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Prof. Dr. Jörn Leonhard Vorlesung Dynamik, Expansion und Krise: Westeuropa auf dem Weg in die ambivalente Moderne 1850-1890 - 2. Folge -

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Präsentation zum Thema: "Prof. Dr. Jörn Leonhard Vorlesung Dynamik, Expansion und Krise: Westeuropa auf dem Weg in die ambivalente Moderne 1850-1890 - 2. Folge -"—  Präsentation transkript:

1 Prof. Dr. Jörn Leonhard Vorlesung Dynamik, Expansion und Krise: Westeuropa auf dem Weg in die ambivalente Moderne Folge -

2 Frankreich: Das bonapartistische Ende der Revolution I Nach Februarrevolution 1848: Einkammernsystem, allgemeines Wahlrecht, Trennung Exekutive/Legislative Präsidentenwahl Dezember 1848 beendet Notstandsherrschaft Cavaignacs seit Juni-Aufstand 1848 Kandidaten: Cavaignac, Lamartine, Ledru-Rollin, Raspail, Louis Napoleon 7,5 Mio. Wähler, 72% für Louis Bonaparte bei 80% Wahlbeteiligung (50% Analphabetenquote) Gründe für den Wahlsieg Louis Bonapartes: - Stadt-Land-Konflikt - Anti-Paris-Effekt - Unterstützung durch Orleanisten, Legitimisten wie durch politischen Katholizismus (cf. Adolphe Thiers) - geschichtspolitischer Mythos Napoleons - antirevolutionäres Ordnungsversprechen - soziale und nationalpolitische Fortschrittsverheißung Cf. Karl Marx: Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte (1852)

3 Frankreich: Das bonapartistische Ende der Revolution II 1849: Polarisierung des politischen Spektrums innerhalb und außerhalb des Parlaments Klerikal-katholische Reaktion: Loi Falloux (1850): Abschaffung staatlicher Schulaufsicht, möglicher Einfluß der katholischen Kirche Einschränkung des Wahlrechts durch das Parlament Latente Staatskrise durch Konflikt zwischen Parlament und Präsident Popularitätsstrategie Bonapartes: Appell an die Nation gegen das Parlament (revolutionäre Errungenschaft von 1789/91) Dezember 1851: Staatsstreich, Abschaffung der Wahlrechtsbeschränkungen, Ankündigung einer neuen Verfassung mit plebiszitärer Absicherung Ambivalenz von revolutionärer Berufung und autoritär-repressiver Strategie (Niederschlagung der regionalen Widerstände gegen Staatsstreich): politische Attraktivität für unterschiedliche Gruppen

4 Frankreich: Das bonapartistische Ende der Revolution III Staatsstreich als demokratischer Akt gegen Einschränkung des allgemeinen Wahlrechts? Republikanische Aufstände in weiten Landesteilen stärken die Neigung der politischen Rechten, sich an Bonaparte anzulehnen Doppelte Legitimation: demokratischer Akt, Berufung auf die souveräne Nation und Repression Plebiszit mit 80% Wahlbeteiligung und 92% Ja-Stimmen Jan neue präsidentielle Verfassung: - verantwortlicher Präsident - Minister von Präsident abhängig - Conseil détat, Corps législatif, Sénat Conservateur Verantwortung des Präsidenten vor dem französischen Volk, möglicher plebiszitärer Appell, keine parlamentarische Legitimierung im Sinne eines parlamentarischen Systems

5 Frankreich: Das Second Empire I 1852 kein Grundrechtskatalog, aber Bekenntnis zu den principes de 1789 Nov. 1852: Senat spricht sich für Umwandlung der Republik in Kaiserreich aus, plebiszitär bestätigt Wahlen zum Corps législatif als quasi-Plebiszite (1852, 1857, 1863, 1869): Einzelkandidaturen, Wahlkreismanipulationen und System der candidatures officielles Charakter des Regimes als faktisch verhüllte Diktatur mit demokratischem Anschein: - Eingeschränkte Versammlungs- und Pressefreiheit: Régime davertissement - Exilierung und Deportation von Oppositionellen Abhängigkeit des Regimes von wirtschaftlicher Prosperität und außenpolitischen Erfolgen

6 Frankreich: Das Second Empire II Bis Anfang der 1860er Jahre: wirtschaftlicher Aufschwung und außenpolitische Erfolge (Italien), aber auch innenpolitische Repression, ab 1860 graduelle Liberalisierung Typologie legitimer Herrschaft nach Max Weber: - traditionale Herrschaft (sakrale Aura, Gottesgnadentum) - rationale Herrschaft (demokratische und bürokratische Ordnungen) - charismatische Herrschaft (politisch-soziale Gefolgschaftsbeziehung) Napoleon III. als Beispiel für eine Mischform aller drei Modelle, zudem überragende Bedeutung von militärischen Erfolgen und außenpolitischer Reputation

7 Frankreich: Das Second Empire III Außenpolitik Frankreichs: Kooperation Napoleons mit Großbritannien gegen Rußland Krimkrieg 1854/56: Stützung des Osmanischen Reiches, um russischen Zugang zum Schwarzen Meer zu verhindern Auf Pariser Friedenskonferenz 1856: Einsatz Napoleons für die staatslose Nation Italien, Teilnahme Sardinien-Piemonts an den militärischen Operationen, Beteiligung Cavours an der Konferenz Januar 1858: Orsini-Attentat, Juli 1858: Zusammenkunft Napoleons mit Cavour in Plombières, franz.-ital. Defensivallianz Schnelles Ende der militärischen Operationen 1859 und Vorfrieden von Villafranca Januar 1860: Handelsvertrag mit Großbritannien, Aufgabe aller Importzölle, Entfremdung der bürgerl. Geschäftswelt

8 Frankreich: Das Second Empire IV Nach 1860 Suche Napoleons nach neuen innenpolitischen Verbündeten: Arbeiter, Kleinbürgertum und Liberale < Kritik der katholischen Kirche an Intervention in Italien, Kritik der bürgerlichen Geschäftswelt an Handelsvertrag mit Großbritannien Generalamnestie, Verfassungsreformen und erweiterte Befugnisse des Corps Législatif nach als Testwahl: oppositionelle Kandidaten erhalten 2 Mio. Stimmen, offizielle Kandidaten 5 Mio. Adolphe Thiers als Führer der liberalen Opposition: libertés nécessaires Weitere Liberalisierung erst nach 1867 im Kontext außenpolitischer Krisen: - Preußen/Deutschland Scheitern des mexikanischen Abenteuers (Maximilian von Habsburg als französischer Kandidat von mexikanischer Junta berufen, nach Abzug franz. Truppen von liberal-antiklerikaler Volksbewegung hingerichtet) Dynamische Entwicklung der Tagespresse in Frankreich Wahl von 1869: Verdopplung der Opposition > Transformation desEmpire autoritaire in ein Empire libéral?

9 Frankreich: Das Second Empire V Januar 1870: Regierungsbildung durch Emile Ollivier (Führer der parlamentarischen Liberalen) möglicher Übergang zu parlamentarischem Regime, aber Legitimitätskonzept Napoleons ließ wenig Raum für echte Transformation zu einer parlamentarischen Monarchie 8. Mai 1870: Plebiszit billigt vorangegangene Verfassungsänderungen (7,35 vs. 1,58 Mio. Stimmen) Trotz der scheinbaren innenpolitischen Stabilisierung führt die erste massive militärische Niederlage im September 1870 zum Kollaps des Regimes und zur Etablierung der Dritten Republik: Grenzen des bonapartistischen Legitimätskonzepts

10 Frankreich: Das Second Empire VI Sozial- und Wirtschaftsgeschichte im europäischen Vergleich: mäßige demographische Dynamik (1816/1914: + 30%, Deutschland: + 166%), geringere Emigrationsraten Tendenzielle Übervölkerung des Landes, agrarkapitalistische Maßnahmen Eisenbahnbau als Schlüsselentwicklung der 1850er Jahre (1846: km, 1860: km, 1870: km) Sektorale Abnahme der Landwirtschaft am Bruttosozialprodukt: 1852: 69% in Primärsektor, 31% in Sekundär- und Tertiärsektor; 1912: 40% in Primärsektor, 60% in Sekundär- und Tertiärsektor Sozialpolitik des Bonapartismus vs. wirtschaftsliberales Ideal des laissez-faire; Ziel Napoleons III.: Bindung der Arbeiter an den Staat (cf. Bismarck), aber weitgehend gescheitert (Entstehung syndikalistischer Organisationen)


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