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„Die Wunden verbinden“ Sexuelle Gewalt, Spätfolgen, Hilfen

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Präsentation zum Thema: "„Die Wunden verbinden“ Sexuelle Gewalt, Spätfolgen, Hilfen"—  Präsentation transkript:

1 „Die Wunden verbinden“ Sexuelle Gewalt, Spätfolgen, Hilfen

2 Zahlen Jeder 8. Mensch zw Jahren ist Opfer sexueller Gewalt (12 %) (enge Definition = Vergewaltigung) Jede 4. bis jede 3. Frau zwischen 16 und 80 Jahren erlebt sexuelle Gewalt enge Definition = Vergewaltigung

3 In jeder Gruppe ab 4 Personen muss mit 1 Opfer sexueller Gewalt gerechnet werden; in einer Gruppe ab 8 Personen war jemand als Kind schon Opfer. In einer SE mit 7000 Mitgliedern, in der 10% zum Sonntagsgottesdienst gehen, sind statistisch gesehen 87 Opfer sexueller Gewalt in der Kindheit anwesend.

4 In den Kirchengemeinden sind natürlich auch Täter zu finden.
Ca 95% der Täter sind männlich, ca 5% sind weiblich.

5 Dunkelziffer und Verurteilungen
Quelle: abgerufen am Arnfried Bintig: Arbeit mit Sexualstraftätern - Ein Beitrag zur Opferprävention

6 Diagnosen in der Kinderheilkunde (1999)
Quelle für die Zahlen:

7 Sexueller Missbrauch ist ein sicheres Verbrechen
Von 2000 Sexualtätern werden 100 angezeigt Von 100 Angezeigten werden 15 angeklagt 3 davon werden frei gesprochen, 10 bekommen eine Bewährungsstrafe 2 müssen in Haft

8 Was ist ein Trauma? „Psychisches Trauma ist das Leid der Ohnmächtigen. Das Trauma entsteht in dem Augenblick, wo das Opfer von einer überwältigenden Macht hilflos gemacht wird. …Traumatische Ereignisse schalten das soziale Netz aus, das dem Menschen gewöhnlich das Gefühl von Kontrolle, Zugehörigkeit zu einem Beziehungssystem und Sinn gibt." Hermann Judith: Die Narben der Gewalt, München 1993, S. 54

9 e Flucht oder Kampf – nicht möglich
Einfrieren von Gefühlen - Flucht nach innen (Dissoziation – Abspaltung)

10 Gewalt hat Folgen Die Folgen menschlicher Gewalt (sexueller Kindesmissbrauch und Vergewaltigung) wirken bei ca 75% der Opfer nach. Sie tauchen verstärkt in kritischen Lebens-phasen auf: beim Eingehen einer Beziehung, in Schwangerschaft, Kind(er), Lebensmitte, Rente, Alter, spätes Alter.

11 Was Opfer fühlen

12 Folge: PTBS Eine posttraumatische Belastungs-störung (PTSD/PTBS) entwickeln 40% nach sexueller Gewalt 50% nach Vergewaltigung 20-30% nach Kriegstrauma 10-15% nach Unfällen (nach Flatten, 2010)

13 Posttraumatische Belastungsstörung
starke Angst bis hin zu Panikgefühlen Angst zu sterben (Angst auch im Nahbereich, in der eigenen Wohnung, denn da geschieht ja oft die Gewalt) Opfer fühlen sich innerlich wie betäubt, leer, stumpf Alpträume verfolgen sie

14 Übererregung Das gesamte vegetative System läuft auf Hoch-
touren und kommt nur langsam auf ein ent- spanntes, normales Grundniveau. Stellen Sie sich vor, sie müssten tage- und nächtelang, oft über Wochen andauernd sich so fühlen, als hätten sie gerade einen Autounfall hinter sich. Und wenn Sie sich irgendwann wieder entspannt haben, tritt die Übererregung erneut auf.

15 Vertrauen zerbricht Wenig Hoffnung, keine/wenig Zukunft
Großes Misstrauen, tiefe Einsamkeit Geringes Selbstwertgefühl Glaube an Gott erschwert/zerbrochen

16 Leben mit Misstrauen Immer dann, wenn man glaubt, vertrauen zu
dürfen, kommt die Angst hoch. Andere Menschen werden also oft als gefährlich erlebt, auch dann, wenn sie es nicht sind.

17 Verdrängung und Vergessen
vergessen wollen – mögliche Erinnerungs-situationen vermeiden Psychogene Amnesie (Symptome sind da, aber unverständlich)

18 Abspaltungen oder Übermaß an Gefühlen
Manche Opfer können die Fakten benen-nen, aber sie finden das „gar nicht so schlimm“, d.h. die Gefühle sind abge-spalten. Andere erleben die Gefühle in einem über das Normale hinausgehenden Maß – und wissen nicht, woher diese Gefühle kommen.

19 Flash-backs Das Opfer wird durch einen „Trigger“ an
die Gewalt erinnert und lebt plötzlich wieder in der Gewaltsituation – als geschähe die Gewalt in der Gegenwart. Trigger: Geruch, Stimme, Gegenstand, Handbewegung, Kleidung… Veränderte Speicherung im Gehirn im Vergleich zu anderen Erfahrungen: nicht-sprachlich, eher gefühlsmäßig. Geruch ist ein starker Trigger

20 Sinn und Solidarität

21 Christen haben ein Vorbild
Christentum ist Gewaltanschauung. Im Zentrum steht ein Gewaltopfer – Jesus von Nazareth „Was ihr einem von den Geringsten meiner Brüder/Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.“ Gleichnis vom barmherzigen Samariter Parallel dazu haben weitere Teilerhebungen die Gewaltbetroffenheiten einiger schwer erreichbarer Bevölkerungsgruppen erfasst. Dazu gehören insbesondere Frauen osteuropäischer und türkischer Herkunft sowie Frauen in Asylbewerberheimen, Gefängnissen und Prostituierte.

22 Konkrete Hilfen Um anwesende (anonyme) Gewalt-opfer wissen
Eigenes Sprechen bedenken: Wie würde das wohl auf ein Gewaltopfer wirken?

23 Im Gottesdienst und in Gemeinde-veranstaltungen zu erkennen geben, dass man um „Gewalt mitten unter uns“ weiß (Fürbitten, Klagepsalmen…) Keine Angst vor Opfern sexueller Gewalt haben!

24 Opfermythen Das Opfer ist selber schuld.
Opfer sind nicht belastbar. Man muss sie schonen. Opfer sind unberechenbar.

25 Die Gewaltfolgen machen Opfer unzurechnungsfähig und deswegen unfähig für das Gespräch über Gewalt
Die Opfer müssen vergeben, sonst werden sie nie geheilt. Sie sind dann selber schuld, wenn sie psycho-somatisch erkranken.

26 Täter waren selber früher Opfer.
Opfer sind zugleich Täterinnen. Sie haben Anteil an der an ihnen verübten Gewalt. Auch Männer sind Opfer von Gewalt. Auch Frauen sind Täterinnen.

27 Sexueller Missbrauch passiert unter massiver Gewaltanwendung und hinter-lässt klare Spuren

28 Solidarität – was ist wichtig?1
Die Kunst, Missbrauch wahrzunehmen Gefühle zulassen, ohne sich in ihnen zu verlieren Das Recht auf Abstand und die Berücksichtigung der eigenen Belastbarkeit Diese „Impulse für die Praxis“ wurden aus der Praxis für die Praxis entwickelt von Dr. Barbara Haslbeck, „Sexueller Missbrauch und Religiosität. Wenn Frauen das Schweigen brechen: eine empirische Studie“, LIT-Verlag, 2007, in Zusammenarbeit mit Frauen aus der Mailingliste „GottesSuche“, einer Inititative gewaltüberlebender Christinnen (http://www.gottes-suche.de)

29 Der Versuchung des Aktionismus widerstehen
Die eigenen Möglichkeiten nicht unterschätzen Sich Hilfe holen

30 Worte anbieten Nicht über die Täter reden wollen Nicht zum Opfer stempeln Ehrlich und realistisch bleiben

31 Störungen klären Ich als Frau/Mann In Kontakt bleiben Nicht in Panik geraten

32 Ressourcen stärken Vorsicht vor religiösen Interpretationen Spirituelle Präsenz Die eigene spirituelle Verankerung pflegen

33 „Von … Gott reden heißt fremdes Leid zur Sprache bringen und versäumte Verantwortung, verweigerte Solidarität beklagen.“ (J.B. Metz)


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