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Vorlesung Einführung in die Soziologie - Grundfragen der Soziologie SoSe 2010 10. Veranstaltung (25.06.10) Technik & Umwelt ________________________________________________________________________.

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Präsentation zum Thema: "Vorlesung Einführung in die Soziologie - Grundfragen der Soziologie SoSe 2010 10. Veranstaltung (25.06.10) Technik & Umwelt ________________________________________________________________________."—  Präsentation transkript:

1 Vorlesung Einführung in die Soziologie - Grundfragen der Soziologie SoSe Veranstaltung ( ) Technik & Umwelt ________________________________________________________________________ Prof. Dr. Karl-Werner Brand, TUM, School of Education, FG Soziologie, Kontakt:

2  Wir leben in einer „technischen Zivilisation“  alle Alltagshandlungen heute in größere technische Infrastruktursysteme oder sozio- technische Systeme eingebettet (Waschen, Autofahren/Nutzung von Verkehrsmitteln, Ernährung, Kommunikation, Unterhaltung, Gesundheitswesen, industr. Arbeiten...)  wachsende technische Kontrolle, Nutzung und Umgestaltung von Natur ≙ wachsende Abhängigkeit der Gesellschaft von Technik (techn. Zivilisation = „zweite Natur“)  Geschichtliche Entwicklung lässt sich nach Technik-Epochen unterscheiden  Bsp. H. Popitz: Unterscheidung von vier Phasen der zunehmenden „Machbarkeit“, der technischen Umwandlung von Natur in „artifizielles Lebensgehäuse“  Werkzeuggebrauch – „erste technologische Revolution“ (Technologie des Ackerbaus, T. der Feuerbearbeitung/Keramik/Metallurgie & T. des Städtebaus) – „zweite technologische Revolution“ (T. der Maschine, der Chemie, der Elektrizität)  heute: „dritte technologische Revolution“ ?? (Mikroelektronik, Gentechnik, Maschine- Maschine-Interaktion)  jede neue Technikepoche mit neuen Sozialstrukturen, Machtbeziehungen, Kultur, sozialen Handlungs-, Interaktions- und Integrationsformen verknüpft Warum Techniksoziologie?

3  Was ist Technik (als Teil sozialen Handelns) ??  „Technik wird erst durch ihre soziale Bezüge zu einem Gegenstand der Soziologie“ (Weyer 2008: 35)  Wie hängen Gesellschaft und Technik zusammen?  „Technikdeterminismus“: Eigendynamik techn. Entwicklung? Verselbständigung der Technik? Technischer Sachzwang? Technokratie?  „Sozialdeterminismus“: ökonomische, politische, kulturelle Prägung der Technikentwicklung („soziale Konstruktion von Technik“)  Interaktive „sozio-technische Konstellationen“  Technikgenese(forschung): Wie entstehen neue Technologien und wie setzen sie sich durch? Lässt sich Technikentwicklung steuern?  Technikfolgen(forschung): Wie wirken Technologien auf Gesellschaft und soziales Handeln? Wie werden T. im Alltag genutzt? Welche Spielräume des Umgangs mit Technik gibt es?  Öffentliche, kontroverse Technikdiskurse: Welche Risiken und Chancen haben Atomtechnik, Gentechnik, „intelligente“, hochautomatisierte Technologien etc. ?? Fragen zu Technik und Gesellschaft

4  Technik = Handlungstechnik (techne = bes. Art des Machens) + Sachtechnik (Artefakt, Geräte, Maschinen, techn. Ensemble)  Beschränkung auf „Sachtechnik“ greift zu kurz (Bsp. moderne Agrar- und Biotechnik; auch Technik des Pyramidenbaus weniger spez. Sachtechnik [Hebel, Rolle, schiefe Ebene] als technische Arbeitsteilung  „Technisierung“: Handlungen und Prozessabläufe in ein festes Schema von Ursache-Wirkungs- Zusammenhängen zu bringen, die effektiv, wiederholbar und zuverlässig funktionieren  Trägermedien + Formen der Technisierung: (1) Körper: Habitualisierung (z. B. Seziertechnik) – (2) physische Dinge (hard ware): Mechanisierung (z. B. Maschinenanlagen)) – symbolische Zeichen (soft ware): Zeichenverarbeitung (z. B. Computerprogramme)  meist alle drei Medien und Formen der Technisierung in „soziotechnischen Konstellationen“ gekoppelt (Rammert: 2007: 485)  Mit „Vergegenständlichung“ der schematisch gekoppelten Prozesszusammenhänge werden diese unsichtbar + entstehen Entlastungseffekte (für Laien nutzbar)  Auch von Laien müssen Techniken aber „angeeignet“ und in Alltagspraktiken integriert werden  spezielle Bedienungskompetenzen  Definition: Unter Technik sollen „alle künstlich hervorgebrachten Verfahren und Gebilde“ verstanden werden, „die in soziale Handlungszusammenhänge eingebaut“ sind und es ermöglichen, einen Ursache-Wirkungs- Zusammenhang zu vereinfachen, dauerhaft möglichst effizient zu beherrschen und so die angestrebten Wirkungen zu steigern“ (Weyer 2008: 54, unter Bezug auf W. Rammert). Begriff der Technik

5 Elitäre Rekrutierungsmechanismen  Grundannahme: Technik determiniert soziale Strukturen und soziale Interaktionen  „strenger Technikdeterminismus“: Einführung von Geräten (Steinwerkzeuge, Steigbügel, Pflug, Buchdruck, elektronische Medien) bringen jeweils neue Gesellschaften hervor  Konkreter: „technische Sachzwänge“: Maschinenoperation (z. B. Fließband) geben sozialen Handlungsmodus vor (Modell der „Taylorisierung“)  „cultural lag“-These (W. Ogburn): sozialer und kultureller Wandel hingt dem technischen Wandel immer hinterher (Anpassungsdruck)  Konkreter: soziale Handlungsabläufe passen sich bestimmten technischen Standards an (= „Normalisierung“): Auto-, Internet-, Handynutzung etc.  „weicher Technikdeterminismus“: technische Beeinflussung wird durch Verknüpfung mit institutionellen Strukturen (ökonomische Ordnung, politische Regime, kulturelle Orientierungen) gefiltert  „Pfadabhängigkeiten“: Spielräume weiterer Entwicklung werden fixiert  Konkreter: durch infrastrukturelle Vorentscheidungen (z. B. zugunsten des individuellen Personenverkehrs oder spezifischer Antriebstechniken, zugunsten Atomtechnologien, Monopolstrukturen großer EVU‘s etc. ) werden Technikalternativen blockiert Wie hängen Gesellschaft und Technik zusammen? a) Technikdeterminismus (T → G)

6 b) Sozialdeterminismus (G →T)  Technikkritik der Umweltbewegung der 70er Jahre, Expertenkontroversen, Infragestellung der „Objektivität“ wissenschaftlichen Wissens  Infragestellung von „Sachzwang- und „Technokratie“-Thesen  Aufweis der „sozialen Konstruktion von Technik“  (einseitige) Erklärungsvarianten  Ökonomische Strukturlogik (z. B. Markt-Wettbewerb; kapitalist. Verwertungslogik, Beschleunigung von Innovationszyklen; Technikinnovation durch wagemutige Erfinder-Unternehmer...)  Politisch-militärische Interessen als Motor techn. Entwicklung („Krieg ist der Vater aller Dinge“; in der Neuzeit: Entwicklung der Atombombe, Raketen/Weltraumforschung etc....)  Kulturelle Determinierungen (z. B. westlich-christliches Weltbild fördert aktive „Unterwerfung der Natur“ + universelle technische Rationalisierung; Technikleitbilder: „autogerechte Stadt“, „papierloses Büro“, „sanfte Technik“, Internet als Modell dezentraler Netzwerkgesellschaften...)  Technikgeneseforschung (Kombination der Faktoren): Phasenmodell der Technikgenese  Entstehungsphase: der „sozio-technische Kern“ wird in versch. Varianten erprobt und ausgehandelt  Stabilisierungsphase: engeres soziales Netzwerk bewirkt „soziale Schließung“ der Debatte; Verknüpfung + Abstimmung unterschiedlicher Akteursinteressen; Weiterentwicklung zu funktionsfähigem Prototyp  Durchsetzungsphase: weiteres soziales Netzwerk schafft umfassenderes sozio-technisches System, neue Märkte, rechtliche Normierungen  soziale Dekontextualisierung der Technik

7 c) Interaktive sozio-technische Konstellationen (G ↔ T)  „ Techno-pragmatistisches Modell“ (Rammert): statt passiver „Anpassung“ an technisch fixierte Umwelt oder „sozialer Konstruktion“ von Technik  Sozio-technische Ordnungen werden durch „experimentelle Interaktivität“ zwischen Sozial- und Sachwelt hervorgebracht = Koproduktion von technischen Strukturen und sozialer Ordnung; „verteilte Handlungsträgerschaft“ in Mensch-Maschine-Systemen  Modell der „sozio-technischen Systeme“ oder Netzwerke (Th. Hughes, G. Ropohl, R. Mayntz etc.)  Bsp. „System der Elektrizitätsversorgung verknüpft so unterschiedliche Komponenten wie Artefakte, Bergwerke, Herstellerfirmen, Elektrizitätsversorger, Akademische Forschungslabors und Investmentbanken“ (Hughes 1986: 287)  Bsp. Luftfahrt, motorisierter Individualverkehr: Entscheidend ist die Verknüpfung der techn. Artefakte mit sozialen Systemkomponenten, das reibungslose Funktionieren des Netzwerks aus technischen. ökonomischen, sozialen, rechtlichen und kulturellen Komponenten (Weyer 2008: 38f)  „Technikspiralen“ im Alltag (I. Braun)  Verallgemeinert lassen sich auch gesellschaftliche Strukturen als sozio-technische Systeme oder „Hybridwelten“ verstehen. [K. Marx sieht das ges. Verhältnis von Lohnarbeit und Kapital als „sachlich vermittelte Sozialbeziehung“, als „fest gekoppeltes Mensch-Maschine-System der modernen Fabrik“ (Rammert 2008: 487)  Risikopotenziale: Je enger + je komplexer technische und menschliche Elemente gekoppelt, desto größer das Risikopotenzial (Ch. Perrow: „normal accidents“); spezielle Risiken hoch automatisierter Systeme (Vigilanzproblem, diskontinuierliche Abfolge von Routine und Stress, Undurchschaubarkeit komplexer techn. Systeme: „Reentry“ Probleme im Störfall)

8 Technik und Umwelt als Problem Gesellschaftliche Naturbeziehungen sind seit jeher über Technik vermittelt. Heute: Menschen haben sich hoch „artifizielle“Lebensräume geschaffen = „technische Zivilisation“; Einbettung des Alltagshandelns in weiträumige, sozio-technische Ver- und Entsorgungs- systeme, Natur immer tiefgreifender umgestaltet & technisch rekonfiguriert Menschliche Gesellschaften sind gleichwohl an natürliche Voraussetzungen gebunden und in ständiger Wechselwirkung mit umgebenden natürlichen Systemen (= „gesellschaftlicher Stoffwechsel“; Stoff- und Energieflüsse): Gesundheit/Körper – anorganische + organische Ressourcen (fossile Energieträger, Wasser, fruchtbarer Boden, Boden für Siedlungs- und Verkehrszwecke, Nutztiere, Fischbestand, Biodiversität) – Abhängigkeit von natürlichen Rhythmen + Ökosystem-Dienstleistungen (Klimaregulierung etc.). Diese Abhängigkeiten (= materielle/ökologische Dimension) sind in hoch industrialisierten, global verflochtenen Gesellschaften äußerst komplex vermittelt, kaum mehr direkt erfahrbar (nur an Problemsymptomen), meist nur wissenschaftlich-apparativ (kognitiv) sowie über öffentliche Diskurse und mediale Bildwelten zugänglich (= symbolische Dimension) „Umweltprobleme“ = (ursprünglich) nicht-intendierte, individuelle Gesundheit & Lebens- chancen gefährdende – und damit auch ges. Wohlfahrt beeinträchtigende – „Nebenfolgen“ industrieller Naturnutzung, Regulierung & Restrukturierung von Natur

9 Umweltsoziologie Gegenstand der Umweltsoziologie sind... ... die unterschiedlichen, symbolisch wie materiell (technisch, stofflich + energetisch) vermittelten Formen gesellschaftlicher Naturbeziehungen, ... die damit jeweils verknüpften sozialen Strukturen, Weltdeutungen und Regulierungsformen ... sowie die gesellschaftlichen Konflikte und Entwicklungsdynamiken, die aus den Formen und Nebenfolgen gesellschaftlicher Naturnutzung erwachsen.  Der besondere Fokus der Umweltsoziologie liegt dabei auf modernen, durch die ökologischen Nebenfolgen industrieller Naturnutzung entstandenen „Umweltproblemen“.

10 Möglichkeiten, Umweltprobleme soziologisch zu untersuchen (1) 1.Mithilfe der etablierten soziologischen Ansätze beobachten, wie Gesellschaften auf die ökologische Problematik reagieren, wie entsprechende Probleme in gesellschaftlichen Konflikten und Kommunikationsprozessen ‚sozial konstruiert’ werden und welche institutionellen Transformationen sich daraus ergeben. Gesellschaft Natur

11 Möglichkeiten, Umweltprobleme soziologisch zu untersuchen (2) 2. Ausweitung der soziologischen Untersuchungsperspektive:  gesellschaftliche Reaktion auf Umweltprobleme +  Genese der Umweltprobleme im Rahmen komplexer Interaktionsdynamiken von Gesellschaft, Technik und Natur +  Kooperation bei Entwicklung problemadäquaterer Regulierungsstrategien Natur Gesellschaft

12 Gesellschaftliche Ursachen und Antriebskräfte (Mensch als Verursacher) Natürliche Systemdynamiken vergesellschaftete, kolonisierte Natur hybride, gesellschaftl. Sach/Technikstrukturen Soziale Handlungs- und Systemdynamiken Gesellschaftliche Folgen (Mensch als Betroffener) NATUR GESELLSCHAFT Interaktionsmodell gesellschaftlicher Naturbeziehungen (mit Blick auf die Genese + Bearbeitung von Umweltproblemen)

13 Erläuterung der Grafik  (1) Gesellschaftliche Faktoren, die die Art der Naturnutzung beeinflussen (Bevölkerung, Wohlstandsniveau, Wiss./Technik, Institutionen/Organisation, Kultur)  (2) Nutzungsformen und technische Regulierung der Natur; „sozial-ökologische Regime“; Art des „gesellschaftlichen Stoffwechsels“  (3) (Wahrgenommene) Umweltfolgen, Umweltprobleme, anthropogen verursachte Naturkatastrophen (z. B. Überschwemmungen, Stürme, Dürren, Zerstörung von Ökosystemen, Verschmutzung von Wasser, Erschöpfung von Ressourcen, etc.)  (4) Soziale Vulnerablität gegenüber (anthropogen verursachten) Umwelt- veränderungen und Umweltkatastrophen  gesellschaftliche Reaktion  veränderte Formen der Naturnutzung

14 Soziologische Schlüsselkonzepte im Verhältnis von Gesellschaft und Natur (Sozialstruktur, soziales Handeln, Kultur, Macht, funktionale Integration) Gesellschaftliche Naturnutzung & Naturregulierung sowie soziale Verletzbarkeit & gesellschaftliche Reaktion auf daraus entstehende „Umweltprobleme“ wird beeinflusst durch (1) sozialstrukturelle Faktoren :  Bevölkerungszahl, Urbanisierungsgrad, Wohlstandsniveau, Entwicklungsstand von Wissenschaft und Technik, staatliche Organisation, gesellschaftliche (funktionale & soziale) Differenzierung;  nicht zuletzt bestimmen die Formen sozialer Ungleichheit wesentlich darüber, wie sich Gesellschaften Natur aneignen, welche (Selbst-) Gefährdungen daraus resultieren und welche Kapazitäten zur Verfügung stehen, diese Probleme erfolgreich zu bearbeiten.

15 Unter dem Blickwinkel des (2) sozialen Handelns rückt die Frage in den Vordergrund ... welche Intentionen, Interessen und Situationsdeutungen dem umweltbezogenen Handeln individueller und kollektiver Akteure zugrunde liegen, .... wie öffentliche Problemdeutungen durch soziale Akteure ‘konstruiert’ und normiert, und .... wie diese Normen in Alltagshandeln und institutionelle Praktiken integriert werden.  Eine besondere Rolle im Umweltbereich (Kollektivgüter) spielen auch die Dilemmata „rationalen Handelns“ (Allmende-Dilemma)

16 (3) Kultur spielt eine zentrale, vermittelnde Rolle für die Art der gesellschaftlichen Naturbeziehungen:  Wertvorstellungen und Naturbilder prägen nicht nur den jeweiligen Umgang mit Natur, sondern auch die Wahrnehmung und Bewertung von Umweltrisiken.  Die Schärfe vieler umweltpolitischer Konflikte ist der Gegensätzlichkeit solcher Risikowahrnehmungen geschuldet, hinter der immer auch umfassendere, konkurrierende Bilder des wünschenswerten Verhältnisses von Natur, Technik und Gesellschaft stehen.

17 (4) Macht...  Macht spielt nicht nur in der Durchsetzung gesellschaftlicher Problemdeutungen und der darauf basierenden Regulierungsformen eine zentrale Rolle.  Ökonomische, politische oder militärische Macht schafft auch die Möglichkeit der ungleichen Verfügung über natürliche Ressourcen.  Sie erlaubt auch, sich Risiken und Umweltbelastungen stärker zu entziehen.  In den darüber sich entzündenden Nutzungs- und Risikokonflikten spielen allerdings auch moralische Ressourcen, die Fähigkeit, öffentliche Unterstützung zu mobilisieren, eine erhebliche Rolle (Umweltbewegungen).

18 Der Aspekt der (5) funktionalen Integration lenkt die Aufmerksamkeit auf die Binnenlogik gesellschaftlich ausdifferenzierter Subsysteme und die Mechanismen ihrer Verkoppelung. Die umweltsoziologisch relevante Frage ist dann, ... nach welchen unterschiedlichen ‘Systemlogiken’ Wirtschaft, Politik, Kirchen, Medien oder soziale Bewegungen das Umweltthema aufgreifen und verarbeiten, ... welche Konflikte und Folgeprobleme sich daraus ergeben und mithilfe welcher Koordina­tions­mechanismen diese Konflikte entschärft werden können.  Funktionale Integration betrifft zum andern aber auch die Wechselwirkung zwischen sozialen und natürlichen Systemen, von deren Funktionsfähigkeit die sozialen Reproduktions­möglichkeiten in hohem Maße abhängen.

19 Umweltsoziologische Theorieansätze  Analytische Ansätze  Handlungstheoretische Ansätze: Rational Choice (Allmende-Problem)  Diskurstheoretische Ansätze (Analyse öffentlicher Umweltdiskurse)  Kulturtheoretische Ansätze (Cultural Theory)  Alltagstheoretische Ansätze (wie gehen Menschen im Alltag mit Umwelt- problemen um, welchen „Reim“ machen sie sich darauf, wie gehen sie mit dem Widersprüchen im eigenen Verhalten um, etc. )  Netzwerktheoretische Handlungsansätze  Systemtheoretische Ansätze (z. B Luhmann)  etc. etc.  Gesellschaftstheoretische Deutungen  „Risikogesellschaft“, „reflexive Modernisierung“ (Ulrich Beck)  „Ökologische Modernisierung“  Kapitalismustheoretische Deutungen („Postfordismus“)  etc. etc.

20 Bsp. (1): „Cultural Theory“ (M. Douglas, A. Wildavsky et. al): Naturbilder & Sozialstruktur

21 Beispiel (2): systemtheoretischer Ansatz (N. Luhmann)  Luhmann greift das für biologische Systeme von Maturana & Varela entwickelte Autopoiesis- Konzept auf und überträgt es auf gesellschaftliche Systeme. Systeme werden danach nicht mehr (wie noch bei Parsons) als umweltoffene Systeme konzipiert, die – nach dem kybernetisch-mechanistischen Modell - durch Input- und Output-Beziehungen mit ihrer Umwelt verknüpft sind, sondern als selbstreferentiell-geschlossene, autopoietische Systeme (die sich mittels der fortlaufenden Produktion ihrer Elemente selbst erzeugen und erhalten).  Systeme konstitutieren sich danach durch eine spezifische Selektionsleistung: durch die Etablierung einer System/Umwelt-Differenz. Aus der unbegrenzten Komplexität der Umwelt differenziert sich ein System durch Grenzziehung, durch die Beschränkung auf spezifische Leistungen aus (und konstituiert damit zugleich eine systemspezifische Umwelt). Systembildung ist insofern immer auch ein Mechanismus zur Reduktion von Komplexität. Funktional ausdifferenzierte soziale Systeme (Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Recht etc.) werden nicht als Handlungszusammenhänge, sondern als selbst-referentielle Kommunikationssysteme verstanden, die sich durch systemspezifische, sinnhafte Selektionen von ihrer Umwelt abgrenzen. Kommunikation ist für L. dabei die Synthese dreier Selektionen: Information + Mitteilung + Verstehen.

22 Operationsweise gesellschaftlicher Teilsysteme  Funktional ausdifferenzierte Teilsysteme moderner Gesellschaften operieren  a) durch binäre Codierungen (Leitdifferenzen): Wissenschaft: wahr/falsch; Rechtssystem: Recht/Unrecht; Politik: Regierungsmacht/Opposition, ideologisch: links/rechts; Wirtschaft: Haben/Nichthaben, etc.)  b) durch Programme (= Zuordnungsregeln, die bestimmen, unter welchen Bedingungen der eine oder der andere Code-Wert gilt), z.B. Wissenschaft: Theorien & Methoden; Recht: Gesetze; Wirtschaft: Preise; Politik: Parteien, Besetzung von Ämtern, Ämterstrukturen  Mithilfe der „Programme“ lassen sich Rationalitäten anderer Teilsysteme in die Operations- weise des eigenen Systems integrieren: z.B. kulturelle/moralische Kriterien ins Rechts- system; politische Vorgaben (Verbote, finanz. Anreize etc.) ins Wirtschaftssystem etc Auf der Ebene der Programme lassen sich auch „Strukturen auswechseln“ + „Lernfähigkeit organisieren“ (ÖK, 91).  Was in der Umwelt passiert, wird vom System nur als „Rauschen“ erfasst. Soziale Systeme sind zwar von der Umwelt abhängig (Ermöglichung, Beschränkung) und deshalb auch „umweltsensibel“, aber „operativ geschlossen“ (ÖK, 63). Sie haben deshalb nur eine begrenzte „Resonanzfähigkeit“. Nur wenn ein System durch „Umweltirritationen“ „in Schwingung versetzt“ wird (= Resonanz), kann es aus dem generellen „Rauschen“ eine bestimmte „Information“ aufgreifen und gemäß seinem eigenen Operationsmodus bearbeiten, ggf. auch neue, komplexere Strukturen ausbilden (ÖK, 36f).

23 Wie reagiert die Gesellschaft auf ökologische Probleme?  „Es mögen Fische sterben oder Menschen, das Baden in Seen oder Flüssen mag Krankheiten erzeugen, es mag kein Öl mehr aus den Pumpen kommen und die Durchschnittstemperaturen mögen sinken oder steigen: solange darüber nicht kommuniziert wird, hat dies keine gesellschaftlichen Auswirkungen.“ (ÖK, 63)  Frage: Unter welchen Bedingungen finden ökologische Probleme in der Gesellschaft Resonanz, d.h. Eingang in die gesellschaftliche Kommunikation? (ÖK, 41f, 64ff)  Auf der Ebene der Teilsysteme: über code- und programmspezifische Verarbeitungsformen  Wirtschaft: nur über die „Sprache der Preise“ (ÖK, 122), über Verdienstmöglichkeiten, neue Märkte (nur sehr indirekt über Unternehmer- und Konsumentenverantwortung)  Politik: nur über Sprache der Macht, der Wahlen, der Personalauswahl/Ämterbesetzung. Pol. Resonanz kommt v.a. als Reaktion auf öffentliche Meinung (vermutete Wahlchancen) zustande.  „Angstkommunikation“ sozialer Bewegungen: Ökol. Angstkommunikation lädt ges. Kommunikation mit Moral auf, die „es zur Pflicht (macht), sich Sorgen zu machen“ (ÖK, 245). Bietet aber kein adäquates Rezept zur Verbesserung ges. Umweltbeziehungen; ges. Nebenfolgen bleiben unreflektiert (ÖK, 246)  „Ökologische Rationalität“ beruht nicht primär auf individuellem Verantwortungsbewusstsein, moralischem Eifer und Angst, sondern auf Erhöhung der funktionalen Reflexivität. Gesellschaft kann nur als „differenzierte Einheit“ (ÖK, 252) auf ökologische Probleme reagieren, d.h. nicht dadurch, dass eine funktionsspezifische Perspektive diese Einheit (und die ‚richtige‘ Antwort auf Umweltprobleme) definiert, sondern dadurch, dass aus unterschiedlichen Perspektiven auf die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen der systemspezifischen Operationen der einzelnen Teilsysteme reflektiert wird.

24 Zentrale Befunde der sozialwissenschaftlichen Umweltbewusstseins/verhaltensforschung  Kluft zwischen Umweltbewusstsein und Umweltverhalten (Typische Barrieren: Informations/Orientierungsprobleme – Widersprüchlichkeit kultureller Werte/Normen – Infrastrukturelle Barrieren (Angebot, Preis, Machbarkeit) – Allmende/Kollektivgutproblematik – Ohnmachtserfahrung)  Patchworkcharakter umweltbezogenen/nachhaltigen Handelns Die bestehenden Widersprüche und Unvereinbarkeiten erfordern ein ständiges Abwägen zwischen Wünschen, Werten, Ansprüchen und Restriktionen, die dann, für eine bestimmte Zeit und für einen bestimmten Kontext (Haushalt, Arbeit, Freizeit/Urlaub), in eine gewisse Balance gebracht werden und sich in pragmatischen Alltagsroutinen verfestigen.  Symbolische Einbettung von Konsumhandlungen Wachsender Wohlstand und die Vervielfachung der Wahlmöglichkeiten aus einem reichhaltigen Warensortiment verringert die Bedeutung des reinen Gebrauchswerts von Gütern und erhöht ihren symbolischen & emotionalen Wert. Konsum ist vorrangige Sphäre des Ausdrucks von Lebensstilen (subkulturelle Gemeinschaften, Moden und Trends, Abgrenzung/Distinktion von Milieus).  Ästhetisierung und Emotionalisierung des Konsums  Trend zum „Erlebniskonsum“  Wenig Sinn, den einen „nachhaltigen Lebensstil“ zu propagieren. Notwendigkeit, die Pluralität von Lebensstilen und die jeweils bestehenden selektiven Anknüpfungs- möglichkeiten + „Motivallianzen“ zu nutzen. Nicht „heroisches Handeln“ sondern „soziale Passung“ ist gefragt.

25 Beispiel „Nachhaltiger Konsum“  Zentrale öffentliche (verbraucherpolitische) Diskussion: Fokussierung auf „verantwort- lichen Konsumenten“  Sozialwissenschaftliche Nachhaltigkeits- und Konsumforschung lange Zeit fokussiert auf individuelles Verhalten & Lebensstile  Persönlichkeits-/gruppenspezifische Barrieren (Werte, Motivation, Lebensstile, Milieus)  Generelle Barrieren (z.B. Informationsprobleme, Widersprüchlichkeit von Leitbildern & Werten, gegenläufige sozialstrukturelle Trends, Machbarkeitsprobleme & hohe Kosten, infrastrukturelle Barrieren, Kollektivgutproblematik/soziale Dilemmata, Ohnmachtserfahrungen,...)  Fördernde Faktoren (Abschwächung von Barrieren, soziale Verstärkung/Rückkopplung, zielgruppenspezifisches Marketing,...) ... davon getrennt – in anderen Disziplinen – lief Diskussion a) über Produktions- und Angebotsseite (z.B. integrierte Produktpolitik, grünes Produktdesign, Ökobilanzen, Nachhaltigkeitsmanagement, CSR....), b) über Versorgungsinfrastrukturen, c) über siedlungsstrukturelle Entwicklungen (Stadt- u. Raumplanung), d) über die mit den jeweiligen Produkten/Dienstleistungen verbundenen Stoff- und Energieflüsse  Unkoordinierte, inkohärente, z. T. widersprüchliche Anreize & Interventionsstrategien  Nötig wäre systemisches Verständnis von Konsum + integrative Steuerungsansätze

26 Konsum = koevolutionäres Produkt technischer, ökonomischer und sozio-kultureller Entwicklungen „Konsumenten bewegen sich in einem komplexen, durch netzgebundene Versorgungssysteme, Haushaltsgeräte, infrastrukturelle Bedingungen, produktbezogene Konsum-angebote, Haushaltsstruktur und Haushalts- einkommen, soziale Standards, Gruppen-normen und Alltagsarrangements strukturierten Rahmen.... Dieser Rahmen wird einerseits durch mehr oder weniger routinisierte Konsumhandlungen immer wieder reproduziert, andererseits durch den stetigen Einbau neuer Produkte und Dienstleistungen, durch die Verbesserung oder Verschlechterung infrastruktureller Angebote, durch biographische Umbrüche oder durch den Wechsel des sozialen Umfelds auch immer wieder modifiziert.... In fast allen Fällen ist individuelles Konsumverhalten dabei an technische Funktionssysteme angekoppelt und in hochgradig differenzierte Produktions- und Distributionsketten eingebunden.“ (Brand 2008: 76 f)  Um Konsummuster verändern zu können (  „ nachhaltiger Konsum“) ist eine systemische Betrachtung des Konsums nötig.

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30 Verknüpfung unterschiedlicher Strategien zur Förderung nachhaltigen Konsums Protest/Skandalisierung  Skandalisierung von Problemen durch NGOs und Medien Entwicklung von Initiativen und Pioniermodellen nachhaltigen Konsums Finanzierung und Erarbeitung problem- und l ö sungsorientierten Wissens F ö rderung inter/transdisziplin ä rer Nachhaltigkeitsforschung F ö rderung/Entwicklung umweltvertr ä glicher Technologien, Produktsysteme & Dienstleistungen Politische Regulierung  Verordnen, finanzielle Anreize (z.B. zur Markteinf ü hrung), planungsrechtliche Instrumente, Haftungsrecht staatl. Aktivierung ges. Eigenaktivit ä ten  Selbstverpflichtungen, Zielvorgaben, Zertifizierungen, Koordinierung gesellschaftlicher Aktivit ä ten (z.B. lokale Agenda 21) Informations- und Kommunikationsstrategie  Dringlichkeit der Probleme, neue Problemrahmung, konkrete Handlungsoptionen  allgemeines Publikum, zielgruppenspezifisch, medienspezifisch Angebotsstrategie  Verbesserte(s) Marktangebot + Preisrelationen + Infrastruktur, zielgruppenspezifisches Marketing Normbildung ö ffentlicher Mediendiskurs, politische Kampagnen, ges. Debatten Netzwerkbildung  Schaffung handlungsf ä higer kollektiver Akteure, Bildung strategischer Akteursnetzwerke, Diffusionsnetzwerke von „ best practice “ Modellen


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