Mehrwert durch Minderheiten?

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 Präsentation transkript:

Mehrwert durch Minderheiten? Zur Soziolinguistik von Minderheitensprachen im Kaukasus Wolfgang Schulze Ludwig-Maximilians-Universität München Univerzita Mateja Béla, Banská Bystrica, Slowakische Republik Görlitz, 18. SeptEmber 2009 © W. Schulze 2009

Sprache und Ethnizität I: SPRACHE Sprache (als Einzelsystem, individuiert): Ein in seinen Symbolisierungsverfahren gelerntes, daher vergesellschaftetes (kollektives), tradiertes und als Wissen gespeichertes, artikulatorisches Ausdrucksystem kognitiver Zustände (Ausdruck von Wahrnehmungen in Erfahrung), dessen Wirksamkeit als Kommunikation konstruiert wird.

Sprache und Ethnizität II: KULTUR Gelerntes, vergesellschaftetes und tradiertes Wissenssystem (habitus) um die konventionalisierte symbolische Funktion von in der gesellschaftlichen Struktur stereotypen, relevanten und signifikanten Objekten, Ereignissen, Wahrnehmungs-, Vorstellungs-, Handlungs- und Verhaltensmustern, wobei das jeweilige kulturelle Wissenssystem auch Abgrenzungsfunktion gegenüber anderen kulturellen Wissenssystemen und damit Identifikationsfunktionen hat.

Sprache und Ethnizität III: Ethnizität Ethnizität bestimmt sich immer relational, d.h. in Abgrenzung zu anderen ‚Ethnien‘. Konstruktion einer sozialen (kollektiven) Identität: Optionen u.a.: Gemeinsamer Erfahrungsraum (areal und kognitiv) Gemeinsame Abstammungsmythen Gemeinsame Kulturtraditionen Gemeinsamer symbolischer Code (Handlungen, Sprache, Religion) Gemeinsame 'Unterwerfung' unter ein spezifisches Machtzentrum

Sprache und Ethnizität IV Als im Kollektiv verankertes, tradiertes Wissenssystem um den symbolischen Ausdruck (> Kommunikation) kognitiver ‚Zustände‘ ist Sprache dann Teil eines kulturellen Habitus, wenn ihre Verwendung durch die o.g. Parameter einer ‚Kultur‘ (bzw. Ethnizität) bestimmt und gesteuert wird.

Sprache und Ethnizität V Ein gesellschaftliches Kollektiv kann das in einer spezifischen Sprache repräsentierte symbolische Zeichensystem als das Kollektiv indizierend konventionalisieren, wodurch diese Sprache selbst zu einem symbolischen Zeichen wird. Die sich daraus ergebende Indizierung des Sprachgebrauchs kann als Abgrenzungsfunktion oder als Solidarisierungsfunktion konventionalisiert werden.

Sprache und Ethnizität V: Kaukasus Die Identität von Mitgliedern klassischer kaukasischer (Klein-)Gesellschaften bestimmt sich nicht über Sprache, sondern über (Auswahl): Clan (mit Adoptionsmöglichkeit auch ‚fremdsprachiger‘ Personen) ‚Mythologische‘ Ahnen (bes. im Nordwesten und Nordosten) Spezifika der materiellen Kultur (Handwerk etc.) Topographische Spezifika Soziologische Spezifika Fehlende Anzeige einer Gruppenidentität über Sprachnamen (vgl. in Tabasaran über 20 verschiedene lokale Bezeichnungen der Sprache)

Sprache in klassischen kauk. Gesellschaften Stark situationsspezifisches Ausdrucks- und Kommunikations‘mittel‘ Beispiel: Sprache 1: Diskurse zu Familie, lokaler Subsistenz, lokalen Ereignissen etc. Sprache 2: Diskurse zu ‚fachspezifischen‘ Themenbereichen (etwa Marktsprache, technische Sprache), zwischendörfliche Kommunikation Sprache 3: Regionbezogene Diskurse, interregionale Kommunikation Sprache 4: Öffentliche, ‚politische‘ Diskurse

Die religiöse Dichotomie im Kaukasus

Ethnien Georgiens (Auswahl)

Nicht-russische Ethnien im Nordkaukasus

Minderheitsprachen in Aserbaidschan

Sprachen im Dagestan

Die andischen und tsezischen Sprachen

Die Sprachen am Alazani (Oberlauf)

Abchasien um 1989

Abchasien zu Beginn des 21. Jh.

Tonbeispiele [Ausschnitte aus: http://www. slawistik. hu-berlin Armenisch Udi Ossetisch Tschetschenisch Bats Adyghej Abkhaz Tsakhur Awar Azeri Georgisch

Schriften: Frühestes Altarmenisch

Schriften: Altgeorgisch

Schriften: Kaukasisch-Albanisch

Kaukasisch-Albanisch / Gal. 1,13-15

‚Literarische Referenzpunkte‘ Georgien Vepxist‘q‘aosani (Schota Rustaweli (ca. 1172 – ca. 1216) Armenien Anonymes Epos Die Helden von Sassun (Sasna Dzrer, 7.-13. Jh.) Aserbaidschan West-oghuzische Heldenlegende Kitab-i Dädä Qorqud (ante 1400 ?)

Nationalisierung der Sprache im Kaukasus Ausgangspunkte: 1. Globalisierung der Kirchensprache in Georgien und Armenien. 2. Etablierung einer Sprache als Sprache des Machtzentrums. 3. Europäisierung der lokalen Eliten: Übernahme des (post-)napoleonischen europäischen Staatsbegriffs seit etwa 1850. Dabei: Kombination der beiden Aspekte Nation und Sprache im Begriff ‚Nationalsprache‘ und ‚Sprachnation‘ (e.g. Herder, Fichte) . -> Sprache als definiens der Subjekte eines politischen Machtgebildes (‚Nationalstaat‘). 4. Nationalisierung und symbolische Aufwertung der Sprache des Machtzentrums (e.g. Azeri -> (Pan-)Turkismus).

Nationalisierung der Sprache im Kaukasus Folgen u.a.: Nationalsprachen-orientierter Bilingualismus der Sprecher von Minderheitensprachen oder Sprachwechsel. Statt: Multilingualismus als Teil des kulturellen Habitus früher Gesellschaften besonders im Ostkaukasus, bewahrt vor allem im Bereich des Daghestan (vgl. Archi-Gesellschaft: Archi, Lak, Awar, Russisch). Nationalisierung der Minderheitensprache (durch lokale Eliten, meist Lehrer).

Multilingualismus und Sprachmischung Beispiel: Sprachmischung im traditionellen Mutlilingualismus: Armenisch-Udisch-Azeri (Udisch; Vartashen, 1986) mәnә hacc tada mir(Az.) Brot(Arm.) gib (Udi) ~ inj śum ver mir(Arm.) Brot(Udi) gib(Az.) ~ za çörәk tada mir(Udi) Brot(Az.) gib(Udi) ‚Gib mir Brot!‘ [Udisch: za śum tada!]

Verstaatlichter Sprachkontakt: Khinalug ‘Verstaatlichter’ Sprachkontakt (Übernahme der Terminologie der Superstratsprache) – Basis: Eigenwahrnehmung der Sprecher von Nicht-Azeri-Sprachen als eine ‘Minoritätensprache’ sprechend (Binnensicht)! Dağəstani mic'ibiri mududä gruppur atti kätiš mic'i lüğätir 8000 (ink' äzər) džuğab daxilbiq'dämä. Džuğabərdər särbäst, frazeologiži šäxsi axərəškili, bəyinzi džuğab yä mäsäldiriškili zänginžmä. Säq' bašq:a, lüğätir č'at toponimirdir yä antroponimirdir daxilq'ižmä. hämim lüğätir urus yä kätiš lüğätu ayid grammatik očerk tümädä. Lüğät kätiš mic' tompəxərħozu, hämim sa mic'iškili marağ attiğozu tärtib biq'dämä. [Lehnwörter fett] "Das Wörterbuch umfasst 8000 (acht tausend) Wörter der khinalugischen Sprache, die zur lezgischen Gruppe der Daghestan-Sprachen gehört. Die Wörter sind illustriert mittels freier und fraseologischer Wendungen, Sprichwörtern und Redensarten. Darüber hinaus beinhaltet das Wörterbuch Mikrotoponyme und Anthroponyme. Auch hat das Wörterbuch einen russisch-khinalugischen Index (und) einen grammatischen Abriss. Das Wörterbuch wendet sich an Sprecher des Khinalugischen ebenso wie an diejenigen, die sich für die Sprache interessieren." [Ganieva, F. A. 2002. Khinalugsko-russkij slovar'. Maxačkala: RAN; Übersetzung: W.Schulze / Transliteration]

Aserbaidschan - Minderheitensprachen I

Aserbaidschan - Minderheitensprachen II

Lokale Parameter des Spracherhalts 1. Regionale Isolation (Tolyshi (z.T.), Khinalug) und geringe Diffusion der Siedlungen 2. Endogamie (Muslim-Tati) 3. Spezifisches sozio-kulturelles Profil (Udi, Juhudo-Tati) 4. Stabilisierter Multilingualismus (Awar, Tsakhur, Rutul) 5. Spezialisierung des Sprachgebrauchs (Spreache der Schattenwirtschaft: Awar) 6. ‚Transnationale‘ Sprachen mit externen Sprachgebieten (Lezgi, Awar, Tsakhur, Rutul, Georgisch, eingeschränkt: Tolyshi)

Negative Parameter des Spracherhalts 1. Großflächige Diffusion (Tolyshi) 2. Exogamie 3. Negatives sozio-kulturelles Profil (Binnen- und/oder Außenwahrnehmung) (Armenisch, Tolyshi, Christliches Tati, Kurdisch, Gerim, Awar) 4. Fehlende sozio-kulturelle Spezifik (Kryts, Budukh, Muslim-Tati, Khinalug) 5. Fehlende 'Historizität' als Identifikationsgröße 6. Nimbus als 'Exklaven' 7. Starke sozio-ökonomische Anbindung an 'Baku' (Kryts, Budukh). 8. Urbanisierung ohne mahalla-Struktur 9. Genozid, Tabuisierung und Vertreibung (Armenisch, Christliches Tati, Udi (z.T.))

Unterstützende Parameter 1. Lokal belassene Administration 2. Alphabetisierung und Schulsprache 3. Präsenz in Massenmedien 4. Sprecherzahl 5. Das Prinzip 'Wise Man/Woman‘

Nationalisierung Beispiele: Tolyshi: “(...) the Azeris spoke Taleshian before Turkmen tribes made them their slaves. only brave people preserved their language. The real Azeri language is Taleshi. also some Kafkazians became Azeri later. now if you are real Azeri learn the language of your ancestors! do it and you do us and yourself a favor (...)” [Ali Asgarov, 28/8/2004, Talyshi-Forum] Lezgi: Sprache der nationalistischen Sadwal-Bewegung (Separatismus) Kurdisch: Anti-Turkismus in Allianz mit Armenien. Udi: Symbol der azerbaidschanischen ‘Altsprache’. Khinalug: Entdeckung einer Historizität und Trittbrettfahrer des ‘udischen Erfolgs’.

Der ‚Fall Khinalug‘ (Kätsch) Shah-Dagh-Gebirge, 2.300 m hoch gelegen, 1.700 Khinalugen ‚Wise man‘: Raħim Alxaz (Lehrer; gest. 2005) Vier Clans: Malikla, Hämk’i, K’ämk’i, Gadäqä); Photo: Kheyaraddin Cabbarov Drei mahalla (Maləklə (zentraler Teil), K’emk’əi (unterer Teil), Gädäqä und Hemk’əi (oberer Teil), Täpä (höchster Teil = ǯuhud parča), Enzir (landwirtschaftl. Teil). Zwei Schulen (Azeri) [1996/7: 162 Schulkinder, 2 Stunden pro Woche Khinalug-‘Unterricht‘].

Historisierung: Der ‚Stein von Khinalug‘

Weitergehende Historisierung (Khinalug) Eigenname kʰätš < *kʰät:- = Καδουσιοι / Cadusii (???), ‚zwischen den Albanern im Norden und den Mardi im Osten‘ (Strabo 11,6.1; 7.1) ~ Nördliches Medien um die Parachoatras-Gebirgskette (Ptolemäus 6.2.2, vgl. Xenophon Cyropaedia 5.2.25). Ruine einer Synagoge in Khinalug (čuwud parča), Ruine einer christl. Kirche im unteren Teil Khinalugs Zaratustra-Residuen (atešgah) Vor-islamische Traditionen (e.g. zulmatẋana 'Reue-Raum' im Kemk‘əi Mahalla).

Anbindung an ‚Außenwelt‘ Versuche der Re-Georgisierung des Ingiloi-Lexikons (1989-1990) Hinwendung zur russisch-daghestanischen ‘Dimension’ bei den Bemühungen um eine tsakhurische, rutulische und lezgische Schrifttradition (gegen Latein-Doktrin Aserbaidschans) Versuche der Ent-Azerisierung des Tolyshi-Lexikons (fehlgeschlagen)

Außenwahrnehmung (Azeri) I Zu Tolyshi: “talish people! you are betrayers of Azerbaijan! you live here, you eat our food, drink our water, smell our air. and in expect of thanking us you make dialogs with armenian hayks[...]. because your people must become exti[n]ct. or you can be assimilated with real azeris. and after 50 years the word "TALISH" will become a history! everyone will know you as people who lived in azeri land long ago. and nothing else... this is your destiny!” [Azeri_evladi, 29.9.2003, Talysh-Form]

Außenwahrnehmung (Azeri) II Awar: Sprache der lokalen Mafia Kurdisch: Sprache der Sympathisanten Armeniens Khinalug: Exotismus als ‚nationales Gut‘ Christliches Tati: Sprache verkleideter Armenier Lezgi: Sprache der russenfreundlichen Separatisten Udi: Kronzeuge der nicht-armenischen Frühgeschichte Aserbaidschans Muslim-Tati: Geschlossene Gesellschaft

Mehrwert durch Minderheiten? In Aserbaidschan werden Minderheiten im Wesentlichen nur über z.T. staatlich unterstützte Stereotypien erfahren. Minderheiten gelten für die aserbaidschanische Bevölkerung eher als bedrohlich denn als Gewinn. Die starke kulturelle Assimilation der meisten Minderheiten bedeutet die Einverleibung des ‚Anderen‘ und die Aufgabe dessen Ethnizität. Also eher (stereotype Sicht): Minderwert für die Mehrheit.