Inhaltsreferat –Absicht und/oder Tendenz (politisch u. a.) –Frage der sachlichen Richtigkeit –Forschungsstand –Aktualität: Bestseller; besondere Aktualität des Autors und der Sache Form (Buchgattung) –Sachbuch (Reiseliteratur, Ratgeber, Biografie, Themensachbuch usw.) –Fachbuch (Handbuch, Lehrbuch, Schulbuch, Monografie usw.) –Auskunftsliteratur (Lexikon, Nachschlagewerk, Bibliografie usw.) Methode –Aufbau und Gliederung –wissenschaftlicher Apparat –Arbeitsmethode –methodische Absicht und Richtigkeit Darstellungsart und Schwierigkeitsgrad –Stil (auch Übersetzung): lebendig, anschaulich, spannend, sachlich- nüchtern, wissenschaftliche Diktion –Schwierigkeitsgrad: inhaltlich und stilistisch; Lesbarkeit; Möglichkeit des Nachvollzugs; Vorkenntnisse erforderlich? Einordnung in Literatur zum Thema –Hinweis auf Parallelveröffentlichungen –Stellenwert in der Literaturgruppe –Bearbeitungshäufigkeit des Themas Lesergruppe –Für alle –Für begrenzte Interessentengruppen (Jugendliche, Senioren usw.) –Nur für Spezialisten (z. B. Studenten, Ingenieure)

21 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 21 Titelproduktion deutscher Verlage 1999 –Erstauflagen Gesamt ,0% –davon KJL ,4% –davon Belletristik ,4% –davon Sachliteratur ,2% 2001 –Erstauflagen Gesamt ,0% –davon KJL ,0% –davon Belletristik ,2% –davon Sachliteratur ,8% 2002 –Erstauflagen Gesamt ,0% –davon KJL ,7% –davon Belletristik ,9% –davon Sachliteratur ,4%

22 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 22 Titelproduktion deutscher Verlage Anteile der Kinder- und Jugendliteratur, Belletristik und Sachliteratur an der gesamten Titelproduktion 2002

23 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 23 Leser der Sach- und Fachliteratur Quelle: Leseverhalten in Deutschland im neuen Jahrtausend

24 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 24 Gattungen Sachliteratur: Autobiografie (1) Begriff Autobiografie: »Zusammenhängende Erzählung der Geschichte des eigenen Lebens oder größerer Lebensabschnitte im Rückblick.« (V. Meid: Sachwörterbuch, 1999, 50f.) –auch: Konfessionen, Bekenntnisse, Lebensbeschreibung usw. Begriff Autobiografik (auch: Ego-Dokumente oder Autobiografisches Schrifttum): »alle Gattungsvarianten des Schreibens über sich selbst« (Holdenried 2000, 20) –narrative Gattungen: Memoiren, autobiografischer Roman, Biografie, evtl. Chronik, Lebenslauf u.a. –reflexiv-essayistische Gattungen: Tagebuch, Brief, Bewusstseinsprotokoll u.a. Memoiren (= Denkwürdigkeiten) –eine »äußere« Autobiografie (Erlebnisse, Begegnungen) –Betonung der Zeitumstände, des gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Umfelds der Epoche –kein schriftstellerischer Ehrgeiz –Bedeutung als historische und kulturhistorische Quellen –Autoren: Politiker, Schauspieler, Schriftsteller und weitere Prominente (bzw. deren »Ghostwriter«) Merkmale der Autobiografie –Individuelles Erinnern (die eigene Geschichte) –Retrospektives Erzählen –Ideale Forderungen (nach Aichinger): –Gestaltung des Lebenszusammenhangs –Werden einer Persönlichkeit (Identität als Zielpunkt, teleologisches Muster) –Totalität des Individuums

25 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 25 Gattungen Sachliteratur: Autobiografie (2) Spektrum autobiografischen Schreibens –Perspektive (innen vs. außen) –narrativ vs. reflexiv-essayistisch –Lebensverlauf (aufsteigend, absteigend, gelingend, abweichend) –Interpretation des Lebenslaufs (Vorsehung, Anlagen, Tüchtigkeit) –Intention (Vorbild, Belehrung, Rechtfertigung usw.) Probleme autobiografischen Schreibens –Probleme bei der Differenzierung von fiktionalen und nicht-fiktionalen bei Autobiografien (Autobiografie = Roman?). –Autobiografie als Zweck- oder Gebrauchsform? –Die Wahrheit der Autobiografie? –Autobiografischer Pakt zwischen Autor und Leser –Namensidentität (Autor- Erzähler -Figur) (nach Lejeune) Funktionen der Autobiografie –Orientierungshilfen für Leser –Modellfunktion für das Leben des Lesers –bis zum 18. Jhdt. vor allem Erfolgsgeschichten –In der Moderne: Selbstreferenzialität (Rechtfertigung des Einzelnen für sich selbst) Tendenzen der Autobiografik –Dominanz der Memoirenliteratur –Annäherung an fiktionale Muster (Literarisierung und poetologische Aufwertung) –Populäre Autobiografik (Arbeiter, Dienstboten, Bauern) –Autobiografische Sonderformen

26 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 26 Gattungen Sachliteratur: Biografie Begriff BIOGRAFIE: »Literarische oder wissenschaftliche Dar- stellung eines Lebenslaufs.« (V. Meid: Sachwörterbuch 1999, 74) Formen der Biografie –Einzel- oder Individualbiografie –Doppelbiografie –Sammelbiografie –Sozial- oder Gesellschaftsbiografie (z.B. »Generation Golf«) –Biografischer Roman (Exil, 70er Jahre) –Werkbiografie (Schriftsteller) –Populäre Biografie (Prominente) Merkmale und Tendenzen der Biografie –Muster für vorbildliche oder abschreckende Lebensverwirklichungen –These: Biografie als Produkt gesellschaftlicher Krisenzeiten –Formale Stereotypik (z.B. Berufsgruppen, Heiligenlegenden) –Bürgerliche Biografien seit der Renaissance –zwei Entwicklungslinien seit dem 19. Jhdt. –Historisch-politische Biografik (Muster: »Große Männer machen Geschichte«) –Biografien von Künstlern und Wissenschaftlern

27 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 27 Gattungen Sachliteratur: Ratgeber Merkmale und Tendenzen des Ratgebers –Gesellschaftliche Basis –Spiegel der komplexen modernen Gesellschaft –Spezialisierung von Alltagswissen –Partizipation an Profi-Wissen –Fortschrittsoptimismus –Mechanistisches Problemlösungsdenken –Profanisierte Heilserwartung Funktionen des Ratgebers –Beruflicher und sozialer Aufstieg (z.B. Karriereplanung, Bewerbungstraining) –Organisation zwischenmenschlicher Beziehungen –Persönlicher Erfolg (z.B. Finanzen, Recht) –Steigerung des physischen und psychischen Wohlbefindens (z.B. Gesundheit, Sport, Medizin) –Sinnsuche, Orientierung (z.B. Religion, Esoterik) –Aneignung von Fertigkeiten und Techniken (»Do-it-yourself«) Formale Kennzeichen des Ratgebers –Kleinteilige Gliederung (Absätze, Hervorhebungen, Merksätze, Zusammenfassungen) –Grafische Gestaltungselemente (Kästen, Symbole, Icons etc.) –Appellative, suggestive Sprache (»Auch Sie können es schaffen«) –Anleitungen: Register, Abbildungen, Schaubilder Ratgeber-Verlage –Hohe Titelsubstituierbarkeit, z.B. in »www.buchhandel.de« zu den Themen: Mobbing (72 Titel) Rückenschule (33 Titel) Yoga (525 Titel) –Reihen einschlägiger Verlage, z.B. Gräfe + Unzer, W. Heyne, Falken, Humboldt

28 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 28 Gattungen Sachliteratur: Reiseliteratur Gattungen der Reiseliteratur –Reiseführer (informationsbezogen, Service) –Reiseberichte (individuell, anschaulich, weniger Information) I –Kunstführer –Straßen- und Wanderkarten –Atlanten –Bildbände Typen von Reiseführern –Allgemeine Reiseführer Informationen zu Ort/Region, Sehenswürdigkeiten, Infrastruktur, Klima, Natur, Land und Leute, Routen, Vorbereitungen, Organisation –Spezielle Reiseführer für einzelne Zielgruppen (Jugendliche, Singles, Homosexuelle) zu einzelnen Aktivitäten/Interessen (Sport, Kultur) zu einzelnen Fortbewegungsarten (Rad, Auto) Qualitätskriterien von Reiseführern –Aktualität –Schwerpunkte, Umfang und Auswahl der Informationen (Sehenswürdigkeiten, Kunst, Kultur, Alltag, Geografie, Geschichte) –Umfang und Zuverlässigkeit von Service- und Adressenteil –Struktur und Erschließung: Gliederung, Register –Sprache und Illustrationen –Kartografie Tendenzen von Reiseführern –zunehmendes Interesse an Reiseführern –Auflagen, Reihen und Titel steigen stetig –zunehmende Spezialisierung –Vereinheitlichung der Struktur (z.B. merian live, Marco Polo, Polyglott) –zunehmende Übersichtlichkeit Reiseführer - Verlage –Hohe Titelsubstituierbarkeit –Spezielle Verlage oder Verlagssegmente für Reiseliteratur, z.B. DuMont, Baedeker, ADAC, Polyglott, Vista Point usw. –Tendenz zur Reihenbildung, z.B. »DuMont richtig reisen« (100 Bd), »Merian live!« (172), »Kompass Wanderführer per pedes« (57)

29 Dr. Isa Schikorsky - Sach- und Fachliteratur - BIB2 29 Gattungen Sachliteratur: Themensachbuch oder populäres Sachbuch Merkmale des Themensachbuchs –Allgemeinverständliche Sprache –Allgemeines Publikum –Intentionen Wissensvermittlung Wert-und Sinnorientierung Meinungsbildung und -beeinflussung –Autoren: Wissenschaftler, Journalisten; oft prominente Namen Formale Merkmale des Themensachbuchs –Eingängige Titelformulierungen –Vergleichsweise lange Kapitel, wenige Gliederungsmarkierungen –stärker erzählende Schreibweisen, flüssige Lesbarkeit –Trend: verschiedene Textebenen (Haupttext, Begriffserklärungen, Nebenaspekte, Anekdoten usw.) –Grafische Gestaltung (Kästen, Blöcke, Farbschattierungen, Illustrationen) Themensachbuch – Verlage –oft Allgemeinverlage (Belletristik und Sachbuch), z.B. Hanser, Patmos, Hoffmann & Campe, Piper, Eichborn) –vereinzelt Sachbuchverlage: z.B. Econ, Prestel


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