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Landesausbau und Dorfgemeinden Helga Schultz. 18.05.20142 Schwerpunkte 1. Grundherrschaft und Fronhofsystem 2. Die agrartechnische Revolution des hohen.

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1 Landesausbau und Dorfgemeinden Helga Schultz

2 18.05.20142 Schwerpunkte 1. Grundherrschaft und Fronhofsystem 2. Die agrartechnische Revolution des hohen Mittelalters 3. Landesausbau 4. Landgemeinde 5. Ostkolonisation

3 18.05.20143 1. Grundherrschaft und Fronhofsystem

4 18.05.20144 Grundherrschaft Das Verhältnis zwischen Herren (Adel, Kirche) und Bauern beruht auf der Grundherrschaft. Sie entstand als Synthese römischer und germanischer Elemente: Spätantikes Bodeneigentum und germanische Herrschaft über Personen. Die ursprüngliche Freiheit der Bauern, die eine ältere Forschung (Friedrich Engels) in der Markgenossenschaft sah, hat es offenbar nicht gegeben.

5 18.05.20145 Nicht Sklaverei – Nicht Freiheit Die Grundherrschaft setzt sich aus mehreren Herrenrechten zusammen, die alle zu Leistungsverpflichtungen der Bauern führen: Leibherrschaft: die persönliche Leibeigenschaft und Untertänigkeit der Bauern; Grundherrschaft im engeren Sinne: der Boden ist Eigentum des Herrn und wird dem Bauern zur Bewirtschaftung nur in Besitz gegeben; Gerichtsherrschaft: aus königlichen Rechten abgleitet und delegiert. Die Grundherrschaft bedeutete zivilisatorischen Fortschritt bei institutionalisierter Verknechtung der Bauern.

6 18.05.20146 Grundherrschaft im Frühmittelalter Im Frühmittelalter (8. bis 11. Jahrhundert) bildete sich das Fronhofsystem, das sich im ganzen Karolingerreich ausbreitete. Königliche Pfalzen, Klöster, Bischofs- und Adelsburgen sind Zentren von Fronhofssystemen. Dort entfaltet sich wieder Handwerk; höfisches Leben; Macht; Kultur.

7 18.05.20147 Fronhofsystem Der Fronhof besteht aus Burghof mit Wirtschaftsgebäuden und zugeordneten Bauernwirtschaften. Dort wird das winzige Mehrprodukt unter Leitung eines Meiers oder Vogtes in Fronarbeit erzeugt, gesammelt und verbraucht. Streubesitz mit Neben- und Oberhöfen ist üblich. e

8 18.05.20148 2. Die agrartechnische Revolution des hohen Mittelalters

9 18.05.20149 Geringe Erträge im Frühmittelalter Extensive Feldgraswirtschaft (Wechsel von Getreidebau und Brache) bringt nur das Dreifache der Aussaat. Das Vieh ernährt sich dürftig auf Waldweide und Brache und bleibt klein. Die Bevölkerung erreicht daher wenig mehr als zwei Einw./km².

10 18.05.201410 Innovation Dreifelderwirtschaft Die Dreifelderwirtschaft löst die wilde Feld- Graswirtschaft ab. Der Wechsel von Sommergetreide (Hafer, Gerste) Wintergetreide (Roggen, Dinkel) und Brache erweitert die Anbaufläche. Der Erschöpfung des Bodens ohne Düngung wird vorgebeugt. Geregelte Viehweide.

11 18.05.201411 Das europäische Feldsystem der vorindustriellen Zeit Quelle: Hartmut Boockmann: Stauferzeit und spätes Mittelalter. Deutschland 1125-1517, Berlin 1987, S. 17. Die Durchsetzung der Dreifelderwirtschaft ist nur durch die Organisation der Feldarbeit im Fronhofssystem möglich.

12 18.05.201412 Innovation Räderpflug, eiserne Schar und Kummet-Anschirrung Der Bodenwendepflug mit Radvorgestell ersetzt den einfachen Hakenpflug. Pferdeanschirrung mit Kummet ersetzt das schwächere Ochsengespann. So kann tiefer gepflügt werden; schwere Böden können bearbeitet werden.

13 18.05.201413 Langsamer Fortschritt von Westen nach Osten: Räderpflug an der Atlantikküste Ostflandern-Hainaut um 1275, aus: Siegfried Epperlein: Der Bauer im Bild des Mittelalters, Leipzig u. a. 1975, Tafel 15.

14 18.05.201414 Östlich der Elbe: hölzerner Hakenpflug mit Ochsenanspannung Bis in das 19. Jahrhundert bleibt östlich der Elbe der Hakenpflug mit Ochsenanspannung im Gebrauch, später verstärkt durch eiserne Spitze.

15 18.05.201415 Innovation Wassermühle Das oberschlächtige Wasserrad ermöglicht auch schwache Gefälle von Flüssen und Bächen zu nutzen. Mühlen finden nicht nur im Gewerbe, sondern auch in der Getreideverarbeitung allgemeine Verbreitung. Die Mehlproduktion steigt sprunghaft, Brot löst die Getreidebreie zunehmend ab.

16 18.05.201416 Wachstum Die Produktivität wächst auf das Vierfache der Aussaat. Die Bevölkerung wächst im südlichen, westlichen und mittleren Europa bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts auf mehr als 10 Einw./km². http://www.uni- tuebingen.de/mittelalter/personen/widder/ws9900/diagramm.htm

17 18.05.201417 3. Landesausbau

18 18.05.201418 Kulturlandschaft entsteht Neue Kulturflächen in Gebirgen, an Küsten und Flüssen und in anderen Randlagen werden erschlossen. Im hohen Mittelalter werden die deutschen Mittelgebirge besiedelt. Die geschlossenen Urwälder lichten sich, die Siedlungsinseln wachsen zusammen. Der Landesausbau gipfelt in der mittelalterlichen Urbanisierung.

19 18.05.201419 Dorfgründung mit Lokator Sachsenspiegel, Heidelberger Handschrift:

20 18.05.201420 Verdorfung Wachsende Siedlungsdichte führt zur Verdorfung. Rode-Dörfer und Hagen-Dörfer entstehen als Straßendörfer, Angerdörfer, Waldhufendörfer. Angerdorf mit Kirche, Dorfteich, Wirtshaus/Backhaus und Schmiede im Zentrum und umgebender Blockgewannflur.

21 18.05.201421 Bevölkerungsdichte und Wanderungsdruck

22 18.05.201422 4. Bauernrecht und Landgemeinde

23 18.05.201423 Stadtluft macht frei Die Bauern können in Städte und Rodungsgebiete abziehen: Stadtluft macht frei nach Jahr und Tag. Das alte Fronhofsystem löst sich auf. Die nahe Stadt im Flämischen Kalender des Simon Bening. Aus: S. Epperlein, 1975, Tafel 45.

24 18.05.201424 Sachsenspiegel Gott schuf alle Menschen gleich... Sachsenspiegel, Heidelberger Handschrift: Landrecht III, 42, §4. http://www.sachsenspiegel-online.de/cms/

25 18.05.201425 Bessere Bauernrechte In den Rodungsgebieten bildet sich eine erleichterte Grundherrschaft heraus: Erbliche Rechte der Bauern am Hof; Abgaben und Zinszahlungen statt Frondiensten; Bloße Gerichtsherrschaft Die alte Leibeigenschaft weicht einer milderen Hörigkeit.

26 18.05.201426 Zins statt Fron Zinszahlung. Sachsenspiegel, Heidelberger Handschrift: Landrecht II, 59, §2, aus: S. Epperlein, 1975, Tafel 26.

27 18.05.201427 Landgemeinde – Enstehung Die Landgemeinde ist eine Errungenschaft des hohen Mittelalters. Sie entsprang nicht unmittelbar der germanischen Markgenossenschaft (F. Engels), nimmt aber wohl germanische Institutionen (Thing/Ding) auf. Voraussetzungen waren Auflösung der Fronhofverfassung Verdorfung Bessere Bauernrechte

28 18.05.201428 Landgemeinde - Funktion Die Landgemeinde regelt gemeinschaftlichen Ackerbau in der Dreifelderwirtschaft (Flurzwang) und die Nutzung der Allmende. In Streitfällen wird in der Versammlung aller Vollmitglieder Recht gesprochen (Weistümer). Funktionäre werden ernannt: Bauermeister (Schulzen), Hirten, Müller und Schmiede).

29 18.05.201429 Pflug, Mühle und Kirche als Zentrum der Gemeinde unter dem Schutz des Landfriedens Sachsenspiegel, Heidelberger Handschrift: Landrecht II, 66, §1.

30 18.05.201430 5. Ostkolonisation

31 18.05.201431 Kreuz und Schwert Mit dem Wendenkreuzzug von 1147 setzt die erneute Eroberung der elbslawischen Siedlungsgebiete ein. Die Eroberung endet mit Christianisierung und Eingliederung in das Reich. In Mecklenburg und Pommern bleibt die Herrschaft in der Hand der slawischen Dynastien. Siegel von Albrecht dem Bären, Begründer der askanischen Herrschaft in Brandenburg.

32 18.05.201432 Zug nach Osten Nutznießer war nun nicht das Reich, sondern Fürsten und Herzöge: der Welfe Heinrich der Löwe und der Askanier Albrecht der Bär. Das Fundament dieser Territorialfürstentümer war massenhafte städtische und bäuerliche Siedlung (Kolonisation). Auch die polnischen, böhmischen und schlesischen Fürsten nutzen Siedler aus dem Westen planmäßig für den Landesausbau.

33 18.05.201433 Deutsche Ostsiedlung Bäuerliche Siedlung: rote Flächen und Schraffuren. Stadtrechte: Lübecker: grün; Magdeburger: gelb; Wiener: weiß. W. Wagner: Neuer Großer Bildatlas der deutschen Geschichte, Gütersloh 1999.

34 18.05.201434 Deutsch-slawische Ethnogenese Die deutschen Neustämme bilden sich heraus: Mecklenburger, Pommern, Brandenburger, Obersachsen, Schlesier. Die ansässige slawische Bevölkerung wird binnen weniger Generationen assimiliert durch Nachbarschaft und Christianisierung. Nur die Sorben bewahren sich in Ober-und Niederlausitz ein Rückzugsgebiet von Sprache und Kultur.

35 18.05.201435 Siedlung oder Expansion Die alte Kontroverse um Ostkolonisation (als deutsche Kulturtat) oder Ostexpansion (als deutscher Drang nach Osten) löst sich auf, wenn man das Geschehen im europäischen Rahmen sieht. Seit den Kriegen Karls des Großen gegen die Sachsen ist die antik-römische Kultur durch Eroberung und Christianisierung weiter nach Norden und Osten getragen worden.

36 18.05.201436 Deutsches Recht - nicht deutsche Siedlung Die Ostsiedlung des 12. bis 14. Jahrhunderts trägt die Innovationen des hochmittelalterlichen Landesausbaus in die Siedlungsgebiete der slawischen Völker hinein. In der Verschmelzung und Gemeinsamkeit wird die Siedlung nach Deutschem Recht entwickelt, die weiter nach Osten von slawischen Siedlern getragen wird.

37 18.05.201437 Zusammenfassung Im Übergang zum hohen Mittelalter wurden durch Innovationen (Bodenwendepflug, Kummet, Wassermühle, Dreifelderwirtschaft) deutliche Ertragssteigerungen erreicht. Bevölkerungswachstum, Landesausbau und Stadtkultur wurden möglich. Das Fronhofssystem löste sich auf. Die Bauern erlangten größere Freiheiten und bildeten die Landgemeinde aus. Im Zuge der Ostkolonisation breiteten sich diese Fortschritte weit nach Osteuropa hinein aus.


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