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Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Einführung ins Modell Schlüsselsituationen 5. Februar.

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1 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Einführung ins Modell Schlüsselsituationen 5. Februar 2015, Universität Luxembourg Prof. Dr. des. Regula Kunz 1 „… unbegriffene Theorie in der Ausbildung und begriffslose Praxis im Berufsfeld bilden eine duale Einheit“ Homfeldt (2004, S. 337)

2 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Diese PowerPoint Präsentation steht unter einer Creative Commons Lizenz Sie dürfen: das Werk bzw. den Inhalt vervielfältigen, verbreiten und öffentlich zugänglich machen Abwandlungen und Bearbeitungen des Werkes bzw. Inhaltes anfertigen Zu den folgenden Bedingungen: Namensnennung — Sie müssen den Namen des Autors/Rechteinhabers in der von ihm festgelegten Weise nennen. Keine kommerzielle Nutzung — Dieses Werk bzw. dieser Inhalt darf nicht für kommerzielle Zwecke verwendet werden. Weitergabe unter gleichen Bedingungen — Wenn Sie das lizenzierte Werk bzw. den lizenzierten Inhalt bearbeiten oder in anderer Weise erkennbar als Grundlage für eigenes Schaffen verwenden, dürfen Sie die daraufhin neu entstandenen Werke bzw. Inhalte nur unter Verwendung von Lizenzbedingungen weitergeben, die mit denen dieses Lizenzvertrages identisch oder vergleichbar sind. Link zur Lizenz: 2

3 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz 1.Einführung ins Modell 2.Reflexionsmodell verstehen, Schlüsselsituation erarbeiten 3.Umsetzung im eigenen Kontext Programm 3

4 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Herausforderung: Verbindung von Wissen, Werten und Praxis “The case is not in the book”

5 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz 5 Grafik:ANNA BENE Anna Benecke Transfer  Transformation Relationierung 

6 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Gemäß Schön (1983) ist professionelles Handeln geprägt von komplexen Situationen, die durch »uncertainty, instability, uniqueness, and value conflict« (Schön, 1983, S. 49) gekennzeichnet sind. Nach Tenorth bedeutet Professionalität in „Situationen der Ungewißheit und des Risikos ohne die Möglichkeit einer eindeutigen Abstützung im (...) wissenschaftlichen Wissen und daher ohne (sichere) technologische Lösung der Aufgabe dennoch handlungsfähig (...) bleiben" (1986: 295f)

7 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Als professionelles Handeln wird daher in der neueren Diskussion vor allem die Fähigkeit verstanden, wissenschaftlich fundiert, methoden- und wertegeleitet in einer komplexen, von Heterogenität geprägten Praxis und unter Unsicherheit lösungsorientiert handeln zu können. (Heiner 2004) Definition Professionalität

8 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz 8 Relationierung  Reflexive Professionalität

9 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Relationierung wird als Modus verstanden, mit dem wissenschaftliches Wissen von in der Praxis Tätigen selektiv aufgenommen, auf die konkrete Problemstellung hin interpretiert und schließlich mit beruflichem Erfahrungswissen verschmilzt und sich so zu einem neuen Typ von Wissen, dem Professionswissen wandelt (Dewe, 2012). Relationierung von Theorie und Praxis

10 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz „Diskursives Bewusstsein bezeichnet solche Erinnerungsformen, die der Handelnde sprachlich zum Ausdruck bringen kann. Das praktische Bewusstsein bezieht sich auf Erinnerungen, die dem Handelnden in der durée des Handelns zugänglich sind, ohne dass er jedoch sagen könnte, was er eigentlich ‚weiss‘. Das Unbewusste bezieht sich auf Erinnerungsweisen, auf die der Handelnde keinen direkten Zugriff hat …“ (Giddens, 1997, S. 99 f.). 10 „Handelnde Menschen wissen immer, was sie tun“ (Giddens, 1997, S. 79)

11 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz 11 Implizites – explizites Wissen Explizites Wissen Wissenschaftliches Wissen Deklaratives Praxiswissen/ Handlungswissen Modelle, Verfahren, Prozeduren, Techniken etc. Diskursives Bewusstsein (Giddens, 1997) Implizites Wissen Tacit knowing (Polanyi, 1985) Knowing-in-Action (Schön, 1983) Intuitives Handeln (Dreyfus & Dreyfus, 1987) Praktisches Bewusstsein (Giddens, 1997) Erfahrungswissen

12 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Zusammenspiel vielfältiger Wissensformen mit einer Handlungspraxis  «Kunst» Dewe u.a. (1987, S. 35) merken an, "dass es für sozialpädagogisches professionelles Handeln möglicherweise Regeln der Erfahrung und Klugheit gibt, aber keine unmittelbar handlungsanleitende wissenschaftliche Theorie. Somit bleibt professionelles Handeln ein Stück weit 'Kunst', die sich sehr wohl auf Wissen stützt, aber nicht selbst direkt methodisieren, also nach dem Muster wissenschaftlicher Arbeit ordnen lässt." 12

13 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Kasuistik  wesentlich für «Kunstlehre» Der Umgang mit Fällen wird vornehmlich in denjenigen Disziplinen gepflegt, die sich als Theorie einer bestimmten (beruflichen) Praxis verstehen. Kasuistik gilt hier als ein Instrument zur Vorbereitung auf bzw. Einübung in die entsprechende Profession. An ‚typischen‘ wie auch an ‚besonderen‘ Fällen soll gelernt werden – in der Hoffnung, dass hierdurch eine doppelte Transferleistung initiiert wird: Zum einen die Übertragung allgemeiner Ausbildungsinhalte auf eine exemplarisch ausgewählte Problemsituation des zukünftigen Berufsfeldes, zum anderen die Übertragung dieser ersten, ‚am Fall‘ geübten Übertragungskompetenz auf andere, wenn möglich: alle zukünftigen beruflichen Problemsituationen.“ Terhart (1985, S

14 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz  Regelwissen explizieren  Regelmodulation verstehen und internalisieren! „Offenbar sind Kasuistiken keine Rezepte, weil sie nicht sagen können, was man vorab tun muss, damit dieses und jenes geschieht. Vielmehr müssen sie konkret die individuellen Umstände und Prozesse benennen und die dabei zum Tragen kommenden Wissensbestände und Einschätzungen der (medizinischen, juristischen, theologischen) Experten auswählen, weil man erst hinterher sicher weiss, was geholfen hat. Genau daraus soll man lernen, was beim nächsten mal zu tun ist und wie die Regeln auch variiert werden können, damit es passt und hilft. Letzteres ist genau der Unterschied zu Rezeptwissen, das situationsunabhängig funktioniert und anzuwenden ist“ (Fischer, 2008, S. 25) 14

15 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz 15 Schlüsselsituationen - ein Ansatz für eine Kasuistik "Professionelle Arbeit wird als Gleichzeitigkeit von Theorieverstehen als Allgemeinem und Fallverstehen als Besonderem konzipiert. Beide Komponenten stehen in logischem Widerspruch zueinander und sind nicht dauerhaft miteinander in Einklang zu bringen, sondern nur situativ." Hiltrud von Spiegel, 2004, S. 56

16 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Situation - situatives Wissen im integrierenden Lernmodell (Kaiser 2005)

17 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Definition einer Schlüsselsituation 17 Situation Situationen- kreis Situation Aufgabenbereich = Schlüssel- situation

18 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Definition einer Schlüsselsituation Schlüsselsituationen der Sozialen Arbeit sind jene Situationen des professionellen Handelns, die durch Fachkräfte der Sozialen Arbeit als typisch und im professionellen Geschehen wiederkehrend beschrieben werden. Schlüsselsituationen zeichnen sich einerseits durch generalisierbare und verallgemeinerbare Merkmale aus, die für eine gelingende Professionalität als bedeutsam erachtet werden, andererseits wer- den die erlebten Situationen in ihrer spezifischen Ausprägung beschrieben. Die Anzahl solcher Situationen wie die Situationen selbst passen sich im Laufe der Zeit den sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen an. Situationen werden aus der Perspektive der Fachkraft als zeitlich nicht unterbrochener Handlungsfluss erlebt und als symbolisch strukturierter Sinnzusammenhang erfahren.

19 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Ergebnis der empirischen Erhebung: Titelsammlung 19

20 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz 20 Der Wert von Communities of Practice (Lave & Wenger, 1991, 1998)

21 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Lernen als Zugehören: Community of Practice (CoP) ( Lave & Wenger, 1991, 1998) gemeinsame Aufgabe gemeinsames Handeln gemeinsames Repertoire

22 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz 22  Situatives Aushandeln von Bedeutung  Zur fachkundigen Person werden  Identität bilden in CoP’s Grafik:ANNA BENE Anna Benecke

23 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Multimitgliedschaft: Verbindung von Perspektiven Grenzobjekte Vermittelnde Person Wissenschaft Praxis

24 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Reflexionsmodell: “Grenzobjekte erarbeiten” 1.Titel der Schlüsselsituation 2.Situationsmerkmale 3.Situationsbeschreibung 4.reflection-in-action in den Handlungssequenzen 5.Ressourcen 6.Qualitätsstandards 7.Reflexion anhand der Qualitätsstandards 8.Handlungsalternativen

25 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Diskursmodell - Wir bauen ein Netzwerk Schlüsselsituationen mit thematischen Communities of Practice auf! 25 Projekt #Schlüsselsituationen, ein Forschungsprojekt des Programms «BREF – Brückenschläge mit Erfolg» von KFH und Gebert Rüf Stiftung, mitfinanziert von der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW

26 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz 26 „Die kasuistische Aufgabe ist demnach nicht nur, einen Fall zu verstehen, sondern, mehr noch und zuerst, die Art seines immer schon verstanden Seins zu verstehen und dieses überprüfbar zu machen.“ Müller (2008, S. 395) Grafik:ANNA BENE Anna Benecke Teil II: Erarbeitung einer exemplarischen Schlüsselsituation

27 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Relationierung im Modell Schlüsselsituationen theoretische Grundlagen Reflection on Reflection in Action (Schön 1987) Integrierendes Lernmodell (Kaiser 2005) Novizen und Experten (Dreyfus & Dreyfus 1987) Situated learning in CoPs (Lave & Wenger 1991) Soziale Theorie des Lernens (Wenger 1998)

28 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz AllgemeinesBesonderes Die Relationierung von Theorie und Praxis beim Reflexionsmodell Schlüsselsituationen Situationsbeschreibung konkret, spezifischer Kontext 2 3 Setzen des Titels Der Titel setzt nun den Fokus und bestimmt, unter welche Schlüsselsituation die spezifische Situation klassifiziert werden kann. 1 Rekonstruktion der «reflection in action» was ging mit bei der Handlung durch Kopf und Bauch?

29 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Professionelle werden durch die «Reflection in Action» zu Forschenden im Praxiskontext, indem sie eine neue Theorie passend zur einmaligen Situation generieren. Dabei unterscheiden Professionelle nicht zwischen ihrem Denken und Handeln, sondern tun beides gleichzeitig im Handlungsfluss. «Reflection in Action» kann in diesem Sinne als eine Konversation mit der Situation verstanden werden. Reflection in Action nach Schön (1983, 1987) 29

30 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz «Reflection on Action» Im Nachhinein kann die Handlung selber Gegenstand der Reflexion werden. Diese wird einerseits beschrieben und andererseits bewertet. Das Beispiel zeigt den Baron von Münchhausen nun wieder im Trockenen, wie er über seine Handlung nachdenkt und sich wundert, warum er sich nicht selber aus dem Sumpf hat ziehen können. 30

31 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz «Reflection on Refection in Action» Die «Reflection in Action» kann im Nachhinein herausgearbeitet und so dem Bewusstsein zugänglich gemacht werden. Durch diese Rekonstruktion der «Reflection in Action» können (imlizites und explizites) Wissen, Emotionen, Befindlichkeiten und Handlungsheuristiken sichtbar gemacht werden, welche in der Situation handlungsleitend waren. 31

32 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Allgemeines Besonderes Prüfen der Situationsmerkmale Treffen die Situationsmerkmale der Schlüsselsituation auf die spezifische Situation zu? Müssen sie noch besser formuliert werden? 4 Ressourcen erschliessen Welches allgemeine Wissen hilft, diese Situation professionell zu gestalten? Ressourcen Wie hilft das allgemeine Wissen, die konkrete Situation zu gestalten? 5

33 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz 5.Ressourcen: Hier erarbeiten Sie, welche Ressourcen für die Gestaltung der Situation hilfreich sind: Wissensbestände, Erfahrungen, Fähigkeiten, organisationale, zeitliche, materielle Voraussetzungen. Erklärungswissen Warum handeln die Personen in der Situation so? Erklärungen zu sozialen Problemen, Verhalten, Prozessen, … Interventionswissen Wie kann man als professionelle Fachperson handeln? Methoden, Verfahren, Planungshilfen, … Erfahrungswissen Woran erinnert man sich, was kennt man aus ähnlichen Situationen? Eigene Erfahrungen wie auch Erfahrungen von Mitarbeitenden Organisations- und Kontextwissen Welche Rahmenbedingungen beeinflussen das eigene Handeln? Auftrag der Organisation, sozialpolitische Zusammenhänge, rechtliche Grundlagen, … Fähigkeiten Was muss man als professionelle Fachperson können? Empathisch sein, wahrnehmen, kommunizieren, kooperieren, Prozesse gestalten, (sich selbst) reflektieren u.a.m. … Organisationale, infrastrukturelle, zeitliche, materielle Voraussetzungen Womit kann ich handeln? Materielle, zeitliche Möglichkeiten, infrastrukturelle Gegebenheiten, organisationale Setzungen, … Wertewissen Worauf hin richte ich mein Handeln aus? Welches sind die zentralen Werte in dieser Situation, die man als handelnde Fachperson berücksichtigen will? Haltung, Berufskodex, Menschenbild, …

34 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz AllgemeinesBesonderes Qualitätsmerkmale bestimmen Welche Qualitätsmerkmale müssen erreicht werden, um die Situationsgestaltung als professionell gelungen zu bezeichnen? 6 Reflexion der Situationsbeschreibung Sind bei der beschriebenen spezifischen Situation die Qualitätsmerkmale eingehalten worden? Entwicklung von Handlungsalternativen Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse: wie müsste die Situation anders gestaltet werden? 7 8

35 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Allgemeines Besonderes Situationsbeschreibung konkret, spezifischer Kontext Rekonstruktion der «reflection in action» was ging mit bei der Handlung durch Kopf und Bauch? Setzen des Titels Der Titel setzt nun den Fokus und bestimmt, unter welche Schlüsselsituation die spezifische Situation klassifiziert werden kann. Prüfen der Situationsmerkmale Treffen die Situationsmerkmale der Schlüsselsituation auf die spezifische Situation zu? Müssen sie noch besser formuliert werden? Ressourcen erschliessen Welches allgemeine Wissen hilft, diese Situation professionell zu gestalten? Ressourcen Wie hilft das allgemeine Wissen, die konkrete Situation zu gestalten? 5 Qualitätsmerkmale bestimmen Welche Qualitätsmerkmale müssen erreicht werden, um die Situationsgestaltung als professionell gelungen zu bezeichnen? 6 Reflexion der Situationsbeschreibung Sind bei der beschriebenen spezifischen Situation die Qualitätsmerkmale eingehalten worden? Entwicklung von Handlungsalternativen Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse: wie könnte/müsste die Situation anders gestaltet werden? 7 8

36 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz 36 „Man muss der Praxis eine Logik zuerkennen, die anders ist als die Logik der Logik, damit man der Praxis nicht mehr Logik abverlangt, als sie zu bieten hat.“ Bourdieu, 1993, S. 157 Wirkung?

37 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Novizentum und Expertentum (Dreyfus & Dreyfus 1987) Zusammenspiel von zwei gegenläufigen Lernprozessen: Internalisieren  Externalisieren  Erfahrung  Reflexion „… unbegriffene Theorie in der Ausbildung und begriffslose Praxis im Berufsfeld bilden eine duale Einheit“ Homfeldt (2004, S. 337) 37

38 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz "Schluss mit verschlüsselten Situationen - schliessen wir uns online kurz zum Diskurs!" 38

39 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Teil 3: Umsetzung im eigenen Kontext Ideen zur Umsetzung: 1.Blended Learning in 5 Sequenzen im Semester 2.2-Tages Workshop 3.Ideen zu einzelnen Prozesschritten 39

40 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Blended Learning in 5 Sequenzen im Kasuistikmodul an der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW 5 Präsenzveranstaltungen à 3 Lektionen: Einführung der Prozessschritte jeweils an einem Situationsbeispiel von Studierenden Ergebnisse der Reflexion werden auf Plattform dokumentiert Dozierende kommentieren zwischen den Präsenzveranstaltungen auf der Plattform Studierende bilden zu Dritt eine CoP

41 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Zweitägiger Workshop mit Praxisausbildenden an der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW

42 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Schlüsselsituationen zur Kompetenzentwicklung in der Praxisausbildung an der HSA FHNW Einzelne Reflexionsschritte für Analyse nutzen Schlüsselsituationen als Lernsituationen für den Kompetenzaufbau nutzen (Operationalisierung) Plattform als Wissensressource nutzen, um wissens- und wertebasiert zu planen & zu reflektieren (im Selbststudium, im Praxisgespräch, an der Teamsitzung (Qualitätscheck) 42

43 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Modell Schlüsselsituationen in anderen Hochschulkontexten nutzen 1.In den Theorie-Praxis-Seminaren, welche häufig fachspezifisch sind, das Allgemeine (feldübergreifende) der Sozialen Arbeit exemplarisch anhand von (Schlüssel-) Situationen herausarbeiten. 2.Wenn Studierende in den Theorie-Praxis-Seminaren aus heterogenen Praxisfeldern kommen, kann mit dem Reflexionsmodell übergreifend gearbeitet werden, je nachdem sogar studiengangsübergreifend. 3.Bestehende Gefässe nutzen und darin Elemente des Reflexionsmodells einbauen, z.B. für Wissensarten sensibilisieren, Qualitätskriterien erarbeiten, Handlungsalternativen entwickeln, Plattform als Wissensressource nutzen. 4.In der Lehre die Bedeutung des Wissens situativ, anhand von Schlüsselsituationen aushandeln (Verknüpfung verschiedener Wissenselemente und diese mit Handeln). 5.Erarbeiten einer Schlüsselsituation als Reflexionsauftrag für Studierende im Ausland-Praxissemester nutzen, Website und Plattform als Wissensquellen und für Austausch nutzen. 6.Reflexionsmodell zur Strukturierung des Praxisberichtes nutzen.

44 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Beispiel Fallwerkstatt

45 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Modell Schlüsselsituationen in anderen Praxiskontexten nutzen 1.Ideen aus dem Modell für PraxisanleiterInnengespräch nutzen, z.B. Reflection-in-Action herausarbeiten, ähnliche Situationen miteinander verknüpfen, durch das Beschreiben von Situationen Fachsprache entwickeln etc. (siehe konkrete Ideen im Buch/auf Folien zu den einzelnen Reflexionselementen). 2.Kompetenzen anhand von bestimmten, konkreten Lernsituationen aufbauen. Dazu beschriebene Beispiele von Schlüsselsituationen aus der Plattform nutzen oder auch nur die Titelsammlung. 3.Arbeitsfeldspezifische Vor- und Nachbereitung nach Elementen aus Reflexionsmodell strukturieren.

46 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Und wichtig ist folgende Grundhaltung 1.Politik der kleinen Schritte- just do it, einfach beginnen. 2.JedeR ist Experte für die eigene Lehre und kann das Modell selbst auf den Kontext anpassen. Material ist genügend vorhanden, das frei für den eigenen Gebrauch abgeändert werden kann. 3.Wissen teilen vermehrt es: open space auf website/plattform 4.Kooperation in Communities of practice fördert durch das «Erfahren von Bedeutung» Fachlichkeit, Zugehörigkeit und damit die eigene professionelle Identität. 5.Wir sind alles Lernende. Wenn wir mit dieser Grundhaltung in die Lehre gehen, dann kann bei der Nutzung des Reflexionsmodells nviel gewonnen. Denn der Prozess ist genauso wichtig, wenn nicht wichtiger, wie das Ergebnis. Wir können für die Studierenden Modell sein, wie wir lernen und sie dabei in die Regelmodulation einführen. Das ist der Wesenskern der Kasuistik.

47 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz Diverse weitere Ideen zur didaktischen Nutzung in Hochschule und Praxis zu den einzelnen Prozessschritten 47 Situationstitel Für erlebte Situationen können verschiedene Titel gesucht werden. Dabei erfährt man, wie sich die Perspektive auf die Situation und deren Betrachtung verändert (vgl. dazu die Beispiele in Kapitel 6.1) Ziel: Verständnis entwickeln, wie der Fall zum Fall wird. Lernprozess: verstehen und assoziieren. Neue Situationen finden, welche noch nicht auf der Plattform veröffentlicht sind. Für die Plattform eine neue Schlüsselsituation verfassen. Ziel: eigene Praxis mit beschriebener Praxis vergleichen können; Gemein- sames und Unterschiedliches entdecken. Lernprozess: beschreiben, extensionalisieren, prozeduralisieren, durcharbeiten

48 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz 48 Situationstitel Die Titelsammlung der Schlüsselsituationen 10 durchgehen und für sich selbst er- kennen, welche Situationen einem bekannt sind, welche nicht. Dies kann auch im Team geschehen, im Sinne einer Aufgabenbeschreibung seiner Tätigkeiten, was zum Beispiel für die Erstellung von Pflichtenheften interessant sein könnte. Ziel: sich einen Überblick über das Berufsfeld der Sozialen Arbeit verschaffen, Ver- ständnis für die Vielfalt erhalten, Themenbereiche und Arbeitsfelder erkennen; sich bewusst werden, welche Situationsgestaltungen noch zu erlernen sind (Kom- petenzaufbau) und wo die eigenen Interessen oder Stärken und Schwächen liegen; Häufigkeit der Situationen, die man selbst erlebt und gestaltet hat, feststellen. Lernprozess: extensionalisieren, prozeduralisieren, durcharbeiten.

49 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz 49 Situationsmerkmale Erlebte Situationen, die im eigenen Praxisfeld relevant sind, sammeln, ähnliche zusammenfassen und die gemeinsamen Merkmale definieren. Ziel: Verständnis entwickeln, wie aus eigener Praxis theoretische Abstrahierungen abzuleiten sind; erkennen, dass jede Generalisierung relativ ist. Lernprozess: beschreiben. Eigene erlebte Situationen anhand der Merkmale einer bestehenden Schlüsselsi- tuation zuordnen. Ziel: das Wiederkehrende, Generalisierbare von Situationen erfassen lernen; sich unter Fachleuten verständigen können. Lernprozess: beschreiben, verstehen, partizipieren.

50 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz 50 Situationsbeschreibung Sich gegenseitig Erlebtes erzählen und an ähnliche Situationen erinnern. 1.Ziel: situatives Gedächtnis aufbauen und erweitern, Verbindungen zwischen erlebten Situationen verknüpfen und sich dessen bewusst werden. 2.Lernprozess: assoziieren, Bedeutung aushandeln, reifizieren und partizipieren. Eine erlebte Situation unter einem neuen Fokus selbst beschreiben. Zum Beispiel kann die Situation aus der Perspektive des Klienten beschrieben werden, oderman beschreibt, wie eine Sozialarbeiterin sie nach dem lebensweltorientierten Ansatz professionell gestalten würde. Ziel: entdecken, wie die Perspektive und das theoretische Verständnis den Fall verändert; eigene Fachsprache entwickeln. Lernprozess: beschreiben und extensionalisieren.

51 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz 51 Reflection in Action in den Handlungssequenzen Bei einer konkreten Situation, die das Team bzw. die Mitarbeitenden aktuell be- schäftigt, den Leitfragen nachgehen: Was habe ich während einer Situation gefühlt? Welche Gedanken gingen mir durch den Kopf? Vielleicht auch eine Se- quenz nachspielen, zumindest aber gedanklich nochmals konkret durchgehen und sich erinnern. Ziel: sich der unbewussten Prozesse während des Handelns bewusst werden; die inneren Beweggründe erkennen; eigene Wahrnehmung differenzieren. Lernprozess: implizites Wissen externalisieren, beschreiben, assimilatives, ak- komodatives oder sogar transformatives Lernen.

52 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz 52 Ressourcen Bei der Planung einer Handlung bewusst auf Ressourcen zurückgreifen. Dazu vorhandene Ressourcen aktivieren wie auch neue recherchieren und aufbauen. Die Wissensteile miteinander verknüpfen und auf die Handlung beziehen. Ziel: Relationierung der verschiedenen Wissensarten im konkreten Handeln. Lernprozess: extensionalisieren, prozeduralisieren, beschreiben, durcharbeiten, Bedeutung von Wissen für konkrete Situationen aushandeln. Aus einer bestimmten Theorie konkrete Handlungsmaximen ableiten, die in der vorliegenden Situation interessant sein könnten. Ziel: die Grundsätze einer Theorie verstehen und für das eigenen Handeln nutzbar machen. Lernprozess: prozeduralisieren, extensionalisieren.

53 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz 53 Ressourcen Zusammen mit anderen in einem Brainstorming das Wissen, das in einer Situation hilfreich sein könnte, sammeln und den verschiedenen Wissensarten zuordnen. Ziel: Wissen aktivieren, Verständnis für verschiedene Wissensarten entwickeln und merken, wozu sie nützlich sind. Lernprozess: verstehen, durcharbeiten, explizieren. Wissensressourcen recherchieren: auf der Plattform ähnliche Situationen suchen und die dortigen Beschreibungen der Ressourcen lesen. Ziel: Wissen aufbauen, ergänzen, vernetzen. Lernprozess: durcharbeiten, assoziieren, Bedeutung erfahren.

54 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz 54 Qualitätsstandards Die wesentlichen Werte, die in einer Situation zum Tragen kommen, herausar- beiten und die eigene Haltung zu diesen Werten diskutieren. Ziel: sich Werte und deren persönlicher wie professioneller Bedeutung be- wusst werden. Lernprozess: beschreiben, extensionalisieren, Bedeutung aushandeln, Lernen als Werden.

55 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz 55 Reflexion anhand der Qualitätsstandards Sich hinsichtlich der Erreichung von vorher definierten Qualitätszielen in einer Handlungssituation beobachten lassen und dazu einen Auftrag erteilen. Die Be- obachtung wird dokumentiert und anschließend gemeinsam reflektiert. Ziel: dokumentengestützte Reflexion, erbetenes Feedback, Entwicklung der eigenen Professionalität. Lernprozess: assoziieren, beschreiben, extensionalisieren, prozeduralisieren, einüben, Bedeutung aushandeln.

56 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz 56 Entwicklung von Handlungsalternativen Sich kritisch damit auseinandersetzen, wie Kollegen und Kolleginnen in ähnli- chen Situationen handeln. Dazu andere beobachten oder auf der Plattform Be- schreibungen lesen. Gemeinsamkeiten und Unterschiede diskutieren. Ziel: eigenen professionellen Standpunkt entwickeln, Repertoire an Hand- lungsstrategien erweitern. Lernprozess: Erfahrungen sammeln, assoziieren, beschreiben, verstehen, parti- zipieren und reifizieren, Lernen als Werden, Identität entwickeln.

57 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz 57 Und noch mehr Ideen zur Nutzung von Schlüsselsituationen Auf der Plattform am Diskurs über Schlüsselsituationen teilnehmen. Situationen kommentieren, ergänzen, verbessern, erweitern, neu schreiben. Dazu kann man sich mit anderen zusammenschließen und orts- und zeitungebunden eine Dis- kussion über eine Situation führen. Ziel: eigene Fachlichkeit im Austausch mit Kollegen oder Kolleginnen weiter- entwickeln. Lernprozess: Lernen als Werden, Bedeutung aushandeln. Situationen als Lernsituationen für den Kompetenzaufbau nutzen. Welche Kom- petenz ist zu entwickeln? Anhand welcher Situation kann das gelernt werden? 11 Ziel: Kompetenzerwerb operationalisieren. Lernprozess: Lernen als Werden, Identitätsentwicklung.

58 Einführung ins Modell Schlüsselsituationen, Universität Luxembourg, 5. Februar 2015, Regula Kunz 58 Und noch mehr Ideen zur Nutzung von Schlüsselsituationen Plattform als Nachschlagewerk nutzen, um wissens- und wertebasiert zu planen, zu reflektieren, zu handeln. Dies kann im Selbststudium geschehen oder im Aus- tausch im Praxisgespräch oder an einer Teamsitzung. Ziel: neue Ideen finden, neues Wissen aufbauen, bisheriges Wissen verknüpfen, eigenes Handeln mit andern vergleichen (Qualitätscheck). Lernprozess: kumulatives, assimilatives, akkomodatives Lernen, durchar- beiten, extensionalisieren, partizipieren und reifizieren. Man kann den Reflexionsprozess aber auch auf andere Funktionen und Auf- gaben beziehen und solche Situationen reflektieren. Für Praxisausbildende z. B. kommt das Gespräch, welches sie regelmäßig mit ihren Studierenden führen, einer Schlüsselsituation gleich.


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