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6.1 Bilanzpolitik – Spezialfragen www.uni-graz.at/iufwww/EU www.wiwi.uni-frankfurt.de/Professoren/Ewert/EU Wagenhofer/Ewert 2002. Alle Rechte vorbehalten.

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1 6.1 Bilanzpolitik – Spezialfragen Wagenhofer/Ewert Alle Rechte vorbehalten.

2 6.2 Ziele n Anreize zu Bilanzpolitik n Informationswirkungen von Bilanzpolitik im Rahmen von Signaling n Bilanzpolitik in optimalen Verträgen n Bilanzpolitik in spieltheoretischen Modellen

3 6.3 Kapitalmarktreaktionen auf Bilanzpolitik – Annahmen Künftiger tatsächlicher Wert des Unternehmens x Erwartungswert und Varianz σ 2 x Manager beobachtet Information y = x + Störgröße normalverteilt mit Erwartungswert 0 und Varianz σ 2 Kapitalmarkt weiß nur, dass Manager Information y besitzt Bilanzpolitischer Spielraum, Bericht von m = m(y) bei beliebiger Abweichung von y m = y + b mit b als Bilanzpolitik Disnutzen b 2 /2 durch Bilanzpolitik Teil der Entlohnung des risikoneutralen Managers mit Prozentsatz s > 0 vom Marktpreis P abhängig Nutzenfunktion des Managers U = s P – b 2 /2 P abhängig von m und der a priori Wahrscheinlichkeit von x

4 6.4 Gleichgewicht mit rationalen Erwartungen (1) n Marktgleichgewicht mit Bilanzpolitik b(y) und Preisfunktion P(m)

5 6.5 Gleichgewicht mit rationalen Erwartungen (2) n Gleichgewicht mit rationalen Erwartungen (rational expectations equilibrium) n Erforderliche Annahmen über die mögliche Struktur der relevanten Funktionen

6 6.6 Lineares Gleichgewicht (1) n Manager vermutet lineare Preisfunktion am Kapitalmarkt n Nutzenmaximierung des Managers n Optimale Bilanzpolitik

7 6.7 Lineares Gleichgewicht (2) n Anpassung der a priori Erwartungen des Marktes über x entsprechend dem Bericht m Berücksichtigung, dass die Bilanzpolitik des Managers nicht direkt von y abhängig und daher konstant ist Rückschluss von m auf y möglich

8 6.8 Lineares Gleichgewicht (3) n Preis nach Bekanntgabe von m

9 6.9 Lineares Gleichgewicht (4) n Erfüllung der Erwartungen im Gleichgewicht n Für Parameter der Bilanzpolitik gilt λ = 0 sowie

10 6.10 Interpretation (1) n Verfälschung der originären Information y im Gleichgewicht um ein konstantes b > 0 Verzerrung b nur durch Informationsstruktur und Entlohnungsfunktion determiniert Somit abhängig von Beteiligung am Marktpreis (s), Unsicherheit über den künftigen Unternehmenswert (Varianz σ 2 x ) und Präzision der eigenen Information (1/σ 2 ) n Markt antizipiert Anreiz und korrigiert Bericht des Managers exakt um die Bilanzpolitik Erwartungsrevision, als ob y bekannt wäre

11 6.11 Interpretation (2) n Betreiben von Bilanzpolitik bei Kosten von b 2 /2 > 0 und keiner Täuschung des Kapitalmarktes Wo liegt der Vorteil? n Auch bei Nicht-Ausübung von Bilanzpolitik geht der Kapitalmarkt von der Möglichkeit dazu aus

12 6.12 Interpretation (3) n Strikt größerer Nutzen bei Bilanzpolitik als bei Verzicht darauf Keine Schlechterstellung ohne Bilanzpolitik für den Manager nur dann, wenn der Kapitalmarkt glaubt, dass der Manager m = y berichtet Wiederum Anreiz für den Manager, Bilanzpolitik m > y zu betreiben

13 6.13 Ergebnis (1) n Ex post ineffizientes Gleichgewicht Wirtschaftsprüfung, Reputation zur wahrheitsgemäßen Bilanzierung oder Selbstbindung durch den Manager nur in beschränktem Umfang wirksam, da wahrheitsgemäße Bilanzierungs- und Bewertungsmethode unklar ist Reduktion des Vorteils durch kostenerhöhende Mechanismen (zB statt b 2 /2 zu b 2 ) – interpersonelle Nutzenvergleiche notwendig n Bilanzpolitik ex post nicht direkt erkennbar Keine Information über den Wahrheitsgehalt von m durch den resultierenden Unternehmenswert x Beteuerungen des Managers, keine Bilanzpolitik betrieben zu haben, ohne weitere Maßnahmen (zB externe Prüfung) nicht glaubwürdig

14 6.14 Ergebnis (2) n Einperiodiges Modell Abhängigkeiten von früher eingesetzten Maßnahmen bezüglich der Möglichkeiten und Kosten von Bilanzpolitik bei mehrperiodiger Betrachtung Grundlegende Argumentation weiter gültig n Beseitigung der Ineffizienz als Begründung für ein gesetzliches Verbot von Bilanzpolitik Pareto-Verbesserung durch Verbot möglich Regelungen schwer durchsetzbar (zB Ermessensspielräume) Einschränkung der gesetzlichen Spielräume jedoch vorstellbar

15 6.15 Signaling – Grundlagen (1) n Instrument zur vorteilhaften Verringerung der Informationsasymmetrie seitens der besser informierten Partei zur Information über ihre Eigenschaften Im Rahmen von Bilanzpolitik: Glaubwürdige Vermittlung von Informationen durch die Wahl einer bestimmten Bilanzierungs- oder Bewertungsmethode, die auf anderem Wege nicht möglich wäre Andere Signaling-Maßnahmen zB durch Dividendenpolitik n Je nach Information unterschiedlich hohe Kosten durch die Erzeugung des Signals Erzeugung des Signals nur für bestimmte Typen von Unternehmen günstig, für andere ist Imitation unvorteilhaft

16 6.16 Signaling – Grundlagen (2) n Modellstrukturen bei asymmetrischer Information Adverse Selektion (hidden information) – Anreize und Handlungen durch bessere Information (zB vor Vertragsabschluss durch Versicherungsnehmer) Screening – Vorschlag von Verträgen durch weniger informierte Partei, Bekanntgabe von Informationen durch die Wahl eines bestimmten Vertrags durch die besser informierte Partei n Maßgeblichkeit als Grundlage für Signalisierungskosten Direkte steuerliche Konsequenzen der Bilanzpolitik bei nicht abweichenden zwingenden Regelungen des Steuerrechts Beispiel: Wahl der Vorratsbewertungsmethode maßgeblich für die steuerliche Gewinnermittlung

17 6.17 Anwendung: Wahl der Vorratsbewertungsmethode n Bewertung von Vorräten bei Beschaffung zu verschiedenen Zeitpunkten und zu unterschiedlichen Einstandspreisen Identitätspreisverfahren (in der Praxis nicht üblich) Durchschnittspreisverfahren (gewogen oder gleitend) FIFO (First-in-first-out) – Annahme: Verbrauch des ältesten Vorratsbestand zuerst LIFO (Last-in-first-out) – Annahme: Verbrauch der zuletzt beschafften Vorräte zuerst n Typischer Fall steigender Beschaffungspreise und Lageraufbau Steuervorteile bei der Anwendung von LIFO Trotzdem Verwendung von FIFO von vielen Unternehmen

18 6.18 Mögliche Gründe für Verwendung von FIFO n FIFO entspricht der tatsächlichen Verbrauchsfolge n Beteiligung des kurzfristig orientierten Managements am Jahresergebnis n Günstige Darstellung des Unternehmens gegenüber Gläubigern oder anderen externen Bilanzadressaten n Kreditverträgen mit Vorschriften zur Einhaltung bestimmter Bilanzrelationen n Signalisierung von bestimmten Informationen mit der Bewertungsmethode n FIFO ist administrativ einfacher n Traditionelle Verwendung von FIFO, Kosten bei Übergang auf LIFO, Stetigkeitsprinzip der Rechnungslegung

19 6.19 Signaling-Modell mit der Vorratsbewertungsmethode (1) n Zwei Typen von Unternehmen, gute (mit künftig hohem Ertrag) und schlechte A priori Wahrscheinlichkeit p für ein gutes Unternehmen allgemein bekannt Manager kennt Typ genau, Kapitalmarkt weiß das Keine Möglichkeit für den Manager, glaubwürdig seinen Typ zu berichten

20 6.20 Signaling-Modell mit der Vorratsbewertungsmethode (2) n Nutzen des risikoneutralen Managers von zwei Größen abhängig Fundamentaler, wahrer Wert des Unternehmens (P 1 ) Marktpreis (P 0 ) Bildung des Marktpreises nach Wahl der Vorratsbewertungsmethode (FIFO oder LIFO) n Nutzenfunktion Erfassung unterschiedlicher Ziele durch Gewichtung Marktpreisabhängige Bonusansprüche des Managers vs vom fundamentalen Wert abhängige künftige Bonusansprüche Langfristig orientierte Eigentümer mit Interesse am Fundamentalwert oder kurzfristig orientierte mit Interesse am Marktpreis

21 6.21 Signaling-Modell mit der Vorratsbewertungsmethode (3) n Steuerlicher Nachteil bei Verwendung von FIFO Zinseffekt durch Vorverlagerungen von Steuerzahlungen Ressourcenabfluss und Unternehmenswertminderung um T H bzw T L, Steuereffekte geringer als Erfolgsaussichten Gutes Unternehmen verkraftet Ressourcenabfluss leichter als schlechtes, dh T L > T H Bedingung H > L > T L > T H > 0

22 6.22 Separating-Gleichgewicht (1) n Perfekte Unterscheidung der verschiedenen Typen im Separating-Gleichgewicht Wahl von unterschiedlichen Bewertungsmethoden durch verschiedene Typen Kapitalmarkt berücksichtigt diese Information Gute Unternehmen wählen FIFO, schlechte wählen LIFO n Nutzen

23 6.23 Separating-Gleichgewicht (2) n Gleichgewichtsbedingungen

24 6.24 Separating-Gleichgewicht (3) n Existenz eines Separating-Gleichgewichts bei Erfüllung beider Bedingungen Gutes Unternehmen wählt rational FIFO Schlechtes Unternehmen wählt rational LIFO Vollständige Information des Marktes über den Typ und entsprechende Preisfestsetzung (P 0 = P 1 ) n Unterschiedliche hohe Kosten als treibende Kraft FIFO für schlechtes Unternehmen teurer als für gutes Für schlechte Unternehmen Steuerersparnis vorteilhafter als günstigerer Markpreis durch Einschätzung als gutes Für gute Unternehmen ungünstigerer Marktpreis durch Einschätzung als schlechtes nachteiliger als Steuerersparnis

25 6.25 Pooling-Gleichgewicht mit LIFO (1) n Keine Unterscheidung der verschiedenen Typen im Pooling-Gleichgewicht Keine Information über den Typ aus der Beobachtung der Bewertungsmethode Beide Typen wählen LIFO Marktpreisbildung mit Hilfe der a priori Wahrscheinlichkeit p für ein gutes Unternehmen Marktpreis bei Verwendung von LIFO n Nutzen

26 6.26 Pooling-Gleichgewicht mit LIFO (2) n Kein Anreiz beider Typen von LIFO abzuweichen Auch Kapitalmarkt erwartet nicht, dass FIFO gewählt wird, trotzdem erforderliche Bildung von Erwartungen Annahme eines guten Unternehmens bei beobachtetem FIFO n Gleichgewichtsbedingungen Kein Anreiz für gutes Unternehmen von LIFO abzuweichen Nutzen bei Abweichen unter diesen Markterwartungen

27 6.27 Pooling-Gleichgewicht mit LIFO (3) Auch schlechtes Unternehmen darf keinen Anreiz haben, von LIFO abzuweichen Nutzen bei Abweichen Bedingung redundant wegen n Existenz eines Pooling-Gleichgewichts mit LIFO Vorteil für ein gutes Unternehmen aus höherem Marktpreis geringer als Steuernachteil Überbewertung der schlechten Unternehmen Pooling mit LIFO umso eher, je kleiner und je größer p

28 6.28 n Alternative Annahme: schlechtes Unternehmen bei FIFO Für gutes Unternehmen gilt Für schlechtes Unternehmen gilt Pooling-Gleichgewicht mit FIFO (1) n Nutzen

29 6.29 Pooling-Gleichgewicht mit FIFO (2) n Annahme eines schlechten Unternehmens bei beobachtetem LIFO Nutzen bei Abweichen von LIFO Notwendige Bedingung umso eher erfüllt, je größer und je höher p

30 6.30 Pooling-Gleichgewicht mit FIFO (2) n Existenz des Pooling-Gleichgewichts mit FIFO Anreiz des guten Unternehmens zu signalisieren, dass es tatsächlich gut Imitation durch das schlechte Unternehmen Für den Markt keine Unterscheidung mehr möglich, deshalb durchschnittliche Bewertung Keine Anreize für Wechsel vorhanden Resultat: Steuernachteil für beide und geringerer Marktpreis als bei Pooling-Gleichgewicht mit LIFO

31 6.31 Signaling-Gleichgewichte in Abhängigkeit von und p Mit L = 2, H = 5, T L = 1 und T H = 0,4

32 6.32 Ergebnis n Kosten des Signals entscheidend für Glaubwürdigkeit n Bei mehr als zwei Ausprägungen teilweises Pooling bestimmter Informationen möglich n Konstellationen mit mehreren Gleichgewichten möglich Auswahl unter mehreren Gleichgewichten problematisch n Signaling-Modelle eine mögliche Erklärung für Wahl von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden

33 6.33 Empirische Ergebnisse n LIFO und FIFO häufig verwendet Nach Bereinigung des Effekts der Bewertungsmethode kaum Unterschiede bei Kennzahlen n Hypothesen zur Marktpreisänderung FIFO auf LIFO: Steuervorteil steigender Marktpreis FIFO auf LIFO: Niedrigerer Gewinn durch steigende Beschaffungspreise sinkender Marktpreis LIFO auf FIFO: Höheres Ergebnis steigender Markpreis LIFO auf FIFO: Gute Neuigkeiten steigender Marktpreis n Empirische Ergebnisse der Studien zwiespältig

34 6.34 Vertragliche Wirkungen der Bilanzpolitik n Bisherige Erklärungen Beeinflussung der Bilanzpolitik durch Adressaten ohne spezifisches Vertragsverhältnis mit dem Unternehmen Standardisierte Verträge typisch für den Kapitalmarkt Anreize zu Bilanzpolitik aufgrund von Managemententlohnungsverträgen Eingeschränkte Reaktionsmöglichkeiten der Adressaten n Anreize zu Bilanzpolitik bei optimalen Vertrag für den Vertragspartner Analyse in Agency-Modellen Anreize mit optimalen Verträgen steuer- und vermeidbar Uneingeschränkte Vertragsgestaltung als Voraussetzung (auch Rechnungslegung muss vertraglich festlegbar sein)

35 6.35 Offenlegungsprinzip n Standard-Agency-Modell mit Prinzipal (zB Eigentümer, Investor) und Agenten (Manager) Agent für Prinzipal tätig Wertvolle, private Information y für Agenten Prinzipal auf Berichterstattung des Agenten angewiesen Rechnungslegung als Art der Berichterstattung n Offenlegungsprinzip (relevation principle) Zu jedem Vertrag mit nicht wahrheitsgemäßer Berichterstattung gibt es ergebnisäquivalenten Vertrag mit wahrheitsgemäßer Berichterstattung In optimalen (unbeschränkten) Vertrag kein Vorteil durch Bilanzpolitik

36 6.36 Offenlegungsprinzip im Standard- Agency-Modell n Berichtsfunktion m( ) des Agenten definiert über Information y Existenz einiger y, für die gilt m(y) y Entlohnungsschema S( ) bestimmt durch Bericht m Neuer Vertrag mit Entlohnungsschema S*: für jede Information y, für die m(y) y gilt, gleich hohe Entlohnung wie unter bisherigen Vertrag unter Berücksichtigung der Bilanzpolitikanreize S*(m*(y)) = S*(y) = S(m(y)) n Unter S* kein Anreiz mehr zu falscher Berichterstattung Geltung für jeden beliebigen Vertrag, insbesondere für optimalen Vertrag

37 6.37 Bedingungen für das Offenlegungsprinzip (1) Stark einschränkende Annahmen für Geltung des Offenlegungsprinzips erforderlich n Uneingeschränkte Berichterstattung Sämtliche Facetten der privaten Information berichtbar Vielschichtige und quantitativ nicht messbare Information Saldierung und Aggregation der Basisinformation Nicht immer Nachteil für den Prinzipal bei eingeschränkter Berichterstattung: Steigende Belohnung in m = m(x) führt zu Anreiz zu gewinnmaximierender Politik Spielraum + b, Bericht des Agent immer m(x) = x + b m gleich informativ wie x selbst, Bilanzpolitik schadet nicht

38 6.38 Bedingungen für das Offenlegungsprinzip (2) n Unbeschränkte Entlohnungsfunktion Optimale Verträge häufig mit komplexen Funktionen n Unbeschränktes Precommitment Glaubwürdige Verpflichtungsmöglichkeit des Prinzipal, den Bericht des Agenten in einer im Vertrag festgelegten Weise zu verwenden Starke Verpflichtungserfordernisse bereits im Standard- Agency Modell

39 6.39 Bilanzpolitik zur Konsumglättung n Anreize zu gewinnglättender Bilanzpolitik Schwankende Entlohnungen durch schwankende Performancegrößen Berücksichtigung des Risikos der künftigen Entlohnung Erhöhung des Nutzens durch gewinnglättende Bilanzpolitik n Beschränkter Zugang zum Kapitalmarkt als Voraussetzung Entkopplung von Konsum- und Einkommenspräferenzen n Darstellung in zweiperiodigem Agency-Modell Beobachtung des Cashflows beider Perioden, aber nicht Perioden-Cashflows LEN-Modell (Offenlegungsprinzip nicht anwendbar)

40 6.40 Annahmen zum Agency-Modell (1) Nicht neuverhandelbarer Vertragsabschluss in t = 0 Arbeitsleistung a t und Zufallsgröße t ergeben Output x t Über die Zeit stationäre Produktionstechnologie Unabhängige normalverteilte stochastische Größen t

41 6.41 Annahmen zum Agency-Modell (2) Risikoneutraler Prinzipal Agent mit additiver intertemporaler Nutzenfunktion Reservationsnutzen U(u) Lineare Entlohnungsfunktion S t

42 6.42 Entlohnung auf Basis der einzelnen Cashflows (1) n Beobachtung der Cashflows jeder Periode durch Prinzipal und Agent Beurteilung des Agenten anhand des Cashflows, dh B t = x t Perioden völlig unabhängig voneinander Agent maximiert Nutzen Ableitung nach a t ergibt Optimum a t = s t Zielfunktion des Prinzipals (Entlohnung auf Reservationsnutzniveau durch mögliche Anpassung von s t )

43 6.43 Entlohnung auf Basis der einzelnen Cashflows (2) n Lösung Optimaler variabler Entlohnungsparameter Erwarteter Nutzen des Prinzipals = Summe der beiden gleich großen erwarteten Periodenüberschüsse abzüglich des zu zahlenden Reservationsnutzens

44 6.44 Entlohnung auf Basis von Gewinnen n Beobachtung der Teilergebnisse x 1 und x 2 nur durch Agenten Prinzipal erfährt nur gesamtes Ergebnis (x 1 + x 2 ) am Ende der beiden Perioden n Bilanzpolitische Maßnahmen durch den Agenten am Ende der ersten Periode möglich Bericht m = x 1 – b Bilanzpolitik erst nach Bekanntwerden von x 1, dh b = b(x 1 ) Ergebnis der zweiten Periode x 2 + b(x 1 ), da Prinzipal andernfalls Bilanzpolitik aufdecken könnte Perioden nicht mehr unabhängig voneinander

45 6.45 Lösung Schritt 1 n Nutzen des Agenten n Lösung des Programms durch Ermittlung (bedingter) Optima von hinten nach vorne n Schritt 1: Ermittlung von a 2 Optimierung von EU 0 x 1 nach a 2 ergibt a 2 = s Geltung unabhängig von konkreter (zu Periodenbeginn feststehender) Bilanzpolitik

46 6.46 Lösung Schritt 2 n Ermittlung von b Nächste zeitlich vorgelagerte Entscheidung b(x 1 ) x 1 realisiert – Agent trägt nur noch mit x 2 verbundenes Risiko Notwendige Risikoprämie zu diesem Zeitpunkt (Berücksichtigung oben in zweiter Klammer) Optimale Bilanzpolitik

47 6.47 Lösung Schritt 3 n Ermittlung von a 1 Ermittlung der vorausgehenden Entscheidung des Agenten über die Arbeitsleistung in der ersten Periode notwendig für die Ableitung des erwarteten Nutzens des Prinzipals Maximierung von EU 0 nach a 1 führt zu a 1 = s

48 6.48 Lösung Schritt 4 n Ermittlung von s Erwarteter Nutzen des Prinzipals Optimaler Entlohnungssatz Erwarteter Überschuss bei Bilanzpolitik

49 6.49 Eigenschaften der optimalen Bilanzpolitik n Optimale Bilanzpolitik unter Berücksichtigung von a 1 = s Mit Gewinn als Cashflow x 1 abzüglich Betrag b(x 1 ) n Bei positivem Cashflow gewinnmindernde Periodenabgrenzung, bei negativem umgekehrt (Gewinnglättung) b(x 1 ) steigt linear in x 1 mit einer Rate von 0,5 Erwartungswert der Bilanzpolitik vor Kenntnis von x 1 positiv, nämlich r s 2 /4 – ex ante asymmetrische Glättung

50 6.50 Ergebnis n Erwarteter Überschuss bei Bilanzpolitik höher als jener bei Verwendung der beiden Cashflows n Resultat: Bilanzpolitik wünschenswert! Verschiebung einen Teil des unsicheren Ergebnisses x 1 in die zweite Periode Verringerung der geforderten Risikoprämie des Agenten Prinzipal kann Anreize s wegen geringerer Risikoscheu des Agenten etwas erhöhen – zusätzlicher produktiver Effekt n Grund?

51 6.51 Diskussion (1) n Gewinnglättende Bilanzpolitik aufgrund der Annahme der vollständigen Konsumption von S t Entlastung der Rechnungslegung von dieser Funktion bei der Möglichkeit zum Sparen und Ausborgen von Geld Nicht vollkommener Kapitalmarkt lässt Funktion zum Teil bestehen Grenzfall: risikolose Anlage und Aufnahme von Geld zum Zinssatz null Im Grenzfall gleiches Resultat wie unter den vorhergehenden Annahmen Aber ohne Bilanzpolitik, da irrelevant

52 6.52 Diskussion (2) n Alternative Annahme: Multiplikative statt additiver Nutzenfunktion Bilanzpolitik b in diesem Fall irrelevant Trotz multiplikativer Nutzenfunktion Anreize zu Bilanzpolitik in bestimmten Situationen möglich Bei Abgang von der Annahme linearer Entlohnung Über die Perioden unveränderte Entlohnungsfunktion

53 6.53 Kosten verursachende Bilanzpolitik n Bilanzpolitik mit negativer Konsequenz für den Prinzipal Erhöhung des Gewinns und der daran anschließenden Entlohnung mit Bilanzpolitik Private Kosten des Agenten durch Bilanzpolitik (Nachdenken, Suchen, Beratung, Aushandlung etc) n Analyse im selben Modell, aber nur eine Periode Manipulation der Beurteilungsgröße B durch Bilanzpolitik als zusätzliche, sonst völlig unproduktive Aktion a 2 möglich Erhöhung der Beurteilungsgröße um Faktor b 0 Disnutzen durch beide Aktivitäten bestimmt

54 6.54 Lösung ohne Möglichkeit von Bilanzpolitik n Annahme: Bilanzpolitik keine Wirkung (b = 0) Optimale Arbeitsleistungen a 1 = s, a 2 = 0 Optimaler Entlohnungsparameter Erwarteter Nutzen des Prinzipals

55 6.55 Lösung mit Bilanzpolitik (b > 0) (1) n Optimale Arbeitsleistung durch Maximierung des Erwartungsnutzens des Agenten a 1 = s sowie a 2 = b s n Erwarteter Nutzen des Prinzipals

56 6.56 Lösung mit Bilanzpolitik (b > 0) (2) Maximierung nach dem variablen Entlohnungssatz Erwarteter Nutzen des Prinzipals deutlich geringer als bei keiner Wirkung der Bilanzpolitik n Ergebnis: Nachteil für Prinzipal aus Bilanzpolitik Agent steckt Arbeitsleistung in Bilanzpolitik und nicht in produktive Tätigkeit Je größer die Einflussmöglichkeiten der Bilanzpolitik umso lukrativer und umso geringer der Nutzen des Prinzipal Reduktion des variablen Entlohnungssatzes im Optimum zur Verringerung der Bilanzpolitikanreize – auch weniger Anreiz für produktive Arbeit


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