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Politik- und sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze für Konflikte im Naturschutz Dr. Susanne Stoll-Kleemann, Freie Universität Berlin HS Naturschutz.

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Präsentation zum Thema: "Politik- und sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze für Konflikte im Naturschutz Dr. Susanne Stoll-Kleemann, Freie Universität Berlin HS Naturschutz."—  Präsentation transkript:

1 Politik- und sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze für Konflikte im Naturschutz Dr. Susanne Stoll-Kleemann, Freie Universität Berlin HS Naturschutz und gesellschaftliches Handeln Berlin,

2 Übersicht zAusgangsituation: Akzeptanzprobleme und Konflikte: Formen zWiderstreit der Kulturen yGründe für Kooperation yErklärungsansätze für Konflikte in Schutzgebieten zFolgerungen/ Konfliktlösungsstrategien

3 Naturschutz & Gesellschaftliches Handeln zNaturschutzmassnahmen verlangen den betroffenen Menschen Einschränkungen oder Verhaltensänderungen zugunsten der Natur ab: zsoziale und gesellschaftliche Dimension des Naturschutzes zausreichende Akzeptanz der Bevölkerung ist grundlegende Voraussetzung für den Erfolg von Naturschutz z Naturschutzmaßnahmen bleiben auf die Dauer wirkungslos, wenn sie nicht auf die subjektive Bereitschaft der Menschen vor Ort zur Umsetzung oder noch besser Mitgestaltung treffen

4 Ausgangssituation zAkzeptanzprobleme und Konflikte: Formen und Beispiele zVersuche formeller politischer Einflußnahme um Naturschutzmaßnahmen zu verhindern: Gründung von Bürgerinitiativen auf allen Ebenen, z.B.: Bundesverband der Nationalpark-Betroffenen zNormenkontrollklagen zDemonstrationen und Bürgerversammlungen zVerbale Attacken: Leiter eines Schutzgebietes sprach von Progromstimmung zMittwochsgebet zBoykott von Kommunalvertretern von öffentl. Versammlungen

5 Konflikte in den Medien zZoff im Park - Bürgerinitiativen rebellieren gegen Nationalparks (DIE ZEIT , S. 33 f.) zWütende Waldler kämpfen gegen die Wildnis vorm Haus - Streit im Bayerischen Wald (FAZ , S. 3) zFreiheit statt Ökoismus - Aufruhr im Nationalpark Wattenmeer: Wieviel Naturschutz verträgt die Nordseeküste? (DIE ZEIT , S. 81) zStreit um den Elbe-Nationalpark - Die Bauern der Flußlandschaft fühlen sich in ihrer Existenz bedroht.- In: Frankfurter Allgemeine Zeitung , S. R 5. zVom Kampf zwischen Küste und Sturmfluten - Der Streit um den Schutz des Wattenmeeres (FAZ )

6 Konflikte in den Medien II Gegner des Nationalparks werfen Eier auf Minister - Streit um die Erweiterung des Wattenmeeres (Elbe-Jeetzel- Zeitung ) Nur ein Prestigeobjekt: Die geplante Erweiterung des Nationalparks Bayerischer Wald stößt auf heftigen Widerstand (Focus 29, 1995, S. 52 ff.) Zank, Streit und Morddrohungen in der Idylle - Im Nationalpark Odertal sind die Fronten zwischen Landwirten und Naturschützern verhärtet (Der Tagesspiegel ) Naturschutz? Ja, aber nicht in meiner Umgebung (Der Tagesspiegel ) Volkes Stimme verunsichert Politiker. Gemeinden stimmten gegen Nationalpark - Mancher Befürworter auf dem Rückzug ( Frankfurter Rundschau ) Strafe für Witwe, die Blumen aufs Grab legte. Mit erfundenen Geschichten werden geplante Nationalparks angefeindet - Gegner gründen Bundesverband (Frankfurter Rundschau )

7 Widerstreit der Kulturen z Dominanz ökologischer Prinzipien (ecology-first) vs. z Menschen vor Ort im Zentrum eines nachhaltigen Ressourcenmanagements (people-included) => Kooperation mit Landnutzern und Integration ökologischer, sozialer und ökonomischer Belange

8 Conflict(ing) Culture(s) Conflicting Cultures … … or Conflict Culture?

9 Warum Kooperation? Management-Legitimität z Effektives und effizientes Naturschutz- management erfordert das Verständnis und die Unterstützung der lokalen Bevölkerung. z Rigide Managementstrukturen passen sich nur schwer an soziale, ökonomische oder auch ökologische Veränderungen an.

10 Warum Kooperation? z Naturschutzstrategien, welche autoritär von oben ohne vorherigen Konsens mit der betroffenen Bevölkerung etabliert werden, riskieren jegliche Chance einer langandauernden Kooperation, z.B. durch nachhaltige Landnutzungsformen, zu verspielen.

11 Warum Kooperation? Demokratische Notwendigkeit z Die Bev ö lkerung vor Ort an Managementprozessen zu beteiligen unterst ü tzt ihr Selbstwertgef ü hl, respektiert ihre B ü rgerrechte und ber ü cksichtigt ihre zentrale Rolle im Naturschutzmanagement

12 Warum Kooperation? Geteiltes (traditionelles) Wissen und Verständnis Alle Akteure haben eine einzigartige und damit unterschiedliche Sichtweise darüber, was das Problem konkret ausmacht und was zu einer Verbesserung führen könnte Daher ist es sinnvoll, möglichst viele verschiedene Bewertungen eines Problems durch eine umfassende Einbeziehung verschiedener Akteure und Gruppen zu erhalten

13 Konflikte im Naturschutzmanagement Gruppenprozesseund Soziale Identität Wahrnehmungs- und Kommunikationsbarrieren Kulturelle Ursachen Emotionale Ursachen Stoll-Kleemann 2001 Sozialwissenschaftliches Erklärungsmodell von Konflikten im Naturschutz

14 Konflikte im Naturschutzmanagement Kulturelle Ursachen Emotionale Ursachen Stoll-Kleemann 2001 Sozialwissenschaftliches Erklärungsmodell von Konflikten im Naturschutz

15 Naturschutz als Einschränkung und Bedrohung der Entscheidungsfreiheit zNaturschutzmassnahmen vor allem als Aufforderung von Naturschützern, das Verhalten zu ändern und Einschränkungen zugunsten der Natur in Kauf zu nehmen (Reaktanz häufig) zTraditionelle Wertvorstellungen und Lebensstile werden in Frage gestellt zvielfältige Veränderungen der traditionellen Raumstrukturen; Gewöhnungsprozeß hält nicht mit der Durchführung von Maßnahmen Schritt

16 Theorie der Freiheitseinengung und psychologischen Reaktanz Brehm (1966) zDie Reaktanztheorie besagt, dass Menschen bestrebt sind, bestehende Entscheidungs- und Handlungsfreiheiten zu bewahren und Reaktanz entsteht, wenn diese Freiheiten eingeengt oder eliminiert werden (z. B. durch Verordnungen, Verbote und Kontrollen) zWichtig: Bedeutung der Freiheit, Stärke der Freiheitseinengung

17 Theorie der Freiheitseinengung und psychologischen Reaktanz Brehm (1966) zBei vielen Bewohnern der Schutzgebiete entsteht Reaktanz, weil sie ihre freien Verhaltensweisen in Bereichen wie Freizeitgestaltung (Zelten, Angeln, Pilze suchen) oder Landnutzung (Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, Jagd) bedroht sehen. zAuch die Notwendigkeit zur Abstimmung zwischen öffentlichen Verwaltungen (z. B. zwischen Forst- und Naturschutzverwaltung) ruft Reaktanz hervor. Dadurch wird das Bestreben ausgelöst, diese bedrohten Freiheiten, z. B. durch die geschilderten Proteste, wiederherzustellen

18 zBeginn der Kommunikation i.d.R. zu spät im Planungsprozeß und oft nur im Rahmen des rechtlich vorgeschriebenen Beteiligungs- verfahrens, d.h. kein kontinuierlicher Dialog zwischen den Beteiligten, in dem unter- schiedliche Interessen und Standpunkte in persönlichen Gesprächen formuliert werden können Partizipationsdefizite

19 Gegenstimmen zDer Bevölkerung fehlt das Fachwissen um bei Entscheidungen im Naturschutz mitzureden zBestehende Gesetze werde korrekt befolgt, warum also unnötige Kompromisse riskieren? zDer Naturschutz vertritt den moralisch besseren Standpunkt; die Öffentlichkeit ist der Natur zu entfremdet um die Wichtigkeit dieser Mission zu verstehen zVor dem Hintergrund der oft starken lokalen Opposition in Schutzgebieten, dem schwachen politischen Rückhalt und geringer Erfolge in der Vergangenheit, muß der Naturschutz nun Stärke zeigen, wenn er überhaupt noch etwas erreichen will.

20 z Der Verlauf der Kommunikation hängt auch davon ab, ob das Verfahren bei der Entscheidungsfindung von der betroffenen Bevölkerung als gerecht oder ungerecht wahrgenommen wird (prozedurale Routineakzeptanz) z Bei der betroffenen Bevölkerung kann kein Gefühl von Vertrauen und Identifikation mit dem entsprechendem Plan aufkommen z die Fähigkeit der Menschen, Ideen zu entwickeln und angemessene Lösungen zu finden wird negiert (WWF Deutschland 2000). Kommunikationsbarrieren

21 Daher kommt der Beziehungsebene und der Art des Umgangs von Naturschützern mit ihren Adressaten eine erhebliche Bedeutung bei der Verwirklichung von Naturschutzprojekten zu Naturschutzvorhaben scheitern oft nicht aus sachlichen, sondern aus emotionalen Gründen Emotionale Faktoren, die sich negativ auf die Kommunikation auswirken sind z.B. Karriere- und Machtstreben, persönliche Unsicherheit, Rollenerwartungen und sozialer Druck (auf beiden Seiten).

22 Konflikte im Naturschutzmanagement Kulturelle Ursachen Emotionale Ursachen Stoll-Kleemann 2001 Sozialwissenschaftliches Erklärungsmodell von Konflikten im Naturschutz

23 Konflikte im Naturschutzmanagement Wahrnehmungs- und Kommunikationsbarrieren Kulturelle Ursachen Emotionale Ursachen Stoll-Kleemann 2001 Sozialwissenschaftliches Erklärungsmodell von Konflikten im Naturschutz

24 Das soziale Gedächnis z Ablehnung von Naturschützern, bevor Kommunikation begonnen hat, oft vor dem Hintergrund früherer schlechter Erfahrungen zKommunikation geprägt von Generalisierungen und Stereotypen z Gefahr von Stereotypen: Unzugänglich für rationale Argumente z Informationen über die entsprechende Gruppe selektiv (nur) dann wahrgenommen, verarbeitet und behalten, wenn dadurch das Stereotyp bestätigt wird

25 Perspektivendivergenzen und soziale Distanz zGeringe Empathie aufgrund sozialer Distanz: Mangel an sozialen Kontakten führt dazu, daß das Wissen über die Lebenswirklichkeit (Lebenserfahrungen, Bedürfnisse und Sichtweisen) der jeweils anderen Gruppe gering ist und ihre Denk- und Verhaltensweisen nicht im Gesamtkontext gesehen werden zRegelmässig von Naturschützern geäusserte Kritik an landwirtschaftlichen Wirtschaftsweisen von Landwirten wird als Missachtung und Infragestellung ihrer Arbeit (und somit eines wesentlichen sinnerfüllten Teil ihres Lebens) verstanden

26 Konflikte im Naturschutzmanagement Wahrnehmungs- und Kommunikationsbarrieren Kulturelle Ursachen Emotionale Ursachen Stoll-Kleemann 2001 Sozialwissenschaftliches Erklärungsmodell von Konflikten im Naturschutz

27 Konflikte im Naturschutzmanagement Gruppenprozesseund Soziale Identität Wahrnehmungs- und Kommunikationsbarrieren Kulturelle Ursachen Emotionale Ursachen Stoll-Kleemann 2001 Sozialwissenschaftliches Erklärungsmodell von Konflikten im Naturschutz

28 Gruppenprozesse zDie Akzeptanz oder Ablehnung von Naturschutzmassnahmen wird auch durch die Beziehungen zwischen den beteiligten sozialen Gruppen beeinflußt zDas Verhalten zwischen sozialen Gruppen wird entscheidend davon beeinflußt, daß deren Mitglieder sich sehr mit ihrer eigenen Gruppe identifizieren

29 Theorie der Sozialen Identität (Tajfel) zGruppenzugehörigkeit des Individuums als Ausgangspunkt: Ingroup-Outgroup- Differenzierung (soziales Kategorisieren, soziale Identität, sozialer Vergleich und soziale Distinktheit) zPositive Identifikation mit der Eigengruppe, Abwertung der Fremdgruppe

30 Theorie der Sozialen Identität zSoziales Kategorisieren meint, daß die einzelne Person ihre Umwelt in Gruppen oder Kategorien einteilt und zusammenfaßt. zEine Unterscheidung zwischen Eigen- und Fremdgruppe erleichtert die Orientierung und Ordnung des Individuums in seiner sozialen Realität. zDer Mensch bezieht aus der Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen in dem Maße positive soziale Identität, indem Vergleiche mit anderen Gruppen für die eigene Gruppe positiv ausfallen: notfalls auch durch Fehlinterpretationen zSo wird positive Distinktheit, d. h. das Gefühl, die eigene Gruppe sei höherwertiger als die Vergleichsgruppe, erreicht

31 Theorie der Sozialen Identität zVon Naturschutzmassnahmen Betroffene: positive Identität durch Abgrenzung von Naturschützern zBeispiel: Verhältnis zwischen (staatlicher) Forstwirtschaft und Naturschutz: neben inhaltlich-sachlichen Fragen in hohem Maße auch emotionale Aspekte wie Kompetenz- konkurrenzen für die Differenzen zwischen diesen beiden Gruppen verantwortlich sind

32 Konformität zRelevanz von Gruppennormen: Potentielle individuelle Zustimmung zum Naturschutz wird durch Konformitätsdruck ausgeglichen Es gibt viele Landwirte, die sehr von uns profitieren, die uns aber öffentlich zu wenig unterstützen. Vor allem wohl deswegen, weil sie sich im Konflikt mit ihrer anderen Mehrheit im Berufsstand befinden. Die aber im persönlichen Gespräch sagen, "das ist schon eine gute Sache, was ihr hier macht, und ich begrüße die Möglichkeiten, die ich gemeinsam mit euch habe. Aber die haben dann nicht den Mut, das z. B. im Bauernverband oder Abgeordneten gegenüber zu äußern.

33 Folgerungen zAnerkennung der Relevanz von Kommunikationsprozessen zBewußtseins- und Einstellungswandel zModifikation der Auswahlkriterien bei Neueinstellungen zÄnderung der Ausbildung der klassischen Naturschutzstudiengänge

34 Vorbild Entwicklungszusammenarbeit z(Vor-Ab) - Zielgruppenanalysen zPartizipativer Projektzyklus (von Planung über Implementierung und Management, bis zum Monitoring und zur Evaluierung zTraining und Prozeßberatung zEntwicklung von lokalen Organisationen und Institutionen zEinsatz lokaler Berater zTrägerverbund zÖkonomische Vorteile für die lokale Bevölkerung bereitstellen

35 Konfliktlösungsstrategien Vorhandensein einer Schlüsselperson mit integrativen und kommunikativen Fähigkeiten Erfolgskommunikation: Gemeinsame Sprache, Empathie Gewinnerkoalitionen z.B. Regionalentwicklung Flexibilität u. Lernfähigkeit: Anpassung an Veränderungen, Augenmaß, Pragmatismus Prozeßkompetenz: Gesellschaftlich-politisches Wissen, Management-Fähigkeiten und taktisches Geschick (Kategorien in Anlehnung an Brendle, 1999)

36 Training und Prozessberatung z Stärkung der Handlungsfähigkeit der Akteure z Entwicklung von Kooperationsfähigkeiten: partizipatives und dialogorientiertes Vorgehen bei der Planung und Durchführung von Massnahmen, zur Verhandlungsführung, zum Interessenausgleich und zum Konfliktmanagement z Sensibilisierung der NaturschützerInnen für die Wahrnehmung der sozialen Abläufe z Anknüpfung an alltägliche Arbeitssituationen

37 Literaturauswahl zum Thema Stoll-Kleemann, S., O`Riordan, T From participation to partnership in biodiversity protection: experience from Germany and South Africa. Society and Natural Resources 15 (2) Stoll-Kleemann, S. 2001a. Reconciling Opposition to Protected Areas Management in Europe: The German experience. Environment 43 (5), Stoll-Kleemann, S. 2001b. Barriers to Nature Conservation in Germany: A model explaining opposition to protected areas. Journal of Environmental Psychology, 21 (4), O`Riordan, T., Stoll-Kleemann, S Biodiversity, Sustainability and Human Communities. Protecting Beyond the Protected. Cambridge: Cambridge University Press. Stoll, S Akzeptanzprobleme bei der Ausweisung von Großschutzgebieten, Frankfurt a. M.: Lang.


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