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Was Kinder stark macht – Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern Der Paritätische Thüringen Fachtag 15.02.2011 Haus der Parität - Neudietendorf Kinder.

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1 Was Kinder stark macht – Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern Der Paritätische Thüringen Fachtag Haus der Parität - Neudietendorf Kinder psychisch kranker Eltern – Chance für eine glückliche Kindheit? Dr. Hanna Christiansen

2 Warum ist ein Interventionsprogramm für Familien mit psychisch kranken Eltern wichtig? Als ich nach Hause gekommen bin, hat zuerst keiner aufgemacht. Ich habe geklingelt und geklingelt, aber es hat sich nichts gerührt, und dann bin ich ums Haus rumgegangen und hab gegen die Terrassentür getrommelt. Es ist aber immer noch nichts passiert. Da bin ich langsam böse geworden, weil man das von Mama schon erwarten kann, finde ich. Dass sie wenigstens zu Hause ist und einem die Tür aufmacht, wenn man aus der Schule kommt. Wenigstens das könnte man erwarten, wo sie schon sonst nichts tut und man sich schämen muss in der letzten Zeit. Ich habe mich auf die Fußmatte gesetzt und überlegt, ob ich einfach zu Lule gehen soll. Damit Mama Angst kriegt und einen Schrecken, wenn sie nach Hause kommt und ich bin nicht da. Ja, und dann hab ich es eben erfahren. Frau König hat plötzlich vor mir gestanden, ich weiß nicht, warum sie so lange gebraucht hat. Dabei hat sie doch bestimmt schon auf mich gewartet. Charlotte, mein Kind, hat sie gesagt. Ja, und dann hab ich es eben erfahren. Und so ist es gewesen, wie ich es erzähle, Ehrenwort.

3 Warum ist ein Interventionsprogramm für Familien mit psychisch kranken Eltern wichtig? Mama hat nicht mehr leben wollen. Sie sagen, Mama hat nicht mehr leben wollen. Es hat aber nicht geklappt, und jetzt liegt sie im Krankenhaus in einem Zimmer, das heißt Intensivstation, und da hängen viele Schläuche, durch die kriegt Mama Medizin. Direkt in die Adern. Weil sie ja nicht schlucken kann. Weil sie ja bewusstlos ist. Papa ist bei ihr, und heute Abend soll mich Frau König ins Bett bringen. Ich würde viel lieber bei Lule sein, aber ich mag nicht fragen. ……………….… In meiner Klasse sagen sie, Mama wäre sowieso krank geworden. Und ich werde es später auch mal. So was erbt man, sagen sie in meiner Klasse. Das macht mir Angst, aber dann denke ich, dass ich gerade erst neun bin, und da habe ich wenigstens noch viele Jahre Zeit, bis es passiert wie bei Mama.

4 Prävalenz psychisch kranker Eltern liegt über verschiedene Studien hinweg zwischen 9 – 61 %. Legt man die Zahl der Familien und Raten psychisch Erkrankter zusammen, so kann von 3.8 Millionen betroffener Kinder und Jugendlicher ausgegangen werden. Nach metaanalytischen Ergebnissen entwickeln 61 % der Kinder psychisch kranker Eltern selbst eine psychische Störung im Laufe ihres Lebens. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung ist damit das Risiko psychisch zu erkranken für diese Kinder vierfach erhöht. Dies zeigt sich bereits im Kindes- und Jugendalter: 48.3 % der Patienten in kinder- und jugendpsychiatrischer Behandlung haben ein Elternteil mit einer schweren psychischen Störung. (Mattejat & Remschmidt, 2008 ; Lenz, 2007; Statistisches Bundesamt, 2006; Wittchen, 2000) Warum ist ein Interventionsprogramm für Familien mit psychisch kranken Eltern wichtig?

5 Warum nicht den Fluss hinaufgehen und den suchen, der die Leute hineinstößt? Das ist mit Prävention gemeint. (Rappaport, 1977, S. 62) Strukturelle Faktoren psychischer Gesundheit

6 Je höher der SÖS, desto besser ist die physische & psychische Gesundheit. Unterschiede in der Gesundheit sind ein Resultat sozialer Unterschiede. Obschon die Risiken und Widersprüchlichkeiten im Leben nach wie vor sozial produziert werden, ist die Verantwortung, mit diesen umzugehen und sie zu bewältigen, auf das Indiviudum übertragen worden. ( Zygmunt Baumann, 2007)

7 Strukturelle Faktoren psychischer Gesundheit

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9 Pickett KE, James OW, Wilkinson RG. Income inequality and the prevalence of mental illness: a preliminary international analysis. Journal of Epidemiology and Community Health 2006;60(7): Strukturelle Faktoren psychischer Gesundheit

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11 Weltweit leiden 450 Mio. unter psychischen Störungen, d.h. 1 in 4 von uns. Depressionen sind die häufigsten Ursachen. Strukturelle Faktoren psychischer Gesundheit

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14 Die Reduktion gesundheitlicher Ungleichheit hat 6 Ziele: 1.Beste Startchancen für alle Kinder; 2.Volle Ausschöpfung von Fähigkeiten und Kapazitäten aller Kinder und Erwachsener; 3.Faire und gute Arbeitsbedingungen für alle; 4.Sicherstellung gesunder Lebensstandards für alle; 5.Schaffung und Ausbau gesunder und nachhaltiger Städte und Gemeinden; 6.Ausbau der Gesundheitsprävention und Betonung ihrer gesellschaftlichen Bedeutung.

15 Strukturelle Faktoren psychischer Gesundheit

16 Folgen elterlicher psychischer Erkrankung auf Kinder Vielzahl qualitativer und quantitativer Risiken: - Desorientierung und Verwirrung - Schuld- und Schamgefühle - Isolierung - Betreuungsdefizite - Parentifizierung - Abwertungserlebnisse - Loyalitätskonflikte - erhöhte Säuglings- und Kleinkindsterblichkeit - Bindungsstörungen - Entwicklungsverzögerungen und –störungen - internalisierende und externalisierende Störungen - Entwicklung schwerer psychischer Störungen (Röhrle & Christiansen, 2009; Goodman & Tully, 2008; Nicholson et al., 2008; Fraser et al., 2006; Hall, 2004)

17 Die Gefahr der Kumulierung von Risiken (Epidemiologische Forschung) Niedriger SES Arbeitslosigkeit Große Familie mit geringem Wohnraum Sexuelle und/oder aggressive Misshandlung Eheliche Disharmonie, Scheidung, Trennung der Eltern Vernachlässigung Häufig wechselnde frühe Beziehungen Alleinerziehender Elternteil Verlust der Mutter Längere Trennung von den Eltern in den ersten 7 Lebensjahren alle psychosozialen Risikofaktoren kommen gehäuft vor in Familien mit einem psychisch kranken Elternteil Elterliche psychische Erkrankung = zentrales Kernmerkmal

18 Bella-Studie: Die vier Risikofaktoren mit den stärksten Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Kinder / Jugendlichen FaktorHäufigkeitAuswirkung Odds Ratio Psychiatrische Symptome bei den Eltern10,1%4,0 Bedeutsame subjektive elterliche Stressbelastung (z.B. Haushalt, Erziehung, Arbeitstress, finanzielle Belastungen) 9,9%4,7 Geringe psychologische Lebensqualität (psychisches Wohlbefinden) der Eltern 10,0%4,2 Bedeutsame Konflikte in der Familie5,9%4,9 Bella (Wille, 2009)

19 19 Kumulationseffekte: Psychische Störungen und psychische Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen in Abhängigkeit von der Anzahl der Risikofaktoren (Bella, 2009) Psych. Stör. Psych. Auffäll. Prozentsatz der Kinder mit psychischen Problemen Anzahl der Risikofaktoren

20 Die Folgen für die Kinder sind umso schwerwiegender: -je stärker sie in die Symptomatik des kranken Elternteils einbezogen sind; -je jünger sie sind, wenn die elterliche Erkrankung auftritt; -wenn gravierende, ungelöste elterliche Konflikte bestehen; -wenn die Familie isoliert ist; -wenn Kinder parentifiziert werden; -wenn die Erkrankung zum Auseinanderbrechen der Familie führt. (Kühnel & Bilke 2004; Lenz 2006; 2007; 2008)

21 21 Psychische Erkrankung bei einem Elternteil Verunsicherung; emot. u. Verhaltens- probleme beim Kind Wie müssen wir uns den Zusammenhang zwischen elterlicher Erkrankung und psychischen Störungen beim Kind vorstellen?

22 22 Psychische Erkrankung bei einem Elternteil Verunsicher- ung; emot. u. Verhaltens- probleme beim Kind Erhöhte Stress- belastung Sprachlosigk. Fehlende Orientierungs - möglichk. Reduz. elt. Kompetenz; Eltern- Kind- Interaktions- probleme Zusätzliche Risiko- faktoren Zusammenhang zwischen elterlicher Erkrankung und psychischen Störungen beim Kind

23 Die Kauai-Studie Emmy Werner, geb Ansatzpunkt: Kauai-Studie (Beginn 1955). Alle 698 auf der hawaiianischen Insel Kauai geborene Kinder wurden 32 Jahre lang verfolgt. Dabei wurden ganz unterschiedliche Risiken erfasst (z.B. perinatale Komplikationen; risikoreiche Umweltbedingungen wie z.B. Armut oder psychische Erkrankung eines Elternteils). 1/3 der 200 Kinder, die unter risikoreichen Bedingungen aufwuchsen, wuchsen trotz aller Widrigkeiten zu selbständigen und erfolgreichen jungen Erwachsenen heran. Resiliente Kinder: Es ist diesen Kindern gelungen, eine Widerstandskraft gegenüber risikoreichen Lebensbedingungen zu entwickeln.

24 Resilienz (vgl. Bengel et al., 2009: Schutzfaktoren bei Kindern und Jugendlichen) Resilienz (engl. resilience = Spannkraft, Elastizität, Strapazierfähigkeit; lat.: resilere = abprallen) Gegenbegriff zu Vulnerabilität (= Verletzlichkeit) Operational: Positive Entwicklung trotz ungünstiger Lebensumständen; Fähigkeit aus widrigsten Umständen gestärkt herauszuwachsen.

25 Resiliente Kinder sind im Vergleich zu nicht- resilienten Kindern eher in der Lage aus negativen Affekten und Stimmungslagen herauszufinden, sie sprechen eher über ihre Gefühle, sie sind vertrauensvoller und weniger aggressiv, sie sind einfühlsamer, sie reagieren positiv auf Aufmerksamkeit, sie sind leichter zu lenken, orientieren sich an Erwachsenen, sie sind interessiert an Menschen, Sachen und Ideen und lernen gerne, und sie können Impulse besser kontrollieren, sind zu Belohnungsaufschub in der Lage. Im Gegensatz zu einem häufigen Vorurteil sind resiliente Kinder keine harten Typen, sie sind nicht tough und nicht macho und auch nicht supercool. Mädchen sind häufiger resilient als Jungen. Resiliente Jungen sind eher untypisch (z.B. wenig aggressiv und eher auf andere bezogen).

26 Schutz- und Resilienzfaktoren kindzentrierte (personale) Faktoren robustes, aktives, kontaktfreudiges Temperament emotionale Einfühlungs- und Ausdrucksfähigkeit gute soziale Problemlösefähigkeiten mindestens durchschnittliche Intelligenz Selbstvertrauen, positives Selbstwertgefühl hohe Selbstwirksamkeitserwartungen ausreichende alters- und entwicklungsadäquate Aufklärung über die Erkrankung der Eltern stabile Bindung an mindestens eine primäre Bezugsperson elternzentrierte (personale) Faktoren angemessene Behandlung des erkrankten Elternteils angemessene Krankheitsbewältigung adäquater elterlicher Umgang mit der Erkrankung gute Paarbeziehung (Wiegand-Grefe et al., 2009; Röhrle & Christiansen, 2009; Pretis & Dimova, 2008; Lenz, 2007; Gladstone et al., 2006)

27 familienzentrierte Faktoren gute familiäre Krankheitsbewältigung gute familiäre Kommunikation Offenheit in der Familie im Umgang mit der Erkrankung emotional positives, zugewandtes, akzeptierendes und zugleich angemessen forderndes, kontrollierendes und stabiles Erziehungs- und Familienklima Rituale keine prekären Lebensumstände und -bedingungen soziale/strukturelle Faktoren stabiles soziales Netz/soziales Unterstützungssystem stabile Beziehungen außerhalb der Familie Schule, Arbeit Gemeindeaktivitäten, soziale Teilhabe (Wiegand-Grefe et al., 2009; Röhrle & Christiansen, 2009; Pretis & Dimova, 2008; Lenz, 2007; Gladstone et al., 2006) Schutz- und Resilienzfaktoren

28 Bella-Studie: Die erfassten Schutzfaktoren Personale Ressourcen: Selbstwirksamkeit, Selbstkonzept, Optimismus Familiäre Ressourcen: Familienklima; elterliche Unterstützung. Soziale Ressourcen: Soziale Unterstützung durch Andere; Kontakt zu Gleichaltrigen.

29 29 Prozentsatz der Kinder mit psychischen Problemen Anzahl der Ressourcen Psych. Auffäll. Psych. Stör. Positiver Kumulationseffekt auch bei den Schutzfaktoren/Ressourcen (Bella, 2009)

30 30 - ? + - keine/geringe Ressourcen ? mäßige Ressourcen + viele/gute Ressourcen Interaktionseffekte zwischen Risikofaktoren und Schutzfaktoren/Ressourcen (Bella-Studie, 2009)

31 31 Was ist entscheidend für Kinder von psychisch kranken Eltern? Die Fähigkeit und Möglichkeit über belastende/problematische und über freudige Dinge sprechen zu können. Die Anerkennung der Wirklichkeit in der Familie und im sozialen Netz. Die Validierung der eigenen Erfahrung. Die Chance sich selbst als stark und fähig zu erfahren, etwas zu können sich für etwas interessieren, engagieren und begeistern zu können; sich selbst intensiv und positiv zu erleben. Das Gefühl erwünscht zu sein, von anderen gemocht, akzeptiert, anerkannt, geliebt zu werden. Das Gefühl, sich auf andere stützen zu können.

32 Häufig wird bei der Behandlung psychisch kranker Erwachsener nicht nach den Kindern gefragt, so dass diese oftmals unversorgt und mit ihren Ängsten und Sorgen allein bleiben. Familienangebote gehören leider immer noch nicht zum Standard der Behandlung – auch nicht in Deutschland. ABER: Kinder von psychisch kranken Eltern haben dann gute Entwicklungschancen, wenn Eltern, Angehörige und Fachleute lernen, in sinnvoller und angemessener Weise mit der Erkrankung umzugehen, und wenn sich die Patienten und ihre Kinder auf tragfähige Beziehungen stützen können. (Mattejat 2008) Warum ist ein Interventionsprogramm für Familien mit psychisch kranken Eltern wichtig?

33 International wurde eine Vielzahl präventiver Interventionen für Familien mit psychisch kranken Eltern entwickelt. Formal lassen sich kind- oder elternzentrierte sowie bifokal angelegte Programme unterscheiden. (Christiansen et al., 2010; Röhrle & Christiansen, 2009; Gladstone & Beardslee, 2009; Garber et al., 2009; Lenz, 2007; Fraser et al., 2006) Präventive Ansätze

34 Gemeinsame Komponenten dieser präventiven Maßnahmen sind: – Screenings – Edukation – Innerfamiliäre Entlastungen – Unterstützung beim Umgang mit Gefühlen – Intensivierung familienexterner Kontakte – Familiäre Dezentrierung und Förderung kindlicher Autonomie – Therapie, Frühintervention und Rückfallprophylaxe – Strukturelle Maßnahmen Präventive Ansätze

35 Die Mehrzahl der bestehenden Programme basiert nicht auf evidenzbasierten Forschungskriterien, d. h. Interventions- und Präventionsstrategien beruhen vielfach auf Erfahrungen im Kontext von Projektberichten, nicht auf kontrollierten Studien. -International liegen zwar über 5000 Studien zu dem Thema vor, aber nur 19 RCTs mit follow-up- Messzeitpunkten; diese Studien sind insgesamt sehr heterogen. -Metaanalytische längsschnittliche Effekte liegen im mittleren Bereich (g =.45; k = 27). (Christiansen et al., 2010 & 2009; Röhrle & Christiansen, 2009; Fraser; Anderson, Lloyd & Judd, 2006) Kritik der bestehenden Interventionsprogramme

36 Screening-Instrument Insgesamt 137 Familien füllten ein Screening- Fragebogen für Eltern mit psychischen Erkrankungen aus (45 Patienten). Es ließen sich 2 Dimensionen extrahieren, auf denen sich Eltern mit und ohne psychische Erkrankung signifikant voneinander unterscheiden: Rückzug/Isolation und Erziehungsverhalten. Eltern mit psychischen Erkrankungen lebten zudem weniger häufig in festen Beziehungen.

37 Items der Skala Isolation/Rückzug 1. Ich will nicht, dass mein Kind mit Außenstehenden über Probleme innerhalb der Familie spricht. 2. Ich würde mir wünschen, dass mein Kind mehr Rücksicht auf mich nimmt, wenn es mir schlecht geht. 3. Wenn ich mich nicht gut fühle, dann nervt mein Kind mich oft. 4. Es ist in Ordnung, mit Außenstehenden über unsere familiären Probleme zu sprechen. 5. Wenn ich mich nicht gut fühle, möchte ich, dass mein Kind mich in Ruhe lässt. 6. Ich kann mit Angehörigen oder Freunden über familiäre Probleme reden. 7. Ich finde, das Wissen über eine psychische Erkrankung innerhalb der Familie sollte auch ausschließlich innerhalb der Familie bleiben. 8. Ich muss erst laut werden, damit mein Kind tut, was es soll. F (1,128) = 10.55, p <.001, 2.076

38 F (1,134) = p <

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40 Projekt SONNE Gruppenprogramm mit jeweils 3-5 teilnehmenden Familien I.Diagnostik für Eltern & Kinder: 1 – 2 Termine II.Gruppensitzungen Eltern: 2 Termine (je 90 Min.) III.Gruppensitzungen Kinder: 5 Termine (je 90 Min.) IV.Individuelle Familiensitzung1 Termin (90 Min.)

41 Projekt SONNE Annahmen: Wissen über die Erkrankung entlastet! Geteiltes Leid ist halbes Leid Innerhalb der Familien bestehen Redeverbote, nicht geäußerte Sorgen/Ängste bei Kindern & Eltern! Alle Familien haben Ressourcen!

42 Sitzung 1Kennenlernen & Gruppenregeln – Bildung einer Gruppenidentität Sitzung 2 & 3kindgerechte Informationsvermittlung über psychische Störung & Austausch von Erfahrungen Sitzung 4Gefühlswahrnehmung & – ausdruck; Gefühlsbewältigungsstrategien Sitzung 5Vorbereitung Familiensitzung & Krisenplan; Abschied (Party) Psychoedukation Störungsspezifisch Soziale Unterstützung Störungsunspezifisch Emotionen Störungsunspezifisch Kindersitzungen

43 Informationsvermittlung Kinder Die Informationsvermittlung fand mit Hilfe einer kindgerechten, fiktiven Geschichte (Sarah,9 Jahre) oder für Ältere mit einer Jugendzeitschrift und Leserbriefen statt.

44 Gefühlswahrnehmung & -ausdruck Zentral, dass man nicht immer wissen muss, warum man traurig, fröhlich, wütend oder ängstlich ist, dass man auch durcheinander sein kann und es v.a. darauf ankommt, anderen seine Gefühle mitzuteilen.

45 Krisenplan

46 Inhalte Elternsitzungen Krankheitsspezifische Erfahrungen & Psychoedukation – eigene krankheitsspezifische Erfahrungen und Sicht des gesunden Partners auf die Erkrankung des Partners – elterliche Wahrnehmung des psychosozialen Funktionsniveaus des Kindes Stärken und Schwächen der Kinder Risiko- und Resilienzfaktoren (Schutzfaktoren) – Vorbereitung der Familiensitzung

47 Familiensitzung Ziel der Sitzung ist der gegenseitige Austausch von Eindrücken und Gefühlen innerhalb der Familie. Die Familie soll miteinander ins Gespräch kommen und dadurch zur Perspektivenübernahme befähigt werden.

48 Familiensitzung Mögliche Fragen an jedes Familienmitglied: Was kann der andere besonders gut? Was soll sich im Alltag verändern? Wie nimmst du die Erkrankung wahr? Außerdem wird in der Familiensitzung ein Krisenplan ausgearbeitet.

49 Pilotstudie In Kooperation mit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Rheinischen Kliniken Essen und der Hephata-Klinik Schwalmstadt nahmen insgesamt 18 Familien teil. 30 gesunde Familien nahmen als Kontrollstichprobe teil.

50 Pilotstudie 24 Familien der KG aber nur 2 Familien der EG verfügten über ein Einkommen von > Euro. Eltern aus 10 Familien der KG und keine Familie aus der EG hatten ein abgeschlossenes Hochschulstudium. 29 Familien der KG und 1 Familie der EG waren Teil- oder Vollzeit beschäftigt. Die Kinder waren im Mittel 10 Jahre alt und hatten einen durchschnittlichen IQ. Im Vergleich zur KG hatten die Kinder der EG signifikant erhöhte Werte in der CBCL/im SDQ und im DIKJ.

51 Pilotstudie Alle Kinder zeigten nach der Intervention einen signifikanten Zuwachs an Wissen über die elterliche Erkrankung. Es zeigte sich keine Veränderung in der Symptomatik (CBCL/SDQ/DIKJ). Aber es gab einen positiven Zusammenhang zwischen dem Wissenszuwachs und Verhaltensauffälligkeiten, d.h. je größer der Wissenszuwachs, desto geringer die Verhaltensauffälligkeiten. Der Zuwachs an Wissen hing in Gleicherweise mit der Einschätzung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität der Kinder durch die Eltern zusammen. Die Zufriedenheit mit der Programmteilnahme war bei allen Eltern und Kindern sehr hoch.

52 Pilotstudie Durchführungsprobleme ADHS-Symptomatik der Kinder häufig komorbide LRS-Symptomatik der Kinder große Altersspanne in der Kindergruppe Entfernung zur Klinik Schweinegrippe

53 Pilotstudie Vorläufiges Fazit Multiple Belastungen von Eltern & Kindern – Eignung ambulantes Gruppenprogramm? Eltern wollten nicht, dass ADHS als Krankheit bezeichnet wird. Wissen der Kinder zu ADHS beschränkte sich darauf, dass sie Medikamente nahmen; in Gruppe erstmals Aufklärung über Störungsbild. Sowohl Eltern als auch Kinder äußerten sich sehr positiv über die Programmteilnahme und gaben an, dass sie trotz anfänglicher Bedenken gern gekommen seien und Spaß an der Teilnahme gehabt hätten. 100 % Rücklauf Postbefragung

54 Wir brauchen ein gesundheitspolitisches Umdenken und strukturelle Präventionen, die wahrscheinlich sehr viel mehr und langfristig erreichen können. Bis das erreicht ist, brauchen wir sehr gute Interventionen für Kinder psychisch kranker Eltern. Wir brauchen gute Studien, die die Wirksamkeit von Intervention belegen, um gesundheitspolitisch eine Regelversorgung für diese Familien fordern zu können. Wir brauchen Kooperationen mit Kliniken, Beratungsstellen, Ambulanzen, Praxen, Jugendämtern, Initiativen und Projekten, die mit diesen Familien arbeiten, um die Wirkung von Interventionen im klinischen Alltag erproben und verbessern zu können. Fazit

55 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

56 Diskussionspunkte Workshop Welchen Bedarf haben Sie? Wie können wir betroffene Familien erreichen? Welche Angebote brauchen welche Familien? Wie können Interventionen erfolgreich in der Praxis verankert werden? Welche strukturellen, finanziellen, gesundheitspolitischen Voraussetzungen sind dafür notwendig? Was ist realisierbar? Was ist realistisch? Wie können Kooperationen zwischen Forschung und Praxis aussehen (therapeutische Praxis und methodische Probleme)?

57 Diskussionspunkte Workshop In der Praxis trifft man häufig auf 3 Gruppen: 1. Es bestehen vorherige Kontakte, die eine mögliche Programmteilnahme erleichtern 2. Schwierige Gruppen: Patienten ohne Einsicht in Problematik suchen keine Hilfe & 3. Familien, die wissen, das etwas schief läuft, aber Angst haben, dass ihnen die Kinder weggenommen werden Hilfreich: Kontakte zu Familien über persönliche Kontakte (SPFH, PPM) herstellen Niedrigschwellige Angebote, z.B. instrumentelle Hilfe bei konkreten Alltagsproblemen und darüber dann Vertrauen aufbauen und dann auf Programm hinweisen

58 Diskussionspunkte Workshop Familienhebammen informieren und in die Planung einbeziehen; Hebammen können bis zum 9. Lebensmonat betreuen und mit ärztlichem Rezept auch darüber hinaus; Kurzinformationen als Erstkontakt in den Vorbereitungskursen Gesellschaften für postpartale Depression (z.B. Marçe) & Selbsthilfegruppe für Mütter (Schatten & Licht) Erstkontakte in Klinik herstellen, in denen Eltern in Behandlung sind. Rückmeldung aus der Angehörigenbewegung: schwierig, Ärzte & Klinikpersonal zu erreichen und Verständnis zu wecken, dass die ganze Familie Hilfe braucht (Schweigepflicht); kann ganze Familie bei Entlassgesprächen anwesend sein und Empfehlungen für die Zeit nach dem Aufenthalt bekommen?

59 Diskussionspunkte Workshop In Entwicklungsberatung Prognose zum Verlauf (was passiert, wenn… - wird positiv von Patienten aufgenommen) In Kindergärten/Kindertageseinrichtungen sind z.T. Therapeuten vorhanden – Ansprechpartner für frühe Hilfen & persönlicher Kontakt Viele Familien landen nicht in Klinik; sozialpsychiatrische Dienste haben eher Kontakt; viele Familien nur bei niedergelassenen Psychiatern/Psychotherapeuten in Behandlung – zu denen Kontakt aufnehmen. Viele Patienten kommen nur mit Symptomen zu Hausärzten, Kinderärzten und weiteren Behandlern – dort Kontakt aufnehmen Schulen (Lehrer); Kindertageseinrichtungen

60 Diskussionspunkte Workshop Nicht vergessen: viele Familien landen doch in Behandlung und Familien sind initiativ! Beratungsstellen (niedrigschwellig, anonyme Kontakte ohne Aufnahme von Daten möglich, aber Frage der Beziehungsanbahnung und Zeitinvestition – behutsames Vorgehen) Ambulante psychiatrische Pflege – Angst, wenn nach Kindern gefragt wird, Angst vorm JA, dass Kinder weggenommen werden (schwierig: Auftrag von Nervenarzt (Kontrollaufgabe) vs. vertrauensvoller Kontakt zu Familie (Hilfen leisten)) Betroffene: Behandlungserklärung mit Klinik und Vereinbarung mit JA, was passiert, wenn sie in die Klinik muss

61 Diskussionspunkte Workshop Jugendämter: Angebote über Informationen werden für behandelnde Institutionen zur Verfügung gestellt; das JA hat kein Interesse, hinter dem Rücken der Eltern Dinge auszukegeln JA ermöglicht außerdem anonyme Beratungen Als Profi in kranken Familien bin ich verpflichtet, das schwächste Glied zu schützen: offen mit Familie ansprechen, dann lassen sich u.U. Konflikte vermeiden Profis, die nicht zum JA gehören sollten positiv über das JA reden, welches Hilfen zur Erziehung stellt und eine Kontrollfunktion innehat; die Wegnahme von Kindern nicht das primäre Anliegen des JA Deutscher Kinderarztkongress – auf Sektion Psychiatrie/Psychotherapie Projekte vorstellen

62 Diskussionspunkte Workshop Zusammenarbeit mit Angehörigengruppen – eindrucksvoller wenn Betroffene helfen Wir bieten Fortbildung für Einrichtungsträger/Leistungserbringer an (z.B. betreutes Wohnen etc.) und die führen dann Programm durch Titel der Flyer ändern – Gefahr der Stigmatisierung ; besser z.B. ADHS – ein Problem der ganzen Familie?; Fokus darauf, dass wir helfen, damit Familie mit der Kindererziehung besser klarkommt (oftmals wird Erziehung von psychisch kranken Eltern als Belastung erlebt). Kontakt zu Bündnissen, z.B. Essener/Marburger Bündnis gegen Depression


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