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Www.seminare-ps.net Komorbidität von Angst und Depression Samuel Pfeifer, Klinik Sonnenhalde, Riehen.

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Präsentation zum Thema: "Www.seminare-ps.net Komorbidität von Angst und Depression Samuel Pfeifer, Klinik Sonnenhalde, Riehen."—  Präsentation transkript:

1 Komorbidität von Angst und Depression Samuel Pfeifer, Klinik Sonnenhalde, Riehen

2 Angst Der Vogel Angst hat sich ein Nest gebaut in meinem Innern und sitzt nun manchmal da und manchmal ist er lange weg oft kommt er nur für einen Augenblick und fliegt gleich wieder weiter dann aber gibt es Zeiten da hockt er tagelang da drin mit seinem spitzen Schnabel und rührt sich nicht und brütet seine Eier aus. Franz Hohler

3 Zeitalter der Angst (19. Jh., der englische Dichter Auden) Zeitkrankheit die eigentliche Signatur unserer Epoche (Körten 2000) Angst

4 Rolf Lyssy: Swiss Paradise Ich lag wach im Bett mit zunehmendem Herzklopfen, und während sich in meinem Kopf die Gedanken immer schneller zu drehen begannen, beschlich mich ein unheimliches Angstgefühl, das sich zunehmend in Panik verwandelte. Irgendetwas musste doch in meinem Hirn passiert sein. Kopfschmerzen hatte ich keine, aber ich hatte das Gefühl, als ob meine Hirnchemie völlig ausser Rand und Band geraten sei. Wenn Panik die Steigerung von Angst war, was würde wohl die Steigerung von Panik sein? (S. 22)

5 Gesunde vs. ungesunde Angst Realangst (vor echten Gefahren) Gewissensangst Vitalangst als Warn- symptom körperlicher Erkrankung Gesunde Angst Die Angstreaktion ist der Situation nicht angemessen Angst überdauert Auslöser Keine Erklärung, keine Verminderung, keine Bewältigungsmöglichkeit deutliche Beeinträchtigung der Lebensqualität Ungesunde Angst

6 Symptome der Angst Beklemmung, Atemnot Herzklopfen Schwindel Zittern / Kribbeln Schweissausbrüche Mundtrockenheit Harndrang Magen-Darm-Symptome Blutdruckanstieg Körperliche Symptome Qualvolle Einengung Fixierung auf ängstliche Erwartung innere Unruhe / Anspannung Schlafstörungen Gefühl, ausgeliefert zu sein verminderte Belastbarkeit Gefühl der Unwirklichkeit Psychische Symptome

7 Symptomüberlappung Major Depression Erwartungsangst Platzangst Zwanghafte Rituale Angststörung Stimmungstief Freudlosigkeit Gewichtsverlust /-zunahme Interessenverlust Suizidgedanken Angst Anspannung Chron. Schmerz GI Symptome Herzklopfen Sorgen Erregung Konzentrations- schwierigkeiten Schlafstörungen Erschöpfung Energiemangel

8 Komorbidität von Angst und Depression Komorbidität von Depression und Angst sind häufig. Komorbidität ist die Regel, nicht die Ausnahme. Eine begleitende Depression verschlechtert den klinischen Outcome von Angststörungen.

9 GAD = generalized anxiety disorder OCD = obsessive-compulsive disorder PTSD = post-traumatic stress disorder PMDD = premenstrual dysphoric disorder Depression PTSD Zwang OCD Soziale Angst- störung Spezif. Phobie PMDD Gemeinsame Eigenschaften Panik störung Generalisierte Angst (GAD)

10 HADS Anxiety and Depression Scores Primary Care Study (Univ. Southampton) Thompson et al Lancet 2000;

11 Komorbidität in der Hausarztpraxis 5.6% (+ 5.0%) 7.1% (+ 6.5%) Komorbidität 4.6% (+ 1.3%) (+ sub-threshold Angst)(+ sub-threshold Depression) Angststörungen Depression Sartorius et al. Br J Psychiatry 1996; 168(Suppl 30):

12 Pure MDE Primary MDE Secondary MDE Females Males Lifetime Prevalence (%) Kessler et al. Br J Psychiatry 1996; 168 (Suppl 30): National comorbidity survey MDE = Maj. Depressive Episode

13 Implikationen einer Komorbidität Schwerer Krankheitsverlauf und schlechtere Prognose. Erhöhtes Suizidrisiko vermehrte Inanspruchnahme medizinischer Dienste. Grössere Einschränkung der Arbeitsfähigkeit Erhöhte Kosten

14 Pathophysiologische Überlappung Angst und Depression können als unterschiedlicher phänotypischer Ausdruck mit gemeinsamer neurchobiochemischen Ursache betrachtet werden. Depression und Angst werden durch die Balance zwischen Noradrenalin und Serotonin Aktivität bestimmt.

15 Noradrenalin und Serotonin (5-HT) im Frontalhirn. NAD 5-HT DA Mood Cognition Attention Mobility Cortex non-frontal Basal ganglia Frontaler Cortex Limbic systemThalamus

16 STAR*D Algorithmus Quelle: Am. Journal of Psychiatry 2003, 160:237 Sequenced Treatment Alternatives to Relieve Depression

17 STAR*D Algorithmus Augmentation des ersten Antidepressivums mit andern Medikamenten oder mit Psychotherapie. Wechsel auf ein anderes Antidepressivum oder Psychotherapie. Hinzufügen einer Psychotherapie mit oder ohne Weiterführung der antidepressiven Therapie. Wechsel auf ein anderes Antidepressivum. Augmentation des ersten Mittels mit einem zweiten. Augmentation oder Wechsel auf ein anderes Antidepressivum. Quelle: Sequenced Treatment Alternatives to Relieve Depression

18 Der Mensch ist keine Maus Trotz mancher biologischer Befunde bleiben viele Fragen offen. Auch unter einer Behandlung mit Medikamenten bleibt eine Bearbeitung auslösender Belastungen und seelischer Konflikte, sowie das Training von neuen Verhaltens- mustern eine wesentliche Hilfe bei der Behandlung von Angststörungen.

19 Multimodale Therapiestrategien Bei akuten Ängsten lindern und beruhigen: aufklären, beruhigen, schnell wirksame Medikamente einsetzen (Benzodiazepine) Besprechen psychischer und sozialer Konflikte Veränderung des Denkens Erlernen von hilfreichen Bewältigungsstrategien Anleitung zur Entspannung Basisbehandlung mit Medikamenten (Anti- depressiva) -- psychosoziale Unterstützung

20 10 Regeln zur Bewältigung der Angst 1. Angstgefühle und dabei auftretende körperliche Symptome sind verstärkte normale Streßreaktionen. 2. Angstreaktionen sind nicht schädlich für die Gesundheit. 3. Verstärken Sie Angstreaktionen nicht durch furchterregende Phantasievorstellungen 4. Bleiben Sie in der Realität; beobachten und beschreiben Sie innerlich, was um Sie herum wirklich geschieht. 5. Bleiben Sie in der Situation bis die Angst vorbeigeht 6. Beobachten Sie, wie die Angst von allein wieder abnimmt. 7. Versuchen Sie nicht, Angstsituationen zu vermeiden 8. Setzen Sie sich allen Situationen bewußt aus, die Ihnen angst machen. 9. Nehmen Sie sich in Angstsituationen Zeit 10. Seien Sie stolz auf kleine Erfolge, auch auf die ganz kleinen!

21 Was ist Ihr bevorzugte medikamentöse Behandlung bei Depression und Angst? 1. Benzodiazepine 2. Trizyklische Antidepressiva 3. SSRIs 4.SNRI (z.B. Venlafaxine)

22 Lang dauernden Störungen Patienten mit chronischen Angststörungen brauchen therapeutische Unterstützung, ihre Grenzen kennenzulernen und anzunehmen. Zudem: Langzeitmedikation. Wesentliches Ziel: Balance zwischen Annahme einer gewissen Grundangst und Sensibilität Wagnis zu Neuem

23 Zusammenfassung Depression und Angst sind unterschiedliche, aber überlappende Zustände Depression und Angst können unterschiedlicher Ausdruck der gleichen neurobiologischen Ursache. Verbindung durch das Zusammenspiel von Noradrenalin und Serotonin Medikation einbetten in ein ganzheitliches bio- psycho-soziales Therapiekonzept.

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