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Gender, Care und Gerechtigkeit. Gretchenfrage moderner Gesellschaften Christa Schnabl Institut für Sozialethik Universität Wien.

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Präsentation zum Thema: "Gender, Care und Gerechtigkeit. Gretchenfrage moderner Gesellschaften Christa Schnabl Institut für Sozialethik Universität Wien."—  Präsentation transkript:

1 Gender, Care und Gerechtigkeit. Gretchenfrage moderner Gesellschaften Christa Schnabl Institut für Sozialethik Universität Wien

2 Übersicht 1. Diagnose Strukturproblem moderner Gesellschaften 2. Ethik Ethische Hintergründe und Neuansätze 3. Politik Politische und soziale Konsequenzen

3 1. Diagnose

4 Caring (Versteckte) Gretchenfrage Pflege: Sommer 2004 – Sommer 2006 Pflege: Sommer 2004 – Sommer 2006 Kinder statt Partys Kinder statt Partys Pflegeskandal in Wien, Frankreich: Menschen in Pflegeheimen sterben aufgrund schlechter Versorgung in der Sommerhitze Pflegeskandal in Wien, Frankreich: Menschen in Pflegeheimen sterben aufgrund schlechter Versorgung in der Sommerhitze Wahlkampf 2006: Pflege, (Sonder)arbeitsform und Migration Wahlkampf 2006: Pflege, (Sonder)arbeitsform und Migration Dauerbrenner: Geburten und Demographie Dauerbrenner: Geburten und Demographie Weniger Kinder, weniger Rente Weniger Kinder, weniger Rente Migration und Zuwanderung Migration und Zuwanderung Schirrmacher: Minimum Schirrmacher: Minimum Bedeutung von Familien für die Gesellschaft Bedeutung von Familien für die Gesellschaft Familien: etwas Urtümliches Familien: etwas Urtümliches Ökonomie des Teilens, Altruismusschule Ökonomie des Teilens, Altruismusschule

5 Was dahinter steckt … 1. Werteverfall? Moralisierung (und Individualisierung) Moralisierung (und Individualisierung) 2. Verweigerung der Frauen - Geschlechterkampf? Frauen sind schuld, zurück zu den klassischen Geschlechterkonzepten Frauen sind schuld, zurück zu den klassischen Geschlechterkonzepten Bestimmte gesellschaftliche Gruppe = Sündenbock Bestimmte gesellschaftliche Gruppe = Sündenbock Privatisierung des Problems Privatisierung des Problems 3. Strukturproblem moderner Gesellschaften Bauprinzipien der modernen Gesellschaft überdenken und revidieren Bauprinzipien der modernen Gesellschaft überdenken und revidieren Zusammenhang von Strukturen und Werten Zusammenhang von Strukturen und Werten Strukturprobleme, die bes. im Privaten wirksam werden Strukturprobleme, die bes. im Privaten wirksam werden

6 Care- bzw. Fürsorgearbeit - gesellschaftliche Leerstelle moderner Gesellschaften Fürsorgearbeit Fürsorgearbeit Versorgung, Betreuung und Pflege von Kindern, Kranken und alten Menschen: Pflege und Sorge für das Leben Versorgung, Betreuung und Pflege von Kindern, Kranken und alten Menschen: Pflege und Sorge für das Leben Wer vollzieht Sorgearbeit - unter welchen Bedingungen? Wer vollzieht Sorgearbeit - unter welchen Bedingungen? Fürsorgearbeit: Sonderform von Arbeit Fürsorgearbeit: Sonderform von Arbeit Vielfach privat Vielfach privat Überwiegend in weiblicher Verantwortung Überwiegend in weiblicher Verantwortung Mit Körperbezug Mit Körperbezug Geringe soziale Anerkennung Geringe soziale Anerkennung Nicht oder schlecht bezahlt Nicht oder schlecht bezahlt

7 (Private) Fürsorge Geschlechterproblem Geschlechterproblem Gratisleistung von bestimmten Menschen (zu 90% von Frauen) an Kindern, kranken, behinderten oder alten Menschen Gratisleistung von bestimmten Menschen (zu 90% von Frauen) an Kindern, kranken, behinderten oder alten Menschen Bedarf Bedarf Gesellschaftlicher Versorgungsbedarf Gesellschaftlicher Versorgungsbedarf Versorgtsein als Voraussetzung und Wert Versorgtsein als Voraussetzung und Wert Bewertung und soziale Anerkennung Bewertung und soziale Anerkennung Ausbeutung (Ignoranz) Ausbeutung (Ignoranz) heroischer Liebesdienst (Idealisierung) heroischer Liebesdienst (Idealisierung)

8 Androzentrismus moderner Gesellschaften Individualisierungsparadigma der Moderne Individualisierungsparadigma der Moderne Ursprünglich: Programm für Männer Ursprünglich: Programm für Männer Dominantes Menschenbild: niemand braucht Versorgung, niemand muss andere versorgen Dominantes Menschenbild: niemand braucht Versorgung, niemand muss andere versorgen Fürsorgefreie Gesellschaft? Fürsorgefreie Gesellschaft? Gesellschaft ohne Kinder, Alter, Krankheit? Gesellschaft ohne Kinder, Alter, Krankheit? Korreliert mit einer bestimmten Geschlechterordnung Korreliert mit einer bestimmten Geschlechterordnung Moderne Geschlechterordnung Moderne Geschlechterordnung Arbeits- und Aufgabenteilung entlang der Geschlechtergrenze Arbeits- und Aufgabenteilung entlang der Geschlechtergrenze

9 Geschlecht als soziales Ordnungsprinzip Außenseite: Geschlechterordnung Außenseite: Geschlechterordnung Arbeit – Familie Arbeit – Familie Einkommen – Auskommen Einkommen – Auskommen Ökonom. Sicherheit – emotionale Grundlage Ökonom. Sicherheit – emotionale Grundlage Außerhäusliche Erwerbsarbeit - Fürsorgearbeit Außerhäusliche Erwerbsarbeit - Fürsorgearbeit Innenseite: Geschlechterrolle Innenseite: Geschlechterrolle Beziehungen versus Sachbezug Beziehungen versus Sachbezug Dasein für andere versus Effizienz Dasein für andere versus Effizienz

10 Geschlechterordnung Ernährer – Hausfrauen – Konstellation Ernährer – Hausfrauen – Konstellation Entweder–oder–Logik Entweder–oder–Logik Teilung der Welten, Verantwortlichkeiten und Fähigkeiten Teilung der Welten, Verantwortlichkeiten und Fähigkeiten Männerdominierte Berufswelt – Frauendominierte Familienwelt Männerdominierte Berufswelt – Frauendominierte Familienwelt Rückseite: Habliertes Leben (Beck-Gernsheim) Rückseite: Habliertes Leben (Beck-Gernsheim) Asymmetrie beider Welten Asymmetrie beider Welten Wer bestimmt die Logik? (Zeit, Rhythmus, Abläufe, Rücksichten) Wer bestimmt die Logik? (Zeit, Rhythmus, Abläufe, Rücksichten) Strukturelle Rücksichtslosigkeit (Franz-Xaver Kaufmann) Strukturelle Rücksichtslosigkeit (Franz-Xaver Kaufmann)

11 Modernisierte Version Krise des Ernährer-Hausfrauen-Modells Krise des Ernährer-Hausfrauen-Modells Modernisierung der (Haus-)Frauenseite Modernisierung der (Haus-)Frauenseite Teilzeiterwerbsarbeit für Frauen/Mütter Teilzeiterwerbsarbeit für Frauen/Mütter Modernisierung: 1+1 ½ Modernisierung: 1+1 ½ Doppelschicht und Dauerlauf Doppelschicht und Dauerlauf Männlicher Lebenslauf: Arbeit und Familie addieren sich positiv auf Männlicher Lebenslauf: Arbeit und Familie addieren sich positiv auf erwerbsarbeitsvermittelt erwerbsarbeitsvermittelt familiengetragen familiengetragen Weiblicher Lebenslauf: Brechungen-Prekarisierungen Weiblicher Lebenslauf: Brechungen-Prekarisierungen Fürsorgeverantwortung bricht Erwerbsarbeit Fürsorgeverantwortung bricht Erwerbsarbeit Erwerbsarbeit stört Fürsorge Erwerbsarbeit stört Fürsorge

12 Was ist das Problem? Was für die einen – die Männer – ein privates Unterstützungssystem zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist, ist für die anderen – die Frauen – ein privates Aufgabenfeld, das der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erhebliche Grenzen und Barrieren setzt. (Rosemarie von Schweitzer) Krise der Familie = Krise der Verteilung von und Mangel an Anerkennung für Fürsorgearbeit Krise der Familie = Krise der Verteilung von und Mangel an Anerkennung für Fürsorgearbeit Verschärfung durch Veränderung der Frauenseite der modernen Gesellschaftsordnung Verschärfung durch Veränderung der Frauenseite der modernen Gesellschaftsordnung Fürsorgearbeitslücke moderner Gesellschaften Fürsorgearbeitslücke moderner Gesellschaften

13 Männerseite Größere Verhaltenskontinuität Größere Verhaltenskontinuität Erwerbstätigkeit der Frau: steigert das zeitliche Engagement in der Familie um ca. 1h/Woche (auf 10 Stunden) Erwerbstätigkeit der Frau: steigert das zeitliche Engagement in der Familie um ca. 1h/Woche (auf 10 Stunden) Widerspricht der Meinung, dass man sich bei voller Erwerbstätigkeit der Frau die Arbeit selbstverständlich teilen werde Widerspricht der Meinung, dass man sich bei voller Erwerbstätigkeit der Frau die Arbeit selbstverständlich teilen werde Studierende Studierende Vaterschaft: kein Hindernis für Erwerbsarbeit Vaterschaft: kein Hindernis für Erwerbsarbeit Was Väter mit ihren Kindern tun Was Väter mit ihren Kindern tun Ulrich Beck: Ulrich Beck: verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre Freuden und Pflichten der Vaterschaft können dosiert als Freizeitvergnügen genossen werden Freuden und Pflichten der Vaterschaft können dosiert als Freizeitvergnügen genossen werden

14 Globalisierung und Weitergabe nach unten Globalisierung verstärkt Zwänge für Caring Globalisierung verstärkt Zwänge für Caring Arbeitsmarkt: Effizienz und Verfügbarkeit Arbeitsmarkt: Effizienz und Verfügbarkeit Sozialstaatsdiskussion: Abbau staatlicher Dienste Sozialstaatsdiskussion: Abbau staatlicher Dienste Globalisierung der Versorgung durch internationale Fürsorgeketten und Fürsorgetransfers Globalisierung der Versorgung durch internationale Fürsorgeketten und Fürsorgetransfers Fürsorgearbeitslücken in der ersten Welt – Import aus Osteuropa, Asien, LA (Motor für Migration) Fürsorgearbeitslücken in der ersten Welt – Import aus Osteuropa, Asien, LA (Motor für Migration) Beruflicher Aufstieg von Frauen in der nördlichen Hemisphäre Beruflicher Aufstieg von Frauen in der nördlichen Hemisphäre Migrationsstrom von Ost nach West und von Süd nach Nord Migrationsstrom von Ost nach West und von Süd nach Nord Folge: Polarisierung zwischen Erwerbsarbeitsbranchen, auch innerhalb der Geschlechter (Bildung, Bezahlung, Sicherheit) Folge: Polarisierung zwischen Erwerbsarbeitsbranchen, auch innerhalb der Geschlechter (Bildung, Bezahlung, Sicherheit)

15 Weitergabe nach unten: Ausdruck sozialer Geringschätzung Weitergabe nach unten: Ausdruck sozialer Geringschätzung Markt wie Systeme sozialer Sicherheit: bestrafen die, die Fürsorge leisten Markt wie Systeme sozialer Sicherheit: bestrafen die, die Fürsorge leisten Caring Caring Gerechtigkeitsproblem (Verteilungsschieflage) Gerechtigkeitsproblem (Verteilungsschieflage) Anerkennungsproblem Anerkennungsproblem

16 Ungerechtigkeiten Partizipation und Inklusion: Einschränkung gesellschaftlicher Zugehörigkeit Partizipation und Inklusion: Einschränkung gesellschaftlicher Zugehörigkeit in der Regel erwerbsarbeitsvermittelt in der Regel erwerbsarbeitsvermittelt Abhängigkeit: einseitig Abhängigkeit: einseitig strukturelle Abhängigkeit von Fürsorgenden (ökonomisch, sozial) strukturelle Abhängigkeit von Fürsorgenden (ökonomisch, sozial) Freiheitsverwirklichung: Maßstäbe für Lebensgestaltung sind geschlechtlich kodiert Freiheitsverwirklichung: Maßstäbe für Lebensgestaltung sind geschlechtlich kodiert Männer: Individualisierung Männer: Individualisierung Frauen: Familiarisierung Frauen: Familiarisierung

17 … Ungerechtigkeiten (2) Strukturelle Diskriminierung… von Frauen/Personen, die private Fürsorge tragen wegen Strukturelle Diskriminierung… von Frauen/Personen, die private Fürsorge tragen wegen Sozialisierung des Kindernutzens Sozialisierung des Kindernutzens Individualisierung der Kinderlasten Individualisierung der Kinderlasten Akut: Einkommensausfall Akut: Einkommensausfall Langfristig: Lebenserwerbseinkommen geringer und Aufstiegsmöglichkeiten minimiert Langfristig: Lebenserwerbseinkommen geringer und Aufstiegsmöglichkeiten minimiert Sozialversicherung: Pensionsabhängigkeit Sozialversicherung: Pensionsabhängigkeit Modernisierung für Frauen: zwiespältig Modernisierung für Frauen: zwiespältig Potenzierung der Anforderungen für Frauen durch Kontinuität der Hauptverantwortung für Fürsorge Potenzierung der Anforderungen für Frauen durch Kontinuität der Hauptverantwortung für Fürsorge Entscheidungsdruck für Frauen steigt Entscheidungsdruck für Frauen steigt Fazit: Verschärfung der Ungerechtigkeiten durch modernisierte Version der Geschlechterordnung Fazit: Verschärfung der Ungerechtigkeiten durch modernisierte Version der Geschlechterordnung

18 Beispiel: Zeitbudget Jan Künzler: Jan Künzler: Alle Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Hausarbeit in den Kernbereichen nach wie vor überwiegend von den Frauen verrichtet wird. Das gilt auch für neuere Untersuchungen, und es gilt auch für die Familien, in denen die Frau erwerbstätig ist – und selbst dann, wenn sie vollzeiterwerbstätig ist, selbst in Dual-Career-Familien und selbst in Stichproben von Familien mit einer Arbeitsteilung, die nach Einschätzung der Familien selbst egalitär ist. Alle Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Hausarbeit in den Kernbereichen nach wie vor überwiegend von den Frauen verrichtet wird. Das gilt auch für neuere Untersuchungen, und es gilt auch für die Familien, in denen die Frau erwerbstätig ist – und selbst dann, wenn sie vollzeiterwerbstätig ist, selbst in Dual-Career-Familien und selbst in Stichproben von Familien mit einer Arbeitsteilung, die nach Einschätzung der Familien selbst egalitär ist.

19 … Zeit (2) Zeitstudien: Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit 30:70 Zeitstudien: Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit 30:70 Gesamtbelastung der Frauen steigt, wenn sie erwerbstätig ist. Gesamtbelastung der Männer mit erwerbstätiger Ehefrau sinkt eher. Gesamtbelastung der Frauen steigt, wenn sie erwerbstätig ist. Gesamtbelastung der Männer mit erwerbstätiger Ehefrau sinkt eher. Bei Vollzeiterwerbstätigkeit der Frau steigt Hausarbeitszeit der Männer nicht merklich. Bei Vollzeiterwerbstätigkeit der Frau steigt Hausarbeitszeit der Männer nicht merklich.

20 Resümee: Leerstelle Fürsorgearbeit Geringe soziale und gesellschaftliche Anerkennung von Fürsorgenden Geringe soziale und gesellschaftliche Anerkennung von Fürsorgenden Strukturelles Defizit bei der Verteilung Strukturelles Defizit bei der Verteilung Protest (implizit): Geburtenrückgang Protest (implizit): Geburtenrückgang als Ausdruck der gesellschaftlichen Ausbeutung von Menschen mit Fürsorgepflichten als Ausdruck der gesellschaftlichen Ausbeutung von Menschen mit Fürsorgepflichten Bauplan der Moderne ist einseitig: es wird eine Gesellschaft ohne Fürsorgebedarf vorgestellt Bauplan der Moderne ist einseitig: es wird eine Gesellschaft ohne Fürsorgebedarf vorgestellt Abfederung: Weitergabe an Gruppen mit geringem sozialen Status Abfederung: Weitergabe an Gruppen mit geringem sozialen Status

21 Privat-strukturelle Zusammenhänge Privatheit als Ort struktureller Widersprüche Wer verzichtet auf ökonomische Selbständigkeit und Sicherheit, also auf das, was in unserer Gesellschaft die selbstverständliche Voraussetzung der Lebensführung ist. Denn wer mitzieht [gemeint ist der Partner, der sich nach den Anforderungen des anderen richtet], muss (meist) erhebliche berufliche Nachteile in Kauf nehmen, wenn sie nicht überhaupt aus ihrer beruflichen Bahn hinausgeworfen wird. Entsprechend steigt der Konfliktpegel. Ehe, Familie, Partnerschaft werden zum Ort, wo die ins persönliche gewendeten Widersprüche einer durchmodernisierten Marktgesellschaft auch nicht mehr kompensiert werden können. (Ulrich Beck)

22 Fürsorgearbeitslücke kein persönliches sondern ein gesellschaftliches Problem, das sich v.a. als Widerspruch auf der persönlichen Ebene zeigt kein persönliches sondern ein gesellschaftliches Problem, das sich v.a. als Widerspruch auf der persönlichen Ebene zeigt Gesellschaftlicher und politischer Handlungsbedarf Gesellschaftlicher und politischer Handlungsbedarf Anspruch der Geschlechtergerechtigkeit verändert Arbeit und Familie, gesellschaftliche Ordnung insgesamt Anspruch der Geschlechtergerechtigkeit verändert Arbeit und Familie, gesellschaftliche Ordnung insgesamt

23 … Fürsorgearbeitslücke (2) Moderne Gesellschaften haben ein Ordnungsproblem Moderne Gesellschaften haben ein Ordnungsproblem Früher: Früher: Entweder Arbeit oder Kinder (Alternative für Frauen) Entweder Arbeit oder Kinder (Alternative für Frauen) Heute Anspruch: Heute Anspruch: Erwerbsarbeit und Kinder (Vereinbarkeit) Erwerbsarbeit und Kinder (Vereinbarkeit)

24 Ethik Ethische Hintergründe und Neuansätze

25 1. Fürsorge in der (klass.) Ethik 1. Vor-moderne Ethik Verpflichtungsgrad positiver Tugenden hoch 2. Moderne Ethik: Gerechtigkeitsethik Gerechtigkeit versus gutes Leben Gerechtigkeit versus gutes Leben Gerechtigkeitsethisch substituiert: Solidarität Gerechtigkeitsethisch substituiert: Solidarität Individualethisch privatisiert:freigestellt, surplus, supererogatorisch Individualethisch privatisiert:freigestellt, surplus, supererogatorisch Ethosethisch feminisiert/familiarisiert: weibliches Ethos, weiblicher Sozialcharakter und Helfen Ethosethisch feminisiert/familiarisiert: weibliches Ethos, weiblicher Sozialcharakter und Helfen

26 2. Ethik der Fürsorge Geschätzt werden Frauen oft wegen ihres fürsorglichen und mitfühlenden Wesens. Manche Feministinnen, die zutiefst um die Würde und Handlungsfähigkeit der Frauen besorgt sind, haben den Wert der Rolle der Frau als Fürsorgerin in Frage gestellt und gemeint, diese Rolle sei ein durch die Unterordnung der Frau erzeugtes Kunstprodukt. Andere Feministinnen haben demgegenüber geltend gemacht, die weibliche Fähigkeit zu Liebe und Fürsorge für andere mache den Kern der Moralität aus, und alle sollten dem nacheifern. Während es sicher verfehlt ist, die Verfassung der Frauen in ungerechten Verhältnissen zu betrachten und daraus unmittelbar zu folgern, so sollte und müssten sie sich verhalten, gehören die Gefühle der Fürsorglichkeit und der Sympathie, wenn man sie gebührend unter die Lupe genommen hat, wirklich zum innersten Wesen des ethischen Lebens. Keine Gesellschaft kann es sich leisten, diese Gefühle nicht zu kultivieren. (M. Nussbaum)

27 Feministische Ethik und Fürsorge Entdeckungszusammenhang Entdeckungszusammenhang Moralpsychologie, weibliches Ethos (Gilligan) Moralpsychologie, weibliches Ethos (Gilligan) Moralphilosophische Diskussion Moralphilosophische Diskussion Phase der Zurückweisung Phase der Zurückweisung Produktive Auseinandersetzung mit FS. Potenzial für die Ethik. Korrektur klassischer Ethikansätze Produktive Auseinandersetzung mit FS. Potenzial für die Ethik. Korrektur klassischer Ethikansätze

28 Die Entdeckung der Fürsorge Carol Gilligan: Die andere Stimme Moralpsychologie, Kohlberg`sches Stufenmodell Moralpsychologie, Kohlberg`sches Stufenmodell Geschlechtsspezifische Unterschiede im moralischen Urteilen zwischen Männer und Frauen Geschlechtsspezifische Unterschiede im moralischen Urteilen zwischen Männer und Frauen Androzentrismus der Moralpsychologie Androzentrismus der Moralpsychologie Heinz-Dilemma Heinz-Dilemma Gerechtigkeit versus Fürsorge Rationales Vernunfturteil – Einbeziehung von Gefühlen (Empathie, Wohlwollen, Mitleid) Rationales Vernunfturteil – Einbeziehung von Gefühlen (Empathie, Wohlwollen, Mitleid) Autonomes Subjekt – Subjekt in Beziehung Autonomes Subjekt – Subjekt in Beziehung Abstrakte, allgemeine Urteile – Konkrete Situation Abstrakte, allgemeine Urteile – Konkrete Situation Umstritten: Geschlechtsspezifische Gebundenheit Umstritten: Geschlechtsspezifische Gebundenheit Weiblicher Lebenszusammenhang: Entdeckung einer wichtigen Moralkategorie Weiblicher Lebenszusammenhang: Entdeckung einer wichtigen Moralkategorie

29 Das Moralurteil der Frauen entwickelt sich von der anfänglichen Sorge um die Selbsterhaltung zu dem Wunsch, Gutes zu tun, und schließlich zu einem reflektierten Verständnis von Zuwendung und gegenseitiger Rücksichtnahme (care) als dem tragfähigsten Grundprinzip für die Lösung menschlicher Beziehungsprobleme. (Gilligan) Das Moralurteil der Frauen entwickelt sich von der anfänglichen Sorge um die Selbsterhaltung zu dem Wunsch, Gutes zu tun, und schließlich zu einem reflektierten Verständnis von Zuwendung und gegenseitiger Rücksichtnahme (care) als dem tragfähigsten Grundprinzip für die Lösung menschlicher Beziehungsprobleme. (Gilligan)

30 Ethik des Sorgens: Nel Noddings Sorgebeziehung als ethische Grundbeziehung Sorgebeziehung als ethische Grundbeziehung Meine erste und nie endende Verpflichtung ist es, dem anderen als Sorgender-Teil zu begegnen. Universalismus der Fürsorge Meine erste und nie endende Verpflichtung ist es, dem anderen als Sorgender-Teil zu begegnen. Universalismus der Fürsorge Die Realität des anderen wahrzunehmen, zu fühlen, was er fühlt, und zwar so ähnlich wie möglich, das ist der wesentliche Teil des Sorgens. Die Realität des anderen wahrzunehmen, zu fühlen, was er fühlt, und zwar so ähnlich wie möglich, das ist der wesentliche Teil des Sorgens. Das Sorgen für sich selbst kann nur aus einem Sorgen für andere hervorgehen. Das Sorgen für sich selbst kann nur aus einem Sorgen für andere hervorgehen. Andere wachsen sehen, Wohlergehen anderer in den Mittelpunkt stellen Andere wachsen sehen, Wohlergehen anderer in den Mittelpunkt stellen Echtheit der Sorgebeziehung (aus Zuneigung) als moralisches Kriterium (Zurückweisung von Abwägungsprozessen, Regeln) Echtheit der Sorgebeziehung (aus Zuneigung) als moralisches Kriterium (Zurückweisung von Abwägungsprozessen, Regeln) Kritik: Grenzen der Sorge? Kritik: Grenzen der Sorge? Kriterien für Angemessenheit der Sorge fehlen Kriterien für Angemessenheit der Sorge fehlen es gibt keine moralischen Gründe für die Grenzziehung in Sorgebeziehungen (Abbruch) es gibt keine moralischen Gründe für die Grenzziehung in Sorgebeziehungen (Abbruch) Gefahr: Weibliche Selbstaufopferung? Gefahr: Weibliche Selbstaufopferung? Gegensatz zwischen Gerechtigkeit und Fürsorge Gegensatz zwischen Gerechtigkeit und Fürsorge

31 Fürsorge verpflichtet alle: Herta Nagl-Docekal Fürsorge: positive allgemeine Pflicht nicht nur der Frauen, gegen Feminisierung, allgemeiner Verpflichtungscharakter positive allgemeine Pflicht nicht nur der Frauen, gegen Feminisierung, allgemeiner Verpflichtungscharakter Begründung: positive Pflichten bei Kant Begründung: positive Pflichten bei Kant gegenseitige allgemeine Hilfe (Auskunft geben, wenn jemand nach dem Weg fragt …) gegenseitige allgemeine Hilfe (Auskunft geben, wenn jemand nach dem Weg fragt …) Spontane wechselseitige Hilfeleistungen im Alltag Spontane wechselseitige Hilfeleistungen im Alltag Richtet sich an selbständige Menschen, FS = wechselseitig Richtet sich an selbständige Menschen, FS = wechselseitig Ernstfall: Radikale Abhängigkeit nichtautonomievollzugsfähiger Menschen? Ernstfall: Radikale Abhängigkeit nichtautonomievollzugsfähiger Menschen? Potentielle Konfliktträchtigkeit entspannt Potentielle Konfliktträchtigkeit entspannt Vereinbarkeit von Autonomie und FS unterstellt Vereinbarkeit von Autonomie und FS unterstellt Verallgemeinerung der Verpflichtung. Preis: Verharmlosung Verallgemeinerung der Verpflichtung. Preis: Verharmlosung

32 Fürsorge ergänzt Gerechtigkeit: Axel Honneth FS (Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe, Wohltätigkeit) FS (Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe, Wohltätigkeit) Leerstelle in der modernen Ethik der Gleichbehandlung Leerstelle in der modernen Ethik der Gleichbehandlung Asymmetrische Verpflichtung, reagiert auf Besonderheit jedes Menschen, nicht reziproke Zuwendung, kann Autonomie einschränken Asymmetrische Verpflichtung, reagiert auf Besonderheit jedes Menschen, nicht reziproke Zuwendung, kann Autonomie einschränken FS und Gerechtigkeit: schließen einander aus. FS und Gerechtigkeit: schließen einander aus.

33 Honneth-Zitat … eine Verpflichtung zur Fürsorge und Wohltätigkeit kann überhaupt nur dort bestehen, wo sich eine Person in einem Zustand so extremer Bedürftigkeit oder Not befindet, dass der moralische Grundsatz der Gleichbehandlung auf sie nicht mehr … anzuwenden ist: so verdienen menschlichen Wesen, die zur Teilnahme an praktischen Diskursen physisch oder psychisch nicht in der Lage sind, zumindest die aufopfernde Fürsorge derjenigen, die ihnen durch emotionale Bindung nahestehen. Aber umgekehrt wird in dem Augenblick, in dem die andere Person als ein gleichberechtigtes Wesen unter allen anderen dadurch anerkannt wird, dass sie in praktische Diskurse einbezogen ist, die einseitige Beziehung der Fürsorge ein Ende nehmen müssen; gegenüber Subjekten, die ihre Überzeugung und Sichtweisen öffentlich zu artikulieren vermögen, verbietet sich eine Einstellung der Wohltätigkeit. … eine Verpflichtung zur Fürsorge und Wohltätigkeit kann überhaupt nur dort bestehen, wo sich eine Person in einem Zustand so extremer Bedürftigkeit oder Not befindet, dass der moralische Grundsatz der Gleichbehandlung auf sie nicht mehr … anzuwenden ist: so verdienen menschlichen Wesen, die zur Teilnahme an praktischen Diskursen physisch oder psychisch nicht in der Lage sind, zumindest die aufopfernde Fürsorge derjenigen, die ihnen durch emotionale Bindung nahestehen. Aber umgekehrt wird in dem Augenblick, in dem die andere Person als ein gleichberechtigtes Wesen unter allen anderen dadurch anerkannt wird, dass sie in praktische Diskurse einbezogen ist, die einseitige Beziehung der Fürsorge ein Ende nehmen müssen; gegenüber Subjekten, die ihre Überzeugung und Sichtweisen öffentlich zu artikulieren vermögen, verbietet sich eine Einstellung der Wohltätigkeit.

34 Wechselseitiger Ausschluss von Autonomie und Fürsorgebedarf Wechselseitiger Ausschluss von Autonomie und Fürsorgebedarf Scharfe Grenze: Diskursfähigkeit Scharfe Grenze: Diskursfähigkeit Ist jemand sprach- und selbstbestimmungsfähig, dann verbietet sich die fürsorgliche Handlung Ist jemand sprach- und selbstbestimmungsfähig, dann verbietet sich die fürsorgliche Handlung Praktisch nicht handhabbar Praktisch nicht handhabbar Zumutbarkeit eingeschränkt Zumutbarkeit eingeschränkt Fürsorgepflicht ist eingeschränkt auf Menschen, die emotional, affektiv dem Bedürftigen nahe stehen Fürsorgepflicht ist eingeschränkt auf Menschen, die emotional, affektiv dem Bedürftigen nahe stehen Ist dies auch gerecht? Maßstab der Gerechtigkeit zählt in diesem Bereich nicht Ist dies auch gerecht? Maßstab der Gerechtigkeit zählt in diesem Bereich nicht

35 Abhängigkeit und Fürsorge: Eva Feder Kittay Ethische und politische Perspektive Ethische und politische Perspektive Abhängigkeit und Fürsorgehandeln als Reaktion auf das Faktum menschlicher Abhängigkeit (dependency): Abhängigkeit und Fürsorgehandeln als Reaktion auf das Faktum menschlicher Abhängigkeit (dependency): Radikal: Existenzielle Abhängigkeit bestimmter Personen Radikal: Existenzielle Abhängigkeit bestimmter Personen Liberal: allgemeine Abhängigkeit aller von anderen Liberal: allgemeine Abhängigkeit aller von anderen dependency-worker: dependency-worker: Sorge um die eigenen Bedürfnisse und um die anderer Sorge um die eigenen Bedürfnisse und um die anderer Situation sekundärer Abhängigkeit Situation sekundärer Abhängigkeit Verletzbarkeit von Abhängigen und dep-workern Verletzbarkeit von Abhängigen und dep-workern Ethik/Politik: muss Abhängigkeit (Verletzbarkeit) als Faktum berücksichtigen Ethik/Politik: muss Abhängigkeit (Verletzbarkeit) als Faktum berücksichtigen Folgen für Gleichheits- und Autonomieverständnis Folgen für Gleichheits- und Autonomieverständnis Bedeutung asymmetrischer Beziehungen Bedeutung asymmetrischer Beziehungen Verletzbarkeit als Begründung für moralische Verpflichtung Verletzbarkeit als Begründung für moralische Verpflichtung

36 Fürsorgeverständnis Fürsorgeverständnis Ineinander von Autonomie und Heteronomie Ineinander von Autonomie und Heteronomie Erfüllende und einengende Anteile, keine Idealisierung Erfüllende und einengende Anteile, keine Idealisierung Soziale Konsequenz Soziale Konsequenz Vorstellung von Sozialität: Subjekte des Vertrags (sozialer Bezug nachträglich) versus Sozialität auf der Basis der Anerkennung von Abhängigkeit und Bindung Vorstellung von Sozialität: Subjekte des Vertrags (sozialer Bezug nachträglich) versus Sozialität auf der Basis der Anerkennung von Abhängigkeit und Bindung Dreierkonstellation: Versorgte – Versorgende – Versorgung der Versorgenden. Kreislauf der helfenden Unterstützung Dreierkonstellation: Versorgte – Versorgende – Versorgung der Versorgenden. Kreislauf der helfenden Unterstützung Soziale Gemeinschaft: Wohlergehen der Caregiver Soziale Gemeinschaft: Wohlergehen der Caregiver Ansatzpunkt für die Begründung von politischen Maßnahmen für die Abhängigen, für die Fürsorgenden Ansatzpunkt für die Begründung von politischen Maßnahmen für die Abhängigen, für die Fürsorgenden Entprivatisierung der Fürsorgethematik Entprivatisierung der Fürsorgethematik

37 Politische Zukunftsperspektiven Drei Wege

38 UNDP-Bericht 1999: Das unsichtbare Herz – Fürsorge in einer globalisierten Wirtschaft Studien über Globalisierung und ihre Auswirkungen auf die Menschen konzentrieren sich vor allem auf Einkommen, Beschäftigung, Bildung und andere Lebenschancen. Weniger sichtbar und oft unbeachtet bleiben die Auswirkungen auf den Bereich der Fürsorge: die Aufgabe, für Angehörige, Kinder, kranke und alte Menschen, aber auch – was nicht vergessen werden sollte – für alle diejenigen von uns zu sorgen, die von den Anforderungen des täglichen Lebens erschöpft sind. Um sich entwickeln zu können, brauchen Menschen nicht nur steigendes Einkommen, Bildung, Gesundheit, Mitspracherecht und eine gesunde Umwelt, sondern auch Fürsorge, deren Wesenskern Aufbau und Pflege menschlicher Beziehungen ist. Fürsorge, die gelegentlich als soziale Reproduktion bezeichnet wird, ist auch ein wesentlicher Faktor für ökonomische Nachhaltigkeit.

39 Voraussetzungen unhintergehbare Abhängigkeit und Verletzbarkeit thematisieren unhintergehbare Abhängigkeit und Verletzbarkeit thematisieren ethisch ethisch politisch politisch Care/Fürsorge als gesellschaftliches Handlungsfeld begreifen Care/Fürsorge als gesellschaftliches Handlungsfeld begreifen Entprivatisierung: Fürsorge als Gegenstandsbereich von Gerechtigkeit begreifen Entprivatisierung: Fürsorge als Gegenstandsbereich von Gerechtigkeit begreifen Fürsorgearbeit unter Gerechtigkeitsanspruch stellen: Gerechte Versorgung Fürsorgearbeit unter Gerechtigkeitsanspruch stellen: Gerechte Versorgung

40 Entwicklungsperspektiven Geteilte Erwerbsarbeit und Fürsorgearbeit für alle Maßstab Frauenleben heute Maßstab Frauenleben heute Anspruch: beides integrieren Anspruch: beides integrieren Doppelverdiener-Doppelcarer Doppelverdiener-Doppelcarer Veränderung von Erwerbsarbeit und von Fürsorgearbeit Veränderung von Erwerbsarbeit und von Fürsorgearbeit Wechselseitige Verstärkung von Umverteilung und Anerkennung Wechselseitige Verstärkung von Umverteilung und Anerkennung Hürde: Wie diese Logik in Gang bringen?? Hürde: Wie diese Logik in Gang bringen?? Politischer Wille und strukturelle Unterstützung Politischer Wille und strukturelle Unterstützung Maßnahmenpaket Maßnahmenpaket

41 Maßstab: Frauenleben Nancy Fraser: Nancy Fraser: Die gegenwärtigen Lebensmuster von Frauen zum Standard für alle machen. Die gegenwärtigen Lebensmuster von Frauen zum Standard für alle machen. Männer dazu bringen, in einem stärkeren Maße so zu werden, wie die Frauen heute sind Männer dazu bringen, in einem stärkeren Maße so zu werden, wie die Frauen heute sind Frauen integrieren beides (Arbeit und Betreuung/Familie); unter Stress Frauen integrieren beides (Arbeit und Betreuung/Familie); unter Stress Strukturelle Unterstützung, damit es mit weniger Stress und Schwierigkeiten geht Strukturelle Unterstützung, damit es mit weniger Stress und Schwierigkeiten geht

42 Ziel: Sowohl als auch Familien- und Arbeitsleben zusammenschauen Familien- und Arbeitsleben zusammenschauen Nicht entweder-oder sondern Sowohl-als auch Nicht entweder-oder sondern Sowohl-als auch Arbeit und Familie: Zueinander statt Konkurrenz Arbeit und Familie: Zueinander statt Konkurrenz Umdenken bei Männern, bei Institutionen und bei Frauen Umdenken bei Männern, bei Institutionen und bei Frauen Kein Frauenproblem! Kein Frauenproblem! Männer und Frauen im gebärfähigen Alter sind für Arbeitgeber ein Risiko Männer und Frauen im gebärfähigen Alter sind für Arbeitgeber ein Risiko

43 Familienpolitik Leitbild Leitbild Vom Ernährer-Hausfrauen-Modell zum Doppelverdiener– Doppelernährer-Modell. Vom Ernährer-Hausfrauen-Modell zum Doppelverdiener– Doppelernährer-Modell. Vereinbarkeit und nicht den Ausstieg unterstützen Vereinbarkeit und nicht den Ausstieg unterstützen Maßnahmen Maßnahmen Zeitrechte (Beispiel Schweden) Zeitrechte (Beispiel Schweden) Finanzielle Unterstützung Fürsorgender (nicht Erwerbstätiger, die Fürsorge delegieren, vgl. Steuerabsetzbeträge) Finanzielle Unterstützung Fürsorgender (nicht Erwerbstätiger, die Fürsorge delegieren, vgl. Steuerabsetzbeträge) Fürsorgearbeit und Rente: Fürsorgearbeit und Rente: Rentenrelevanz, rentenbegründend Rentenrelevanz, rentenbegründend Eigener Pfeiler Eigener Pfeiler Umwandlung in Erwerbsarbeitszeiten = Kompensationslogik Umwandlung in Erwerbsarbeitszeiten = Kompensationslogik Väterförderung: Fürsorgearbeit für Väter aufwerten Väterförderung: Fürsorgearbeit für Väter aufwerten Gute, bedürfnisgerechte außerhäusliche Betreuung Gute, bedürfnisgerechte außerhäusliche Betreuung Stichwort Öffnungszeiten Stichwort Öffnungszeiten Betreuung der 1-3 jährigen (in Schweden: 74%) Betreuung der 1-3 jährigen (in Schweden: 74%)

44 Arbeitspolitik Leitbild Leitbild Vom privat gestützten Arbeitnehmer zum/zur ArbeitnehmerIn mit Fürsorgeverpflichtungen Vom privat gestützten Arbeitnehmer zum/zur ArbeitnehmerIn mit Fürsorgeverpflichtungen Gretchenfrage: Fürsorge = Behinderung oder Qualifikation Gretchenfrage: Fürsorge = Behinderung oder Qualifikation Maßnahmen Maßnahmen Zeitflexibilität Zeitflexibilität Teilzeitvarianten für alle (nicht nur für Frauen) Teilzeitvarianten für alle (nicht nur für Frauen) Abbau der Schlechterstellung von TZ Abbau der Schlechterstellung von TZ Außerhäusliche Betreuung als betriebliche und als öffentliche Aufgabe Außerhäusliche Betreuung als betriebliche und als öffentliche Aufgabe

45 Demographie und Erwerbsarbeit Früher: neg. Zusammenhang zwischen weiblicher Erwerbsarbeit und Fertilität Früher: neg. Zusammenhang zwischen weiblicher Erwerbsarbeit und Fertilität Italien, Spanien Italien, Spanien Heute: positiver Zusammenhang von weiblicher Erwerbsarbeit und Fertilität Heute: positiver Zusammenhang von weiblicher Erwerbsarbeit und Fertilität Skandinavien, Frankreich Skandinavien, Frankreich Voraussetzung: Fürsorgeunterstützung durch öffentliche Hand Voraussetzung: Fürsorgeunterstützung durch öffentliche Hand

46 Fürsorge für alle integrieren Fürsorge muss in unser langes Leben neu eingebaut werden. (…) Wer seine volle Rente beziehen will, sollte künftig nicht nur 40 Jahre Erwerbsarbeit aufweisen, sondern auch fünf Jahre sozialer Dienstleistungen. Das kann die Zeit der Kinderbetreuung sein. Aber nicht nur (…). Entscheidend ist, die Sondersituation der Frauen abzuschaffen, die heute allein durch die Kinderbetreuung benachteiligt sind. (…) Solange wir Fürsorge als weiblich und freiwillig definieren, stecken wir in der Falle. Männer müssen die gleichen Leistungen erbringen wie Frauen. Also müssen wir nun die Männer zwingen, fürsorglich zu sein. Solange wir die Männerrolle nicht umdefinieren, werden wir das Dilemma nicht lösen. (Hans Bertram)

47 Politik International: drei Traditionen Kontinentaleuropäische korporatistische Kontinentaleuropäische korporatistische Erwerbsarbeit Erwerbsarbeit Fürsorge: Familie Fürsorge: Familie Angloamerikanische liberale Angloamerikanische liberale Freiheit Freiheit Fürsorge: Individuelle Verantwortung Fürsorge: Individuelle Verantwortung Sozialdemokratische (Skandinavien) Sozialdemokratische (Skandinavien) Individuelle soziale Sicherung Individuelle soziale Sicherung Dichte sozialstaatliche Unterstützung Dichte sozialstaatliche Unterstützung Fürsorge: Mischform privat und öffentlich Fürsorge: Mischform privat und öffentlich

48 Erster Weg: Umverteilung Universale Erwerbsarbeit – Öffentliche Fürsorge Emanzipation von der weiblichen Seite des Lebens: Ursprünglich männliche Seite (Ernährer) wird generalisiert Emanzipation von der weiblichen Seite des Lebens: Ursprünglich männliche Seite (Ernährer) wird generalisiert Fürsorgearbeit: kein positiv konnotierter Lebensbereich, Auslagern auf den Staat/Markt Fürsorgearbeit: kein positiv konnotierter Lebensbereich, Auslagern auf den Staat/Markt Anerkennung als Erwerbsarbeit Anerkennung als Erwerbsarbeit Kritik: Kritik: Vollzeiterwerbsarbeit für alle – eine realistische Option? Vollzeiterwerbsarbeit für alle – eine realistische Option? Männerleben als Maßstab (androzentr.) Männerleben als Maßstab (androzentr.) Vermutlich keine Umverteilung von Fürsorge zwischen den Geschlechtern Vermutlich keine Umverteilung von Fürsorge zwischen den Geschlechtern Weibliche Codierung der Fürsorge wird nicht abgebaut Weibliche Codierung der Fürsorge wird nicht abgebaut Weitergabe von Fürsorge nach unten Weitergabe von Fürsorge nach unten schlechtere Bezahlung dieses Erwerbsarbeitssektors schlechtere Bezahlung dieses Erwerbsarbeitssektors

49 Zweiter Weg: Anerkennung Lohn für Fürsorgearbeit Gleichstellung der Fürsorgearbeit mit Erwerbsarbeit Gleichstellung der Fürsorgearbeit mit Erwerbsarbeit Aufwertung durch Bezahlung privater Fürsorgearbeit Aufwertung durch Bezahlung privater Fürsorgearbeit Affirmative Anerkennung der Differenz Affirmative Anerkennung der Differenz Springender Punkt Springender Punkt Höhe der Bezahlung Höhe der Bezahlung Abbau öffentlicher Verantwortung für Betreuung Abbau öffentlicher Verantwortung für Betreuung Ausstieg aus der Erwerbsarbeit als Bedingung? Ausstieg aus der Erwerbsarbeit als Bedingung? Probleme Probleme Etablierung von zwei verschiedenen, nicht gleichwertigen Wegen (Institutionalisierung der weiblichen Differenz) Etablierung von zwei verschiedenen, nicht gleichwertigen Wegen (Institutionalisierung der weiblichen Differenz) Vereinbarkeit nicht gelöst Vereinbarkeit nicht gelöst Transformativer Umverteilungseffekt (zwischen den Geschlechtern gering Transformativer Umverteilungseffekt (zwischen den Geschlechtern gering

50 Literaturhinweise Christa Schnabl, Gerecht sorgen. Grundlagen einer sozialethischen Theorie der Fürsorge, Freiburg 2005 Christa Schnabl, Gerecht sorgen. Grundlagen einer sozialethischen Theorie der Fürsorge, Freiburg 2005 Christa Schnabl, Fürsorgearbeit in modernen Gesellschaften. Eine sozialethische Reflexion, in: Die Zwei-Verdiener-Familie. Von der Familienförderung zur Kinderförderung? Hrsg. v. Bernhard Emunds u.a., Münster 2003, Christa Schnabl, Fürsorgearbeit in modernen Gesellschaften. Eine sozialethische Reflexion, in: Die Zwei-Verdiener-Familie. Von der Familienförderung zur Kinderförderung? Hrsg. v. Bernhard Emunds u.a., Münster 2003, Conradi Elisabeth, Take care. Grundlagen einer Ethik der Achtsamkeit, Frankfurt Conradi Elisabeth, Take care. Grundlagen einer Ethik der Achtsamkeit, Frankfurt Kittay Eva Feder, Love´s Labor. Essays on Women, Equality and Dependency, New York Kittay Eva Feder, Love´s Labor. Essays on Women, Equality and Dependency, New York Dies., Behinderung, gleiche Würde und Fürsorge, in: Concilium 39 (2/2003), Dies., Behinderung, gleiche Würde und Fürsorge, in: Concilium 39 (2/2003), Appelt Erna, Familiarismus. Eine verdeckte Struktur im Gesellschaftsvertrag, in: Da geheime Glossar der Politikwissenschaft, hrsg. v. Eva Kreisky, Birgit Sauer, Frankfurt 1997, Appelt Erna, Familiarismus. Eine verdeckte Struktur im Gesellschaftsvertrag, in: Da geheime Glossar der Politikwissenschaft, hrsg. v. Eva Kreisky, Birgit Sauer, Frankfurt 1997,


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