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Soziale Sicherungssysteme Sommersemester 2011 Prof. Dr. iur. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht, insbesondere Verwaltungsrecht, Sozialrecht.

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Präsentation zum Thema: "Soziale Sicherungssysteme Sommersemester 2011 Prof. Dr. iur. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht, insbesondere Verwaltungsrecht, Sozialrecht."—  Präsentation transkript:

1 Soziale Sicherungssysteme Sommersemester 2011 Prof. Dr. iur. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht, insbesondere Verwaltungsrecht, Sozialrecht

2 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 2 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung 1.Allgemeines 2.Aufgaben 3.Versicherter Personenkreis 4.Versicherungsfälle 5.Leistungen 6.Haftungsbeschränkungen 7.Finanzierung 8.Organisation

3 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 3 Echte Unfallversicherung (§§ 2 Abs. 1 Nr. 1, 7 Abs. 1 SGB IV; § 2 Abs. 1 Nr. 2 – 7 SGB VII; § 2 Abs. 2 SGB VII): 1. Allgemeines Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung steht im Zusammenhang mit Beschäftigung (nicht unbedingt abhängige Beschäftigung gegen Entgelt) steht nicht im Zusammenhang mit abhängiger Beschäftigung Unechte Unfallversicherung (§ 2 Abs. 1 Nr. 8 – 17 SGB VII):

4 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 4 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung 1. Allgemeines Ursprünglich: Arbeitnehmerversicherung (§ 2 Abs. 1 Nr. 1 SGB VII) Im Laufe der Zeit Ausdehnung des Versicherungskreises auch über Bereich abhängigen Beschäftigung hinaus Gleicher Versicherungsschutz für Versicherungspflichtige und – berechtigte Eintritt des Versicherungsschutzes ipso iure, unabhängig von Antrag oder Beitragszahlung (Ausnahme: Versicherungsberechtigte, § 6 SGB VII)

5 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 5 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung Unterschiede zur gesetzlichen Krankenversicherung: besseres und für den Versicherten günstigeres Leistungsangebot; z.B. keine Zuzahlung zu den Leistungen; Beitragstragung: alleine durch den Arbeitgeber bei gKV besteht Wettbewerb zwischen den einzelnen Krankenkassen um Mitglieder Keine obere Versicherungspflichtgrenze: bei Überschreiten bestimmten Arbeitsentgeltes besteht keine Ausnahme von der Versicherungspflicht Keine Versicherungsfreiheit wegen Geringfügigkeit der Beschäftigung

6 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 6 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Haftungsfreistellung für Personenschäden Arbeitgeber (der einen Arbeitsunfall verschuldet) Arbeitnehmer (der eine Verletzung an der Hand davonträgt) Gesetzliche Unfallversicherung Zivilrechtliche Schadensersatzansprüche (§§ 280 iVm 241 Abs. 2 BGB, § 823 Abs. 1, 2 BGB) Beschränkte Haftungsfreistellung (§§ 104 f. SGB VII) Leistungsansprüche, insb. §§ SGB VII

7 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 7 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung Unechte Unfallversicherung: rechtssystematisch eigentlich dem Bereich der sozialen Entschädigung zuzuordnen; keine Versicherung im eigentlichen Sinn Uneinheitliche, vom Gesetzgeber für schutzwürdig erachtete Gruppe Aus Steuermitteln finanziert 1. Allgemeines

8 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 8 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung Prävention: Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren (§§ 14 – 25 SGB VII) Rehabilitation: Wiederherstellung der Gesundheit und der Leistungsfähigkeit des Versicherten (§§ 26 – 55a SGB VII) Entschädigung des Verletzten, seiner Angehörigen und Hinterbliebenen nach Eintritt eines Arbeitsunfalls (§§ 26, 56 – 80a SGB VII) 2. Aufgaben (§ 1 SGB VII)

9 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 9 3. Versicherter Personenkreis Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung Kraft Gesetzes Versicherte (§ 2 SGB VII) Versicherungspflichtige (§§ 2, 3 SGB VII) Versicherungspflicht gem. Satzung (§ 3 SGB VII) Echte Unfallversicherung Unechte Unfallversicherung

10 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 10 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung 3. Versicherter Personenkreis Versicherte der echten Unfallversicherung Beschäftigte (§§ 2 Abs. 1 Nr. 1 SGB VII, 7Abs. 1 SGB IV) Vergleichbar Schutzwürdige (§ 2 Abs. 1 Nrn. 2 – 7 SGB VII) Wie- Beschäftigte (§ 2 Abs. 2 SGB VII)

11 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 11 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung 3. Versicherter Personenkreis Wie-Beschäftigte oder arbeitnehmerähnliche Tätigkeit (§ 2 Abs. 2 SGB VII) Ernstliche, einem fremden Unternehmen dienende Tätigkeit Übereinstimmung mit dem wirklichen oder mutmaßlichen Willen des Unternehmers; Handlungstendenz Tätigkeit kann der Art nach von Personen verrichtet werden, die in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, insb. Handeln auf Weisung des Unternehmers Problematische Fälle: Bauhelfer, Gefälligkeitshandlungen, familiäre Hilfe

12 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 12 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung 3. Versicherter Personenkreis Versicherte der unechten Unfallversicherung (§ 2 Abs. 1 Nr. 8 – 17 SGB VII), z.B.: Kinder (Nr. 8a) Schüler (Nr. 8b) Studierende (Nr. 8c) Ehrenamtlich Tätige (Nrn. 9, 10) Nothelfer (Nr. 13a) Meldepflichtige gem. SGB II, SGB III (Nr. 14) Personen auf Rehabilitation (Nr. 15a) Helfer im Wohnungsbau (Nr. 16) Pflegepersonen (Nr. 17)

13 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 13 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung 3. Versicherter Personenkreis Versicherungspflicht gem. Satzung (§ 3 SGB VII), z.B.: Unternehmer und mitarbeitende Ehegatten/Lebenspartner (Nr. 1) Personen, die sich an Unternehmensstätten aufhalten (Nr. 2) Im Ausland bei staatlicher deutscher Einrichtung Beschäftigte (Nr. 3) Ehrenamtlich Tätige und bürgerschaftlich Engagierte (Nr. 4) Versicherungsschutz mit Aufnahme der Tätigkeit

14 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 14 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung Versicherungsfreiheit Kraft Gesetzes, § 4 SGB VII z.B. Beamte (§ 4 Abs. 1 Nr. 1 SGB VII) Bestimmte Selbständige (§ 4 Abs. 2 Nrn. 2 und 3 SGB VII) Auf Antrag, § 5 SGB VII Landwirtschaftliche Kleinstunternehmer 3. Versicherter Personenkreis

15 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 15 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung Freiwillig Versicherte (Abs. 1) Unternehmer und vergleichbare Personen (Nrn. 1, 2) Gewisse ehrenamtlich Tätige (Nrn. 3, 4) schriftlicher Antrag nötig Beginn des Versicherungsschutzes: Tag nach Antragseingang 3. Versicherter Personenkreis Versicherungsberechtigte (§ 6 Abs. 1 SGB VII)

16 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 16 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung 3. Versicherter Personenkreis Überschneidungen durch Doppelversicherungen möglich Verhältnis der einzelnen Versicherungsarten untereinander regelt § 135 SGB VII Probleme: zuständiger Versicherungsträger; vgl. a. § 43 Abs. 1 SGB I vorläufige Leistungserbringung evtl. unterschiedliche Leistungen; Haftungsausschluss möglich Abgrenzung nach Handlungstendenz (s.a.o.)

17 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 17 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung 4. Versicherungsfälle (§§ 7 – 13 SGB VII) a. Arbeitsunfall (§ 8 SGB VII) b. Berufskrankheit (§ 9 SGB VII) § 7 Abs. 1 SGB VII

18 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 18 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung a. Arbeitsunfall Unfälle von Versicherten infolge einer den Versicherungsschutz nach § 2, 3 oder 6 begründenden Tätigkeit (versicherte Tätigkeit). Unfälle sind zeitlich begrenzte, von außen auf den Körper einwirkende Ereignisse, die zu einem Gesundheitsschaden oder zum Tod führen. (Legaldefinition: § 8 Abs. 1 SGB VII) Als Gesundheitsschaden gilt auch die Beschädigung oder der Verlust eines Hilfsmittels. (§ 8 Abs. 3 SGB VII).

19 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 19 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung a. Arbeitsunfall Versicherte Tätigkeit (Vollbeweis) Unfallbringende Handlung (Vollbeweis) Unfall (Vollbeweis) Gesundheits(erst-)schaden/Tod (Vollbeweis) Zurechnungszusammenhang, (infolge; Wahrscheinlichkeit) Haftungsbegründende Kausalität (Wahrscheinlichkeit) Haftungsausfüllende Kausalität (Wahrscheinlichkeit)

20 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 20 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung a. Arbeitsunfall Versicherte Tätigkeit (Vollbeweis) Unfallbringende Handlung (Vollbeweis) Unfall (Vollbeweis) Gesundheits(erst-)schaden/Tod (Vollbeweis) Zurechnungszusammenhang, (infolge; Wahrscheinlichkeit) Unfallkausalität (Wahrscheinlichkeit) Haftungsbegründende Kausalität (Wahrscheinlichkeit) BSG v B 2 U 2/11 R

21 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 21 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung Arbeitsunfall (+), wenn die Verrichtung des Versicherten zur Zeit des Unfalls der versicherten Tätigkeit zuzurechnen ist (innerer bzw. sachlicher Zusammenhang, infolge, Ausschluss von privatem Handeln, wertende Betrachtung), diese Verrichtung zu dem zeitlich begrenzten (Abgrenzung zur Berufskrankheit) und von außen auf den Körper einwirkenden Ereignis (Abgrenzung innerer Ursachen) – dem Unfallereignis - geführt hat (= haftungsbegründende Kausalität) und das Unfallereignis einen Gesundheits(-erst-)schaden oder den Tod des Versicherten verursacht hat (= haftungsausfüllende Kausalität).

22 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 22 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung Zusammenhangsbeurteilung nach Theorie der rechtlich wesentlichen Bedingung: Nur diejenigen Bedingungen sind ursächlich, die wegen ihrer besonderen Bedeutung für den Erfolg zu dessen Eintritt wesentlich beigetragen haben. Rechtlich wesentlich ist eine Bedingung, die bei wertender Betrachtung gegenüber anderen Bedingungen die überragende oder zumindest gleichwertige Bedeutung für den Erfolgseintritt hat; es kommt auf die Umstände des Einzelfalles an Zur haftungsbegründenden Kausalität: Einbeziehung von Unfällen, an denen Mitverschulden des Versicherten besteht und Ausschluss, wenn die Ausübung der versicherten Tätigkeit für die Entstehung des Unfalles unwesentlich ist (sog. Gelegenheitsursachen)

23 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 23 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung 1)AU (-), da zum Zeitpunkt der Tätigkeit (= Duschen, nachdem eine gewisse Zeit vergangen war) kein innerer Zusammenhang mit versicherter Tätigkeit; keine Betriebsnützlichkeit, sondern höchstpersönliches Eigeninteresse (BSG v – B 2 U 31/07 R) Lösungen zu den Übungsfällen: Arbeitsunfall – ja oder nein? Abwandlung : AU (+), innerer Zusammenhang hier (+) 2)Zwar betrieblich bedingtes Gehen, ABER: AU (-), da kein von außen einwirkendes Ereignis, sondern normale Fortbewegung; Umknicken aufgrund Anlageleidens = Gelegenheitsursache (LSG Baden-Württemberg v – L 8 U 5043/09) Abwandlung 2: AU (-); keine plötzliche, ungewollte Einwirkung von außen, sondern bloße regelgerechte Verrichtung betrieblicher Tätigkeit und vollständig vom Willen des Verletzten gesteuert (LSG Baden-Württemberg v – L 1 U 3612/08) Abwandlung 1: AU (+), von außen einwirkendes Ereignis (+)

24 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 24 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung 3)AU (-), da Handlungstendenz ausschließlich eigenwirtschaftlichen Zwecken dient und nicht betrieblichen Interessen Lösungen zu den Übungsfällen: Arbeitsunfall – ja oder nein? Abwandlung: gemischte Tätigkeit (= Tätigkeit besteht aus unternehmensbezogenen und eigenwirtschaftlichen Anteilen); Frage: wäre Verrichtung auch dann vorgenommen worden, wenn private Motivation entfiele? (BSG v B 2 U 12/08 R) Hier: AU (+), innerer Zusammenhang (+); Schwerpunkt der Handlungstendenz primär die betriebliche Tätigkeit 4a) AU (-); nur bei Gelegenheit am Arbeitsplatz ohne jegliche betrieblich veranlasste Handlungstendenz (BSG v – B 2 U 1/98 R) 4b) AU (+); innerer Zusammenhang mit Tätigkeit (+); wesentlich durch versicherte Tätigkeit hervorgerufen (BayLSG v – L 18 U 272/04) 4c) AU (+); innerer Zusammenhang mit Tätigkeit (+); wesentlich durch versicherte Tätigkeit hervorgerufen (BSG v – Sa RKnU 3/82)

25 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 25 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung Lösungen zu den Übungsfällen: Arbeitsunfall – ja oder nein? 5) AU (+): Ergebnis: (+/-); Betriebssport AU (+), wenn Gemeinsinn gefördert oder wenn Zusammengehörigkeitsgefühl aller (und nicht nur Einzelinteressen) dienlich; Unternehmen hat es nicht in der Hand, Schutz der gUV von sich aus auf sonst unversicherte Tätigkeiten auszudehnen (daher vorliegend offengelassen und zurückverwiesen in: BSG v – B 2 U 47/03 R) Unternehmensinteresse Zweck: Förderung Wir-Gefühls Teilnahme Unternehmensleitung Alle eingeladen Kostentragung 20 % der Niederlassung anwesend Werbewirkung nach aussen Von Unternehmen organisiert AU (-): Persönliche Freizeitgestaltung Keine Eignung zur Förderung des Gemeinschaftsgedankens Missverhältnis der Beteiligung angesichts 3800 Mitarbeitern: Gemeinschaftscharakter fraglich Arbeitsfreier Tag Nicht alle, nur kleiner Kreis (Fußballfans) angesprochen

26 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 26 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung Lösungen zu den Übungsfällen: Arbeitsunfall – ja oder nein? Abwandlung zu 5): Kein Vollrausch Liegt im Interesse des Unternehmens Während Arbeitszeit Alle eingeladen Dient betrieblichen Zwecken: Förderung Gemeinschaftssinn Teilnahme des Chefs Pflege Betriebsverbundenheit und des Betriebsklimas Getrunken wegen Betriebsfeier Selbstschädigendes Verhalten Ohne Glas zuviel kein Sturz Weiteres alkoholtypisches Fehlverhalten? 26 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung AU (-): AU (+): Alkohol nur dann überragender Unfall- Verursacher, wenn neben hoher BAK weitere alkoholbedingte Ausfallerscheinungen auftreten Gesamtbetrachtung; AU hier wohl: (+)

27 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 27 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung Arbeitsunfall auch (+), wenn Arbeitsgeräteunfall (§ 8 Abs. 2 Nr. 5 SGB VII) mittelbare Folgen eines Versicherungsfalles (§ 11 SGB VII (z.B. Tod infolge späterer Operation, Gesundheitszweitschaden) Schädigung der Leibesfrucht durch einen Arbeitsunfall (§ 12 SGB VII) Sachschäden bei Hilfeleistungen (§ 13 SGB VII)

28 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 28 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung Merke: Problematische Fälle Abgrenzung betriebliche eigenwirtschaftliche o. private Tätigkeiten (gemischte Tätigkeit); Wo liegt Schwerpunkt? Stand Tätigkeit in innerem, zeitlichen, örtlichen Zusammenhang mit Arbeit? Selbstgeschaffene Gefahren Betriebliche Veranstaltungen (Betriebssport, -feiern, - ausflüge) Trunkenheits-/Drogen(un)fälle Anlagebedingte innere Ursachen

29 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 29 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung Versicherte Tätigkeit ist auch: Wegeunfall (§ 8 Abs. 2 SGB VII) Direkte Weg nach/von dem Tätigkeitsort (Grenze: Haustür des Versicherten; BSG v – B 2 U 39/06 R) Fahrgemeinschaften (auch mit Kindern von Versicherten) Auch Weg von nötiger zweiter Unterkunft zur ständigen Familienwohnung Art der Fortbewegung einerlei

30 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 30 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung Grundsatz: nur der direkte Weg ist versichert Keine Umwege (nicht die kürzeste Verbindung) oder Abwege (entgegengesetzte Richtung), insbesondere für private Zwecke Unterbrechungen von maximal 2 Stunden zulässig; währenddessen kein Versicherungsschutz; Wiederaufleben nach Rückkehr auf ursprünglichen Weg (BSG v – B 2 U 40/97 R) Versicherte Tätigkeit ist auch: Wegeunfall (§ 8 Abs. 2 SGB VII) Antritt des Weges zur/von Arbeit zu/von einem Dritten Ort aber möglich; Frage: Innerer Zusammenhang mit versicherten Tätigkeit und angemessenes Verhältnis zum üblichen Arbeitsweg? (BSG v – B 2 U 33/00 R)

31 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 31 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung 6)trotz Fahruntüchtigkeit Wegeunfall gem. § 8 Abs. 2 Nr. 1 SGB VII; Unfall war überwiegend glatteisbedingt und nicht alkoholbedingt; daher Alkohol keine wesentliche Bedingung für Eintritt des Unfalls (vgl. a. BSG v – B 2 U 23/05 R) Lösungen zu den Übungsfällen: Arbeitsunfall – ja oder nein? Abwandlung: Vollrausch, daher keine dem Unternehmen dienende Tätigkeit mehr möglich; Lösung vom Betrieb erfolgt AU (-) 7)AU (+); längerer, nicht unmittelbarer Weg unschädlich, da bei vernünftiger Betrachtungsweise wegen besserer Straßen- und Verkehrsverhältnisse angemessen (BSG v – B 2 U 20/03 R) Abwandlung 1: AU (+); nur geringfügige Unterbrechung gleichsam im Vorübergehen (BSG v – B 2 U 23/03 R)

32 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 32 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung Lösungen zu den Übungsfällen: Arbeitsunfall – ja oder nein? Abwandlung 3: während Abweg für privaten Zweck und während Einkaufens nicht versichert; erst wieder bei Rückkehr auf unmittelbaren und eigentlichen Weg versichert, da Unterbrechung nur 1 Stunde Abwandlung 4: überhaupt kein Versicherungsschutz, da Abweg für private Zwecke und Unterbrechung länger als 2 Stunden Abwandlung 2: AU (-); Umweg für privaten Zweck; während Überqueren der Straße nicht versichert; Zeitungskauf nicht im Vorübergehen möglich Abwandlung 5: mit Verlassen des KfZ entfällt Versicherungsschutz, lebt aber wieder auf, wenn Unterbrechung nicht länger als 2 Stunden, da dann noch keine endgültige Lösung vom versicherten Arbeitsweg (BSG v – B 2 U 23/03 R sowie BSG v – B 2 U 26/06 R)

33 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 33 Ursächlich mit der versicherten Tätigkeit zusammenhängende Krankheit; Gesundheitsschäden nicht erforderlich Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung b. Die Berufskrankheit, § 9 SGB VII Von BReg in Berufskrankheitenverordnung bestimmt Ergänzung und Anerkennung weiterer Bken durch UV-träger möglich Bsp.: Asbestose, Allergien, Staublunge, Infektionen, Schwerhörigkeit,...

34 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 34 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung 5. Leistungen a.Vor Versicherungsfall (§§ SGB VII): Prävention Aufklärung Beratung Fortbildung Überwachung Unfallverhütungsvorschriften (z.B.: Sicherheitsbeauftragter bei mehr als 20 AN)

35 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 35 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung 5. Leistungen b. Nach Versicherungsfall: §§ 27 – 52 SGB VII: Heilbehandlung, Leistungen zur Teilhabe, Leistungen bei Pflegebedürftigkeit, Geldleistungen (Verletztengeld, Übergangsgeld) §§ 56 – 80 SGB VII: Renten (Vss.: Minderung der Erwerbsfähigkeit = MdE: mind. 20 länger als 26 Wochen), Leistungen an Hinterbliebene, Abfindungen Überblick, allgemeine Grundsätze: §§ 26, 95 ff. SGB VII Wichtigster Grundsatz: Reha vor Rente (§ 26 Abs. 3 SGB VII)

36 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 36 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung 6. Haftungsbeschränkungen Freistellung von der zivilrechtlichen Haftung von Unternehmern (§ 136 Abs. 3 SGB VII) gegenüber AN, deren Angehörigen und Hinterbliebenen; nur bei Personenschäden; kein Schmerzensgeldanspruch Ebenso: unter Arbeitskollegen, bei Beschäftigten verschiedener Unternehmen auf einer gemeinsamen Betriebsstätte (§ 105 SGB VII) Keine Haftungsfreistellung: bei Vorsatz oder Wegeunfall (§ 104 Abs. 1 S. 1 SGB VII) Stichwort: Unternehmerhaftpflichtversicherung (§ 104 Abs. 1 SGB VII)

37 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 37 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung 6. Haftungsbeschränkungen Vgl. a.: Haftungsprivilegierungen gem. § 106 SGB II; hier insbesondere von Bedeutung: Haftungsprivilegierung für Beschäftigte verschiedener Unternehmen auf einer gemeinsamen Betriebsstätte (§ 106 Abs. 3 SGB VII) Aussetzen des Verfahrens bis zur endgültigen Entscheidung, ob ein Versicherungsfall vorliegt, wenn über Ersatzansprüche der in den §§ 104 bis 107 SGB VII genannten Art zu entscheiden ist (§ 108 Bindung der (Zivil-)Gerichte)

38 Privatdozent Dr. Ekkehard Hofmann Vertreter der Professur für Öffentliches Recht Arbeitsunfall, Haftungsausschlüsse und Regress nach §§ 104 f. SGB VII Vorsatz oder Wegeunfall (+) Ansprüche des Geschädigten gegen Schädiger bleiben erhalten (insb. vertragl. Ansprüche, §§ 280 Abs. 1 i.V.m. 241 Abs. 2 BGB (bei Arbeitsverhältnissen); §§ 823 ff. BGB (ggf. i.V.m. StVG) §§ 253, 254 BGB anwendbar Vor Zivilgerichten einzuklagen Vorsatz = bedingter Vorsatz; muss sich auf Verletzungshandlung und -erfolg beziehen Bei Vorsatz und grober Fahrlässigkeit: vor Zivilgerichten geltend zu machender Regress der Sozialversicherungsträger gem. § 110 SGB VII originärer Anspruch aus eigenem Recht; Geltendmachung nach billigem Ermessen: § 110 Abs. 2 SGB VII begrenzt auf Höhe des zivilrechtlichen Schadensersatzanspruches; hier: Berücksichtigung eines Mitverschuldens gem. § 254 BGB (+); § 116 SGB X (cessio legis) gilt nicht (vgl. a. §§ 104 Abs. S. 2; 105 Abs. 1 S. 3; Abs. 2 S. 1; 106 SGB VII) Vorsatz oder Wegeunfall (-) Haftungsausschluss des Unternehmers (vgl. § 136 Abs. 3 SGB VII) für Personenschäden gem. § 104 Abs. 1 SGB VII; Haftungsausschluss von im Betrieb tätigen Personen (Arbeitskollegen; Wie-Beschäftigte gem. § 2 Abs. 2 SGB VII) für Personenschäden gem. § 105 SGB VII Haftungsausschluss für die Sonderfälle des § 106 SGB VII; besonders relevant: § 106 Abs. 1 SGB VII: Kinder, Schüler, Studenten; § 106 Abs. 3, 3. Fall SGB VII (vorübergehende Verrichtung betrieblicher Tätigkeiten durch Versicherte mehrerer Unternehmen auf einer gemeinsamen Betriebsstätte, oft: Baustelle) nur Leistungen der GUV, hier wichtig: Heilbehandlung gem. §§ 28 ff. SGB VII; Verletztengeld und Übergangsgeld gem. §§ 45 ff. SGB VII als Entgeltersatzleistung; Unfallrente gem. §§ 56 SGB VII; Leistungen bei Tod gem. §§ 63 ff. SGB VII Haftungsausschluss auch für Schmerzensgeldanspruch gem. § 253 BGB Mitverschulden irrelevant; Nicht nur bei Unrechts- sondern auch bei Unglücksfällen; Einbeziehung betriebsimmanenter Gefahren Kein Haftungsausschluss bei Sachschäden durch Geschädigten vor Zivilgericht einklagbar Gründe für Haftungsfreistellung: Beitragstragung durch AG, Haftungsfreikauf, soziale Haftpflichtversicherung Wahrung des Betriebsfriedens Gewährleistung eines liquiden Schuldners in Form der GUV Kein Prozessrisiko für Geschädigten 38

39 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 39 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung Übungsfall Nr. 3: Lösungshinweise Schadensersatzansprüche gegen Bertram? Zivilrechtliche Anspruchsgrundlage: § 823 ff. BGB § 823 ff. BGB ausgeschlossen? Gem. § 105 Abs. 1 SGB VII ? Vorsatz? (-) Ausschluss (+) Weitere privatrechtliche Ansprüche? Gegen Arbeitgeber gem. § 3 EntgFG Gegen Arbeitgeber bei Erwerbsunfähigkeit u.U. Zahlung einer Betriebsrente gem. BetrAVG (s.a.o.)

40 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 40 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung Übungsfall Nr. 3: Lösungshinweise § 3 EntgFG Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall (1) Wird ein Arbeitnehmer durch Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit an seiner Arbeitsleistung verhindert, ohne daß ihn ein Verschulden trifft, so hat er Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall durch den Arbeitgeber für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit bis zur Dauer von sechs Wochen. Wird der Arbeitnehmer infolge derselben Krankheit erneut arbeitsunfähig, so verliert er wegen der erneuten Arbeitsunfähigkeit den Anspruch nach Satz 1 für einen weiteren Zeitraum von höchstens sechs Wochen nicht, wenn 1. er vor der erneuten Arbeitsunfähigkeit mindestens sechs Monate nicht infolge derselben Krankheit arbeitsunfähig war oder 2. seit Beginn der ersten Arbeitsunfähigkeit infolge derselben Krankheit eine Frist von zwölf Monaten abgelaufen ist.

41 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 41 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung Übungsfall Nr. 3: Lösungshinweise Sozialrechtliche Ansprüche des Anton? Versicherungsfall gem. § 7 Abs. 1 SGB VII? Arbeitsunfall gem. § 8 Abs. 1 SGB VII? Versicherte Tätigkeit gem. §§ 7 Abs. 1 SGB IV i.V.m. 2 Abs. 1 Nr. 1 SGB VII Verrichtung aufgrund versicherter Tätigkeit (infolge; § 8 Abs. 1 S. 1 SGB VII) Unfall gem. § 8 Abs. 1 S. 2 SGB VII ? Zeitlich begrenzt (+) Von aussen (+)

42 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 42 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung Übungsfall Nr. 3: Lösungshinweise Sozialrechtliche Ansprüche des Anton? Haftungsbegründende Kausalität; Theorie der rechtlich wesentlichen Bedingung (+) Haftungsausfüllende Kausalität (+) Potentielle Ansprüche gegen gesetzliche Unfallversicherung: Heilbehandlung (§§ 27 ff. SGB VII) Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben und in der Gemeinschaft (§§ 35 ff. SGB VII) Leistungen bei Pflegebedürftigkeit (§ 44 SGB VII) Verletztengeld (§§ 45 ff. SGB VII) Zahlung von Renten (§§ 56 ff. SGB VII)

43 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 43 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung 6. Haftungsbeschränkungen Haftung gegenüber Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung (§§ 110 ff. SGB VII) Bei grob fahrlässiger oder vorsätzlicher Herbeiführung eines Schadens durch Personen, deren Haftung gem. §§ 104 ff. SGB VII ausgeschlossen ist, haftet der Schädiger für die infolge des Versicherungsfalles entstandenen Aufwendungen bis zur Höhe des zivilrechtlichen Schadenersatzanspruchs (§ 110 Abs. 1 S. 1 SGB VII). Der Sozialversicherungsträger kann nach billigem Ermessen auf den Ersatzanspruch ganz oder teilweise verzichten (§ 110 Abs. 2 SGB VII).

44 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 44 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung 6. Haftungsbeschränkungen Haftung gegenüber Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung (§§ 110 ff. SGB VII) zivilrechtlicher Anspruch Geltendmachung vor den ordentlichen Gerichten Regressmöglichkeit, falls Unternehmer Schwarzarbeit nach § 1 des Schwarzarbeiterbekämpfungsgesetzes erbringen und keine oder zu geringe Beiträge in die gUV entrichten. Eine nicht ordnungsgemäße Beitragsentrichtung wird vermutet, wenn die Unternehmer die Personen, bei denen die Versicherungsfälle eingetreten sind, nicht nach § 28a SGB IV bei der Einzugsstelle angemeldet hatten (§ 110 Abs.1a SGB VII).

45 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 45 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII – Die gesetzliche Unfallversicherung 6. Haftungsbeschränkungen Haftung gegenüber Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung (§§ 110 ff. SGB VII) Gesetzlicher Forderungsübergang ( § 116 SGB X) Der UV-Träger kann gegenüber den nicht durch §§ SGB VII privilegierten Schädigern den zivilrechtlichen Schadensersatzanspruch des Geschädigten geltend machen.

46 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 46 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII - Die gesetzliche Unfallversicherung 7. Finanzierung Beitragspflicht: Allein durch Unternehmer (Stichwort: Haftungsfreistellung) Pflichtmitgliedschaft (§ 150 SGB VII)

47 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 47 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII - Die gesetzliche Unfallversicherung 7. Finanzierung Beitragshöhe abhängig von Finanzbedarf (Umlagesoll), Arbeitsentgelt der Versicherten, Grad der Unfallgefahr im Unternehmen (Einteilung in Gefahrenklassen; § 153 SGB VII) Lastenausgleich unter gewerblichen Berufsgenossenschaften (§§ 176 ff. SGB VII) Vereinbarung gemeinschaftlicher Tragung der Entschädigungslast zwischen gewerblichen und landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften (§§ 176 ff. SGB VII) Aktuell: Stufenweise Einführung eines neuen Lastenausgleichssystems bis zum Jahr 2013

48 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 48 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII - Die gesetzliche Unfallversicherung 7. Finanzierung Lösungshinweise zu Fall Nr. 4; EuGH v – C -350 / 07: Artikel 267 AEUV (Auszug) (ex-Artikel 234 EGV) Der Gerichtshof der Europäischen Union entscheidet im Wege der Vorabentscheidung a) über die Auslegung der Verträge, b) über die Gültigkeit und die Auslegung der Handlungen der Organe, Einrichtungen oder sonstigen Stellen der Union, Wird eine derartige Frage einem Gericht eines Mitgliedstaats gestellt und hält dieses Gericht eine Entscheidung darüber zum Erlass seines Urteils für erforderlich, so kann es diese Frage dem Gerichts­ hof zur Entscheidung vorlegen. Wird eine derartige Frage in einem schwebenden Verfahren bei einem einzelstaatlichen Gericht gestellt, dessen Entscheidungen selbst nicht mehr mit Rechtsmitteln des innerstaatlichen Rechts angefochten werden können, so ist dieses Gericht zur Anrufung des Gerichtshofs verpflichtet.

49 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 49 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII - Die gesetzliche Unfallversicherung 7. Finanzierung Lösungshinweise zu Fall Nr. 4; EuGH v – C -350 / 07: A.Zulässigkeit eines Vorabentscheidungsverfahrens nach Art. 267 AEUV I.Zuständigkeit des Gerichtshofs (+), nach Art. 267 AEUV II.Vorlageberechtigung/Vorlagepflicht (+), LSG ist mitgliedstaatliches Gericht i.S.d. Art. 267 AEUV

50 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 50 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII - Die gesetzliche Unfallversicherung 7. Finanzierung Lösungshinweise zu Fall Nr. 4; EuGH v – C -350 / 07: III.Vorlagegegenstand: Auslegung der Verträge Hier: Vereinbarkeit des deutschen Systems der gUV mit dem europäischen Gemeinschaftsrecht (Art. 267 Abs. 1 lit. a) AEUV) IV.Vorlagefrage: Abstrakt formulierte Fragen nach Auslegung und/oder Gültigkeit von Unionsrecht nach Aufklärung des Sachverhalts und Prüfung der Entscheidungserheblichkeit? (+)

51 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 51 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII - Die gesetzliche Unfallversicherung 7. Finanzierung Lösungshinweise zu Fall Nr. 4; EuGH v – C -350 / 07: Zwischenergebnis: Vorlage ist zulässig B. Begründetheit (Antwort auf die Vorlagefragen): Pflichtmitgliedschaft für Unternehmen in einer Berufsgenossenschaft könnte gegen das EG-Wettbewerbsrecht (Artt. 81f. EG; nunmehr: Artt. 101f. AEUV) und gegen die Dienstleistungsfreiheit (Artt. 49 ff. EG; nunmehr: Artt. 56 ff. AEUV) verstossen.

52 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 52 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII - Die gesetzliche Unfallversicherung 7. Finanzierung Lösungshinweise zu Fall Nr. 4; EuGH v – C -350 / 07: I.Zur Vorlagefrage 1 – Verstoß gegen die Wettbewerbsfreiheit Berufsgenossenschaft M Unternehmen i.S.d. Artt. 101f. AEUV (fr. Art. 81f. EG)? Unternehmen im Rahmen des Wettbewerbsrechts ist jede eine wirtschaftliche Tätigkeit ausübende Einheit, unabhängig von ihrer Rechtsform und der Art ihrer Finanzierung (vgl. u. a. Urteile vom 23. April 1991, Höfner und Elser, C-41/90, Slg. 1991, I-1979, Randnr. 21, und vom 11. Dezember 2007, ETI u. a., C-280/06, Slg. 2007, I-10893, Randnr. 38).C-41/90C-280/06.

53 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 53 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII - Die gesetzliche Unfallversicherung 7. Finanzierung Lösungshinweise zu Fall Nr. 4; EuGH v – C -350 / 07: I.Zur Vorlagefrage 1 – Verstoß gegen die Wettbewerbsfreiheit? Hier: M ist öffentlich-rechtliche Körperschaft, welche an der Verwaltung des deutschen Systems der sozialen Sicherheit mitwirkt und insoweit eine soziale Aufgabe wahrnimmt, die ohne Gewinnerzielungsabsicht ausgeübt wird (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 16. März 2004, AOK Bundesverband u. a., C- 264/01, C-306/01, C-354/01 und C-355/01, Slg. 2004, I-2493, Randnr. 51).C- 264/01C-306/01C-354/01C-355/01

54 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 54 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII - Die gesetzliche Unfallversicherung 7. Finanzierung Lösungshinweise zu Fall Nr. 4; EuGH v – C -350 / 07: I.Zur Vorlagefrage 1 – Verstoß gegen die Wettbewerbsfreiheit Grundsatz der Solidarität gewahrt? Gesamtbetrachtung: Finanzierung durch Beiträge, deren Höhe abhängig ist von Gefahrenklassen, vom Arbeitsentgelt des Versicherten, vom Finanzbedarf, der sich aus den erbrachten Leistungen des Vorjahres ergibt (§§ 153, 157 SGB VII) hierdurch Schaffung von Gefahrengemeinschaften; Ausgleich gem. § 176 SGB VII der BG´s untereinander; Wert der Leistungen nicht von Beitragshöhe abhängig Grundsatz der Solidarität gewahrt (+)

55 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 55 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII - Die gesetzliche Unfallversicherung 7. Finanzierung Lösungshinweise zu Fall Nr. 4; EuGH v – C -350 / 07: I.Zur Vorlagefrage 1 – Verstoß gegen die Wettbewerbsfreiheit Staatliche Aufsicht gewährleistet? M kann im Rahmen des Selbstverwaltungssystems Faktoren festsetzen, die für die Höhe der Beiträge und der Leistungen ausschlaggebend sind; jedoch: Handlungsspielraum der M betreffend die Faktoren zur Beitragsberechnung durch das Gesetz vorgesehen und strikt begrenzt; Bundesrepublik ist nach Vorschriften des SGB VII Aufsichtsbehörde (+) ZE: M ist kein Unternehmen i.S.d. Artt. 101f. AEUV, daher kein Verstoss hiergegen

56 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 56 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII - Die gesetzliche Unfallversicherung 7. Finanzierung Lösungshinweise zu Fall Nr. 4; EuGH v – C -350 / 07: II.Zur Vorlagefrage 2 – Verstoß gegen die Dienstleistungssfreiheit? Beschränkung des freien Dienstleistungsverkehrs durch Einrichtung einer Pflichtmitgliedschaft? Vorliegend kein Ausschluss der Artt. 56 ff. AEUV (vormals: Artt. 49ff. EG), obwohl System der sozialen Sicherheit in die alleinige Zuständigkeit der Mitgliedsstaaten fällt Weiter: System der GUV sieht lediglich Mindestabdeckung vor; K steht es frei, sich jederzeit zusätzlich betreffend die Risiken AU/BK privat abzusichern, auch in anderen Mitgliedstaaten.

57 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 57 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII - Die gesetzliche Unfallversicherung 7. Finanzierung Lösungshinweise zu Fall Nr. 4; EuGH v – C -350 / 07: II.Zur Vorlagefrage 2 – Verstoß gegen die Dienstleistungssfreiheit? Geeignetheit, Unternehmen von Inanspruchnahme privater Versicherung abzuhalten, zwar nicht abzustreiten, jedoch zwingende Gründe des Allgemeinwohls vorhanden? hier: erhebliche Gefährdung des finanziellen Gleichgewichts des Systems der sozialen Sicherheit, daher Beschränkung der Artt. 56 ff. AEUV (vormals: Artt. 49ff. EG) gerechtfertigt

58 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 58 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII - Die gesetzliche Unfallversicherung 7. Finanzierung Lösungshinweise zu Fall Nr. 4; EuGH v – C -350 / 07: III.Endergebnis: Die Pflichtmitgliedschaft für Unternehmen in einer Berufsgenossenschaft verstößt nicht gegen die Artt. 101f. AEUV (fr.: Art. 81f. EG) sowie die Dienstleistungsfreiheit gem. Artt. 56ff. AEUV (fr.: Artt. 49 ff. EG). Berufsgenossenschaften sind keine Unternehmen im Sinne des Europarechts. Somit verstößt Pflichtmitgliedschaft auch nicht gegen die Rechtsnormen des Binnenmarktes und gegen Wettbewerbsbestimmungen.

59 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 59 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII - Die gesetzliche Unfallversicherung 8. Organisation Geregelt in: §§ 114 – 149a SGB VII i.V.m. 22 Abs. 2 SGB I Durchführung durch eigene Körperschaften, im gewerblichen und im landwirtschaftlichen Bereich durch Berufsgenossenschaften Selbstverwaltung, seit 1953 paritätisch durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber Gliederung der Berufsgenossenschaften nach Branchen, die Unternehmen mit vergleichbaren Unfallrisiken zusammenfassen

60 Prof. Dr. Ekkehard Hofmann Professur für Öffentliches Recht 60 Soziale Sicherungssysteme Das SGB VII - Die gesetzliche Unfallversicherung 8. Organisation Gewerbliche Berufsgenossenschaften (§ 114 Abs. 1 Nr.1 SGB VII i.V.m. Anl. 1) Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaften (§ 114 Abs. 1 Nr. 2 i.V.m. Anl. 2) Gemeindeunfallversicherungsverbände und Unfallkassen der Gemeinden (§ 114 Abs. 1 Nr. 7 SGB VII) Unfallkassen der Eisenbahn und Post/Telekom (§ 114 Abs. 1 Nrn. 4, 5 SGB VII) Feuerwehr-Unfallkassen (114 Abs. 1 Nr. 8 SGB VII) Unfallkassen des Bundes, der Länder und Kommunen (§ 114 Abs. 1 Nrn. 3, 6, 9 SGB VII)


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