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Die Tschechinnen in der deutschsprachigen Literatur aus Böhmen und Mähren Beendung der Vorlesung zu Kafkas Rechtsphilosophie.

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Präsentation zum Thema: "Die Tschechinnen in der deutschsprachigen Literatur aus Böhmen und Mähren Beendung der Vorlesung zu Kafkas Rechtsphilosophie."—  Präsentation transkript:

1 Die Tschechinnen in der deutschsprachigen Literatur aus Böhmen und Mähren Beendung der Vorlesung zu Kafkas Rechtsphilosophie

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3 Rechtsphilosophie und Erkennntnisphilosophie Das Urteil ist sowohl ein juristisches wie auch ein noetisches Begriff auch der Prozess hat sowohl juristiche wie noetische und individualphilosophische Bedeutung Beziehung zur Macht ist sowohl in der juristischen Welt wie bei der Erkenntnis ausschlaggebend (Wissen ist Macht)

4 Zur Frage der Gesetze Unsere Gesetze sind nicht allgemein bekannt, sie sind Geheimnis der kleinen Adelsgruppe, welche uns beherrscht. Wir sind davon überzeugt, daß diese alten Gesetze genau eingehalten werden, aber es ist doch etwas äußerst Quälendes, nach Gesetzen beherrscht zu werden, die man nicht kennt. Ich denke hierbei nicht an die verschiedenen Auslegungsmöglichkeiten und die Nachteile, die es mit sich bringt, wenn nur einzelne und nicht das ganze Volk an der Auslegung sich beteiligen dürfen. Diese Nachteile sind vielleicht gar nicht sehr groß. Die Gesetze sind ja so alt, Jahrhunderte haben an ihrer Auslegung gearbeitet, auch diese Auslegung ist wohl schon Gesetz geworden, die möglichen Freiheiten bei der Auslegung bestehen zwar immer noch, sind aber sehr eingeschränkt. Außerdem hat offenbar der Adel keinen Grund, sich bei der Auslegung von seinem persönlichen Interesse zu unseren Ungunsten beeinflussen zu lassen, denn die Gesetze sind ja von ihrem Beginne an für den Adel festgelegt worden, der Adel steht außerhalb des Gesetzes, und gerade deshalb scheint das Gesetz sich ausschließlich in die Hände des Adels gegeben zu haben. Darin liegt natürlich Weisheit - wer zweifelt die Weisheit der alten Gesetze an? -, aber eben auch Qual für uns, wahrscheinlich ist das unumgänglich.

5 Zur Frage der Gesetze Übrigens können auch diese Scheingesetze eigentlich nur vermutet werden. Es ist eine Tradition, daß sie bestehen und dem Adel als Geheimnis anvertraut sind, aber mehr als alte und durch ihr Alter glaubwürdige Tradition ist es nicht und kann es nicht sein, denn der Charakter dieser Gesetze verlangt auch das Geheimhalten ihres Bestandes. Wenn wir im Volk aber seit ältesten Zeiten die Handlungen des Adels aufmerksam verfolgen, Aufschreibungen unserer Voreltern darüber besitzen, sie gewissenhaft fortgesetzt haben und in den zahllosen Tatsachen gewisse Richtlinien zu erkennen glauben, die auf diese oder jene geschichtliche Bestimmung schließen lassen, und wenn wir nach diesen sorgfältigst gesiebten und geordneten Schlußfolgerungen uns für die Gegenwart und Zukunft ein wenig einzurichten suchen - so ist das alles unsicher und vielleicht nur ein Spiel des Verstandes, denn vielleicht bestehen diese Gesetze, die wir hier zu erraten suchen, überhaupt nicht. Es gibt eine kleine Partei, die wirklich dieser Meinung ist und die nachzuweisen sucht, daß, wenn ein Gesetz besteht, es nur lauten kann:

6 Zur Frage der Gesetze Übrigens können auch diese Scheingesetze eigentlich nur vermutet werden. Es ist eine Tradition, daß sie bestehen und dem Adel als Geheimnis anvertraut sind, aber mehr als alte und durch ihr Alter glaubwürdige Tradition ist es nicht und kann es nicht sein, denn der Charakter dieser Gesetze verlangt auch das Geheimhalten ihres Bestandes. Wenn wir im Volk aber seit ältesten Zeiten die Handlungen des Adels aufmerksam verfolgen, Aufschreibungen unserer Voreltern darüber besitzen, sie gewissenhaft fortgesetzt haben und in den zahllosen Tatsachen gewisse Richtlinien zu erkennen glauben, die auf diese oder jene geschichtliche Bestimmung schließen lassen, und wenn wir nach diesen sorgfältigst gesiebten und geordneten Schlußfolgerungen uns für die Gegenwart und Zukunft ein wenig einzurichten suchen - so ist das alles unsicher und vielleicht nur ein Spiel des Verstandes, denn vielleicht bestehen diese Gesetze, die wir hier zu erraten suchen, überhaupt nicht. Es gibt eine kleine Partei, die wirklich dieser Meinung ist und die nachzuweisen sucht, daß, wenn ein Gesetz besteht, es nur lauten kann:

7 In der Strafkolonie Rechtsausübung im Ideal fall wie ein Automat, bei dem die menschliche Arbeit nur störend wäre Schuld ist zweifellos: Der Grundsatz, nach dem ich entscheide, ist: Die Schuld ist immer zweifellos. Andere Gerichte können diesen Grundsatz nicht befolgen, denn sie sind vielköpfig und haben auch noch höhere Gerichte über sich. Das ist hier nicht der Fall, oder war es wenigstens nicht beim früheren Kommandanten. Der neue hat allerdings schon Lust gezeigt, in mein Gericht sich einzumischen, es ist mir aber bisher gelungen, ihn abzuwehren, und wird mir auch weiter gelingen

8 In der Strafkolonie Der Reisende hatte verschiedenes fragen wollen, fragte aber im Anblick des Mannes nur: »Kennt er sein Urteil?« »Nein«, sagte der Offizier und wollte gleich in seinen Erklärungen fortfahren, aber der Reisende unterbrach ihn: »Er kennt sein eigenes Urteil nicht?« »Nein«, sagte der Offizier wieder, stockte dann einen Augenblick, als verlange er vom Reisenden eine nähere Begründung seiner Frage, und sagte dann: »Es wäre nutzlos, es ihm zu verkünden. Er erfährt es ja auf seinem Leib.« Der Reisende wollte schon verstummen, da fühlte er, wie der Verurteilte seinen Blick auf ihn richtete; er schien zu fragen, ob er den geschilderten Vorgang billigen könne. Darum beugte sich der Reisende, der sich bereits zurückgelehnt hatte, wieder vor und fragte noch: »Aber daß er überhaupt verurteilt wurde, das weiß er doch?« »Auch nicht«, sagte der Offizier und lächelte den Reisenden an, als erwarte er nun von ihm noch einige sonderbare Eröffnungen. »Nein«, sagte der Reisende und strich sich über die Stirn hin, »dann weiß also der Mann auch jetzt noch nicht, wie seine Verteidigung aufgenommen wurde?« »Er hat keine Gelegenheit gehabt, sich zu verteidigen«, sagte der Offizier und sah abseits, als rede er zu sich selbst und wolle den Reisenden durch Erzählung dieser ihm selbstverständlichen Dinge nicht beschämen. »Er muß doch Gelegenheit gehabt haben, sich zu verteidigen«, sagte der Reisende und stand vom Sessel auf.

9 „Das tschechische Dienstmädchen Max Brod: Ein tschechisches Dienstmädchen: Kleiner Roman -herausgegeben zuerst 1907 in der Zeitschrift Opale, in der Buchform 1909 erzählt die kurze Affäre eines jungen Mannes mit einem Dienstmädchen, ein geläufiges Thema in Literatur und Leben der damaligen Zeit. In Arthur Schnitzlers und Stefan Zweigs Erinnerungen kann man das nachlesen: die Söhne aus gutem Hause hatten in der Regel eine Liaison mit einem süßen Maderl aus der Unterschicht.. Das war in Prag nichts anderes als in Wien. Nur in Prag hieß Peperl eben Pepička und war eine Tschechin. Max Brod beschreibt die folgende Geschichte in seiner Autobiographie: „Der Roman schildert die Liebe eines weltunerfahrenen, ungeschickten Bürgerjungen, der von der Umgebung, in der er sich bewegt, nur abstrakte Begriffe, keine lebendigen Anschauungen empfängt. Unendlich fern lebt dieser junge Mann von der Natur, von jeder Unmittelbarkeit. Der Protagonist und Erzähler der ganzen Geschichte kommt aus bürgerlicher Gesellschaft in Wien. Er präsentiert sich als „Allesbemerker und Allesfrager“

10 Max Brod: Ein tschechisches Dienstmädchen: Kleiner Roman In der Besprechung des Romans im Prager Tagblatt ( , Morgenausgabe) beanstandet H. T., Heinrich Teweles, der Chefredakteur des Blattes, die politische Tendenz des Romans: Was aber die einmalige Vereinigung des Wiener Buchhalters mit dem tschechischen Dienstmädchen betrifft, so haben solche ziemlich alltägliche Akte, wie die Erfahrung lehrt, leider keinen Einfluss auf die politisch-nationalen Beziehungen der beiden Völker. Seltsam scheint sich im Kopfe des Dr. Brod, der ja sonst sehr gescheit ist, die Politk zu malen....In Hauschners Familie Lowositz ist, um nur das jüngste Beispiel zu nennen, die Liebe zweier national entgegensetzter Persönlichkeiten viel kräftiger und verständisvoller gezeichnet als im Buch Brods. Dieses Buch ist übrigens nichts anderes als die literarische Projektion der Lüsternheitsempfindungen eines nach dem Weibe strebenden Jünglings, dem jedes Mädchen eine Venus dünkt. Die Gedankenreihen, in denen der Held der Geschichte sich vor sich selbst auseinandersetzt, sind mit großem Scharfblick erfasst und wiedergegeben. Das Buch ist als interessante Pubertätsstudie entschieden wertvoller, denn als nationales Versöhnungsmitel.

11 Herman Ungar: Erzählung Ein Mann und eine Magd Und Stasinka, der Magd, war ich gerne zu Gefallen. Und wenn Stasinka vorbeiging, in jeder Hand eine Butte, Stasinka, die Magd, den Blick der glanzlosen Augen stumpf vor sich hingerichtet, die starken Füße in Holzpantoffeln, schleppend, nickte er ihr zu. Seine Augen waren auf ihre schweren dicken Brüste gerichtet, die bei jedem Schritt schwappten. Ich drehte für Stasinka das Rad. Und ich sah Rebingers Blicke und Stasinkas Brust und ich fühlte, daß Rebinger etwas wisse, was mir unbekannt sei. Ohne ein Wort des Dankes ging Stasinka zurück, wie sie gekommen war. Rebinger sah ihr nach, seine eingefallenen Lippen verzogen sich zu einem lüsternen Lachen. Und der Speichel rann ihm auf den schmutzigen Rock. Ich habe jahrelang mit Stasinka unter einem Dach gelebt und es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß ich viel zu Stasinka gesprochen habe. Aber, wie merkwürdig es auch klingt: so genau ich mich jeder ihrer Bewegungen, ihres Blickes, ihres Ganges, ihres Körpers erinnern kann, so lebhaft ich noch heute ihren Geruch in meiner Nase zu fühlen glaube, wenn ich an sie denke, so wenig kann ich mich ihrer Stimme erinnern. Mir ist als habe ich sie nie sprechen, nie lachen gehört. Meiner Erinnerung ist Stasinka stumm. Ich höre ihren Atem, den sie schnaubend aus der Nase stößt, ich sehe ihr dickes farbloses Gesicht, ich sehe selbst das Muster ihres Kleides, aber ein Wort, das sie gesprochen hat, höre ich nicht. Ich bin vielleicht acht Jahre oder etwas älter gewesen, als Stasinka ihren Dienst im Siechenhause antrat. Ich glaube nicht, daß Stasinka vom ersten Augenblick an mich irgendwie erregte. Das ist wohl erst nach und nach gekommen. Wenn ich es recht überlege, finde ich, daß ich vielleicht, vielleicht sage ich, vollständig teilnahmslos an ihr vorbeigegangen wäre, wenn Rebinger nicht gewesen wäre. Rebinger hat mir die Augen geöffnet und noch heute ist der Augenblick, in dem dies geschah, vollständig klar vor mir. Ich stand im Garten, um verstohlen halbfaule abgefallene Äpfel vom Boden aufzulesen. Rebinger saß auf seiner Bank und blinzelte in die Sonne. Da kam Stasinka mit ihren Butten durch den Garten und ging auf den Brunnen zu. Ich war einige Schritte von Rebinger entfernt, sah seine Lippen sich bewegen, sah wie er zitternd den Stock auf den Boden anstieß und eine Bewegung machte, wie um sich zu erheben. »O du dicke Kalle du«, sagte er und nach jedem Worte setzte er ab, wie um Kraft zum nächsten zu holen, »dicke Kalle du!«

12 Ungar Die ersten Folgen der Begegnung im Garten waren lockende Furcht vor Stasinkas Gegenwart und auflodernde Feindschaft gegen Rebinger. Ich saß wach in meinem Bett und lauschte mit schreckdurchwühltem Gesicht wollüstig den Ausbrüchen seiner nächtlichen Schmerzen. Ich hätte ihn gewiß ersticken lassen in seinem Husten, ohne um Hilfe zu rufen. Ich fühlte in unbestimmtem Ahnen, daß Rebinger, dieser lallende, in Nacht versunkene Greis, mein Leben aus seiner Bahn gerissen und es Schuld wie Zerstörung ausgeliefert habe. Haß und Böses in mir wurden stark an Rebingers Leiden. Trotzdem Stasinkas Gegenwart, ihr Anblick mich zutiefst in meiner Seele schreckte und meine Glieder in Furcht vor etwas mir Drohendem, Ungewissem erbeben ließ, waren meine Träume erfüllt von Sehnsucht, sie zu sehen. Ich lauerte tagsüber auf dem dunklen Korridor, damit ihr Geruch, ihr Kleid mich streifte, wenn sie aus der Küche ging. Ich saß am Brunnen und wartete, bis sie kam, Wasser zu holen. Saß Rebinger auf der Bank unter dem Baum, verbarg ich mich im Gebüsch und ließ kein Auge von seinem Gesicht. Ich hätte nicht können ihm unverborgen gegenüberstehen. Da wäre mein Haß zum Mörder geworden. Ich hätte nur aufspringen müssen und seine Kehle wäre zwischen meinen harten Fingern zerbrochen, wären nicht Blätter und Zweige als Hindernis zwischen mir und ihm gestanden. Ich floh ins Versteck vor mir selbst. Kam sie, drehte ich bebend das Rad. Sie sah mich nicht an. Ihre Tieraugen blickten ausdruckslos auf die rollende Kette. Sie dankte nicht und ging. Mich aber zwang eine Kraft über mir mitleidslos in ihre Nähe. Stumm begann ich ihre Arbeit für sie zu tun. Sie stand oder saß dabei, regungslos, ihren schweren Atem aus der Nase stoßend und ließ es geschehen. Ich aber warf vom Holz, das ich spaltete, meine Blicke ängstlich auf ihre voll herabhängenden, sich langsam hebenden und senkenden Brüste.

13 Ungar Es war an einem Abend in der Küche. Die kleine Petroleumlampe brannte auf dem Küchentisch. Stasinka und ich hockten auf der Erde und lasen Linsen aus einer großen Waschschüssel. Stasinka saß mir ganz nahe. Ich wagte nicht, die Arme oder Füße zu bewegen, kaum die Hände zu rühren. Nur meine Finger langten wie fremde Apparate die schlechten Linsen aus der Schüssel. Es war als sei Stasinkas Gegenwart körperlich eine Last, die schwer über mir und ihr und den Dingen ruhe. Ich fühlte ihren Atem an Ohr und Wange. Meine Nase sog den warmen Geruch ihres Körpers. Wie ein müdes großes Tier hockte sie da in der Fülle ihres trägen Fleisches, die Augen lichtlos und die großen Hände neben den meinen in der Schüssel. Meine Füße begannen zu zittern. Ich hatte das Gefühl, als verlöre der Körper seinen Halt und fiele. Aber ich fürchtete mich so entsetzlich, Stasinka auch nur um die Breite eines Haares näher zu kommen, als würde dann unfehlbar etwas Ungeheures, Niederschlagendes hereinbrechen über mich, mich zu vernichten.

14 Die tschechische Amme es gibt sie schon bei Marie von Ebner- Eschenbach,oder Ossip Schubin Das bekannteste Beispiel ist Barbara von Franz Werfel“

15 Gertrud Fussenegger über Ebner- Eschenbach

16 Gertrud Fussenegger über das Bild Böhmens in der dt. Lit.

17 Die Stereotype Der Oxforder Professor Ritchie Robinson schrieb von nationalen Stereotypen in der Prager deutschen Literatur: The Germans embody masculinity, activity, culture; the Czechs embody femininity, passivity, nature; Their role is to be dominated by the Germans, while helping to regenerate their masters spiritually to their closeness to nature and the Volksgeist expressed in their traditional songs.

18 Rainer Maria Rilke Das Heimatlied Vom Feld klingt ernste Weise; weiß nicht, wie mir geschieht.... "Komm her, du Tschechenmädchen, sing mir ein Heimatlied." ? Das Mädchen läßt die Sichel, ist hier mit Husch und Hui, ? setzt nieder sich am Feldrain und singt: "Kde domov muj ".... Jetzt schweigt sie still. Voll Tränen das Aug mir zugewandt, ? nimmt meine Kupferkreuzer und küßt mir stumm die Hand.

19 Werfel: Barbara oder Die Frömmigkeit in der Rezension von Ernst Weiß »Barbara oder Die Frömmigkeit« heißt der neue Roman Werfels. Es ist ein schwerer Band von über achthundert Seiten, und ebenso gewichtig wie sein Format ist der Bereich dessen, was er umfassen, erschöpfen will: ein großes Weltgebäude der Vorkriegs-, Kriegs-, Revolutionszeit und der Gegenwart. So umschreibt der Dichter selbst seinen Gegenstand, so setzt er sich sein Ziel. Träger dieses universalen Geschehens ist ein junger Mensch. Jung nicht nur deshalb, weil er, Ferdinand R., am Ende des Buches (oder vorausgenommen schon am Anfang) sich uns als etwa Dreißigjähriger vorstellt, sondern jung vor allem, weil er von seiner Mutter nie loskommt und sein ganzes Leben lang unter dem (wohltätigen) Schatten dieser gütevollen Mutter Barbara bleibt bis zum Schlusse. Es ist nicht die leibliche Mutter, sondern eine Pflegebefohlene, besser gesagt: eine zur Pflege geborene, eine zum Pflegenkönnen begnadete Frau, die alte Dienstmagd Barbara. Ist sie also die Verkörperung der »Frömmigkeit«? Fast könnte es so scheinen beim ersten Lesen des Werkes. Aber sie ist zu glücklich in ihrem Glauben, um – so paradox es klingt – wahrhaft fromm zu sein. Denn Heilige sind nicht die leichthin Glücklichen im Glauben, sondern Kämpfende um den Glauben sind es, Schwankende, Zweifelnde, endlich Obsiegende, der Versuchung Widerstehende. Heiliger ist, wer an sich nach Art der »Versuchung des heiligen Antonius« des Flaubert das ganze grandiose, lust- und schaudervolle Weltgebäude in seiner Universalität von der unbegreiflichsten Qual bis zur unbegreiflichsten Seligkeit an sich vorüberwandeln lassen kann und der dann am Morgen nach der von Versuchungen ungeheuerlich bedrängten Nacht nur neu gestärkt in seinem Glauben aufstehen kann. Dieses »am Morgen nach einer von Versuchungen ungeheuerlich bedrängten Nacht in seinem Glauben neu gestärkt Aufstehen«, das trifft aber viel eher zu auf den jungen Ferdinand. Barbara ist also der praktische Sinn, die Ordnung, auch im Himmelreich auf Sauberkeit bedacht, die irdische Liebe, zur rechten Seite des ewigen Quells, Ferdinand aber ist der Träger der himmlischen Liebe, die an allen irdischen, fleischlichen Glückseligkeiten sich nicht satt essen kann. Ebensowenig aber wird einer solchen Art Menschen mit der billigen Lösung der Geistesfragen durch organische Systeme, seien es theologische oder marxistische, gedient sein. Nur bei Menschen wie Barbara »geht Gott in Ordnung« – um ein infernalisches Wort Werfels zu wiederholen, das dieser einem ärarischen Pseudogeistlichen in den Mund legt, der, entgegen seiner Mission und entgegen aller Menschlichkeit, drei Unschuldige, zum Erschossenwerden Verurteilte bei ihrem letzten Gange trösten soll.


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