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© RAINER MAURER, Pforzheim - 1 - Prof. Dr. Rainer Maure Makroökonomik 6. Die Geldpolitik der EZB.

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1 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Makroökonomik 6. Die Geldpolitik der EZB

2 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Makroökonomik 6. Die Geldpolitik der EZB 6.1. Die geldpolitischen Ziele der EZB 6.1. Die geldpolitischen Ziele der EZB 6.2. Die geldpolitischen Instrumente der EZB 6.2. Die geldpolitischen Instrumente der EZB 6.3. Die Geldschöpfung der Geschäftsbanken 6.3. Die Geldschöpfung der Geschäftsbanken 6.4. Kontrollfragen 6.4. KontrollfragenVertiefungsliteratur: Chapter 18, Mankiw, Gregory; Macroeconomics, Worth Publishers. Kapitel 25, Blanchard / Illing, Makroökonomie, Pearson Studium. Kapitel 17, 18, Baßler, Heinrich; et al. Grundlagen u. Probleme der Volkswirtschaft, Schäfer und Poeschel. Kapitel 17, 18, Baßler, Heinrich; et al. Grundlagen u. Probleme der Volkswirtschaft, Schäfer und Poeschel.

3 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Makroökonomik 6. Die Geldpolitik der EZB 6.1. Die geldpolitischen Ziele der EZB 6.1. Die geldpolitischen Ziele der EZB

4 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB Das Ziel der EZB-Geldpolitik ist im EG Vertrag (Art. 4.2; Art. 105) und im EZB-Statut (Art. 2) definiert: Das Ziel der EZB-Geldpolitik ist im EG Vertrag (Art. 4.2; Art. 105) und im EZB-Statut (Art. 2) definiert: Vorrangiges Ziel ist "die Preisstabilität zu gewährleisten" Vorrangiges Ziel ist "die Preisstabilität zu gewährleisten" Im "Protokoll über die Konvergenzkriterien" legt Artikel 1 fest, dass Im "Protokoll über die Konvergenzkriterien" legt Artikel 1 fest, dass "Preisstabilität" in Bezug auf den "Verbraucherpreisindex" gelten soll. "Preisstabilität" in Bezug auf den "Verbraucherpreisindex" gelten soll. In einer Pressemitteilung vom hat der EZB- Rat präzisiert, dass In einer Pressemitteilung vom hat der EZB- Rat präzisiert, dass "Preisstabilität definiert sein soll als ein jährlicher Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindexes (HVPI) des Euro-Raums von weniger als 2%. Preisstabilität soll mittelfristig gelten." "Preisstabilität definiert sein soll als ein jährlicher Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindexes (HVPI) des Euro-Raums von weniger als 2%. Preisstabilität soll mittelfristig gelten."

5 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB CHAPTER II: "OBJECTIVES AND TASKS OF THE ESCB" Article 2: Objectives In accordance with Article 105(1) of this Treaty, the primary objective of the ESCB shall be to maintain price stability. Without prejudice to the objective of price stability, it shall support the general economic policies in the Community with a view to contributing to the achievement of the objectives of the Community as laid down in Article 2 of this Treaty. The ESCB shall act in accordance with the principle of an open market economy with free competition, favouring an efficient allocation of resources, and in compliance with the principles set out in Article 3a of this Treaty. (Statute of the ESCB and of the ECB)

6 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB Bei der Verfolgung dieses Zieles ist die EZB unabhängig vom Einfluss politischer Gremien. Bei der Verfolgung dieses Zieles ist die EZB unabhängig vom Einfluss politischer Gremien. Das ist in Artikel 107 des EZB-Statuts ausdrücklich festgelegt: Das ist in Artikel 107 des EZB-Statuts ausdrücklich festgelegt: Die EZB ist mit diesem Statut eine der unabhängigsten Notenbanken der Welt. Die EZB ist mit diesem Statut eine der unabhängigsten Notenbanken der Welt. Article 107 neither the ECB, nor a national central bank, nor any member of their decisionmaking bodies shall seek or take instructions from Community institutions or bodies, from any government of a Member State or from any other body.neither the ECB, nor a national central bank, nor any member of their decisionmaking bodies shall seek or take instructions from Community institutions or bodies, from any government of a Member State or from any other body. (Statute of the ESCB and of the ECB)

7 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB Empirische Studien zeigen, dass die politische Unabhängigkeit von Notenbanken im Durchschnitt zu niedrigeren Inflationsraten führt: Empirische Studien zeigen, dass die politische Unabhängigkeit von Notenbanken im Durchschnitt zu niedrigeren Inflationsraten führt:

8 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB Wie die EZB verfolgen auch viele andere moderne Notenbanken ein öffentlich verkündetes Inflationsziel: Bank of England: 2,5% RPIX 1) 1,75% HVPI 1) Schwedische Reichsbank: 2 ± 1% VPI 1) Norwegische Zentralbank: 2½ ± 1% VPI Bank of Canada: 1% bis 3% VPI Bank of Australia: 1 bis 3% VPI Reserve Bank of New Zealand: 1% bis 3% VPI Schweizer Nationalbank: Übernahme des EZB-Inflationsziels US-Federal Reserve System: 1,5% - 2% PCE 1) RPIX = Retail Price Index; HVPI = Harmonisierter Verbraucherpreisindex; VPI = Verbraucherpreisindex

9 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB Es ist wichtig, dass man sich klar macht, dass ein konstantes Inflationsziel aktive antizyklische Geldpolitik bedeutet. Um die Inflationsrate konstant zu halten, muss die Notenbank in einer nachfragebedingten Rezession die Geldmenge und damit das Kreditangebot erhöhen, um die Nachfrage wieder zu erhöhen und dadurch eine Deflation zu vermeiden und in einem nachfragebedingtem Boom die Geldmenge (und damit das Kreditangebot) senken, um die Nachfrage zu senken und eine Inflation zu vermeiden. Das gilt für alle Inflationsziele – egal ob sie größer oder kleiner als Null sind.

10 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB Warum nun aber streben die meisten Notenbanken eine Inflationsrate größer Null an und nicht einfach Nullinflation? In der geldpolitischen Diskussion werden eine Reihe von Gründen für eine Inflationsrate größer Null genannt. Zu den wichtigsten zählen: Gefahr einer Deflationsspirale bei Nullinflation Psychologische Effekte bei starren Nominallöhnen Möglichkeit negative Realzinsen zu erzeugen All diese Gründe werden jedoch kontrovers diskutiert – es besteht hier in der wirtschaftspolitischen Debatte keine Einstimmigkeit !

11 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 1.Gefahr einer Deflationsspirale: Wie würden Sie reagieren, wenn Sie neue Möbel für Ihre Wohnung kaufen möchten und Sie wüssten, dass die Preise für Möbel um 5% pro Jahr sinken werden? Wie würden Sie reagieren, wenn Sie neue Möbel für Ihre Wohnung kaufen möchten und Sie wüssten, dass die Preise für Möbel um 5% pro Jahr sinken werden? Was würde passieren, wenn alle Konsumenten sich so verhielten? Was würde passieren, wenn alle Konsumenten sich so verhielten? Wie würde das die Konjunktur beeinfussen? Wie würde das die Konjunktur beeinfussen? Bisher (AU 3) haben wir immer unterstellt, dass die Haushalte darauf nicht weiter reagieren. Das muss aber nicht so sein: Bisher (AU 3) haben wir immer unterstellt, dass die Haushalte darauf nicht weiter reagieren. Das muss aber nicht so sein: Es ist durchaus möglich, dass sie ihren Konsum weiter reduzieren, weil sie erwarten, dass sie für ihre Ersparnisse aufgrund des negativen Preistrends in Zukunft mehr Güter kaufen können. Es ist durchaus möglich, dass sie ihren Konsum weiter reduzieren, weil sie erwarten, dass sie für ihre Ersparnisse aufgrund des negativen Preistrends in Zukunft mehr Güter kaufen können. Dann würde aber die Konsumquote noch weiter sinken und die Rezession würde sich weiter verstärken. Dann würde aber die Konsumquote noch weiter sinken und die Rezession würde sich weiter verstärken. Einige Wirtschaftshistoriker sind der Meinung, dass dieser Mechanismus wesentlich zur Weltwirtschaftskrise ( ) beigetragen hat. Einige Wirtschaftshistoriker sind der Meinung, dass dieser Mechanismus wesentlich zur Weltwirtschaftskrise ( ) beigetragen hat. 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB

12 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Inflations -rate Zeit B O O M AUF- SCHWUNG AB- SCHWUNG R E Z E S S I O N B O O M AUF- SCHWUNG 2% 3% 1% 0% 2% 3% AB- SCHWUNG R E Z E S S I O N Zielinflationsrate (= Langfristiger Mittelwert) = 2% Tatsächliche Inflation => Keine Deflation in Rezessionen, wenn die Zielinflationsrate hoch genug ist! 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB In der Realität schafft es keine Zentralbank ihre Zielinflationsrate immer exakt zu realisieren: In Aufschwungphasen ist die Inflation in der Regel größer und in Abschwungphasen kleiner als die Zielrate!

13 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Inflations -rate Zeit B O O M AUF- SCHWUNG AB- SCHWUNG R E Z E S S I O N B O O M AUF- SCHWUNG 2% 3% 1% 0% 2% 3% AB- SCHWUNG R E Z E S S I O N Zielinflationsrate (= Langfristiger Mittelwert) = 0% Tatsächliche Inflation 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB => Gefahr von Deflationsspiralen! => Deflation in Rezessionen, wenn die Zielinflationsrate Null ist!

14 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Zeit B O O M R E Z E S S I O N B O O M 2% 3% 1% 0% 2% 3% R EZC E S S I O N Zielinflationsrate (= Langfristiger Mittelwert) = 0 % Tatsächliche Inflation Deflationsspiralen können Rezessionen verstärken! AUF- SCHWUNG AB- SCHWUNG AUF- SCHWUNG AB- SCHWUNG 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB Inflations -rate

15 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB 2.Psychologische Effekte bei starren Nominallöhnen: Im neoklassischen Modell (AU 2.1.) wurde die Abwesenheit von Geldillusion unterstellt. Das bedeutete u.a., dass die Arbeitnehmer bei einem Anstieg des Preisniveaus P immer sofort einen Anstieg des Nominallohns verlangt haben w, damit ihr Reallohn nicht sank: w / P. Im neoklassischen Modell (AU 2.1.) wurde die Abwesenheit von Geldillusion unterstellt. Das bedeutete u.a., dass die Arbeitnehmer bei einem Anstieg des Preisniveaus P immer sofort einen Anstieg des Nominallohns verlangt haben w, damit ihr Reallohn nicht sank: w / P. Laborexperimente zeigen jedoch, dass normale Menschen nicht so rational sind: Bei der Frage: Was ist fairer: Laborexperimente zeigen jedoch, dass normale Menschen nicht so rational sind: Bei der Frage: Was ist fairer: (a) Eine Nominallohnkürzung um 2% bei einer Inflation von 0% (b) ein Nominallohnanstieg um 2% bei einer Inflation von 4%? entscheiden sich die meisten Menschen für ( ). Da es im Strukturwandel stets Branchen gibt, die ihre Reallöhne senken müssen (i.d.R. Branchen mit niedrigqualifizierten Beschäf- tigten) damit es nicht zu Arbeitslosigkeit kommt, kann also eine Inflation größer Null die soziale Akzeptanz solcher Reallohnsenkun- gen erhöhen. Kritiker argumentieren allerdings, dass dies eine Täuschung der Arbeiter impliziert – eine Ausnutzung mentaler Schwächen. Da es im Strukturwandel stets Branchen gibt, die ihre Reallöhne senken müssen (i.d.R. Branchen mit niedrigqualifizierten Beschäf- tigten) damit es nicht zu Arbeitslosigkeit kommt, kann also eine Inflation größer Null die soziale Akzeptanz solcher Reallohnsenkun- gen erhöhen. Kritiker argumentieren allerdings, dass dies eine Täuschung der Arbeiter impliziert – eine Ausnutzung mentaler Schwächen.

16 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 3.Möglichkeit negative Realzinsen zu erzeugen Angenommen die Inflationsrate ist gleich 5 % und der Zinssatz, der für einen Kredit gezahlt werden muss ist 3%. Angenommen die Inflationsrate ist gleich 5 % und der Zinssatz, der für einen Kredit gezahlt werden muss ist 3%. Welche Art von Geschäft wäre dann profitabel? Welche Art von Geschäft wäre dann profitabel? Wie würde sich diese Art von Geschäften auf die Gesamtnachfrage nach Gütern auswirken? Wie würde sich diese Art von Geschäften auf die Gesamtnachfrage nach Gütern auswirken? Wie würde das den Konjunkturzyklus beeinflussen? Wie würde das den Konjunkturzyklus beeinflussen? 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB

17 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 3.Möglichkeit negative Realzinsen zu erzeugen Um einen solchen Anreiz zu schaffen muss der Nominalzins i t niedriger sein als die Inflationsrate (P t+1 -P t ) / P t : Um einen solchen Anreiz zu schaffen muss der Nominalzins i t niedriger sein als die Inflationsrate (P t+1 -P t ) / P t : i t < (P t+1 - P t ) / P t i t < (P t+1 - P t ) / P t Den niedrigsten Nominalzins, den eine Zentralbank mit normaler Geldpolitik erzeugen kann ist i t = 0 (In diesem Fall muss die Notenbank ihr Geld zu einem Zins von Null hergeben). Den niedrigsten Nominalzins, den eine Zentralbank mit normaler Geldpolitik erzeugen kann ist i t = 0 (In diesem Fall muss die Notenbank ihr Geld zu einem Zins von Null hergeben). Deshalb kann bei einer Inflationsrate von Null, (P t+1 - P t ) / P t = 0, der gewünschte Anreiz nicht geschaffen werden: Deshalb kann bei einer Inflationsrate von Null, (P t+1 - P t ) / P t = 0, der gewünschte Anreiz nicht geschaffen werden: i t < (P t+1 - P t ) / P t = 0 i t < (P t+1 - P t ) / P t = 0 Folglich braucht die Notenbank eine Inflationsrate größer Null, um die Möglichkeit zu haben in einer Rezession den Nominalzins unter die Inflationsrate zu senken. Folglich braucht die Notenbank eine Inflationsrate größer Null, um die Möglichkeit zu haben in einer Rezession den Nominalzins unter die Inflationsrate zu senken. 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB

18 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 3.Möglichkeit negative Realzinsen zu erzeugen Wenn der Nominalzins (z.B. 2%) niedriger ist als die Inflationsrate (z.B. 5%), ist der reale Zinssatz negativ (z.B. -1%). Der reale Zinssatz ist definiert als: Wenn der Nominalzins (z.B. 2%) niedriger ist als die Inflationsrate (z.B. 5%), ist der reale Zinssatz negativ (z.B. -1%). Der reale Zinssatz ist definiert als: Realer Zinssatz = Nominaler Zinssatz./. Inflationsrate Realer Zinssatz = Nominaler Zinssatz./. Inflationsrate r t = i t./. (P t+1 - P t ) / P t r t = i t./. (P t+1 - P t ) / P t => -3% = 2%./. 5% 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB

19 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB Auch gegen eine Inflationsrate größer Null sind eine Reihe von Argumenten in der Diskussion: Auch gegen eine Inflationsrate größer Null sind eine Reihe von Argumenten in der Diskussion: 1. Inflation erhöht die Kosten der Geldhaltung 2. Inflation erhöht die reale Steuerlast 3. Fehlentscheidungen durch Geldillusion Auch hier verlaufen die Diskussionen kontrovers. Auch hier verlaufen die Diskussionen kontrovers.

20 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB 1.Inflation erhöht die Kosten der Geldhaltung: Wie viel Geld haben Sie gerade in Ihrem Portemonnaie? Wie viel Geld haben Sie gerade in Ihrem Portemonnaie? Wie viel würden Sie darin halten, wenn die Inflationsrate bei 10% läge? Wie viel würden Sie darin halten, wenn die Inflationsrate bei 10% läge?

21 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 1.Inflation erhöht die Kosten der Geldhaltung: Geld Zeit 1. Tag Geldausgaben pro Tag Verbrauch des Geldbe- standes in 6 Tagen => Bankautomaten… => Transaktionskosten Abhebung am Bankautomaten 6. Tag 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB

22 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 1.Inflation increases the costs of holding money. 1. Tag Geldausgaben pro Tag Verbrauch des Geldbe- standes in 3 Tagen => zum Bankautomaten… => Transaktionskosten… 50 Abhebung am Bankautomaten 50% Reduzierung des Geldbestandes wg. höherer Inflation 3. Tag 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB Geld Zeit

23 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 1.Inflation increases the costs of holding money. 1. Tag Geldausgaben pro Tag 50 Abhebung am Bankautomaten 50% Reduzierung des Geldbestandes wg. höherer Inflation 6. Tag =>2 mal in 6 Tagen zum Bankautomaten! => Doppelt so hohe Transaktionskosten! => Inflation erhöht die Kosten der Geldhaltung! 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB Geld Zeit

24 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB 2.Inflation erhöht die reale Steuerlast: Numerisches Beispiel: (a)Kapitalertragssteuersatz ist t=25%. Nominalzins ist i=4%. Inflationsrate ist π=2%. Berechne den Wert der Steuerzahlung in Prozent des Realzinses vor Steuer. (a) Kapitalertragssteuersatz ist t=25%. Nominalzins ist i=4%. Inflationsrate ist π=2%. Berechne den Wert der Steuerzahlung in Prozent des Realzinses vor Steuer. (b)Kapitalertragssteuersatz ist t=25%. Nominalzins ist i=4%. Inflationsrate ist π=0%. Berechne den Wert der Steuerzahlung in Prozent des Realzinses vor Steuer. (b) Kapitalertragssteuersatz ist t=25%. Nominalzins ist i=4%. Inflationsrate ist π=0%. Berechne den Wert der Steuerzahlung in Prozent des Realzinses vor Steuer. Wie beeinfluss die Inflation die Steuerzahlung? Wie beeinfluss die Inflation die Steuerzahlung? Wie könnte das Problem gelöst werden? Wie könnte das Problem gelöst werden?

25 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB 2.Inflation erhöht die reale Steuerlast: (a)Kapitalertragssteuersatz ist t=25%. Nominalzins ist i=4%. Inflationsrate ist π=2%. Wie hoch ist der reale Kapitalertragssteuersatz? (a) Nominaler Kapitalertragssteuersatz ist t=25%. Nominalzins ist i=4%. Inflationsrate ist π=2%. Wie hoch ist der reale Kapitalertragssteuersatz? => Vereinfachte Berechnung (ohne Zinseszinseffekt):

26 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB 2.Inflation erhöht die reale Steuerlast: (b)Kapitalertragssteuersatz ist t=25%. Nominalzins ist i=4%. Inflationsrate ist π=0%. Wie hoch ist der reale Kapitalertragssteuersatz? (b) Nominaler Kapitalertragssteuersatz ist t=25%. Nominalzins ist i=4%. Inflationsrate ist π=0%. Wie hoch ist der reale Kapitalertragssteuersatz? => Vereinfachte Berechnung (ohne Zinseszinseffekt):

27 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Prof. Dr. Rainer Maurer Exkurs: Berücksichtigung des Zinseszinseffektes – die mathematisch korrekte Formel: (a) Nominaler Kapitalertragssteuersatz ist t=25%. Nominalzins ist i=4%. Inflationsrate ist π=2%. Wie hoch ist der reale Kapitalertragssteuersatz?

28 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Prof. Dr. Rainer Maurer Exkurs: Berücksichtigung des Zinseszinseffektes – die mathematisch korrekte Formel: (b) Nominaler Kapitalertragssteuersatz ist t=25%. Nominalzins ist i=4%. Inflationsrate ist π=0%. Wie hoch ist der reale Kapitalertragssteuersatz?

29 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Der Effekt der Abgeltungssteuer auf die reale Steuerbelastung ist um so höher je niedriger der Realzins.

30 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Wie diese Berechnung zeigt, kann bei Wertpapieren mit niedrigem Realzins der reale Steuersatz über 200% reichen. Die reale Steuerbelastung ist dann also höher als der reale Ertrag eines Wertpapiers, so dass der Investor einen realen Verlust macht.

31 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB 2.Inflation erhöht die reale Steuerlast: Wie kann dieser Effekt der Inflation auf die reale Steuerlast verhindert werden? Wie kann dieser Effekt der Inflation auf die reale Steuerlast verhindert werden? 1. Inflationsziel gleich Null setzen! 2. Besteuerung des realen Einkommens und nicht des nominalen Einkommens:

32 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Prof. Dr. Rainer Maurer Digression: Taking care of the compound interest effect - the mathematically exact formula: Wie kann dieser Effekt der Inflation auf die reale Steuerlast verhindert werden? Besteuerung des realen Einkommens und nicht des nominalen Einkommens:

33 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB 2.Inflation erhöht die reale Steuerlast Bei der obigen Kapitalertragssteuer ist der Grenzsteuersatz konstant. Bei der obigen Kapitalertragssteuer ist der Grenzsteuersatz konstant. Der Einkommensteuersatz steigt jedoch mit dem Nominaleinkommen. Der Einkommensteuersatz steigt jedoch mit dem Nominaleinkommen. Das führt dazu, dass der reale Steuersatz eines Haushaltes auch dann steigt, wenn sein Nominaleinkommen nur um die Inflationsrate steigt, das Realeinkommen also konstant bleibt. Das führt dazu, dass der reale Steuersatz eines Haushaltes auch dann steigt, wenn sein Nominaleinkommen nur um die Inflationsrate steigt, das Realeinkommen also konstant bleibt. Dieser reale Anstieg der realen Steuerbelastung bei konstantem Realeinkommen wird Kalte Progression genannt. Dieser reale Anstieg der realen Steuerbelastung bei konstantem Realeinkommen wird Kalte Progression genannt.

34 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Resultierender Durchschnittsteuersatz Beispiel: Bei einem jährlichen Einkommen von Euro beträgt der Durchschnittsteuersatz 14,5% Marginaler Einkommensteuersatz nach dem Einkommensteuergesetz => steigender Steuersatz für jeden Euro Einkommen

35 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Marginaler Einkommensteuersatz nach dem Einkommensteuergesetz => steigender Steuersatz für jeden Euro Einkommen Resultierender Durchschnittsteuersatz Beispiel: Bei einem jährlichen Einkommen von Euro beträgt der Durchschnittsteuersatz 14,5%

36 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB 2.Inflation erhöht die reale Steuerlast Das folgende nummerische Beispiel demonstriert den Effekt: Das folgende nummerische Beispiel demonstriert den Effekt: Ein Arbeiter mit einem Einkommen von erhält als Kompensation für eine Inflationsrate von 2% einen Anstieg seines Nominallohnes von 2%. Dem deutschen Einkommensteuertarif zu Folge beträgt sein Steuersatz bei einem Einkommen von ,56 %. Nach dem Anstieg seines Nominallohnes um die Inflationsrate beträgt der Einkommensteuersatz 14,83 %. Ein Arbeiter mit einem Einkommen von erhält als Kompensation für eine Inflationsrate von 2% einen Anstieg seines Nominallohnes von 2%. Dem deutschen Einkommensteuertarif zu Folge beträgt sein Steuersatz bei einem Einkommen von ,56 %. Nach dem Anstieg seines Nominallohnes um die Inflationsrate beträgt der Einkommensteuersatz 14,83 %. (a) Wie hoch ist der reale Anstieg seines Einkommens vor Steuer? (b) Wie hoch ist der prozentuale reale Anstieg der Steuerbelastung? Das folgende Schaubild wendet diese Formel des prozentualen Anstiegs der realen Steuerbelastung für eine Inflationsrate von 2% und 4% auf den gesamten Verlauf der Einkommensteuerkurve an: Das folgende Schaubild wendet diese Formel des prozentualen Anstiegs der realen Steuerbelastung für eine Inflationsrate von 2% und 4% auf den gesamten Verlauf der Einkommensteuerkurve an:

37 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure

38 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB 2.Inflation erhöht die reale Steuerlast Natürlich kann man argumentieren, dass diese Steuereffekte nicht der Inflation anzulasten sind sondern dem Steuer- system. Natürlich kann man argumentieren, dass diese Steuereffekte nicht der Inflation anzulasten sind sondern dem Steuer- system. Wenn das zu versteuernde Einkommen um die jährliche Inflation vermindert werden würde (=mit der Inflationsrate deflationiert werden würde), käme es nicht zu einem inflationsbedingten Anstieg der realen Einkommensteuer. Wenn das zu versteuernde Einkommen um die jährliche Inflation vermindert werden würde (=mit der Inflationsrate deflationiert werden würde), käme es nicht zu einem inflationsbedingten Anstieg der realen Einkommensteuer. Ein solches Verfahren wird in der Schweiz praktiziert. Ein solches Verfahren wird in der Schweiz praktiziert.

39 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB 3. 3.Fehlentscheidungen durch Geldillusion Theoretisch ist den meisten Menschen die Wirkung der Infla- tion klar. Wenn sie jedoch spontan entscheiden müssen und sich auf ihr Gefühl verlassen, liegen sie häufig daneben. Das kann häufig zu Fehlentscheidungen führen. Bei Nullinflation tritt dieses Problem natürlich nicht auf. Dazu folgendes Experiment: Arnold, Berta und Claus erben Alle investieren sie dieses Geld in ein Haus. Nach 10 Jahren verkaufen sie ihre Häuser wieder. Arnold lebt in einem Land, in dem die Preise im Durchschnitt um 25% gesunken sind, und erzielt einen Preis der 23% niedriger ist als sein Kaufpreis. Berta lebt in einem Land mit Nullinflation sind und erzielt einen Preis der 1% niedriger ist als ihr Kaufpreis. Claus lebt in einem Land in dem die Preise im Durchschnitt um 25% gestiegen sind und erzielt einen Preis der 23% höher ist als sein Kaufpreis.

40 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB 3. 3.Fehlentscheidungen durch Geldillusion Bilden Sie die Rangfolge nach d. Höhe des Verkaufserlöses! Die von solchen Fehleinschätzungen ausgehenden Fehlent- scheidungen resultieren bei einer Inflationsrate von Null nicht. Wenn man davon ausgehen könnte, dass in 10 oder 20 Jahren noch immer das gleiche Preisniveau herrschen wird wie heute, würden sich viele Finanzentscheidungen wesentlich vereinfachen. RangArnoldBertaClaus RankArnoldBertaClaus % 1) 15 % 48 % % 74 % 16 % % 11 % 36 %

41 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Ziele der EZB Zusammenfassung: Zusammenfassung: Bei der Entscheidung, ob die Inflationsrate größer Null sein soll oder nicht, müssen Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen werden. Bei der Entscheidung, ob die Inflationsrate größer Null sein soll oder nicht, müssen Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen werden. Das ist schwierig und man kann je nach Einschätzung der empirischen Bedeutsamkeit der Argumente zu unterschied- lichen Ergebnissen kommen. Das ist schwierig und man kann je nach Einschätzung der empirischen Bedeutsamkeit der Argumente zu unterschied- lichen Ergebnissen kommen. Die Einschätzung, dass die Vorteile einer "nicht zu hohen und konstanten Inflationsrate größer Null" die Nachteile überwiegen, ist aber international weit verbreitet und dürfte derzeit überwiegen. Die Einschätzung, dass die Vorteile einer "nicht zu hohen und konstanten Inflationsrate größer Null" die Nachteile überwiegen, ist aber international weit verbreitet und dürfte derzeit überwiegen.

42 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Prof. Dr. Rainer Maurer -42- And please let Mario Draghi accept the things he cannot change, give him the courage to change the things he can and the wisdom to know the difference. 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitische Strategie der EZB

43 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Grundzüge Makroökonomik 6. Die Geldpolitik der EZB 6.1. Die geldpolitischen Ziele der EZB 6.1. Die geldpolitischen Ziele der EZB 6.2. Die geldpolitischen Instrumente der EZB 6.2. Die geldpolitischen Instrumente der EZB

44 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Instrumente der EZB Entscheidungen über den Einsatz der geldpolitischen Instrumente der EZB werden vom EZB-Rat getroffen. Entscheidungen über den Einsatz der geldpolitischen Instrumente der EZB werden vom EZB-Rat getroffen. Dieser trifft sich jeden 2. Donnerstag. Bei jedem ersten Treffen im Monat werden i.d.R. Zinsbeschlüsse gefasst Dieser trifft sich jeden 2. Donnerstag. Bei jedem ersten Treffen im Monat werden i.d.R. Zinsbeschlüsse gefasst Der EZB-Rat fasst Mehrheitsbeschlüsse. Bei Stimmen- gleichheit entscheidet der Präsident. Der EZB-Rat fasst Mehrheitsbeschlüsse. Bei Stimmen- gleichheit entscheidet der Präsident. …plus Slowenien, Malta, Zypern, Slowakei und Estland Siebzehn

45 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Eurozone (17) EU states obliged to join the Eurozone (8) EU state with an opt- out on Eurozone participation (1) EU state with a public referendum to opt-out the Eurozone (1) Areas outside the EU using the euro with an agreement (Monaco, San Marino, Vatican) Areas outside the EU using the euro without an agreement (Andorra, Kosovo, Montenegro,) L

46 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maurer Prof. Dr. Rainer Maurer Exkurs: Die Euroland-Mitgliedsländer Nach der 2004 erfolgten Erweiterung der EU um 10 neue Mitglieder bestand für die neuen Mitglieder die Möglichkeit, einen Antrag zur Teilnahme zumWechselkursmechanismus II des Eurosystems zu stellen. Wenn sie dann über zwei Jahre die Kriterien dieses Wechselkursmechanismus erfüllen, können sie Mitglied im Euroraum werden. Bislang haben Slowenien (2007) sowie Malta und Zypern (2008), die Slowakei (2009) und Estland (2011) davon Gebrauch gemacht. Drei weitere Länder (Dänemark, Lettland, Litauen) nehmen Wechselkursmechanismus II teil und können prinzipiell ebenfalls den Euro einführen. Dänemark und Großbritannien hatten sich im Vertrag von Maastricht eine Ausnahmeklausel vorbehalten und von dieser auch Gebrauch gemacht. Schweden verletzte die Konvergenzkriterien bewusst, damit es den Euro nicht einführen musste. Monaco, San Marino und Vatikan sind keine EU-Mitglieder sind und deshalb nicht Teil des Eurosystems. Aufgrund bilateraler Abkommen mit der EU haben sie aber das Recht, den Euro als einzige Währung zu nutzen sowie eigene Euromünzen im begrenzten Umfang prägen zu lassen. Insgesamt nutzen rund 40 Staaten und Teilstaaten den Euro oder eine vom Euro abhängige Währung (z.B. ehemalige Kolonien in Afrika). Manchmal wird auch diese ganze Staatengruppe als Eurozone oder Euroland bezeichnet. Die mit der Vergrößerung des Eurosystems einhergehende Vergrößerung des ECB- Rates führt zu Problemen: Wenn die drei weiteren Anwärterländer (Estland, Lettland, Litauen) beigetreten sind, würde er 19 Notenbankpräsidenten umfassen, was den Abstimmungsprozess erschweren würde. Es ist deshalb eine Reform des ECB-Rates vorgesehen. Danach sollen nie mehr als 15 Länder stimmberechtigt sein. Das Stimmrecht soll rotieren, wobei große Länder häufiger stimmberechtigt sein sollen als kleine Länder.

47 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Instrumente der EZB Welche Instrumente hat die EZB um die Zinsbeschlüsse des EZB-Rates in der Praxis durchzusetzen? Welche Instrumente hat die EZB um die Zinsbeschlüsse des EZB-Rates in der Praxis durchzusetzen? Die EZB setzt zur Umsetzung dieser Beschlüsse die Geldversorgung der Geschäftsbanken ein. Die EZB setzt zur Umsetzung dieser Beschlüsse die Geldversorgung der Geschäftsbanken ein. Die dabei von der EZB normalerweise eingesetzten Instrumente sind: Die dabei von der EZB normalerweise eingesetzten Instrumente sind: 1. die Offenmarktpolitik Hauptrefinanzierungsgeschäfte Hauptrefinanzierungsgeschäfte Längerfristige Refinanzierungsgeschäfte Längerfristige Refinanzierungsgeschäfte 2. und die ständigen Fazilitäten: Spitzenrefinanzierungsgeschäft Spitzenrefinanzierungsgeschäft Einlagefazilität Einlagefazilität

48 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Instrumente der EZB 1.Offenmarktpolitik 1.1. Hauptrefinanzierungsgeschäfte Die EZB versteigert i.d.R. jeden Montag Zentralbankgeld in Form von Krediten mit einer Laufzeit von einer Woche. Die EZB versteigert i.d.R. jeden Montag Zentralbankgeld in Form von Krediten mit einer Laufzeit von einer Woche. Die Banken müssen dabei als Sicherheit festverzinsliche Wertpapiere (Staatsanleihen und Privatanleihen mit hoher Bonität) hinterlegen. Die Banken müssen dabei als Sicherheit festverzinsliche Wertpapiere (Staatsanleihen und Privatanleihen mit hoher Bonität) hinterlegen Längerfristige Refinanzierungsgeschäfte …funktionieren wie Hauptrefinanzierungsgeschäfte haben aber Laufzeit von 3 Monaten. …funktionieren wie Hauptrefinanzierungsgeschäfte haben aber Laufzeit von 3 Monaten. Die Bestimmung des Kreditzinses erfolgt normalerweise im sogen. amerikanischen Zinstender-Verfahren. Es sind jedoch auch Abweichungen von diesem Verfahren möglich. Die Bestimmung des Kreditzinses erfolgt normalerweise im sogen. amerikanischen Zinstender-Verfahren. Es sind jedoch auch Abweichungen von diesem Verfahren möglich.

49 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Amerikanischer Zinstender i Kredit- volumen HöchstgebotGeplantes Zuteilungs- volumen Mindest- bietungssatz Gebote mit Zuteilung Gebote ohne Zuteilung i min Marginaler Zuteilungssatz

50 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Instrumente der EZB Amerikanischer Zinstender: Amerikanischer Zinstender: Die EZB legt einen Mindestbietungssatz fest. Die EZB legt einen Mindestbietungssatz fest. Ausgehend davon nennen Banken einen Zinssatz Mindestbietungssatz und ihre Kreditnachfrage zu diesem Zinssatz. Ausgehend davon nennen Banken einen Zinssatz Mindestbietungssatz und ihre Kreditnachfrage zu diesem Zinssatz. Die EZB reiht die Gebote der Banken in absteigender Zinshöhe auf und teilt ausgehend von dem Höchstgebot solange Kredite zu bis das von ihr angestrebte Gesamt- kreditvolumen erreicht ist. Die EZB reiht die Gebote der Banken in absteigender Zinshöhe auf und teilt ausgehend von dem Höchstgebot solange Kredite zu bis das von ihr angestrebte Gesamt- kreditvolumen erreicht ist. Die einzelnen Banken erhalten den Kredit zu ihrem jeweiligen individuellen Bietungssatz. Die einzelnen Banken erhalten den Kredit zu ihrem jeweiligen individuellen Bietungssatz. Der Zinssatz, zu dem die letzte Bank noch eine Zuteilung erhält ist der marginale Zinssatz. Er kann höher sein als der Mindestbietungssatz. Reicht also eine Bank ein zu niedriges Zinsgebot ein, riskiert sie also, bei der Zuteilung leer auszugehen. Der Zinssatz, zu dem die letzte Bank noch eine Zuteilung erhält ist der marginale Zinssatz. Er kann höher sein als der Mindestbietungssatz. Reicht also eine Bank ein zu niedriges Zinsgebot ein, riskiert sie also, bei der Zuteilung leer auszugehen.

51 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Quelle: ECBQuelle: ECB Monatsbericht, Tabelle 1.3. Geldpolitische Geschäfte des Eurosystems

52 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Quelle: ECBQuelle: ECB Monatsbericht, Tabelle 1.3. Geldpolitische Geschäfte des Eurosystems

53 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Quelle: ECB Monatsbericht, Tabelle 1.4. Mindestreserve und Liquiditätsstatistik /../. 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Instrumente der EZB Von den geldpolitischen Instrumenten der ECB zum Banknotenumlauf: Geldpolitische Instrumente der ECB = Geldversorgung der Wirtschaft durch die ECB Abschöpfung von Geld durch Girokonto- einlagen der Regierungen und Reserven der Geschäftsbanken bei der ECB

54 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Quelle: ECB Monatsbericht, Tabelle 1.4. Mindestreserve und Liquiditätsstatistik /../. 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Instrumente der EZB Von den geldpolitischen Instrumenten der ECB zum Banknotenumlauf: Geldpolitische Instrumente der ECB = Geldversorgung der Wirtschaft durch die ECB Abschöpfung von Geld durch Girokonto- einlagen der Regierungen und Reserven der Geschäftsbanken bei der ECB

55 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure

56 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Instrumente der EZB 2.Ständige Fazilitäten dienen der Glättung des Zinses auf dem Interbankenmarkt und können von den am Eurosystem teilnehmenden Geschäftsbanken (ca. 800) jederzeit in Anspruch genommen werden: 2.1. Spitzenrefinanzierungsgeschäft Übernachtkredit: Bank kann bei unerwarteten Liquiditätsengpässen kurzfristig Zentralbankgeld zum Spitzenrefinanzierungszinssatz bekommen. Übernachtkredit: Bank kann bei unerwarteten Liquiditätsengpässen kurzfristig Zentralbankgeld zum Spitzenrefinanzierungszinssatz bekommen Einlagenfazilität Übernacht-Sparen: Bank kann bei unerwarteten Liquiditätsüberschüssen kurzfristig Zentralbankgeld zum Einlagenzinssatz bei der EZB deponieren. Übernacht-Sparen: Bank kann bei unerwarteten Liquiditätsüberschüssen kurzfristig Zentralbankgeld zum Einlagenzinssatz bei der EZB deponieren.

57 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Instrumente der EZB Wirkung der EZB-Zinssätze auf den Interbankenmarkt: Wirkung der EZB-Zinssätze auf den Interbankenmarkt: Spitzenfinanzierungssatz Spitzenfinanzierungssatz = Obergrenze des Geldmarktzinses = Obergrenze des Geldmarktzinses = Hauptrefinanzierungssatz + 1% (aktuell + 0,5%) = Hauptrefinanzierungssatz + 1% (aktuell + 0,5%) Einlagenfazilität Einlagenfazilität = Untergrenze des Geldmarktzinses = Untergrenze des Geldmarktzinses = Hauptrefinanzierungssatz./. 1% (aktuell./. 0,5%) = Hauptrefinanzierungssatz./. 1% (aktuell./. 0,5%) Wie das folgende Schaubild zeigt, liegt der Tagesgeldsatz (= der Zinssatz, zu dem die Banken untereinander Bargeld handeln) immer zwischen dem Spitzenfinanzierungssatz und dem Zinssatz der Einlagenfazilität. Wie das folgende Schaubild zeigt, liegt der Tagesgeldsatz (= der Zinssatz, zu dem die Banken untereinander Bargeld handeln) immer zwischen dem Spitzenfinanzierungssatz und dem Zinssatz der Einlagenfazilität.

58 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Quelle: ECB, eigene Berechnungen

59 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 15.September 2008: Lehman Brothers Bankruptcy

60 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Quelle: EZB

61 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Quelle: ECB 1) Private Haushalte; Laufzeit 1-5 Jahre; Zinsfixierung; Neugeschäft 2) Unternehmen außerhalb des Finanzsektors; Laufzeit 1-5 Jahre; Zinsfixierung; Neugeschäft

62 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Quelle: ECB

63 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Instrumente der EZB Der Einfluss der EZB auf die reale Wirtschaft: Der Einfluss der EZB auf die reale Wirtschaft: Mit ihren geldpolitischen Instrumenten kann die EZB also indirekt auch die längerfristigen Segmente des Kapitalmarktes (Markt für Unternehmens-, Hypotheken- und Konsumentenkredite) beeinflussen. Mit ihren geldpolitischen Instrumenten kann die EZB also indirekt auch die längerfristigen Segmente des Kapitalmarktes (Markt für Unternehmens-, Hypotheken- und Konsumentenkredite) beeinflussen. Das dauert zwar in der Praxis etwas länger als wir es im neoklassischen und keynesianischen Modell unterstellt haben, ändert aber nichts daran, dass die EZB damit letztlich – genau wie in den Modellen – die Nachfrage nach Investitions- und Konsumgütern beeinflusst und so mittelfristig Einfluss die reale Wirtschaft ausübt. Das dauert zwar in der Praxis etwas länger als wir es im neoklassischen und keynesianischen Modell unterstellt haben, ändert aber nichts daran, dass die EZB damit letztlich – genau wie in den Modellen – die Nachfrage nach Investitions- und Konsumgütern beeinflusst und so mittelfristig Einfluss die reale Wirtschaft ausübt.

64 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Grundzüge Makroökonomik 6. Die Geldpolitik der EZB 6.1. Die geldpolitischen Ziele der EZB 6.1. Die geldpolitischen Ziele der EZB 6.2. Die geldpolitischen Instrumente der EZB 6.2. Die geldpolitischen Instrumente der EZB 6.3. Die Geldschöpfung durch Geschäftsbanken 6.3. Die Geldschöpfung durch Geschäftsbanken

65 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die Geldschöpfung durch Geschäftsbanken Bisher wurde implizit unterstellt, dass Geld immer gleich Bargeld ist. Bisher wurde implizit unterstellt, dass Geld immer gleich Bargeld ist. In der Praxis spielt Bargeld jedoch eine immer geringere Rolle. In der Praxis spielt Bargeld jedoch eine immer geringere Rolle. Die Bezahlung mit EC- und Kreditkarten erfolgt mit einem anscheinend bargeldlosen Geld. Die Bezahlung mit EC- und Kreditkarten erfolgt mit einem anscheinend bargeldlosen Geld. Wo kommt dieses Geld her? Wo kommt dieses Geld her?

66 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die Geldschöpfung durch Geschäftsbanken Geldschöpfung im zweistufigen Bankensystem des Eurosystems *) : Notenbank Geschäftsbanken Nichtbanken = Haushalte, Unter- nehmen, Staat Noten- bankgeld (Bargeld) Bargeld & Giralgeld *) Nicht alle Notenbanksysteme arbeiten als zweistufiges Bankensystem wie hier beschrieben. Prominentes Beispiel für ein (fast) reines Offenmarktsystem ist die Fed. Die Schöpfung von bargeldlosem Geld ist aber trotzdem sehr ähnlich.

67 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die Geldschöpfung durch Geschäftsbanken Die Geschäftsbanken verleihen also mehr Geld an die Nichtbanken weiter, als Sie von der Notenbank bekommen. Die Geschäftsbanken verleihen also mehr Geld an die Nichtbanken weiter, als Sie von der Notenbank bekommen. Dieses zusätzliche Geld nennt man Geldschöpfung der Geschäftsbanken. Dieses zusätzliche Geld nennt man Geldschöpfung der Geschäftsbanken. Aber wieso geht das? Aber wieso geht das?

68 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Prof. Dr. Rainer Maurer Warum ist Giralgeldschöpfung möglich? Geschäfts- bank Unternehmen Haushalt 10 Kreditgut- haben auf dem Girokonto des Unternehmens 10 Lohnzahlung auf das Girokonto des Haushaltes 2 in bar abgehoben vom Girokonto und zur Barzahlung von Gütern verwendet. 8 Zahlung für Güterkauf per EC- Karte auf das Girokonto des Unternehmens Rückzahlung von 10 Kreditgut- haben auf das Girokonto der Bank Das zeigt: die Geschäftsbank braucht nur 2 um einen Kredit von 10 zu vergeben!

69 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Prof. Dr. Rainer Maurer Exkurs: Warum ist Geldschöpfung durch Geschäftsbanken möglich? Wie das Schaubild zeigt, wenn eine Geschäftsbank 10 an ein Unternehmen verleiht, wird nur ein Bruchteil dieses Geldes in bar abgehoben: Die Geschäftsbank zahl die 10 zunächst nicht in bar aus, sondern überweist 10 to auf die Girokonten der Unternehmen. Wenn die Unternehmen das Geld verwenden, um die Arbeiter für ihre Arbeit zu entlohnen, werden sie dies normalerweise als bargeldlose Überweisung auf die Girokonten der Arbeiter durchführen. Die Arbeiter verwenden das Geld, um von den Unternehmen Güter und Dienstleistungen zu erwerben oder um den Teil des Geldes, den sie sparen, den Unternehmen als Kredit zur Verfügung zustellen. Wenn die Arbeiter einen Teil des Geldes verwenden, um den Firmen ihre Ersparnisse zur Verfügung zu stellen, kaufen Sie Aktien oder Unternehmensanleihen oder sie transferieren das Geld zu einer Bank, die es dann als Kredit an die Unternehmen weiterleitet. All diese Transaktionen werden normalerweise nicht in bar sondern bargeldlos durch Überweisung von Giralgeld durchgeführt. Wenn die Arbeiter einen Teil des Geldes verwenden, um Güter und Dienstleistungen von den Unternehmen zu kaufen, werden sie den größten Teil davon mit Giralgeld (= EC-Karten, Kreditkarten, bargeldlose Überweisungen) bezahlen, z.B.: Mieten, Versicherungsbeiträge, Stromrechnungen, Einkäufe in Geschäften mit EC- oder Kreditkarte). Nur eine kleine Menge dieser Käufe wird heute noch bar bezahlt. Folglich wird nur ein Bruchteil (ca. 20%) allen Giralgeldes, das die Geschäftsbanken als Kredit vergeben, in bar abgehoben. Der größte Teil dieses Giralgeldes wird zu bargeldlosen Überweisungen verwendet. Das bedeutet, dass Geschäftsbanken nur ca. 20% ihrer Kredite mit Bargeld von der Notenbank decken müssen. Der Rest ist Giralgeldschöpfung. Im obigen Beispiel müssen die Geschäftsbanken nur 2 Bargeld ausleihen, um einen Kredit in Höhe von 10 vergeben zu können.

70 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die Geldschöpfung durch Geschäftsbanken Man kann den Zusammenhang auch ganz einfach mathematisch beschreiben: Man kann den Zusammenhang auch ganz einfach mathematisch beschreiben: Nehmen wir an, dass der Anteil, den die Nichtbanken von ihren Girokonten als Bargeld abheben, gleich c % ist. Nehmen wir an, dass der Anteil, den die Nichtbanken von ihren Girokonten als Bargeld abheben, gleich c % ist. Nehmen wir an, dass die Kreditsumme, die die Geschäftsbanken als Girokontokredit vergeben, gleich M ist. Nehmen wir an, dass die Kreditsumme, die die Geschäftsbanken als Girokontokredit vergeben, gleich M ist. Dann ist also der Bargeldbedarf der Geschäftsbanken B gleich: Dann ist also der Bargeldbedarf der Geschäftsbanken B gleich: B = c * M B = c * M Man sieht jetzt schon, wenn immer nur ein Teil aller Girokontokredite als Bargeld abgehoben wird, ist die Bargeldhaltungsquote kleiner als eins, c < 1, so dass die Girokontokredite M größer sein können als das von der Notenbank ausgeliehene Bargeldvolumen: B < M ! Man sieht jetzt schon, wenn immer nur ein Teil aller Girokontokredite als Bargeld abgehoben wird, ist die Bargeldhaltungsquote kleiner als eins, c < 1, so dass die Girokontokredite M größer sein können als das von der Notenbank ausgeliehene Bargeldvolumen: B < M !

71 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Wieso hat die Bargeldhaltungsquote in den entwickelten Ländern einen Abwärtstrend? Quelle: IMF International Financial Statistics

72 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die Geldschöpfung durch Geschäftsbanken Für den Fall, dass die Bargeldhaltungsquote c leicht schwankt, halten alle Geschäftsbanken eine freiwillige Bargeldreserve von r F. Für den Fall, dass die Bargeldhaltungsquote c leicht schwankt, halten alle Geschäftsbanken eine freiwillige Bargeldreserve von r F. Außerdem gibt es in den meisten Ländern gesetzliche Vorschriften, nach denen die Geschäftsbanken eine Mindestreserve von r M halten müssen. Außerdem gibt es in den meisten Ländern gesetzliche Vorschriften, nach denen die Geschäftsbanken eine Mindestreserve von r M halten müssen. Wenn man das noch berücksichtigt, dann benötigen die Geschäftsbanken etwas mehr Bargeld: Wenn man das noch berücksichtigt, dann benötigen die Geschäftsbanken etwas mehr Bargeld: B = (c+ r F + r M ) * M B = (c+ r F + r M ) * M Wenn die Notenbank also ein Bargeldvolumen von B als Kredit an die Geschäftsbanken vergibt, können die Geschäftsbanken damit Kredite vergeben in Höhe von Wenn die Notenbank also ein Bargeldvolumen von B als Kredit an die Geschäftsbanken vergibt, können die Geschäftsbanken damit Kredite vergeben in Höhe von M = B * (1 / (c+ r F + r M ) ) M = B * (1 / (c+ r F + r M ) )

73 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die Geldschöpfung durch Geschäftsbanken Wenn die Notenbank also ein Bargeldvolumen von B als Kredit an die Geschäftsbanken vergibt, können die Geschäftsbanken damit Kredite vergeben in Höhe von Wenn die Notenbank also ein Bargeldvolumen von B als Kredit an die Geschäftsbanken vergibt, können die Geschäftsbanken damit Kredite vergeben in Höhe von M = B * (1 / (c+ r F + r M ) ) M = B * (1 / (c+ r F + r M ) ) Zahlenbeispiel mit den ungefähren Werten für den Euroraum (s. nachfolgende Tabellen): Zahlenbeispiel mit den ungefähren Werten für den Euroraum (s. nachfolgende Tabellen): M = 1000 Mrd. * (1 / (0,18+ 0, ) ) M = 1000 Mrd. * (1 / (0,18+ 0, ) ) M = 5000 Mrd. M = 5000 Mrd. Aus den rund 1000 Mrd. Bargeld, das die EZB als Kredit verleiht, können die Geschäftsbanken also 4000 Mrd. zusätzliches Geld schöpfen und weiter verleihen. Aus den rund 1000 Mrd. Bargeld, das die EZB als Kredit verleiht, können die Geschäftsbanken also 4000 Mrd. zusätzliches Geld schöpfen und weiter verleihen. Das ist natürlich sehr lukrativ, da sie für diese 4000 Mrd. keine Zinsen zahlen müssen! Das ist natürlich sehr lukrativ, da sie für diese 4000 Mrd. keine Zinsen zahlen müssen! Allerdings müssen Sie ihr bargeldloses Zahlungssystem unterhalten – was zum Großteil aber auch über Kontogebühren erfolgt… Allerdings müssen Sie ihr bargeldloses Zahlungssystem unterhalten – was zum Großteil aber auch über Kontogebühren erfolgt…

74 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die Geldschöpfung durch Geschäftsbanken Man kann an der Formel auch erkennen, dass die Notenbank durch ihre Festlegung der Größe der Bargeldmenge B, jederzeit steuern kann, wie viel zusätzliches Geld – und damit Kredite – die Geschäftsbanken schöpfen: Man kann an der Formel auch erkennen, dass die Notenbank durch ihre Festlegung der Größe der Bargeldmenge B, jederzeit steuern kann, wie viel zusätzliches Geld – und damit Kredite – die Geschäftsbanken schöpfen: M = (1 / (c+ r F + r M ) ) * B M = (1 / (c+ r F + r M ) ) * B Obwohl die Geschäftsbanken durch ihre Geldschöpfung das Geldangebot der Notenbank stark vergrößern, kann die Notenbank also das Geldmengenwachstum, so steuern, wie sie es für richtig hält. Obwohl die Geschäftsbanken durch ihre Geldschöpfung das Geldangebot der Notenbank stark vergrößern, kann die Notenbank also das Geldmengenwachstum, so steuern, wie sie es für richtig hält. Wenn der Trend zur bargeldlosen Volkswirtschaft anhält (s. obiges Schaubild) und die Bargeldhaltungsquote c immer kleiner wird, so dass die Geschäftsbanken immer mehr Geld schöpfen M, kann die Notenbank darauf mit einer Verringerung der Bargeldmenge B oder durch eine Erhöhung des Mindestreservesatzes r F reagieren. Wenn der Trend zur bargeldlosen Volkswirtschaft anhält (s. obiges Schaubild) und die Bargeldhaltungsquote c immer kleiner wird, so dass die Geschäftsbanken immer mehr Geld schöpfen M, kann die Notenbank darauf mit einer Verringerung der Bargeldmenge B oder durch eine Erhöhung des Mindestreservesatzes r F reagieren.

75 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6. Die Geldpolitik der EZB Die geldpolitischen Instrumente der EZB Volumen der Geldmengenaggregate der Europäischen Währungsunion, Ende Februar 2009, Mrd. Volumen der Geldmengenaggregate der Europäischen Währungsunion, Ende Februar 2009, Mrd. Verbindlichkeiten von Notenbank u. Ge- schäftsbanken gegenüber Nichtbanken M1M2M3 Abnehmende Liquidität--> Bargeldumlauf ( = Notenbankgeld minus Reservehaltung der Geschäftsbanken) 721 Sichtguthaben (tägl. fällige Einlagen) 3417 Sparguthaben (Kündigungsfrist 3 Mo.) 1621 Termineinlagen (Laufzeit bis 2 Jahre) 2331 Repogeschäfte der G-Banken m. Nbk. 330 Geldmarktpapiere (Laufzeit bis 2 Jahre) 782 Schuldverschreibungen bis 2 Jahre 223 Summe Quelle: ECB Monatsbericht, Tabelle 2.3. Monetäre Statistik

76 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure

77 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure

78 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Exkurs: Die beiden Hauptgeschäfte von Geschäftsbanken: Zahlungsverkehr & Finanzintermediation Wie die (schematisierte) konsolidierte Geschäftsbankenbilanz der EWU zeigt, betreiben Geschäftsbanken nicht nur das Zahlungsverkehrgeschäft sondern auch Finanzintermediation, d.h. sie leihen Geld von Nichtbanken und schreiben diesen dafür Spar- und Termineinlagen gut und verleihen dieses Geld dann weiter an andere Nichtbanken: Konsolidierte Geschäftsbankenbilanz VerbindlichkeitenForderungen B=Bargeld von Notenbank M= Geldbasierte Kredite D=Girokonto- einlagen R= Reserve Zahlungsverkehrgeschäft Finanzintermediation Spareinlagen, Termineinlagen, etc… Einlagenbasierte Kredite M = B-R +D B-R = Bargeld in Umlauf

79 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 2% * ( + ) = 128,9 Der Mindestreserve r M für Euro-Geschäftsbanken beträgt 2% ihrer Girokontobestände (=overnight deposits) plus ihrer Termineinlagen mit einer Laufzeit bis zu 2 Jahren.

80 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Da die Euro-Geschäftsbanken jederzeit die Möglichkeit haben, sich über so genannte Spitzenrefinanzierungsgeschäfte bei der EZB mit Bargeld (zu einem erhöhten Zinssatz) einzudecken, halten sie nur sehr geringe freiwillige Reserven (=excess reserves).

81 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure Sure, we need more research in alchemy, witchcraft and sorcery to know where is the money going to come from! 6. Die Geldpolitik der EZB Die Geldschöpfung durch Geschäftsbanken

82 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6.3. Kontrollfragen Die Kontrollfragen bieten Ihnen die Möglichkeit, Ihr Verständnis der Lerninhalte dieses Kapitels zu überprüfen. Alle Fragen können mit Hilfe dieses Vorlesungsskriptes beantwortet werden. Sollten Sie Schwierigkeiten haben, wenden Sie sich nach den Vorlesungen an mich oder besuchen Sie mein Kolloquium oder senden Sie mir eine . Die Kontrollfragen bieten Ihnen die Möglichkeit, Ihr Verständnis der Lerninhalte dieses Kapitels zu überprüfen. Alle Fragen können mit Hilfe dieses Vorlesungsskriptes beantwortet werden. Sollten Sie Schwierigkeiten haben, wenden Sie sich nach den Vorlesungen an mich oder besuchen Sie mein Kolloquium oder senden Sie mir eine .

83 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6.4. Kontrollfragen 1.Welches Ziel verfolgt die EZB mit ihrer Geldpolitik? 2.Wie lauten die drei genannten Gründe, die für eine Inflationsrate größer Null sprechen? 3.Wie lauten die vier genannten Gründe, die für eine Inflationsrate von Null sprechen? 4.Berechnen Sie den realen Steuersatz, wenn der nominale Steuersatz gleich 25% ist, der Nominalzins gleich 5% ist, die Inflationsrate 4% und der Investitionsbetrag 1. Beeinflusst die Höhe des Investitionsbetrages das Rechenergebnis? 5.Ein Arbeiter mit einem Einkommen von erhält als Kompensation für eine Inflationsrate von 2% einen Anstieg seines Nominallohnes von 2%. Dem deutschen Einkommensteuertarif zu Folge beträgt sein Steuersatz bei einem Einkommen von ,5 %. Nach dem Anstieg seines Nominallohnes beträgt der Einkommensteuersatz 15,1 %. Bestimmen Sie den realen Anstieg der Steuerlast und den realen Anstieg des Einkommens nach Steuer. 6.Erläutern Sie kurz Funktion, Zusammensetzung, Tagungs- und Abstimmungsmodalitäten des Rates der Europäischen Zentralbank.

84 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6.4. Kontrollfragen 7.Nennen und erläutern Sie die geldpolitischen Instrumente der ECB. 8.Beschreiben Sie einen Zinstender nach dem amerikanischen Verfahren. 9.Warum bewegt sich der Tagesgeldsatz im Interbankenhandel immer zwischen dem Einlagensatz und dem Spitzenrefinanzierungssatz der Europäischen Zentralbank? 10.Beschreiben Sie den Einfluss der ECB auf den Kapitalmarkt. 11.Auf welche Segmente des Kapitalmarktes hat die Europäische Zentralbank starken Zugriff, auf welche Segmente hat sie nur schwachen Zugriff. Wie kann man das erklären? 12.Über welchen Weg beeinflusst die ECB die reale Wirtschaft? 13.Wie entsteht Geld in einem zweistufigen Bankensystem? 14.Erklären Sie den Prozess der Giralgeldschöpfung durch die Geschäftsbanken. 15.Erläutern Sie, warum Giralgeld als Zahlungsmittel eingesetzt werden kann?

85 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6.4. Kontrollfragen 16.Wie groß ist die maximale Giralgeldmenge, die von den Geschäfts- banken insgesamt geschöpft werden kann, wenn die Summe ihrer Bargeldkredite von der Notenbank 2000 und die Bargeldhaltungs- quote der Nichtbanken 5 % und der Überschussreservesatz 0% und der Mindestreservesatz 0% beträgt? Wie ändert sich maximal schöpf- bare Giralgeldmenge, wenn die Notenbank einen Mindestreservesatz von 5% einführt? 17.Angenommen der langfristige Trend zum bargeldlosen Bezahlen führt zu einem Rückgang der Bargeldhaltungsquote von 18% im Jahr 2009 zu 16% im Jahr Außerdem sei angenommen, dass im Jahr 2009 die freiwillige Reservequote r v Null ist, der gesetzliche Mindestreservesatz gleich 2% ist und die Bargeldmenge, die von der Notenbank zur Verfügung gestellt wird gleich 1000 ist. (a) Wie stark muss die Notenbank die Bargeldmenge reduzieren, wenn sie die Geldmenge M (= Giralgeldmenge + Bargeld) auf dem Niveau des Jahres 2009 halten möchte? (b) Wie kann der gleiche Effekt erzielt werden durch eine Veränderung der Mindestreserve r r ?

86 © RAINER MAURER, Pforzheim Prof. Dr. Rainer Maure 6.4. Kontrollfragen 18.In Land A hat eine Aktienanlage in Höhe von 1 Million im Jahr 1990 zu einem Gesamtertrag von 2 Million im Jahr 2000 geführt. Die jährliche Inflationsrate war 4%. In Land B hat eine Aktienanlage in Höhe von 1 Million im Jahr 1990 zu einem Gesamtertrag von 1,6 Million im Jahr 2000 geführt. Die jährliche Inflationsrate in Land B war 1%. In welchem Land war der reale Ertrag der Aktieninvestition höher? 19.Erläutern Sie die Gefahr einer Deflationsspirale wenn die Notenbank eine Inflationsziel von 0% verfolgt. Warum ist diese Gefahr geringer, wenn das Inflationsziel über 2% liegt. 20.Warum kann ein negativer Realzins ein starker Anreiz für den Kauf von Gütern sein? 21.Geben Sie eine verbale Erklärung, warum eine Inflationsrate größer Null zu einem stetigen Anstieg der realen Einkommenssteuerlast führt, wenn ein progressiver Einkommenstarif gilt.


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