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Welt 20. Jahrhundert: Bevölkerungsexplosion

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Präsentation zum Thema: "Welt 20. Jahrhundert: Bevölkerungsexplosion"—  Präsentation transkript:

0 Demografischer Wandel in Ostdeutschland
Menschen gehen, Wölfe kommen? Stefan Krappweis Gemeinsame Landesplanungsabteilung Berlin-Brandenburg Arbeits- und Sozialminister Baaske an einem Freitag, dem , in Spremberg: “Die Europäer sterben aus, die Deutschen sterben noch eher aus und die Brandenburger sterben als erste aus.“ Wolfs-Monitoring soll ausgeweitet werden („Fotofalle“: mit Wolfsurin getarnte Fotoapparate in den Wäldern aufstellen). PNN Für Wölfe ist Brandenburg das Einwanderungsland Nummer eins „Zusammen mit Sachsen ist Brandenburg das Wolfsland Nr. 1“; Matthias Freude: „Brandenburg ist Wolfsland“; Menschen haben von dem sehr sozialen und intelligenten Vierbeiner nichts zu befürchten: „Es ist wahrscheinlicher, im Wald Rotkäppchen zu treffen als einen Wolf.“ (Matthias Freude) wurde bei Spremberg der letzte Deutsche Einzelwolf erschossen, ab 1845 keine Rudel mehr nachgewiesen. Berliner Morgenpost Der treueste Gefährte des Menschen, der Hund, stammt vom Wolf ab: Genetischer Unterschied zwischen Hund und Wolf liegt bei 0,2 %, zwischen Kojote und Wolf bei 3,2 % (Wolf, Wikipedia)

1 Welt 20. Jahrhundert: Bevölkerungsexplosion
Bei gleich bleibender Fruchtbarkeit (2,83 Kinder je Frau ) würden in 150 Jahren 244 Milliarden Menschen, in 300 Jahren 134 Billionen Menschen auf der Erde leben. UN, World- Population in 2300, S. 2 Tragfähigkeit der Erde (max. Zahl von Menschen, die versorgt werden können): ca Milliarden Menschen (1765) Anstieg um 1 Mrd. nach Jahren: 9. Mrd.: 26 8. Mrd.: 15 7. Mrd.: 14 6. Mrd.: 12 5. Mrd.: 13 4. Mrd.: 14 3. Mrd.: 33 2. Mrd.: 123 TFR (Total fertility rate) – constant feritility variant: 2, Panel 2, detailed data „If, for the sake of illustration, the fertility of countries is kept constant at levels, the world population soars to 244 billion by 2150 and 134 trillion in 2300, a definitely impossible outcome.“ Quelle: UN: WORLD POPULATION IN 2300, S. 2 „Insgesamt stehen den 6 Milliarden Menschen heute pro Kopf 15 % mehr Nahrungsmittel als den 4 Milliarden von 1976 und 20 % mehr als den 2,5 Milliarden Menschen von 1950 zur Verfügung.“ Quelle: BIB, Bevölkerung, FAKTEN – TRENDS – URSACHEN – ERWARTUNGEN, DIE WICHTIGSTEN FRAGEN, S. 85, 2004 Johann Peter Süßmilch ( ) Probst der Lutherisch-Brandenburgischen Kirche in Berlin und einer der wichtigsten Klassiker der Demografie: 1741 Die göttliche Ordnung in den Veränderungen des menschlichen Geschlechts, aus der Geburt, Tod und Fortpflanzung desselben erwiesen. Hauptwerk der klassischen Bevölkerungstheorie, zusammen mit Leonhard Euler Berechnungen der Lebenserwartung, die noch bis in 19. Jahrhundert von Versicherungsgesellschaften zur Kalkulation von Lebensversicherungsprämien verwendet wurden. Süßmilch prägte den Begriff von der Tragfähigkeit der Erde: Erste Prognose 7 Mrd. Menschen kann die Erde ernähren. Bei 2. Ausgabe des Werkes 1765: 14 Mrd. Menschen. (zu diesem Zeitpunkt weniger als 1 Mrd. Menschen) (1804: 1 Mrd, 1927: 2 Mrd, (123 Jahre) 1960: 3 Mrd. (33 Jahre) , 1974: 4 Mrd, (14 Jahre) , 1987: 5 Mrd. (13 Jahre) , : 6 Mrd. (12 Jahre) Thomas Robert Malthus ( ), 1798/1803 An Essay on Principle of Population, Übersetzung: Das Bevölkerungsgesetz: These: Jede Verbesserung der ökonomischen Lebensbedingungen ziehe bei den Menschen der Unterschicht (lower classes) einen Anstieg der Geburtenrate und damit ein tendenzielle Überschreitung des Nahrungsspielraums nach sich. Ergebnis: Abschaffung der Armenhilfe in England durch das Parlament. „Rettungsboot-Ethik“: „Helfen ist unmoralisch“ Vgl. Informationen zur politischen Bildung Nr. 282/2004 Bevölkerungsentwicklung, S. 30

2 Welt 2100: Ende des Wachstums
Höchststand 2100: 9,06 Mrd. EW EW-Anteil in % Afrika 13,1 24,9 Asien 60,6 55,4 Europa 12,0 6,5 Nordamerika 5,2 5,2 Lateinamerika 8,6 8,1 Ozeanien 0,5 0,5 2100: Asien und Afrika mehr als 80 % der Weltbevölkerung Europa: -190 Mio EW Mittleres Szenario: ab 2050 100 Jahre unterhalb der natürlichen Reproduktion (2,1 Kinder pro Frau in Europa), danach natürliche Reproduktion Die Geburtenzahl pro Frau nahm vom Zeitraum bis zum Zeitraum weltweit ab: „in den Industrieländern von 2,7 auf 1,6, in den Entwicklungsländern von 6,0 auf 3,1 und in der Welt als Ganzes von 5,0 auf 2,8.“ WORLD POPULATION IN 2300, Highlights;

3 Zukünftige Geburtenziffern weltweit
BiB-Mitteilungen 2/2004 TFR = total fertility rate (zusammengefasste Geburtenziffer)

4 Demografischer Wandel in Ostdeutschland
Gliederung Faktoren, Kennzahl, Paradoxien Trends Europa, Deutschland, Brandenburg Folgen für Brandenburg Wer ist gefordert? Gestaltungsmöglichkeiten Prioritäten für mehr Geburten (alte/neue Länder) Arbeits- und Sozialminister Baaske an einem Freitag, dem , in Spremberg: “Die Europäer sterben aus, die Deutschen sterben noch eher aus und die Brandenburger sterben als erste aus.“

5 Faktoren demografischer Entwicklung
Geburtenrate Staatliche Alterssicherung, soziale Sicherung Kinderschutz (Arbeitskräfte in Bauern-/Handwerkerhaushalten) Bildungsstand; Individualisierung Erwerbstätigkeit Einkommen/BIP Familienstand (ledig, verheiratet) Arbeitsmarkt/Arbeitslosenquote (Weltwirtschaftskrise, Wendekrise) Mittleres Gebäralter Mutterschutz Lebensstandardsicherung bei Babypause (finanz. Unabhängigkeit vom Mann: bezahlte Elternzeit, Kindergeld, Steuerregelungen) Kinderbetreuung Lebenserwartung/Sterberate Gesellschaftlich: Frieden Medizinische Versorgung Hygiene, Desinfektion Arbeitsbedingungen (Bergwerk oder Büroarbeit) Unfallverhütung (Arbeitsschutz, Verkehr) Umweltschutz (Smog, S02) Individuell: Ernährung (Hunger, Vitamine) Konsum (Tabak) Lebensgewohnheiten (Frau, Mann) Fitness Wanderung Gesellschaftliche Lebensbedingungen (persönliche Freiheit, Asyl) Einkommensgefälle Arbeitsplatzangebot (Hochqualifizierte, Wissenschaftler), Existenzgründungshilfe (Steuerfreiheit) Natürliche Lebensbedingungen, Attraktivität (Florida, Mallorca, Fremdenverkehrsgebiete) weiche Standortfaktoren, Infrastrukturausstattung (Bsp. Kita auf dem Telegrafenberg in Potsdam) paradoxe Regel: „Je höher Stand und Tempo der sozioökonomischen Entwicklung in einem Land waren, desto niedriger die Geburtenrate. Die zweihundert Länder der Welt näherten sich dem Ziel einer niedrigen Geburtenrate wie die Schiffe eines langen Geleitzuges, angeführt von Deutschland mit der niedrigsten und gefolgt von den Schwellenländern mit mittleren und den ärmsten Ländern mit der höchsten Geburtenrate, darunter beispielsweise Angola oder Niger mit sieben beziehungsweise acht Geburten pro Frau. Eine Ausnahme dieser Regel bilden die Vereinigten Staaten mit ihrer hohen Geburtenrate von zwei Kindern je Frau. Neben dem Nationalstolz dürfte dafür das grobmaschige soziale Netz ursächlich sein: Hilfe in Notfällen leistet letztlich die eigene Familie, nicht der Staat.“ Herwig Birg, Deutschlands Weltrekorde  GRUNDKURSDEMOGRAPHIE - ERSTE LEKTION, FAZ, Irland: geringster Anteil der Sozialausgaben am BSP in der EU (14,6 %), Schweden: 31,3 %, Tsp (Quelle: Eurostat), aber mit der höchsten Geburtenrate in der EU. „Kinder als Sozialversicherung“ wie in USA Rentenversicherung eine Versicherung gegen Kinderlosigkeit, Hans-Werner Sinn, Tsp Adenauer: „Kinder bekommen die Leute sowieso“ Industriegesellschaften „Ursachenpluralismus“ ·         Einkommen/BIP (im Verhältnis zu Agrargesellschaften) ·         Familienstand (ledig, verheiratet) ·         Bildungsstand; Individualisierung ·         Arbeitsmarkt, Wirtschaftskrise (Weltwirtschaftskrise, Wendekrise) ·         Mittleres Gebäralter („Tempoeffekt: Für die erweiterte EU wird geschätzt, dass dieser Tempoeffekt rund 0,4 Kinder pro Frau beträgt. In anderen Worten, die Fertilitätsrate in der EU würde 1,8 anstatt 1,4 betragen, wenn das mittlere Alter bei der Geburt zumindest konstant bliebe.“ Demografische Forschung 4/2004) o        Nach 60 Jahren bei 2 Kindern pro Frau: o        Gebäralter 20: 3 Generationen (6 Kinder) o    Gebäralter 30: 2 Generationen (4 Kinder) (Schul- und Ausbildungsdauer, gesundheitliche Risiken und Probleme Spätgebärender) O Schweden: ein Jahr früherer Ausbildungsabschluss (gleichwertig), halbes Jahr frühere Mutterschaft, Bayern 2020: mit Schulreform Kinder, ohne Reform ·         Mutterschutz ·         Lebensstandardsicherung (ökon. und sozial (finanzielle Unabhängigkeit vom Mann) o        bezahlte Elternzeit (einheitliches Elterngeld (Deutschland) oder nettolohnbezogen (Skandinavien, Frankreich) o        Kindergeld o        Steuerregelungen. · Kinderbetreuung (Schweden, Dänemark, Norwegen und Finnland mit 1,7 eine der höchsten Geburtenraten in Europa, Gemeinsamkeiten: Unterstützung der Erwerbstätigkeit von Müttern, großes Angebot an Betreuungseinrichtungen für Kinder. Kein Einfluss: Erwerbstätigkeit der Frauen: „Gegenwärtig sind von den 20- bis 39-jährigen Frauen [in Schweden, Dänemark, Norwegen und Finnland] rund 80 Prozent erwerbstätig. Von den ein- bis dreijährigen Kindern besuchen zwischen 36 Prozent (Finnland) und 78 Prozent (Dänemark) eine Kindertagesstätte; von den Drei- bis Sechsjährigen sind es zwischen 67 Prozent (Finnland) und 94 Prozent (Dänemark). Eine außerschulische Betreuung nehmen 30 Prozent (Norwegen) bis 80 Prozent (Dänemark) der schulpflichtigen Kinder in Anspruch.“ Höhe von sozial- und familienpolitischen Leistungen richtet sich nach dem vorangegangenen Einkommen und soll den Erhalt des Lebensstandards auch im Falle einer Erwerbsunterbrechung sichern. So beläuft sich das Elterngeld während der Elternzeit in Finnland auf durchschnittlich 71 Prozent des vorangegangenen Einkommens; in Schweden auf 80 Prozent, in Norwegen auf zwischen 80 und 100 Prozent. In Dänemark wird Elterngeld in Relation zum Arbeitslosengeld gezahlt. Dem Gleichheitsprinzip folgend zielt die Familienpolitik auch auf eine größere Beteiligung von Vätern an der Kinderbetreuung (Vaterurlaub).

6 Geburtenrate - Fertilitätsmaß
Zusammengefasste Geburtenziffer (total fertility rate TFR): durchschnittl. Kinderzahl einer Frau (wenn Geburtenzahl des betrachteten Jahres von ihrem Lebensjahr gelten würde) Deutschland: 1,3 EU: 1,47 Welt: 2,83

7 Sterberate: kein Limit bei Lebenserwartung
keine Obergrenze absehbar Spitzenreiter Japan: 108 Jahre (Frauen), 104 Jahre (Männer) Schlusslichter Liberia und Mali: 88 Jahre (Frauen) 87 Jahre (Männer) MDC: more developed countries LDC: less/least developed countries Deutschland: Anstieg Lebenserwartung: 2-3 Monate pro Jahr, in 4-6 Jahren um 1 Lebensjahr, Rentenalter (65/60) unverändert seit 1916 In Deutschland stieg die Lebenserwartung in der Vergangenheit pro Jahr um 3-4 Monate, d.h. in 4 Jahren etwa um 1 Jahr. Vgl. Sterbetafel, Statistisches Bundesamt, Bis 2050 wird mit einem Anstieg von 4-7,5 Jahren gerechnet, das entspräche pro Jahr einer Zunahme von 1,2-2 Monaten Marc Luy: Warum Frauen länger leben? Erkenntnisse aus einem Vergleich von Kloster- und Allgemeinbevölkerung, Materialien zur Bevölkerungswissenschaft, Heft 102, 2002, Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung beim Statistischen Bundesamt Ergebnis: Nonnen und Mönche werden bei gleichen Lebensumständen gleich alt. Kein biologischer Vorteil der Frau „Die kontinuierliche Vergrößerung der männlichen Übersterblichkeit seit dem zweiten Weltkrieg sollte somit allein der Kategorie der verhaltens- und umweltbedingten Faktoren zuzuschreiben sein.“ Sexuelle Aktivität, Konsumgewohnheiten Wikipedia: Schlüsselfaktoren [Bearbeiten] Mangelnde Hygiene, unsauberes Trinkwasser, unzureichende Ernährung und mangelnde ärztliche Versorgung begrenzen die Lebenserwartung in der Hauptsache. Dies galt für die vorindustrielle Zeit und gilt heute noch für weite Teile der Dritten Welt. Dort, wo diese Verhältnisse auf einem akzeptablen Niveau sind, gelten nun nachstehende 5 Schlüsselfaktoren als bedeutsam: Rauchen Übergewicht Bluthochdruck Diabetes mangelnde regelmäßige Bewegung. So liegt die Spanne der statischen Lebenserwartung einer 70-jährigen Person, 90 Jahre alt zu werden, zwischen 5% und 54%, je nachdem wie günstig oder ungünstig vorstehende Faktoren gegeben sind [5]. Alkoholkonsum und Cholesterinspiegel wurden vor dieser Untersuchung als ebenfalls bestimmende Faktoren betrachtet, ihr Einfluss wurde nun im Vergleich als wesentlich geringfügiger erkannt. Zusammenhang von Lebenserwartung und Geschlecht [Bearbeiten] Der Zusammenhang zwischen der Lebenserwartung und dem Geschlecht einer Person ist für Deutschland eindeutig belegt. Eine Untersuchung der Deutschen Aktuarvereinigung e.V. (DAV) aus dem Jahre 2008 belegt für die letzten 130 Jahre, dass die Sterblichkeit von Frauen im Altersbereich von 20 bis 70 nur etwa halb so groß ist wie von Männern.[6] Damit ergibt sich für Männer eine um durchschnittlich ca. 5 bis 6 Jahre geringere Lebenserwartung als für Frauen. Als Ursachen hierfür werden von Wissenschaftlern das geringere Gesundheitsbewusstsein, aber auch die höhere Risikobereitschaft und die potenziell höhere Morbiditätsrate in den für Männer typischen Berufen genannt. Genau geklärt ist dieser Zusammenhang jedoch noch nicht. Männer werden häufiger in Kriegen, gefahrgeneigter Arbeit, körperlich schädigenden Tätigkeiten eingesetzt, sie suchen bei Krankheitssymptomen seltener einen Arzt auf, rauchen mehr und trinken mehr Alkohol usw. Bei vielen Säugetierarten, zum Beispiel bei Labormäusen, leben die Weibchen im Durchschnitt länger als die Männchen. Dafür gibt es verschieden Erklärungsansätze: Männchen haben eine größere Körpergröße, und jeweils in einer Säugetierart leben die kleineren Exemplare im Schnitt länger als die großen: kleine Hunderassen können 16 Jahre erreichen, während große Hunde meist schon nach neun Jahren sterben. [7] Kleine Menschen und Menschenrassen haben eine höhere Lebenserwartung als große. [8] Wenn die geringere Körpergröße allerdings nicht genetisch bedingt ist, sondern aus schlechter Ernährung resultiert, kehrt sich die Regel um: Dann haben größere Menschen die höhere Lebenserwartung. Dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron wird eine lebensverkürzende Wirkung zugeschrieben: Eunuchen leben im Schnitt länger als nicht kastrierte Männer, allerdings neigen sie zum Übergewicht, was das Leben wieder verkürzt. Generell haben anabole (stoffwechselanregende) Hormone wie Wachstumshormone , die männlichen Geschlechtshormone und Insulin (siehe nächsten Abschnitt: Lebenserwartung und Ernährung) eine lebensverkürzende Wirkung, vielleicht indem sie zu stärkerem oxidativem Stress führen [9]. Ein weiterer Erklärungsansatz für die höhere Lebenspanne von weiblichen Säugetieren und Menschenfrauen ist, dass bei der zyklischen Menstruationsblutung Schadstoffe, Schwermetalle sowie das oxidativ wirkende Eisen aus dem Körper geschwemmt werden.“ WORLD POPULATION IN 2300, Highlights, S. 5f;

8 Alterung 21. Jahrhundert: Alterung very „old Europe“
Mittleres Szenario: ab Jahre unterhalb natürl. Reproduktion (2,1 Kinder pro Frau), danach natürliche Reproduktion Vgl. Informationen zur politischen Bildung Nr. 282/2004 Bevölkerungsentwicklung, S. 15, eigene Darstellung, Quelle: Bevölkerungsprognose UN, WORLD POPULATION IN 2300, Highlights;

9 Demografischer Wandel - Paradoxien
Industrieländer Je größer Wohlstand (Pro-Kopf-Einkommen), desto geringer Geburtenrate (demografisch-ökonomisches Paradoxon) Alte Bundesländer: Steigendes Einkommen/Bildung, sinkende Kinderzahl (DINKS; DCC) Transformationsländer: (Wirtschafts)krisen schweißen die Paare zusammen (Scheidungsrate), Kinder kommen nicht heraus Brandenburg/Neue Länder: Nicht Arbeitslose wandern, sondern gut Qualifizierte Je mehr wir in Bildung investieren, umso größer die Gefahr der Abwanderung Trotz Kinderbetreuung Geburtenrate niedriger als im Südwesten (schlecht betreut) Nur 12 bis 14 Prozent der aus dem Osten Abgewanderten waren arbeitslos, 60 % (M-V) hatten Hochschulabschluss. Gute Kinderbetreuung in neuen Ländern erklärt geringere Kinderlosigkeit von Akademikerinnen im Osten: Alte Länder 44,3 %; Neue Länder: 16,2 % Krippenplätze je 100 Kinder der Altersgruppe alte Länder: 3,4, neue Länder: 34,8; Kitaplätze: alte Länder: 17, neue Länder 111 In den neuen Ländern hat sich Kinderlosenquote der Akademikerinnen in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich erhöht, so dass sich eine langsame Angleichung an die alten Länder vollzieht. (Sachsen-Anhalt, , Zuarbeit für MP-Rede, Referat 21, Dr. Thomas) Sächsische Studie: 85 % der Abgewanderten verfügten über Ausbildungsabschluss: 53 % Lehre und Berufsfachschule, 20 % Fachhochschule, 8 % Meister, Techniker, Fachschulausbildung, rund die Hälfte der Fortgezogenen stand zum Zeitpunkt des Umzuges in einem Arbeitsverhältnis. Bei Euro Ausbildungskosten pro Person (Kita, Schule, Berufsausbildung, Studium) durch Wegzug 2,6 Mrd. Euro Verlust pro Jahr in den Neuen Ländern= „Ost-West-Transfer“, nicht nur Osten saugt Geld vom Westen, auch umgekehrt. (Baaske, A-Runde ) DINKS: double income, no kids, Doppelverdienerpaare, bei denen die Frau gewöhnlicherweise nur die Zuverdienerrolle innehat. DCC: "Dual Career Couples" (Doppelkarrierepaare bzw. DCCs)

10 Wirtschaftliche und emotionale Gründe?
Warum Kinder? Nutzen und Kosten eines Kindes entsprechend seiner Parität Direkte und indirekte Kosten Konsum-Nutzen Versiche-rungs-nutzen Arbeits-nutzen Pro-Kopf-Einkommen Wirtschaftliche und emotionale Gründe?

11 Mehr Wohlstand – weniger Kinder

12 Europa: Schrumpfung Fruchtbarkeit in Transformationsländern
im „roten Bereich“ „8 Eine Ausnahme stellen die Staaten Mittel- und Osteuropas dar, wo es die niedrigsten Geburtenziffern der Welt gibt.“ Bevölkerung 2004, FAKTEN – TRENDS – URSACHEN – ERWARTUNGEN, DIE WICHTIGSTEN FRAGEN „Die wichtigsten Fragen Warum gehen in allen ehemals sozialistischen Ländern die Geburtenziffern zurück? In den 90er Jahren hat in den Transformationsländern der Übergang von einer zentral geleiteten in eine marktwirtschaftliche Ordnung stattgefunden. Gekennzeichnet waren die sozialistischen Wirtschaftssysteme u.a. durch eine überdimensionierte Großindustrie und Landwirtschaft, deren Umbau in allen Ländern zu einer tiefen Strukturbruchkrise führte. Dies kann als eine Gesetzmäßigkeit der Transformationsphase bezeichnet werden. Merkmale dieser Zeit waren Rückgänge des Bruttosozialprodukts, Inflation, Arbeitslosigkeit und Zerfall der bisherigen sozialen Sicherungssysteme. Dies hat der Bevölkerung die eingetretene Krisensituation signalisiert, die darauf mit Entscheidungen gegen die Geburt von Kindern reagiert hat. Menschen richten in Krisensituationen ihr Verhalten an Kriterien der ökonomischen Rationalität aus. Kinder erscheinen dann als ein Grund, der zu sozialer Unsicherheit führt. Sie werden aus der Sicht der Kinderkosten, der Verringerung der Chancen auf dem Arbeitsmarkt und eingeschränkter regionaler Mobilität gesehen. Dagegen dürften vermutete Individualisierungstendenzen in Osteuropa das Geburtenverhalten noch nicht beeinflussen.“ Quelle: Demografische Forschung, 2004 Nr. 4,

13 Deutschland: Schrumpfung
bis 2050 von 82,5 auf Mio. EW Variante 5: - 7,5 Mio. EW (Zuwanderung: EW/Jahr) Variante 1: - 17,5 Mio. EW (Zuwanderung: EW/Jahr) Deutschlands drei demografische Weltrekorde: früheste Schrumpfung infolge niedriger Geburtenrate 1969/1972 (DDR/BRD) höchster Anteil Kinderloser Stärkste Zuwanderung je EW 1980er Jahre: EW/ EW, USA: 245 EW) Herwig Birg, Deutschlands Weltrekorde  GRUNDKURS DEMOGRAPHIE - ERSTE LEKTION, FAZ, Quelle: Statistisches Bundesamt, Bevölkerungsprognose 2050, Herwig Birg, Deutschlands Weltrekorde  GRUNDKURS DEMOGRAPHIE - ERSTE LEKTION, FAZ, „Deutschland hält drei demographische Weltrekorde. Erstens: Es ist das Land, in dem die Bevölkerungsschrumpfung infolge der niedrigen Geburtenrate am frühesten begann, in den alten Bundesländern ab 1972; in der DDR begann die Bevölkerung ab 1969 zu schrumpfen. Zweitens: Die Geburtenrate beträgt bei der deutschen Bevölkerung zwar wie in Spanien und Italien etwa 1,2 Geburten pro Frau, bei der zugewanderten rund 1,9 und im Durchschnitt, ähnlich wie in anderen Ländern, 1,3 bis 1,4 Geburten, aber der Grund für das niedrige Niveau ist ein besonderer: Der weltweit einmalig hohe Anteil der Frauen und Männer an einem Jahrgang, die zeitlebens kinderlos bleiben, liegt hierzulande bei etwa einem Drittel. Drittens: Stärker als in anderen Industrieländern werden fehlende Geburten durch Einwanderungen ersetzt: Schon vor dem Zusammenbruch des Ostblocks und der anschließenden starken Zuwanderung nahm Deutschland deutlich mehr Zuwanderer auf als vergleichbare Länder: Auf Einwohner bezogen, betrug die jährliche Zahl der Zuwanderungen zum Beispiel in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten 245, in Kanada 479, in Australien 694 und in Deutschland (alte Länder) Desinformation und Desinteresse haben zu einem falschen Selbstbild geführt: Deutschland ist weltoffener als andere Länder.“ Kanada (ideelle Erfinder der multikulturellen Gesellschaft, als erste das Konzept in praktische Politik umgesetzt) Mit "ethnischem Mosaik" vom "Schmelztiegel"-Ideal der USA abgrenzen II. Die Philosophie des Multikulturalismus Wie geht Kanada mit dieser ethnischen Vielfalt um?[5] In den sechziger Jahren wurde dazu das Konzept des Multikulturalismus entwickelt, das dann 1971 zur bis heute gültigen Staatsideologie erhoben wurde. Die Kanadier sind nicht nur die ideellen Erfinder der multikulturellen Gesellschaft, sondern sie haben dieses Konzept auch als erste in praktische Politik umgesetzt. Die "Philosophie des Multikulturalismus" lässt sich zu sieben Grundprinzipien zusammenfassen: 1. Prinzipielles (diversity): Die ethno-kulturelle Verschiedenheit wird prinzipiell positiv eingeschätzt - nicht nur, weil sie als Ja zur ethno-kulturellen Verschiedenheit Grundtatbestand der kanadischen Wirklichkeit gilt, sondern auch, weil man sie für vorteilhaft und produktiv hält. Es wird angenommen, dass sie Kräfte enthält, die der kanadischen Gesellschaft als Ganzes unter dem Strich mehr nützen als schaden. Ethno-kulturelle Vielfalt ist demnach Kraftquelle und Bereicherung. 2. Recht auf kulturelle Differenz: Alle Menschen und Gruppen haben das Recht auf Erhaltung und Pflege ihrer kulturellen Besonderheiten. Es besteht also ein Recht, aber keine Pflicht oder gar Zwang zur ethnischen Identifikation. 3. Prinzip der kulturellen Gleichwertigkeit und gegenseitigen Toleranz: Die verschiedenen ethno-kulturellen Gruppen sind gleichwertig. Aus diesem Prinzip leitet sich das Gebot gegenseitiger Toleranz ab. Der Identifikation mit der Herkunftsgruppe soll jedoch die Identifikation mit der Gesamtgesellschaft vorausgehen. Erlaubt ist eine hierarchisch strukturierte Doppelidentität. Die Identifikation mit Kanada soll dabei primär, die Identifikation mit der Herkunftsgruppe sekundär sein. Der "Bindestrich-Kanadier" soll also in erster Linie Kanadier und erst in zweiter Linie Engländer, Schotte, Québécois, Deutscher, Ukrainer oder Chinese sein. 4. Sicherheit-Kontakt-Hypothese: Das Recht auf Differenz gründet u.a. auf der empirisch bestätigten sozialpsychologischen "Sicherheit - und - Kontakt-Hypothese": Die Verankerung in der Eigengruppe fördert das Selbstbewusstsein und die psychische Sicherheit der Individuen und schafft so die Voraussetzungen für die Offenheit gegenüber anderen ethno-kulturellen Gruppen, die Toleranz und interethnische Kontakte erst ermöglichen.[6] 5. Einheit-in-Verschiedenheit (unity-within-diversity): Ein Kern von gemeinsamen Grundwerten und -regeln (Verfassung, Gesetze, gemeinsame Sprache) garantiert den Zusammenhalt des Ganzen und setzt der Verschiedenheit und dem Recht auf kulturelle Differenz und dem Prinzip der kulturellen Gleichwertigkeit Grenzen. Der gemeinsame Rahmen hat einen klaren Vorrang vor den besonderen Teilkulturen. Einwanderer dürfen nur diejenigen Teile ihrer Kultur erhalten und pflegen, die nicht im Widerspruch zum verbindlichen gemeinsamen Kern stehen ("selektive Bewahrung der Kultur"). Die Gleichheit der Frau sowie häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder sind typische Bereiche, in denen manche Herkunftskulturen mit dem gemeinsamen Kern kollidieren. Da die Kernnormen dem europäischen Kulturkreis entstammen, relativiert das Prinzip "Einheit-in-Verschiedenheit" die Rechte auf kulturelle Differenz und Gleichwertigkeit; de facto gibt es eine Hierarchie der ethno-kulturellen Gruppen: Je mehr eine Kultur dem gemeinsamen Kern widerspricht, desto mehr werden ihr Unterordnung und Verzicht abverlangt. Die Grenzziehung zwischen Verschiedenheit und Einheit (wo endet die gleichberechtigte Verschiedenheit, wo müssen sich kulturelle Besonderheiten dem gemeinsamen Kern unterordnen?) ist in einigen Punkten umstritten und Teil des politischen Diskurses. 6. Recht auf gleiche Chancen: Mit dem liberalen Recht auf kulturelle Differenz ist das soziale Recht auf gleiche Chancen bei der Teilhabe an der kanadischen Gesellschaft verbunden. Der kanadische Multikulturalismus ist also nicht auf die kulturelle Ebene beschränkt, wie es der Terminus Multi-"Kulturalismus" suggerieren könnte, sondern er hat eine liberal-soziale Doppelnatur und enthält zwei fundamentale Rechte: neben dem Recht auf kulturelle Verschiedenheit auch das Recht auf soziale Chancengleichheit. Seine Herausforderung besteht darin, zwei Ziele gleichzeitig zu erreichen: kulturelle Verschiedenheit zu erhalten und ethnisch bedingte soziale Ungleichheit abzubauen. 7. Management-Annahme: Multikulturalismus in dem skizzierten Sinne entwickelt sich nicht von selbst, sondern bedarf des politischen Managements - der politischen Ermutigung und Förderung. Wichtige Bestandteile der Multikulturalismus-Philosophie werden in der Metapher des "ethnischen Mosaiks" eingefangen. Damit will sich Kanada bewusst und nachdrücklich vom "Schmelztiegel"-Ideal der USA abgrenzen: Die Vielfalt der Kulturen soll nicht in einem "melting pot" eingeschmolzen werden, sondern jede ethno-kulturelle Gruppe soll - wie die Steinchen bzw. Teile eines Mosaiks - ihre spezifische Farbe oder Form erhalten. Alle Gruppen zusammen formieren sich dann mit ihren Besonderheiten zu einem bunten und vielgestaltigen Gesamtbild.

14 Deutschland: Schrumpfung
bis 2050 je nach Zuwanderung von 82,5 auf Mio. EW - 7,5 Mio. EW (Zuwanderung: EW/Jahr) - 17,5 Mio. EW (Zuwanderung: EW/Jahr) Geburtendefizit pro Jahr: 2000: EW 2050: EW Quelle: Statistisches Bundesamt, Bevölkerungsprognose 2050, S. 27

15 Bevölkerungsentwicklung – alte Länder
Hauptbewegungen in alte Länder: Vertriebene : 8 Mio. (Anteil 16 %) Aussiedler (dt. Siedlungsgebiete im Ausland) 1950 bis heute: 4,3 Mio. Übersiedler 1950-Mauerbau: 2,6 Mio. Ausländer 1965 bis heute: 6,6 Mio. (insgesamt 7,3 Mio.) 4. Gastarbeiter 5. Asyl 6. Innerdeutsche Ost-West-Wanderer seit 1989: 1,5 Mio. Zwischen 1960 und 2002 sind insgesamt 26,7 Mill. ausländische Staatsangehörige in das frühere Bundesgebiet bzw. nach Deutschland zugezogen und 19,2 Mill. haben es wieder verlassen.(S. 31)

16 Bevölkerungsentwicklung – Neue Länder
Hauptbewegungen neue Länder: Vertriebene (Neubürger, Umsiedler) : 4,1 Mio. (Anteil 22 %) Übersiedler 1950-Mauerbau: -2,6 Mio. Innerdeutsche Ost-West-Wanderer (Saldo) bis 2003: seit 1989: -1,5 Mio. Hauptbewegungen: Vertriebene : 8 Mio. Aussiedler 1950-heute: 4,3 Mio Übersiedler 1950-Mauerbau: 2,6 Mio. Innerdeutsche Ost-West-Wanderer: Ausländer 1965-heute: 6,6 Mio. (insgesamt 7,3 Mio. Ausländer) Von mehr Frauen als Männer vom Osten in den Westen gewandert

17 Bevölkerungsentwicklung – Neue Länder
Wanderungsmanagement der Verlierer (Rückholwerbung, Rückholagenturen): Mecklenburg-Vorpommern: mv4you, Rückholagentur Sachsen-Anhalt: „Heimatschachtel“ „Care um“-Pakete Sachsen: „Sachse, komm zurück“ Quelle: Ossis zurück in den Osten, Financial Times Deutschland, 30. September 2005 Die Welt : Viele Zuwanderer sind Rückwanderer Magdeburg: 30 Prozent der Zuwanderer sind Rückkehrende, im ländlichen Raum liegt der Anteil bei 50 Prozent Hauptmotiv: Privater Bereich, bei einem Drittel gaben berufliche Gründe den Ausschlag Konsequenz: junge Akademiker halten, familienfreundliche Hochschule, Akademikerfamilien mit Kindern neigen weniger zum Wegwandern als Kinderlose. Sieben Rückwanderungsagenturen im Osten Handelsblatt Mecklenburg-Vorpommern: Finanzierung der Rückholagentur über das Arbeitsministerium „Über 900 Ausgewanderte betreut die Agentur derzeit im gesamten Bundesgebiet. Die Klienten werden mit den neuesten Nachrichten - wie hat Hansa Rostock gespielt? - aus der Heimat versorgt und über neue Job-Angebote gezielt informiert. Die Agentur erreiche immerhin 15 Prozent aller im gesamten Bundesgebiet verstreuten Meck-Pomm'ler. Seit der Gründung vor vier Jahren hat die Agentur über 200 Rückkehrer vermittelt, einen Großteil davon in diesem Jahr. Aus Sicht der Landesregierung ein klarer Erfolg. Schließlich sei das Projekt langfristig angelegt und bereite bislang nur den Boden für Rückkehrwillige. Die CDU-Opposition sieht das naturgemäß anders. Die Rechnung ist schnell gemacht: Über Euro pumpt das finanziell klamme Land in diesem Jahr in die Agentur. Demgegenüber stehen gerade mal 37 zurückgekehrte Fachkräfte. Damit kostet die Vermittlung jedes Rückkehrers im Schnitt über 6000 Euro.“ Quelle: Ossis zurück in den Osten, Financial Times Deutschland, 30. September 2005 https://www.mv4you.de/presse_detail.php?type=pmtool&detail_include=detail_ EE8_1.php Sachsen-Anhalt: Vorläufer der “Heimatschachtel”: vor 10 Jahren 1,5 Mio. Ostpakete verschickt mit landwirtschaftlichen Produkten aus dem Osten Auszeichnung für Ostpakete-Kampagne , Wirtschaft, S. 10: Magdeburg/Hamburg. „Die Agrarmarketinggesellschaft Sachsen-Anhalt erhielt gestern in Hamburg den deutschen Preis für Public Relations "Goldene Brücke". Die Auszeichnung wurde für Konzeption und Durchführung der Ende 1996 gestarteten Weihnachtsaktion "Ostpakete für den Westen" verliehen, die die Marktstellung sachsen-anhaltinischer Lebensmittel in den alten Bundesländern verbessern sollte.) ab 2006 in Form der „Heimatschachtel“ oder „Care um“-Pakete speziell an West-Abgewanderte versendet, um das Heimweh zu fördern. "Junge Karriere Mitteldeutschland" aus Sachsen-Anhalt ist ein Zusammenschluss mehrerer Unternehmen Sachsen: keine staatlichen Zuschüsse, Initiative der IHK Dresden und 165 Firmen

18 Deutschland: Bevölkerungs(um)verteilung
(nach Kreisen): Fernwanderung ín Alte Länder zur Arbeit Nahwanderung aus den Kernstädten ins Umland in die größere Wohnung (Suburbanisierung) Quelle: BBR

19 Geburtenrate: Vergleich alte/neue Länder
0.0 0.5 1.0 1.5 2.0 2.5 3.0 1950 1960 1970 1980 1990 2000 Westdeutschland Ostdeutschland Verlauf in den Neuen Bundesländern wie nach Absprache Frauen- und Familienpolitik der DDR (1989 nahezu 92 Prozent der Frauen erwerbstätig) 1. Lösung der „Frauenfrage“: Gleichberechtigung nur über Berufstätigkeit der Frau zu erreichen (Clara Zetkin ( ) und August Bebel ( )) 2. Ökonomische Zwänge: „Auch die wirtschaftliche Lage der DDR machte die Berufstätigkeit der Frauen zwingend notwendig, um den gesellschaftlichen Aderlass durch den Krieg und die Flucht- und Abwanderungsbewegung von 1945 bis zum Mauerbau 1961 auszugleichen und eine Produktionssteigerung, unter der im Vergleich zu westlichen Industrieländern geringeren Produktivität pro (Industrie-) Arbeitsplatz, zu gewährleisten.“ Ziel: Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei Vollzeitarbeit der Frauen - „werktätige Frau und Mutter“ Mittel: „Muttipolitik“ Wohnung: „Soziale und finanzielle Vergünstigungen erhielten bevorzugt Personen mit Kindern. So war in den Zeiten des Wohnungsmangels die einzige Möglichkeit das Elternhaus zu verlassen und eine eigene Wohnung zu erhalten, häufig die eigene Elternschaft. Entsprechend bekamen Prozent der Frauen in der DDR bereits vor dem 25. Lebensjahr ihr erstes Kind.“ Zinsloser Ehekredit über 5000 Mark für Paare jünger als 26 Jahre ab 1972: konnte durch Kinder getilgt, „abgekindert“, werden. Ab dem dritten Kind vollständiger Erlass Babyjahr, ein Jahr Erziehungsurlaub bei voller Lohnfortzahlung, bei drittem Kind bis zu eineinhalb Jahren 40-Stundenwoche (statt 48 Std.) für beschäftigte Mütter von 2 Kindern ohne Lohnminderung Bezahlter Haushaltstag pro Monat Krippe, Kita, Hort: „Zuletzt betrug die Versorgungsquote öffentlicher Kleinkindbetreuung im Landesdurchschnitt 80 Prozent, in den Großstädten bestand eine fast 100prozentige Versorgung mit Krippen. Kindergartenplätze gab es für 94 Prozent und Hortlätze für 82 Prozent der Kinder. Die festgeschriebenen Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen lagen bei 6:00 Uhr bis 19:00 Uhr.“ - Anerkennungskultur für arbeitende Mütter: ein Haushaltstag im Monat (allerdings nur 15 Tage Urlaub), 8. März (Sträuße mit je 5 roten Nelken für die Frauen, „Kampfnelken“, Kultur- und Ausgehprogramm von Männer für Frauen organisiert (Theater, Weiße Flotte, Betriebsbesichtigung, Ausstellung); Ehrung im Palast der Republik: hohe staatliche Auszeichnungen für 100 verdiente Frauen, mit „Kohle“ (500 – 1500 Mark): „Banner der Arbeit“ Stufe 1, 2, 3; „Held der Arbeit“ (5000 Mark), einen Tag vorher Bekanntmachung in allen Bezirkszeitungen; Ball der Frauen, Erich Honecker beim Eröffnungstanz Den anderen Weg ging man in der DDR: Bevölkerungszuwachs nicht durch Zuwanderungspolitik, sondern durch konsequente Familienpolitik (und man muss hinzufügen: durch den Versuch, Abwanderung zu verhindern). Für die Hochzeit gab es den Ehekredit von 4000 Mark, der sich nach Geburt des ersten Kindes in einen Zuschuss verwandelte. Außerdem den Anspruch auf die 2 ½-Raum-Wohnung. Mit dem ersten Kind gab es ein bezahltes Babyjahr und nach der Rückkehr in den Betrieb einen bezahlten Haushaltstag pro Monat für die Mutter. Krippe und Kita waren kostenlos. Für Familien mit mindestens 3 Kindern gab es weitere Vergünstigungen wie freies Essen in der Schule, kostenlose Schulbücher, freie Fahrt für öffentliche Verkehrsmittel für die ganze Familie. Wie sehr von diesem Klima staatlicher Fürsorge nicht nur für die Familie, sondern auch für den Arbeitsplatz die Familienplanung abhing, zeigt der dramatische Geburtenknick nach der Wende. Merkel forderte ein neues Männerbild: „Die Gleichstellung der Frau wird ohne eine Veränderung des Rollenbildes des Mannes nicht möglich sein.“ Es müsse eine neue Aufgabenteilung geben, die von Männern akzeptiert werde. „Wir gehen in eine neue Zeit“, sagte sie. Die Kanzlerin appellierte in diesem Zusammenhang an die Wirtschaft. Es sei ein Skandal, dass nur ein Vorstandsmitglied eines Dax-Unternehmens weiblich sei. Quelle: Statistisches Bundesamt

20 Deutschland: Alterung
Altersaufbau Deutschland Von der Pyramide zur Pappel

21 Deutschland: Alterung
Quelle: Geißler, R., Die Sozialstruktur Deutschlands, 3. Aufl., Bonn 2002, eigene Darstellung

22 Brandenburg 2002 2020 2050 Kinderjahrgänge wie zu Kriegszeiten
Kinderjahrgänge wie zu Kriegszeiten Altersschwer-punkt des „Brandenburger Lebensbaumes“ verschiebt sich immer weiter nach oben Demo-grafisches Echo des Wendeknicks

23 Brandenburg: Umverteilung
EW (+6,6 %) EW (-7 %) Luckau: –11,5 % EW (-14,9 %)

24 Brandenburg – Umverteilung

25 Brandenburg 2001 bis 2020 mehr Zuwanderung (Berlin, Ausland) als Abwanderung (alte Länder): EW aber zu wenig Geburten: EW = EW (-7 %) (entspricht EW-Zahl des Landkreises Märkisch- Oderland) 1. Geburten-/Sterbesaldo: 2. Wanderungssaldo: Verhältnis 1. zu ,7:1 Aktuelle Zahlen: 2002: Geburten-/Sterbesaldo: Wanderungssaldo: Verhältnis 4,7:1

26 Brandenburg – Verdichtung u. Entleerung 2004 und 2030
unter

27 Prognose 2030 nicht so sehr Abwanderung,
sondern Geburtenausfall das Problem! Land Brandenburg Bevölkerungsentwicklung (Prognose 2006)

28 Brandenburg Alterspezifische Wanderungssalden (Summe der Jahre 1991 bis 1999) mit anderen Bundesländern (gestapelte Werte) Wanderungsminus Ostdeutscher Studenten: Studentinnen: Speer in Eberswalde Wanderungsminus Ostdeutscher: TU intern Nr. 1/2007 S. 5, lt. Gründe für Abwanderung beseitigen: Die Abwanderung der mehrheitlich jungen, gut Qualifizierten aus Brandenburg in die alten Bundesländer bis 2020 ( ) wird durch Zuwanderung aus dem Ausland ( ) und Berlin ( ) zahlenmäßig mehr als ausgeglichen (Bevölkerungsprognose des Landes Brandenburg für den Zeitraum , LDS/LUA-Bericht S ). Allerdings nicht an gleicher Stelle (Verlierer äE, Nutznießer eV), durch gleichwertig Qualifizierte (Asyl und Aussiedler) und durch Personen der gleichen Altersgruppe (Aussiedler). D.h. nicht nur Alterung, auch Wanderung wird den bereits bestehenden Fachkräftemangel in bestimmten Branchen im äußeren Entwicklungsraum verstärken. Es ist zu prüfen, ob die praktisch wie Abwerbeprämien wirkenden Mobilitätshilfen der Arbeitsämter gestrichen werden sollten und wie die Motivation zum Bleiben erhöht werden kann (s. Ausbildungsplatzinitiative starten). Wanderungssaldo Brandenburgs 2002: Alte Bundesländer (ohne Berlin): EW Berlin: EW Ausland: E Altergruppen Jahre: EW Geschlechtsspezifische Anomalien bei Fortzügen aus Brandenburg: 18-21 Jahre: EW (männlich), EW(weiblich), 1,6-mal mehr Frauen als Männer verlassen in dieser Altersgruppe Brandenburg (Ausbildungsabwanderung der Frauen) 25-50 Jahre: EW (männlich), (weiblich); 1,4-mal mehr Männer als Frauen verlassen in dieser Altersgruppe Brandenburg (Erwerbswanderung der Männer) (vgl. Stat. Jahrbuch 2003 Brandenburg S. 89ff) Dabei wandern nicht so sehr Arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit bedrohte, sondern gut Qualifizierte Erwerbstätige oder solche, die es werden wollen und sich auf dem westdeutschen Arbeitsmarkt behaupten können: In der Altersgruppe zwischen Jahre verlassen 1,6 mal mehr Frauen als Männer das Land (u.a. Ausbildungswanderung) und bekommen dann dort ihre Kinder, während in der Altersgruppe zwischen Jahre 1,4 mal mehr Männer als Frauen gehen (Erwerbswanderung). Abwanderung von Jungen nach Berlin weniger problematisch (bleiben der Region erhalten)

29 3. Folgen für Brandenburg
Finanzen: Mindereinnahme: (Länderfinanzausgleich, Soli II und Bundesergänzungszuweisungen basieren auf Einwohnerzahl) 2.300 €/Jahr/EW 400 Mio. € im Jahr 2020 Jahr 2020 Haushaltsdefizit 2020: 3,5 Mrd. € Kreditfinanzierungsquote von 12,1 % auf 30 % Bei einem Einwohnerverlust von entgehen dem Land nach dem jetzigen Finanzausgleichssystem bis zum Jahr 2020 insgesamt mehr als drei Milliarden Euro. Allein für das Jahr 2020 liegen sie um fast 400 Millionen Euro niedriger als noch im Jahr 2003.

30 Anpassen Betreuung - Anpassung vollzogen: Bildung - Grundschulen:
von auf Stellen (-65 %) (2001 zu 1992) Bildung - Grundschulen: bisher aufgelöst: 175 (80 % im äE) noch aufzulösen: 40 langfristiger Bestand: 450, (Mehrzahl einzügig), davon 45 „Kleine Grundschulen“ (jahrgangsübergreifende Klassen) Einzugsbereich je Grundschule: 4.700 EW bzw. 65 km² (M-V: 54 km²)

31 Anpassen Bildung - Sekundarstufe I: (Gesamtschulen, Gymnasien, Realschulen) Bisher aufgelöst: 70 Noch aufzulösen: 157 Langfristiger Bestand: 232 Zukünftiger Einzugsbereich: Gymnasium: 350 km² (Schleswig-Holstein: 154 km²) sonstige Sek-1-Schule: 195 km² (Schleswig-Holstein: 36 km²) Bildung - Sekundarstufe II: Gymnasiale Oberstufe (an Gymnasien, Gesamtschulen, OSZ) Gegenwärtiger Bestand: 162 Zukünftiger Bestand: Ziel: Reduzierung Schulformen Sek I: Sekundarschule (Real- und Gesamtschule zusammenlegen) Sek II: nur noch Gymnasien und OSZ Herabsetzung der Mindestschulgrößen für Sek I: zweizügig, 15 Schüler je Klasse „2*15“ Trotzdem nur in max. 30 von 50 GZ Keine Diskussion über Zweizügigkeit in weiterführenden Schulen, sonst „diskutiert auf der Fachlehrerkonferenz der Mathelehrer mit sich selbst die Probleme im Matheunterricht“ (Büttner, MBJS) Anteil Fahrschüler erhöht (1993: 29 %, 2002: 42 % - stabile Gesamtzahl) trotz Schülerrückgang Grund: Schulschließungen führen zur Konzentration und längeren Schulwegen Effektivitätsgewinn: Schülerfahrten bisher kreuz und quer über Land und in den Nachbarort. Wenn Schulnetz konzentriert ist auf MZ und GZ mit TFMZ und 25 GZ, dann hierarchieaufwärts gerichteter Verkehr Schulentwicklungsplanung pflichtige Selbstverwaltungsaufgabe der Landkreise und kreisfr. Städte

32 Bsp. Schulnetzplanung Bestimmung Schuleinzugsgebiete:
Anteil Schülerjahrgang an Gesamtbevölkerung (Mantelbevölkerung) 2006: 1,5 % , 2015: 0,7% Einzugsgebiet Sekundarschule (2-zügig, je 20 Schüler): 2006: EW 2015: EW Auswirkungen für Grund- und Kleinzentren

33 Wirtschaft Arbeitsmarkt: Wohnungsleerstand:
Fachkräftemangel trotz Langzeitarbeitslosigkeit Wohnungsleerstand: Konzentration auf „Plattenbau“ und unsanierte Altbauwohnungen WE in den Städten (>5.000 EW) WE in Gemeinden (< EW) im eV seit 1998 rückläufig, im äE stark ansteigend Insolvenzgefahr bei 50 Unternehmen mit mehr als 15 % Leerstand Sinkende Nachfrage: Branchen mit unelastischer Nachfrage im äE: (nicht preis-, sondern einwohnerabhängig) Ernährung Handwerk Wachsende Bedeutung der Seniorenhaushalte für Konsumnachfrage DIW-Wochenbericht 23/2007 Verschlechterung von Standortqualität durch Facharbeitermangel Nachfrage, die preisabhängig ist = elastische Nachfrage, inverse Nachfrage Nachfrage, die einwohnerabhängig ist = unelastische Nachfrage, starre Nachfrage MSWV, Hr. Segebade: In der Studie "Entwicklung des Wohnungsbedarfs im Land Brandenburg bis 2015" (vom Febr. 2002) hat der Gutachter auf der Grundlage der Bevölkerungsprognose die Haushaltszahlen abgeschätzt. Danach (siehe S. 39 der Studie) nimmt die Anzahl der Haushalte zwischen 2000 und 2015 im Land Brandenburg um rund zu, im engeren Verflechtungsraum um rund und im äußeren Entwicklungsraum immerhin noch um Deutlich wird an diesen Zahlen auch, dass im äußeren Entwicklungsraum bis 2010 eine Zunahme der Haushalte zu verzeichnen ist, während zwischen 2011 und 2015 eine Abnahme um rund Haushalte prognostiziert wird (die allerdings die Zunahmen aus den Vorjahren nicht kompensiert). Dies stellt keinen Widerspruch zur aktuellen Vorausberechnung der Privathaushalte in Brandenburg des LDS dar. Gerade die tiefergehende regionale Differenzierung ("Daten & Analysen II / 2004", Seite 56) zeigt, dass zwischen 2002 und 2020 nur in der Planungsregion 5 (Lausitz-Spreewald) ein Rückgang der Anzahl privater Haushalte um 4 % zu verzeichnen ist. Insofern ist die Aussage, dass das Potenzial eigentumsbildender Haushalte noch bis zum Jahr 2010 leicht zu nehmen werde, danach jedoch stark zurückgehe, nach wie vor zutreffend.

34 4. Wer ist gefordert? Staat Private Bund soziale Sicherungssysteme
Ost-West-Angleichung Aufbau Ost Familienpolitik (u.a. Betreuung) Zuwanderung Land Haushaltskonsolidierung Krankenhäuser, Bildung, Jugend, Kultur, Sport Strukturförderung Kommunen Daseinsvorsorge Wirtschaft Familienfreundlichkeit rechnet sich Versorgungswirtschaft Flächenversorgung bei sinkender Nachfrage gewährleisten: Ärzte, Energie, Post, Telekom, Rundfunk, Wasser, Abwasser, Abfall, Finanzdienstleistungen Gesellschaftliche Organisationen Verantwortung in nichtstaatlicher Trägerschaft (Subsidiarität) Engagement gemeinwohlorientierte Dienstleistungen (Öko-Ranger) Ehrenamt öffentliche Daseinsvorsorge: Arbeitsmarktpolitik, Arbeitsplätze im öffentlichen Sektor (Behördenstandorte), Betreuung, Bildung, Gesundheit, Energie, Finanzdienstleistungen, Jugendhilfe, Kulturförderung, Post, Rundfunk, Soziale Sicherung, Telekommunikation, Verkehr (ÖPNV; Eisenbahn, Straße), Ver- und Entsorgung (Fernwärme, Wasser, Müll), Wohnen (Sozialer Wohnungsbau, Wohngeld) Kanada (ideelle Erfinder der multikulturellen Gesellschaft, als erste das Konzept in praktische Politik umgesetzt): Mit "ethnischen Mosaiks" vom "Schmelztiegel"-Ideal der USA abgrenzen II. Die Philosophie des Multikulturalismus Wie geht Kanada mit dieser ethnischen Vielfalt um?[5] In den sechziger Jahren wurde dazu das Konzept des Multikulturalismus entwickelt, das dann 1971 zur bis heute gültigen Staatsideologie erhoben wurde. Die Kanadier sind nicht nur die ideellen Erfinder der multikulturellen Gesellschaft, sondern sie haben dieses Konzept auch als erste in praktische Politik umgesetzt. Die "Philosophie des Multikulturalismus" lässt sich zu sieben Grundprinzipien zusammenfassen: 1. Prinzipielles (diversity): Die ethno-kulturelle Verschiedenheit wird prinzipiell positiv eingeschätzt - nicht nur, weil sie als Ja zur ethno-kulturellen Verschiedenheit Grundtatbestand der kanadischen Wirklichkeit gilt, sondern auch, weil man sie für vorteilhaft und produktiv hält. Es wird angenommen, dass sie Kräfte enthält, die der kanadischen Gesellschaft als Ganzes unter dem Strich mehr nützen als schaden. Ethno-kulturelle Vielfalt ist demnach Kraftquelle und Bereicherung. 2. Recht auf kulturelle Differenz: Alle Menschen und Gruppen haben das Recht auf Erhaltung und Pflege ihrer kulturellen Besonderheiten. Es besteht also ein Recht, aber keine Pflicht oder gar Zwang zur ethnischen Identifikation. 3. Prinzip der kulturellen Gleichwertigkeit und gegenseitigen Toleranz: Die verschiedenen ethno-kulturellen Gruppen sind gleichwertig. Aus diesem Prinzip leitet sich das Gebot gegenseitiger Toleranz ab. Der Identifikation mit der Herkunftsgruppe soll jedoch die Identifikation mit der Gesamtgesellschaft vorausgehen. Erlaubt ist eine hierarchisch strukturierte Doppelidentität. Die Identifikation mit Kanada soll dabei primär, die Identifikation mit der Herkunftsgruppe sekundär sein. Der "Bindestrich-Kanadier" soll also in erster Linie Kanadier und erst in zweiter Linie Engländer, Schotte, Québécois, Deutscher, Ukrainer oder Chinese sein. 4. Sicherheit-Kontakt-Hypothese: Das Recht auf Differenz gründet u.a. auf der empirisch bestätigten sozialpsychologischen "Sicherheit - und - Kontakt-Hypothese": Die Verankerung in der Eigengruppe fördert das Selbstbewusstsein und die psychische Sicherheit der Individuen und schafft so die Voraussetzungen für die Offenheit gegenüber anderen ethno-kulturellen Gruppen, die Toleranz und interethnische Kontakte erst ermöglichen.[6] 5. Einheit-in-Verschiedenheit (unity-within-diversity): Ein Kern von gemeinsamen Grundwerten und -regeln (Verfassung, Gesetze, gemeinsame Sprache) garantiert den Zusammenhalt des Ganzen und setzt der Verschiedenheit und dem Recht auf kulturelle Differenz und dem Prinzip der kulturellen Gleichwertigkeit Grenzen. Der gemeinsame Rahmen hat einen klaren Vorrang vor den besonderen Teilkulturen. Einwanderer dürfen nur diejenigen Teile ihrer Kultur erhalten und pflegen, die nicht im Widerspruch zum verbindlichen gemeinsamen Kern stehen ("selektive Bewahrung der Kultur"). Die Gleichheit der Frau sowie häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder sind typische Bereiche, in denen manche Herkunftskulturen mit dem gemeinsamen Kern kollidieren. Da die Kernnormen dem europäischen Kulturkreis entstammen, relativiert das Prinzip "Einheit-in-Verschiedenheit" die Rechte auf kulturelle Differenz und Gleichwertigkeit; de facto gibt es eine Hierarchie der ethno-kulturellen Gruppen: Je mehr eine Kultur dem gemeinsamen Kern widerspricht, desto mehr werden ihr Unterordnung und Verzicht abverlangt. Die Grenzziehung zwischen Verschiedenheit und Einheit (wo endet die gleichberechtigte Verschiedenheit, wo müssen sich kulturelle Besonderheiten dem gemeinsamen Kern unterordnen?) ist in einigen Punkten umstritten und Teil des politischen Diskurses. 6. Recht auf gleiche Chancen: Mit dem liberalen Recht auf kulturelle Differenz ist das soziale Recht auf gleiche Chancen bei der Teilhabe an der kanadischen Gesellschaft verbunden. Der kanadische Multikulturalismus ist also nicht auf die kulturelle Ebene beschränkt, wie es der Terminus Multi-"Kulturalismus" suggerieren könnte, sondern er hat eine liberal-soziale Doppelnatur und enthält zwei fundamentale Rechte: neben dem Recht auf kulturelle Verschiedenheit auch das Recht auf soziale Chancengleichheit. Seine Herausforderung besteht darin, zwei Ziele gleichzeitig zu erreichen: kulturelle Verschiedenheit zu erhalten und ethnisch bedingte soziale Ungleichheit abzubauen. 7. Management-Annahme: Multikulturalismus in dem skizzierten Sinne entwickelt sich nicht von selbst, sondern bedarf des politischen Managements - der politischen Ermutigung und Förderung. Wichtige Bestandteile der Multikulturalismus-Philosophie werden in der Metapher des "ethnischen Mosaiks" eingefangen. Damit will sich Kanada bewusst und nachdrücklich vom "Schmelztiegel"-Ideal der USA abgrenzen: Die Vielfalt der Kulturen soll nicht in einem "melting pot" eingeschmolzen werden, sondern jede ethno-kulturelle Gruppe soll - wie die Steinchen bzw. Teile eines Mosaiks - ihre spezifische Farbe oder Form erhalten. Alle Gruppen zusammen formieren sich dann mit ihren Besonderheiten zu einem bunten und vielgestaltigen Gesamtbild.

35 5. Gestaltungsmöglichkeiten (Bund, Länder)
a) Familienpolitik, Bevölkerungspolitik b) Zuwanderungspolitik c) Wirtschaftspolitik (GA; Behörden, Bundeswehr)

36 a) Familienpolitik - Kinderwunsch und „Kosten“-Frage
Industrieländer mit wachsender Frauenerwerbsbeteiligung Problem Erwerbsunterbrechung/ Babypause der Frau: mit wachsendem Einkommen/Bildung höhere Einkommensausfälle (Opportunitätskosten) Verschlechterung adäquater Erwerbs- und Aufstiegschancen auf dem Arbeitsmarkt nach Wiedereinstieg (Karrierebruch) materielle Unabhängigkeit vom Mann Forsa/Ifo-Umfrage für „Eltern“: „Warum keine Kinder“?: Richtiger Partner fehlt: 44 % Karrierehemmer: 42 % (Mütter) Berufliche Unsicherheit: 40 % Verlust Unabhängigkeit: 34 % Höhere Kosten: 29 % Empfehlung Ifo: Statt Ehegattensplitting Familiensplitting wíe in Frankreich (alle Mitglieder zählen) dpa Opportunitätskosten: nicht Kosten für die Versorgung des Kindes (Kleidung, Ernährung), sondern Einkommensausfälle während der Erwerbsunterbrechung/Babypause „Unter Opportunitätskosten (selten auch Alternativkosten, Verzichtskosten oder Schattenpreis) versteht man in der Wirtschaftswissenschaft Erlöse, die nicht entstehen, weil Möglichkeiten (Opportunitäten) zur Nutzung von Ressourcen nicht wahrgenommen werden. Allgemeiner: Opportunitätskosten sind der Nutzenentgang, der bei mehreren Alternativen durch die Entscheidung für die eine und gegen die andere Möglichkeit entsteht. Umgangssprachlich kann man auch von Kosten der Reue sprechen. Opportunitätskosten sind somit keine Kosten im Sinne der Kosten- und Leistungsrechnung, sondern ein ökonomisches Konstrukt zur Quantifizierung entgangener Alternativen. Den Gegensatz zu den Opportunitätskosten als entgangene Erlöse bilden die nicht zusätzlich entstehenden (Mehr-)Kosten, die auch als Opportunitätserlös bezeichnet werden.“http://de.wikipedia.org/wiki/Opportunit%C3%A4tskosten Klug und kinderlos Das Dilemma der flexiblen Frau Viele Frauen sind jahrelang hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch nach eigenen Kindern und ihren Bedenken: Passt denn ein Kind mit all den wachsenden Anforderungen, Bedürfnissen und gesellschaftlichen Problemen überhaupt in mein Leben? Angela Voß hat in ihrem Buch "Ein Baby - jetzt, später oder nie" diesen Zwiespalt untersucht. Immer weniger Deutsche bekommen Kinder - insbesondere Frauen mit Hochschulausbildung und anspruchsvollen Jobs. Mehr als 40 Prozent von ihnen sind kinderlos, Tendenz steigend. Das Schreckensszenario einer Gesellschaft ohne Kinder bildet sich ab. Die Künstlerin und mehrfach preisgekrönte Schriftstellerin Alissa Walser hat viel Energie in ihre Ausbildung und künstlerische Arbeit investiert. Auch sie lebt ohne Kind. Ohne den richtigen Partner, ohne die richtige Wohnung und ohne die richtige Umgebung kann sich Alissa Walser kein Kind vorstellen. "Wenn man ein Kind hat, ist es gut, wenn es in einer finanziell geregelten und versorgten Situation aufwächst", sagt die Freiberuflerin. Selbstverwirklichung statt Kinderwunsch, Angela Voß Im Mittelpunkt einer Frauenbiografie steht nicht mehr der Partner- und Kinderwunsch, sondern die eigene Selbstverwirklichung. Ziel ist die Berufstätigkeit - im besten Fall die berufliche Karriere. Angela Voß forscht über das Dilemma der flexiblen Frau, die beides sein möchte: im Job erfolgreich und eine erfolgreiche Mutter. "Der Druck im Beruf ist heute sehr groß", sagt Voß. Sie glaubt, viele Frauen befürchten, dass sie den Wiedereinstieg nach ein bis zwei Jahren Kinderbetreuung nicht mehr schaffen. "Warum wir in Deutschland so lange die Kinderbetreuung vernachlässigt haben, hat mit unserer Geschichte zu tun. Die Kinderbetreuung ist jahrzehntelang schlecht gemacht worden." Sie sei als Vernachlässigung betrachtet worden. "Das war nur etwas für arme Frauen, die arbeiten müssen." Das Gespenst der Rabenmutter und des vernachlässigten Kindes geht immer noch um. Daneben hält sich die Illusion von der Erfüllung weiblicher Identität. Beides geht an der Realität vorbei. Die deutsche Kinder-Dürre Martina Plümacher lehrt Philosophie in Bremen und lebt in Berlin. Sie wusste schon mit Mitte 20, dass sie keine eigenen Kinder haben will. Die Angst, allein auf die Mutterrolle zurückgeworfen zu sein, war groß. "Es ist ein großes Problem, dass die Menschen, die Kinder erziehen - egal ob Mann oder Frau - unter dieser Asymmetrie in der Beziehung leiden", berichtet die Dozentin aus Erfahrungen, die sie mit ihren Studenten gemacht hat. Auch Männer würden ein ähnlich schlechteres Selbstbewusstsein entwickeln, wie man das von einigen Frauen kenne. Auf einer Krisensitzung beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung rätseln Experten der Kinderwunschforschung über die Gründe für eines der größten Wohlstandsrisiken: der deutschen Kinder-Dürre. Neueste Erkenntnisse der Soziologie liefert der Soziologe Thomas Klein von der Universität Heidelberg: "Wenig wurde bisher über die Instabilität von Partnerschaften diskutiert, über Partnerlosigkeit. Das ist das Ergebnis meiner jüngsten Studie, dass viele lange Zeit ohne Partner sind oder sich gerade getrennt haben und in neu begonnenen Partnerschaften muss der Kinderwunsch erst entstehen. Das hat einen hohen Beitrag am Anstieg von Kinderlosigkeit", sagt Klein. Motive der Männer vernachlässigt Sigrun Heide Filipp Hinzu kommt, dass beim Thema Kinderlosigkeit fast immer nur über die Motive von Frauen geredet wird. Die Rolle der Männer, die sich eine Familiengründung nicht zutrauen, wird dabei selten diskutiert. Die Trierer Psychologin Sigrun Heide Filipp hat sich der männlichen Position angenommen. Sie glaubt, dass sich Männer eine Familie nur vorstellen können, wenn sie finanziell abgesichert sind. Hinzu komme, dass Männer potentiell mehr Zeit hätten, Kinder zu bekommen, daher sei es nicht so dringlich wie bei den Frauen. Für viele der 30-jährigen Männer ist das kein Thema. Wenn der Kinderwunsch erst einmal hinausgeschoben werde und man sich daran gewöhnt habe, keine Kinder zu bekommen, erschienen die Probleme mit fortgeschrittenem Alter größer, meint Charlotte Höhn, Bevölkerungsforscherin am Statistischen Bundesamt. "Viele lassen es daher sein". Diesem Verzicht gehen Jahre der Unentschlossenheit voraus. Der Gedanke an eigene Kinder lässt die meisten Frauen nicht mehr los - bis ihnen durch die Biologie eine Entscheidung endgültig abgenommen wird. Zur Wahlfreiheit gezwungen Die Kulturmanagerin Karin Wittstock war sich mit 22 sicher, dass sie keine Kinder will und ließ sich sterilisieren. Das hatte vor allem mit der Stimmung in der 68er-Bewegung zu tun. Wittstock glaubt, dass die Mutterschaft Frauen daran hindert selbständig zu werden. Kinder zu haben sei gleichbedeutend mit der Abhängigkeit vom Mann gewesen. Doch zehn Jahre später änderte sie ihre Meinung und ließ die Sterilisation rückgängig machen. Karin Wittstock entschied sich für eine unkonventionelle Familienlösung und zog in eine WG. Sie geht lieber arbeiten als zu Hause zu bleiben. Der moderne Mensch ist zur Wahlfreiheit gezwungen und entscheidet sich doch unter gesellschaftlichem Zwang. Die berufliche Karriere wird dem Kinderwunsch vorgezogen. Persönliche Freiheit und Unabhängigkeit stehen gegen langfristige Bindungen. Kinder sind ein Armutsrisiko. Die Angst vor dem sozialen Abstieg wächst.

37 „Frauen – Wünsche, Werte, Wirklichkeit“
finanzielle Unabhängigkeit am wichtigsten: Finanzielle Unabhängigkeit 94 % Wunsch nach Kindern: 88 % Mann fürs Leben: 85 % lt. Emnid-Umfrage für die Commerzbank, Tagesspiegel, Kinderwunsch: 1,8 Kinder Geburtenrate: 1,3 Kinder „zu wenig Betreuungsangebote für < 3-Jährige“: 60 % der 18- bis 29-jährigen Mütter und Väter „längere und flexiblere Öffnungszeiten der Kitas“: 60 % der Eltern, nur 5 % aller Kitas haben nach 18 Uhr und nur 1 % samstags geöffnet „Wunsch nach Erwerbstätigkeit“: 70 % der nicht arbeitenden Mütter mit Kindern bis zu 14 Jahren (es mangelt aber an einer Kinderbetreuung). Das Problem mit dem gemeinsamen Portemonnee. Der Stolz der Mutter auf das eigene Konto. Männererwerbsquote 2005: 80,4 %.

38 Kinderlose Akademikerinnen
hohe Kinderlosigkeit von 40 % schon in 1970er Jahren. Hochschulabschluss: 2 % der Jährigen (2000: 10 %) Ohne Kind: Akademikerinnen: 40 %, Abiturientinnen: 30 %, Mittlere Reife 25 %, Hauptschule: 20 % Heike Wirth und Kerstin Dümmler: Zunehmende Tendenz zu späteren Geburten und Kinderlosigkeit bei Akademikerinnen - Eine Kohortenanalyse auf der Basis von Mikrozensusdaten, Informationsdienst Soziale Indikatoren Ausgabe 32, 7/2004 Von oberen Bildungsschichten geht verhaltensprägender Einfluss auf andere soziale Gruppe aus.

39 Sinkende Kinderzahl bei Akademikerinnen
BMFSFJ: Bevölkerungsorientierte Familienpolitik – ein Wachstumsfaktor.

40 Qualifikation und Kinderlosigkeit

41 Ländervergleich Marshall Petain, Radioansprache 17. Juni 1940: „Zu wenig Kinder, zu wenig Waffen, zu wenig Verbündete: Wir sind besiegt“, Charles de Gaulles, Aufruf März 1945: „Frankreich braucht 12 Mio. Babys“, Informationen zur politischen Bildung, Heft 285, S. 22 Adenauer 1956: „Kinder bekommen die Leute sowieso“ Irland: geringer Anteil der Sozialausgaben am BSP (14,6 %), Schweden: 31,3 %, Tsp „Kinder als Sozialversicherung“ wie in USA USA: 2,0 (2001) Frankreich: Spitzenstellung in Europa beim Kinderkriegen ging jahrzehntelange Familienpolitik seit der Niederlage im 2. Weltkrieg gegen die Deutschen voraus: Marshall Petain, Radioansprache am 17. Juni 1940: „Zu wenig Kinder, zu wenig Waffen, zu wenig Verbündete: Wir sind besiegt“, Charles de Gaulles, Aufruf März 1945: „Frankreich braucht 12 Mio. Babys“, Informationen zur politischen Bildung, Heft 285, S. 22 Dagegen Adenauer 1956: „Kinder bekommen die Leute sowieso“ Frankreich, Schulsystem: „Die Vorschulerziehung wird für Zwei- bis Fünfjährige in Vorschulen (Écoles maternelles) und in Vorklassen der Primarschulen (Classes enfantines) angeboten. Während die Vorschulen eigenständige Einrichtungen sind, befinden sich die Vorklassen im Gebäude der Primarschulen. Die pädagogische Arbeit weist in beiden Institutionen die gleichen Merkmale auf. Der Besuch ist freiwillig und in öffentlichen Einrichtungen kostenfrei. Fast alle Drei- bis Fünfjährigen besuchen eine Vorschuleinrichtung.“ Quelle: zitiert nach: Horst Schaub & Karl G. Zenke: Wörterbuch Pädagogik, dtv 32521, 4. Auflage, November 2000 Babyboom in Frankreich Die Französinnen haben seit 25 Jahren nicht so viele Babys bekommen wie im Jahr Genau waren es in den vergangenen zwölf Monaten. Die Geburtenrate erreicht damit die magische Rate von zwei Babys pro Frau. Die Französinnen sind jetzt Europameister, knapp vor den Frauen in Irland und weit vor denen in Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. Die hervorragenden Einrichtungen für die Kinderbetreuung in Frankreich haben zu diesem Babyboom beigetragen. Konjunktur „Frankreich bald größte Wirtschaft“ 20. Februar 2007  Deutschland könnte nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) vor der Mitte des Jahrhunderts seine Rolle als größte Volkswirtschaft Europas einbüßen und an Frankreich abtreten. Nach einer Modellrechnung des IW könnte Frankreich schon 2035 den führenden europäischen Wirtschaftsraum bilden. Ursache dafür sei die demographische Entwicklung: Während in Deutschland der Bevölkerungsrückgang als unaufhaltsam gilt, werden für Frankreich langfristig steigende Einwohnerzahlen vorhergesagt. Der in Deutschland zu erwartende Mangel an Arbeitskräften werde zur "Wachstumsbremse", sagte IW-Fachmann Axel Plünnecke. 2045 mehr Franzosen als Deutsche Den Berechnungen des IW zufolge ebnet sich das derzeit bestehende Gefälle in der Wirtschaftskraft zwischen Deutschland und Frankreich in der Zeit von 2025 bis 2035 ein. "Dann wird die französische Wirtschaft mindestens doppelt so schnell wachsen wie die deutsche", sagte Plünnecke. In Deutschland würden während dieser Phase die sogenannten Baby Boomer in Rente gehen und müssten durch geburtenschwache Jahrgänge ersetzt werden. Frankreich kann laut der Studie voraussichtlich schon bald die Früchte seiner kinderfreundlichen Politik ernten. Dort gibt es zum Beispiel das Recht auf einen Kindergartenplatz schon lange: Von dem Alter von drei Jahren an werden die Kinder garantiert von staatlichen Einrichtungen aufgenommen. Ein im November vorgestellter Plan der konservativen Regierung soll innerhalb der kommenden fünf Jahre auch für Kinder unter drei Jahren Betreuungsmöglichkeiten sicherstellen. In Frankreich kommen seit dem Jahr 2000 absolut mehr Babys zur Welt als in Deutschland, das rund 21 Millionen mehr Einwohnern hat. Im vergangenen Jahr standen knapp Geburten in Frankreich nur etwa hierzulande gegenüber. Etwa um 2045 herum dürfte das Nachbarland laut IW Deutschland in der Bevölkerungszahl überrunden. Zuletzt registrierte die alte Bundesrepublik 1963 je tausend Einwohner mehr Geburten als Frankreich. Text: F.A.Z., , Nr. 43 / Seite 12 Irland: geringster Anteil der Sozialausgaben am BSP in der EU (14,6 %), (höchster Anteil in Schweden: 31,3 %) Tsp (Quelle: Eurostat), aber mit der höchsten Geburtenrate in der EU. „Kinder als Sozialversicherung“ wie in USA. Emanzipation oder Kindergeld? Wie sich die unterschiedlichen Kinderzahlen in den Ländern Europas erklären

42 Ländervergleich Babyboom in Frankreich: Geburtenrate 2006 erreicht magische Rate von zwei Babys pro Frau. 2045 mehr Franzosen als Deutsche: Frankreich kann schon bald die Früchte seiner kinderfreundlichen Politik ernten. 99 % der Kinder ab 3 Jahren besuchen Ecole maternelle (freiwillig und kostenfrei, mit Rechtsanspruch) „Ein im November vorgestellter Plan der konservativen Regierung soll innerhalb der kommenden fünf Jahre auch für Kinder unter drei Jahren Betreuungsmöglichkeiten sicherstellen.“ Die École Maternelle ist die französische Vorschule. In ihr werden Kinder von zwei bis sechs Jahren unterrichtet, dabei sind Kinder einer Altersklasse innerhalb einer Gruppe. Die Kinder werden nach einem Stundenplan unterrichtet. Die maternelle ist in drei Stufen unterteilt: Petite section für Kinder von zwei bis drei Jahren (Leben in der Gruppe und Sprache) Moyenne section für Kinder von drei bis vier Jahren (erster Kontakt mit Geschriebenem) Grande section für Kinder von fünf bis sechs Jahren (Lektüre,Geschriebenes allgemein) Wenn die Kinder in die „école primaire“ (Grundschule) kommen, können sie normalerweise schon Geschichten verstehen und wiedergeben, einen Brief „schreiben“, indem sie ihn einem Erwachsenen diktieren und einige Buchstaben sowie ca. 30 Wörter wiedererkennen. Außerdem können sie Striche, Kreise und Schleifen zeichnen und bis 30 zählen. Im Gegensatz zum Kindergarten können sich die Kinder weniger individuell entfalten, die Kreativität und das spielerische Verhalten werden weniger gefördert. Doch in der maternelle lernen die Kinder, sich an Regeln anzupassen, wodurch ihnen der Einstieg in die Schule erleichtert wird. Öffentliche Vorschulen Die école maternelle ist eine autonome Institution im Rahmen des französischen Schulsystems, die sich um die Erziehung der noch nicht schulpflichtigen Kleinkinder (2 - 5 Jahre) kümmert. Die école maternelle ist keine Pflichtschule, wird jedoch von einer großen Anzahl der Kinder besucht - weit über 90% der Kinder zwischen 3 und 6 Jahre. Jedes Kind im Alter von 3 bis 5 Jahren hat Anspruch auf einen Platz in einer öffentlichen maternelle. Die Wahl der Schule steht den Eltern nicht frei, sondern wird nach dem Wohnort eingeteilt. Die Kinder sind nach Alter in drei Klassen (sections) eingeteilt. Die offizielle Regelung zur Einteilung der Kinder in Klassen lässt den Erziehern einen großen Spielraum: La répartition des enfants dans les diverses classes de l'école est fonction du nombre des maîtres, du nombre d'enfants par tranche d'âge et des choix pédagogiques. (Ministère de l'Éducation Nationale, 1986, S. 74.) In der Praxis wird das traditionelle Modell, die Kinder auf Grund ihres Alters einzuteilen, in fast allen städtischen écoles maternelles durchgeführt. In den ländlichen Einrichtungen ist die Anzahl der Kinder oft zu gering für diese Art der Einteilung. Während sich in den Städten (vor allem in Paris und Île de France, aber auch im Süden und Osten des Landes) die Klassenstärke an der Grenze der offiziell zugelassenen Norm befindet, haben viele ländliche Kommunen nicht genügend Kinder, um eine Gründung oder den Fortbestand einer classe enfantine zu rechtfertigen. Für diese Schulen könnte es einige Varianten geben: Une structure mobile : cela peut être un enseignant qui se déplace avec du matériel pédagogique. Cet enseignant met à la disposition d'autres instituteurs des ressources qu'ils n'ont pas et travaille avec eux... Un maître itinérant pour plusieurs villages, qui regroupe un petit nombre de jeunes enfants trop éloignés d'une école. (Ministère de l'Éducation Nationale, 1986, S. 43.) Auf Grund der vielfältigen Schwierigkeiten der praktischen Organisation dieser Projekte sind diese in der Realität jedoch leider nahezu nicht existent. In einigen Fällen sind die «Kleinen» in der einzigen Klasse des Dorfes integriert. Doch auch diese Variante ist eher selten anzutreffen, da es für einen Lehrer, selbst bei einer Klasse von nur Schülern, schwierig ist, die sehr unterschiedlichen pädagogischen Notwendigkeiten der école maternelle und der école élémentaire zu vereinbaren. Eine Studie des Erziehungsministeriums zeigt, dass die ländlichen Kommunen sich in den meisten Fällen zusammenfinden, um in der Schule eines Ortes eine classe enfantine einzurichten, die dann die jährigen Kinder aufnimmt. Aber auch diese Variante führt zu einigen Problemen: großer Altersunterschied innerhalb der Gruppe, der den traditionellen Unterricht erschwert und auf den die Lehrer in ihrer Ausbildung nicht vorbereitet werden; erschwerte Zusammenarbeit zwischen Familie und Vorschule, da die Eltern ihre Kinder nicht selbst in die classe enfantine bringen; weite Anfahrtswege für die Kinder; in den meisten Fällen wird von der Kommune ein Schulbus eingesetzt. Die Kinder einer école maternelle werden wenn möglich nach Altersklassen eingeteilt. Meistens sieht die Einteilung folgendermaßen aus: eine Klasse für die jährigen Kinder (section des petits oder petite section); eine Klasse für die jährigen Kinder (section des moyens oder moyenne section); eine Klasse für die jährigen Kinder (section des grands oder grande section). Wo es zu einer Aufnahme der zweijährigen Kinder kommt, werden diese der petite section zugeteilt. Die Verantwortung der école maternelle obliegt der Schulleiterin (directrice d'école). Vgl. Frankreich: 99 % der Kinder zwischen 3 und 6 Jahren und 35,2 % der 2-jährigen Kinder besuchen die Vorschule, betreut von Grundschullehrerinnen (akademische Ausbildung) Aus: Staatliche und nicht-staatliche infrastrukturelle Maßnahmen zur Förderung einer familien- und kinderfreundlichen Lebenswelt in Dänemark, Frankreich und den Niederlandenhttp://www.bundestag.de/bic/analysen/2003/2003_12_12_kinder.pdf

43 Ländervergleich: Familie und Beruf
Emanzipation oder Kindergeld? Wie sich die unterschiedlichen Kinderzahlen in den Ländern Europas erklären

44 Ländervergleich: Kinder ohne Trauschein
„Familie braucht keine Ehe“ „Scheidungshäufigkeit Indikator für Gleichberechtigung“ (durch Erwerbstätigkeit abgesichert nach Trennung) Italien: 1/7, Schweden: ½ so viele Scheidungen wie Eheschließungen “Führen „stabile Familienstrukturen“ zu mehr Kindern? (Nein) Familie braucht keine Ehe Rückläufige Kinderzahlen werden häufig mit einem „Werteverfall“ in der modernen Gesellschaft in Verbindung gebracht. Dort, wo sich Institutionen wie Ehe und Familie auflösen, Frauen Männerrollen übernehmen und eigene berufliche Wege gehen, bleiben – so die Theorie – die Kinder auf der Strecke. ...Kinderzahlen tendenziell dort höher, wo Ehen häufiger geschieden werden. Nimmt man das Verhältnis von Hochzeiten und Scheidungen eines Jahres als Maß für die Stabilität von Ehen in einem Land, so findet sich eine schwache Korrelation zwischen der Scheidungshäufigkeit und der Kinderzahl je Frau. Während in den relativ kinderreichen westeuropäischen Ländern Schweden und Finnland im Jahr 2002 mehr als halb so viele Ehen geschieden wie neu geschlossen wurden, waren es im kinderarmen Italien nur ein Siebtel.“ ...Die Scheidungshäufigkeit ist ...ein Indikator für die Gleichberechtigung der Geschlechter. Wo Frauen die Möglichkeit haben, finanziell unabhängig von ihrem männlichen Partner zu existieren, steigt die Bedeutung der emotionalen gegenüber der juristisch fixierten und ökonomisch notwendigen Bindung. ...In Gesellschaften, in denen Männer und Frauen gleichberechtigt im Berufsleben stehen, können Frauen mit Kindern sicher sein, dass sie auch nach einer Trennung finanziell abgesichert leben können.“ Emanzipation oder Kindergeld? Wie sich die unterschiedlichen Kinderzahlen in den Ländern Europas erklären

45 Ländervergleich: Sozialausgaben
Frankreich: Betreuungsinfrastruktur, die nach kurzer Babypause Erwerbstätigkeit ermöglicht Familiensplitting Deutschland: Anreize für langes Pausieren Kindergeld (nach Luxemburg das zweithöchste Europas) Erziehungsgeld für 36 Monate Ehegattensplitting (9 Mrd. €) Fast drei Viertel der deutschen Sozialausgaben für Kinder und Familie (71 Prozent) fließen in reine Transferleistungen wie Kinder- und Erziehungsgeld2. Das Ehegattensplitting berechnet die Steuer des weniger verdienenden Ehepartners auf Basis des Gesamteinkommens beider Partner. Es setzt damit Anreize für den weniger verdienenden Partner, und das ist meist die Frau, sich ganz oder teilweise aus dem Berufsleben zurückzuziehen. Damit fördert das Ehegattensplitting die Abhängigkeit des geringer verdienenden Partners vom besser verdienenden. Und es benachteiligt massiv trauscheinlose Lebensgemeinschaften mit und ohne Kinder. In einer modernen Gesellschaft sollten die Anreize anders gesetzt werden. Sinnvoll wäre es, den Rückzug aus dem Beruf nur für kurze Zeit zu subventionieren. Dafür sollte wesentlich mehr Geld in Dienstleistungen fließen, die eine Erwerbstätigkeit auch mit Kindern ermöglichen. Dazu zählen vor allem die Finanzierung von Kinderkrippen, Kindergärten, Tagesmüttern oder Haushaltshilfen. Während Deutschland lediglich 29 Prozent seiner Sozialausgaben für Kinder und Familie in solche kinderfreundlichen Dienstleistungen investiert, sind es in Frankreich 45 Prozent, in Schweden 50 Prozent und in Dänemark sogar 59 Prozent. Schließlich sollten in den kinderarmen Ländern Anreize dafür gesetzt werden, dass ein Teil der Elternzeit vom männlichen Partner wahrgenommen wird, wie das bereits in Schweden, Dänemark, Norwegen und Finnland üblich ist (dort verfällt dieser Teil der Elternzeit sogar, wenn er nicht in Anspruch genommen wird). Fazit Gesellschaften, die beispielsweise Kinder innerhalb der Ehe favorisieren, sei es durch sozialen oder ökonomischen Druck, sind zur Kinderarmut geradezu verurteilt. Wirtschaftlich entwickelte Länder, die heute die niedrigsten Kinderzahlen in Europa aufweisen, wie Spanien, Griechenland und Italien, halten eher an der traditionellen Geschlechtertrennung fest, die einer veränderten Rolle der Frauen nicht gerecht werden kann. Wenn aber Frauen (und ihre Partner) emanzipierter und „moderner“ sind als die Gesellschaft, in der sie leben, passen Kinderwunsch und Lebensentwürfe nicht mehr 2 Bert Rürup, Sandra Gruescu (2003): Nachhaltige Familienpolitik im Interesse einer aktiven Bevölkerungsentwicklung: 35 zusammen. Diese Paare entscheiden sie sich immer häufiger gegen Kinder.“ Emanzipation oder Kindergeld? Wie sich die unterschiedlichen Kinderzahlen in den Ländern Europas erklären

46 Ländervergleich: Betreuung unter 3-Jährige
Schnelle Rückkehr in Beruf führt zu mehr Kindern: Betreuung der 1- bis 3-Jährigen Nur schwacher Zusammenhang zwischen Anteil betreuter Kinder zwischen 3-6 Jahren und Kinderzahl je Frau: keine schnelle Rückkehr in Beruf möglich, Karriereknick. „Auch im westeuropäischen Vergleich findet sich nur ein sehr schwacher Zusammenhang zwischen dem Anteil der betreuten Kinder zwischen drei und sechs Jahren und der Kinderzahl je Frau. Der Grund dafür: Bis ein Kind drei Jahre alt ist, muss die Mutter ihre Berufstätigkeit stark einschränken oder gar aufgeben. Besonders für Frauen mit hohen Qualifikationen kommt dies einem beruflichen Abstieg gleich. Nur wenn Kleinkinder bereits unter drei Jahren betreut werden können, ermöglicht dies den Frauen, schnell in den Beruf zurückzukehren und die Abwertung ihrer Qualifikationen zu vermeiden.“ „Es gibt denn auch einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Anteil unter dreijähriger Kinder, die Betreuungseinrichtungen besuchen, und der Zahl der Kinder je Frau. In vergleichsweise kinderreichen Ländern wie Frankreich besuchen 30, in den Niederlanden 40 und in Schweden sogar 48 Prozent aller Kinder unter drei Jahren eine Kindertagesstätte. In Deutschland liegt diese Quote wie in den anderen kinderarmen Ländern Italien, Spanien oder Österreich bei zehn Prozent und darunter. Emanzipation oder Kindergeld? Wie sich die unterschiedlichen Kinderzahlen in den Ländern Europas erklären Quelle: Emanzipation oder Kindergeld? Wie sich die unterschiedlichen Kinderzahlen in den Ländern Europas erklären

47 Zu klein für außerfamiliäre Betreuung?
Fremdeln zwischen dem 8. und 10. Lebensmonat Ab 2. Lebensjahr nimmt Neugier auf Gleichaltrige zu Zweijährige entwickeln im Kontakt zu Gleichaltrigen bereits wertvolle soziale Kompetenzen, die in der Kleinfamilien nicht erlernt werden können (Konsens mit Gleichaltrigen, nicht nur Akzeptieren von Regeln der Erwachsenen) Quelle: Am richtigen Ort, Ursula von der Leyen will zusätzliche Krippenplätze schaffen. Ab wann ist es sinnvoll, Kinder in Kitas zu schicken? Tsp. Vom „Meine Tochter konnte es kaum erwarten, in denn Kindergarten zu gehen“ (Neugier auf Gleichaltrige)           Am richtigen Ort - Ursula von der Leyen will zusätzliche Krippenplätze schaffen. Ab wann ist es sinnvoll, Kinder in Kitas zu schicken? Von Adelheid Müller-Lissner Das neue Elterngeld macht es berufstätigen jungen Müttern und Vätern leichter, in den ersten 14 Lebensmonaten ihres Kindes zu Hause zu bleiben. Wer dann aber nach der Elternzeit in den Job zurück will, muss für eine geeignete Betreuung sorgen – durch eine Kinderfrau, durch Tagesmutter (oder -vater) oder in einer Kindertagesstätte. Die Bundesregierung will die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder bis drei Jahren nun massiv ausbauen. Viele Eltern aber sorgen sich, dass die Kinder in diesem Alter noch zu klein sind, um schon außerhalb des schützenden Familienumfelds betreut zu werden. Tatsächlich zeigen Erkenntnisse aus der Bindungsforschung, dass die enge Beziehung zu einigen wenigen Erwachsenen für die kindliche Entwicklung ganz entscheidend ist – wobei schon wegen des Stillens zu Beginn die Zweisamkeit von Mutter und Säugling steht. Wenn Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) jetzt für eine Familienpolitik nach dem Vorbild Frankreichs oder Skandinaviens wirbt, hat sie die Wissenschaft trotzdem hinter sich. „Forschungsarbeiten haben immer wieder gezeigt, dass eine außerfamiliäre Betreuung für Kleinkinder kein Entwicklungsrisiko darstellt“, sagt die Entwicklungspsychologin Lieselotte Ahnert, die an der Universität Köln seit langem zu Entwicklungsförderung und -diagnostik forscht. Schon Kleinkinder können auch zu Tagesmüttern und Erzieherinnen sichere Bindungsbeziehungen aufbauen. Dazu kommt, dass im zweiten Lebensjahr die Neugier auf Gleichaltrige zunimmt. Neueren Forschungen zufolge entwickeln schon Zweijährige im Kontakt zu anderen kleinen Kindern wertvolle soziale Kompetenzen. Der entwicklungspsychologische Gewinn liegt nach Ansicht Ahnerts in der Erfahrung, dass der Konsens mit anderen Gleichaltrigen wichtig ist – nicht allein das Akzeptieren von Regeln, die die Erwachsenen aufstellen. In der Kleinfamilie kann das oft nicht mehr gelernt werden. Allerdings ist es entscheidend, wie gut die Betreuungspersonen in der Lage sind, die emotionalen Bedürfnisse der Kleinen auch in der Gruppensituation wahrzunehmen. Dafür müssen sie etwas von Entwicklungspsychologie verstehen – und sie brauchen ein besonderes Einfühlungsvermögen. Ahnert plädiert außerdem ganz entschieden für kleine Gruppen in der Kitabetreuung. „International spricht man dabei von drei bis vier Kindern pro Bezugsperson.“ Kleinere Gruppen machen auch das Eingewöhnen einfacher. Und ab dem Alter von 14 Monaten ist es leichter, ein Kind in die Kita zu geben als noch im achten Lebensmonat, wenn Babys zu „fremdeln“ beginnen. Bedenken gegen die frühe Fremdbetreuung kommen vor allem aus der sogenannten Hospitalismusforschung. Dort zeigte sich, dass Kinder, die Wochen und Monate in Krankenhäusern oder Heimen verbrachten, abgestumpft und apathisch wurden. Als Konsequenz aus dieser Erkenntnis wurde das „Rooming-in“ in Krankenhäuser eingeführt: Eltern dürfen dort heute meist bei ihren Kindern übernachten. Nicht nur über Nacht, sondern auch über weite Teile des Tages, am Wochenende und in den Ferien ist auch ein Kitakind ohnehin mit dem Rest der Familie zusammen. „Die Kita tritt ja nicht an die Stelle des Elternhauses“, sagt Ahnert. Um abschätzen zu können, wie sich der Aufenthalt in der Kita für ein Kind auswirkt, müssten deshalb die außerfamiliären und die familiären Aspekte aufeinander bezogen werden. Eine offene Forschungsfrage ist, ob Kinder, deren häusliche Betreuung zu wünschen übrig lässt, mehr von der Kita profitieren als zum Beispiel Nachwuchs des Bildungsbürgertums, der zu Hause intellektuell schon früh gefördert wird. Psychologen interessieren sich jetzt auch dafür, bei welchen Kindern der Stress unter der Woche und bei welchen er am Wochenende größer ist. Auf jeden Fall hat sich die Forschung zur außerfamiliären Betreuung von Kleinkindern inzwischen von den Grundsatzfragen wegbewegt. Es wird konkreter und pragmatischer gefragt – und nicht zuletzt spielt die Qualität der Einrichtungen eine größere Rolle. Schon ist auch eine Art Tüv für Kitas im Gespräch. Familienministerin von der Leyen, die in diesem Punkt im Wesentlichen die Politik ihrer Vorgängerin Renate Schmidt (SPD) fortführt, beruft sich im Streit mit Parteifreunden gern auf die Situation in Frankreich, wo es die „Crèches“ für die Allerjüngsten schon seit langem gibt. Dort waren es übrigens nicht die Sozialisten, die die Krippen und die obligatorische Vorschule einführten, sondern der konservative Präsident Charles de Gaulle, der nach dem Zweiten Weltkrieg eine ausgesprochen aktive Familienpolitik betreiben wollte. Vgl. Frankreich: 99 % der Kinder zwischen 3 und 6 Jahren und 35,2 % der 2-jährigen Kinder besuchen die Vorschule.30 betreut von Grundschullehrerinnen (akademische Ausbildung) Aus: Staatliche und nicht-staatliche infrastrukturelle Maßnahmen zur Förderung einer familien- und kinderfreundlichen Lebenswelt in Dänemark, Frankreich und den Niederlanden

48 Krippe (unter 3-Jährige)
Ländervergleich SPD-Kinder-Programm 2/2007 "Gute Betreuung ab eins!" („ab erstem Lebensjahr bis zur Schule“, auch „nach Uhr“) : Krippe (unter 3-Jährige) Kita (3- bis 6-Jährige) Quelle:

49 Bundesländer-Vergleich
Hortplätze Quelle: Süddeutsche Zeitung Statistisches Bundesamt:

50 Kinderbetreuung „lohnt sich“
Fruchtbarkeit Mehr Kinder, höhere Fruchtbarkeit (Ländervergleich Europa) Erwerbstätigkeit Frauen (Mangel an Hochqualifizierten, Facharbeitermangel, 57 % der Abiturienten und 50 % der Akademiker sind Frauen), sofern Krippe/Kita auch für 1- bis 3-Jährige Elterngeld nur 1 Jahr Bildung Bessere Schulleistungen (Kompetenzunterschied: 1- bis 2 Schuljahre; Pisatest 2003) Weniger Kinder in Sonderschule Weniger Sitzenbleiber Verkürzung Schul- und Ausbildungszeit (Fruchbarkeitseffekt: Senkung Gebäralter) Integration Chancengleichheit für Ausländerkinder (Schulerfolg von Kindern aus Migrantenfamilien, 9 % Gymnasiasten ohne vorherige Ganztagskita, 39 % mit), jedes dritte Kind unter 6 Jahren in Deutschland mit Migrationshintergrund Weniger Segregation (Bsp. Kreuzberg, Deutsche Eltern ziehen weg, wenn Kinder eingeschult werden) Finanzen Weniger Ausgaben bei Sozialhilfe Mehr Einnahmen bei Sozialkassen, Steuern u.a. DIW-Wochenbericht, Berliner Morgenpost , Stern, Heft 52/2004; Je länger Schüler eine Kita als Drei- bis Sechsjährige besucht hatten, desto besser schnitten sie beim Pisatest 2003 ab, Kompetenzunterschied zwischen Kindern ohne Kita und Kindern mit mehr als einem Jahr Kita ein bis zwei Schuljahre (Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften) Einschulungsalter könnte um ein Jahr gesenkt werden. kostenlose Kita kostet 3,6 Mrd. € Staat gibt derzeit 2,9 Mrd. € für nachschulische Qualifizierung aus. PNN Abiturientenanteil Frauen: Akademikeranteil Frauen: Leyen „Wir wissen, dass jedes dritte Kind einen Migrationshintergrund hat. Und am Anfang der Bildungskarrieren entscheidet sich, ob auch diese Kinder in den nächsten Jahrzehnten in der Lage sind, unser Land wettbewerbsfähig zu halten.“

51 „Familienkrach“ in Deutschland
Vorstoß von der Leyen: Bis neue Plätze für unter 3-Jährige (Krippe), Kosten 3 Mrd. € Pro (71 % für Verdreifachung der Krippenplätze, West: 66%; Ost: 88 %; Unzufriedenheit mit Vereinbarkeit von Familie und Beruf besonders groß bei Befragten mit Kindern unter 3 Jahren, Tsp ) Sterzinsky: Betreuungsangebote... befürworte ich. In diesem Bereich ist eine echte Wahlmöglichkeit noch nicht hinreichend gegeben.“ ZdK: „Mit solcher Art von Politik wird Deutschland seinen Familien nicht gerecht und bleibt in seiner Zukunft dramatisch gefährdet.„Es haben "sich offenbar jene in der Union durchgesetzt, welche die Realität junger Familien immer noch nicht wahr haben wollen". (Ergebnisse der Koalitionsrunde vom : „zunächst Bedarf an Krippenplätzen ermitteln“) Käßmann: Leyens Weg sei "konsequent und mutig". Frauen müssten die Chance haben, Familie und Beruf zu verbinden. Auch die christlichen Kirchen sollten alles tun, um Deutschland kinderfreundlich zu machen Ost-CDU, Sven Petke: von der Leyen leiste „hervorragende Arbeit für die Familien in Deutschland“, Oranienburger Anzeiger ; Milbrandt: mehr Kitaplätze rein westdeutsches Problem Ost-SPD, Regina Münch, siebenfache Mutter: Ehegattensplitting (jährlich rund 9 Mrd. Euro) wird an die kinderlose Alleinverdiener-Ehe verschenkt, damit könnte man den Krippen und Kita-Ausbau locker finanzieren, es zementiert das patriarchalische Rollenverhältnis, MAZ SPD, Heil: Westen kann bei Kinderbetreuung vom Osten lernen; „Sehr dafür, dass wir hier vorankommen“ (Steinbrück), SPD will Finanzierungsvorschläge unterbreiten, die Frage sei dabei, wie man mit den familienpolitischen Leistungen von derzeit rund 170 Milliarden Euro «zielgerichteter umgehen könne». CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann: Auch die berufstätige Mutter entspreche dem christlichen Familienbild der CSU (vgl. Frauenerwerbstätigenquote in Bayern nach BaWü am höchsten in Deutschland) Grüne, Sager: gute Kinderbetreuung der beste Weg, um Mängel im familiären Umfeld auszugleichen, Ausbau der Kita mit Neuregelung des Ehegattensplittings finanzieren FTD DIHK-Präsident Braun: "Frau von der Leyen hat völlig Recht: Elterngeld und bessere Kinderbetreuung sind zwei Seiten derselben Medaille. Eine gute Kinderbetreuung ist unbedingte Voraussetzung für die von Betrieb und Eltern gewünschte rasche Rückkehr in den Beruf ZDH-Präsident Kentzler: Wir brauchen eine Kindergartenpflicht für alle. Tsp Contra Eva Herrman (geb. 1958, Mutter eines achtjährigen Sohnes): Kinderlosigkeit in Deutschland wg. Emanzipation: „Hausfrauen und Mütter dienen unserer Gesellschaft weitaus mehr als Karrierefrauen, die nur auf sich ausgerichtet sind.“ „Familie statt Selbstverwirklichung“, „Rückkehr zur traditionellen Wahrnehmung der Geschlechter, um die Familie und damit die ganze Gesellschaft vor dem Aussterben zu bewahren". Wenn sie nochmal jung wäre: "Ich würde mir einen Mann suchen, ihn arbeiten lassen und mich um unsere fünf Kinder kümmern." Autorin des Buches "Das Eva-Prinzip - Für eine neue Weiblichkeit" Meißner: "In der Bibel ist die Krippe ein Provisorium. Wir haben eine ständige Einrichtung daraus gemacht, in die Kinder kurz nach dem Wochenbett oder im ersten Lebensjahr ausgesetzt werden.“ Mixa: Frauen, die zu Hause bleiben, gebührt große Anerkennung; durch mehr Krippen- und Kitaplätze rekrutiere man "junge Frauen als Arbeitskräftereserve für die Industrie". Ein Staat, der eine Kinderbetreuung außerhalb der Familie fördert, degradiere die Frau zur "Gebärmaschine". Schönbohm: „Höchste Achtung vor Müttern, die ihre Kinder zu Hause erziehen“ Oranienburger Anzeiger ; „Es kann nicht sein, dass die Familienministerin den Eindruck erweckt, das Glück junger Frauen bestehe in der Berufstätigkeit“. "Frau von der Leyen stellt die Männer in eine Ecke, in die sie nicht gehören. Männer, das sind für sie offenbar familienscheue Drückeberger mit lächerlichem Imponiergehabe. Damit wird Millionen von Männern unrecht getan, die große Verantwortung in ihren Familien übernehmen und sich sehr intensiv um ihre Kinder kümmern." PNN Frauenerwerbstätigenquote 2006: BaWÜ: 63,, 1 Bayern: 62,9 München, 28. August Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit, Stewens: Bundesweit höchste Frauenerwerbstätigenquote in Bayern – zügiger Ausbau des Kinderbetreuungsangebots „Mit einer Erwerbstätigenquote von 62,7 Prozent im Jahr 2004 liegt die Erwerbstätigenquote in Bayern - nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes - 4,3 Prozentpunkte über dem bundesdeutschen Schnitt und bundesweit an erster Stelle“, teilte Bayerns Arbeits- und Frauenministerin Christa Stewens heute in München mit. Frauen fänden in Bayern die besten Ausgangsbedingungen für eine gute Ausbildung und einen erfolgreichen Start ins Berufsleben vor. „Darüber hinaus tun wir alles, um Eltern zu helfen, Familie und Erwerbstätigkeit unter einen Hut zu bringen. Eine ganz entscheidende Rolle spielt dabei der weitere Ausbau bzw. die Verbesserung des Kinderbetreuungsangebots – eines der Kernziele des neuen Bayerischen Kinderbildungs- und –betreuungsgesetzes (BayKiBiG), das am 1. August in Kraft getreten ist. Wir haben uns - zusammen mit den Kommunen - das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2008 eine Bedarfsdeckung in allen Bereichen der Kinderbetreuung zu erreichen, also auch bei den unter Dreijährigen und Schulkindern. Mit jährlich neuen Betreuungsplätzen für unter dreijährige Kinder und Schulkinder seit 2002 hat Bayern ein bundesweit einzigartiges Ausbautempo vorgelegt“, betonte die Ministerin. „Aber wir brauchen auch familienfreundliche Arbeitsbedingungen. Hier stehen primär die Unternehmen in der Verantwortung. Wir brauchen familiengerechte Jobs – nicht aber die jobgerechte Familie. Viele Firmen haben bereits erkannt, dass familienfreundliche Arbeitsbedingungen kein ‚teurer Luxus’ sind, sondern sich auch für den Arbeitgeber lohnen. Zu den Vorteilen zählen insbesondere eine höhere Motivation, Leistungsfähigkeit und Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter, niedrigere Fluktuations- und Krankheitsraten sowie der Erhalt von Qualifikationen“, erklärte Stewens und appellierte gleichzeitig an Unternehmer, „Familienfreundlichkeit im ureigensten Interesse als Wettbewerbsfaktor zu erkennen.“ Unterstützt werde dies beispielsweise durch Informationsangebote und betriebsspezifische Beratungsangebote für kleine und mittelständische Unternehmen. Mit dem Projekt „Familienbewusste Arbeitswelt – Betriebliche Beratung“, das aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, des Freistaates Bayern und der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft finanziert wird, werden nach den Worten der Ministerin Hilfestellungen zur Umsetzung familienfreundlicher Strukturen gegeben. Im Osten Krippen, im Westen Arbeit - In Bayern sind viele Frauen berufstätig – obwohl es wenig Betreuungsangebote gibt. Ein Widerspruch? Von Carolin Jenkner Berlin - In der Auseinandersetzung um den massiven Ausbau der Kinderbetreuung, hat Bayerns Sozialministerin Christa Stewens (CSU) betont, Bayern habe die höchste Frauenerwerbstätigenquote aller 16 Bundesländer. Stewens begründete die Spitzenposition damit, dass Bayern rechtzeitig begonnen habe, Kinderbetreuungsplätze auszubauen. Ein Widerspruch, denn bei der Zahl der Krippenplätze rangierte Bayern 2002 auf dem letzten Rang. Auf 1000 Kinder kamen im Freistaat nur 21 Betreuungsplätze für unter Dreijährige. Die ostdeutschen Länder hingegen boten einige hundert Krippenplätze an, verzeichnen aber eine niedrige Frauenerwerbstätigkeit. Herbert Buscher vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle hat eine Erklärung für diese Diskrepanz: „Die Erwerbstätigenquote in Bayern und Baden-Württemberg ist allgemein sehr hoch, dann gibt es natürlich auch mehr Arbeitsplätze für Frauen.“ In Ostdeutschland hingegen gebe es weniger Arbeit, viele Krippenplätze blieben leer, und viele Frauen im gebärfähigen Alter zögen in die alten Bundesländer, um Arbeit zu suchen. Grafik: Das ElterngeldEin Blick in die Statistik bestätigt Buschers These: Bayern hatte 2005 eine Erwerbstätigenquote von 70 Prozent und nahm damit den Spitzenplatz ein, 62,9 Prozent der Frauen arbeiteten. Damit rangierte Bayern auf dem zweiten Platz hinter Baden-Württemberg, das eine Frauenerwerbstätigenquote von 63,1 Prozent aufweist. Die Länder mit einer insgesamt niedrigen Erwerbstätigenquote hingegen standen auch bei der Frauenerwerbstätigenquote eher schlecht da. Berlin lag 2005 mit einer Erwerbstätigenquote von 58,6 Prozent auf dem letzten Platz. Auch bei der Frauenerwerbstätigenquote kam die Hauptstadt nur auf den viertletzten Platz mit 56,9 Prozent. „Dass Bayern eine hohe Frauenerwerbstätigenquote hat, heißt aber nicht, dass es dort auch ausreichend Kita-Plätze gibt“, sagt Nicola Hülskamp vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. „Wenn ich mir die Zahlen für Bayern angucke, ist da noch eine Menge Nachholbedarf.“ Das Problem sei, dass alle Mütter, die in Elternzeit sind, als erwerbstätig erfasst seien, egal ob sie zu Hause bleiben oder arbeiten. Wie groß der Anteil an Müttern mit Kindern unter drei Jahren ist, geht aus der Statistik nicht hervor. Auch bleibt offen, wo die Mütter ihre Kleinkinder unterbringen. Herbert Buscher schätzt, dass Frauen in Bayern ihre Kinder häufiger von Verwandten betreuen lassen, weil die Familienstrukturen in Bayern stabiler seien als in anderen Bundesländern. Gleichzeitig attestiert er dem Freistaat eine klassische Rollenverteilung: „Für Frauen im Westen ist der Beruf oft nur ein Zuverdienst.“ Ihnen falle es leichter, ihren Job aufzugeben. Im Osten gebe es viele alleinerziehende Mütter, die auf eine volle Stelle angewiesen seien. Auch zwischen Wirtschaftskraft und der Erwerbstätigkeit von Frauen scheint es einen Zusammenhang zu geben: „Frauen arbeiten oft im Niedriglohnsektor. Ihre Stellen werden häufig als erste wegrationalisiert“, sagt Buscher. Vergleicht man den Unterschied zwischen Frauen- und Männererwerbstätigkeit in den alten und neuen Bundesländern miteinander, so sind die neuen Länder sogar führend – bei ihnen ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen geringer: In Bayern arbeiten 77,1 Prozent der Männer und 62,9 Prozent der Frauen – ein Unterschied von 14,2 Prozentpunkten. In den meisten alten Bundesländern ist er ähnlich hoch. In Berlin liegt der Unterschied nur bei 3,2 Prozentpunkten: 60,1 Prozent der Männer und 56,9 Prozent der Frauen haben dort eine Arbeitsstelle. ( ) Eva Herman verteidigt ihre Emanzipations-Thesen Hamburg (dpa) - "Tagesschau"-Sprecherin Eva Herman (47) hat ihre umstrittenen Thesen zur Emanzipation gegen heftige Kritik verteidigt. "Hausfrauen und Mütter dienen unserer Gesellschaft weitaus mehr als Karrierefrauen, die nur auf sich ausgerichtet sind.„ Viele ärgern sich über Eva Hermans Emanzipationsthesen. "Der Feminismus hat uns eingeredet, dass Frauen nur dann etwas wert sind, wenn sie arbeiten und Geld verdienen. Das finde ich fatal", sagte Herman in der "Bild am Sonntag" (BamS). Ende dieses Monats will die Mutter eines achtjährigen Sohnes, die seit Jahren vielfach im Fernsehen und seit einiger Zeit als Buchautorin tätig ist, eine Auszeit von der "Tagesschau" nehmen, für andere TV-Sendungen aber weiterhin vor der Kamera stehen. In ihrem im September erscheinenden Buch "Das Eva-Prinzip - Für eine neue Weiblichkeit" plädiert die Autorin nach Verlagsangaben für "eine Rückkehr zur traditionellen Wahrnehmung der Geschlechter, um die Familie und damit die ganze Gesellschaft vor dem Aussterben zu bewahren". Bereits in einem Artikel für das Magazin "Cicero" hatte Herman mit provokanten Aussagen ihre Bilanz der Frauenbewegung gezogen und die Kinderlosigkeit in Deutschland mit der Emanzipation begründet. Die Thesen der in vierter Ehe verheirateten Hamburgerin hatten heftigen Wirbel ausgelöst. In der "BamS" wehrte sich Herman gegen die Kritik. Sie habe immer mehr "überforderte, ausgebrannte und schlicht unglückliche Frauen" gesehen, meinte die 47-Jährige. "Ich staune über jene selbstgerechten Damen, die mit zusammengebissenen Zähnen behaupten, ihr Lebensweg sei der einzig richtige - und das, obwohl die Bilanz oft traurig ist, weil sie weder glücklich sind noch Liebe, Bindung, Vertrauen erfahren", sagte sie. Frauen leisteten auch dann wertvolle Arbeit, "wenn sie liebevollen und ausgeglichenen Nachwuchs heranziehen statt aggressive, bindungslose und seelisch verwahrloste Kinder". Bestsellerautorin Ildikó von Kürthy (38) ärgern die Aussagen ihrer Kollegin dagegen "wahnsinnig": "Ich halte das für großen Quatsch, diese Glorifizierung von Frauen mit Kindern: als würde erst das ein Frauenleben lebenswert oder sinnvoll machen", sagte die Schriftstellerin ("Mondscheintarif", "Höhenrausch") in der ARD-Talkshow "Beckmann", die an diesem Montag (22.45 Uhr) ausgestrahlt wird. Die 38-Jährige erwartet in sieben Wochen ihr erstes Kind und hofft, dass ihr Sohn in einer Welt aufwächst, in der "die emanzipierte Frau nichts Furchterregendes" mehr ist. )          „Wir brauchen eine Kindergartenpflicht für alle“ Handwerkspräsident Otto Kentzler über bessere Bildung, die Folgen der Mehrwertsteuererhöhung und die psychologischen Effekte des Kündigungsschutzes Herr Kentzler, hat Handwerk heute noch goldenen Boden? Der sprichwörtliche „goldene Boden“ ist und bleibt die qualifizierte Ausbildung eines Handwerkers. Aber Sie zielen sicher auf die Geschäfte ab: Ja, die laufen seit gut sechs Monaten besser. Aber wir haben fünf Jahre Rezession hinter uns, und die Betriebe zweifeln, ob das nachhaltig ist. Der Aufschwung ist stabil – warum sollte man Angst vor einem Abschwung haben? So rosig ist das Bild noch nicht werden wir erneut bis zu Stellen verlieren. Und 2007 sind wir froh, wenn die Beschäftigung stabil bleibt. Der Exportboom erreicht nur hoch spezialisierte Betriebe, dort wird bereits über einen Facharbeitermangel geklagt. Wer auf den heimischen Märkten sein Geld verdient, hat gerade die Talsohle verlassen, dem Aufschwung traut er noch nicht. Schließlich stehen wir vor der größten Steuererhöhung in der Geschichte des Landes. Das Wachstum ist stark wie seit Jahren nicht, und trotzdem klagen Sie. Was macht Ihre Branche falsch? Wer im Geschäft geblieben ist, hat es meist richtig gemacht: Rationalisiert, spezialisiert, Aufträge bei den boomenden europäischen Nachbarn gesucht. Aber vor Neueinstellungen schrecken unsere Betriebe zurück. Da ist viel Psychologie im Spiel. Wer einmal einen Kündigungsschutzprozess mitgemacht hat, setzt bei besseren Geschäften erst einmal auf Leiharbeiter oder Subunternehmer. Die Stimmung steigt doch überall. Es gab auch Dämpfer. Nehmen Sie das überzogene Gleichbehandlungsgesetz: Welcher Handwerksunternehmer hat schon das Wissen und die Zeit, penibel auf die gesetzlichen Fallstricke zu achten. Und schon gibt es Geschäftemacher, spezielle Abmahnfirmen, die mit Abfindungen oder Klagen drohen. Solche Regelungen haben mit dazu geführt, dass wir den unflexibelsten Arbeitsmarkt haben. Wie viele neue Jobs versprechen Sie für eine Lockerung des Kündigungsschutzes? Versprechen können wir nichts, und Zahlen können wir nicht seriös vorhersagen. Sicher ist: Wenn die psychologische Hürde Kündigungsschutz für kleine Unternehmen fällt, wird es mehr sozialversicherungspflichtige Jobs geben. Der Kündigungsschutz sollte nur in Betrieben über 20, besser noch über 50 Beschäftigten gelten. Die Regierung hindert das Handwerk also, anständig zu verdienen? Vor allem der knallharte Wettbewerb drückt die Preise und damit die Gewinnmargen. Ihre Polemik passt also nicht. Der Regierung sind wir für das Wachstumspaket mit Steuerbonus und Sanierungsprogramm zur Energieeinsparung dankbar, das bringt Aufträge und rettet viele Jobs. Und die Reformen von Unternehmen- und Erbschaftsteuer werden unsere Betriebe stärken, auch wenn noch dringend nachgebessert werden muss. Aber uns fehlen weitere Reformperspektiven. Den unflexiblen Arbeitsmarkt habe ich angesprochen, die Gesundheitsreform beschert erst einmal steigende Beiträge, der Rentenumbau ist noch Stückwerk, der Bürokratieabbau beginnt in sehr kleinen Schritten. Immerhin bekommen Sie neue Subventionen – Verbraucher können jetzt Handwerkerleistungen von der Steuer absetzen. Was Sie Subvention nennen, bringt drei Gewinner. Der Betrieb bekommt Aufträge, kann Jobs halten, der Kunde bekommt Qualitätsarbeit und spart doch mehr als die Mehrwertsteuer, die Finanzämter und die Sozialversicherungen freuen sich über steigende Einnahmen. Verlierer ist allein die Schwarzarbeit. Die Lohnstückkosten sinken seit Jahren – reicht das nicht für Neueinstellungen? Handwerk und Industrie können Sie nicht über einen Kamm scheren. Bei einem Autohersteller etwa machen die Personalkosten höchstens 15 Prozent aus, im Handwerk sind es 70 bis 90 Prozent. Wir stehen unter immensem Preisdruck. Von jeder Verrechnungsstunde fließt aber nur ein Drittel auf das Konto des Mitarbeiters, davon muss er noch Steuern und seinen Anteil an den Sozialkosten zahlen. Ein weiteres Drittel geht für die betrieblichen Lohnzusatzkosten drauf, der Rest für die Betriebskosten, etwa Energie. In ein paar Tagen steigt die Mehrwertsteuer. War die Angst davor übertrieben? Keineswegs. Die Delle wird kommen. Das ist ein Kardinalfehler der Regierung, es gab Alternativen. Ein Kaufhaus kann die höhere Steuer im Endpreis verstecken – wir Handwerker müssen die Nettopreise in unsere Rechnungen schreiben und schlagen dann die Mehrwertsteuer drauf. Das ist für viele Kunden ein Schock. Im Gegenzug wird die Arbeitslosenversicherung billiger – das entlastet Sie auch. Das reicht nicht, der Preis unserer Netto-Verrechnungsstunde sinkt zwar, aber die Mehrwertsteuer treibt den Endpreis am Ende doch in die Höhe. Die Koalition plant einen Investivlohn. Werden gut verdienende Handwerksmeister bald ihre Gesellen am Erfolg beteiligen? Die Idee der Mitarbeiterbeteiligung ist gut, aber im Mittelstand wohl nicht zu realisieren. In meinem Familienunternehmen diskutieren wir darüber schon Jahrzehnte. Gerade die Topbetriebe würden ja gerne gute Fachkräfte stärker an die Firma binden. Wenn die Idee so gut ist – warum gibt es den Investivlohn dann nicht längst? Handwerksbetriebe sind keine Aktiengesellschaften. Gehalt plus Leistungsbonus plus Gesellschaftsanteil mit Insolvenzschutz – Vollkasko also und das alles ohne Verantwortung für das Ganze? Wer das will, ist schief gewickelt. Da gibt es auch kein Interesse von Seiten unserer Arbeitnehmer. Wir sehen in verbesserten Betriebsrenten eine Alternative, die vor allem ohne komplizierte neue Bürokratie bewerkstelligt werden kann. Der Arbeitgeberverband BDA, dem auch das Handwerk angehört, und der Industrieverband BDI wollen enger zusammenarbeiten. Ist das eine gute Idee? Die vier Spitzenverbände arbeiten bereits lange gut zusammen. Punktuell engere Zusammenarbeit ist richtig und im Interesse der Mitglieder. Wenn aber die BDA eines Tages zu sehr die Interessen der Industrie vertreten würde, wenn sie enger mit dem BDI zusammenarbeitet, wäre das der falsche Weg. Die Wahlperiode dauert bis Was muss die Regierung noch erledigen? Für das Handwerk ist die Bildung ein großes Thema. Hier wird viel geredet und wenig getan. Eliteunis sind zu wenig, wir brauchen auch engagierte und interessierte Schulabgänger, die das Zeug dazu haben, zur Elite im Handwerk zu wachsen. Schon heute gibt es Fachkräftemangel bei Betrieben mit hohen Ansprüchen. Was schlagen Sie vor? Wir brauchen eine nationale Bildungsinitiative mit einem ganzheitlichen Ansatz. Familien, Kindergärten, Schulen, Universitäten – hier hängt alles mit allem zusammen. Es muss zum Beispiel eine Kindergartenpflicht im Sinne einer Vorschule geben, weil die Kleinen nie so rasch lernen wie im Alter zwischen drei und sechs. Wer soll das bezahlen? Zehn Euro Kindergeld weniger tun kaum einer Familie weh. Wenn mit diesem Geld kostenlose Kitaplätze für alle geschaffen würden, hätten wir bereits eine bessere Grundlage für die späteren Jahre. Die Koalition muss generell mehr Geld in die Hand nehmen für Bildung. Bei Schulen und Universitäten gibt es einen enormen Investitionsstau. Aber es geht nicht nur um Geld: Die Verbindung der Schulen zur Wirtschaft etwa ist noch zu dünn. Am besten wäre ein verpflichtendes Praktikum für alle Schüler ab der achten Klasse, damit Jugendliche früh einen Eindruck vom Berufsleben bekommen. Was tut das Handwerk? Wir bilden in diesem Jahr drei Prozent mehr Lehrlinge aus. Mit zehn Prozent Ausbildungsquote sind wir weiter der größte Ausbilder im Land. Das Gespräch führten Carsten Brönstrup, Stephan-Andreas Casdorff und Moritz Döbler.

52 „Der vergoldete Käfig“
"In Nachhinein betrachtet, glaube ich, dass finanzielle Anreize nur für das Kinderkriegen allein kontraproduktiv wirken. Auch ich habe mich seinerzeit durch die finanziellen Trostpflästerchen vom Staat und dem geregelten Einkommen meines Mannes – nach Studium und fünf Jahren Berufstätigkeit – dazu verführen lassen, mich selbst aus meinem BAT-gesicherten Berufsleben zu katapultieren. Heute, nach der Erziehung von drei Kindern, bin ich 44 Jahre alt, für potentielle Arbeitgeber entweder über- oder unterqualifiziert, zu alt, zu unflexibel, immer zu teuer, und da ich die zeitintensive Familienphase hinter mir habe, löse ich offenbar auch noch die Angst aus, dass man mich im Falle einer Einstellung bis zur Rente nicht mehr loswerden wird. Diese Erfahrung wäre mir und vielen Frauen erspart geblieben, wenn an Stelle des Kinder- und Erziehungsgeldes Strukturen geschaffen worden wären, die den Verbleib von Mütter im Berufsleben ermöglichen würden. Barbara Schaal, Sulzbach (BaWü), Leserbrief zum Spiegel-Titel „Der vergoldete Käfig“, Spiegel Nr. 10, , S. 6 Jens Bullerjahn, SPD-Bundesvize: „Im Übrigen ist das wirklich ein Thema, bei dem der Westen etwas vom Osten lernen kann. Mit DDR-Nostalgie hat das nichts zu tun. Ich bin als Kind berufstätiger Eltern in die Krippe gegangen, und bei meinen Söhnen war das nicht anders. Trotzdem ist aus den Jungs etwas geworden.“ SuperIIlu,

53 b) Zuwanderungspolitik
Variante 9: Zuwanderer (stabile EW-Zahl) Variante 5: Zuwanderer (-7,5 Mio. EW) Zuwanderer je EW in 1980er Jahren pro Jahr: USA: 245 Kanada: 479 Australien: 694 Deutschland (alte Länder): „Desinformation und Desinteresse haben zu einem falschen Selbstbild geführt: Deutschland ist weltoffener als andere Länder.“ Herwig Birk, Grundkurs Demografie, Erste Lektion, Deutschlands Weltrekorde, FAZ Noch Notizen zu Folie 51 In der Mai-Ausgabe 2006 des Politikmagazins Cicero, gewissermaßen als Vorbereitung für ihr dann im Herbst 2006 erschienenes Buch Das Eva-Prinzip, veröffentlichte Herman einen Beitrag über die Kinderlosigkeit der Deutschen [11], der zu heftigen Diskussionen führte. Sie setzte sich für eine konservative Rollenverteilung zwischen der Frau als Mutter und dem Mann als dem „starke(n) und beschützende(n) Part“ ein und erteilte der Emanzipation eine Absage. Der Lebensabend karriereorientierter Frauen würde „in vielen Fällen eine Zeit des schmerzvollen Nachdenkens und der tiefen Reue werden“. Kinder zu bekommen, sei für Frauen nicht mehr selbstverständlich, sondern bloß noch eine Möglichkeit. Sie vermutet, die Frauen seien in Folge der Emanzipationsbewegung vermännlicht. Statt einem „fremdbestimmten Anspruch an die Frau, es gefälligst den Männern gleichzutun“, forderte sie „das Recht auf die traditionelle Rolle als Frau und Mutter“. Eva Herrmann: Ihr Plan, wenn sie noch einmal jung wäre: "Ich würde mir einen Mann suchen, ihn arbeiten lassen und mich um unsere fünf Kinder kümmern." 03. September 2006 EVA HERMANS WEIBLICHKEIT, Heimelig Kerzen platzieren und Apfelkuchen backen Kurz vor Erscheinen ihres Buches erklärt Ex-Tagesschau-Sprecherin Eva Herman in einem Interview ihre Sicht der Welt: Frauen kommt ein Platz im Haus zu, Männer haben zu arbeiten. Frauen haben jung Kinder zu kriegen, dann erst kommt die Karriere. Und noch was: Sie sollten öfter mal den Mund halten. Hamburg - Wenige Tage vor Erscheinen ihres Buches "Das Eva Prinzip" hat Eva Herman, 47, Weiblichkeit als "Kinder, Familie und ein harmonisches Heim" definiert. In einem Interview mit der "Bild am Sonntag" breitet sie ihre Ansichten über die "zugedachten Rollen" für Männer und Frauen aus. Herman fordert ihre Geschlechtsgenossinnen auf, darüber nachzudenken, ob sie wirklich ein "erfülltes und glückliches Leben" führten. Wie eine Bußpredigerin verkündet sie: "Notfalls ist mit einem Umdenken auch Verzicht verbunden. Verzicht auf materielle Erleichterungen, die jedoch durch persönliches Glück mehr als aufgewogen werden können.“ Auf den Vorwurf, sie selbst habe nicht nach dem Rollenmuster gelebt, das sie von anderen Frauen einfordere, kontert sie: "Wer hätte das Buch schreiben können, wenn nicht eine Karrierefrau, die ihre Erfahrungen selbst gesammelt hat." Sie selbst habe das Privileg gehabt, "lange ein zuverlässiges Kindermädchen" gehabt zu haben, "auf das ich mich hundertprozentig verlassen konnte". Herman geriert sich als kompetente Ratgeberin. Der ideale Zeitpunkt für eine Frau, um Mutter zu werden sei zwischen 20 und 30 Jahren - "also viel früher, als es heute meist passiert", sagt die 47-Jährige, die einen achtjährigen Sohn hat. Zeit für Karriere sei dann immer noch, "wenn die Kinder aus dem Haus sind". Sie selbst "wäre bestimmt früher Mutter geworden und hätte mich erst danach um den Job gekümmert, wenn ich mich früher mit der Lebensplanung bewusst beschäftigt hätte.„ Damit ihre Vorstellung von Karriereplanung - Frauen erst nach 40 in den Beruf - praktisch funktioniert, räumt Herman ein, müsse sich natürlich alles ändern. "Es muss umgedacht werden, an allen Stellen, in der Politik, Wirtschaft, Industrie und jeder für sich." Sie spricht wie eine Politikerin: "Es kann nicht sein, dass Menschen heute mit 50 Jahren zum alten Eisen gehören und ausgemustert werden." Müntefering und Co. lassen grüßen. Dann bricht Herman eine Lanze für Männer. Beispiel: "Der Mann lädt die Frau in ein Restaurant ein. Die sagt: Ist ja ganz schön, aber warum gehen wir nicht in einer anderes Restaurant? Klar, dass der Mann da enttäuscht ist." Es folgt ein Ausbund von Selbstdisziplinierung: "Ich finde, wir Frauen sollten öfter einfach mal den Mund halten. Warum müssen wir immer alles mitbestimmen?" Die Begründung folgt auf dem Fuß: Der Feminismus sei schuld. Alice Schwarzer habe den Frauen "eingetrichtert": "Ihr könnt alles, ihr dürft alles, ihr könnt genau das Gleiche wie die Männer, es gibt gar keine unterschiedlichen Geschlechter." Schwarzers Thesen erklärt Herman für "gescheitert". Der Leser erfährt weiter, dass Männer keine Lust für Hausarbeit hätten und auch keine "besondere Veranlagung". Sollten Frauen von Männern trotzdem Hausarbeit einfordern, verunsichere man sie, was zu psychischen Problemen führen könne. Herman hat die passende Statistik parat: "Es gibt in Deutschland übrigens nur fünf bis sieben Prozent Hausmänner. Und in 98 Prozent dieser Fälle gehen die Ehen kaputt." Sie selbst lebt in vierter Ehe in Hamburg. Für Frauen dagegen sei der einzig wahre Platz zu Hause. "Denn eine Frau ist viel eher in der Lage, das Haus heimelig zu machen, schöne Kerzen zu platzieren, Blumen aufzustellen und Apfelkuchen zu backen." Ihr Plan, wenn sie noch einmal jung wäre: "Ich würde mir einen Mann suchen, ihn arbeiten lassen und mich um unsere fünf Kinder kümmern.„ asc

54 Gestalten: Zuwanderungspolitik
Aufenthaltserlaubnisse (befristet) für Ausländische Studenten (§ 16 Aufenthaltsgesetz), ausländische Beschäftigte mit Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit (§ 18 Aufenthaltsgesetz), Selbständige, wenn sie mehr als 1 Mio. € investieren oder 10 Arbeitsplätze schaffen (§ 21 Aufenthaltsgesetz), Niederlassungserlaubnisse (unbefristet, ohne Nebenbestimmungen) für Hochqualifizierte (§ 19 Aufenthaltsgesetz), d.h. Wissenschaftler mit besonderen Kenntnissen, Lehrpersonen und wiss. Mitarbeiter mit herausgehobener Funktion, Spezialisten, und leitende Angestellte mit besonderer Berufserfahrung, wenn ihr Einkommen um das Doppelte über der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Krankenversicherung liegt. Integrationserfordernisse, Sprachkompetenz: Schlüsselfunktion Kitabetreuung von Zuwandererkindern d) Zuwanderung Stellschraube Zuwanderung: Das Zuwanderungsgesetz „ermöglicht und gestaltet Zuwanderung unter Berücksichtigung der Aufnahme- und Integrationsfähigkeit sowie der wirtschaftlichen und arbeitsmarktpolitischen Interessen der Bundesrepublik Deutschland“ (§ 1 Aufenthaltsgesetz gem. Art. 1 Zuwanderungsgesetz). Leitbild für Einwanderung formulieren: Melting pot (assimilierter Einwanderer - „eingedeutscht“) oder Salatschüssel /Mosaikkultur der Vielfarben und Eigenheiten kultureller Hintergründe als Kraftquelle und Bereicherung auf der Basis gemeinsamer Grundwerte für das gesellschaftliche Zusammenleben (deutsche Sprache und Schulbildung, Verfassung, Gesetze) und einer aktiven Integrationsbemühung. Doppelidentität primär für das Einwanderungsland, sekundär für das Herkunftsland, umgekehrt wie beim „Bindestrich-Kanadier“ (vgl. Rainer Geißler, Multikulturalismus in Kanada – Modell für Deutschland? Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zur Wochenzeitschrift Das Parlament, 23. Juni 2003) Homogenitätsbedürfnisse im Rahmen einer heterogenen Gesamtgesellschaft respektieren ohne sie zu verstärken (natürliche Seggregation der Schichten und Ethnien). Aus Politik und Zeitgeschichte B 26/ 2003 Rainer Geißler: Multikulturalismus in Kanada – Modell für Deutschland? „...In den sechziger Jahren wurde dazu das Konzept des Multikulturalismus entwickelt, das dann 1971 zur bis heute gültigen Staatsideologie erhoben wurde. Die Kanadier sind nicht nur die ideellen Erfinder der multikulturellen Gesellschaft, sondern sie haben dieses Konzept auch als erste in praktische Politik umgesetzt. Die „Philosophie des Multikulturalismus“ lässt sich zu sieben Grundprinzipien zusammenfassen: 1. Prinzipielles Ja zur ethno-kulturellen Verschiedenheit (diversity). Ethno-kulturelle Vielfalt ist Kraftquelle und Bereicherung. 2. Recht auf kulturelle Differenz: Es besteht also ein Recht, aber keine Pflicht oder gar Zwang zur ethnischen Identifikation. 3. Prinzip der kulturellen Gleichwertigkeit und gegenseitigen Toleranz: Aus diesem Prinzip leitet sich das Gebot gegenseitiger Toleranz ab. Der Identifikation mit der Herkunftsgruppe soll jedoch die Identifikation mit der Gesamtgesellschaft vorausgehen. Erlaubt ist eine hierarchisch strukturierte Doppelidentität. Die Identifikation mit Kanada soll dabei primär, die Identifikation mit der Herkunftsgruppe sekundär sein. Der „Bindestrich-Kanadier“ soll also in erster Linie Kanadier und erst in zweiter Linie Engländer, Schotte, Québécois, Deutscher, Ukrainer oder Chinese sein.  4. Sicherheit – Kontakt – Hypothese: Das Recht auf Differenz gründet u. a. auf der empirisch bestätigten sozialpsychologischen „Sicherheit – und – Kontakt-Hypothese“: Die Verankerung in der Eigengruppe fördert das Selbstbewusstsein und die psychische Sicherheit der Individuen und schafft so die Voraussetzungen für die Offenheit gegenüber anderen ethno-kulturellen Gruppen, die Toleranz und interethnische Kontakte erst ermöglichen. 5. Einheit-in-Verschiedenheit (unity-within-diversity): Ein Kern von gemeinsamen Grundwerten und -regeln (Verfassung, Gesetze, gemeinsame Sprache) garantiert den Zusammenhalt des Ganzen und setzt der Verschiedenheit und dem Recht auf kulturelle Differenz und dem Prinzip der kulturellen Gleichwertigkeit Grenzen. Der gemeinsame Rahmen hat einen klaren Vorrang vor den besonderen Teilkulturen. Einwanderer dürfen nur diejenigen Teile ihrer Kultur erhalten und pflegen, die nicht im Widerspruch zum verbindlichen gemeinsamen Kern stehen („selektive Bewahrung der Kultur“). Die Gleichheit der Frau sowie häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder sind typische Bereiche, in denen manche Herkunftskulturen mit dem gemeinsamen Kern kollidieren. Da die Kernnormen dem europäischen Kulturkreis entstammen, relativiert das Prinzip „Einheit-in-Verschiedenheit“ die Rechte auf kulturelle Differenz und Gleichwertigkeit; de facto gibt es eine Hierarchie der ethno-kulturellen Gruppen: Je mehr eine Kultur dem gemeinsamen Kern widerspricht, desto mehr werden ihr Unterordnung und Verzicht abverlangt. Die Grenzziehung zwischen Verschiedenheit und Einheit (wo endet die gleichberechtigte Verschiedenheit, wo müssen sich kulturelle Besonderheiten dem gemeinsamen Kern unterordnen?) ist in einigen Punkten umstritten und Teil des politischen Diskurses. 6. Recht auf gleiche Chancen: Mit dem liberalen Recht auf kulturelle Differenz ist das soziale Recht auf gleiche Chancen bei der Teilhabe an der kanadischen Gesellschaft verbunden. Der kanadische Multikulturalismus ist also nicht auf die kulturelle Ebene beschränkt, wie es der Terminus Multi-„Kulturalismus“ suggerieren könnte. 7. Management-Annahme: Multikulturalismus in dem skizzierten Sinne entwickelt sich nicht von selbst, sondern bedarf des politischen Managements – der politischen Ermutigung und Förderung. Wichtige Bestandteile der Multikulturalismus-Philosophie werden in der Metapher des „ethnischen Mosaiks“ eingefangen. Damit will sich Kanada bewusst und nachdrücklich vom „Schmelztiegel“- Ideal der USA abgrenzen: Die Vielfalt der Kulturen soll nicht in einem „melting pot“ eingeschmolzen werden, sondern jede ethno-kulturelle Gruppe soll – wie die Steinchen bzw. Teile eines Mosaiks – ihre spezifische Farbe oder Form erhalten. Alle Gruppen zusammen formieren sich dann mit ihren Besonderheiten zu einem bunten und vielgestaltigen Gesamtbild.“

55 „Gefühlte“ Zuwanderung im Osten
Frage des SPD-Fraktionsvorsitzenden Baaske an Schüler einer 9. Klasse in Schwedt: “Wie hoch schätzt ihr den Ausländeranteil in Schwedt?“ „ 24 Prozent, 20, 22“, rufen die Schüler. „1,7 Prozent!, jeder 57. Schwedter ist ein Ausländer“ „Ihr müsst was im Kopf haben“, Märkische Oderzeitung,

56 c) Wirtschaftspolitik
Arbeitsplätze schaffen: Bundesbehörden und Einrichtungen im Osten ansiedeln (s. Föderalismuskommission) Regionalpolitik (Strukturfonds der EU, Ziel-1-Gebiet, GA-Mittel) Infrastrukturgefälle ausgleichen, Standort Neue Länder aufwerten: Straßen, Schiene, Wasserstraße, Verkehrsprojekte deutsche Einheit Soli II: Aufbau Ost-Mittel bis 2019 Beraterkreis der Bundesregierung zum Aufbau Ost (u.a. von Dohnanyi)

57 Bundesbehörden Beispiel Aufbau Ost
Lt. Vorschlag Föderalismuskommission v : BT-Ds 12/2853 (neu) sind „neue Bundeseinrichtungen und –institutionen ... grundsätzlich in den neuen Ländern anzusiedeln“. Bundestag hat dazu festgestellt: Die Bundesregierung „wird über die Ausführung der Beschlüsse wachen und bei entstehenden Schwierigkeiten Ersatzmaßnahmen unterbreiten.“ Aktuell: Bundesamt für Verbraucherschutz Minijob-Zentrale BND, BKA nach Berlin? (Berlin als Teil der Neuen Länder?) Bundesinstitut für Produktsicherheit mit 100 Beschäftigten nach Neuruppin („Neuruppin sticht Leipzig aus“ (2004) Frankfurt/O gegen Leipzig bei Osteuropazentrum: „Der Teufel scheißt immer auf den dicksten Haufen“ (OB Patzelt) 1. Schließung Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere Wusterhausen (Nähe Neuruppin) 2. Entschädigung für Neuruppin: Bundesinstitut für Produktsicherheit („Neuruppin sticht Leipzig aus“) 3. Entschädigung Leipzig: Osteuropazentrum für Forschung, Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur (Leipzig sticht F/O aus), außerdem Standortentscheidung der DHL für Leipzig

58 Transferleistungen

59 6. Prioritäten für mehr Geburten (alte Länder)
Ganztagskinderbetreuung nach Ablauf der bezahlten Elternzeit (Elterngeld) Bezahlte Elternzeit gekoppelt an Nettoeinkommen Familiensplitting statt Ehegattensplitting Flexible Arbeitszeit, Teilzeit, Heimarbeit Arbeitsplätze schaffen Paradoxien: Folie 13 Befragung unter abgewanderten Sachsen: Voraussetzung für Rückkehr: Arbeitsplatz 51 % Verdienst 31 % Gründe für Nicht-Rückkehr: Besserer Verdienst 42 % Bessere Arbeitsbedingungen 10 % Bessere Lebens- und Zukunftsperspektiven 22 % Familiäre Gebundenheit 14 % Quelle: Sachsische Wanderungsanalyse, Stat. Landesamt 2003 Zitiert nach Thomas Kralinski, Leere oder Lehre Paradoxien: - Steigendes Einkommen, sinkende Kinderzahl Transformationsländer: - (Wirtschafts)krisen schweißen die Paare zusammen (Scheidungsrate), aber Kinder kommen dabei nicht heraus Brandenburg: - Je mehr wir in Bildung investieren, umso größer die Gefahr der Abwanderung: - Nicht die Arbeitslosen wandern, sondern die gut Gebildeten und Qualifizierten Brandenburg hat negativen Wanderungssaldo bei Frauen zwischen Jahre (Ausbildungswanderung) Männer zwischen Jahre (Erwerbswanderung). Höhere Verdienstmöglichkeiten - Trotz guter Kinderbetreuung Geburtenrate niedriger als im schlecht betreuten Südwesten ”Wohlfahrtsstaaten können nicht mehr auf die Verfügbarkeit der Hausfrau und Vollzeitmutter setzen. Um so mehr sie das tun, … indem sie bspw. keine Vereinbarkeitsoptionen bereit-stellen, desto mehr gefährden sie die allgemeine Wohlfahrt”. Gøsta Esping-Andersen Social Foundations of Postindustrial Economies. Oxford. Steuer- und Transfersystem unterstützt “traditionelle Familienformen” Anreize für eine Nichtbeschäftigung oder Geringbeschäftigung von Frauen durch Ehegattensplitting und Steuerfreiheit für geringfügige Beschäftigung von verheirateten Zweitverdienern. Kinderbetreuung und bezahlte Elternzeit als Schlüssel zu einer kinderfreundlichen Gesellschaft (und als Grundlage für die Steigerung der Geburtenrate) einführen: Die Bereitschaft von Frauen, Kinder großzuziehen, hängt heute in den hochentwickelten Industrieländern vor allem davon ab, dass sich der Nachwuchs und die eigene berufliche Entwicklung vereinbaren lassen. Der Ansatz der westdeutschen Familienpolitik, unter dem Leitbild der Einverdiener-Familie und der Trennung von Bildung (Staat, Stichwort „Halbtagsschule“) und Erziehung (Familie) mit immer höheren Transferzahlungen (Kindergeld, Kinderfreibetrag, Ehegattensplitting, Elternurlaub und Elterngeld) einen Anreiz für mehr Kinder zu geben, ist gescheitert. Deutschland liegt international weit vorne bei den Geldleistungen (1,93 % des BIP = 71 % des familienpolitischen Budgets)[1], aber weit hinten bei den Geburten und der Erwerbsbeteiligung von Müttern. Insbesondere Gut- und Hochqualifizierte bleiben zunehmend ohne Nachwuchs, während der Anteil von Kindern aus bildungsarmen Familien steigt. Das hat auch Konsequenzen für die Bildungssituation in Deutschland. Der gegenwärtige monetäre Transfer zielt an den Bedürfnissen der Eltern vorbei. Die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit im Erwerbsverhalten der Frauen ist in Deutschland besonders hoch. Länder mit einem ausgewogeneren Verhältnis von Geldleistung zu Dienstleistung (Kinderbetreuung) sind erfolgreicher.[2] [1] Werner Eichhorst, Eric Thode, Hrsg. Bertelsmann Stiftung: Vereinbarkeit von Familie und Beruf , Benchmarking Deutschland aktuell, S. 45, 2002.; Bert Rürup, Sandra Gruescu: Nachhaltige Familienpolitik im Interesse einer aktiven Bevölkerungsentwicklung, Gutachten im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, S. 39. s. auch Mechthild Veil: Kinderbetreuungskulturen in Europa: Schweden, Frankreich, Deutschland, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 44/2003 S. 21. [2] Insbesondere Frankreich (1,88), Norwegen (1,85), Dänemark (1,73), Finnland (1,72), Schweden (1,65) im Vergleich zur Geburtenrate in Deutschland von 1,40 Kindern je Frau 2002, vgl. Babyboom à la française

60 Prioritäten für mehr Geburten (neue Länder)
Arbeitsplätze schaffen West-Ost-Einkommensgefälle für gut Qualifizierte abmildern Bezahlte Elternzeit gekoppelt an Nettoeinkommen Familiensplitting statt Ehegattensplitting Flexible Arbeitszeit, Teilzeit Paradoxien: Folie 13 Befragung unter abgewanderten Sachsen: Voraussetzung für Rückkehr: Arbeitsplatz 51 % Verdienst 31 % Gründe für Nicht-Rückkehr: Besserer Verdienst 42 % Bessere Arbeitsbedingungen 10 % Bessere Lebens- und Zukunftsperspektiven 22 % Familiäre Gebundenheit 14 % Quelle: Sachsische Wanderungsanalyse, Stat. Landesamt 2003 Zitiert nach Thomas Kralinski, Leere oder Lehre

61 Elterngeld Vize-Regierungssprecher Thomas Steg: Elterngeld bedeutet kopernikanische Wende in der Familienpolitik (Erde dreht sich um Sonne, nicht umgekehrt). Tagesspiegel-Interview mit dem norwegischen Ministerpräsidenten Stoltenberg: Norwegen bemüht sich seit langem darum, dass sich auch die Väter an der Kinderbetreuung beteiligen. „Vätermonate“ für das Elterngeld, wie sie Deutschland im Januar einführt, gibt es bei Ihnen in ähnlicher Form schon seit Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? Die Erfahrungen waren sehr gut. Die Zahl der Väter, die sich um ihre kleinen Kinder kümmern, ist enorm gestiegen. Jetzt muss der Vater von dem einen Jahr Elternzeit mindestens sechs Wochen nehmen. Meist bleibt er sogar länger zu Hause. Dabei geht es nicht nur um diese Zeit. Wenn ein Vater mit seinem Kind zwei oder drei Monate allein zu Hause ist, schafft das ein völlig neues Verständnis, das für das ganze Leben des Kindes von Bedeutung ist. Bevor die Elternzeit bei uns eingeführt wurde, war dieses Modell sehr umstritten. Heute ist das Ganze ein großer Erfolg. Haben Sie auch Elternzeit genommen? Ja, als mein Sohn sechs Monate alt war, blieb ich fast ein halbes Jahr zu Hause. Damals – das war 1989 – gab es noch keine verpflichtende Regelung für Väter, ich habe das freiwillig gemacht. Das war eine großartige Erfahrung. Ich habe viel gelernt und gemerkt, wie schwer es ist, sich um ein Kind zu kümmern. Jens Stoltenberg (47) ist seit Oktober 2005 norwegischer Ministerpräsident. Der Chef der sozialdemokratischen Arbeiterpartei führte die Regierung bereits in den Jahren 2000 und 2001, Quelle: „Europa kann sich auf uns verlassen“, Norwegens Regierungschef Stoltenberg über Energiepolitik, die EU und Väter in Elternzeit, Tsp. Vom , „Ich möchte dazu beitragen, dass unser Vaterland ein Väterland wird.“ Foto: Unions-Männer: “Wickelvolontariat“ muss freiwillig bleiben, Vätermonate als Bonusregelung obendrauf Und was würdest Du gerne an deinen Eltern ändern: „… und an Papa, dass er mehr Zeit für mich hat“ Meltem, 9, aus Zehlendorf, Tsp PORTRÄT ERNST ALBRECHT EX-MINISTERPRÄSIDENT: „Röschen zieht bei mir ein“ Kaum jemand spricht so offen über seine Krankheit, über das eigene Sterben, das ihm keine Angst bereitet, und über ein Leben nach dem Tode, das er ganz sicher erwartet. Ernst Albrecht, der frühere niedersächsische Ministerpräsident, hat jetzt in einem „Stern“-Interview auch von den Problemen seines Alterns gesprochen, von seiner Vergesslichkeit, von der Einsamkeit im großen Anwesen in Burgdorf-Beinhorn, einem Dorf nahe Hannover. Dort lebt er allein, seit vor fünf Jahren seine Frau Heidi Adele verstarb. Im Sommer soll „Leben in die Bude“, sagt seine Tochter. Sie zieht mit Mann und sieben Kindern zu ihm – und baut damit ganz praktisch ein privates „Mehrgenerationenhaus“ auf. Albrechts Tochter ist eine berühmte Frau. Auch in der Politik, wie der Vater. Auch in der CDU, wie der Vater. Sie heißt Ursula von der Leyen, ist Bundesfamilienministerin und gilt allgemein als höchst begabte Politikerin. Das hat sie wohl vom Vater gelernt, der sie liebevoll „Röschen“ nennt. Als Ernst Albrecht 1976 im Landtag von Hannover zum Ministerpräsidenten gewählt wurde, war das bundesweit eine Sensation. Einige Überläufer aus der SPD/FDP-Koalition müssen ihm die Stimme gegeben haben. Albrecht baute in Niedersachsen ein Bündnis mit der FDP auf, wurde zum liberalen Aushängeschild der Union. Im Bundesrat billigte er die Polenverträge, holte Vietnamflüchtlinge ins Land und förderte den Aufbau erneuerbarer Energien. Als Albrecht 1990 abgewählt wurde, geschah das auch deshalb, weil seine CDU sich dem von Rot-Grün geforderten Ausbau der Kinderbetreuung verweigerte. Ironie der Geschichte: Seine Tochter treibt heute die Politik voran, die er damals nicht wollte. Beide werden demnächst wohl häufiger darüber reden, denn sie rücken näher aneinander. Von der Leyen wohnt derzeit noch in Ilten, 20 Kilometer von ihrem Vater entfernt. Der Umzug nach Burgdorf-Beinhorn geschieht für sie zum zweiten Mal: Vor 31 Jahren war die Familie Albrecht von Ilten nach Beinhorn gezogen. Die Tochter tut es nun erneut. Unterdessen tritt Ernst Albrecht, der im Juni 77 wird, Schritt für Schritt aus der Öffentlichkeit zurück. Man sieht ihn dieser Tage noch auf Empfängen, etwa zum Geburtstag von Hans-Dietrich Genscher. Seine früheren Minister besucht er hin und wieder. Von der Aufbauarbeit für ein Stahlwerk in Sachsen-Anhalt und der Beratertätigkeit für die kirgisische Regierung hat er jedoch Abstand genommen. Menschen, die ihn kennen, beschreiben seine Veränderung: Das Langzeitgedächtnis funktioniert gut, von seinen beruflichen Anfängen bei der EG in Brüssel in den 50er und 60er Jahren weiß er Interessantes zu berichten. Bei späteren Ereignissen funktioniert das schlechter. Klaus Wallbaum

62 12 Strategien: DELFI - K³ - NW
Dezentralisierung, Deregulierung Engagement Lean management, Leistungsprinzip Flexibilisierung Innovation Kinder Konzentration Kooperation Netzwerke Wettbewerb Dezentralisierung: Bürgerhäuser, Funktionalreform (Bauaufsichtsamt vom Kreis auf Gemeinde), E-government (Dezentralisierung in jede Wohnung, Bsp. Vordrucke Lohnsteuerjahresausgleich), Tele-Wohnraumarbeit, Front-office/Back-office; Telemedizin (Bsp. Bayern Schlaganfallversorgung), Hausarztversorgung per Handy. Engagement: „Frage nicht, was der Staat für Dich machen kann. Frage was Du für den Staat tun kannst.“ Diese Worte von John F. Kennedy beschreiben das Fundament, auf dem jedes Gemeinwesen gründen muss. Bürgerbus: Weiterführung einer von Streichung bedrohten öffentlichen Buslinie durch einen Bürgerbusverein, „Bürgerbusfahrer/in kann jeder ab 21 Jahren werden, der einen Führerschein der Klasse B (früher 3) besitzt, eine Fahrererlaubnis zur Fahrgastbeförderung (ärztlicher Seh-, und Fitnesstest, alle 5 Jahre zu erneuern, ab 60. Lebensjahr jedes Jahr) gemäß § 48 der FeV erwirbt und eine mindestens zweijährige Fahrpraxis hat.“ Bürgerbad: Weiterführung eines schließungsbedrohten öffentlichen Schwimmbades durch einen Bürgerverein Bürgerpark: Traditionsreicher Bürgerpark der Hansestadt, der von der Bürgerschaft selbstverantwortlich verwaltet und gepflegt wird. Der Bremer Bürgerpark ist der größte, privat finanzierte Stadtpark in Deutschland (202 Hektar). Der Park wird ohne Steuergelder vom Bürgerparkverein unterhalten, der die Kosten für Pflege, Personal und Unterhaltung aus Pachteinnahmen, Spenden, Legaten und Mitgliedsbeiträgen bestreitet. Ein großer Teil der Einnahmen kommt aus der Bürgerparktombola, die jährlich stattfindet. (2600 Mitglieder, 15 € Jahresbeitrag). § 26 Gemeindeordnung des Landes Brandenburg: Ehrenamtliche Tätigkeit und Ehrenamt (1) Der Bürger ist zur nebenberuflichen Übernahme eines auf Dauer angelegten Kreises von Verwaltungsgeschäften für die Gemeinde (Ehrenamt) und einer nebenberuflichen vorübergehenden Tätigkeit für die Gemeinde (ehrenamtliche Tätigkeit) verpflichtet. Satz 1 gilt nicht für die Übernahme der Tätigkeit als Bürgermeister, Gemeindevertreter, sachkundiger Einwohner nach § 50 Abs. 7, Ortsvorsteher, Mitglied des Ortsbeirats oder Mitglied des Ausländerbeirats. (2) Der Bürger kann die Übernahme von Ehrenämtern und sonstiger ehrenamtlicher Tätigkeit nur aus wichtigem Grund ablehnen. Ein wichtiger Grund liegt insbesondere vor, wenn der Verpflichtete durch Alter, Berufs- und Familienverhältnisse oder sonstige in seiner Person liegende Umstände an der Übernahme des Amtes gehindert ist. Ob ein wichtiger Grund für die Ablehnung vorliegt, ist von der Gemeindevertretung zu befinden. Sie kann die unbegründete Ablehnung eines Ehrenamtes oder einer ehrenamtlichen Tätigkeit mit Ordnungsgeld bis zu 500 Euro ahnden.  Flexibilisierung betrifft die Bereiche Verwaltung (mobile Bürgerbüros, Tele-Wohnraumarbeit, Front-Office/Back-Office) Dienstleistung (Postfilialen in Partneragenturen - Supermärkte, Zeitschriftenläden - integrieren) Liegenschaften (Nachnutzung leergezogener Gebäude, Multifunktionsnutzung bei Teilleerstand,) Betreuung (Tagesmütter dort, wo sich eine klassische Kindertagesstätte nicht rechnet; häusliche Pflege und ambulante Versorgung im Bereich der Altenpflege) Bildung (E-Learning, Lebenslanges Lernen, Weiterbildung) Gesundheit (Telemedizin, mobile Angebote) Verkehr (Rufbus, Anschlusstaxi) Kultur („auf Rädern“: Bücherbus, Landfilm, Zirkus, Theater) An der Fähigkeit zur Innovation entscheidet sich heute der wirtschaftliche Erfolg einer Region. Innovation, beständige Erneuerung, ist der Motor der Wirtschaft. Die beiden wichtigen Schlüssel zur Innovation sind zwischenbetriebliche Netzwerkstrukturen auf der einen Seiten sowie Wissenschaft, Grundlagenforschung, Erfindung, Entwicklung und Patent auf der anderen Seite. Beides zusammen leitet neue Produktzyklen ein und sichern den Absatz auf den Märkten. Wir können nicht mit den Arbeitskosten in Osteuropa und Asien konkurrieren, unser Standortfaktor muss die Kreativität sein (Fa. Symatex in Teltow entwickelt Hightech für die Knopfloch-Chirugie, PNN vom ). Im Bereich Anwendungsforschung und Entwicklung haben die neuen Länder große Verluste nach der Wende auszugleichen, nachdem die Großbetriebe mit ihren Forschungsabteilungen abgewickelt wurden und die heutige Struktur im verarbeitenden Gewerbe von kleinen und mittleren Betrieben ohne eigene Forschung geprägt ist. Während die alten Bundesländer im Jahr ,5 FuE-Beschäftigte je 1000 Einwohner haben, sind es in den neuen Bundesländern nur 3,3 in Brandenburg sogar nur 2,6. Teilweise füllen heute Brandenburger Fachhochschulen die Lücke in der Anwendungsforschung. Deutlich besser steht Brandenburg im Bereich der Grundlagenforschung da. Eine große Zahl der Akademieinstitute der DDR sind als Forschungseinrichtungen für Grundlagenforschung fortgeführt und ausgebaut worden und kooperiert mit den Hochschulen. Konzentration: Schulen (Ganztagsbetrieb): Zentrum gesellschaftlichen Lebens Hort und Schule, Jugendfreizeit und Schule, Sport und Schule, Kultur und Schule, Erwachsenbildung und Schule Konzentration bei Kulturförderung des Landes: Die Bedeutung der Kulturangebote in den Ober- und Mittelzentren für ihr Umland wird ansteigen. Eine dafür angemessene Finanzausstattung ist insbesondere für die kulturellen Funktionen der Landeshauptstadt Potsdam und der kreisfreien Städte Cottbus, Brandenburg a. d. Havel, Frankfurt (Oder) sowie einiger kreisangehöriger Städte, etwa Schwedt und Eisenhüttenstadt, von existenzieller Bedeutung. Kooperation ist sicherlich der Bereich mit den größten Einsparpotentialen: Wir müssen unsere Grenzen durchlässig machen für optimale Lösungen. Solche Grenzen dürfen keine „eisernen Vorhänge“ sein. Auf allen Ebenen bieten sich Optimierungsmöglichkeiten durch Zusammenarbeit oder Vernetzung mit Anbietern außerhalb der eigenen Grenzen an. Interkommunal: „Bürgermeisterwettbewerb“ und interkommunale Kooperation sind kein Gegensatzpaar: Auf vielen Feldern der Selbstverwaltung, in denen interkommunale Konkurrenz nicht dominant ist, können Aufgaben kostensenkend gemeinsam wahrgenommen werden. Ob im Beschaffungswesen (Ausschreibungs- und Einkaufsgemeinschaften), der Fuhrparkverwaltung, beim Gebäudemanagement, bei der Sozial-, Gesundheits- oder Schulverwaltung. überkreislich (Rettungsleitstellen) länderübergreifend (RBB; Gemeinsame Landesplanungsabteilung, Notfalleinsätzabkommen Berlin-Brandenburg: Grenzüberschreitender Notfalleinsatz der Berliner und Brandenburger Feuerwehren am Stadtrand bzw. im Umland von Berlin. Brandenburg leistet pro Jahr Einsätze, Berlin für das Nachbarland. „Es rückt immer das am nächsten stationierte und damit schnellste Fahrzeug aus.“ Berliner Morgenpost vom ) Staatsgrenzen-überschreitend: Gesundheitswesen (Klinikum Schwedt/Stettin), Abwasserentsorgung (Guben/Gubin) ... Der Bevölkerungsrückgang wird uns finanziell immer öfter vor die Wahl stellen: „Entweder gemeinsam oder gar nicht.“ Bsp. Rettungsleitstelle in Cottbus und Nachbarkreisen (Personalabbau um 30 % bis 2012 ohne Entlassung) Klinikum Uckermark in Schwedt: Polnische Studenten zum Praktikum, später als Ärzte Bsp. für eine gesetzlich vorgesehene Kooperation aufgrund eines funktionalen Vorrangs vor dem administrativen Ordnungsprinzip: Zusammenarbeit in Flussgebietseinheiten gem. EU-WRRL Durch Vernetzung können spezialisierte Angebote auch bei zurückgehender Nachfrage durch die Organisation eines Verbundes, also eine Aufgabenteilung von räumlich getrennten Anbietern, aufrechterhalten werden, statt Vollausstattung die eigenen Stärken ausbauen und im Städtenetz zur Geltung bringen: Ich werbe für Dein Kino, Du für mein Theater (Erhalt von Museen) Bsp.: Gründung Zweckverband für Tourismus und Kultur zwischen Wittenberge und Perleberg: (Koordination bei Planung und Durchführung von Veranstaltungen und Events. Gesundheit: Geburtshilfe in Lübben, Gynäkologie in Luckau (LR ); Pilotprojekt TEMPIS (Süd-Ost-Bayern) Kultur: Museen, Volkshochschulen, Büchereien Sportstättenentwicklung Städtenetze (Arbeitsteilung statt Vollausstattung): Wittenberge/Perleberg: Gründung Zweckverband für Tourismus und Kultur : Koordination bei Planung und Durchführung von Veranstaltungen und Events Wettbewerb ist eine Grundvoraussetzung, um Leistungen zu optimieren und Preise zu senken. Wo er fehlt, sinkt auf lange Sicht die Qualität. Das betrifft auch den Bereich des öffentlichen Dienstes und der öffentlichen Daseinsvorsorge. Beispiele dafür, wo Wettbewerb zu besseren Ergebnissen geführt hat, sind Telekom, Post, Rundfunk, Energie Öffentlicher Personennahverkehr (Preise senken durch Ausschreibungen) Schule (Schüler- und Lehrerleistung auf Prüfstand: Pisa, jährliche Vergleichstests, Zentralabitur, länderabgestimmte Curricula) Verwaltung (Überprüfung freiwilliger u. pflichtiger Leistungen (Länder-Benchmarking), Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen Liegenschaften (Energie-Contracting, Fifty-Fifty-Regelungen zur Energieeinsparung; Hausmeisterprämie für Kostenreduktion im Energiebereich; Konzentration der Liegenschaften bei einem zentralen Management sowie Einführung von Vermieter-Mieter-Modellen bei öffentlichen Liegenschaften zur wirtschaftlichen Auslastung. Der Bund folgt damit dem Beispiel der Privatwirtschaft und verschiedener Länder und Kommunen, wo das „Liegenschafts-Know-how“ in der Regel schon längst in einer Hand liegt.

63 Unsere Zukunft - Leitbild

64 Vielen Dank!

65 Anhang

66 Ursachen der Bevölkerungsbewegung
Geburten-rate Geburten-defizit Migration: Zuwanderung und Abwanderung über nationale Grenzen (Arbeit, gesellschaftliche Lebensbedingungen) Sterberate steigende Lebens-erwartung Fernwanderung (über Bundesländergrenzen) Alte Länder (Ausbildung, Einkommen, Karriere, Arbeit) Hauptgruppe: junge, gut Qualifizierte Landflucht (alle Gemeindegrößen), Stadtflucht Nahwanderung (über Gemeindegrenzen): Suburbanisierung, Desurbanisierung (Wohnung, Gewerbe) Hauptgruppe: Jährige,Doppelverdiener, Stadtflucht Re-Urbanisierung (Ausbildung, Ruhesitz) Hauptgruppen: Auszubi, Studenten, Alte Landflucht

67 EU - Schrumpfung Prognose 2050 EU-15: -10,4 % Beitrittsländer: -17,3 %
Bevölkerungsrückgang ab 2015 ggü 2000 EU-15: -10,4 % Beitrittsländer: -17,3 % (Ohne Malta und Zypern) EU-Beitrittsländer-„Wendeknick“, Transformationskrise Slowakei -13,4 % Polen -13,6 % Tschechien -17,6 % Litauen -19,1 % Slowenien -23,2 % Ungarn -24,9 % Lettland -28,0 % Estland -46,1 % Quelle: Die Europäische Union in Zahlen, Ausgabe 2000; United Nations Population Division EU 15: Mio. EW 12 Beitr.-Länder 04/07: 75 Mio. EW EU 15: Mio. EW 12 Beitr.-Länder 04/07: 75 Mio. EW

68 EU EU Stabile Bevölkerungszahl: bei TFR von 1,4: 1.2 Mio. Zuwanderern Bisher: ca Zuwanderer/Jahr Zuwanderer/Jahr = 0.1 Kinder/Frau Quelle: Wolfgang Lutz und Sergei Scherbov: Können Zuwanderer Bevölkerungsalterung aufhalten? In: Demografische Forschung, 2004, Jahrgang 1, Nr. 1, S. 3 2050

69 EU - Alterung 1. steigende Lebenserwartung 2. sinkende Geburtenzahlen Seit Anfang 70er Jahre unter Reproduktionsrate ( 2,1 Kinder je Frau) 1970: 2,38 2001: 1,47 (EU-15) Quellen: eurostat, Statistik kurz gefasst 12/2001 Die Europäische Union in Zahlen Rentner > 65 Jahre: % Erwerbsfähige Jahre: % Kinder < 15 Jahre: - 5 %

70 Deutschland - Alterung
2020: 100 (20-60-Jährige) zu (Nicht-Erwerbstätige) 2050: 100 zu 123 Bild vom Vierer mit Steuermann: Früher: vier Erwachsene rudern Heute: ein Kind rudert, vier Erwachsene mit Megafon: Rente, Rente DIW-Wochenbericht 33/04 Bevölkerungsentwicklung in West- und Ostdeutschland - Vorausschätzungen bis 2050 Der Altenquotient, d. h. die Relation der Zahl der 65-Jährigen und Älteren bezogen auf die Zahl der 20- bis 64-Jährigen, steigt in Westdeutschland von 28 % auf rund 54 %, in Ostdeutschland von 28 % auf 62 % (IA) bzw. 63 % (IIB). Quelle: Herwig Birg, Soziale Auswirkungen der demographischen Entwicklung, Informationen zur politischen Bildung (Heft 282),

71 Deutschland - Alterung
Forcierte Alterung im Osten Abwanderung der Jungen in den Westen Wendeknick bei den Geburten

72 Deutschland: Bevölkerungs(um)verteilung
2000 – 2020 Osten: Starke Abnahme im Ausnahme: Umlandkreise großer Ballungsräume (Berlin, Dresden, Leipzig, Halle, Rostock) Westen: Wachstum und beginnende Schrumpfung Norden: Flensburg -8%, Kiel - 7 %, Wilhelmshaven -19,9 %, Bremen -9 % Westen: Ruhrgebiet fast durchweg: Gelsenkirchen - 16,1 %, Wuppertal, -16,6 %, Südwesten: Saarbrücken -9,8 % Süden: Hof -14,2 %, Bayreuth - 10,6 %, Nürnberg -6,3 % Quelle: BBR-Prognose,

73 Brandenburg: Prognose 2002-2020

74 Brandenburg: Demografische Zeitachse

75 Prioritäten in den alten Ländern
„In allen westeuropäischen Ländern verzichten Frauen heute eher auf Kinder als auf Selbstständigkeit und berufliche Entwicklung. Je moderner eine Gesellschaft und je größer die Emanzipation der Frauen, um so höher sind die Kinderzahlen...“ Emanzipation oder Kindergeld? Wie sich die unterschiedlichen Kinderzahlen in den Ländern Europas erklären

76 Kinderwunsch und Kostenfrage
psychologisch-emotionaler Nutzen gegen Opportunitätskosten (Opportunitätskosten = Einkommensausfälle während Mutterschaft-Erwerbsunterbrechung, nicht Kosten für Versorgung des Kindes) Vgl. Informationen zur politischen Bildung Nr. 282/2004 Bevölkerungsentwicklung, S. 12


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