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Geschichte und Zukunft der Arbeit Andrea Komlosy Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte Friedrich Ebert Stiftung Prag, 9.10.2015.

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Präsentation zum Thema: "Geschichte und Zukunft der Arbeit Andrea Komlosy Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte Friedrich Ebert Stiftung Prag, 9.10.2015."—  Präsentation transkript:

1 Geschichte und Zukunft der Arbeit Andrea Komlosy Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte Friedrich Ebert Stiftung Prag,

2 Arbeit für den Verkauf des Produkts/der Arbeitskraft am Markt (kommodifiziert) Arbeit für Subsistenz (direkte Versorgung, ohne Vermittlung von Geld) (reziprok) Arbeit für ein Kollektiv/Gemeinschaft (mit und ohne Remunerierung) (reziprok) Arbeit für Tribut an eine politische Oberherrschaft/Staatswesen (Adel, Steuerstaat) (tributär) -> Ein breiter, inklusiver Arbeitbegriff Alle Formen der Tätigkeit.... untergliedert nach dem Bezugsrahmen/Empfänger

3 Sprachfeld Arbeit – Werk / labour – work Arbeit, labour (latein. labor): –Mühevolle, schwere Arbeit –Lohnarbeit, entfremdete Arbeit –Arbeit des klassenbewussten Proletariers Werk, work (latein. opus): –Handwerkliche, kreative Arbeit, Werken, Schaffen –Autonome Tätigkeit (im Gegensatz zu entfremdeter) Im Deutschen geht der Begriff Werk in der Neuzeit häufig im Begriff Arbeit auf; dem entspricht die Einebnung der Spannung zwischen kreativem Schaffen und mühevoller Arbeit. Im Englischen bleibt die Unterscheidung zwischen labour und work bestehen.

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5 Arbeitsbegriff historisch: Eurozentrische Erzählung Antike –Geringschätzung/Verachtung Arbeitsfreie Praxis Christliches Mittelalter –Leid und Mühe als Tugend (ora et labora) Berufsidentität des Handwerks Muße als Zeit der Besinnung Merkantilismus/Kapitalismus –Einebnung der Spannung zwischen Leid – Kreativität – Muße zugunsten von Nützlichkeit, Reichtum, Glückseligkeit Aus der Kritik am Industriekapitalismus heraus –Reaktivierung der Spannung zwischen Mühe – Kreativität: Übersetzung als Gegensatz von Entfremdung und Verwirklichung durch Hegel, Marx und Sozialisten

6 Das Verschwinden der reziproken Arbeit aus der Geschichte der Arbeit Familienwirtschaftlicher Haushalt als Lebens- und Arbeitsgemeinschaft: Ungeteiltes Einkommen aus kommodifizierter und reziproker Arbeit; geschlechts- und altersspezifische Ergänzung der Kräfte im Lebenszyklus. Mit der Trennung von Arbeitsort und Wohnort verschwindet Haus- und Subsistenzarbeit aus der Wahrnehmung als Arbeit; sie wird zur natürlichen Bestimmung der Frau; Übertragung der „Hausfrauisierung“ auf alle unbezahlt Arbeitenden. Wissenschaftlich-technische Revolution befördert die Beherrschung der Natur und die Befreiung von mühevoller Arbeit durch Maschinen: Sorge- und Subsistenzarbeit spielen weder in den Konzepten zur Emanzipation von schwerer Arbeit/Ausbeutung/ noch zur Verwirklichung durch Arbeit keine Rolle.

7 Feministische Befunde Arbeit = Erwerbsarbeit entspricht einem männlich-proletarischen Selbstverständnis; Hausfrauenarbeit wird unsichtbar gemacht, entwertet („wertlos“). Ausschluss der unbezahlten Arbeit aus der Wertschöpfung/aus der Ausbeutung: Voraussetzung für Entwertung und Aneignung Die Entwertung der unbezahlten Frauenarbeit bietet den Schlüssel zur Benachteiligung von Frauen in der Erwerbsarbeitswelt (Dazuverdienen): sexualisierte Grenze Konsequente Betrachtung der von Frauen geleisteten Arbeit erfordert den Einschluss aller Arbeitsformen: im Haushalt, im Unternehmen; familiäre, lebenszyklische und betriebliche Kombinationen; räumliche Kombinationen und Varianten. Historisierung kann den Blick erweitern z.B. Grimms Wörterbuch:„die frau liegt in arbeit, in kindsnöthen: ein fraw, die in kindsarbeit ligt“; „schwangere weiber, wenn sie zur geburt arbeiten“. Wahrnehmung der Gleichzeitigkeit

8 Globale Befunde Reduktion von Arbeit auf Erwerbsarbeit geht an der Realität des größten Teils der Weltbevölkerung vorbei: –Keine Tendenz zur Verallgemeinerung der Erwerbsarbeit: es überwiegen unregelmäßige, ungesicherte Beschäftigungs- verhältnisse; familiäre Kombi-Strategien; –Erwerbsarbeit bringt zu wenig Einkommen und keine soziale Sicherheit, kein Überleben ohne Selbstversorgung. Anthropologische Befunde –Indigene Völker operieren mit konkreten Bezeichnungen für jede Tätigkeit, kein allgemeiner Arbeitsbegriff –Allgemeiner Arbeitsbegriff = Erwerbsarbeit wird erst im kolonialen Kontext eingeführt; dabei Reziprokes dequalifiziert. –Dies legitimiert den kolonialen Eingriff als „zivilisatorische“ Maßnahme.

9 Sprachfeld Arbeit – Werk / labour – work Arbeit, labour (latein. labor): –Mühevolle, schwere Arbeit –Lohnarbeit, entfremdete Arbeit –Arbeit des klassenbewussten Proletariers Werk, work (latein. opus): –Handwerkliche, kreative Arbeit, Werken, Schaffen –Autonome Tätigkeit (im Gegensatz zu entfremdeter) Im Deutschen geht der Begriff Werk in der Neuzeit häufig im Begriff Arbeit auf; dem entspricht die Einebnung der Spannung zwischen kreativem Schaffen und mühevoller Arbeit.

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13 Trennen UND Kombinieren unterschiedlicher Arbeitsverhältnisse vor dem Industriezeitalter Mittelalter: Stadt – Land – Verhältnis 1500 Transatlantische Expansion – Koloniale Plantagen, Bergbau mit Zwangsarbeit und Zwangsablieferung von Lebensmitteln in Lateinamerika und Karibik liefern bilige Rohstoffe und Lebensmittel für die Zentren Innereuropäisches West-Ost-Gefälle: Exportgewerbe mit freier Lohnarbeit in Westeuropa – Agrargüter mit abhängigen Bauern und Leibeigenen in Osteuropa Manufaktur- und Verlagswesen (Zentrale – Mittelsmann – Heimarbeit) setzt lokale Vorrangregeln durch Liberalisierung der Märkte außer Kraft: regionale und globale Güterketten im Textil- und Metallsektor senken Lohnkosten Anpassung der historischen Teilungen an die Anforderungen der Zeit

14 1800: Neue Formen der Kombination mit Fabrikarbeit Fabrikarbeit und Hausarbeit; Lohnarbeiter & Hausfrau –Zentralisierung der Industriearbeit in der Fabrik –Haus- und Subsistenzarbeit verlieren Arbeits-Charakter Haushalt: Erwerbskombinationen in Europa –Kombination vor Ort: Selbstversorgung der Kleinhäusler- Heimarbeiter- und Fabrikarbeiter-Haushalte –Kombination durch Ergänzungswanderung: Translokale Haushalte Fabrikarbeit und Sklavenarbeit –(Baumwoll-)Plantagensklaverei als Grundlage der freien Lohnarbeit in der (Baumwoll-)Industrie (USA Nord, W-Europa) Alte asiatische Exportgewerbe-Regionen –Verdrängung von Exportmärkten; Degradierung zu Rohstofflieferanten und Absatzmärkten für europ. Industrie

15 1900: Arbeit = regulierte, gesicherte Erwerbsarbeit Im Laufe des 19. Jh.: Übertragung der familiären Obsorge an (öffentliche) soziale Einrichtungen: Nach der extremen Ausbeutung in der Frühphase der Industrialisierung Einführung sozialer Sicherungssysteme (Arbeiterselbsthilfe, Betriebskassen, Staatl. Krankenversicherung) Regulierung, Kodifizierung, soziale Absicherung –Rechtliche Definition, Sprachregelung, statistische Erfassung –Festlegung von sozialen Ansprüchen: Einschluss als Instrument für den Ausschluss –Abgrenzung von Nicht-Arbeit Kodifizierung stimmt mit Lebenswirklichkeit nicht überein –Bezugspunkt auch für jene ohne gesicherte Erwerbsarbeit –In der Praxis Mischverhältnisse: Erwerbskombinationen mit Subsistenz, Sozialtransfer, Translokalität

16 Rückkehr der Ungesichertheit in die alten Industrieländer (FICs), Angleichung nach unten 20. Jh.: Ausweitung von Erwerbstätigkeit und kommodifizierter sozialer Versorgung im kapitalistischen und realsozialistischen Wohlfahrtsstaat Antworten auf Krise 1973 (Ende Wiederaufbauzyklus, Krise der industriellen Massenproduktion, Profitklemme) : Neue internationale Arbeitsteilung (Industrieverlagerung in Neue Billiglohn-Industrieländer (NICs) Digitale Rationalisierung; neue wissensbasierte Leitsektoren Ersetzung politischer Gestaltung durch die Logik des Marktes, repräsentiert durch internationale Vereinbarungen und Organisationen zur Durchsetzung von Freihandel, Wettbewerbsfreiheit und Austerität Transformation in Osteuropa als „window of opportunity“ zur neoliberalen Konsolidierung

17 Arbeitsmarkt-Spaltung und soziale Polarisierung Auflösung der „Klassen“ in: * Alte Arbeiterklasse, *Neue Wissensarbeiter, *Prekarisierte (Informalisierte), *Inwertgesetzte Arbeitslose, *Gastarbeiter mit Verbindung zur Herkunftsregion, *Entwurzelte Flüchtlinge Differenzierung der Haushalte nach Kaufkraft Haushalte mit starker Kaufkraft und Konsumnachfrage (Statuskonsum) Erwerbskombinationen, Mehrfachjobs: wenig Geld, wenig Zeit: Junk- Konsum (macht krank) Sich-Durch-Wursteln mit Sozialtransfers und/oder Selbstversorgung (sofern Subsistenz-Basis vorhanden) Experimente neuer Reziprozität statt Konsum (Tauschkreise; Selbstverwaltete Betriebe, Gemeinschaftsgärten...)

18 Werttransfers von den Peripherien in die Zentren Überregionale Verbindungen in EU-Europa –EU-Expansion nach Süd- und Osteuropa als Instrument zur Krisenüberwindung in Westeuropa: Wachsende Ungleichgewichte –Konkurrenz Alte Gastarbeiter Neue EU-Arbeitsmigranten Großräumige Verbindungen im Weltmaßstab –Neuordnung der Güterketten durch „globale Käufer“, –Alte Industrieländer unter Konkurrenzdruck sich konsolidierender Schwellenländer im Globalen Süden (BRICS); –Flucht und Massenmigration als Folge wirtschaftlicher Destabilisierung und militärischer Intervention durch die Hegemonialmacht USA (und NATO und regionale Verbündete) –All dies weicht alte „Errungenschaften“ der Arbeiterbewegung auf.

19 Tendenzen in der longue durée Die Tendenz zur Formalisierung und Regulierung von Erwerbsarbeit und sozialer Absicherung blieb sozial und regional auf privilegierte ArbeiterInnengruppen bzw. Leitsektoren in den Zentren der Weltwirtschaft beschränkt; zeitlich auf die Jahre ca bis Ihr steht die Informalisierung gegenüber, die im Zuge von Krisen in die Zentren zurückkehrt: rechtlich als neue „Form“, personell in Form von zu Allem bereiten Entwurzelten. Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Arbeitsverhältnisse als Voraussetzung für den (von staatlichen Eingriffen, regionalen Vorrangregeln und gewerkschaftlichen Vereinbarungen ungehinderten) Zugriff von Güterketten-Organisatoren auf Transferwert aus bezahlter und unbezahlter Arbeit.

20 Was tun? Dilemmata der alten Arbeiterbewegung und Gewerkschaften Hilflosigkeit, Machtlosigkeit, Auflösung der Mitgliederbasis Hoffnung auf Befreiung durch die große Maschinerie ist enttäuscht; Produktivitätszuwachs schafft weder mehr Einkommen noch Arbeitsplätze. Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“ (auch wenn sie nur für wenige gut war) kann diese nicht wiederbringen. Die Wiederaneignung von Mitsprache und Gestaltungsmacht Beginnt beim Sprechen: Arbeiten Sie? Wer gibt, wer nimmt? Reflexion des Arbeitsbegriffs, Einschluss aller Arbeitstätigkeit (kommodifiziert, reziprok), vor Ort und anderswo. Fortsetzung in Debatten um Umverteilung von Arbeit und Reichtum in der Gesellschaft: Mischarbeit, Grundeinkommen, Dekommodifizierung, soziales Pflichtjahr, Protektionismus... ? Mit dem Ziel der Erringung politischen Primats über soziale und wirtschaftliche Verhältnisse: Gestalten nicht den Kapitalvertretern und ihren politischen Gehilfen überlassen.

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